Quantenheilung ist “maximal ein Placebo-Effekt”

Wie bei den GWUP-News schon gemeldet, hat die Wiener Zeitung den Quantenphysiker Anton Zeilinger interviewt.

Anfang dieses Jahres hatte Zeilinger in einem Gespräch mit der Süddeutschen Ideen wie “Quantenheilung” ins Reich der Fabeln verwiesen.

Den österreichischen Kollegen sagte der Wissenschaftler jetzt:

Um die Quantenphysik zu verstehen, müssen wir ungewöhnlich denken, und ich bezweifle, ob diese Bahnen historisch schon beschritten wurden.

Es gibt für die Quantenphysik keine Grenze ihrer Gültigkeit und es sollte irgendwann möglich sein, zu zeigen, dass auch große Systeme quantenphysikalische Phänomene aufweisen. Diesbezügliche Forschungsprojekte haben wir in Wien gestartet.

Davon getrennt zu sehen ist eine Interpretation, die die Quantenphysik zur Begründung für gewisse esoterische Positionen heranzieht. Das ist blanker Unsinn.

Wer so etwas behauptet, versteht die Quantenphysik nicht, sondern folgt mentalen Spielereien von manchen Leuten. Was soll das heißen, es gibt einen Quantencode, der auch das Leben nach dem Tod beeinflusst?

Es gibt auch “Quantenheiler” – maximal ein Placebo-Effekt. Aber mit Physik hat das überhaupt nichts zu tun.”

Parallel dazu sind in dem englischsprachigen Science-Blog Respectful Insolence zwei Artikel zu der Thematik erschienen:

In letzt genanntem Beitrag geht es unter anderem um diverse Behauptungen des “Goldenen Brett vorm Kopf”-Preisträgers Harald Walach.


Direktlink zum Video auf Youtube

Zum Weiterlesen:

4 Kommentare zu “Quantenheilung ist “maximal ein Placebo-Effekt””


  1. 1 Ralf 14. Dezember 2012 um 23:41

    Ja, die “Quantenphysik” die “Eierlegende-Woll-Milch-Sau” aller Spinner… ;-)

    Die Phänomene der Quantenphysik werden oft als ein Beweis für “Kräfte” gesehen, die unserer alltäglichen Erfahrung zu widersprechen scheinen, z.B. Wunderheilungen; weil in der Quantenphysik sich auch Phänomene zeigen, die – scheinbar – außerhalb den Naturgesetzen stehen.
    Das liegt aber nur daran, daß sie nicht zu unserer “Alltagserfahrung” gehören, genauso wenig wie die Effekte der Relativitätstheorie, z.B. die Zeitdiltation, die nur in der Nähe der Lichtgeschwindigkeit zu “meßbaren” Ergebnissen führt. Aber immer, wenn wir uns bewegen, gibt es eine Zeitdilation bezüglich eines (relativ) unbewegten Systems; genauso verhält es sich mit den Quanteneffekten, die für große Systeme – “unsere Welt” – sind sehr klein und daher vernachlässigbar und kein “Freibrief” für Esoteriker.

    Aber wie schön, man kann unter dem “Deckmäntelchen” Quantenphysik allerlei “Hokuspokus” verstecken… :-)

  2. 2 NeoVG 15. Dezember 2012 um 10:34

    *seufz* Hach, das übliche: Wir nehmen etwas bekanntermaßen funktionierendes wie die Quantenmechanik, das die meisten Menschen nicht verstehen. Dazu erfinden wir etwas, das die Leute immerhin nicht noch weniger verstehen und voila: Durchbruch!

    Ich frage mich schon lange, warum nicht z.B. der Physikunterricht an den Schulen auch dazu genutzt wird, den Leuten Grundlagen von “Sinn von Unsinn unterscheiden” beigebracht wird. In diesem Fall würden sogar zwei Sätze reichen: “Die Quantenmechanik mag seltsam sein, aber sie geht auf makroskopischer Skala in die klassische Mechanik über. Wer da Wunder verspricht, hat endweder die letzten 100 Jahre verschlafen oder ist einfach ein Scharlatan.”

    (PS: Ja ich weiß, dass die Quantenmechanik auch auf größeren Skalen immer noch viele Überraschungen bereit hält, aber wie man es auch dreht und wendet, sie wird nicht die verdammt gut überprüften und praktisch eingesetzten Teile der klassischen Mechanik plötzlich umwerfen.)

  3. 3 Markus 16. Dezember 2012 um 08:16

    Zitat:

    “Das liegt aber nur daran, daß sie nicht zu unserer “Alltagserfahrung” gehören, genauso wenig wie die Effekte der Relativitätstheorie, z.B. die Zeitdiltation, die nur in der Nähe der Lichtgeschwindigkeit zu “meßbaren” Ergebnissen führt.”

    Die Effekte der Relativitätstheorie hängen nicht nur von der Geschwindigkeit ab, und lassen sich prima unter Zuhilfenahme eines Flugzeuges [1] messen.

    [1]

    http://de.wikipedia.org/wiki/Hafele-Keating-Experiment

  4. 4 Ralf 18. Dezember 2012 um 18:30

    Zitat Markus
    <<Die Effekte der Relativitätstheorie hängen nicht nur von der Geschwindigkeit ab, und lassen sich prima unter Zuhilfenahme eines Flugzeuges [1] messen.<<

    Natürlich haben Sie recht, ich wollte lediglich aufzeigen, daß diese Effekte auch auf einer Ebene zur Geltung kommen, die außerhalb unserer "Welt" liegen.
    Wenn man "Telepathie" und "Wunderheilungen" oder "Homöopathie" mit "Quantenphysik" erklären will, dann wird dies mißachtet – in dem Mesokosmos können wir mit den Gesetzen "rechnen" die unserer (gesunden) Alltagserfahrung entsprechen; wir dürfen ganz und gar der Newton'schen Mechanik vertrauen.
    Natürlich spielen die Effekte der "Relativitätstheorie" auch in unserem Alltag mittlerweile eine Rolle (beliebtes Beispiel: GPS) und auch die Gesetze der Quantenmechanik spielen in der Elektronik eine immer größer werdenden Rolle; dies liegt aber daran, daß wir uns immer weiter an die "Grenzen" der "klassischen Physik" bewegen.
    Wir können aber diese "Grenzfälle" nicht auf unserer Welt, 1:1 übertragen und das versuchen die Esoteriker.

    Der Kommentar von "NeoVG" beschreibt es treffend … ;-)

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