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Video: Martin Moder über die Südafrika-Mutante

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Dr. Martin Moder hat in einem Webinar erklärt, warum die BioNTech-Impfung vermutlich auch gegen die Coronavirus-Mutante aus Südafrika (B.1.153) wirksam ist.

Zum vollständigen Vortrag (zirka 1 Stunde 40 Minuten) geht es hier, einen kurzen Ausschnitt gibt’s bei Youtube:

Aktuell liegt die Impfbereitschaft in Deutschland bei 66 Prozent.

Der Psychologe Niklas Günther analysiert heute bei Welt+ mögliche Gründe für die zögerliche Haltung vieler Menschen:

Sowohl Covid-19 und dessen Folgen als auch mögliche Folgen einer Impfung nehmen wir als Bedrohungen für unser Sicherheitsbedürfnis war. Was wir dabei als wie gefährlich einschätzen, orientiert sich aber selten am tatsächlichen Risiko.

Ein Beispiel dafür ist die Angst vor einem Flugzeugunglück im Vergleich zu dem Risiko, das wir beim Autofahren wahrnehmen. Schaut man auf die Zahlen, so stellt man fest, dass 2019 auf einen Toten bei einem Flugzeugunglück (weltweit) zwölf Verkehrstote allein in Deutschland kamen. Warum unsere Risikowahrnehmung so verzerrt sein kann, erklären Befunde aus der Wahrnehmungspsychologie.

So werden Risiken tendenziell überschätzt, wenn sie ungewöhnlich sind, uns sehr präsent sind, sie dramatische Folgen haben und die wahrgenommene Kontrolle über sie gering ist. Ein Flugzeugabsturz ist dramatisch, tritt selten auf, ist dann in den Medien stark präsent und kann das Gefühl von Machtlosigkeit auslösen. Autounfälle sind alltäglicher und daher medial weniger wirksam. Zudem hat man am Steuer eines Autos das subjektive Gefühl, jederzeit die Kontrolle zu haben.

Diese Aspekte lassen sich auch auf die Corona-Impfung übertragen: Die Diskussionen über mögliche Langzeitfolgen der Impfung sind in den Medien allgegenwärtig und führen zu einer hohen mentalen Präsenz.

Das Auseinandersetzen mit den Folgen und Risiken einer Impfung ist zudem nicht alltäglich. Auch wenn die meisten von uns schon einmal geimpft wurden, gibt es kaum Gewöhnungseffekte und wenig individuelles Fachwissen zum Thema Corona. Schließlich bedeutet die Neuartigkeit der Krankheit, dass es keine Erkenntnisse zu Impfnebenwirkungen und deren Wahrscheinlichkeit gibt und diese daher zumindest theoretisch sehr dramatisch sein könnten

Zusätzlich haben wir das Gefühl, keinen Einfluss auf mögliche Folgen zu haben. Das kann dazu führen, dass wir das Risiko der Corona-Impfung im Vergleich zu anderen Risiken systematisch überschätzen.

Medial kommen wir beim Thema Gene [mRNA-Impfstoffe]zudem eher mit Dingen wie Genexperimenten oder genmanipuliertem Essen in Berührung, die oft skeptisch gesehen werden. Diese Assoziationen können dazu führen, dass wir eine negative Einstellung gegenüber mRNA-Impfstoffen entwickeln, auch wenn wir keinerlei Wissen über ihre tatsächliche Wirkweise haben.

In diesem Zusammenhang kann auch von der Affektheuristik gesprochen werden: Sie besagt, dass Menschen bei Entscheidungen ihrem persönlichen Bauchgefühl mehr vertrauen als der rein gedanklichen Auseinandersetzung mit einer Thematik. Das führt dazu, dass es Fakten und rationale Argumente schwer haben, subjektive Überzeugungen von Menschen zu verändern.

Zum Weiterlesen:

  • Was die Covid-19-Impfstoffe verbindet – und was sie unterscheidet, Spiegel-Online am 11. März 2021
  • Impfungen gegen Corona: Das müssen Sie jetzt wissen, test am 5. März 2021
  • SARS-CoV-2-host chimeric RNA-sequencing reads do not necessarily signify virus integration into the host DNA, bioRxiv am 5. März 2021
  • Biontech-Massen-Impfung in Tirol – Erkenntnisse zur Südafrika-Variante erhofft, rnd am 5. März 2021
  • Impfwirkung bei Südafrika-Variante, zdf am 11. März 2021
  • Diese Impfstoffe sind zugelassen oder stehen kurz davor, Zeit-Online am 11. März 2021
  • Johnson & Johnson: So wirkt die Impfung, bei der eine Spritze reicht, Zeit-Online am 11. März 2021
  • Woher die Angst der Impf-Skeptiker kommt, Welt+ am 11. März 2021

7 Kommentare

  1. „Faktencheck: Wie man euch mit dieser Fake-“Impf-Checkliste” manipulieren will“:

    https://www.volksverpetzer.de/corona-faktencheck/faktencheck-impf-checkliste/

  2. 66% würden bei der Norditalien-Variante (europäischer „Wildtyp“) wahrscheinlich reichen, um eine Herdenimmunität zu erreichen, aber ob dies für die deutlich stärker ansteckenden Varianten ausreicht, ist eine andere Frage.

    Um auf der sicheren Seite zu sein, würde ich für eine 90%-ige Durchimpfung plädieren, das würde eigentlich bedeuten, daß jeder, der keine Kontraindikation hätte, sich impfen lassen würde.

    Viele wissen vielleicht noch nicht, daß es sich bei „Corona“, um einen Feind handelt, der uns noch viele Jahre beschäftigen wird – je, rigoroser wir jetzt gegen ihn vorgehen, umso leichter wird es in der Zukunft werden.

  3. Ich verzweifle derzeit an der Art der Medienberichterstattung, die es nicht fertigzubringen scheint, eine wirklich gute, psychologisch geschickte Wissenschaftskommunikation zum Impfthema hinzukriegen. Die Lust an der „Sensation“ und bei manchen auch das Clickbaiting scheinen immer wieder durch.

    Über zwei Drittel wird das Problem dramatisiert, das letzte Drittel – das dann schon nicht mehr gelesen wird – bringt dann Erklärungen, und das dann auch noch im Tenor, als handele es sich um „Ausreden“ der Verantwortlichen. Ein Beispiel dafür lieferte die FAZ vor kurzem:

    https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/astra-zeneca-impfstoff-ema-weist-auf-schwere-allergische-reaktion-als-nebenwirkung-hin-17241605.html

    Nur ein Beispiel.

    Selbst der wohlmeinende Text bei Welt+ ist davon nicht frei. „Schließlich bedeutet die Neuartigkeit der Krankheit, dass es keine Erkenntnisse (sic!) zu Impfnebenwirkungen (!) und deren Wahrscheinlichkeit (!) gibt und diese daher zumindest theoretisch sehr dramatisch sein könnten.“ Der Autor geht mit dieser ungeschickt-unhaltbaren Aussage dem gleichen Bias auf den Leim, dem er mit seinem Beitrag zu Leibe rücken möchte…

    Es ist – schwierig. Oder ich bin überempfindlich. Glaube ich aber nicht, denn mir wird ständig falsche Rezeption solcher Artikel zurückgespiegelt. Jeden Tag.

  4. @Udo Endruscheit

    Selbst seriöse Medien sind eben nicht vor „Clickbait“ gefeit. „41 mögliche Anaphylaxie-Fälle unter fünf Millionen Impflingen in Großbritannien“, das ist natürlich eine dicke Schlagzeile sehr relevant.

    *Ironie off*

    Dass diese Zahl trotz allem sehr gering ist vor allem in Vergleich zu herkömmlichen Medikamenten, lässt man gerne unter den Tisch fallen.

  5. Und noch etwas:

    Die Untersuchung in Großbritannien ergab, dass es zur Pfizer/BioNTech-Imfung sogar eine Spur mehr gemeldete Lungenembolien gab (15/13). Warum wird nur über AZ diskutiert?

    Damit will ich nicht sagen, dass Pfizer/BioNTech genauso „gefährlich“ ist, wie AZ, sondern dass es vermutlich schlicht Zufall ist.

  6. A propos schwere Nebenwirkungen: In den Phase III-Studien zu AZ in GB, Brasilien und Südafrika gab es 175 gemeldete schwere Nebenwirkungen.

    In der Verum-Gruppe: 84

    In der Placebo-Gruppe: 91

  7. @RainerO

    „Warum wird nur über AZ diskutiert?“ (Rhetorische Frage?)

    Schlechte oder unglückliche Kommunikation (a) der beteiligten Firmen, (b) der verantwortlichen Politik oder (c) der aufmerksamkeitsorientierten Medien (kein entweder-oder).

    Das Gleiche lässt sich meiner bescheidenen Meinung auch bei der Kommunikation der Maßnahmen und bei einigen anderen politischen „Aufregern“ beobachten.

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