gwup | die skeptiker

… denken kritisch seit 1987.

Morde und Kirchenbrände: „Lords of Chaos“ über den satanischen Zweig des Heavy Metal jetzt im Kino

| 17 Kommentare

1994 habe ich meinen ersten Journalistenpreis bekommen: für eine Reportage über die militante Black-Metal-Szene in Norwegen und Ostdeutschland.

2002 erschien dann die deutsche Ausgabe von „Lords of Chaos“ („Satanischer Metal: Der blutige Aufstieg aus dem Untergrund“) von Michael Moynihan und Didrik Søderlind plus CD („Die Geschichte der okkulten Musik“).

Seit vielen Jahren ist auch eine Verfilmung im Gespräch gewesen – jetzt ist es endlich soweit. Am 12./13. und am 19./20. Januar wird der Streifen bei den „Fantasy Filmfest White Nights“ in Berlin, Frankfurt, Hamburg, Köln, München, Nürnberg und Stuttgart gezeigt.

Es handelt sich indes nicht um eine Doku, sondern um einen (englischsprachigen) Spielfilm, der „auf realen Ereignissen basiert und den zum Albtraum mutierten Traum einer Gruppe von Teenagern zeigt, die völlig außer Kontrolle geraten“.

Es ist eines der dunkelsten Kapitel der Musikgeschichte: Anfang der 1990er verloren sich die Mitglieder der norwegischen Black Metal Band Mayhem in ihrer gesellschaftsverachtenden Ideologie. Mit ihrer Musik prägen sie den satanischen Zweig des Heavy Metals bis heute. Suizide, Kirchenverbrennungen bis hin zu grausamen Mordtaten: Die Anhänger von Mayhem schreckten vor nichts zurück und versetzten damit nicht nur ihr Land in Aufruhr.

Dem charismatischen Teenager Øystein Aarseth alias Euronymus geht es um die Erschaffung der bösesten und somit wahrhaftigsten Musik. Mit den Menschenblut verspritzenden Auftritten seiner Band gewinnt er einen harten Kern höriger Fans. Auf das Konto dieses so getauften Inner Circles geht bald eine Serie der verstörendsten Verbrechen, die Norwegen je erschüttert hat.



LORDS OF CHAOS basiert auf dem gleichnamigen Buch, das die Vorfälle gewissenhaft aufarbeitet. Multi-Grammy-Gewinner und Musikvideo-Maestro Jonas Åkerlund (u.a. Rammstein, Metallica, Madonna) und seine überragende Darstellerriege vollbringen nun das Kunststück, die realen Vorbilder weder zu glorifizieren noch zu verdammen. Ohne reißerisch zu werden, zeigen sie, was gezeigt werden muss, bis zur Unerträglichkeit. Selbstverständlich spielen wir die Unrated-Version. Anders kann und darf diese Geschichte nicht erzählt werden.

Nun ja – ärger als die realen Youtube-Videos, in denen Vark Vikernes mehr als zwei Jahrzehnte später immer noch sein Mordopfer Euronymous verhöhnt und völkisch-rassistisches Gedankengut verbreitet, kann’s kaum werden.

Zum Weiterlesen:

  • Ich habe neun Stunden lang den YouTube-Kanal von Burzum geschaut, noisey am 9. Dezember 2015
  • Burzums Varg Vikernes lästert gerade auf YouTube über sein Mordopfer ab, noisey am 30. September 2016
  • Hypocrisy, Death Metal und die Neue Weltordnung, GWUP-Blog am 1. März 2013
  • Black-Metal-Trip für Touristen: Und dort links sehen Sie die Hölle, Spiegel-Online am 18. Juli 2012
  • Wie ein rechtsextremer Mörder zum Popstar wurde, Die Welt am 30. März 2010
  • Black Metal in Norwegen: Der mörderische Kult des Nordens, tagesspiegel am 24. Juli 2011
  • Norwegische Subkultur: Black Metal wird immer dagegen sein, Zeit-Online am 14. November 2013
  • „Lords of Chaos“: Ein Film über die Anfänge des norwegischen Black Metal, metal-hammer am 4. Januar 2019

17 Kommentare

  1. Na, wenn Sie da mal nicht mit dieser „Satanisten sind alle lieb und tun keinem was“-Psychologin aus Ihren eigenen Reihen aneinander geraten…

  2. @DaDevil:

    Wieso sollte ich?

    Die Ereignisse in Norwegen waren genauso wenig „satanistisch“ motiviert wie die angeblichen „Satansmorde“ von Witten, Sondershausen o.ä.

    Vark Vikernes z.B. ist ein Rassist und Neonazi, aber kein „Satanist“.

  3. Klar… no true scotsman…

  4. @DaDevil:

    Nö, simple Tatsache.

    Wenn Sie anderer Meinung sind, überzeugen Sie mich gerne vom Gegenteil, z.B.:

    – Welcher „satanistischen“ Gruppierung gehörte Vikernes an?

    – Auf welche „satanistische“ Lehre stützte sich sein Tun?

    – Welche Aussagen von ihm – z.B. bei dem Mordprozess – lassen auf einen „satanistischen“ Hintergrund schließen?

    Etc.pp.

  5. DaDevil:

    „Das bisher grundlegendste Buch über den norwegischen Black Metal, Innfødte skrik (Urschrei) von Håvard Rem, liest sich bisweilen wie ein russischer Roman aus dem 19. Jahrhundert. Es versammelt einen Haufen überspannter junger Männer, die sich zu Beginn der neunziger Jahre in die Einführung des Protestantismus im heidnischen Norwegen hineinleben, in den Sturm und Drang, in die Nationalromantik und in den Zusammenbruch der westlichen Metaphysik. Die Leere nach dem Sinnverlust füllen sie mit übermütigem Philosophieren und verwirrten Herkunftsmythen, die in Form gutturalen Gesangs über wehmütigen Tönen, verdrehtem Gitarrensound und einem Sturm doppelter Basstrommeln vorgetragen werden.“

    https://www.zeit.de/kultur/musik/2013-10/black-metal-norwegen/seite-2

  6. Die Verantwortlichen für die damaligen Straftaten sahen sich vordergründig dem Neuheidentum zugehörig, Satanismus spielte trotz gegenteiliger Behauptungen bei genauer Faktenprüfung keine Rolle.

    Wir haben diesen Umstand bereits vor geraumer Zeit veröffentlicht, nachdem ein Mitglied der BoS, welches derzeit in Norwegen lebt, dies nochmals überprüft hatte.

  7. @Francis Dollarhyde:

    Selbst bei einer relativ oberflächlichen Quelle wie Wikipedia wird Vikernes als „Vertreter eines rechtsextrem ausgelegten Neuheidentums“ bezeichnet.

    Der glaubt weder an Gott noch an den Teufel noch an sonst irgendwas.

    Der Bandname „Burzum“ ist ja auch nix Satanisches, sondern stammt aus dem „Herrn der Ringe“.

  8. @akrull:

    Ich wollte es zuerst löschen, wegen reiner Werbung.

    Gut, mit bisschen Phantasie gibt es ein paar Anknüpfungspunkte an „unsere“ Themen, wie Okkultismus im Dritten Reich, Geisterbeschwörungen, Verschwörungstheorien etc.

  9. Ein weiteres Beispiel ist:
    https://de.wikipedia.org/wiki/Hendrik_M%C3%B6bus

    Dem skandinavischen Black-Metal konnte ich noch nie etwas abgewinnen…ich bin da mehr dem Death-Metal verbunden ;-)
    Die einzige „Black-Metal-Band“ aus Schweden, die ich höre ist Unleashed, aber das ist mehr Death-Metal als Black-Metal, aber auch da sind leider Bezüge zum Neuheidentum zu erkennen…mit „Satan“ im klassischen Sinne hat das nichts zu tun.

    Etwas zum schmunzeln:
    https://www.youtube.com/watch?v=RJrBPEXJEOY&t=2s

    btw:
    https://www.metal-hammer.de/golden-globe-gewinn-christian-bale-dankt-satan-1155067/

  10. @Ralf i.V.:

    Möbus galt damals ja als eine Art Verbindungsmann der Szene zwischen Skandinavien und Ostdeutschland.

  11. @Bernd Harder
    Ja, und jetzt knüpft er Kontakte zur osteuropäischen Szene…Rechtsrock hat deutsche Texte, aber „Black-Metal“ ist international (weil Texte in englisch), so entfernt sich der „Black-Metal“ immer mehr von dem „Satanismus“ und wird immer mehr zu einem Sprachrohr der rechten Szene, das hat auch nichts mehr mit Neuheidentum zu tun, sondern ist offensichtlich rechtsradikal.

    https://de.wikipedia.org/wiki/National_Socialist_Black_Metal
    https://www.bnr.de/artikel/aktuelle-meldungen/europas-nsbm-szene-sammelt-sich-in-kiew
    http://www.recherche-und-aktion.net/2014/08/das-netzwerk-der-berliner-black-metal-nazis/

  12. Das wollte ich auch schreiben, dass sich nach Osteuropa orientiert wird („Asgardsrei Fest“) und das mag an die sog. Neurechte Szene legen, die u.a. vom Okkultisten und Ideologen Alexander Dugin geprägt wird.

    Übrigens hat jemand in Amerika von der Atomwaffen Division ein Burzum Shirt getragen.

    Geparrt mit der Ideologie ist das bedenklich, aber zeigt auch, dass es vereinzelte Menschen sind, die bei der Meinungsbildung eine große Strahlkraft über alles hinweg haben können. Und vielleicht wird auch noch zu unreflektiert sich mit der NS-Symbolik verhalten, sofern sie nicht glorifiziert wird? Eigentlich sollte man aber davon ausgehen, dass ein kritisches Bewusstsein vorhanden ist beim Hörer.

    Black Metal hat nach meinem Erkenntnisstand Satanismus jedenfalls wenn nur als provozierendes Image genutzt. Und weniger als Philosophie. In der Doku Satan Rides The Media äußerte der Bassist von Mayhem auch, dass sie nur sagten, dass sie Satanisten seien, damit die Leute die Zeitungen lesen geschockt sind.

    Es wurde mit diesem schrägen Humor also Öl ins Feuer der Satanic Panic gegossen. Mittlerweile gibt es auch Atmospheric Post Black Metal (sogar aus Kenia), wo es mehr um das Gefühl beim hören geht.

    Persönlich finde ich die Musik entspannend. Und was Rechts und Verschwörungsmythen angeht, ist das wieder ein Thema für sich.

  13. „Lords of Chaos“ basiert auf wahren Begebenheiten und handelt von einem Mord in Norwegens Black-Metal-Szene

    http://www.spiegel.de/kultur/kino/lords-of-chaos-und-heavy-trip-metal-erobert-die-kinoleinwand-a-1247207.html

  14. Mayhem fackelten Kirchen ab und feierten den Suizid ihres Sängers. Jetzt bekommen wir den ersten Trailer zum neuen Film zu sehen – mit Wilson Gonzalez Ochsenknecht.

    https://noisey.vice.com/de/article/evegjj/lords-of-chaos-kinostart-mayhem-trailer-film-vice

  15. @Crazyfrog:

    Ich fand den Film sehr gut.

    W.G. Ochsenknecht spielt den Fahrer, der Vark Vikernes am Schluss von Bergen nach Oslo fährt, wo der dann Euronymous ermordet. Nicht ganz realistisch dargestellt, da der Typ in der Realität genau wusste, was Vikernes vorhat. Im Film gibt er eher den ahnungslosen Mitläufer.

    Trotzdem hat Ochsenknecht nach der Vorstellung (er war in München persönlich da) ganz vernünftig und interessant von der Geschichte und den Dreharbeiten erzählt.

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.