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MedUni Wien streicht die Homöopathie-Vorlesung

| 22 Kommentare

Schluss mit Homöopathie an der MedUni Wien:

Gegenüber nextdoc erkärte der Rektor der Medizinischen Universität Wien, Univ.-Prof. Dr.med.univ. Markus Müller:

„Die MedUni Wien ist als international sichtbare, österreichische Leitinstitution dem Prinzip der evidenzbasierten Medizin verpflichtet. Patienten sollten daher ausschließlich nachvollziehbare und wissenschaftsbasierte Heilverfahren angeboten werden.

Diese institutionelle Haltung spiegelt nicht nur die österreichische Position der Ausbildung im Rahmen des Masterstudiums zum „Doctor medicinae universae“ (Dr. med. univ.) wider sondern wird auch von internationalen Fachmedien und einem relevanten und mittlerweile auch einem weiten Spektrum der veröffentlichten Meinung vertreten.“

Daher böte die MedUni Wien, so Müller, „kein Angebot alternativmedizinischer Ideen“.

Laut Müller wurde Michael Frass, der bisherige Leiter der Lehrveranstaltung zur Homöopathie und Leiter der komplementärmedizinischen Ambulanz, mit Anfang des Jahres darüber informiert, dass sich die MedUni Wien von unwissenschaftlichen Methoden und namentlich der sogenannten Homöopathie institutionell distanziere.

Frass kommentierte die aktuelle Situation damit, dass viele Studenten die Absage der Lehrveranstaltung bedauern würden.

Ach ja?

Mehr als die angebliche „Beliebtheit“ der Homöopathie fällt auch Österreichs Ober-Homöopathen nicht mehr dazu ein.

Offenkundig ist die argumentative #Globukalypse längst eingetreten.

Denn weder „Beliebtheit“ noch diverse Anekdoten können über den entscheidenden Punkt hinwegtäuschen:

Mit dem aktuellen Schritt der MedUni Wien, sich institutionell von der Alternativmedizin zu distanzieren, schließt sie sich der Meinung vieler aus der scientific community an.

So hatte beispielsweise die Dachorganisation der europäischen Akademien der Wissenschaften, das European Academies Science Advisory Council (EASAC), dafür plädiert, dass in Europa nur nachweisbar wirksame Medizinprodukte verkauft werden sollten.

Der Grund: Es gebe keine Belege für die Wirksamkeit von Homöopathie, und ihre Anwendung verzögere evidenzbasierte Therapien.

Danke, MedUni Wien!

Update:

  • Homöopathie: Seelenfängerei an Universitäten, derStandard am 28. November 2018

Zum Weiterlesen:

  • Die MedUni Wien distanziert sich von der Homöopathie, nextdoc am 23. November 2018
  • Das Waterloo der Homöopathie: der Donner-Report, Onkel Michaels kleine Welt am 22. November 2018
  • Sahnehäubchen, gnaddrig ad libitum am 14. November 2018
  • Streitthema Homöopathie, medizin-transparent am 23. November 2016
  • MedUni Wien streicht Homöopathie aus dem Lehrplan, kurier am 23. November 2018
  • EU-Akademien warnen vor Homöopathie, kurier am 27. September 2017
  • „Homöopathie hat in einer seriösen Apotheke nichts zu suchen“, Medical Tribune am 19. Oktober 2018
  • „Kollege Lübbers reagiert auf die zahlreichen Leserbriefe in der MT“ am 23. November 2018

22 Kommentare

  1. Ein gutes Zeichen. Ich bin gespannt, ob auch die deutschen Homöopathieverbände darauf reagieren werden und wenn ja, wie. Empörte Schnappatmung wird sicherlich dazugehören.

  2. Die Klausurfragen zu einer Homöopathievorlesung würden mich interessieren.

  3. Ein guter Schritt! Wobei es schon auch drauf ankommt, wie eine Vorlesung zur Homöopathie aussieht. Unter Frass‘ Leitung sicherlich nicht kritisch; was Homöopathie ist, sollten Mediziner allerdings schon wissen, solange sie weiterhin als Arzneimittel verkauft werden darf.

    @Uwe Hauptschüler
    Was soll an den Fragen besonders sein? Nur weil die Homoöpathie an sich nicht auf einem soliden wissenschaftlichen Fundament steht, heißt das doch nicht, dass man ihr keine akademischen Rahmen geben kann (ob man das soll ist natürlich die andere Frage, die die Uni nun meiner Meinung nach richtig beantwortet hat).

    Man könnte ja auch in Geschichtswissenschaften Tolkien behandeln und Fragen zu Genealogien, Kriegen in Mittelerde etc. stellen.

    Nun habe ich nicht Medizin studiert sondern Pharmazie und auch in meinem Curriculum kam homöopathie vor. Fragen, die mir so für eine Klausur einfallen:

    „Wofür stehen D, C, LM bei der Angabe homöopathischer Potenzen?“
    „Stellen Sie dar, wie die Potenzierung von XY ausgehend von der Ursubstanz zur Potenz D6 abläuft!“
    „Erklären Sie, was Pel Talpae ist!“
    „Was ist das Grundprinzip der Homoöpathie?“

  4. @ Christian Becker:

    Denk dran, Medizinstudenten können nicht schreiben, nur lesen und ankreuzen. Also bitte die Frage als MC formulieren:

    „In welcher Potenz ist ab der 23. Verdünnung kein Molekül der Ursubstanz mehr vorhanden?
    A) C
    B) D
    C) LM
    D) LMAA
    E) alle Antworten sind richtig“

    So geht das.

  5. Selbst wenn man sich akademisch mit der Homöopathie beschäftigt, kann man deren Unsinnigkeit in ein oder zwei Abendveranstaltungen darlegen. Eine semesterfüllende Vorlesungsreihe braucht es dazu nicht.

    Die dafür notwendige Vorbildung sollte schon vor dem Abitur erworben worden sein.

  6. @ RainerO:

    „Die dafür notwendige Vorbildung sollte schon vor dem Abitur erworben worden sein.“

    „Sollte“ ist das richtige Wort. Nur wie soll das gehen, wenn so mancher Lehrer selber ein Kügelchen-Fan ist?

  7. @Flo
    Ach, richtig, die Mediziner. Haben die eigentlich einen Vorteil beim Lottospielen? Kreuzen die eher richtig an?

    Wir hatten ja auch viel zum Ankreuzen, aber auch Fragen, bei denen Antworten formuliert werden mussten.

    @RainerO
    Nun ja, das ist schon richtig. Kommt halt drauf an, ob man nur vermitteln will, warum Homöopathie so nicht funktioniert, oder z.B. auch noch ein paar Studien anschaut, und dabei noch lernt, warum es keine Willkür ist, wenn man bei Metaanalysen sehr viele positive (für die Zuckerschlucker) Studien rausschmeißt.

  8. @Christian Becker

    Was soll an den Fragen besonders sein?

    Der Unterhaltungswert. Sicherlich ließe sich der ein oder andere Nonsens in einer Klausursammlung finden.

  9. -was ist das grundprinzip der homöopatie?- der glaube

    -was ist das grundproblem der homöopatie?- der glaube daran, daß wenn ich das „verdünnen“ -umbenenne- in „potenzieren“, durch die namensänderung sich grundlagen der chemie ändern. –> da die homöos das noch nie beweisen konnten, fordern sie studien , studien….. immer wieder .

    -wenn die karre nicht anspringt weil der tank leer ist kann man starten starten ….

    bis die batterie leer ist. (nutzlos wie oben)

  10. Die Uni Wien zieht die Konsequenz daraus, dass die Homöopathie nicht Schulmedizin sein will, also erst recht nicht Hochschulmedizin sein kann.

  11. Warum das Wahlfach Homöopathie an der Med-Uni Wien gestrichen wurde – derstandard.at/2000092345586/Homoeopathie-Polarisierende-Potenzen

    https://derstandard.at/2000092345586/Homoeopathie-Polarisierende-Potenzen

  12. @crazyfrog:

    Diese Umfrage wird derzeit von Homöopathen weltweit geteilt, bis nach Indien.

    Unsere Freunde wollen mal wieder die „Wirksamkeit“ ihres Zauberzuckers per Akklamation herbeiführen.

  13. zu crazyfrogs-Beitrag:

    Ein Zitat aus Facebook:
    „[…]Apothekenpflicht ja – in der Hoffnung dass es da nur qualitativ hochwertige homöopathische Globuli und Tropfen gibt.“

    Wenn es nicht so traurig wäre, könnte man darüber lachen…

    Viele Kommentare sprechen von „Gift“, „Chemiekeule“, „aber das weiß die Pharmaindustrie zu verhindern“…auch manche Kommentare, die milde formuliert sind, verwenden diese Begriffe…hier sieht man, wie verinnerlicht das in den Köpfen der Befürworter ist.

    Ich frage mich, ob das aus den Köpfen dieser Menschen wieder zu entfernen ist, gerade bei einem Gesundheitssystem, das gegen die Wand gefahren wird… zb durch Ärztemangel und Personalmangel in der Pflege, Gewinnmaximierung in Kliniken usw usw usw…

  14. Homöpathie gehört nicht an die Universität.
    Ich habe eine Fallbeschreibung gelesen und nur noch gedacht, das ist Irrsinn. Man gibt ein Mittel und alles, was danach kommt, führt man auf das Mittel zurück:

    Leseprobe

    „….Sie hatte oft Blasenentzündung. Unwillkürlicher Urinabgang beim Husten. Die Patientin kann keine Sonne vertragen, sie bekommt Kopfschmerzen. Wiederholt wurde eine Anämie festgestellt. Schwindel morgens beim Aufstehen. Druck auf den Ohren; sie hatte als Kind eine Mittelohrvereiterung. Schlechter Schlaf, erwacht oft um 3 Uhr. Viele Rückenschmerzen, besonders nach langem Sitzen. Stechende Schmerzen im Rücken und im Ellbogen. Allergisch gegen Kamillentee, kann ihn nicht riechen. (Weint beim Erzählen).

    Es wurden gegeben: Pulsatilla LM 6 und später LM 12, verdünnt bis Dil. 3, weil das Mittel schlecht vertragen wurde. Es gelang immer, die Magen-Darm-Probleme zu bessern, nicht aber die furchtbaren Menstruationsbeschwerden.
    Dies gelang auch nicht mit den in der Folge gegebenen Mitteln: Sulfur, Lycopodium und Lachesis.

    Sie wurde wegen eines akuten Bandscheibenvorfalls in der LWS stationär mit Kortison behandelt, was sie völlig krank machte. Insbesondere hatte sie Magenschmerzen und starke Übelkeit mit Erbrechen.

    Nux vomica C 200 behob diese Beschwerden und besserte auch die folgende Menstruation etwas….“

    Ah ja, C200 behob die Beschwerden????

    Quelle:
    https://www.remedia-homoeopathie.de/bambusa-arundinacea-kasuistik-von-bernd-schuster/e798

  15. Bei Pharmama gibt es aktuell einen Gastbeitrag eine Wiener Apothekerin, die sich für den Verbleib der HP in der Apotheke und gegen die Streichung der HP-Vorlesung an der Uni Wien stark macht – Hauptargument: „Es ist doch ein gutes und allgemein akzeptiertes Placebo.“

    http://scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2017/04/20/die-verschwoerung-um-die-flache-erde/#comment-1743266

    (kopfauftisch)

  16. @noch’n Flo
    Ich denke, dass es nicht deine Intention war, die Flache-Erde-Diskussion bei Florian Freitstetter zu verlinken, sondern statdessen den Artikel bei Pharmama. ;)

  17. Mist, copy/paste versemmelt. Sorry!

    (Ich brauche echt schon wieder Urlaub…)

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