Glyphosat: Die ganze Debatte – und was geht uns das an?

von Amardeo Sarma

Zehn Jahre? Oder fünf? Oder nur noch ein Jahr?

In dieser Woche ist die Entscheidung über eine erneute Zulassung des Unkrautvernichtungsmittels Glyphosat innerhalb der Europäischen Gemeinschaft wieder vertagt worden.

Die EU-Kommission hatte zunächst eine zehnjährige, dann eine siebenjährige Verlängerung gefordert. Die derzeitige Zulassung läuft am 15. Dezember ab. Danach darf Glyphoast nur noch maximal zwölf Monate lang eingesetzt werden. Rund zehn Staaten, darunter politische Schwergewichte wie Frankreich und Italien, sind gegen eine Verlängerung.

Nun soll am 9. November erneut abgestimmt werden, und zwar über einen Kompromissvorschlag von EU-Kommissar Vytenis Andriukaitis (Gesundheit und Lebensmittelsicherheit), der für eine Übergangsfrist von fünf Jahren eintritt. Das EU-Parlament fordert – rechtlich nicht bindend – ein vollständiges Verbot des Totalherbizids ab Dezember 2022.

Fast alle großen Medien berichteten über die Sondersitzung des Ständigen Ausschusses für Pflanzen, Tiere, Lebens- und Futtermittel am vergangenen Mittwoch. Dabei kannten vor wenigen Jahren nur Fachleute dieses Pflanzenschutzmittel.

Mein erster Kommentar dazu im Sommer 2015 lautete „Noch eine Sau durchs Dorf“. Im Mai 2016 riefen GWUP und Deutscher Konsumentenbund …

… Politiker aller Parteien dazu auf, wissenschaftliche Erkenntnisse zum Maßstab ihrer Abstimmung über die Zulassung von Glyphosat zu machen. Nur auf dieser Basis können wir Entscheidungen treffen, von denen Mensch, Landwirtschaft und Umwelt gleichermaßen profitieren.“

Damit war zugleich das Interesse der GWUP an der Glyphosat-Kontroverse umrissen: Bereits rund zwei Jahre vor dem “March for Science” ging es uns darum, die Wissenschaft gegen die Einflussnahme von Interessengruppen zu verteidigen, deren Argumentationsweise nur allzu deutlich die altbekannten Muster von Pseudowissenschaftlern aufwies.

Die GWUP hat dies frühzeitig als Herausforderung begriffen – umso mehr bei einem gesellschaftlich höchst relevanten Thema mit direkten Folgen für Gesundheit, Umwelt und Ernährungssicherheit.

Heute wird die Auseinandersetzung um Glyphosat nach wie vor hochemotional geführt. Als Beispiel mag ein Kommentar in der Süddeutschen Zeitung (“Worte voller Ignoranz und Arroganz”) dienen.

Warum diese Debatte auch die Skeptiker-Bewegung tangiert und aus welchem Grund wir das Thema weiterhin kritisch begleiten, möchte ich im Folgenden ausführen.

Stand der Wissenschaft und der Risikobewertung

Ein Rückblick: Glyphosat wird seit 1975 als Herbizid eingesetzt. Es gilt als eines der am wenigsten problembehafteten Pflanzenschutzmittel. Das Phosphonat wird in Deutschland auf 30 bis 40 Prozent der Landfläche eingesetzt. Glyphosat trägt dazu bei, die Produktivität der Landwirtschaft zu steigern, und schont dabei unter anderem durch den Verzicht auf Pflügen das Klima.

Natürlich ist Glyphosat weder ein Universalmittel noch die Patentlösung für alles. Und selbstverständlich gibt es Pro und Contra.

Naturschützer beklagen insbesondere die Eigenschaft des Total-Herbizids, auf sämtliche grüne Pflanzen zu wirken, auch auf “Kraut, Strauch und Moos”. Mit der nahezu vollständigen Vernichtung aller Kräuter und Gräser auf dem Acker sinke nicht nur die Zahl der Pflanzen stark, dies entziehe allen an Ackerlebensräume gebundenen Arten wie Insekten und Feldvögeln großflächig die Lebensgrundlage.

Für die konventionelle Landwirtschaft ist Glyphosat dagegen …

… eines der wichtigsten Hilfsmittel überhaupt. Ein endgültiges Verbot würde einen Großteil der Landwirte wirtschaftlich hart treffen […] Kurzfristig werden die Landwirte auf teurere Pflanzenschutzmittel zurückgreifen müssen. Die Konsequenz: Billige Auslandsware könnte die Produkte deutscher Bauern verdrängen. Forscher der Universität in Gießen gehen in der Folge von einem europaweiten Schaden von 1,4 bis 4,2 Milliarden US-Dollar aus, sollte das Pflanzengift verboten werden.”

Christoph Schäfers, Professor am Fraunhofer-Institut für Molekularbiologie und Angewandte Ökologie, erklärt zudem:

Es gibt zurzeit kein chemisches Mittel, das so effektiv ist wie Glyphosat. Entweder sind die Ersatzstoffe toxischer oder unwirksamer oder beides.”

Diese Erörterungen sind wichtig und bedeutsam – aber noch kein genuines GWUP-Thema. Man kann mit und ohne Glyphosat gute Landwirtschaft betreiben.

Wissenschaftlich unredlich wurde die Glyphosat-Kontroverse indes im März 2015, als die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) der WHO Glyphosat als “wahrscheinlich krebserregend” einstufte und auch große Medien wie Die Zeit mit alarmistischen Überschriften wie “Ein Stapel an Beweisen spricht gegen Glyphosat” aufmachten.

Das ist schlichtweg falsch – und an dieser Stelle kommt die Forderung von GWUP und DKB ins Spiel, wissenschaftliche Erkenntnisse zum Maßstab für Entscheidungen zu machen.

Zu diesem Zweck hatte die damalige rot-grüne Bundesregierung schon 2002, nach der BSE-Krise, das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) ins Leben gerufen. Die Salonkolumnisten erinnern dieser Tage dankenswerterweise daran, dass das BfR ein “Kind” der Grünen und von Umweltministerin Renate Künast gewesen ist.

Diesselbe Renate Künast, die heute “mehr Transparenz” bei der Prüfung und Zulassung von Glyphosat fordert.

Das BfR hat auch eine Risikobewertung in Sachen Glyphosat vorgenommen. Ergebnis: Die Bundesbehörde sieht keine Bedenken bei sachgemäßer Verwendung.

Und das BfR steht mit dieser Einschätzung keineswegs alleine da. Andere unabhängige Einrichtungen weltweit, die allesamt wissenschaftlichen Kriterien verpflichtet sind, sehen dies genauso. Dazu zählen:

  • die Europäische Behörde für Lebensmittelsichert (EFSA) sowie die Expertinnen und Experten der Risikobewertungsbehörden der EU-Mitgliedstaaten
  • die US-amerikanische Umweltbehörde EPA
  • die kanadische Bewertungsbehörde Pest Management Regulatory Agency (PMRA)
  • die australische Bewertungsbehörde Australian Pesticides and Veterinary Medicines Authority (APVMA)
  • die japanische Food Safety Commission
  • die neuseeländische Umweltbehörde EPA
  • das Joint FAO/WHO Meeting on Pesticide Residues (JMPR) und
  • die Europäische Chemikalienagentur (ECHA)

Einzige Ausnahme: jene IARC in Lyon, die 2015 mit der Behauptung in die Diskussion platzte, Glyphosat sei „wahrscheinlich krebserregend“.

Nur hat diese Einstufung nichts mit dem realen Risiko für Landwirte und Verbraucher zu tun. Es geht dabei lediglich um das Potenzial von Stoffen, Krebs zu erzeugen – nicht um das Krebsrisiko im realen Leben, das von diesen Stoffen ausgeht. Auch Holzstaub und Sonnenstrahlen sind nach der IARC-Einstufungsskala “potenziell krebserregend”.

Insofern nahm die IARC mitnichten eine Risikobewertung vor. Institutionen, die eben dies tun, geben für Glyphosat Entwarnung.

Fehlende Transparenz beim IARC

Und nicht nur das. Gerade die IARC ist alles andere als ein Musterbeispiel für die Grünen-Forderung nach “mehr Transparenz”.

In der vergangenen Woche deckte die Nachrichtenagentur Reuters auf, dass der IARC-Bericht von 2015 massiv auf anti-Glyphosat getrimmt wurde:

Demnach gab es zehn erhebliche Änderungen, und sie gingen alle in dieselbe Richtung: Immer wurden aus negativen Aussagen bezüglich des Krebsrisikos (“nicht krebserregend”) neutrale oder sogar positive.”

Eine Schlüsselfigur dabei ist der Statistiker Christopher J. Portier, Professor an der Universität Maastricht, der für internationale Organisationen die Krebsgefahren diverser Substanzen untersucht.

Die Krebs-Monografie der IARC “trägt auch seine Handschrift” (FAZ). Allerdings verschwieg Portier, dass er als Sachverständiger Geld von US-Anwälten – mindestens 160 000 Dollar – erhielt, die Monsanto im Auftrag potenzieller Glyphosat-Opfer verklagen.

Zudem arbeitet Portier für den “Environmental Defense Fund (EDF)”. Diese NGO veröffentlicht durchaus differenzierte Stellungnahmen etwa zur Gentechnik, neigt aber zu einer übertrieben negativen Einstellung gegenüber Pestiziden.

Zur Transparenz hätte es gehört, dass Portier seine Interessenkonflikte offenlegt. Sie sind nämlich alles andere als unerheblich.

Der Wissenschafts- und Risikokommunikator Prof. David Zaruk, Betreiber des Blogs The Risk Monger, der die Unstimmigkeiten rund um die IARC mit ans Licht brachte, stellt sogar Sinn und Zweck der Internationalen Agentur für Krebsforschung infrage.

Er verweist dabei auf eine kürzlich erschienene Veröffentlichung in dem Fachjournal Regulatory Toxicology and Pharmacology. In dem Beitrag kommen die Autoren zu folgendem Schluss bezüglich der IARC-Klassifizierung:

Hazard-identification based classification schemes are inadequate to guide appropriate risk management decisions and have become outmoded.”

Interessenkonflikte und Manipulationen

Was sagt uns das?

Natürlich beschäftigen Glyphosat-Hersteller Lobbyisten und versuchen Einfluss auf politische Entscheidungen zu nehmen. Und selbstverständlich können wir uns nicht blindlings auf die Angaben der Industrie verlassen.

Aber auch nicht-industrielle Organisationen, NGOs und Umweltschutzgruppen verfolgen ihre Anliegen mit nahezu allen Mitteln. Auch ihre Glaubwürdigkeit muss stets hinterfragt werden.

Die Fachleute beider Seiten scheinen diskreditiert und auf irgendeine Weise gekauft, und es scheint fraglich, wem man noch glauben soll”,

kommentiert die FAZ.

Die “Schrottstudie” (Psiram) von Séralini, nach der eine gentechnisch veränderte Maissorte bei Ratten Tumore verursachen soll, ist ein weiteres Beispiel dafür.

Glyphosat wird übrigens von mehr als 90 Chemieunternehmen in der ganzen Welt hergestellt. Die Patente auf den Stoff sind schon im Jahr 2000 abgelaufen. Allerdings ist der US-Konzern Monsanto nach wie vor Marktführer (mit etwa 40 Prozent Marktanteil).

Darüber hinaus hat Monsanto gentechnisch verändertes Getreide im Angebot, das unempfindlich gegen Glyphosat ist. Auch aus diesem Grund wird Monsanto ständig erwähnt, wenn es um Glyphosat geht”,

schreibt Spiegel-Online.

Auch – aber nicht nur deswegen.

Möglicherweise ist Monsanto eine willkommene Projektionsfläche für die geballte Empörung der Glyphosat-Ablehner. Wenn Monsanto Autoren dafür bezahlt haben sollte, damit diese positiv über Glyphosat berichten, dann ist das in hohem Maße verwerflich.

Differenzierter muss man dagegen den Vorwurf sehen, auch das BfR habe zum Teil einfach bei Monsanto abgeschrieben und die Einschätzung des Unternehmens, was die Unbedenklichkeit von Glyphosat angeht, kritiklos übernommen, und zwar ohne die Quelle kenntlich zu machen. Denn laut BfR ist es …

… üblich und anerkannt, dass die Bewertungsbehörden nach kritischer Prüfung der Originalstudien auch Passagen aus eingereichten Dokumenten in ihre Bewertungsberichte integrieren.”

Die Lage ist trotzdem nicht optimal

Nichtsdestotrotz ist völlig verständlich, dass sogar renommierte Wissenschaftsredaktionen wie die von Spiegel und FAZ den Eindruck vieler Menschen thematisieren, dass möglicherweise doch “bei den Bewertungen gemauschelt wird” beziehungsweise “ein Nebel in diesem komplizierten Falll aufzieht”.

Hier könnte ein Ansatz aus der Medizin helfen, der ein sehr ähnliches Problem betrifft: Etwa die Hälfte aller klinischen Studien wird nie veröffentlicht. Somit können Pharmaunternehmen Fehlschläge bei der Entwicklung von Medikamenten verschweigen und im schlimmsten Fall sogar Medikamente als “wirksam” deklariert werden, obwohl es daran erhebliche Zweifel gibt.

Die Initiative „AllTrials“ geht dieses Problem an. Ihre Forderung: Alle Studien und deren Methoden sollen vor Beginn registriert und anschließend auch publiziert werden. Konkret heißt es:

AllTrials calls for all past and present clinical trials to be registered and their full methods and summary results reported.”

Genau das brauchen wir auch für Studien rund um die Landwirtschaft. Hier geht es hier ebenfalls um Gesundheit und darüber hinaus um die Umwelt.

Die Initiatoren von “AllTrials” stellen klar, dass es ihnen nicht nur um die Studien der Industrie geht. Auch andere Institutionen, wie zum Beispiel Universitäten und Fachverbände, können Interessenkonflikte sowie den Wunsch nach bestimmten Ergebnissen haben.

Es wäre an der Zeit, eine solche Initiative wie “AllTrials” auch in anderen wichtigen Bereichen zu starten, um harte Faktenaussagen von Meinungen und Emotionen zu trennen.

Meine Einschätzung

Natürlich haben auch Meinungen und Emotionen ihren Platz in dieser Debatte – und deshalb möchte ich auch meine persönliche Haltung in dieser Sache nicht verhehlen.

Nach meiner Einschätzung ist die eigentliche Motivation der Glyphosat-Gegner nicht das singuläre Verbot dieses Unkrautvernichtungsmittels, sondern eine umfassende “Agrarwende”, deren Gewinner und Profiteur bereits ausgemacht ist: die Bio-Branche beziehungsweise “Bio Organic”.

Dass diese Vermutung nicht ganz abwegig ist, zeigt der Foodwatch-Geschäftsführer Martin Rücker mit dieser unverhohlenen Äußerung:

Es geht um so viel mehr als Glyphosat! […] Es geht um die Frage, welche Art von Landwirtschaft wir wollen”

Selbstverständlich ist das eine gesellschaftspolitisch legitime Frage.

Ich halte diese angestrebte Richtung allerdings für falsch, sowohl aus wissenschaftlichen als auch aus humanitären Gründen, da unter anderem die “konventionelle” Landwirtschaft insgesamt produktiver ist, weniger Landfläche verbraucht und wir eine zunehmende Verantwortung für die Ernährung der stetig wachsenden Weltbevölkerung haben.

Dass Bio oder Organic aber nicht immer schlechter dasteht, sieht man in dieser Grafik:

Wir sollten also gute und belegte Ansätze aus allen Bereichen, egal ob konventionell oder Bio, ob mit oder ohne Gentechnik, in eine vernünftige Agrarpraxis integrieren. In meiner Rezension des Harald-Lesch-Buches schrieb ich bereits:

Nun wäre es falsch, biologische Landwirtschaft grundsätzlich zu verdammen. Gute Methoden sollte man durchaus in eine vernünftige Agrarpraxis integrieren, so sind Fruchtfolge und tiergerechte Haltung durchaus begrüßenswert. Das Problem ist aber, „Bio“ fundamentalistisch als einzige Lösung aller Probleme zu sehen.”

Diese schwierigen Entscheidungen sollten auf der Basis von Fakten getroffen werden.

Was wir derzeit beobachten, ist dagegen die gezielte Instrumentalisierung von Sorgen und Ängsten in der Bevölkerung durch gut aufgestellte Interessengruppen, die imaginäre Gesundheitsgefahren heraufbeschwören. Des Weiteren die planvolle Diskreditierung unabhängiger und kompetenter Institutionen wie des BfR.

Und die Zukunft?

Und damit sind wir wieder bei der Rolle der GWUP und anderer Skeptikerorganisationen.

Unser Anliegen ist weiterhin, dass Politik und Entscheidungsträger den Stand der Wissenschaft wahrnehmen und akzeptieren.

Dabei ist uns klar, dass politische Entscheidungen immer auch interessengeleitet sind. Das ist legitim, wenn die Einflussfaktoren auch so benannt werden. Wogegen wir uns wenden, sind vorgeschobene Entscheidungsgründe, die in Wahrheit mit Umwelt- und Gesundheitsschutz oder sozialer Gerechtigkeit nichts zu tun haben – zum Beispiel irreführende Gutachten à la IARC.

Wir wollen sicherstellen, dass politische Entscheidungen auf Basis des aktuellen Forschungsstandes getroffen werden und nicht auf pseudowissenschaftlichen Vorstellungen, Eigeninteressen und alternativen Fakten beruhen. Und wir werden deutlich darauf hinweisen, wenn politische Entscheidungen genau die Ziele verfehlen, welche die Politik sich selbst gesteckt hat, und wenn ideologisch motivierte Gruppierungen Einfluss zu nehmen versuchen.

Wir müssen uns gerade dann für Wissenschaft einsetzen, wenn ihre Erkenntnise nicht mit der vorherrschenden Meinung übereinstimmen.

Zum Weiterlesen:

  • Glyphosat: Noch eine Sau durchs Dorf? GWUP-Blog am 5. Juli 2017
  • GWUP / DKB: Vernunft statt Angstmache, 17. Mai 2016
  • Fragen und Antworten zur Anhörung „Monsanto Papers und Glyphosat“ im Europäischen Parlament am 11. Oktober 2017, FAQ des BfR am 13. Oktober 2017
  • Greed, Lies and Glyphosate: The Portier Papers, The Risk Monger am 13. Oktober 2017
  • Portier Papers, schillipaeppa.net – Ein Blog in der Brandung am 14. Oktober 2017
  • Europäische Glyphosatbewertung erfolgte qualitätsgesichert und unabhängig, BfR Presseinformation vom 11. Oktober 2017.
  • Kate Kelland: In glyphosate review, WHO cancer agency edited out ‘non-carcinogenic’ findings, Reuters Health News am 19. Oktober 2017
  • Cancer Agency Left in the Dark over Glyphosate Evidence, Reuters Investigates am 14. Juni 2017
  • Steven Novella: Glyphosate – The new Bogeyman, Science based Medicine am 31.12.2014
  • Pieter Cleppe: Bringing sanity back to Europe’s glyphosate debate, EURACTIV am 15. Oktober 2017
  • Glyphosat: Der Stellvertreterkrieg, GWUP-Blog am 21. Mai 2016
  • Glyphosat: Substanzlose Kritik und „gekaufte“ Befürworter, GWUP-Blog am 11. Juni 2016
  • Glyphosatbewertung: IGP wirft Global 2000 & Greenpeace Populismus vor, besseres-obst.at am 21. September 2017
  • Glyphosat und Krebs – welche Studie stimmt denn nun? Fischblog am 18. Mai 2016
  • Rede von Amardeo Sarma an der HU Berlin zum March for Science, GWUP-News am 25. April 2017
  • Bärendienst für die Wissenschaft, Skeptiker 3/2017
  • Für einen Wissenschaftler zu inakzeptable Mängel in der Logik: Harald Leschs Buch „Die Menschheit schafft sich ab – Die Erde im Griff des Anthropozän“, Franks gesammeltes Halbwissen am 3. Februar 2017

62 Kommentare zu “Glyphosat: Die ganze Debatte – und was geht uns das an?”


  1. 1 crazyfrog 29. Oktober 2017 um 17:28
  2. 2 nota.bene 29. Oktober 2017 um 17:43

    Vielen Dank an Amardeo Sarma für den informativen Artikel.

    Ich denke, die unglückliche Veröffentlichung des BfR mit den fehlenden Quellenangaben hat Glyphosat in Deutschland auch in eher aufgeklärten Kreisen den Todesstoß versetzt.

    Aber ich möchte lieber ein Wort zur Agrarpraxis verlieren, die der Autor angesprochen hat.

    Am massiven Rückgang von Vögeln und Insekten bei uns ist kein legitimer Zweifel mehr möglich, und einen anderen plausiblen Hauptverantwortlichen als die Landwirtschaft gibt es derzeit nicht.

    Aber ist weder die Nutzung von Glyphosat allein daran schuld, noch wäre „ökologischer Landbau“ per se die Lösung. Das Problem sind die fehlenden Flächen für die Wirtspflanzen von Insekten, für “Unkräuter” und Hecken. Schauen wir uns doch um: Wiesen, Weiden und Felder stoßen übergangslos aneinander, sie reichen meisten sogar bis zur allerersten Baumreihe der Wälder, Weidezäune sind oft direkt an den Baumstämmen angenagelt. Es gibt keine typischen Waldränder mehr, keine Hecken und keine Blühstreifen zwischen den Äckern.

    Dies wäre in einer „biologischen“ Landwirtschaft nicht anders, die Bauern würden dann andere Mittel einsetzen, um Unkräuter und Ackerschädlinge zu dezimieren.

    Ein Landwirt sagte einmal in einem Interview: „Wir leben von der Fläche.“ Im Klartext heißt das, dass jeder Quadratzentimeter verfügbares Land zum Anbau benutzt wird.

    Deshalb brauchen wir eine andere Art der Landwirtschaft, in der Waldränder und Feldraine gesetzlich vorgeschrieben und geschützt sind.

    Ob auf den Feldern selbst dann noch Glyphosat zum Einsatz kommt oder nicht, spielt keine Rolle mehr.

  3. 3 Udo Endruscheit 29. Oktober 2017 um 18:38

    Ein böser Nebeneffekt der ganzen Sache ist (dazu gibt es Parallelen im Bereich der Pseudomedizin), dass einstmals von der Politik als Garanten von Neutralität eingerichtete Stellen (BfR und BfArM beispielsweise) unter die Räder geraten und sie von denen, die sie selbst einst gefordert und eingerichtet haben, bestenfalls beiseitegeschoben, schlechtestenfalls diskreditiert werden.

    Wenn Fakten nicht recht zu einer politischen Agenda passen, werden leider allzu oft die Fakten zur Disposition gestellt und nicht die Agenda. Wenn wissenschaftliche Institutionen, die die Politik selbst ins Leben gerufen hat und die ausschließlich im öffentlichen Interesse tätig sind, ungehört bleiben oder nur als „Meinung“ unter vielen zur Kenntnis genommen werden, schädigt das auch den Ruf solcher Institutionen in der Öffentlichkeit und sendet das Signal, dass es nur ausreichender Einflussnahme (Lobbyarbeit) bedarf, um diese Institutionen „unschädlich“ zu machen. In diese Lücke stoßen dann NGOs mit ihrer Meinungsmacht – glücklicherweise aber auch nicht mehr mit unbegrenztem Kredit der öffentlichen Meinung.

  4. 4 Harald 29. Oktober 2017 um 19:22

    Guter Artikel, der sich auch mit meiner Einschätzung deckt
    —-

    @nota.bene: “Deshalb brauchen wir eine andere Art der Landwirtschaft, in der Waldränder und Feldraine gesetzlich vorgeschrieben und geschützt sind.”

    Als Landwirt habe ich bereits im Vorgriff auf derartige Regelungen dafür gesorgt, dass die Waldränder und Hecken, für die ich zuständig bin, keinen besonders hohen ökologischen Wert mehr haben.

    Das finde ich zwar sehr Schade für Flora und Fauna, insbesondere da ich bis vor einigen Jahren diese Flächen in sehr naturschonender (und umso zeitaufwändigerer) Weise gepflegt habe, ohne einen Cent dafür zu erwarten.

    Aber meine jahrzehntelange Erfahrung mit Behördenirrsinn und Verbotspolitik sagt mir, dass ich irgendwann der Doofe wein werde, wenn ich mich weiterhin in dieser Form freiwillig engagieren würde.

    Und die doofen waren ich und meine Berufskollegen in der Vergangenheit oft genug, wenn wieder irgendwelche neuen Vorschrifen oder Verbote erlassen wurden (Für die Fachleute: Erhalt von Landschaftselementen, Wiesenumbruchverbot, Greening und nicht dafür anrechenbare freiwillig extensivierte Flächen).

  5. 5 Thomas Backhaus 29. Oktober 2017 um 19:38

    Danke für einen spannenden Überblick über den Stand der Dinge und eine ausgewogene Zusammenstellung der momentanen Diskussion. Ein paar kurze Anmerkungen:

    – Dass das BfR “zum Teil einfach bei Monsanto abgeschrieben” hat, ist eine Tatsache und nicht nur ein “Vorwurf”. Wird ja auch vom BfR nicht bestritten. Und egal wie sich das BfR ‘rauswindet, eine solche Praxis ist zumindestens hochgradig unprofessionell. Insbesondere im derzeitigen politischen Umwfeld.

    – David Zaruk, Betreiber des Blogs The Risk Monger, ist mitnichten ordentlicher Professor sondern bestensfalls adjungiert (und auch nur mit einem Kurs in Unternehmenskommunikation, aber nichts was mit dem Thema wissenschaftlicher Risikobewertung zu tun hat). Hat aber statt dessen eine Karriere beim Dachverband der Europäischen Chemieindustrie hinter sich. Deshalb sind seine Kommentare natürlich nicht von vorneherein falsch, aber es gibt doch einen deutlichen Interessenskonflikt.

    – Die Frage nach Alternativen ist (leider) kein wirklicher Bestandteil der Pestizidbewertung.

    – Der angeführte Vergleich zwischen ökologischer und konventioneller Landwirtschaft ist im Glyphosat Zusammenhang zumindestens limitiert. Einfach, weil die Frage nach der Toxizität die in die Umwelt emittiert gerade nicht behandelt wird. Das wäre mindestens ein weiterer, wichtiger Parameter des Vergleiches gewesen. Und die Zusammenstellungen der Pestzidrückstände in europäischen Lebensmitteln der EFSA zeigen zumindestens deutlich, das Öko-Lebensmittel die Nase dabei deutlich vorne haben.

    – Das Gutachten des IARC’s ist mitnichten “irreführend”, und enthält auch keine “vorgeschobenen Entscheidungsgründe”. Das IARC hat einfach etwas anderes bewertet (Hazard, aber eben nicht Risiko). Das Probem ist einfach, dass nach europäischen Regeln bestimmte Hazard-Kriterien direkt zur Nicht-Zulassung eines Produktes führen (hier eben die Klassifizierung als krebserregender Stoff). Das kann man aber kaum dem IARC vorwerfen.

  6. 6 Joseph Kuhn 29. Oktober 2017 um 20:37

    “Wir müssen uns gerade dann für Wissenschaft einsetzen, wenn ihre Erkenntnise nicht mit der vorherrschenden Meinung übereinstimmen.”

    Das suggeriert, dass die Befunde der Wissenschaft Inseln der objektiven Neutralität im Meer der Interessen seien. Das wäre schön, aber die Wissenschaft ist selbst nicht frei von gesellschaftlichen Interessen, egal ob es um die Gesundheitsrisiken des Rauchens, die Segnungen des Wettbewerbs, die Wirksamkeit von Medikamenten oder um Glyphosat geht. Umso wichtiger ist es, dass sowohl die Wissenschaft als auch die Bewertungsbehörden im Vorfeld politischer Entscheidungen möglichst transparent arbeiten, Interessenkonflikte lassen sich nicht vermeiden.

    A propos Interessenkonflikte: Der in den Medien jetzt wiederholt berichtete Vorwurf gegenüber Christopher Portier kommt im Beitrag ziemlich unpräzise daher. Portier hat in einer zentralen Publikation 2016 sehr wohl einen Interessenkonflikt erklärt, wenn er auch nicht die Summe seines Honorars genannt hat (was auf der anderen Seite Leute wie Helmut Greim übrigens auch nicht getan haben). Wirklich relevant wäre, ob er den Interessenkonflikt schon hatte, als er für die IARC arbeitete. Hatte er?

  7. 7 Skeptikus 29. Oktober 2017 um 21:14

    Zur Frage ob die Insekten bei uns um 70% weniger vorhanden sind als früher, hab ich das hier gefunden:

    http://www.rwi-essen.de/unstatistik/72/

    “Unstatistik vom 27.10.2017
    Die Unstatistik des Monats Oktober ist eine Fortsetzung der Unstatistik aus dem August 2017. Damals hatten verschiedene Medien gemeldet, dass 80 Prozent der Insekten in Deutschland verschwunden seien: In zwei Fallen in einem Naturschutzgebiet nahe Krefeld hatte man 1989 etwas mehr als ein Kilo Flug-Insekten gefangen, 2013, also 24 Jahre später, 80 Prozent weniger. Natürlich darf man aus einer lokalen Stichprobe vom Umfang zwei keine Schlüsse auf ganz Deutschland ziehen (siehe die Unstatistik August 2017).

    Im Oktober ging dieses Thema aufgrund einer größeren Stichprobe nochmals durch die Medien (unter anderem im Tagesspiegel, im Deutschlandfunk, in der Welt und in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung). Dort wird über eine Studie berichtet, die auf Daten von 63 Insektenfallen zurückgreift, die der Krefelder Verein zwischen 1989 bis 2016 aufgestellt hatte. Nach diesen 27 Jahren hatte man 76 Prozent weniger Insekten-Biomasse in den Fallen. Jedoch war keine einzige dieser 63 Fallen über den gesamten Zeitraum an einem Ort aufgestellt. Stattdessen – wie die Autoren der Studie selbstkritisch anmerken – wechselten viele Standorte von Jahr zu Jahr. An den meisten Standorten wurde keine einzige Wiederholungsmessung durchgeführt.

    Genauso wichtig für die Bewertung der „76 Prozent“ ist aber auch ein allgemeines Prinzip des kritischen Denkens: Jede berichtete Abnahme zwischen zwei Zeitpunkten hängt davon ab, welchen Anfangszeitpunkt man wählt. Dies gilt besonders bei drastisch schwankenden Werten, wie bei Börsenkursen und Biomassen von Insekten. Hätte man das Jahr 1991 statt 1989 als Anfangspunkt gewählt, dann wären es statt 76 Prozent weniger Insekten nur etwa 30 Prozent weniger gewesen. Das ist immer noch ein Anlass zum Nachdenken über die Ursachen – eine Frage, worauf die Studie keine Antwort findet. Es ist aber auch ein Anlass darüber nachzudenken, warum man immer wieder versucht, uns mit möglichst erschreckenden Zahlen Panik zu machen.”

  8. 8 Skeptikus 29. Oktober 2017 um 21:17

    @thomas Backhaus

    “– Dass das BfR “zum Teil einfach bei Monsanto abgeschrieben” hat, ist eine Tatsache und nicht nur ein “Vorwurf”. Wird ja auch vom BfR nicht bestritten. Und egal wie sich das BfR ‘rauswindet, eine solche Praxis ist zumindestens hochgradig unprofessionell. Insbesondere im derzeitigen politischen Umwfeld.”

    Das sehe ich anders. Ein Vorwurf impliziert etwas Negatives. Wenn die Firmen die Studien erstellen sollen, damit eine Prüfung nicht erst aufwändig durch die Regierung oder andere vorgenommen und finanziert werden soll, dann kann ich nachvollziehen, dass man das prüft und dann auch Textstellen kopiert. Es mag nicht geschickt sein und es wäre sicherlich besser das zu zitieren und dann zu einzubetten. Aber wenn Fakten stimmen, bekommt das Wort “abgeschrieben” auch so eine negative Konnotation. Es ist jedenfalls kein Skandal, sondern eher ungeschickt oder von mir aus unprofessionell.

  9. 9 Thomas Backhaus 29. Oktober 2017 um 21:36

    @Skeptikus

    Ja, auf “unprofessionell” können wir uns einigen. Natürlich ist es im Prinzip völlig in Ordnung Schlußfolgerungena aus Antragsunterlagen zu übernehmen, wenn man denen inhaltlich zustimmt. Aber dann doch bitte entsprechend kenntlich machen (und damit explizit dazu stehen, dass man dem Antragssteller zustimmt). Das ist nunmal gängige (gute) Praxis.

  10. 10 crazyfrog 29. Oktober 2017 um 23:56

    @Landwirtschaft und Insektensterben:

    Ich weiß schon, dass Tichy rechtslastig ist, aber diskutieren kann man doch drüber, oder?

    https://www.tichyseinblick.de/kolumnen/lichtblicke-kolumnen/insektensterben-die-medien-gehen-in-jede-gruene-falle/

  11. 11 Amardeo Sarma 30. Oktober 2017 um 06:37

    @Joseph Kuhn:

    Das suggeriert, dass die Befunde der Wissenschaft Inseln der objektiven Neutralität im Meer der Interessen seien.

    Neutralität ist kein Kriterium für Wissenschaft / Wissenschaftlichkeit. Es gibt eine Menge Kriterien für Wissenschaft, aber Neutralität gehört nicht dazu. Es ist gerade der Vorteil der Wissenschaft, dass wir am Ende trotz möglicherweise fehlende Neutralität und trotz Bias der Akteure belastbare Erkenntnisse erhalten.

    Dass einzelne Befunde der Wissenschaft nicht unbedingt stimmen müssen ist dagegen eine Binsenwahrheit. Nicht alle Studien innerhalb der Wissnschaft sind gut.

  12. 12 Amardeo Sarma 30. Oktober 2017 um 06:39

    Zum Insektensterben noch ein wichtiger Beitrag: https://schillipaeppa.net/2017/10/23/insektensterben-alles-scheise/

  13. 13 Joseph Kuhn 30. Oktober 2017 um 08:35

    @ Amardeo Sarma:

    “Neutralität ist kein Kriterium für Wissenschaft”

    Das habe ich auch nicht gesagt, ich habe darauf hingewiesen, welchen Eindruck der zitierte Satz erweckt.

    Dass alle einzelnen Befunde der Wissenschaft unbedingt stimmen müssen, habe ich ebenfalls nicht gesagt. Das dem nicht so ist, ist in der Tat eine Binsenweisheit. Bestimmt übersehe ich manchmal Binsenweisheiten, aber warum Sie mir konkret diese vorhalten, weiß ich nicht.

    Keine Binsenweisheit wäre, wenn der Vorwurf des Interessenkonflikts gegenüber Portier substantiell belegt werden könnte, vor allem für die Zeit seiner Tätigkeit für die IARC. Dass David Zaruk in dem Fall selbst einen Interessenkonflikt haben könnte, darauf hat Thomas Backhaus schon hingewiesen.

    “Es ist gerade der Vorteil der Wissenschaft, dass wir am Ende trotz möglicherweise fehlende Neutralität und trotz Bias der Akteure belastbare Erkenntnisse erhalten.”

    Das steht zu hoffen. Es hängt davon ab, wie gut man die Evidenz aus naturgemäß nicht ganz konsistenten und in dem Fall eben oft auch interessenbehafteten Studien herausschälen kann. Im Kontext politischer Entscheidungen unterstreicht das die Bedeutung einer transparenten und unnötige Unklarheiten vermeidenden Arbeitsweise von Fachbehörden wie dem BfR, oder Fachgremien wie der IARC – dafür wurden sie gegründet.

  14. 14 Susanne Günther 30. Oktober 2017 um 10:04

    “Die gefährlichsten Unwahrheiten sind Wahrheiten mäßig entstellt.” – Dieses Lichtenberg-Zitat trifft den Plagiatsvorwurf ganz gut, finde ich.

    Wenn ich mir das Dokument, um das es geht (“Final addendum to the Renewal Assessment Report – public version -“) einfach mal ansehe, wird auf den ersten Blick klar, dass es sich diesem mehr als 4300 Seiten (!) umfassenden Dokument um ein Arbeitspapier handelt: Die Seitenzählung ist nicht durchgängig, die Textformatierungen auch nicht, verschiedene Versionen werden durch farbliche Markierungen gekennzeichnet.

    Wie das BfR schreibt: ein Papier für die Kommunikation zwischen Behörden.

    Ziemlich billig ist zudem, dass die Abstracts der betrachteten Studien auch zum Plagiat gezählt werden. Diese Abstracts haben schließlich bereits die Hersteller für ihr Dossier 1:1 abgeschrieben.

    Die IARC etwa hat ihre Zwischenversionen für die Monographie überhaupt nicht veröffentlicht, sondern die Mitglieder der Arbeitsgruppe sogar explizit angewiesen, keine Unterlagen raus zu geben. Die aktuelle Reuters-Recherche wurde nur möglich, weil im Zuge der Klage gegen Monsanto ein Entwurf als Beweisstück gesichert und jetzt freigegeben wurde.

    Keiner weiß mehr, wer die beschriebenen Änderungen vorgenommen hat. Und Portier kann sich auch laut seiner Aussage vor Gericht nicht mehr erinnern, wann er das erste Mal mit seinen Auftraggebern über Glyphosat gesprochen hat.

    Wäre der Fall anderes herum gelagert, die Gazetten wären voll davon.

  15. 15 Susanne Günther 30. Oktober 2017 um 16:10

    Noch einmal zum Plagiatsvorwurf:

    Das BfR hat sein Verfahren von Anfang an transparent gemacht. So schreibt es im Bericht (“Final addendum to the Renewal Assessment Report – public version -“) auf S. 513:
    “Due to the large numer of submitted toxicological studies, the RMS was not able to report the original studies in detail and an alternative approach was taken instead. The study descriptions and assessments as provided by GTF were amended by deletion of redundant parts (such as the so-called ”executive summaries”) and new enumeration of tables. Obvious errors were corrected. Each new study was commented by the RMS. These remarks are clearly distinguished from the original submission by a caption, are always written in italics and may be found on the bottom of the individual study summaries.”

    Das Kapitel, um das es geht, hat mehr als 940 Seiten. Ist doch eigentlich vernünftig, angesichts dessen die Arbeit etwas zu rationalisieren.

  16. 16 Amardeo Sarma 30. Oktober 2017 um 19:26

    @Susanne Günther

    vielen Dank für die hilfreichen Informationen: Damit sind die Vorwürfe gegen das BfR wohl vom Tisch. Ganz im Gegenteil zu den Vorwürfen gegen die IARC.

    @Thomas Backhaus

    David Zaruk hat sich 2006 aus der aktiven Arbeit zurückgezogen, also vor 11 (!!) Jahren. Da klingt der Vorwurf eines “deutlichen Interessenskonfliktes” im Gegensatz zu dem massiven, jetzigen finanziellen Interessenkonflikt von Christopfer Portier etwas weit hergeholt. Warum soll David Zaruk einen größeren Interessenkonflikt als Sie, oder ich haben?

    Und ja, das Gutachten der IARC bleibt irreführend, eben weil es keine Risikobewertung beinhaltet. Hier liegt auch fern ab aller weiteren IARC-Skandale bei der Glyphosat-Bewertung das tiefere Problem: Wenn Regel nach Hazard-Kriterien zur Nicht-Zulassung führen, öffnet es der politischen Willkür Tür und Tor. Warum Glyphosat verbieten und nicht Kaffee, Sonnenlicht, Alkohol oder den Friseurberuf?

  17. 17 Bernd Harder 30. Oktober 2017 um 19:50

    @Amardeo Sarma:

    “Warum Glyphosat verbieten und nicht Kaffee, Sonnenlicht, Alkohol oder den Friseurberuf?”

    Oder Fleisch:

    https://www.krebsinformationsdienst.de/aktuelles/2015/news79-iarc-fleisch.php

  18. 18 Joseph Kuhn 30. Oktober 2017 um 20:26

    @ Amardeo Sarma

    “Damit sind die Vorwürfe gegen das BfR wohl vom Tisch.”

    Erledigung durch einen Blogkommentar? So einfach, ohne Prüfung, ob damit alles gesagt ist, sollte man das Thema nicht abhaken.

    Schon gar nicht ohne Nachdenken darüber, ob das BfR nicht auch dann, wenn es nicht “abgeschrieben” hat, seine Arbeit künftig besser dokumentieren sollte.

    Es ist niemandem (?) damit gedient, wenn suboptimale Abläufe im Zulassungsverfahren qua Freispruch von ungerechtfertigten Vorwürfen konserviert werden.

    ” Warum Glyphosat verbieten und nicht Kaffee, Sonnenlicht, Alkohol oder den Friseurberuf?”

    Wenn man die Frage nicht als unnötige, diskussionsabwürgende Polemik, sondern als echte Frage nimmt, führt sie weiter. Offensichtlich sind Verbote weder allein anhand des grundsätzlichen Gefahrenpotentials eines Stoffs noch anhand einer humantoxikologischen o.ä. Risikobewertung zu begründen. Was wir uns an Risiken zumuten, ist eine gesellschaftliche Entscheidung nach Abwägung verschiedener Aspekte.

    Beim Unfallrisiko im Straßenverkehr wägen wir z.B. den Nutzen des Verkehrs dagegen ab, und die realen Alternativen. Beides gehört auch zur Abwägung bei Glyphosat.

  19. 19 Amardeo Sarma 30. Oktober 2017 um 21:02

    Offensichtlich sind Verbote weder allein anhand des grundsätzlichen Gefahrenpotentials eines Stoffs noch anhand einer humantoxikologischen o.ä. Risikobewertung zu begründen. Was wir uns an Risiken zumuten, ist eine gesellschaftliche Entscheidung nach Abwägung verschiedener Aspekte.

    Dem kann ich zustimmen, wenn damit eine Nutzen-Risiko-Abwägung mit einer Risikobewertung nach wissenschaftlichen Kriterien gemeint sein sollte.

    Aber genau das geschieht mit der IARC Klassifizierung eben nicht. Bei Glyphosat reicht offenbar dieses grundsätzliche Gefahrenpotential (“Hazard”) für eine Ablehnung. Es wird mitnichten der Nutzen mit erwogen und mit dem realen Risiko verglichen, das die IARC gar nicht ermittelt.

  20. 20 Amardeo Sarma 30. Oktober 2017 um 21:10

    @Joseph Kuhn

    Mich würde immer noch interessieren, wie Sie von meiner Aussage

    Wir müssen uns gerade dann für Wissenschaft einsetzen, wenn ihre Erkenntnise nicht mit der vorherrschenden Meinung übereinstimmen

    auf

    Das suggeriert, dass die Befunde der Wissenschaft Inseln der objektiven Neutralität im Meer der Interessen seien

    kommen. Nur Interessehalber.

  21. 21 Joseph Kuhn 30. Oktober 2017 um 23:13

    @ Amardeo Sarma:

    “Dem kann ich zustimmen, wenn damit eine Nutzen-Risiko-Abwägung mit einer Risikobewertung nach wissenschaftlichen Kriterien gemeint sein sollte.”

    Risikobewertungen sollen nach wissenschaftlichen Kriterien vorgenommen werden, wonach sonst. Gemeint war, dass das nicht allein die politische Entscheidung bestimmen kann, weil dort gesellschaftliche Interessen abzuwägen sind. Dazu können z.B. wirtschaftliche Interessen zählen (die selbst wiederum mehr oder weniger wissenschaftlich fundiert sein können) oder auch einfach nur der Wunsch der Menschen, so oder so leben zu wollen.

    “Mich würde immer noch interessieren …”

    Wenn “Erkenntnisse” mit “Meinungen” verglichen werden, liest man das sehr schnell als absoluten Gegensatz von “objektiv” und “subjektiv”, von “neutral” und “interessengeleitet”. Das wäre ein zu ideal gezeichnetes Bild der Wissenschaft. Fälle wie der Streit um Glyphosat zeigen ja sehr deutlich, wie schwer es sein kann, “Erkenntnisse” unabhängig von Interessen zu gewinnen.

    Um das Herausfiltern von Evidenz zu erleichtern, hat die Wissenschaft Regularien entwickelt, z.B. die Deklaration von Interessenkonflikten bei Publikationen, und die Politik hat ebenfalls Verfahren entwickelt, wie sie damit umgehen soll, z.B. die Vornahme eines unabhängigen und transparenten Bewertungsprozesses, wie ihn das EU-Recht für das Zulassungsverfahren expressis verbis vorschreibt. Und wenn man diesen Prozess nach den Erfahrungen aus dem Glyphosatstreit verbessern kann, soll man es tun.

    Die Dokumenationsstandards beim BfR gehören m.E. dazu. Bei solchen weitreichenden Entscheidungen kann man eben nicht sagen, “940 Seiten.

    Ist doch eigentlich vernünftig, angesichts dessen die Arbeit etwas zu rationalisieren” – als ob es an der Tinte im BfR fehlen würde und man nur bei zwei Seiten und unwichtigen Nischenprodukten besser dokumentieren könne.

  22. 22 crazyfrog 1. November 2017 um 23:20

    Die E-Mail-Korrespondenz von Christopher Portier weist zahlreiche Kontakte zu Medien und NGOs in Europa und in den USA auf. Es entsteht der Eindruck, dass hier weniger die Suche nach der Wahrheit im Vordergrund stand, als der Versuch, möglichst viel Aufmerksamkeit zu generieren, Eitelkeiten zu pflegen und seine Mission zu erfüllen.

    https://schillipaeppa.net/2017/11/01/infofluss-panta-rhei/

  23. 23 Joseph Kuhn 2. November 2017 um 00:39

    “Die E-Mail-Korrespondenz von Christopher Portier weist zahlreiche Kontakte zu Medien und NGOs in Europa und in den USA auf.”

    Na so was. Ich weiß nicht viel über Herrn Portier, bis vor ein paar Tagen kannte ich noch nicht einmal seinen Namen. Insofern will und kann ich ihn nicht ernsthaft verteidigen, aber manche Kritik an ihm wirkt auf mich seltsam “bemüht”. Dass “Kontakte zu Medien und NGOs” Indizien dafür sein sollen, dass er sich nur profilieren wollte, gehört dazu. Profiliert war er vorher schon (https://www.iarc.fr/en/media-centre/iarcnews/pdf/PORTIER_Bio.pdf) und Kontakte zu Medien und NGOs hat vermutlich jeder in seiner Position.

    Vielleicht sollten zumindest diejenigen, die in Sachen Glyphosat nicht missionarisch in der einen oder anderen Richtung unterwegs sind, nicht nur nach Bestätigungen ihrer Ansichten Ausschau halten, schon gar nicht, um sich im “Entlarver”-Geschäft zu profilieren und wahlweise das BfR oder die IARC als “dunkle Seite der Macht” anzuprangern. Oder um es mit dem leicht abgewandelten Schlusssatz von Amardeo Sarma zu formulieren: “Wir müssen uns gerade dann für Wissenschaft einsetzen, wenn ihre Erkenntnise nicht mit der eigenen Meinung übereinstimmen.”

  24. 24 crazyfrog 2. November 2017 um 10:21

    Aktivisten und Parteien, die die konventionelle Landwirtschaft gern abschaffen möchten, sprühen derzeit wieder vor Untergangslust. Nach Waldsterben und Amphibiensterben haben sie das Insektensterben entdeckt. Es ist wie immer viertel nach zwölf.

    https://www.salonkolumnisten.com/nun-spruehen-sie-wieder/

  25. 25 awmrkl 3. November 2017 um 01:12

    Mich würde ja mal v.a. interessieren, was (egal ob Bio oder nicht) bei einem möglichen Verbot von Glyphosat (das ja etwa 40 Jahre an Bewährung hinter sich hat?) in Zukunft als Herbizid eingesetzt werden wird. Denn ohne sowas scheint es ja nicht zu gehen, wenn nicht wieder auf reichlich schädliches Pflügen zurückgegriffen werden soll.

  26. 26 noch'n Flo 3. November 2017 um 08:41

    @ awmrkl:

    Die Jamaika-Parteien haben es doch schon beschlossen: nach der Energiewende soll jetzt die Landwirtschaftswende kommen, ohne Chemie, ohne Gene, alles ganz bio und ohne Massentierhaltung. Wie das genau funktionieren soll, hat jedoch noch keiner der potentiellen Koalitionäre verlautbaren lassen. Aber eines wurde schon mal klargestellt: die Mehrkosten muss selbstverständlich der Verbraucher zahlen.

  27. 27 Sinapis 3. November 2017 um 16:05

    Wie das genau funktionieren soll, hat jedoch noch keiner der potentiellen Koalitionäre verlautbaren lassen.

    Einfach: Landwirtschaftswende?

  28. 28 Michael Fischer 3. November 2017 um 18:24

    Wenn, dann vermutlich so wie Nico Paech es propagiert: mit dem Weg in die Postwachstumsökonomie.

    Keine Ahnung ob das funktionieren kann. Aber vermutlich stellt die Kombination von Überbevölkerung, Klimawandel und dem auf permanentem Wachstum ausgerichteten kapitalistischen Wirtschaftssystem ein ansonsten nicht lösbares Problem für die Menschheit dar.

  29. 29 Bernd Harder 4. November 2017 um 00:28

    Kleine Anfrage an die Bundesregierung:

    “Ist es zutreffend, dass – anders als vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft in einer Antwort auf die Schriftliche Frage 43 des Abgeordneten Harald Ebner auf Bundestagsdrucksache 18/5455 dargelegt – das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) die im Renewal Assessment Report (RAR) genannten Studien zur Wirkung von Glyphosat nicht eigenständig geprüft und bewertet, stattdessen die Bewertung der betreffenden Studien größtenteils wortwörtlich von der „Glyphosat Task Force“ (GTF) übernommen hat, und ist es zutreffend, dass das BfR dabei Hinweise auf die tatsächliche Autorenschaft gezielt entfernt hat?”

    Antwort:

    “Diese Aussage trifft nicht zu.

    Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hat für das europäische Genehmigungsverfahren von Glyphosat die Studien eigenständig geprüft und bewertet. Ein Bewertungsbericht soll nach der abgestimmten Arbeitsweise in der Europäischen Union als Dokument so verfasst sein, dass er durchgängig lesbar ist, also zum Lesen nicht mehrere Dokumente geöffnet werden müssen, um die getroffenen Schlussfolgerungen nachvollziehen zu können.

    Daher ist es üblich, nach kritischer Prüfung der Originalstudien auch Textpassagen aus eingereichten Dokumenten in die Bewertungsberichte zu integrieren. Die wörtliche Übernahme ist auch im Sinne einer ökonomischen Bearbeitung sinnvoll und durch vollständige Quellenangaben transparent nachvollziehbar.

    Auch der Bewertungsbericht Deutschlands enthält daher Textteile aus Studienbeschreibungen und öffentlich zugänglicher Literatur. Dies ist eine allgemeine, national und international übliche Vorgehensweise, die nicht nur bei Pflanzenschutzmitteln, sondern auch bei Arzneimitteln, Bioziden und Chemikalien etabliert ist.

    Deutschland als Berichterstatter hat für das europäische Genehmigungsverfahren von Glyphosat in seinem Bericht sowohl die gesetzlich vorgeschriebenen Studien der Antragsteller als auch alle weiteren relevanten und verfügbaren Studien und Quellen sorgfältig gemäß den gesetzlich etablierten Verfahren geprüft und bewertet.

    Die europäische Gesetzgebung sieht explizit vor, dass der berichterstattende Mitgliedstaat – im Fall von Glyphosat Deutschland – alle Informationen der durch die Antragsteller eingereichten Dokumente auf Plausibilität und Korrektheit prüft. Der berichterstattende Mitgliedstaat erstellt einen umfassenden, unabhängigen, objektiven und transparenten Bewertungsbericht, der die eingereichten Dokumente des Antrages aufzeigt und mit einer Bewertung abschließt.

    Alleiniges Kriterium für die Berücksichtigung von Studienergebnissen ist die wissenschaftliche Qualität und Evidenz der Studien. Die fachliche Auseinandersetzung mit Quellen, die von den Antragstellern der Industrie (Glyphosat Task Force) vorgelegt wurden, gehört somit zum gesetzlich vorgeschriebenen Bewertungsprozess.

    Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) bestätigte in der Anhörung im Europäischen Parlament in Brüssel am 11. Oktober 2017 erneut, dass in der Bewertung keineswegs die Sicht der Antragsteller und deren Interpretation entsprechender Studien unkritisch und ungeprüft übernommen worden sind.

    Zu betonen ist, dass die Bewertung von Studien der Feststellung dient, ob ein bestimmter Wirkstoff oder ein bestimmtes Produkt die Voraussetzungen einer Genehmigung oder Zulassung erfüllt. Die Bewertung ist somit Teil eines Verwaltungsverfahrens und kein kreativer Prozess, wie beispielsweise die Anfertigung einer Dissertation.

    Kein Genehmigungsund Zulassungsverfahren im Pflanzenschutz-, Arzneimittel-, Biozidund Chemikalienrecht erhebt den Anspruch auf eine Qualifizierung als wissenschaftlich kreative Tätigkeit.

    Die Verwendung des Begriffs „Plagiat“ ist daher in diesem Zusammenhang nicht angebracht.”

    http://dipbt.bundestag.de/doc/btd/18/136/1813696.pdf

  30. 30 crazyfrog 5. November 2017 um 20:06

    Bauer Willi:

    Ich bin es einfach leid, mir ständig anhören zu müssen, ich würde euch vergiften. Ich bin es leid, euch Nachhilfe in Bodenbearbeitung, Fruchtfolge, Düngung und all den anderen Dingen meines Alltags geben zu sollen. Ich will auch nicht mehr der Schuldige für alle Mißstände dieser Welt sein, angefangen vom Klimawandel, dem Aussterben von Insekten, Pflanzen, Vögeln und was sonst noch allem. Ich bin nicht mehr euer Prügelknabe. Schluss, Ende, Aus.

    Wozu brauchen wir Wissenschaft? Ihr könnt ja jetzt Arbeitsgruppen bilden und Volksbegehren und Unterschriftensammlungen in Gang setzen, bei denen ihr basis-demokratisch abstimmt, was in Zukunft erlaubt ist und was nicht.

    Studien, Grenzwerte, Analysen, Zeitreihen, Risikobewertung? So ein Quatsch! Fakten stören das Volksempfinden. Wie sich die Menschen fühlen steht im Vordergrund. Und wer was anderes behauptet, wer versucht, sachlich aufzuklären, ist von der Industrielobby gekauft. Nur die Mehrheit kann entscheiden, was richtig und was falsch ist. Völlig faktenfrei.

    Das ist Demokratie! Meint ihr…

    http://www.bauerwilli.com/verbieten-sofort-weltweit/

  31. 31 noch'n Flo 6. November 2017 um 08:55

    @ crazyfrog:

    Warum hatte ich da beim Lesen nur die Stimme von Gernot Hassknecht im Kopf?

  32. 32 skeptikus 6. November 2017 um 20:10

    Dazu hier noch ein aktueller User: Beitrag
    Woran es in der Glyphosat-Debatte mangelt
    http://derstandard.at/2000067100852/Woran-es-in-der-Glyphosat-Debatte-mangelt

  33. 33 Amardeo Sarma 7. November 2017 um 06:45

    Ein guter Beitrag von Sunsanne Günther über das Konstruiertes Plagiat bezüglich der Vorwürfe gebenüber dem BfR: Es wussten viele, unter anderem Harald Ebner, MdB Bündnis 90/Die Grünen schon vor zwei Jahren hierüber Bescheid. So fragt Susanne Günther am Ende zurecht:

    Wie die Anfrage von MdB Ebner zeigt, waren den Glyphosat-Gegnern diese Zusammenhänge seit mehr als zwei Jahren bewusst. Warum wurde diese vermeintliche Joker-Karte erst jetzt ausgespielt?

    Man kann sicher auch beim BfR einiges noch besser machen. Aber man kann dem BfR kaum vorwerfen, noch nicht festgelegte Regel der Zukunft nicht verfolgt zu haben selbst wenn diese sinnvoll sein sollten.

  34. 34 noch'n Flo 7. November 2017 um 10:09
  35. 35 Bernd Harder 7. November 2017 um 10:44
  36. 36 Bernd Harder 7. November 2017 um 17:06

    Diese Woche in profil:

    https://www.profil.at/shortlist/oesterreich/woche-unsere-empfehlungen-8409081

    Vier Stellungnahmen zu Glyphosat:

    – Michel Reimon, Grünpolitiker aus Österreich im EU-Parlament:

    “„Glyphosat ist nicht nur möglicherweise krebserregend“, sagt Michel Reimon, Grünpolitiker aus Österreich im EU-Parlament. „Es führt uns auch die Marktmacht von Biotechnologie-Konzernen wie Monsanto vor Augen, die mit einem Unkrautvernichtungsmittel einen Gutteil des Weltmarkts kontrollieren.“

    Immerhin nur “möglicherweise”. Der zweite Satz: Sinnfreies Gelaber.

    – “Der Landwirt Lorenz Mayr versteht die Welt nicht mehr. „Ich weiß nicht, woher der Hass auf die Bauern kommt. Wir werden als Umweltvergifter dargestellt, doch in Wahrheit produzieren wir streng kontrollierte und gesunde Lebensmittel.“ Er ist Nutzer des Unkrautvernichtungsmittels Glyphosat. Mit dessen Verbot, so seine Sorge, gehe ein wichtiges Werkzeug zum Schutz des Bodens verloren.”

    – “Daniel Kapp, ein Wiener PR-Stratege mit Büro in der Innenstadt. In dieser Funktion publiziert Kapps Büro etwa Presseaussendungen zum Thema Glyphosat, verfasst „Faktenchecks“ und organisiert Podiumsdiskussionen. „Die Industrie hat es bislang verabsäumt, sich einem derartigen Dialog zu stellen“, sagt Kapp. „Deshalb haben die NGOs in der Debatte die Oberhand.“ Diese würden sich teilweise „populistischer Argumentationsmuster bedienen, die sich methodisch zum Teil sogar kaum von jenen rechtspopulistischer Parteien unterscheiden“. NGOs müssten sich heute selbstkritisch fragen, ob sie nicht mitunter allein um ihrer „Kampagnenfähigkeit“ willen regelmäßig „mit schwer überprüfbaren Droh-und Angst-Szenarien und Nicht-Abschätzbarkeiten arbeiten“, so Kapp. „Ich betrachte sie da schon ein bisschen als die Erfinder der Fake News.“

    – “Sebastian Theissing-Matei, Landwirtschaftssprecher von Greenpeace in Zentral- und Osteuropa. Bei den Umweltschutzorganisationen begrüßt man naturgemäß das geplante Glyphosat-Verbot: „Die menschliche Gesundheit muss im Vordergrund stehen. Das ist ein Schritt hin zu ökologischer Landwirtschaft.”

    Nur hat Ersteres mit Letzterem nicht zwingend etwas zu tun. Dafür das klare Eingeständnis, dass Herr Sarma mit seiner Einschätzung des eigentlichen Ziels der NGOs offenbar richtig liegt.

  37. 37 crazyfrog 7. November 2017 um 19:47

    ESC-Video:

    “”How Rational are the Fears of GMOs?”

    https://www.youtube.com/watch?v=EPxqsU2M3BE

  38. 38 Joseph Kuhn 7. November 2017 um 20:27

    @ noch’n Flo:

    “Haben die neuerdings einen Vertrag mit Greenpeace?”

    Komisch, klingt ganz ähnlich wie wenn Impfgegner fragen, ob Skeptiker von der Pharmaindustrie bezahlt werden.

    @ Bernd:

    “Die Frau Liebrich …”

    … ist nicht einmal Erstautorin. Sie mag ja eine einseitige Agenda haben, aber wenn das, was in dem SZ-Artikel steht, allein durch einen Link zu einem Artikel von Ludger Weß, der sie persönlich kritisiert, als erledigt gilt, ist das nahe an einem ad hominem. Dass Herr Weß über seine Firma akampion Geld mit der Image-Pflege für die Biotechnologie- und Gentechnikbranche verdient (https://www.akampion.com/clients-and-case-studies/), ist zudem nicht unbedingt ein Neutralitäts-Siegel für Kritik an Glyphosat-Gegnern. Das ist auch ein ad hominem, aber mit etwas mehr Tiefgang.

    Es scheint bei dieser Geschichte nur noch eine Einteilung in Freund und Feind zu geben – daran hat der unselige Carl Schmitt das Wesen der Politik festgemacht. Das Wesen der Wissenschaft wie auch der Skeptikerbewegung sollte ein anderes sein.

  39. 39 Bernd Harder 7. November 2017 um 21:43

    @Joseph Kuhn:

    Das sind gute und bedenkenswerte Hinweise – im konkreten Fall fühle ich mich indes nur am Rande angesprochen.

    “Noch ‘n Flo” hatte gefragt, ob die SZ einen Vertrag mit Greenpeace habe, daraufhin habe ich auf die “einseitige Agenda” der Frau Liebrich hingewiesen.

    Dadurch sehe ich durchaus nicht den kompletten Inhalt des Artikels als “erledigt” an. Das war aber auch nicht die konkrete Frage.

  40. 40 Amardeo Sarma 8. November 2017 um 20:34

    @Joseph Kuhn:

    Für Skeptiker ist klar, dass ad hominem nicht geht, weder mit noch ohne “Tiefgang”. Das heißt aber nicht, dass man nicht kritisieren kann, wenn jemand fortgesetzt unwissenschaftlich argumentiert oder mit Organisationen zusammenarbeitet, die unwissenschaftlich argumentieren. Natürlich kann der- oder diejenige trotzdem auch verschiedentlich recht haben.

    ist zudem nicht unbedingt ein Neutralitäts-Siegel für Kritik an Glyphosat-Gegnern

    Mir ist aus Ihren Kommentaren noch immer nicht ersichtlich geworden, ob Sie Neutralität als Kriterium für eine wissenschaftliche Diskussion ansehen? Vermutlich haben Sie und ich unterschiedliche Definitionen von “neutral”.

    Ich persönlich sehe die Forderung nach Neutralität nicht als Kriterium. Meine Rückfrage wäre sofort: “Neutral in Bezug auf was?”

    Wissenschaft als Methode der Erkenntnisgewinnung ist neutral wenn wir darunter verstehen, dass sie von vornherein niemanden bevorzugt. Sie orientiert sich an der Realität und bildet diese möglichst objektiv und realitätsgetreu ab – sollte sie zumindest, wenn sie sich an die eigenen Standards hält.

    Die so gewonnenen Erkenntnisse der Wissenschaft können aber natürlich im Sinne der (Wirtschafts- oder ideologischen) Interessen einer Gruppe ausfallen – oder dagegen. Die Auswirkungen der Erkenntnisse sind in diesem Sinne nicht neutral. Auch die Auseinandersetzung darüber ist dann alles andere als neutral, denn sie bewegen Gruppen oder Individuen dazu, diese Erkenntnisse für Eigeninteressen zu instrumentalisieren – bis hin zur Leugnung.

    Die Debatte um die globale Erwärmung ist ein Musterbeispiel dafür, dass es vorwiegend unverbesserliche Ideologen sind, die sich noch immer gegen objektive Erkenntnisse stemmen. Die meisten Firmen, die mit fossiler Verbrennung Geld verdienen, haben sich zähneknirschend inzwischen diesen Erkenntnissen gebeugt.

    Was mich an der ganzen Diskussion stört, ist zweierlei.

    Erstens: Es wird so getan, als hätte nur die Industrie ein “Interesse” an bestimmten Ergebnissen. Wenn jemand, wie Christopher Portier aus einer Organisation wie dem EDF kommt, scheint dies niemand zu stören. Wir sollten aber – wenn wir schon Interessen in die Diskussion einbringen – dies nicht einseitig tun. Die gesamte öffentliche Diskussion um Glyphosat erfolgt mit zweierlei Maß. Nur die Industrie ist “böse” und hat “Interessen”. Die NGOs sind die “guten” und immer objektiv.

    Zweitens: Wie bei der Klimadiskussion können wir auch beim Glyphosat keine “50:50” ausgewogene, neutrale Position einnehmen.

    Nehmen wir den Fall BfR vs. IARC.

    Beim BfR stellt sich immer mehr heraus, dass die Vorwürfe nicht zutreffen. Man kann selbstverständlich alles noch viel besser machen, aber man kann dem BfR keinen Strick daraus drehen, dass sie Vorschriften aus der Zukunft hätte berücksichtigen sollen.

    Trotzdem hält es auch Baskut Tuncak, UN-Sonderberichterstatter der FAZ nicht davon ab, heute weiterhin Alternative Fakten zu verbreiten:

    Letzten Monat kam es ans Licht: Als die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit Glyphosat – das meistverwendete Pflanzengift weltweit – als unbedenklich einstufte, hatte sie ganze Seiten aus einem Bericht von Monsanto, dem Hersteller des Pestizids, abgeschrieben. Solche Enthüllungen sind schlichtweg schockierend.

    Alternative Fakten sind kein Alleinstellungsmerkmal von Donald Trump!

    Dagegen wird alles bezüglich der IARC mit der Zeit nur noch schlimmer. Die IARC machte schon von vorneherein etwas ziemlich Sinnfreies: Gefahr (hazard) statt Risiko zu bewerten. Das ist als Entscheidungsgrundlage völlig untauglich. Dann kommen Christopher Portier und die nicht ausgeräumte Manipulationsvorwürfe hinzu.

    Die Situation zwischen dem BfR (mit allen anderen Organisationen weltweit) und der IARC ist extrem asymmetrisch, und das sollten wir nicht glattreden. Nein, es gibt keine Pflicht zur Neutralität zwischen dem BfR und der IARC wenn die Fakten klar dagegen sprechen, die Pflicht gilt der Wahrheitsnähe.

    Ganz nebenbei: Greenpeace hat nicht immer Unrecht, siehe anthropogenen Klimawandel. Ich würde ihre Behauptungen auch sonst nicht ohne Prüfung abtun.

  41. 41 Joseph Kuhn 8. November 2017 um 23:48

    @ Amardeo Sarma:

    Meine Rückfrage wäre sofort: “Neutral in Bezug auf was?”

    Meine auch. In meinem letzten Kommenatar habe ich darauf hingewiesen, dass man zur besseren Einordnung der Kritik von Herrn Weß an Frau Liebrich seine Firmenaktivitäten kennen sollte.

    “Wie bei der Klimadiskussion können wir auch beim Glyphosat keine “50:50” ausgewogene, neutrale Position einnehmen.”

    Zur Bewertung von Glyphosat an sich habe ich mich nie geäußert. Mein Thema war die Metaebene des Umgangs mit den Interessenkonflikten in diesem Fall und die Frage, welche Lehren vielleicht aus dem entstandenen Schlamassel zu ziehen sind – und zwar vor allem auf Seiten der Behörden. Welche Lehren die Umweltverbände, die Industrie oder die Politik daraus ziehen, ist mir zunächst, ganz unneutral, reichlich egal.

  42. 42 crazyfrog 9. November 2017 um 15:17
  43. 43 Ludger Weß 9. November 2017 um 18:01

    @Joseph Kuhn:
    “Dass Herr Weß über seine Firma akampion Geld mit der Image-Pflege für die Biotechnologie- und Gentechnikbranche verdient (https://www.akampion.com/clients-and-case-studies/), ist zudem nicht unbedingt ein Neutralitäts-Siegel für Kritik an Glyphosat-Gegnern. Das ist auch ein ad hominem, aber mit etwas mehr Tiefgang.”

    Meine Güte, Herr Kuhn, ist das billig. Sie hätten auch schreiben können: Er arbeitet für die Industrie. Das reicht in vielen Kreisen auch schon aus, um alle roten Lampen angehen zu lassen.

    Um Sie aufzuklären: Nicht alles, was Gentechnik ist, hat mit grüner Gentechnik zu tun und das meiste, was mit grüner Gentechnik zu tun hat, hat nullkommanix mit Glyphosat zu tun.

    Es soll hingegen Biotechnologiefirmen geben, die sich mit dem Nachweis von GMOs oder Glyphosat für NGOs dumm und dämlich verdienen.

    Nennen Sie mir unter den vielen Klienten von akampion einen aus dem Bereich grüne Gentechnik. Ich bin gespannt.

    Grüne Gentechnik ist in Deutschland nämlich so erfolgreich abgeschossen worden, dass sie sogar an den Universitäten kaum noch stattfindet. Können Sie auch inhaltlich argumentieren?

  44. 44 Ludger Weß 9. November 2017 um 20:00

    @Joseph Kuhn
    Und noch etwas, Herr Kuhn: In den 1990er Jahre war ich Gentechnik-Experte für Greenpeace, mit Auftritten auf Pressekonferenzen, in der Tagesschau, in Talkshows und bei Hearings von Bundestag und EPA. Ich kenne also Argumentationsmuster, Arbeits- und Vorgehensweise von NGOs durchaus sehr genau.

    Nachlesen können Sie meine Erfahrungen und die Begründung, warum ich da nicht mehr mitmachen wollte, hier: http://www.zeit.de/zeit-wissen/2017/04/gentechnik-genfood-pflanzen-ernaehrung-gesundheit

    Ich darf hinzufügen, dass Sie bei NGOs Wahrheit und Fakten sehr stark strapazieren dürfen, um maximale Erregung zu erzeugen. Niemand – außer “Lobbyisten” wie meine Person – wird Ihnen einen Vorwurf machen. Firmen in sensiblen Bereichen wie Gentechnik oder Chemie hingegen können sich das heute überhaupt nicht leisten.

  45. 45 Amardeo Sarma 9. November 2017 um 21:16

    @Joseph Kuhn

    Mein Thema war die Metaebene des Umgangs mit den Interessenkonflikten in diesem Fall und die Frage, welche Lehren vielleicht aus dem entstandenen Schlamassel zu ziehen sind – und zwar vor allem auf Seiten der Behörden.

    Ok, fokussieren wir uns nur auf die Behörden.

    Was hätte denn das BfR hier anders machen sollen? Da hätte die Behörde höchstens die faktenfreie Propaganda besser antizipieren müssen. Den “Schlamassel” haben andere, nicht das BfR, zu verantworten.

    Die IARC dagegen halte ich für kaum noch reformierbar. Sie bewertet das Falsche (Gefahr/hazard statt Risiko). Sie verändert ihre Bewertungen auf intransparente Weise, um das erwünschte schlechtere Ergebnis zu erhalten. Und im Gegensatz zum BfR nahmen Personen mit Interessenkonflikten (zumindest Christopher Portier) direkt an der Bewertung teil. Bei der IARC stimmt inzwischen überhaupt nichts mehr.

    Und nochmals: Diese extreme Asymmetrie zwischen dem BfR und der IARC sollten wir nicht versuchen glattzureden.

    Die Lehren, die wir ziehen sollten betreffen in diesem Fall die IARC. Darüber sollten wir reden.

  46. 46 crazyfrog 10. November 2017 um 21:08

    “Mit der Skandalisierung soll Angst erzeugt werden. Über die Angst als Geschäftsmodell sprach bei der „Novo“-Veranstaltung der promovierte Molekularbiologe und Wissenschaftsjournalist Ludger Weß. Er stellte das Modell vor anhand der Methoden und Finanzierung der Anti-Gentechnik-Bewegung.

    Die Hauptakteure in Deutschland seien mit eigenen Aktionen Greenpeace und der BUND, die Partei Bündnis 90/Die Grünen, Stiftungen wie die Zukunftsstiftung Landwirtschaft, die Software-AG-Stiftung und sonstige aus der Öko- und Biobranche, ferner Campact, Foodwatch, Save our seeds, Informationsdienst Gentechnik, Firmen und Verbände aus dem biologisch-dynamischen Landbau, reiche Erben von Vermögen aus Problembranchen wie Chemie, Pharma und Lebensmitteln und andere mehr.

    Weitere Sponsoren gehören dem anthroposophischen Umfeld an. Besonders gut betucht sind spendenfinanziert Greenpeace (58 Millionen Euro), Bündnis 90/Die Grünen (41 Millionen aus Steuergeldern, Spenden, Mitgliedsbeiträgen) und der BUND (28 Millionen aus Spenden und Mitgliedsbeiträgen). Campact bringt aus Spenden sieben Millionen auf die Waage, Foodwatch aus Mitgliedsbeiträgen 2,9 Millionen Euro.

    Wie Ludger Weß weiter ausführte, haben diese Akteure ein dichtes Netzwerk, machen sehr gute Öffentlichkeitsarbeit, sind professionell im Einspannen der Medien mit Bild- und Videomaterial und vorbereiteten Stellungnahmen, mit optimiertem Timing und durchdachter Embargopolitik.

    Dazu kommen öffentlichkeitswirksame Aktionen und Konferenzen (Urinale, Monsanto-Tribunal), schnelle Reaktion auf Neuigkeiten, Gegengutachten, offene Briefe, Angebote von Interviewpartnern, Zermürbungstaktik, Klagen, Freedom-of-Information-Act-Anfragen, Unterschriftenkampagnen und Petitionen sowie regelmäßige Absprachen und Strategietreffen.

    Die Akteure agieren mit verteilten Rollen. Die einen betonen: „Verbraucher wollen keine Gentechnik“ oder sie sei schlecht für die Umwelt, für Böden, Bienen und Artenvielfalt. Andere verkünden, sie ethisch bedenklich, sei ein Gesundheitsrisiko, sie nutze nur dem Agrobusiness, schade den Kleinbauern der Dritten Welt, die Menschen würden belogen, Organisationen wie die FAO, die European Patent Agency (EPA), die EU-Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) oder das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) seien von Monsanto gekauft.

    Man lässt „wissenschaftliche“ Gegengutachten anfertigen, bietet Experten und Studien auf, hat Journalisten zur Gegeninformation und zum Entlarven zur Hand, lässt Horrorgeschichten erzählen, zieht mit Klagen vor Gericht.

    Mit Wortgebilden wie „genmanipuliert“, „genverseucht“, „mit Genpollen kontaminiert“, „Genfraß“, „Genpflanzen“ haben sich diese NGOs die Begriffshoheit gesichert. Auf diese Weise wurde Gentechnik in der Wahrnehmung der Öffentlichkeit und den Menschen als Hochrisikotechnik für Gesundheit, Umwelt und Artenvielfalt geradezu eingepflanzt.

    Sie nutze nur den Agrarmultis, Nahrung werde durch sie monopolisiert, Nachzucht verboten, sie mache unfrei, führe zu Bauernselbstmorden in Indien.”

    http://ef-magazin.de/2017/07/28/11401-novo-veranstaltung-in-berlin-ngos-als-geschaeftsmodell

  47. 47 Bernd Harder 10. November 2017 um 21:13

    @crazyfrog:

    Es gibt auch ein Skeptics in the Pub-Video (Wien) mit Herrn Weß:

    https://www.youtube.com/watch?v=efcXJtOrd3k

  48. 48 Joseph Kuhn 10. November 2017 um 21:25

    @ Amardeo Sarma:

    Ich wüsste nicht, warum die IARC nicht das Gefahrenpotential von Stoffen bewerten sollte. Bei der Homöoapthie schauen wir ja auch nicht nur danach, was Patienten davon im Behandlungsalltag haben, sondern auch danach, was die Homöopathika als Stoffe können (bzw. hier eben nicht können). Man könnte sich sonst die ganze naturwissenschaftliche Kritik daran schenken.

    Was die im Zusammenhang mit der Dokumentationsweise des BfR entstandene Situation angeht, habe ich im Blog alles geschrieben, was ich dazu zu sagen habe: http://scienceblogs.de/gesundheits-check/2017/10/08/glyphosat-monsanto-und-das-bfr-noch-eine-anmerkung-vom-spielfeldrand/ Ich will mich nicht wiederholen.

    @ Ludger Weß:

    “Meine Güte, Herr Kuhn, ist das billig.”

    Es war sogar umsonst. In jeder Hinsicht. Ich nehme zur Kenntnis, dass Sie es schon als unpassend ansehen, auch nur auf Ihre Firma hinzuweisen. Schade, dass Sie es nicht selbst getan haben, es hätte Ihre Kritik an Frau Liebrich vertrauenswürdiger gemacht. So hat sie eben ein “Cui-bono-Geschmäckle”, selbst wenn alles stimmen mag, was Sie schreiben. Interessenkonflikte haben nicht immer nur “die Anderen”.

    Es ist nett, dass Sie mich über Gentechnik “aufklären”, aber das hätten Sie sich sparen können. Ich habe mich zum Thema Gentechnik meiner Erinnerung nach bisher nicht geäußert.

  49. 49 noch'n Flo 11. November 2017 um 18:26

    @ Joseph Kuhn:

    Meine Güte, jeder von uns hier hat irgendeinen Arbeitgeber. Damit könnte man für jeden von uns hier in bestimmten Themen Interessenkonflikte konstruieren. Sorry, aber das ist einfach nur Erbsenzählerei.

    Hast Du das wirklich nötig? Dich der Argumentationspolitik der Gentechnikgegner zu bedienen? Oder bist Du heimlich einer, so ein ganz verklemmter?

  50. 50 Joseph Kuhn 12. November 2017 um 16:27

    @ noch’n Flo:

    “Hast Du das wirklich nötig? Dich der Argumentationspolitik der Gentechnikgegner zu bedienen?”

    Worin besteht die denn und wo bediene ich mich dessen?

    “Oder bist Du heimlich einer, so ein ganz verklemmter?”

    Auf die Frage habe ich schon lange gewartet. Fast möchte ich mit Ludger Weß zurückfragen: “Können Sie auch inhaltlich argumentieren?” Es gibt bei dem Thema offensichtlich ein großes Bedürfnis, jeden und alles entlang einer Schwarz-Weiß-Grenze einzusortieren. Auch wenn die Schubladen noch so verklemmt sind. Muss ich also ein Glaubensbekenntnis ablegen, “Gentechnikbefürworter” oder “Gentechnikgegner” zu sein? Ich kann mich nicht einmal entscheiden, ob ich so pauschal und allgemein eher Äpfel oder Birnen mag.

    “Sorry, aber das ist einfach nur Erbsenzählerei.”

    Erzählst Du das auch denen, die Christopher Portier jetzt mit einem angeblich verschwiegenen Interessenkonflikt in einer Art und Weise unglaubwürdig machen wollen, dass sich der Gedanke an eine Kampagne regelrecht aufdrängt?

    Das Offenlegen von Interessenkonflikten halte ich bei wissenschaftlichen Publikationen für unumgänglich und bei wissenschaftsnahen Publikationen zumindest in bestimmten Fällen für hilfreich. Selbst in der Arztpraxis kann das eine Rolle spielen, auch wenn Ärzte mit einnehmendem Wesen das anders sehen mögen (https://correctiv.org/recherchen/euros-fuer-aerzte/).

  51. 51 Pierre Castell 12. November 2017 um 19:09

    “Oder bist Du heimlich einer, so ein ganz verklemmter?”

    Manche Menschen scheinen einfach nicht ohne Sticheleien auszukommen. Ist das denn wirklich nötig?

    Ein höflicher Umgang ohne ständige Polemik würde hier sicher besser passen!

    Wer permanent sticheln oder bösartig provozieren, beleidigen und poltern möchte, sollte sich für diese Zwecke einen anderen Blog suchen.

  52. 52 noch'n Flo 12. November 2017 um 19:42

    @ J. Kuhn:

    “Selbst in der Arztpraxis kann das eine Rolle spielen, auch wenn Ärzte mit einnehmendem Wesen das anders sehen mögen”

    Na, dann ist es ja gut, dass ich kein solches habe. Denn das einzige Geld, was ich von Pharmaunternehmen erhalte, sind Einkaufsrabatte meiner präferierten Generikahersteller. Und diese gebe ich vollumfänglich an meine Patienten weiter. Okay, am Ende profitieren vor allem die Versicherungen davon, aber das ist ein systemimmanentes Problem, an dem ich nichts ändern kann. Gewissen und Weste sind bei mir jedenfalls sauber und weiss.

    Und Kugelschreiber, Notizblöcke oder EKG-Lineale haben noch nie mein Verordnungsverhalten beeinflusst. Zwar gehe ich auch 1x im Jahr mit meinem Pharma-Grossisten essen, allerdings ist aus unserer Geschäftsbeziehung inzwischen auch eine enge Freundschaft geworden, also ist das mindestens zur Hälfte ein privater Anlass. Und in diesem Geiste wechseln wir uns bereits seit 4 Jahren jährlich mit dem Bezahlen ab, Modus: der eine sucht das Restaurant aus, der andere zahlt die Rechnung. Und im nächsten Jahr geht es dann andersherum.

    Das einzige, woran ich wirklich nichts machen kann, ist das Sponsoring von Fortbildungen. Es ist schlichtweg unmöglich, alle jährlichen Credits zusammenzubekommen, indem man ausschliesslich werbefreie Veranstaltungen besucht. Daher gehe ich vor allem auf sehr grosse Fortbildungen, bei denen sehr viele verschiedene Firmen präsent sind. So kann zumindest nicht der Ruch entstehen, ich wäre einer bestimmten Firma besonders verpflichtet.

    Wie ist das denn bei Dir mit Interessenkonflikten?

  53. 53 Joseph Kuhn 12. November 2017 um 22:24

    “Wie ist das denn bei Dir mit Interessenkonflikten?”

    Täglich morgens beim Aufstehen. Wo vermutest Du denn welche? Dass mich Greenpeace oder Monsanto bezahlen? Das ist nicht der Fall.

    Und worin besteht jetzt nochmal die “Argumentationspolitik der Gentechnikgegner”, die ich anwende?

  54. 54 crazyfrog 13. November 2017 um 14:22

    Schon bekannt?

    Panikalarm: Glyphosat im Eis

    http://scienceblogs.de/naklar/2017/10/11/panikalarm-glyphosat-im-eis/

  55. 55 Pierre Castell 13. November 2017 um 21:59

    Glyphosat war heute auch ein (kleines) Thema in der Sendung “Wiso”, ZDF:

    https://www.zdf.de/verbraucher/wiso/was-macht-eigentlich-das-bundesinstitut-fuer-risikobewertung-bfr-100.html

  56. 56 Bernd Harder 14. November 2017 um 00:26

    Leider mit Bezahlschranke, aber lesenwert unaufgeregt:

    http://www.zeit.de/2017/46/pflanzengift-glyphosat-gesundheit-industrie

  57. 57 crazyfrog 15. November 2017 um 10:58

    Die Wissenschaftler schreiben, dass eine hundertprozentige Umstellung auf biologische Landwirtschaft unter heutigen Bedingungen langfristig nicht möglich ist:

    http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/kann-oekologische-landwirtschaft-die-menschheit-ernaehren-a-1177968.html

  58. 58 skeptikus 16. November 2017 um 20:09

    Hier noch eine interessante Studie zum Thema

    Classification schemes for carcinogenicity based on hazard-identification have become outmoded and serve neither science nor society

    https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0273230016303038

    Highlights
    • Cancer classification on hazard-identification such as IARC and UN GHS are outmoded.

    • Chemicals with differences in potency and modes of action placed in same category.

    • Unintended consequences: health scares, costs, and diversion of public funds.

    • Modern approaches based on hazard and risk characterization should be used.

    •International initiative needed a consensus on for carcinogenicity.

  59. 59 crazyfrog 19. November 2017 um 20:27
  60. 60 Joseph Kuhn 19. November 2017 um 23:39

    @ skeptikus:

    Die “interessante Studie” – eigentlich ein Kommentar zu Bewertungsschemata – hat auch eine interessante Autorenriege, eine interessante Erklärung der Interessenkonflikte und einen interessanten Letztautor (Douglas C.Wolf, Syngenta Crop Protection).

    Das Journal, Regulatory Toxicology and Pharmacology, “is financed in part by the tobacco, pharmaceutical, and chemical industries” (http://21ma.com/wiki.php?title=Regulatory_Toxicology_and_Pharmacology), der editor-in-chief ist Gio Batta Gori, ein bekannter Tabaklobbyist. Eben in mehrfacher Hinsicht eine “interessante Studie”.

    @ crazyfrog:

    “Wenn Wissenschaft politisch ist …”, dann wird es schwierig und man sollte die Augen nach beiden Seiten offen halten – und auch prüfen, wer einem in der NZZ etwas über politische Wissenschaft serviert.

  61. 61 Zaungast 20. November 2017 um 14:20

    @Joseph Kuhn: Kommt gegen den NZZ-Autor Grüninger – oder besser noch: gegen die Inhalte seines Artikels – jetzt noch substanzielle Kritik, oder bleibt es beim vagen Raunen, wer einem da was “serviert”?

  62. 62 Joseph Kuhn 20. November 2017 um 18:53

    @ Zaungast:

    Es bleibt beim Raunen. Sie können genauso googeln wie ich. Bei der “interessanten Studie” habe ich mal nachgesehen, wenn Sie sich für Grüningers Verein Reatch interessieren, schauen Sie halt, was Sie finden, oder bleiben Zaungast.

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