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Das „Nichtwissen“ des Erich von Däniken füllt ganze Bücher

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„Was der Kopp-Verlag macht, weiß ich nicht!“ behauptete Erich von Däniken vor drei Jahren in einem Interview mit Sebastian Bartoschek.

Nun ja, gerade hat der Kopp-Verlag immerhin einen „großen internationalen Erich-von-Däniken-Kongress zum 80. Geburtstag des Bestseller-Autors“ veranstaltet.

Für die Skeptiker war Dr. Philippe Leick vor Ort, seinen Tagungsbericht gibt es bei ufo-information:

Am Ende des Tages bedankte sich von Däniken in seltsamen Worten bei Jochen Kopp für die Organisation des Kongresses und nahm ihn gegen Kritik in Schutz. Vielfach wird ihm vorgeworfen, rechtspopulistischen Autoren eine Plattform zu bieten.“

Aha, so sieht also das „Nichtwissen“ des Herrn von Däniken bezüglich der Umtriebe seines Verlages aus.

Normalerweise ist es ja eher umgekehrt und EvD behauptet etwas zu wissen, das längst widerlegt ist – etwa die „Geheimnisse“ von Fatima, die laut Däniken „die Existenz Außerirdischer“ bestätigen.

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Aber vielleicht ist das ja auch alles gar nicht so ernst gemeint und der Schweizer Götterbote macht einfach nur Spaß, wie er in verschiedenen Interviews dieser Tage andeutet:

Wenn man jung ist, ist man gutgläubig. Und überhaupt nicht kritikfähig. Man meint, man sei der Größte, und später sieht man, verdammt nochmal, die Kritik hatte doch Recht. Da und dort.“

Oder so ziemlich überall, wie der Physiker Dr. Markus Pössel in seinem Buch „Phantastische Wissenschaft“ vor 15 Jahren zeigte.

Oder wie Harald Lesch es formuliert:

Erich von Däniken ist eine der Hämorrhoiden am Hintern der Wissenschaft gewesen.“

Zum Weiterlesen:

  • Erich von Däniken wird 80: Tagungsbericht zum „großen internationalen Erich-von-Däniken-Kongress“, ufo-information am 14. April 2015
  • „Was der Kopp-Verlag macht, weiß ich nicht“, sebastian-bartoschek.de
  • Erich von Däniken: „Die Hämorrhoide am Hintern der Wissenschaft“, Deutschlandradio Kultur am 15. April 2015
  • Alien-Forscher Erich von Däniken „Die einen kennen mich, die anderen können mich“, einestages am 13. April 2015
  • GWUP-Infos: Erich von Däniken und die Cheops-Pyramide
  • GWUP-Infos: Spuren im Sand – Interview mit Michael Haase und Erich von Däniken
  • GWUP-Infos: Präastronautik
  • Geschichten aus der Gruft: Däniken und andere Mumien, GWUP-Blog am 8. September 2013
  • Götter im Raumanzug, einestages am 6. Juni 2008
  • Götterdämmerung, Astrodicticum simplex am 18. Oktober 2008
  • Das Goldene Brett 2012: And the Winner is … Erich von Däniken, GWUP-Blog am 20. Oktober 2012
  • Die Eso-Oscars 2014: And the Winner is … Jochen Kopp, GWUP-Blog am 26. November 2014
  • Die Geheimnisse von Fatima, GWUP-Blog am 9. Mai 2010
  • Fakten statt Phantasie: „Phantastische Wissenschaft“ von Markus Pössel, wissenschaft.de am 1. August 2000
  • Markus Pössel: Phantastische Wissenschaft. Über Erich von Däniken und Johannes von Buttlar. Rowohlt-Verlag, Reinbek 2000
  • Hoaxilla #111 – „Präastronautik“ vom 13. Januar 2013
  • Hoaxilla #131 – „Die Nazca-Linien“ vom 11. August 2013

28 Kommentare

  1. So paradox es klingen mag: EvD hat auch einen positiven Beitrag zur Wissenschaft geleistet. Durch seine Bücher wurden einige archäologische Themen einer breiten Öffentlichkeit bekannt. Dankenswerterweise haben seitdem Dutzende von Historikern/ Archäologen die geöffnete Tür genutzt, um in den Medien mit dem Abenteuer Wissenschaft zu punkten.

  2. @Sebastian:

    So ähnlich argumentiert Lesch in dem Deutschlandfunk-Interview auch.

    Ich habe mich dabei nur gefragt: Wäre kein Ägyptologe je von sich aus auf die Idee gekommen, mal zu fragen und nachzuforschen, wie eigentlich die Pyramiden nun genau erbaut worden sind – ohne die „Anstöße“ und „Provokationen“ des Herrn von D.?

  3. @ Bernd, Sebastian: Mit Sicherheit haben Altertumsforscher seit jeher sich solche Fragen gestellt. Was man EvD aber lassen muss: Seine Bestseller haben diese Wissenschaftler gezwungen, die Öffentlichkeit an ihren Forschungen teilhaben zu lassen.

    In jeder wissenschaftlichen Disziplin gibt es einen fließenden Übergang vom aktuellen Mainstream hin zu spekulativen Außenseitertheorien. Jenseits davon verläuft dann irgendwo die Grenze zur Pseudowissenschaft.

    Generell finde ich aber, dass es einem jeden Fachbereich ganz gut tut, regelmäßig von Außenseitern diesseits oder jenseits der Grenze herausgefordert zu werden.

    Das hält den Mainstream auf Trab und ist eine Art Versicherung dagegen, in innovationshemmendes Gruppendenken zu verfallen.

  4. Hmm. Das was ich nicht weiß, füllt jede Menge Bibliotheken weltweit. Und wenn ich vor 3 Jahren eine Firma nicht näher kannte, können die heute eine Ehrung für mich organisieren. Man kann bei EvD vermutlich Substanzielleres kritisieren, oder?

  5. @torres:

    Tut mir Leid, verstehe ich nicht ganz.

    << Das was ich nicht weiß, füllt jede Menge Bibliotheken weltweit. << Sie schreiben aber keine Bücher über das, was Sie nicht wissen, oder? << Und wenn ich vor 3 Jahren eine Firma nicht näher kannte << Vielleicht bin ich ein wenig exzentrisch, aber wenn ich ein Buch schreibe und veröffentliche, mit meinem Namen, schaue ich mir den Verlag und seine Autoren und das Umfeld vorher schon sehr genau an.

  6. @Bernd:

    Ich sehe es so wie Phillipe :)
    Deswegen wiederhole ich seine Sichtweise nicht nochmal, sondern ergänze nur, dass als forschender Wissenschaftler (früher stärker als heute) die Versuchung besteht, sein Wissen nicht breitentauglich zu teilen.

    Natürlich MUSS man dafür keinen EvD haben – ich persönlich finde Science Slams und die Anreicherung von Forschungsprogrammen mit solchen Elementen besser – aber naja, was die 70er betrifft: „die hatten ja nüscht“ ;)

  7. Die Geheimnisse von Fatima beweisen die Existenz Gottes…oder Außerirdischen…vielleicht sind das austauschbare Begriffe?
    Eines ist sicher, die Wahrscheinlichkeit, daß es außerirdisches Leben gibt ist um einiges höher, als die Existenz Gottes; daß uns aber diese Außerirdischen besuchen ist wiederum fast genauso gering…und somit schließt sich der Kreis ;-) und nun ein Prösterchen mit einem Korn…selig, wer die Lobpreisung versteht… :-)

  8. @Ralf:

    < < Die Geheimnisse von Fatima beweisen die Existenz Gottes…oder Außerirdischen…vielleicht sind das austauschbare Begriffe? << Das ist die "Theorie" dahinter: http://greyhunter.blog.de/2014/10/21/mimikry-hypothese-19592143/

  9. @Bernd Harder
    Sehr interessante These…

    mir war bekannt, daß man die „Erscheinung“ des Cherubs bei Ezechiel auch mit einem Raumschiff gleichsetzt* (soweit ich weiß vertritt auch v Däniken diese These – in dem verlinkten Artikel: Ezechiel-Raumschiff genannt), aber von der „Mimikry Theorie“ wußte ich bisher nichts; der Grundansatz dieser These ist eigentlich sehr interessant.

    Auch die These der „Ferris-Sonde“ hat einen gewissen Reiz (gerade weil sie schon fast Realität sind, siehe „Drohnen“ :-/)…

    nun kommt aber mein dickes Aber: Jedwede Information kann in einem Universum, in dem die Spezielle Relativitätstheorie (SRT) ihre Gültigkeit hat, nur mit Lichtgeschwindigkeit ausgetauscht werden…

    http://de.wikipedia.org/wiki/Lichtkegel
    http://de.wikipedia.org/wiki/Minkowski-Diagramm
    deshalb würde die Kommunikation dieser Sonden – je nach Entfernung – auch Jahrhunderte/Jahrtausende betragen…

    *Interessant ist, daß in der Offenbarung Johannes auch von diesen vier Wesen die Rede ist, die den Thron Gottes bewachen, dieser war ja auch das „Vehikel“ von dem bei Ezechiel die Rede ist…hier erkennt man, daß die Offenbarung des Johannes eine schöne Fleißarbeit ist und sich aus den prophetischen Schriften des alten Testamentes speist (besonders das Buch Daniel)…

    aber es wurde mit Christus verbunden…ich persönlich halte die Offenbarung für das interessanteste Buch in der Bibel…

  10. So, der zweite Teil meiner Ausführungen zum verlinkten Artikel…

    Unser Universum, so glauben Primbram und Bohm, ist auf die gleiche Weise strukturiert. Unser Gehirn, oder besser unser Bewusstsein, ist der Lichtstrahl, in dem wir das illusionäre Bild der Welt erkennen, das von einem viel subtileren, für uns nicht wahrnehmbaren Frequenzmuster erzeugt wird. Die „Fotoplatte“ und die darauf eingetragenen Strukturen der wirklichen Wirklichkeit erkennen wir nicht

    Diese „Theorie“ ist mir nicht fremd und basiert im Groben auf der „String-Theorie“
    http://de.wikipedia.org/wiki/Stringtheorie
    Aus vibrierenden eindimensionale Strings entstanden die Bausteine des Universums…
    …und schwups sind wir doch auch wieder bei der Relativitätstheorie ;-)
    http://de.wikipedia.org/wiki/Weltlinie
    In gewisser Weise sind diese Strings auch eine Projektion in der Raumzeit, die eine höherdimensionale Welt ergeben…
    Ich denke hier macht man aber den gleichen Fehler, als wenn man die Quantenphänomene auf den Meso- bzw Makrokosmos ausweitet – in einer gewissen Wahrscheinlichkeit mag dies gegeben sein, aber die String-Theorie auf die mesokosmische Erfahrungswelt zu heben, ist meiner Meinung nach nicht gegeben; obwohl dies als Gedankenexperiment einen gewißen Reiz hat.

  11. @ trixi:

    Habe ich das richtig verstanden? Da wurde einer, der „Erinnerungen an die Zukunft“ verfilmen will, von Däniken-Anhängern von der Bühne gebuht, weil das Projekt ja „totaler Kommerz“ sei?

    Jungejunge.

  12. @ klauszwingenberger:
    Ja, richtig – gegen Ende des Trailers gingen viele, danach gab es Pfiffe und Buhrufe.

    Man muss dazu sagen, dass nicht nur ein Film, sondern ein Multimedia-Gesamtprojekt geplant ist!

  13. Nachdem ich EvD nicht persönlich kenne und kein Fachmann bin, lasse ich seinen Status mal offen…

    [ ] Lügenverkäufer
    [ ] krankhafter Lügner
    [ ] echt dement

  14. P.S.
    Auf den zweiten Blick der Fairness halber und ohne die Chronologie genau anzuschauen…

    Besteht die theoretische Möglichkeit, daß EvD tatsächlich vor drei Jahren den Kopp nicht kannte und erst in der Zeit seitdem dort Geistesgenossen gefunden hat?

  15. @rambaldi:

    Das ist eine berechtigte Frage, ich bin auch am Überlegen, ob ich den Kommentar von @crazyfrog nicht löschen soll – mit seiner/ihrer Erlaubnis.

    Diese Möglichkeit besteht natürlich, ich halte sie nicht für sehr wahrscheinlich, versuche aber mal, es herauszufinden.

  16. @ Bernd Harder
    Dazu würde ich Ihnen raten. Denn die Aussage „ist ein Lügner“ halte ich – juristisch gesehen – für recht grenzwertig.

    Es wäre noch etwas anderes gewesen, wenn crazyfrog geschrieben hätte: Er hat gelogen, oder – noch besser – er hat mutmaßlich gelogen.

    Aber die Aussage „…ist ein Lügner“ halte ich für diesen Blog unpassend!

  17. Ich finde, es sollte stehenbleiben. Vor solchen Vollhonks zu kuschen, sogar mit vorauseilendem Gehorsam, ist sicherlich nicht der richtige Weg.

    Meine Aussage „Impfgegner sind Mörder!“ (an anderer Stelle hier im Blog) wurde ja auch nicht gelöscht.

  18. @noch’n Flo:

    Ich denke, es geht nicht darum, zu kuschen, sondern um Fairness.

    Die Frage, die rambaldi aufgeworfen hat, halte ich grundsätzlich für berechtigt. Solange wir nicht eindeutig beweisen können, dass es anders war, könnte der „Lügen“-Vorwurf ja tatsächlich unberechtigt sein.

    Zumal es in diesem Fall um eine konkrete (justizable) Person geht und nicht um eine unbestimmte Allgemeinheit.

  19. @ Bernd Harder:

    Wenn ich sage, jemand sei ein Lügner, geht es dabei aber nicht notwendigerweise um eine spezielle Lüge, sondern um das Gesamtverhalten der Person. Und das sollte beim Genannten nun wirklich unstrittig sein.

  20. @noch’n Flo:

    Ich denke schon, dass es in diesem Fall um eine „spezielle“ Lüge geht und nicht um das Gesamtverhalten, nämlich um die Frage, ob EvD Kopp zu dem besagten Zeitpunkt schon kannte oder nicht.

  21. Eingedenk dem juristischen Unterschied zwischen einer Publikation und sechs Publikationen und der allgemeinen Klagewut der Spinner, voll verständlich…

  22. @ Sinapis:

    „und der allgemeinen Klagewut der Spinner“

    Aber genau dem darf man sich doch nicht unterordnen. Ein Nikolaus Klehr hätte sich auch irgendwann mal genauer überlegt, wen er alles verklagt, wenn die ganzen Beklagten nicht schon vorzeitig einen Rückzieher gemacht hätten, weil sie Angst wegen der Prozesskosten hatten.

  23. @noch’n Flo:

    Gerne noch einmal:

    Es geht im konkreten Fall nicht um „esoterische“, pseudowissenschaftliche oder ähnliche Behauptungen, über die man durchaus auch einen Prozess führen könnte oder würde.

    Sondern es geht um die ganz simple Frage, ob jemand gelogen hat, als er behauptet hat, jemand anderen zu einem bestimmten Zeitpunkt noch nicht gekannt zu haben.

    Aus welchem Grund sollte man *hier* (und nur hier) einen Prozess führen – um was konkret, mit welchem Ziel und/oder Gewinn für die Seite der Wissenschaft?

    In einem etwaigen Prozess würde es ganz schlicht um eine Beleidigung gehen, nicht um Dänikens Thesen oder Behauptungen.

  24. „In einem etwaigen Prozess würde es ganz schlicht um eine Beleidigung gehen, nicht um Dänikens Thesen oder Behauptungen.“

    Vgl. mit der Story Grander-Presseagentur gegen Eder, deshalb auch ok für mich.

    https://blog.gwup.net/2016/05/20/nicht-mundtot-spendenseite-fur-grander-kritiker-es-geht-um-25-000-euro-prozesskosten/

  25. @ crazyfrog
    „…deshalb auch ok für mich!“

    Da fällt mir ein Stein vom Herzen. Denn ich lese und schätze Ihre interessanten Kommentare seit Jahren und hatte ein wenig Bedenken bzw. Unbehagen Ihre Aussage zu kritisieren.

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