„Monster“ am Strand und im Mainzer Naturkundemuseum

Auch die Welt stolpert heute über das “Seeungeheuer” am Strand von Santa Barbara, das vor einigen Tagen durch die US-Medien geisterte:

Sehr wahrscheinlich handelt es sich bei dem mysteriös erscheinenden haarlosen Wesen um einen toten Dachs, meldete Doubtful News schon vor vier Tagen.

Unklar ist dagegen, was die Satellitenaufnahme einer “Riesenkreatur” vor der Küste Neuseelands zeigt:

“Google Earth”-Fotos von angeblichen mysteriösen Wesen erfreuen sich zunehmender Beliebtheit. Im April wurde eine “Nessie”-Aufnahme kurzzeitig populär, die allerdings schnell einem Boot zugeordnet werden konnte.

Immerhin haben Forscher dieser Tage wirklich eine unbekannte Fischart in der Tiefsee entdeckt:

Mit “Kryptozoologie” hat das allerdings nichts zu tun, sondern mit ganz normaler Zoologie.

Und das ist zugleich der vielleicht einzige “Vorwurf”, den man der ansonsten sehr schönen Ausstellung “Monster?” im Naturhistorischen Museum Mainz machen kann: dass sie nicht trennscharf unterscheidet zwischen zoologischen Zufallsentdeckungen bislang unbekannter Tierarten und der gezielten kryptozoologischen Suche nach “Ungeheuern” anhand von “Phantombildern” aus Mythen und Augenzeugenberichten.

Dass …

… einige Legenden tatsächlich Wirklichkeit wurden”,

wie es in der Beschreibung heißt, kommt sehr viel seltener vor, als man es sich wünscht.

Bei Licht besehen hat wohl nicht einmal der real existierende Riesenkalmar (der im dunklen “Tiefsee”-Raum der Monster-Ausstellung überaus pittoresk seine Fangarme von der Decke streckt) etwas mit dem fiktiven Seeungeheuer “Riesenkrake” zu tun.

Eine Ausnahme mag eventuell der Riemenfisch sein, der 2013 von einer Meeresbiologin an Land gezogen wurde und der als “Inspiration für zahlreiche Legenden über Meeresschlangen und Seeungeheuer” gilt:

Auch ein liebevoll nachgebildeter Riemenfisch ringelt sich in der Mainzer Ausstellung.

Allerdings und das wird ebenfalls in den Ausstellungsräumen deutlich, anhand eines Videofilms sieht der zerbrechliche Riemenfisch im offenen Wasser deutlich weniger monströs und furchterregend aus:

Man sei sich …

… ziemlich sicher, dass die Seefahrer tote Riemenfische, die nach oben getrieben sind, gesehen haben. Und dass daher die Sagen kommen”,

wird die Museumspädagogin Martina Kracht von SWR2 zitiert.

Nun ja, aber selbst ein lebendiger Riemenfisch treibt üblicherweise passiv senkrecht im Meer und streckt zum Beispiel keineswegs seinen Kopf aus dem Wasser, weil er dann nämlich nicht mehr atmen könnte:

Statt Sichtungsberichte korrekt als kulturell geprägte Interpretationen von Ereignissen zu erkennen, wertet die Kryptozoologie diese fälschlicherweise wie Tatsachenberichte”,

merkt GWUP-Experte Ulrich Magin denn auch dazu an.

Trotzdem sind die “Monster im Museum” anregend und sehenswert.

Die Sonderausstellung “Monster? Nessie, Bigfoot und Kraken auf der Spur” im Naturhistorischen Museum Mainz läuft noch bis zum 1. März 2015.

 Zum Weiterlesen:

  • Rätselraten um “Seeungeheuer” von Santa Barbara, Welt-Online am 21. Dezember 2014
  • Hairless, toothy mystery carcass in Santa Barbara has a normal ID, Doubtful News am 18. Dezember 2014
  • Mysterious Giant Creature Leaves Strange “Wake” in Bay Of Islands, msn.com am 15. Dezember 2014
  • Meeresungeheuer auf Googe Earth entdeckt, heute.at am 15. Dezember 2014
  • Forscher filmen Fisch in acht Kilometern Tiefe, Spiegel-Online am 19. Dezember 2014
  • Forscher finden gewaltigen Tiefseefisch, Welt-Online am 15. Oktober 2013
  • “Monster?” SWR2 am 3. Dezember 2014
  • Stimmt es, dass Riesenkraken Schiffe angreifen? GWUP-Blog am 8. Januar 2013

2 Kommentare zu “„Monster“ am Strand und im Mainzer Naturkundemuseum”


  1. 1 Josh 23. Dezember 2014 um 08:34

    Das “Monster” in der Bucht bei Neuseeland ist unschwer als Fahrwasser eines Bootes zu erkennen. Das Boot selbst ist etwas undeutlich, da unter leichtem Dunst. Das Fehlen von weißer Gischt ist einfach dadurch zu erklären, dass der Bootsführer gerade das Gas herausgenommen hat.

    Der dunkle Streifen deutet entweder Schwebeteilchen im Wasser hin, die bei der Durchfahrt des Bootes umgewälzt wurden – oder es ist eine “Nebelspur” im Dunst, der ganz offensichtlich über dem Wasser liegt.

    Beide Möglichkeiten sind plausibel; die Bedingungen in der Bucht – Wasser und Luft – sind erkennbar äußerst ruhig.

  2. 2 Bettina Wurche 1. Januar 2015 um 13:57

    Danke für den schönen Artikel, die Ausstellung hatte ich noch gar nicht mitbekommen.

    Noch eine kleine Ergänzung zum Riemenfisch:
    Nach immerhin zwei Sichtungen im Jahr 2013 an der kalifornischen Küste gab es dazu eine wunderbare Verschwörungstheorie:

    http://scienceblogs.de/meertext/2013/10/27/die-grose-riemenfisch-erdbeben-verschworung/

    Übrigens werden dauernd neue Arten entdeckt, Fische und auch
    Wale. Auf “meertext” schreibe ich ziemlich oft über so etwas : )

    http://scienceblogs.de/meertext/2014/02/11/wal-mit-ueberraschungseffekt-mesoplodon-hotaula-eine-neue-art/
    und
    http://scienceblogs.de/meertext/2014/12/25/der-tiefste-fisch-der-welt-wohnt-im-marianengraben/

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