Klima: Realitätsverlust in der deutschen Politik

Deutschland will sich in der Klimapolitik erklärtermaßen ganz vorne sehen.

Ein außergewöhnliches Thema für Skeptiker? Nicht unbedingt.

Denn es geht um wissenschaftliche Erkenntnisse und darum, was Entscheider in der Politik daraus machen – womit wir bei ureigenen Themen der GWUP sind.

Zum Beispiel Impfen:

Da werden zentrale wissenschaftliche Erkenntnisse in Frage gestellt oder ignoriert. Oder es werden unbelegte Gefahren übertrieben, wie beim Mobilfunk.

Die Leugnung des menschengemachten (anthropogenen) Klimawandels wurde im GWUP-Blog bereits häufig thematisiert.

Doch wie steht es mit der deutschen Politik zum Thema Klimawandel?

Stellen wir hier die Frage, ob die Regierung sich hier an der Realität und wissenschaftlichen Erkenntnis orientiert oder sich von einer zunehmend ideologisierten grünen Bewegung treiben lässt. Damit sind alle Regierungen seit den 90er-Jahren gemeint.

Dass die globale Erwärmung eine ernsthafte Bedrohung darstellt, wird erfreulicherweise anerkannt. Hier orientiert man sich an dem Stand den Wissenschaft.

Kommen wir aber jetzt dazu, was die derzeitige Regierung vorhat.

Hier steht zunächst die korrekte Feststellung des Bundeswirtschaftsministers, man könne nicht gleichzeitig aus der Kernenergie und der Kohleverstromung aussteigen.

Dann wird es einem aber klar: Die Priorität bleibt beim Ausstieg aus der Kernenergie.

Treten wir einen Schritt zurück:

Was sind die entscheidenden Faktoren für die Menge des ausgestoßenen CO2?

Hierfür gibt es zur Orientierung eine recht einfache Formel, die sogenannte “Kaya-Identität“.

Die Kaya identity, die auch beim IPCC eine zentrale Rolle spielt, lautet:

    CO2-Emissionen = Kohlenstoff-Intensität der Energie x Energieintensität der Ökonomie x Produktion pro Person x Bevölkerungszahl.”

Betrachten wir den letzten und vorletzten Parameter:

  • In Deutschland ist die Bevölkerungszahl leicht rückläufig. Die Weltbevölkerung wird dagegen vermutlich bis auf 10 Milliarden Menschen wachsen, und damit hoffentlich auch der weltweite Wohlstand. Die Welt wird dafür mehr Energie verbrauchen.
  • Auf Deutschland bezogen ist die Produktion in der obigen Formel das Bruttoinlandsprodukt (BIP). Sie bezeichnet den Gesamtwert aller Güter, die pro Kopf und Jahr in einem Staat erzeugt werden. In Deutschland würde das BIP pro Person nur durch eine Rezession sinken. Das ist sicher keine Maßnahme, die man zur Senkung der CO2-Emissionen empfehlen würde.

Es bleiben mithin nur zwei Parameter, an denen wir für Deutschland sinnvollerweise drehen können und sollten, um CO2-Emissionen zu reduzieren: die Kohlenstoff-Intensität der Energie und die Energieintensität der Ökonomie.

Doch die Senkung der Energieintensität der Ökonomie und die Steigerung der Energieeffizienz haben ihre Grenzen. Vielleicht schaffen wir eines Tages die 2000-Watt-Gesellschaft auch für Länder, die heute viel mehr verbrauchen.

Der heutige Energeiverbrauch pro Kopf  in Deutschland liegt mit etwa 6000 Watt dreimal so hoch. Dieses langfristige Ideal entspräche also einer  Reduktion um 66%.  Es ist ein wichtiger Aspekt, diesen Weg parallel zu gehen.

Kurzfristig trägt jedoch vor allem eine gesenkte Kohlenstoff-Intensität der Energie zum Rückgang der  CO2-Emission bei.

Die Bundesregierung setzt den Hebel aber dort an, wo die Wirkung am geringsten ist: Das “Aktionsprogramm Klimaschutz 2020” setzt vor allem auf mehr Energie-Effizienz, wie es auch in einer Pressemitteilung vom 3. Dezember heißt.

Bei der Kohlenstoff-Intensität hingegen steckt man den Kopf in den Sand. Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel versucht sogar, seinen schwedischen Amtskollegen zu einem Pro-Kohle-Kurs zu bewegen.

Wo diese Politik hinführt, zeigt die Entwicklung des Ausstoßes von Kohlendioxyd in Deutschland:

Das Ziel bezogen auf 1990 ist 40 Prozent. Bis jetzt wurde beim CO2 Ausstoß erreicht:

  • 2000: 14,40% (alle Treibhausgase 16,59%)
  • 2010: 20,44% (alle Treibhausgase 24,12%)
  • 2013: 19,96% (alle Treibhausgase 23,80%)

Seit 2011 steigen die Emissionen sogar.

Und mit Energiesparmaßnahmen bei gleichzeitigem Abschalten von drei weiteren Kernkraftwerken will man in den verbliebenen Jahren bis 2020 eine 40-prozentige Verringerung erreichen? Wie man die Lücke durch drei Kernkraftwerke weniger schießen will, wird im Aktionsprogramm Klimaschutz 2020 gar nicht erst erwähnt.

Das kann man nur als Illusion pur bezeichnen.

Der Ausstieg aus der Kernenergie macht in Deutschland die Beiträge zur Verringerung des Kohlendioxyd-Ausstoßes durch erneuerbare Energien zunichte. Das Plus an Erneuerbaren ist geringer als das Minus aus Kernkraft.

Die Kohlenstoff-Intensität wird durch eine ideologisierte Politik erhöht, nicht verringert. Diese simple und offenkundige Tatsache wird ignoriert.

Der “Erfolg” von “Anti-Atom”-Kampagnen ist mit ein Grund, warum es so viele Kohlekraftwerke gibt. Seit vielen Jahrzehnten wurden an Standorten, an denen Kernkraftwerke verhindert worden sind, Kohlekraftwerke gebaut. Schauen wir nach Österreich:

  • Das Kernkraftwerk Zwentendorf wurde am 5. November 1978 mit einer hauchdünnen Mehrheit per Volksentscheid verhindert. Als Ersatz  nahm man 1987 das Kohlekraftwerk Dürnrohr in Betrieb.
  • Zusammen mit den weiteren geplanten Kernkraftwerken und mit erneuerbaren Energien inklusive Wasserkraft (heute 8,6%) hätte Österreich heute Strom ohne CO2 Ausstoß generieren können. Stattdessen liegt das Land beim Gesamtausstoß des  Treibhausgases nur unwesentlich hinter Deutschland.

Der Vergleich des Anbieters EDF in Großbritannien zeigt: Wind, Wasserkraft sowie Kern- und Solarenergie verursachen die geringsten CO2-Emissionen. Einen ähnlichen Vergleich gibt es vom Konzern Vattenfall:

300px-Greenhouse_emissions_by_electricity_source

Angesichts solcher Zahlen kann man nur von einem Realitätsverlust in der Klimapolitik sprechen, wenn es im Aktionsprogramm Klimaschutz 2020 heißt:

Ein wichtiger Schritt, um diese Klimaschutzziele zu erreichen, ist die mit den Zielsetzungen im Energiekonzept 2010 eingeleitete und 2011 mit dem exakt festgelegten Atomausstieg bekräftigte Energiewende.

Der Umweltjournalist Mark Lynas bemerkte zur deutschen Politik vor wenigen Wochen:

So when climate policy-makers gather in Lima this year, and in Paris next, all eyes will be on the climate laggards who are still addicted to fossil fuels even when the US and China have announced firm plans for serious climate targets. That list of climate laggards will now include Germany.”

Da machen es andere Länder wie in Großbritannien besser.

  • Dort haben sich politische Gruppierungen über alle ideologischen und historischen Gräben hinweg darauf verständigt, sämtliche Optionen zur Vermeidung der schlimmsten globalen Folgen der fossilen Verbrennung zu nutzen.
  • Selbstverständlich setzt man auf erneuerbaren Energien, aber auch auf Kernenergie der neuesten Generationen und sogar auf CO2-Abscheidung und -Speicherung.
  • Man arbeitet zusammen, wie bei der Low Carbon Innovation Co-ordination Group (LCICG).

Heute sind Länder, die neben den erneuerbaren auch auf Kernenergie setzen, beim Klimaschutz vorne, zum Beispiel Frankreich und Großbritannien, wie die aktuelle Rangliste beim Klimaschutz zeigt.

Für solch einen Erfolg müssten in Deutschland erst einmal manche Entscheidungsträger über ihren Schatten springen und ihre maßlos übertriebene und großteils unbegründete Strahlungsangst überwinden. Nur so können wir den realen, wissenschaftlich belegten Gefahren der globalen Erwärmung begegnen.

Setzen wir jedoch nicht auf sämtliche heute verfügbaren kohlearmen Alternativen, werden wir nicht einmal unseren Mittelfeldplatz beim Klimaschutz-Index halten können, sondern bald das Schlusslicht beim Klimaschutz sein.

Zum Weiterlesen:

  • Globale Erwärmung: Leugner sind keine Skeptiker, GWUP-Blog am 12. Dezember 2014
  • Deniers are not Skeptics, CSI am 5. Dezember 2014
  • Beim Klimaschutz bleibt Deutschland Mittelmaß, Spiegel-Online am 8. Dezember 2014
  • Video: Wie funktionieren Klimamodelle? GWUP-Blog am 3. Dezember 2014
  • The Debunking Handbook auf Deutsch: “Widerlegen, aber richtig” als kostenloses PDF, GWUP-Blog am 15. November 2014
  • Bekenntnisse eines ehemaligen Klimawandel-Leugers, GWUP-Blog am 3. November 2014
  • Das Temperatur-Plateau und die Klimaverschwörung, GWUP-Blog am 23. August 2014
  • UNO-Klimatagung: Jetzt wird es teuer, Spiegel-Online am 13. Dezember 2014
  • Ein Grundsatzstreit spaltet den Klimagipfel, Zeit-Online am 13. Dezember 2014
  • Uno-Klimatagung in Lima: Die heimliche Veränderung der Welt, Spiegel-Online am 14. Dezember 2014
  • Klimakonferenz in Lima: Scheitern mit Ansage, Gedankenwerkstatt am 14. Dezember 2014
  • Video: “Der menschengemachte Klimawandel: nur eine Verschwörung?”

69 Kommentare zu “Klima: Realitätsverlust in der deutschen Politik”


  1. 1 Paul Reichert 21. Dezember 2014 um 12:50

    Sorry,

    Realitätsverlust bei deutschen Skeptikern?
    Das liest sich wie eine Lobby Erklärung der deutschen Kernkraft.
    Was nützt uns ein niedrigerer CO_2 Ausstoß, wenn wir weder den Betrieb noch die laufende Entsorgung der Abfälle dieser Energieerzeugungsvariante im Griff haben.

    Das ist der erste Beitrag in diesem Blog, der mich wirklich ärgert. Ich finde es ist skeptikerunwürdig so undifferenziert zu schreiben.

    Ich bin der Meinung man kann nicht über Kernkraft schreiben und so tun als gebe es keine ungelösten Probleme (Entsorgung, Dauer der Lagerung der Abfallprodukte, etc.) und keine Bedenken bezüglich der Sicherheit des Betriebs.

    Es ist letztendlich eine Abwägung. Risiko gegen Risiko. Und es ist meineserachtens nicht so einfach wie es der Autor im Post darstellt.

  2. 2 Walter 21. Dezember 2014 um 14:20

    Ich sehe das wie Paul Reichert. Der Autor macht es sich hier deutlich zu einfach.

    Vor allem Frage ich mich, wie man über Kernkraft fabulieren kann, ohne den Elefant im Raum zu erwähnen: Fukushima. Das ist mir diese Woche schon bei den amerikanischen Skeptikern bitter aufgestoßen.

    Dort hat man sich darauf versteift, eine Kernschmelze sei doch viel weniger tödlich, als man früher gedacht habe. Das stimmt natürlich, aber 150.000 vermutlich auf Dauer Evakuierte und eine unbewohnbare Zone von rund 30 km Radius sind ja nicht nichts.

  3. 3 PeterD 21. Dezember 2014 um 14:36

    @Paul Reichert:

    die in Deutschland völlig irreale Angst vor Atomkraft scheint wohl das Ergebnis jahrzehntelanger Panikmache zu sein, Relikte aus dem kalten Krieg, wo man (womöglich zurecht) annahm, AKWs dienen zur Produktion waffenfähigen Urans.

    Sie schreiben zurecht, dass man Risiken abwägen muss. Vergleicht man die Toten pro erzeugte Energieeinheit (makaber aber aufschlussreich), so schneidet die Kernkraft stets am besten ab, icl. Tschernoby.

    Einen etwas realeren Bezug zur Gefahr vermittelt auch diese Liste der Toten mit Staudämmen/Wasserkraft:
    http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_von_Stauanlagenunf%C3%A4llen

    Die Entsorgung ist technisch gelöst, sie wurde lediglich zu einem politischen Problem gemacht in der Annahme, dadurch die Kosten dermaßen in die Höhe zu treiben, dass man freiwillig verzichtet.

    Wie irreal der Umgang mit dem Thema ist, sieht man auch daran, dass man so oder so ein Endlager braucht – es entstehen ja nicht nur in KKW radioaktive Abfälle, und z.B. der Tatsache, dass hochtoxische Chemieabfälle in riesigen Mengen (bis 200.000 t pro Jahr)endgelagert werden (http://de.wikipedia.org/wiki/Untertagedeponie_Herfa-Neurode),
    die im Gegensatz zu radioaktivem Abfall ihre Gefährlichkeit z.T. auf “ewig” behalten.

    Interessiert exakt niemanden in der Öffentlichkeit.

    Eigentlich ist das Endlagerargument völlig obsolet, denn, wie gesagt, gebraucht wird es so oder so, und lässt man die KKW weiter laufen, entstehen nur vergleichsweise geringe Volumina mehr an Abfall, die sicher kein zweites nötig machen.

    Die Gedanken eines Fachmannes dazu sollte man mal ganz nüchtern zur Kenntnis nehmen:
    http://www.kerngedanken.de/

    Eine sinnvolle Politik würde Kernkraft wenigstens als Übergangslösung mit einbeziehen.

    Sie würde berücksichtigen, dass es inzwischen wesentlich smartere Konzepte für KKW gibt, in denen z.B. der heutige “Abfall” wertvoller Brennstoff ist, oder die passiv sicher sind.

    Eine gute Politik hätte erkannt, dass der CO2 Zertifikathandel und das EEG gegenläufige Konzepte sind, die zusammen genau das Gegenteil bewirken. Man hätte ebenso berücksichtigt, dass die Voreinspeiseregelung der “Erneuerbaren” (In Anführung, Energie ist nicht erneuerbar)zu einer stark schwankenden Auslastung und zu Standbybetrieb von Kohlekraftwerken führt, was die CO2 Bilanz dieser nochmal deutlich verschlechtert etc.

    Aber Politik und Physik haben wohl nur den Anfangs- und Endbuchstaben gemeinsam.

    Unsere gesamte moderne Gesellschaft ist nun mal kohlenstoffbasiert, ob man das gut findet oder nicht.

    Wind und Sonne können aufgrund der nicht vorhandenen Großspeichertechnologie, die auch bisher nicht absehbar ist, nur zu einem kleinen Teil Ersatz bieten, vom Problem der Energiedichte in einem dichtbesiedelten Land mit energieintensiven Industrie, das auch noch Natur- und Umweltschutz unter einen Hut bringen will, noch gar nicht zu sprechen.

  4. 4 WM 21. Dezember 2014 um 16:13

    Ist Kernenergie wirklich so CO2-arm, wenn man Gewinnung, Aufbereitung und Transport berücksichtigt? Es ist nicht klar, ob diese Punkte bei den Zahlen im Link und im Plot berücksichtigt wurden.

    Es wäre auch interessant zu wissen, ob in Zukunft mit höherem Ausstoß zu rechnen ist, zumal der Aufwand bei der Gewinnung sicherlich nicht konstant ist.

  5. 5 Karies 21. Dezember 2014 um 21:04

    @PeterD

    Immer wieder lese ich in letzter Zeit diese lächerlichen Aufrechnungen der Toten pro Energieeinheit, die angeblich für die Kernenergie sprechen.
    Ersteinmal scheint es mir recht seltsam, wie die hohen recht hohe Toten durch Solar- und Windenergie zustande kommen können. Ich nehme einmal an, dass es sich hierbei um bei Bau und Produktion handeln muss. Dann nehme ich aber stark an, dass der Uranabbau auch mit eingerechnet sein müsste – in diesem Fall kann ich mir aber die niedrigen Todeszahlen der Kernenergie nicht wirklich erklären, schließlich wird Uran zu einem nicht geringen Anteil in Ländern gefördert, die in Punkto Arbeitssicherheit in keinem guten Ruf stehen. Eine Uranmine in Niger ist für die Bevölkerung doch sicher ein größeres Risiko als eine Kohlemine.

    Zum anderen ist es ja richtig, dass das Krebsrisiko durch Kohleverbrennung höher ist als durch ein ordentlich betriebenes Kernkraftwerk. Andererseits: Wie will man sich die entfölkerten Gebiete bei Fukushima und Tschernobyl schönreden? Wie viele Tote sind allein durch den wirtschaftlichen Schaden, für welchen in Japan ja kein Konzern aufkommt entstanden und werden noch entstehen?

    Nein, solche Gegenrechnungen sind absoluter Mumpitz.

  6. 6 Augsutiner Hell 21. Dezember 2014 um 21:20

    Fukushima war in erster Linie eine Tsunamikatastrophe. Dass durch die Havarie des wohl suboptimal entworfenen Kernktraftwerks niemand ums Leben kam, wird verschwiegen.

    Im Übrigen: Schuster, bleib bei deinen Leisten. Sprich Esoterik. Sonst werdet ihr selbst esoterisch.

  7. 7 Bernd Harder 21. Dezember 2014 um 21:23

    @Augsutiner Hell:

    Zitat aus dem Beitrag:

    << Ein außergewöhnliches Thema für Skeptiker? Nicht unbedingt. Denn es geht um wissenschaftliche Erkenntnisse und darum, was Entscheider in der Politik daraus machen – womit wir bei ureigenen Themen der GWUP sind. << Die GWUP ist nicht *gegen* Esoterik, sondern *für* Wissenschaft und kritisches Denken. So steht's in der Satzung.

  8. 8 PeterD 22. Dezember 2014 um 01:49

    @Karies:
    <>

    Schön, wenn Du Dir da so sicher bist. Ich muss immer erst Zahlen und Studien mühsam zusammenklauben, um danach ein bisschen, aber nicht ganz sicher zu sein.

    Die Schäden, die verschiedene Arten von Energieerzeugung anrichten, werden nun mal international u.a. in Toten/GWae (Gigawattjahr) als Kennziffer erfasst, wenn Du eine bessere Idee hast?

    Die Zahlen stammen z.B. aus der ENSAD Datenbank
    http://archiv.ethlife.ethz.ch/articles/news/ensad.html#oben
    und hier, leider kostenpflichtig, aber kleines Abstract lesbar:
    http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0301421514002018

    Es geht ja eigentlich weniger um einen Vergleich Wind/Solar vs. Kernkraft, sondern Kohle vs. Kernkraft, aber wenn Du Dich schon fragst, wie das sein kann: Um ein AKW zu ersetzen, braucht es grob als Hausnummer 3000 Windkraftanlagen. Um das Energieäquivalent von einem kg Uran zu bekommen, braucht es ca. 3000 Tonnen Kohle. Dass bei 3000 Anlagen gegen eine und einem kg gegen 3000 t Förderung vergleichsweise sich mehr Unfälle ereignen, dürfte irgendwie offensichtlich sein.

    <>

    Man kann Uran problemlos aus Ländern mit hoher Arbeitssicherheit beziehen. Bei AKW spielen die Brennstoffkosten nicht die dominierende Rolle, man kann locker mehr bezahlen.

    Man könnte aber auch mal kurz bei WP nachschauen:
    http://de.wikipedia.org/wiki/Uran/Tabellen_und_Grafiken
    Nebenbei: die größten bekannten Vorräte befinden sich in Australien. Weiterhin ist dort Uran quasi ein “Abfallprodukt” der Kupferförderung.

    Noch kurz zur Entvölkerung: Tschernobyl ist nicht vergleichbar. Solche graphitmoderierten Reaktoren sind vergleichsweise hochgefährlich und dienten hauptsächlich der Produktion waffenfähigen Materials.

    Fukushima: Ein Großteil des Sperrgebietes wäre bereits wieder bewohnbar. Es will nur keiner hin, weil ein Stigma daran klebt. Was rein physikalisch kein Problem wäre, ist ein großes Psychologisches.

    Auch in Japan geht diese teilweise völlig irrationale Atomangst um. Wobei man es in Japan nach den Atombomben noch irgendwie verstehen kann.

    <>

    Solche Sätze sind leider typisch für die Diskussion bei dem Thema. Uran MUSS gefährlicher sein. Da braucht man gar nicht nachschauen, sowas weiß man einfach. Dabei sind solche Aussagen völlig sinnfrei: Es kommt weniger darauf an, was gefördert, sondern wie gefördert wird.

    Vorsichtshalber möchte ich ausdrücklich sagen, dass ich die Kernkraft sicher nicht als alleine selig machend sehe. Aber ihr nur mit apokalyptischen Bildern zu begegnen, kann es ja auch nicht sein. Es sind eben genau die Überlegungen aus dem Artikel hier: Will man tatsächlich den CO2 Ausstoß verringern, werden AKWs vermutlich die nächsten 20 Jahre die einzig machbare Übergangslösung sein. Wer das bezweifelt, hat einfach noch nie den Rechenstift gezückt.

    Die Sparpotentiale bei elektrischer Energie sind gering, eine Aluhütte braucht nun mal eine definierte Menge an Strom. Wind und PV können nur als Ergänzung dienen, wie der tatsächliche Mix jeweils aussieht, kann man z.B. hier sehen:
    http://www.transparency.eex.com/de/

    Über die Wintermonate kann und muss man mit 3-wöchigen Flauten und fehlender Sonne rechnen – im ganzen Land. Dafür braucht es ein Backup-System. Stromspeicher mit einer derartigen Kapazität gibt es nicht. Die einzigen, vom Wirkungsgrad noch akzeptablen Speicher sind Pumpspeicher.

    Davon bräuchte man ein paar hundert vom Typ Goldisthal (Größter Pumpspeicher Deutschlands). Das ist weder planerisch, ökonomisch und ökologisch auch nur ansatzweise durchsetzbar. Aushilfe von den Nachbarn ist in der Größenordnung auch nicht machbar.

    Konsequenz: Der Ausbau der Erneuerbaren ist bereits in einem Grenzbereich der so nicht weitergehen wird, der Rest (und öfters mal fast alles) muss konventionell erzeugt werden. Mit Kohle z.B., wenn man AKWs weg haben will.

    Leider ist das Thema sehr komplex. Kann auch nix dafür. Eine schöne Zukunft mit völlig gefahrloser und schadstoffreier Energieversorgung ist wirklich ein schönes Ziel.

    Leider helfen aber Parolen wie “man muss nur wollen ..” etc. nicht weiter, denn es gelten da nun mal nicht menschliche Gesetze, die sagen, Du darfst nicht, sondern Naturgesetze, die sagen, du kannst nicht.

  9. 9 bernd 22. Dezember 2014 um 07:56

    Ich wusste noch gar nicht das es nach Staudammunfaellen unbewohnbare Gebiete gibt.

    Atommuell mit Chemiemuell aufzurechnen ist auch mal was (der darf ja auch …)

    Aber okay, ich lese beizeiten die Links durch. Bisher klingt es sehr nach Elfenbeinturmargumentation

  10. 10 Beobachter 22. Dezember 2014 um 08:00

    @ Bernd Harder und
    @ all:

    Meine persönliche Meinung:

    Wenn man FÜR Wissenschaft und kritisches Denken ist, muss man folgerichtig auch GEGEN Esoterik sein (und zwar aktiv).

    Besonders dann, wenn selbst Universitäten (als “akademischer Hort von Forschung und Lehre”) zunehmend von Esoterikern, Pseudo- und Para-“Wissenschaftlern” unterwandert werden.

    An Universitäten werden die Entscheidungsträger von morgen herangezogen und “ausgebildet”!

    Und wenn Esoterik und Co. “in der Mitte unserer Gesellschaft angekommen” sind und sich zu einer immer mehr als salonfähig akzeptierten Parallel-“Wissenschaft” (vermeintlich!; im Sinne von Bereich/Branche) entwickeln – obwohl sie jeder wissenschaftlichen Grundlage entbehren.

    Was Entscheidungsträger in Wirtschaft und Politik aus wissenschaftlichen Erkenntnissen machen, ist m. E. das größte und widersprüchlichste Problem überhaupt.

    Denn es ist ALLES (an wissenschaftlicher Erkenntnis) missbrauchbar – je nach Interessenlage der jeweils Mächtigen und Herrschenden.
    Die Nutzung der Kernenergie ist dafür ein gutes Beispiel.

    Man kann m. E. nicht für die wirtschaftliche Nutzung der Kernenergie sein, solange das Problem der Endlagerung nicht gelöst ist.

    Und solange es immer wieder zu schweren Reaktorunfällen kommt – mit furchtbaren Folgen für die Bevölkerung, Umwelt, Natur; für Jahrzehnte und vermutlich noch länger, was bisher noch gar nicht absehbar ist.

    Geradezu zynisch und menschenverachtend finde ich es, wenn sich hier Kommentatoren und offensichtliche Kernkraft-Befürworter auf die ach so geringe Anzahl der “Sofort-Toten” herausreden.

    Und es wird die militärische Nutzung der Kernergie bzw. das Vorhandensein von Atombomben/Nuklearwaffen ignoriert – auch ein Produkt der Kernforschung.

    Deren Einsatz (Hiroshima, Nagasaki) hat stattgefunden – in unvorstellbarem Ausmaß und mit Folgen an Schädigungen bis heute andauernd.

  11. 11 omnibus56 22. Dezember 2014 um 10:52

    In dem Artikel wie auch in einigen Kommentaren werden IMO ökologische, ökonomische und politische Probleme gründlich durchmischt.

    Statt die drei Aspekte für die unterschiedlichen Energieerzeugungsformen gegeneinander abzuwägen, werden notfalls völlig abseitig liegende Fakten (die genannten Punkte sind nicht falsch, sondern IMO nur fehl am Platze) wie die Entsorgungspraxis von Chemieabfällen ins Feld geführt.

    Man könnte trefflich darüber streiten, ob z. B. diese Entsorgungspraxis auch zwangsläufig notwendig oder sinnvoll ist (und wenn ja, aus welchem der drei Aspekte).

    Es könnte durchaus sein, dass sowohl die Entsorgungspraxis bei Chemieabfällen als auch die der Nuklearabfälle nicht sinnvoll ist.

    Welchen Wert hat dann noch der Mengenvergleich?

    Zur CO2-Bilanz der Energieerzeugungsformen bin ich skeptisch, ob tatsächlich alle Fakten berücksichtigt sind.

    Von der Planung über den Bau, Produktion der Baumaterialien (z. B. Zementherstellung), Betriebsmittel (z. B. aber nicht nur Beschaffung und Transport des Brennstoffs), Betrieb an sich (z. B. Personal bzgl. Verkehrsaufkommen und hier wieder eingesetzte Verkehrsmittel) bis zu ggf. notwendiger Endlagerung der Abfälle und Betrieb der Endlagerung sowie Rückbau sind die einzelnen Faktoren (ich wette, ich habe irgendwas vergessen, wenn nicht sogar mehreres) sehr fein verästelt.

    Auch kleine Effekte, die man vernachlässigt, können bei langer Laufzeit durchaus nennenswerte Beiträge liefern, die man für eine gründliche Analyse nicht hätte vernachlässigen dürfen. Ich kenne keine einzige CO2-Studie zu irgendeiner Energieerzeugungsform (auch nicht der EE, nicht nur der Kernenergie), die ich für hinreichend gründlich hielte.

    Ich bin durchaus gegen eine Verteufelung der Kernenergie, aber das besonders dort gerne genommene “Saubere Energie”-Argument erinnert mich doch stark an die Argumentation, Elektrofahrzeuge seien per se abgasfrei und damit umweltfreundlich…

  12. 12 Hanno 22. Dezember 2014 um 12:40

    Der Artikel hat leider einige inhaltliche Fehler, Ungenauigkeiten oder zumindest grob missverständliche Darstellungen. Nur um mal ein paar Fakten klarzustellen:

    “Das Plus an Erneuerbaren ist geringer als das Minus aus Kernkraft”

    Das ist zwar eine gern wiederholte populistische Behauptung, aber inzwischen haben die Erneuerbaren die abgeschalteten AKWs kompensiert.

    Zwischen 2010 (vor Fukushima) und 2013 (jüngste Zahlen) hält sich die Abnahme von AKWs und die Zunahme von Erneuerbaren ziemlich die Wage (ca. 42 TWh).

    2014 werden die Erneuerbaren mehr Strom erzeugen als die abgeschalteten AKWs. Die Zunahme der CO2-Emissionen im Stromsektor liegt in erster Linie an einer Verlagerung von Gas zu Kohle und an mehr Exporten und hat komplexe Gründe.

    Es wäre sehr wünschenswert mehr gegen die Kohleverstromung zu tun. Das geht trotz Atomausstieg. Aber leider gibt es dafür gerade keine politischen Mehrheiten.

    “Zusammen mit den weiteren geplanten Kernkraftwerken und mit erneuerbaren Energien inklusive Wasserkraft (heute 8,6%) hätte Österreich heute Strom ohne CO2 Ausstoß generieren können”

    Das ist völliger Unsinn. Es gibt mit heutiger Technologie überhaupt keine Möglichkeit Strom völlig ohne CO2-Ausstoß zu erzeugen.

    Zu UK: “Selbstverständlich setzt man auf erneuerbaren Energien”

    Nur in sehr geringem Umfang. Europaweit ist UK nahezu Schlusslicht was Erneuerbare angeht. Es gibt dort massive Widerstände insbesondere gegen Windkraft (dabei ist übrigens auch viel Pseudowissenschaft im Spiel).

    “Heute sind Länder, die neben den erneuerbaren auch auf Kernenergie setzen, beim Klimaschutz vorne, zum Beispiel Frankreich und Großbritannien, wie die aktuelle Rangliste beim Klimaschutz zeigt.”

    In der verlinkten Rangliste ist Dänemark ganz oben, dahinter Schweden.

    Also ein Land das sich schon lange gegen Atomkraft ausgesprochen hat und eines das den Atomausstieg eingeleitet hat.

  13. 13 diabetiker 22. Dezember 2014 um 19:18

    solange der wind weht haben die windmühlen einige kraftwerke kompensiert dabei ist es völlig egal welche, und einige müssen abgeschaltet werden da niemand den strom verwerten kann, —
    so morgen wehts nicht — welche kraftwerke können dann kompensiert werden ? “keine” und deshalb können konventionelle kraftwerke eben nicht kompensiert werden.
    zt werden/müssen die dinger auch auf unsere kosten abgeschaltet werden.
    genauso ist es wenn ich nachts strom brauche mit der photovoltaik,
    oder bei schlechtem wetter.
    das ist spielzeug für grüne spinner, die haben von “stromversorgung”
    und das “rund um die uhr” absolut keine ahnung.
    hoffentlich hat deren arbeitgeber verständnis -konnte gestern nicht kommen mein wagen wurde wegen des schlechtenwetters nicht geladen.-

  14. 14 Linus314 22. Dezember 2014 um 22:52

    Hier sind ja jetzt einige kontroverse Standpunkte geäußert worden. Ich selbst – Laie auf dem Gebiet -, weiß jetzt ehrlich gesagt gar nicht mehr, was los ist bzw. wo die goldene Mitte liegt.

    Kann da noch mal eine Zusammenfassung gemacht werden, die möglichst breite Anerkennung / gutes Fundament findet und wenig Diskussionspotential bietet?

  15. 15 PeterD 23. Dezember 2014 um 11:23

    @Linus314:
    Das ist eigentlich ganz einfach und wie im Eingangsartikel beschrieben:

    Will man den CO2 Ausstoß reduzieren, muss man den Verbrauch kohlenstoffbasierter Energieträger reduzieren. Durch Minderung des Bruttosozialproduktes will das eigentlich keiner, also muss das anders geschehen.

    Die ursprüngliche Idee war, dass dies durch sogenannte erneuerbare Energien geschehen soll. Ganz offensichtlich funktioniert das aber nicht, der CO2 Ausstoß wächst quasi parallel zum Zuwachs der Erneuerbaren.

    Die gibt sogar Rainer Graichen zu, ein führender Kopf in Sachen Energiewende:
    http://www.zeit.de/2014/50/schmutziger-irrtum-energiewende-klimawandel

    Die Gründe dafür sind vielfältig, liegen aber in erster Linie in der physikalischen Natur eines Stromnetzes: Man kann Strom nicht in Säcke abfüllen und bei Bedarf vorholen, er muss dann erzeugt werden, wenn er gebraucht wird.

    Es fehlen großtechnische Speichermöglichkeiten, die ökonomisch und ökologisch realisierbar sind.

    Kernkraftwerke wären ein Teil der Lösung, um von der Kohle weg zu kommen. Aber das Wort Kernkraft in Deutschland auch nur zu erwähnen gleicht dem “Jehova” in “Das Leben des Brian”. Es herrscht diesbezüglich eine völlige Hysterie, wie man auch an einigen Kommentaren hier sieht. Die Diskussion wird nicht nüchtern mit Fakten geführt, sondern mit den immer zwei uralten “Argumenten” der Endlagerung und was im Falle eines SuperGaus passieren würde.

    Kernkraft sei nicht beherrschbar, ist das Credo. Nach allen wissenschaftlichen Daten, die wir so haben, stimmt das aber so nicht. Leider werden diese so gut wie nie zur Kenntnis genommen und wenn, dann kommen Sätze wie “Kann ich mir nicht vorstellen …” Glaube ich nicht …”.

    Auf diesem Niveau ist eine Diskussion unmöglich, das ist, wie mit Homöopathen über Chemie zu diskutieren.

    Will man es wirklich genauer wissen, muss man den steinigen Weg gehen, sich einlesen in diverse Gebiete wie Reaktortechnik und – typen, Endlagerungs- und Aufarbeitungsmethoden, wie ein Stromnetz funktioniert, Zerfallsreihen, Strahlenmedizin, Epidemiologie, Ökonomie.

    Man kann nicht überall zum Fachmann werden, klar, aber soviel wissen sollte sein, dass man seriöse Quellen von unseriösen einigermaßen unterscheiden kann.

    Hilfreich dabei ist, über die deutsche Grenzen hinweg zu schauen, wo man in der Lage ist, die Sache etwas nüchterner und rationaler zu betrachten. Der (eher grüne) Umweltaktivist George Montibot etwa hat Fukushima als Bestätigung gesehen, dass Kernkraft beherrschbar ist.

    http://de.wikipedia.org/wiki/George_Monbiot

    Eine in Deutschland geradezu lästerliche Aussage, die zu riesigen Empörungswogen führen würde, denn: Kernkraft ist böse und unbeherrschbar. Wer was anderes behauptet ist entweder gekauft oder dumm. Aus.

    Es ist die gleiche Irrationalität wie bei Gentechnik. In D. wird Technik zunehmend nur noch als Risiko und nicht mehr als Chance gesehen, das ist bedenklich.

    Eine einigermaßen gute Anlaufstelle ist z.B. diese Seite hier:
    http://www.energie-fakten.de/

    Auch erhellend eine Diskussion kurz nach Fukushima von größtenteils Fachleuten bei den Scilogs:
    http://www.scilogs.de/formbar/fukushima-i-eine-kurze-bersicht/

    Ich betone nochmal: Jede Technologie hat ihre Risiken. Diese muss man abwägen, und letztlich ist es eine gesellschaftliche Entscheidung, welchen Preis wir zu zahlen bereit sind.

    Faktenbasiert kann man sagen, dass da Kernkraft recht gut abschneidet. Die Gegner behaupten das Gegenteil. Ich habe allerdings noch selten ein Argument gehört, dass sich bei näherer Betrachtung als haltbar erwies.

  16. 16 Peter 23. Dezember 2014 um 11:49

    Ich halte das Thema viel zu komplex, um es in einem einzigen Blog mit sämtlichen “wenn” und “aber” ausdiskutieren zu können. Meine Meinung jedoch:

    Es geht grundsätzlich um zwei Dinge: KKW-Ausstieg und Reduktion der CO2-Emissionen.

    Beides muss man aus verschiedenen Sichtweisen betrachten. Es gibt politische und realpolitische Aspekte zu berücksichtigen.
    So ist es beispielsweise mathematisch möglich, sämtlichen elektrischen Strom nur noch aus den sog. “neuen Erneuerbaren” zu beziehen (wie es das Schweizer Parlament leider kürzlich beschlossen hat).

    Nur ist es ökonomischer Blödsinn (nicht zu bezahlen). Und scheitert an der Realpolitik (man kriegt unmöglich alle Bewilligungen für Windräder, Photovoltaikanlagen und Stromleitungen, die man bräuchte).

    Zu den CO2-Emissionen der verschiedenen Stromerzeuger muss ich sagen, dass ich langsam aber sicher überhaupt nichts mehr glaube, was ich zu diesem Thema lese, es gibt so unfassbar viele gegenteilige Aussagen.

    Man kann argumentieren, dass die Sache mit der Entsorgung von Brennstoff-Abfällen in KKW noch gar nicht gelöst ist, somit ist es unmöglich, den CO2-Ausstoss desselben zu ermitteln.

    Oder dass man für jede Wh Photovoltaik-Strom zusätzlich eine Wattstunde Bandenergie benötigt, und man deshalb die CO2-Emissionen für Photovoltaik/Geothermie/Winkraft massiv zu tief geschätzt würden.

    Und zuletzt vergessen wir nicht: Die Halbwertszeit von Radioaktiven Abfällen lässt sich auf ein paar Jahre verkürzen, indem man Neutronen rausschiesst (fragt mich nicht, wie das genau geht, eine experimentelle Anlage befindet sich irgendwo im Norden im Bau).

    Den sog. “Atomausstieg” halte ich persönlich für unfassbar bedenklich und effekthascherisch.

  17. 17 PeterD 23. Dezember 2014 um 12:59

    @Peter:
    Selbst mathematisch ist 100% ohne Speicher so gut wie unmöglich.

    Selbst wenn ganz D. von vorne bis hinten, oben und unten mit Windkraft und PV zugepflastert wäre, gibt es gerade im Winter stabile Wetterlagen, in denen so gut wie nichts produziert wird.

    Es lässt sich übrigens statistisch nachweisen, dass z.B. ein weiterer Zubau an Windkraft nicht zu einer Stabilisierung führt (So wird oft argumentiert: Gleicht sich ab einer bestimmten Menge alles aus), sondern im Gegenteil zu nur verschärfteren Lastspitzen, die Varianz steigt. Zudem das Problem, dass die Energieerzeugung mit Zunahme der Windgeschwindigkeit in der 3. Potenz steigt.

    Doppelte Windgeschwindigkeit = 8-fache Energieerzeugung.

    Ab einem gewissen Anteil solcher Stromeinspeisung hält das kein Stromnetz mehr aus. Ab wann das genau der Fall sein wird, versucht man in D. gerade per praktischem Experiment zu ermitteln.

    Damit landet man wieder bei einem schönen Teil konventioneller Kraftwerke, auf die mittelfristig nicht verzichtet werden kann. Und dann kann man sich fragen: Was ist besser, Kohle oder Kernkraft?

    Und noch zur Panikabschaltung nach Fukushima: Da ist ein Wunder geschehen. Durch ein Erdbeben in Japan wurden deutsche KKWs von einem Tag auf den anderen unsicher.

    Den einzig realen Grund, den man dafür findet, ist die Machtpolitik der Kanzlerin, sie wollte wohl den Grünen schon im Vorfeld damit das Wasser abgraben.

  18. 18 Werner 23. Dezember 2014 um 17:36

    @PeterD
    mit Deinen hervorragenden Ausführungen bin ich voll einverstanden.
    Eine wissenschaftliche Studie von Professoren der TUs Dresden und Clausthal hat mal zusammengefasst, welche Begleitmaßnahmen notwendig wären, um die Energiewende erfolgreich werden zu lassen.
    Erschreckend wenig davon wurde in der Fukushima-Hysterie in die Wege geleitet. Als einzigen Mangel der Studie sehe ich, dass die erforderlichen Maßnahmen nicht kostenmäßig beziffert wurden, vermutlich müsste man dann sehr tief schlucken.

    http://www.eike-klima-energie.eu/uploads/media/VWS-2012-14_Beckmann.pdf

    Vor allem wird klar, dass jeder weitere Zubau von Windkraftwerken ohne hochtechnisierte Begleitmaßnahmen eine Verschlimmerung der Lage bedeuten würde.

  19. 19 Beobachter 24. Dezember 2014 um 09:00

    besonders @ PeterD:

    Ich bin entsetzt über die Technik- und “Fortschritts”-Gläubigkeit mancher Kommentatoren hier – und über deren kritiklose Akzeptanz von “realpolitischen Anforderungen” als sozusagen unabänderliche Naturgewalt.

    Wer bestimmt denn die “Realpolitik”?

    Unsere politischen Entscheidungsträger.

    Sind diese überhaupt ausreichend kompetent, auf dem neuesten wissenschaftlichen Kenntnis-/Sachstand, unabhängig?
    Wer/was beeinflußt deren Entscheidungen?

    Schönes, kleines Beispiel:

    Wenn eine deutsche Bundeslandwirtschaftsministerin (Aigner) in einer TV-Talkrunde ernsthaft behauptet (und dafür wirbt), es gäbe laktosefreie Heumilch frisch von der Kuh, kann man sich vorstellen, wie es bei “politischen Entscheidungsträgern” allgemein damit bestellt ist.

    Bemerkenswert ist auch die Tatsache, dass diese “Entscheider” völlig naht- und problemlos von der Politik in die Wirtschaft/Industrie wechseln (Schröder, Fischer, Koch, Beck etc.) – und das bestimmt nicht wegen ihrer fachlichen Kompetenz, sondern wegen ihrer weiterbestehenden Verbindungen zur Politik (man saß ja schon immer in diversen Aufsichtsräten, Vorständen, Beratergremien).

    Nicht die Kernenergie an sich ist “böse, zu verteufeln”, sondern es ist bedenklich und gefährlich, wie sie genutzt wird.
    Hat man den GAU Tschernobyl 1986 schon vergessen? Daran war kein/nicht “nur” ein Erdbeben wie in Fukushima schuld.
    Außerdem:

    http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_von_Unf%C3%A4llen_in_kerntechnischen_Anlagen

    Wirtschaft/Industrie/Politik haben viel zu lange nur auf Kohle/Öl/Kernenergie gesetzt, deren Nutzung ausgebaut und sich kurzsichtig damit dumm und dämlich verdient – und wer bezahlt jetzt das “Recycling” der abgeschalteten KKW bei ungeklärter Endlagerung?
    Große Energieunternehmen verhindern bis heute eine dezentrale, lokale Energieversorgung mit eneuerbaren Energien (wo es möglich ist) und bestehen auf ihrer Monopolstellung.

    Und natürlich “verschwendet” man keine Forschungsgelder für die Entwicklung auch großtechnisch einsetzbarer Speichermöglichkeiten bei erneuerbaren Energien.

    “Es ist die gleiche Irrationalität wie bei Gentechnik. In D. wird Technik zunehmend nur noch als Risiko und nicht mehr als Chance gesehen, das ist bedenklich.” (Zitat PeterD, oben)

    Auch die Gentechnik ist per se nicht “böse”.

    Aber es ist nicht “irrational”, es für bedenklich zu halten, was größtenteils daraus gemacht wird.
    Stichwort “Monsanto und Co.” – man komme mir nicht damit, das sei wieder mal DAS “Totschlagargument”.
    http://de.wikipedia.org/wiki/Monsanto

    Und wollen wir “Designer-Babys” möglichst männlichen Geschlechts, mit blauen Augen und sonstigen optimalen Genen, die aus eingefrorenen Eizellen entstehen, von ausgewählten Samen künstlich befruchtet werden, von ausgewählten, bezahlten Leihmüttern ausgetragen werden – zu einem ausgewählten späten Zeitpunkt, wenn es Arbeitgeber und Arbeitnehmer zeitlich passt?!

    Bsp.: “Social freezing”:
    http://de.wikipedia.org/wiki/Social_Freezing

    Auch die Drohnen-/Roboter-Technik an sich ist nicht “böse” und ließe sich hervorragend für zivile Zwecke nutzen – usw. etc.

    Das alles sind weder “Totschlagargumente” noch “Irrationalitäten”, sondern Realitäten.

    Ich wünsche allen eine schöne Weihnachtszeit und ein gutes neues Jahr.

  20. 20 Bodo Urbat 25. Dezember 2014 um 16:35

    Ich hatte in den letzten Jahren mit Sympathie beobachtet, wie sich die GWUP aus einem gewissen Nischendasein herausgearbeitet hat. Sollte das, was Amardeo Sarma hier von sich gibt in der GWUP mehrheitsfähig sein, dürfte das der Anfang vom Ende der GWUP sein. Der Versuch, in der Frage der existenziellen Gefährdung der Menschheit durch eine drohende Klimakatastrophe die “Teufel-gegen-Beelzebub”-Karte zu ziehen und die weitere Nutzung der Kernenergie als “alternativlos” darzustellen, ist ganz offensichtlich politisch und ideologisch interessengeleitet, wie man unschwer an der herablassenden Äußerung von der “ideologisierten grünen Bewegung” erkennen kann. Dass es hier nur darum geht, eine vorgefasste Meinung (die erstaunliche Übereinstimmung mit den großen Energiekomnzernen aufweist) als alternativlos darzustellen, zeigt die Reduzierung auf gerade mal zwei Parameter, von denen gerade mal einer übrig bleibt. Die möglichst schnelle Umstellung auf erneuerbare Energien als eine wesentliche Stellschraube zieht Sarma gar nicht erst in Betracht. Allein die Aussage über die angeblich “maßlos übertriebene und großteils unbegründete Strahlungsangst” ist eines kritisch denkenden Skeptikers unwürdig. Wenn Sarma hier den Vahrenholt der GWUP machen will, wird das der GWUP und ihrem Ansehen nicht gut tun.

  21. 21 Pierre Castell 26. Dezember 2014 um 15:48

    @ Bodo Urbat
    Habe Ihren Kommentar nun dreimal hintereinander gelesen.
    Was wollen Sie uns konkret mit Ihren Zeilen sagen?

    Gehen Sie bitte mehr ins Detail…

  22. 22 Amardeo Sarma 27. Dezember 2014 um 11:39

    In dieser Diskussion freut mich der im Vergleich zu meinen Erwartungen insgesamt recht zivile Ton, gerade weil Atomkraft auch betroffen ist.

    Um es zusammen zu fassen: In der Einschätzung zum Thema Klima und globale Erwärmung stimme ich der Bundesregierung und den meisten grünen Verbänden zu. Das tue ich deswegen, weil diese in diesem Punkt mit dem Stand der Wissenschaft, sowie dem Konsens unter den Wissenschaftlern aus dem Fachgebiet und allen relevanten wissenschaftlichen Institutionen übereinstimmen. Es ist auch erfreulich, dass diejenigen hier wenig Zuspruch finden, die eine Erwärmung der Erde aufgrund der fossilen Verbrennung und die Konsequenzen daraus leugnen.

    Die Frage, die ich hier aber stelle ist, ob Bundesregierung und grüne Verbände den Ernst der Lage wirklich erkannt haben und auch unpopuläre Konsequenzen daraus zu ziehen bereit sind. Gegenüber der fossilen Verbrennung hat keine andere (friedliche) anthropogene Ursache das Potential, die Erde insgesamt so aus dem Gleichgewicht zu bringen. Eine gute Übersicht darüber, was uns möglicherweite erwartet zeigt das Buch “Six Degrees” von Mark Lynas, wovon es hier eine Zusammenfassung gibt. Er zeigt auf, was jeweils 1, 2, 3, 4, 5 oder 6 Grad mehr bedeutet.

    Dabei sind +2 Grad Celsius schon jetzt so gut wie sicher und der IPCC zeigt inzwischen nicht nur Anpassungsszenarieren auf, sondern behandelt auch “Geoengineering” für den Notfall, um die Erde wieder abzukühlen. Ein Beispiel davon ist, Aerosole in der oberen Atmosphäre (Stratosphäre) zum Beispiel über schwefelhaltige Gase wie Schwefeldioxid (SO2) zu erzeugen, um Wolken reflektierender zu machen, damit mehr Sonnenlicht reflektiert wird. Vor solchen Maßnahmen graut mir wegen der vielen möglichen “Nebenwirkungen”.

    Wenn wir uns auf halbwegs beherrschbare Folgen beschränken wollen, müssen wir alle heute verfügbaren Optionen nutzen, um den Temperaturanstieg zu beschränken. Pacala und Socolow sprechen in ihrem Science-Artikel (Science 13 August 2004: Vol. 305 no. 5686 pp. 968-972) von “Stabilization Wedges” bzw. Stabilisierungs-Keile, die eingesetzt werden müssen. Dazu gehören Energie-Effizienz, CO2-Abscheidung und Speicherung, Wiederaufforstung, sowie der Ersatz von Kohle durch Erneuerbare Energien und Kernkraft, wobei hier wohlgemerkt neue Kernkraftwerke gemeint sind.

    Nun haben deutsche Bundesregierungen vernünftigerweise einige dieser Optionen genutzt. Sie konterkarieren diese aber großteils durch den Ausstieg aus der Kernenergie. Es wird hier also ein ziemlich großer negativer Keil eingesetzt.

    Man kann es drehen und wenden wie man will: So erreicht man Klimaziele nicht.

  23. 23 Beobachter 28. Dezember 2014 um 07:04

    Auch wenn ich mich in sämtliche Nesseln setze, selbst und gerade auch nach einem Kommentar/einer Stellungnahme des Vorsitzenden der GWUP:
    Sind die deutschen Skeptiker tatsächlich für den Ausbau der Nutzung der Kernenergie, für den Neubau von KKWs, gegen den Ausstieg aus der Kernenergie – um den Temperaturanstieg, den Klimawandel und dessen Folgen aufzuhalten bzw. zu begrenzen ?!

    Will man tatsächlich “den Teufel” (existentielle Bedrohung der Menschheit durch den Klimawandel/Temperaturanstieg) “mit dem Beelzebub” (Befürwortung/Ausbau der Kernenergie/KKWs) “austreiben” ?!

    Und wer für den Ausstieg aus der Kernenergie ist, “setzt einen großen negativen Keil ein” und leistet dem Temperaturanstieg und in der Folge als Anpassungs-/Notfallmaßnahme bedrohlichem “Geoengineering” Vorschub ?!

    Ich bin entsetzt darüber, wie unkritisch “Skeptiker”, auch von “offizieller Seite”, der Nutzung der Kernenergie gegenüberstehen.
    Trotz aller ungelösten Probleme damit und nach allem, was schon passiert ist.
    Erreicht man Klimaziele dadurch, dass man unseren Planeten mit KKWs pflastert ?!

  24. 24 Beobachter 28. Dezember 2014 um 13:27

    Nachtrag:

    Ich habe erst jetzt und somit nachträglich bemerkt, dass Amardeo Sarma auch der Autor des Ausgangsbeitrages ist.
    Das steigert mein Entsetzen in der Sache.

    Tut mit Leid, das sagen zu müssen.
    Denn:
    Wenn man für sich in Anspruch nimmt, kritisch zu denken bzw. es zu versuchen/zu wollen, muss man das in allen Bereichen tun und nicht nur in ausgewählten.
    Als vernünftiger Mensch kann man nicht für Kernenergie sein.
    Man kann auch den Missbrauch der Gentechnik nicht ausklammern; überhaupt alle schwerwiegenden “Schattenseiten” des “technischen/wissenschaftlichen Fortschritts”.
    Wenn man sich darauf beschränkt, was man Gutes zum Wohle der Menschheit damit tun könnte, aber ignoriert, was in der Realität größtenteils damit gemacht wird – lebt man in einem Elfenbeinturm und verschließt vor allen bestimmenden gesellschaftspolitischen, wirtschaftlichen Faktoren die Augen.

  25. 25 PeterD 29. Dezember 2014 um 15:25

    @Beobachter:

    “”Als vernünftiger Mensch kann man nicht für Kernenergie sein.”

    Sie haben eine seltsame Vorstellung von Vernunft.

    Zustimmung zur Nutzung (wenigstens als Übergangstechnologie) findet man auch in weiten Kreisen von Grünen und Linken, sofern sie nicht gerade aus dem deutschsprachigen Raum, hier speziell Deutschland stammen.

    Zustimmung findet man mehr, je höher die fachliche Bildung in Physik ist.

    Sie drücken durch ihren Satz eine starre dogmatische Haltung aus, sprechen allen, die das anders sehen jegliche Vernunft ab und verweigern sich einer Diskussion. Ganz ehrlich, “Vernunft” und rationales Denken geht anders.

    Das beginnt z.B. damit zur Kenntnis zu nehmen, dass sich Naturgesetze nicht um die persönliche Befindlichkeit kümmern und jede Technologie Risiken birgt.

    Ich erspare mir ein erneutes Aufzählen von Fakten und Hinweisen, Sie bevorzugen es ja, statt einer nüchternen Analyse lieber “entsetzt” zu sein.

    An Tagen wie diesen
    http://www.transparency.eex.com/de/
    kann man dann, wenn im Süden die AKWs ganz weg sind, noch mehr als jetzt in den Genuss österreichischen Stroms aus alten Reserve-Ölkraftwerken gelangen, aber solange auf der Stromrechnung “Öko” drauf steht, wird das sicher nicht weiter stören.

  26. 26 Beobachter 29. Dezember 2014 um 17:54

    @ PeterD:

    Vernunft/Kritikfähigkeit ist keine Frage des Parteibuchs, der fachlichen Bildung, der Zugehörigkeit zu best. Sprachräumen und/oder Nationen.

    Es gibt eine Menge Mediziner, Zahnmediziner, Biologen, die trotz “hoher fachlicher Bildung” dick im lukrativen Esoterik-/Pseudo-/Paramedizin-Geschäft unterwegs sind.
    Physiker waren verantwortlich für die Entwicklung, den Bau von Atombomben – die dann auch zum Einsatz kamen!

    Und es ist bekannt, dass nicht immer “Öko” drinsteckt, wo “Öko” draufsteht – das ist beim Strom bzw. der Stromrechnung nicht anders als z. B. bei Eiern, und es ist kein energiespezifisches Problem, sondern schlicht Beschiss in allen “Öko”-Bereichen.

    Mir (und vielen anderen) ist das Risiko der Kernenergie-Technologie zu hoch – jetzt und für nachfolgende Generationen:
    Nochmal:
    http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_von_Unf%C3%A4llen_in_kerntechnischen_Anlagen
    Besonders auch deshalb, weil wie gesagt das Problem der Endlagerung nicht gelöst ist.

    Und kommen Sie mal der Bevölkerung weiträumig rund um Tschernobyl und Fukushima mit “Technologie-Risikoabwägung” – tja, ist halt nur dumm gelaufen, kann vorkommen, Pech gehabt?!
    Fragen Sie nach deren “persönlichen Befindlichkeiten”!
    Fragen Sie die Überlebenden/Geschädigten von Hiroshima/Nagasaki und deren Nachkommen!
    Aber wir hier sind ja (bisher!) weit weg von diesen Katastrophengebieten …
    Sie sitzen vielleicht gemütlich irgendwo im Schwarzwald, an der Mosel, in Berlin oder auf Sylt bei einem Glas Wein und ergehen sich in theoretischen Überlegungen.
    Sorry, aber ich verstehe einfach nicht, wie man nur bis zum eigenen Tellerrand schauen kann/will …

  27. 27 Amardeo Sarma 29. Dezember 2014 um 20:29

    Schauen wir mal über unseren Tellerrand nach Tasmanien, Australien.

    Dort haben vor etwa zwei Wochen Wissenschaftler, unter ihnen viele Professoren aus den relevanten Gebieten, Nachhaltigkeit und Klimawandel einen offenen Brief an Umweltschützer gerichtet:

    Neben andere Aussagen:

    .. much as leading climate scientists have recently advocated the development of safe, next-generation nuclear energy systems to combat global climate change (Caldeira et al. 2013), we entreat the conservation and environmental community to weigh up the pros and cons of different energy sources using objective evidence and pragmatic trade-offs, rather than simply relying on idealistic perceptions of what is ‘green’.

    Übersetzt:

    .. so wie führende Klima-Wissenschaftler kürzlich die Entwicklung von sicheren Kernenergie-Systemen der nächsten Generation zur Bekämpfung des globalen Klimawandels befürwortet haben (Caldeira et al. 2013) bitten wir die Gemeinschaft der Umweltschützer, das Für und Wider verschiedener Energiequellen abzuwägen und dabei auf objektive Belege und pragmatische Güterabwägungen zu setzen statt sich einfach nur auf idealistische “grüne” Vorstellungen zu verlassen.

  28. 28 Pierre Castell 29. Dezember 2014 um 21:12

    @ Beobachter
    “Sie sitzen vielleicht gemütlich irgendwo im Schwarzwald, an der Mosel, in Berlin oder auf Sylt bei einem Glas Wein und ergehen sich in theoretischen Überlegungen.”

    Beobachter/Peter:
    Ein ganz schwieriges ernstes Thema.

    Polemik ist da fehl am Platz.

  29. 29 Ralf 29. Dezember 2014 um 21:13

    Das Problem eines Endlagers, sollte kein Hindernisgrund sein, da wir immer auf “Kosten” unserer Nachfahren leben – so oder so…
    Ich finde auch, daß die (unvorhersehbaren) Folgen einer “unkontrollierten” Klimaerwärmung, stärker zu bewerten sind, als die Gefahren der Kernkraft. Natürlich sind die Folgen eines Supergaus verehrend, aber die Wahrscheinlichkeit ist relativ gering. Natürlich gibt es Störfälle in Kernkraftwerken, aber diese werden durch technische oder humane Ressourcen aufgefangen.
    Ich verwende gerne den Vergleich mit einem Flugzeug – das Fliegen ist relativ sicher, aber wenn etwas passiert, dann ist es eine Katastrophe…

  30. 30 hans 29. Dezember 2014 um 23:34

    @Beobachter:

    Strom kommt nun mal nicht einfach so aus derSteckdose.

    ““Sie sitzen vielleicht gemütlich irgendwo im Schwarzwald, an der Mosel, in Berlin oder auf Sylt bei einem Glas Wein und ergehen sich in theoretischen Überlegungen.”

    Was soll das bitte?

    Ich sitze in Bayern, wo die Atomkraftwerke abgeschaltet sind, eine dringend benötigte Stromtrasse aus Sachsen-Anhalt bis auf’s Blut populistisch bekämpft wird und Windräder von Vogelschützern stillgelegt werden.

    Sehr wahrscheinlich kann ich hier nicht mehr lange kommentieren, da mein Rechner keinen Strom mehr bekommt.

    So geht’s halt auch nicht, einfach nur gegen alles zu sein,

  31. 31 Beobachter 30. Dezember 2014 um 05:29

    @ Amardeo Sarma:

    Natürlich muss man
    ” … das Für und Wider verschiedener Energiequellen ab(zu)wägen und dabei auf objektive Belege und pragmatische Güterabwägungen (zu) setzen statt sich einfach nur auf idealistische “grüne” Vorstellungen (zu) verlassen.”

    Aber läßt sich damit eine unkritische Befürwortung der Nutzung der Kernenergie begründen, ein Plädoyer für Atomkraft ableiten?

    Ich gehöre nicht zu denen, die “idealistische grüne Vorstellungen” haben und “gegen alles” sind.

    @ Pierre Casrell:

    Polemik ist nicht die feine Art und nicht zielführend – ich weiß.
    Habe es mir aber nicht verkneifen können angesichts der menschenverachtenden Zynismen in manchen Kommentaren.

    @ Ralf:

    Da wir eh immer auf Kosten unsere Nachfahren leben, können wir also noch eins draufsetzen und ihnen auch noch unseren Atommüll hinterlassen.
    Es sammelt sich ja eh z. B. Plastikmüll in den Meeren an, das Grundwasser wird zunehmend belastet/verseucht, mit unserem Wohlstandsmüll schlägt man sich in Afrika herum etc.
    Also: Was soll`s ?!

    ” … Natürlich sind die Folgen eines Supergaus ver(h)ehrend … ” – schöner Freud`scher Verschreiber, aber:
    ” … diese werden durch technische oder humane Ressourcen aufgefangen.”
    Du meine Güte: HUMANE RESSOURCEN ?!
    Heißt das, weil unser Planet eh überbevölkert ist, sei eine Dezimierung der Bevölkerung durch die Folgen von GAUs hinzunehmen ?!
    Da liefern Sie allen entsprechenden Verschwörungstheoretikern Bestätigung/Munition, die behaupten/glauben, das sei böse, gelenkte Absicht.

    So “unvorhersehbar” sind (u. a.) die Folgen einer “unkontrollierten” Klimaerwärmung nicht:
    http://de.wikipedia.org/wiki/Die_Grenzen_des_Wachstums
    (erster Bericht erschienen 1972 !)

    @ hans:

    Wegen meiner unnötigen Polemik siehe oben.
    Bin wie gesagt nicht “gegen alles”, sondern für kritisches Denken in allen Bereichen (auch siehe oben).

    Ich vermute, Sie müssen selbst in Bayern keine Angst wegen des Stromes für Ihren Rechner haben. Auch dort gibt es Industriebetriebe/öffentliche Institutionen, die von einer funktionierenden Stromversorgung abhängig sind – und da wird für den “kleinen Mann” bzw. die Haushalte der Bevölkerung auch noch genügend bei abfallen …
    Wachstum, Produktion, Konsum wird man nicht den “Saft” abdrehen – ob mit oder ohne AKWs …

  32. 32 Beobachter 30. Dezember 2014 um 07:05

    Nachtrag:

    @ hans:

    Wenn Sie keinen Strom mehr (u. a.) für Ihren Rechner hätten, könnten Sie hier nicht nur nicht mehr kommentieren, sondern auch nicht mehr über`s Internet z. B.
    – einkaufen
    – bestellen
    – Bankangelegenheiten regeln
    – kommunizieren
    – “soziale” Netzwerke nutzen

    Das würde nicht nur (bei Ihnen) den Konsum, das Konsumverhalten und dessen “Ausspähungs-“/Dokumentationsmöglichkeiten enorm bremsen, sondern man wäre auch nicht mehr als Person mit persönlichen Aktivitäten totalüberwachbar durch Geheimdienste/Nachrichtendienste.
    Glauben Sie, das würde von großen Wirtschafts-/Industrie-Lobbyverbänden bzw. “Sicherheits”-Diensten zugelassen werden ?!

  33. 33 Werner 30. Dezember 2014 um 15:43

    @Beobachter
    Ich denke, den von Ihnen angesprochenen Foristen geht es nicht darum, die Atomkraft hochzujubeln, sondern darauf hinzuweisen, dass die momentan auf Gedeih und Verderb durchgepaukte Energiewende mit untauglichen Begleitmaßnahmen versehen wird, um gelingen zu können.

    Es mögen ja in den Medien Jubelmeldungen hochkommen, die Ökoenergie habe inzwischen die anderen Energieformen überflügelt.

    Es wird aber vergessen zu erwähnen, dass es genügend Tage gibt, wo diese Energieformen selbst in Kombination und selbst wenn es kompletten Netzausbau gäbe, nichts zur Stromversorgung beitragen könnten.

    Dann müssen halt konventionelle Energieformen aushelfen, bis jetzt noch Atomkraft, ab 2022 aber nur noch “schmutzige” Energieträger wie Kohle und Gas.

    Und zwar nicht deswegen, weil sie zu billig wären, sondern weil es halt nicht anders geht.

    Genügend effektive Speichermöglichkeiten für überproduzierten Ökostrom werden Sie in den nächsten 50 Jahren nicht finden, also müssen? wir nach 2022 noch mehr CO2 produzieren.

    Deshalb darf ja wohl die Frage erlaubt sein, ob es nicht sinnvoller wäre, auch nach 2022 die, auch wenn Sie es nicht wahrhaben wollen, fast CO2-freie Atomenergie weiter zu nutzen.

    Die anfallenden Abfälle würden das Endlagerproblem auch nicht verschärfen, erhöhte Sicherheits- und Vorsorgemaßnahmen würden den Strom zwar verteuern, er wäre aber immer noch billiger als die übrigen Energiearten.

    Das reflexartige Verteufeln des Atomstroms ist genauso wenig sinnvoll wie unkritisches hochjubeln.

    Ein weiterer ungebremster Ausbau von Windenergie ohne die oben erwähnten Begleitmaßnahmen würde absolut nichts bringen, sondern nur noch mehr Kosten (EEG) verursachen, was letzendlich die noch vorhandene Akzeptanz bei der Bevölkerung kaputtmachen würde, genauso wie das nutzlose Zerstören von Erholungsraum und Natur durch tausende Windräder, z.B. im Schwarzwald.

  34. 34 Beobachter 30. Dezember 2014 um 18:19

    @ Werner:

    “Genügend effektive Speichermöglichkeiten für überproduzierten Ökostrom werden Sie in den nächsten 50 Jahren nicht finden, … ”

    Wie kommen Sie zu dieser Behauptung – noch dazu bzgl. eines so großen Zeitraumes (von 50 Jahren)?
    Weshalb werden wir sie “nicht finden”?
    Weil man sich nicht um Forschung, Entwicklung, den Bau von Speichermöglichkeiten kümmern will?
    Weil es technisch absolut unmöglich ist?
    Weil es für die Hersteller zu wenig daran zu verdienen gibt?

  35. 35 hans 30. Dezember 2014 um 21:14

    @Beobachter:

    Gäbe es effektive Speichermöglichkeiten, wäre z.B. der Elektromotor längst die Top-Option fürs Auto und vieles andere.

  36. 36 Beobachter 31. Dezember 2014 um 02:54

    @ hans:

    Das beantwortet meine Fragen nicht – nicht eine einzige.
    Außerdem geht es hier nicht um Auto-Elektromotoren, sondern um “effektive Speichermöglichkeiten für überproduzierten Ökostrom”.

  37. 37 diabetiker 31. Dezember 2014 um 08:30

    @beobachter, weil die physik die hürde für die “stromspeicherung ist.

    denn strom kann in form von strom überhaupt nicht gespeichert werden, nur in umgewandelter energieform, als lageenergie(pumpspeicher)
    als chemische energie(accu in jeder ausführung) bzw als wasserstoff durch elektrolyse.

    alle diese speicherformen haben durch mehrfache umwandlung wirkungsgrade, die äußerst bescheiden sind, und benötigen zb pumpspeicher riesige gebiete mit höhenunterschieden, die wir in D. nicht haben und gegen selbst kleine speicher wird von den grünen auch protestiert.

  38. 38 hans 31. Dezember 2014 um 09:52

    @Beobachter:

    “Außerdem geht es hier nicht um Auto-Elektromotoren, sondern um “effektive Speichermöglichkeiten für überproduzierten Ökostrom”.”

    Ihnen gibt nicht mal zu denken, dass Strom-Speicher schon im “Kleinen” (hier: Automotoren) nicht effektiv funktionieren und daher keine echte Alternative zb zu Kraftstoff sind geschweige denn ganze Ländern mit Energie versorgen können sollen?

    “Glauben Sie, das würde von großen Wirtschafts-/Industrie-Lobbyverbänden bzw. “Sicherheits”-Diensten zugelassen werden?!”

    Stromversorgung gibtr es also nur, damit die Geheimdienste uns ausspähen und Online-Kaufhäuser verdienen können? Sie sehen mich sprachlos. Nennt man so etwas nicht eine Verschwörungstheorie?

    “Sie haben eine seltsame Vorstellung von Vernunft.” (Peter D.):

    Dem kann ich nur zustimmen.

  39. 39 Beobachter 31. Dezember 2014 um 12:00

    @ hans:

    “Stromversorgung gibtr es also nur, damit die Geheimdienste uns ausspähen und Online-Kaufhäuser verdienen können? Sie sehen mich sprachlos. Nennt man so etwas nicht eine Verschwörungstheorie?”

    Wer spricht von “nur” ?!
    Es sind Zusatz-Beispiele.
    Es haben Viele ein großes Interesse auch am Funktionieren des Internets bzw. einer funktionierenden Stromversorgung – nicht nur Sie mit Ihrem Rechner in Bayern (von Ihnen selbst angeführt).

    Bitte lesen Sie, was ich sonst noch geschrieben hatte (oben):

    “Ich vermute, Sie müssen selbst in Bayern keine Angst wegen des Stromes für Ihren Rechner haben. Auch dort gibt es Industriebetriebe/öffentliche Institutionen, die von einer funktionierenden Stromversorgung abhängig sind – und da wird für den “kleinen Mann” bzw. die Haushalte der Bevölkerung auch noch genügend bei abfallen …
    Wachstum, Produktion, Konsum wird man nicht den “Saft” abdrehen – ob mit oder ohne AKWs …”

    So, und nun habe ich am Silvestertag weder die Zeit noch die geringste Lust mehr, mich mit unkritischen, zynischen Kernkraft-Befürwortern herumzuschlagen …

    Guten Rutsch allerseits …

  40. 40 Pierre Castell 31. Dezember 2014 um 12:30

    Beobachter, bis jetzt habe ich mich versucht zurückzuhalten, leider muss es aber jetzt doch raus: Immer mehr bekomme ich den Eindruck, dass Sie und Ihre Ansichten gegen fast alles und jeden sind.

    In Ihren Kommentaren spüre ich nur extrem selten Einsicht oder Diplomatie. Ihre allgemeinen Unterstellungen gegen die Industrie sind für mich unverständlich.

    Wir alle wollen gefahrlose Energie zum günstigen Preis mit größter Sicherheit.

    Wie schon von anderer Seite gut erklärt: Man muss abwägen!

    Und dabei die rosarote Brille ablegen…

  41. 41 Amardeo Sarma 31. Dezember 2014 um 13:58

    @Beobachter: Kritisches Denken in allen Bereichen anzusetzen ist richtig, da haben Sie recht. Aber wir sollten überall die gleichen Maßstäbe setzen und uns vor allem an Wissenschaft und ihre Erkenntnisse orientieren.

    Ganz am Anfang steht aber die Mathematik: Auf absehbare Zeit heißt weniger Kernkraft mehr CO2. Wir stoßen heute mehr CO2 aus, als wir es ohne den Ausstieg aus der Kernenergie ausstoßen würden. Also ist die Entscheidung für den Atomausstieg eine Entscheidung gegen Klimaschutz.

    Das kann man nur verantworten, wenn man die Gefahren und Risiken der Atomkraft für größer hält.

    Tatsächlich sind die Folgen der fossilen Verbrennung um Größenordnungen problematischer.

    Das zeigen die derzeitigen Erkenntnisse aus der Wissenschaft aus der Klimaforschung, aus der Forschung über Kernkraft und die Folgen der bisherigen Unfälle, sowie der Aufarbeitunge der Spätfolgen der Atombombenabwürfe über Hiroshima und Nagazaki.

    Die Schäden durch Tschernobyl/Fukushima sind trotz aller Tragik für die Betroffenen um Größenordnungen geringer, als das, was uns die fossile Verbrennung bescheren wird. Nach Fukushima ist kein einziger Todesfall bekannt, der klar durch die entstandene Strahlung verursacht worden ist.

    Insofern ist der “Beelzebub” im Vergleich zum “Teufel” ein harmloser Bub. Bitte dabei das “im Vergleich” nicht übersehen!

    Ich kann nur nochmals das Buch “Six Degrees” von Mark Lynas empfehlen. Schon bei +3 Grad wäre die Welt von morgen nicht mehr wieder zu erkennen. Sie wäre vergleichbar mit dem Pliozän vor 3 – 5 Millionen Jahren, bei der CO2 Konzentrationen herrschten, die bereits heute erreicht worden sind. Der Meeresspiegel lag 25m höher. Wir können dabei von Glück sprechen, dass ein neuer Zustand nicht sofort eintritt, sondern erst einschwingen muss.

    Was wir bei der Kernenergie auch beachten sollten: Es gibt inzwischen eine Reihe neuer und auch bereits im Betrieb befindlichen Reaktor-Designs (Generation 3 / 3+), die wesentlich sicherer sind. Die Generation 4 (noch in der Forschung) wird wesentlich kurzlebigere Abfälle produzieren, steht aber vermutlich erst um 2030 zur Verfügung.

    Selbstverständlich plädiere ich gleichzeitig für alle verfügbare Optionen, wie Energieeinsparung und den Ausbau von erneuerbaren Energien. Bei letzteren sehe immer noch ein großes Potential, aber es sind eine Menge nicht nur technische Hürden zu überwinden und die erneuerbaren Energien werden es zumindest in den nächsten 20 Jahren nicht alleine schaffen. Und uns die Zeit läuft davon.

    Inzwischen gibt es auch eine Anti-Windkraft Gruppe, deren Aktivität sicher auch nicht für die Erreichung der Klimaziele hilfreich sein wird.

    Wie hier schon (hans) geschrieben wurde: Irgendwo her brauchen wir dann doch Strom aus der Steckdose.

    Und Pierre Castell kann ich nur zustimmen, wenn er schreibt:

    Man muss abwägen! Und dabei die rosarote Brille ablegen …

    Und ich würde hinzufügen: bei allen Energiequellen gleichermaßen und mit den gleichen Standards urteilen.

  42. 42 hans 31. Dezember 2014 um 14:10

    @Beobachter:

    “Wachstum, Produktion, Konsum wird man nicht den “Saft” abdrehen – ob mit oder ohne AKWs …”

    Was soll dieser sinnlose Satz bedeuten?

    Wer ist “man”? Reden Sie von einer Zwangsversorgung, weil Umweltschützer sämtliche Formen der Energiegewinnung bald zum Erliegen gebracht haben? Dann sähe ich durchaus keinen Grund zum Jubeln, denn das ist dann Schluss mit Abwägen und Diskutieren und Mitbestimmen. Dann bleibt nur der Atomstromimport aus Frankreich oder Österreich oder Ukraine, also das Gegenteil von dem was Sie wollen, was Sie abermit Ihrer Haltung zwangsweise hetrbeiführen.

    Dreht sich die Diskussion nicht gerade darum, wo der “Saft” herkommen soll, wenn man gegen alles ist und aus ideologischen Gründen jede Alternative ablehnt?

  43. 43 Werner 31. Dezember 2014 um 21:58

    @Beobachter
    “Wie kommen Sie zu dieser Behauptung – noch dazu bzgl. eines so großen Zeitraumes (von 50 Jahren)?
    Weshalb werden wir sie “nicht finden”?
    Weil man sich nicht um Forschung, Entwicklung, den Bau von Speichermöglichkeiten kümmern will?
    Weil es technisch absolut unmöglich ist?
    Weil es für die Hersteller zu wenig daran zu verdienen gibt?”

    Zunächst einmal ist es bis 2050 offizielles Ziel, den Anteil der Öko-Energie auf 80% zu erhöhen, wobei Sonne-Wind ca. 60% Anteil haben sollen. Da Sonne/Wind Strom liefern, wann Sie Lust dazu haben, müssen von diesen 60% min. 2/3 abgesichert werden -> 40% vom Gesamtstrom.

    Da Kohle und Atom bis dahin verschwinden sollen, bleiben entweder Import oder Speicher, der demzufolge bis dahin gewaltig vergrößert werden muss.

    Zu Ihren Fragen:

    1. Natürlich wird derzeit intensiv, mit höchster staatlicher Unterstützung, geforscht.

    2. Die Grenze bei Pumpspeichern ist aus vielen Gründen fast erreicht (Akzeptanz, geographische Gegebenheiten).

    Andere Speicher (Batterien, Wasserstoff, Methan) sind technisch möglich, aber in absehbarer Zeit nicht effizient genug und deshalb sehr teuer.

    3. Ein Hersteller, der bei Speichern das Ei des Columbus entdeckt, kann sich wahrscheinlich dumm und dämlich verdienen.

    Im Übrigen, da Sie ja immer gern von den (bösen) Industrie- und Lobbyverbänden sprechen:

    Zum größten Lobbyverband hat sich in den letzten 20 Jahren der Öko-industrieelle Komplex entwickelt, oder können Sie erkennen, wo z.B. die Stromerzeuger ihre Positionen durchsetzen konnten (z.B. RWE oder EnBW).

    NGOs wie Greenpeace oder BUND besitzen inzwischen enorme Macht, ohne sie geht nichts mehr.

  44. 44 Beobachter 1. Januar 2015 um 08:33

    @ Pierre Castell:

    “Immer mehr bekomme ich den Eindruck, dass Sie und Ihre Ansichten gegen fast alles und jeden sind.”

    Ihr persönlicher Eindruck ist falsch.

    Natürlich kommentiere ich hier meistens dann, wenn mir etwas negativ auffällt, um Missstände öffentlich zu machen und zur Diskussion zu stellen.

    Für gegenseitige, bestätigende Lobhudeleien habe ich wenig übrig – und Helene Fischer interssiert mich nicht (z. B.).

    In Ihren Kommentaren spüre ich nur extrem selten einen klaren Standpunkt.

    @ Amardeo Sarma:

    Allgemein:
    Es ist m. E. zeitlich ungünstig gewählt, so kurz vor Weihnachten/Silvester/Jahreswechsel/all den vielen Feiertagen ein so wichtiges und grundlegendes, problematisches Thema anzusprechen.

    Denn es ist damit zu rechnen, dass viele Leser in Urlaub sind, “im Stress stehen” oder gerade in dieser Zeit “keinen Kopf” dafür haben, sich damit auseinanderzusetzen.

    Man kann es drehen und wenden wie man will:

    Für mich (und viele Andere) ist die (jetztige und weitere) Nutzung der Atomkraft keine akzeptable, zu verantwortende Option für den existentiell notwendigen Klimaschutz.

    Es ist ein Fehlschluss, zu unterstellen, jeder, der gegen Atomkraft ist, sei auch gegen Klimaschutz –
    ebenso wie zu unterstellen, alle Atomkraftgegner seien auch Windkraftgegner (und überhaupt “gegen alles”, und das auch noch aus “ideologischen” Gründen).

    Wenn man trotz “Risikoabwägung” zu der Meinung gelangt, auf Atomkraft nicht verzichten zu können, akzeptiert man die Folgen von Atombombenabwürfen, GAUs, unzähligen schwerwiegenden Störfällen und einer ungelösten Endlagerung als sozusagen “Kollateralschäden”.
    http://de.wikipedia.org/wiki/Begleitschaden
    Das ist m. E. menschenverachtend und in höchstem Maße zynisch.

    “Wie hier schon (hans) geschrieben wurde: Irgendwo her brauchen wir dann doch Strom aus der Steckdose.
    Und Pierre Castell kann ich nur zustimmen, wenn er schreibt:
    Man muss abwägen! Und dabei die rosarote Brille ablegen …”
    Dass der Strom aus der Steckdose von irgendwoher kommen muss, ist eine Plattitüde und Stammtischniveau.
    Und Brillen(mit ungetönten Gläsern!)-Träger sehen i.d.R. recht scharf; und oft besser als Leute ganz ohne …

    @ hans:

    “Man” sind all jene, die entscheiden – “Entscheider”, die aufgrund ihrer Machtposition bestimmende, folgenschwere Entscheidungen für die Bevölkerung/große Personengruppen fällen; bei denen es jede Menge “Interessenkonflikte” gibt und nicht Otto Normalverbraucher.
    Das ist in “Frankreich oder Österreich oder (der) Ukraine” nicht anders als in Deutschland.
    Auch über “Atomstromimport” von dort nach Deutschland entscheidet nicht “der Mann auf der Straße”, sondern die Entscheidungsträger im Verbund und unter Absprache.

    “Dreht sich die Diskussion nicht gerade darum, wo der “Saft” herkommen soll, wenn man gegen alles ist und aus ideologischen Gründen jede Alternative ablehnt?”
    Siehe dazu hier unter @ Amardeo Sarma

    @ Werner:

    “Weshalb werden wir sie “nicht finden”?” –
    die effizienten Speichermöglichkeiten für überproduzierten Ökostrom im Zeitraum der nächsten 50 Jahre.
    Diese meine Frage wird von Ihnen nicht beantwortet.
    Können Sie vorhersehen, wie die Entwicklung bei Speichermöglichkeiten bzgl. Technik, Effizienz, Kosten sein wird ?

    Zu 3., “bösen” Industrie-Lobbyverbänden, “öko-industrieellem Komplex” (schöne Wortschöpfung):
    Die Maxime von Industrie und Wirtschaft ist es, möglichst viel Geld zu verdienen – und es zeigt sich immer wieder, dass es recht unerheblich ist, mit was. Das wird niemand ändern oder aufhalten können.

    Dann soll sich doch lieber ein Hersteller von Stromspeichern “dumm und dämlich verdienen” (das kurbelt auch die entsprechende Forschung, Entwicklung im Vorfeld an) statt mit der Herstellung von z. B. Rüstungsgütern, patentiertem, gentechnisch verändertem Saatgut, Spritzmitteln etc.!
    Und der Klimaschutz würde sozusagen “nebenbei” dabei abfallen.

    Nagen große Stromerzeuger wie RWE, EnBW etwa am Hungertuch ?

    Konnten sie wegen den “mächtigen Ökos” ihre Positionen nicht durchsetzen ?:

    http://de.wikipedia.org/wiki/RWE
    http://de.wikipedia.org/wiki/EnBW_Energie_Baden-W%C3%BCrttemberg

    Zum Glück gibt es NGOs wie Greenpeace und BUND – als Gegengewicht und zusätzliche Info-Quelle.
    Was natürlich nicht ausschließt, dass es auch dort zu “Unregelmäßigkeiten” kommen kann – wie bei jeder großen Organisation.

  45. 45 Holperbald 1. Januar 2015 um 13:12

    Passt zwar nicht ganz zum Thema, aber gegebenenfalls bitte ich um Verschiebung oder Erstellung eines neuen Artikels:

    Ich hatte mich vor einiger Zeit mit einem Initiator gegen Gleichstrom-Höchstspannungsleitung “Monstertrasse” auseinandergesetzt. Das unten anhängige Schreiben hatte ich ihm gesendet.

    Eine Antwort habe ich nicht mehr bekommen, und ich habe auch nicht gefragt, ob ich es veröffentlichen darf. Daher anbei anonymisiert.

    Auch eine Powerpoint-Präsentation habe ich dazu erstellt. Gerne sende ich Ihnen die zum Download, gerne auch ein gesonderter Themenstrang.

    Anbei nun der etwas länger geratene Brief, in dem ich versucht habe, “Elektrosmog” und “Monstertrassen” zu “entmonstern”.

    Sehr geehrter Herr Mustermann,

    Vor einiger Zeit, am 17.10 sowie am 18.10.2014 hatten wir per Mail das Vergnügen wegen der Stromtrasse in Musterstadt. Ich hatte per Mail einige Fragen, welche Sie mir beantwortet haben – ob Sie wegen der Trasse als Landschaftsverschandelndes Monstrum, dem Gleichstrom (unerprobt) oder aufgrund dessen, dass die Energie zum Teil aus Kohle stammt, dagegen seien.

    Sie hatten mir geantwortet, dass es um den unerprobten Gleichstrom sowie die Kohle ginge. Hierfür danke ich Ihnen noch einmal herzlich, da es, wie dargelegt, Kern einer jeden horizonterweiternden Diskussion ist, zu wissen, wo „der Schuh drückt“.

    So konnte ich Ihr Anliegen einschätzen und ebenfalls die für und wider-Aspekte abwägen, ob ich Ihr Ansinnen teilen kann oder nicht.

    Ich hatte darauf zugesagt, mich bei unabhängigen Quellen physikalisch zu informieren (lang wars her in der Schule).

    Dies habe ich nun gemacht, und ich glaube, wenn ich das (eigentlich ganz einfache) Prinzip verstanden hatte, versteht es jeder.
    Die gute Nachricht zuerst: Die Trassen machen NICHT krank. Aber der Reihe nach:

    1. Was ist ein Magnetfeld?

    Die Stärke magnetischer Felder wird in Tesla gemessen. Im Alltag eher Mikrotesla. Analog dazu existiert die Masseinheit „Gauss“, wobei „Tesla“ sich durchgesetzt hat.

    Magnetische Felder als solche sind erst einmal ungefährlich.

    Ganz im Gegenteil: Hätte die Erde kein Magnetfeld, welches bis weit in den Weltraum reicht, würden wir nicht existieren. (Es beträgt zwischen 31 und 48 Mikrotesla – 100 Mikrotesla ist der Grenzwert.)

    Bitte behalten Sie die 16 Mikrotesla zwischen 31 und 48 im Hinterkopf. Diese Differenz steckt unser Körper locker weg, je nachdem, ob wir am Äquator wohnen, oder ihm hohen Norden/tiefen Süden.

    Ein Föhn erzeugt – über 8 h gerechnet – etwa 3000 Mikrotesla, wenn man ihn 3 cm vom Kopf weghält.

    Ein Fön erzeugt etwa 3 Mikrotesla bei einem Abstand von 30 cm – allerdings keine 8 Stunden sondern 5 Minuten (je nach Frisur)
    Um die Ungefährlichkeit von Magnetfeldern wissen vor allem esoterisch angehauchte Menschen, die Magnetfeldtherapien in Anspruch nehmen und sich Magnete auf die Gelenke legen.

    Wenn Elektrischer Strom fliesst, entsteht ein Magnetfeld. Wenn dieser Stromfluss zu Spulen gewickelt wird, wird das Feld dadurch ausgerichtet und die magnetische Kraft kann wirken.

    Meist ist das Empfinden vom Spannungsträger abhängig: Ein Elektromobil, Spülmaschinen oder Elektroherde wird etwa trotz starker Batterien als weit weniger krankmachend empfunden als etwa Stromleitungen. (letzere induzieren sogar durch die Wärmeentwicklung Mikrowellen).

    Ansonsten ist das nichts anderes als bei einem Stabmagneten.

    Wenn sich die Spannung nicht ändert, ändert sich auch das Magnetfeld nicht. Wenn sich die Spannung ändert, entsteht eine Differenz, welche die wir an den Nervenenden, die wie elektrische Leiter wirken, spüren. Es wird also Spannung induziert. Solche spürbaren Felder entstehen erst bei sehr hohen Spannungen, etwa in Generatorräumen.

    Sie fallen jedoch in quadratischer Geschwindigkeit ab. Wie schnell genau, beschreiben die sog. Maxwellschen Gleichungen.

    2. Bislang Wechselstrom

    Bislang floss ja Wechselstrom durch die Leitungen. Wechselstrom zeichnet sich dadurch aus, dass er ca. 50x pro Sekunde die Richtung wechselt. 50x pro Sekunde Trillionen von Teilchen, die die Richtung wechseln, da entsteht Wärme und dementsprechend Reibungsverlust. Wechselstrom muss also immer wieder hochgespannt werden (in Umspannungswerken)

    Bei Wechselstrom kann auf zweierlei Arten aus dem magnetischen Feld eine Spannung (also ein Elektromagnetisches Feld, sprich, Elektrosmog induziert werden:

    1. Aufgrund des ständigen Wechsels selbst: Der Strom wechselt 50x pro Sekunde die Richtung; daraus entsteht ein elektromagnetisches Feld

    2. Wenn sich jemand oder etwas entlang des Feldes bewegt. Sprich, beispielsweise entlang einer Stromleitung eine Person, ein Auto, was auch immer.

    Diese beiden Felder addieren sich auf.

    Durch den Wechselstrom entsteht also ein stärkeres elektromagnetisches Feld. Diese Differenz ist mit einem Voltmeter messbar (magnetische Felder mit einem Teslameter), und sorgt dafür, dass etwa Leuchtstoffröhren in der Nähe von Wechsel-Hochspannungsleitungen leuchten.

    3. Gleichstrom

    Gleichstrom marschiert quasi im Gleichschritt. Dadurch entsteht viel weniger Hitze. Daher ist er für längere Strecken geeigneter.
    Dadurch, dass er nicht wechselt, induziert sein magnetisches Feld weniger Spannung. Es entsteht also weniger Elektrosmog.

    Dadurch ist, wie dargelegt, die Verlustdifferenz geringer, so dass weniger Spannung an die Umgebung induziert wird (weniger Elektrosmog)

    Auch Gleichstrom hat also ein Magnetfeld. Allerdings ist, wie dargelegt, die Verlustdifferenz geringer, so dass weniger Spannung induziert wird. Da das magnetische Feld in quadratischer Geschwindigkeit abfällt, beträgt das Magnetfeld 1 Meter entfernt noch die Hälfte, 2 Meter entfernt noch ein viertel, 3 Meter entfernt noch ein neuntel usw. 70 Meter entfernt beträgt sie also noch ein 4900stel.

    Das ist weit geringer, als es etwa durch eine Autobatterie während der Fahrt induziert wird.

    4. Die Höhe

    Der Gleichschritt hat einen weiteren Vorteil: Es kann mehr Strom durch Leitungen mit einer gegebenen Dicke. Es ist wie auf einer Strasse: Wenn Gegenverkehr herrscht, muss die Strasse breiter sein, sonst gibt’s Unfälle (Vergleiche Reibungsverlust)

    Nichtsdestotrotz addiert sich das Magnetfeld auf, wenn 4 oder gar 8 Leitungen auf den Masten gespannt sind. Deshalb bringt man die Leitungen in einer Höhe an (ca. 70 Meter), wo sie garantiert ungefährlich sind.

    Zudem errechnet sich aus betriebswirtschaftlichen Gründen ein Optimalwert: Jeder Mast kostet Geld. Je höher die Masten, desto weniger werden benötigt, weil die Leitungen umso weiter durchhängen können. Ab einem gewissen Punkt kippt der Wert (und der Mast) natürlich.

    Das ist allerdings in der Tat ein Politikum.

    5. Belastung durch die Leitungen

    Wieviel Belastung entsteht denn nun, wenn wir die Maxwell-Gleichung auf einen Hochspannungs-Gleichstrommast anwenden? Nun, etwa 0,3 Mikrotesla kommen auf der Erde an.

    Das ist etwa ein Zehntel eines handelsüblichen Föns, wenngleich auch dauerhaft, während Sie den Fön, wie dargelegt, nach kurzer Zeit wieder ausschalten.

    Wie gesagt, das Erdmagnetfeld variiert zwischen Äquator und Polen zwischen 31 und 48 Mikrotesla.

    Da seit Millionen Jahren dort Eisbären ohne (bekannten) Strahlungskrebs leben, und die Krankheit meines Wissens sich nicht auf Menschen beschränkt, sehe ich das als Beleg für die Ungefährlichkeit der dort herrschenden Belastung.

    Dies ist jedoch meine persönliche, widerlegbare These.
    Jeder Mensch ist einer weit höheren Differenz jeden Tag beim Rasieren ausgesetzt.

    6. Alternativen

    Ich finde, rückwirkend betrachtet, sind die bisherigen Wechselspannungsmasten deutlich gefährlicher. Was wir uns da angetan haben – Allerdings ging es nicht ohne.

    Sehen wir uns mal Alternativen an:

    Das Problem ist meines Erachtens, dass es keine Optimallösung gibt. Der Herr Bürgermeister Raab, dessen Rede mir Ihre Frau freundlicherweise gesendet hat, hat politisiert, aber eine Lösung hat er nicht genannt. Zudem sei am Rande angemerkt, dass gerade die CSU Windräder- um eine Alternative zu nennen – doch mind. Die 10-Fache Höhe (also 800 Meter von Wohnorten weg) haben wollte.
    Ein Wahlkämpfender Politiker, ohne Lösungsvorschläge (hat er selbst gesagt) und Physikstudium ist für mich nicht wirklich eine kompetente Instanz, wenn es um solch wichtige Fragen geht.

    Zusammenfassend (Ich will jetzt nicht allzu politisch werden, aber das muss grad mal gesagt sein:)
    • Windräder unerwünscht
    • Dann im hohen Norden – aber dann sind andere gegen die Trassen
    (Nicht Sie, wie gesagt, wegen der Trassen als solche, hatten Sie ja gesagt)aber das hatten wir zum Eingang.
    • Kohlestrom? Auch nicht!

    Der wahlkämpfende Bürgermeister in der von Ihnen mir zugesandten Rede hatte nur gepoltert (Sinngemäß): „Sie (Die Konzerne) wollen uns weismachen, dass der Strom sonst knapp würde“

    Sehen Sie, das war und ist auch meine Sorge – widerlegt wurde sie nicht, nur ins Lächerliche gezogen.

    Sonst wären ja schon heute die Atommeiler völlig überflüssig – „es geht morgen ohne, also geht es auch heute schon ohne, wenn morgen keine Alternativen geschaffen werden müssen“ –

    So die m.E. vollkommen widersinnige Argumentation. Die Regierung hat einen knapp 500 Seiten dicken, detaillierten Plan ausgearbeitet, ich hab ihn mir angesehen, klingt plausibel.

    Ich habe bislang keine sachliche Widerlegung/Gegenrechnung gefunden, so dass ich ihn für den Augenblick als gut belegte Argumentationsquelle betrachten muss.

    Wie auch immer – Welche Alternativen gäbe es denn noch? – nur Solar, wird nicht funktionieren (zudem brauchen wir auch noch Ackerbau – und Landflächen)
    Jedenfalls wüsste ich keine Alternative. Ausserdem sollte der Strom ja noch bezahlbar bleiben.

    7. Technische Hürden bei Gleichstrom aus der Ostsee

    Das Problem ist bei Gleichstrom, dass er gleichmäßig fliesen muss. Das ist wie mit einem Fahrrad – solang kein Berg kommt, kann man ewig weiterradeln. Bei Bergab wird man schneller, bei Bergauf wird man langsamer.

    Nun weht weder der Wind stets gleich, noch ist der Verbrauch stets gleich.

    Stellen Sie sich vor, es wird zuviel Strom produziert, zu wenig abgenommen – dann würden die Geräte heisslaufen, tonnenschwere Schwungräder würden leerlaufen („Bergab“)

    Stellen Sie sich vor, es wird zuwenig Strom produziert, also zu viel abgenommen („Bergauf“) – die Lampen würden flackern, es entstünde ein Engpass. – Man kann die tonnenschweren Turbinen nicht „mal eben“ beschleunigen, da wirken gewaltige Kräfte. In der Physik nennt man das „Trägheitskräfte“ Die Dinger müssen gleichmäßig laufen, sonst zerlegen sie sich. (Dann wird’s ganz dunkel)

    Mittelfristig geht’s halt nicht ohne „Puffer“, den man nach Belieben steuern kann (mehr oder weniger Strom zusätzlich produzieren).
    Bei Wechselstrom war das unproblematisch, da konnte man über das Umspannwerk kompensieren.

    8. „Die Trasse dient nur zur Bereicherung der Konzerne“

    Irgendwo (ich weiss nicht mehr, wo) hatte ich mal das Argument gehört, es handle sich bei der Stromtrasse um ein Geschenk an die Stromkonzerne. Dazu folgende Gedanken:

    • „Die Konzerne“ ist immer sehr allgemein. Ebenso wie „Die Pharmaindustrie“, „Die Politiker“, „Die Wirtschaft“, „Die sowieso“
    • Nichtsdestotrotz wäre auch den Konzernen eher geholfen, wenn sie auf erneuerbare Energien setzen. Rein wirtschaftlich müssen Sie Kohle teuer ankaufen oder fördern, Windenergie dagegen nicht. Daher ist das Argument nicht schlüssig.

    • Die Konzerne haben genauso wenig ein Interesse daran, die Umwelt zu zerstören, wie andere Menschen. Nicht nur, dass sie auf dem selben Planeten leben, auch lässt sich ein grünes Image deutlich besser verkaufen. Ein Interesse an Umweltzerstörung besteht dann, wenn dies die günstigste Art zu produzieren ist.

    Das ist, wie im vorherigen Punkt dargelegt, für mich nicht ersichtlich.

    9. Fazit

    An der Stelle noch einmal vielen Dank für Ihre Informationen. Ich bin auf ein sehr interessantes Thema gestossen.

    Die Meinungsfreiheit ist ein hohes Gut, und ich bin dankbar, in einem Land zu leben, wo man als Bürger dagegen sein kann (Auch wenn man nicht immer gefragt wird). Ich denke jedoch, dass es auch Pflicht jedes einzelnen Bürgers ist, sich zu informieren, ehe man sich eine Meinung bildet.

    Das habe ich in den vergangenen Monaten getan, und ich komme zu dem Schluss:

    Meinetwegen dürfte die Trasse bei mir vorbei führen.

    Umso mehr, da wir ja künftig, wie dargelegt, weniger „Elektrosmog“ abbekommen als bisher.

    Übrigens tritt hier ein paradoxes Phänomen zutage: Man kann mehr Strom sicherer transportieren, als vorher.

    Dies ist auch bei Funkmasten für Handys der Fall: Lieber mehr Masten mit kleinerer Leistung, als weniger Masten, die aber dann Leistung fahren müssen, wie verrückt, um Netzabdeckung zu gewährleisten. Mehr ist manchmal weniger.

    Der ästhetische Gesichtspunkt der Trassen sei dahingestellt, und ist ein Streitthema – aber unter gesundheitlichen wie wirtschaftlichen Gesichtspunkten sehe ich darin keine Probleme.

    Zudem, wie gesagt, hätte ich damit weniger Probleme, als auf einen rauchenden Atommeiler rechts der Isar zu blicken.

    Ich bin in der Tat erleichtert, nachdem ich das alles herausgefunden hatte. Man hört als Bürger ja doch so viel und Elektrophysik hat dann doch niemand von uns studiert (oder die wenigsten).

    Wie Sie jedoch den Quellen entnehmen können, habe ich mich bei meiner Argumentation unter anderem auf den bekannten Physiker Prof. Dr. Harald Lesch gestützt, der m.W. nicht politisch aktiv (und somit als unbefangen gelten dürfte) und der als zitierfähige Quelle angesehen werden kann.

    Angst ist jedoch meist ein schlechter Ratgeber.

    Natürlich kostet das Zeit, und ich hoffe, dass ich mit dieser Ausarbeitung Ihnen eine kurze, verständliche, und nachvollziehbare Übersicht erstellt habe. Gerne dürfen Sie diese weitergeben.

    Das alles ist auch plausibel und nicht zweckgebunden – die Daten des Bundesamtes für Strahlenschutz wurden ja nicht ermittelt, um die Position der Bundesregierung beim Trassenbau zu untermauern, sondern gelten allgemein.

    Daher denke ich, dass auch Sie als Betroffene dies als gute Nachricht (zu Weihnachten) auffassen, und verbleibe mit frohen Weihnachten und gesunden und nicht strahlengeschädigten Neujahrswünschen.

    XYZ

    10. Quellen

    Literaturverzeichnis
    bfs.de (Bundesamt für Strahlenschutz) – Magnetfelder. (kein Datum). Von http://www.bfs.de/de/elektro/nff/weitere_informationen/Statische_Magnetfelder.html/printversion abgerufen
    elektronik-kompendium.de – Elektrische und magnetische Felder. (kein Datum). Von http://www.elektronik-kompendium.de/sites/grd/1011031.htm abgerufen
    Focus.de – Gelenkschmerzen – Alternativmedizin. (kein Datum). Von http://www.focus.de/gesundheit/ratgeber/gelenkschmerzen/news/alternativmedizin_aid_89586.html abgerufen
    http://de.wikipedia – Tesla (Einheit). (kein Datum). Von http://de.wikipedia.org/wiki/Tesla_%28Einheit%29 abgerufen
    http://www.netzentwicklungsplan.de – erster Entwurf – Anhang. (kein Datum). Von http://www.netzentwicklungsplan.de/_NEP_file_transfer/NEP_2014_1_Entwurf_Teil2.pdf abgerufen
    http://www.netzentwicklungsplan.de – erster Entwurf sowie. (kein Datum). Von http://www.netzentwicklungsplan.de/_NEP_file_transfer/NEP_2014_1_Entwurf_Teil1.pdf abgerufen
    netzausbau.de – Zusammenfassung Netzentwicklungsplan. (kein Datum). Von http://www.netzausbau.de/DE/Vorhaben/BBPlG-Vorhaben/BBPlG-Vorhaben-node.html abgerufen
    netzentwicklungsplan.de – Netzentwicklungsplan – 2014 – Erster Entwurf. (kein Datum). Von http://www.netzentwicklungsplan.de/netzentwicklungsplan-2014-erster-entwurf abgerufen
    scienceblogs.de – die-maxwellgleichungen-ohne-formeln. (kein Datum). Von http://scienceblogs.de/hier-wohnen-drachen/2010/08/24/die-maxwellgleichungen-ohne-formeln-1-felder/ abgerufen
    trassenwahn.de – Rede Bürgermeister Uwe Raab. (kein Datum). Von http://trassenwahn.de/650-trassengegner-zeigten-kampfeswillen-freystadt abgerufen
    Wikipedia – DIN 1505-2. (kein Datum). Von http://de.wikipedia.org/wiki/DIN_1505-2 abgerufen
    Wikipedia – Trägheitskraft. (kein Datum). Von http://de.wikipedia.org/wiki/Tr%C3%A4gheitskraft abgerufen
    Wikipedia.org – Maxwell-Gleichungen. (kein Datum). Von http://de.wikipedia.org/wiki/Maxwell-Gleichungen abgerufen
    youtube.com – Frag den Lesch – Das Problem mit der Energie. (kein Datum). Von http://www.youtube.com/watch?v=2J8p2_2awtg abgerufen
    Zusammenfassende Präsentation “Elektrosmog”, beiliegend. (kein Datum).

  46. 46 Amardeo Sarma 1. Januar 2015 um 13:19

    @Beobachter: Sie schreiben:

    “Es ist ein Fehlschluss, zu unterstellen, jeder, der gegen Atomkraft ist, sei auch gegen Klimaschutz – ebenso wie zu unterstellen, alle Atomkraftgegner seien auch Windkraftgegner (und überhaupt ‘gegen alles’, und das auch noch aus “ideologischen” Gründen).”

    Verzeihen Sie, aber das ist ein Strohmann-Argument, denn nichts dergleichen habe ich gesagt.

    Selbstverständlich sind Greenpeace und BUND gegen Atomkraft und für Klimaschutz, und die meisten Atomkraftgegner sind keine Windkraftgegner.

    Solange aber wir nicht 100% Strom ohne fossile Brennstoffe und Kernkraft erzeugen können, heißt weniger Kernkraft ein Mehr an CO2. Und somit ein Minus beim Erreichen der Klimaziele.

    Würden Sie bitte mit ja oder nein antworten, ob diese Aussage stimmt?

  47. 47 PeterD 1. Januar 2015 um 14:17

    @Beobachter: Gereenpeace und BUND als Quelle?

    Dann informierst Du Dich bestimmt auch beim Thema Impfen bei Hanz Tolzin, das hat ähnliche “Qualität”. Spätestens nach der Sache mit dem Golden Rice hat Greenpeace gezeigt, dass Panikmache wichtiger als jedes Menschenleben ist.

    Sieht übrigens der GP-Gründer Patrick Moore inzwischen genauso.

    Ich werde mit Dir nicht mehr diskutieren, wie man sieht, bist Du bei dem Thema völlig ideologisiert. Kein Argument wird zur Kenntnis genommen, stures herunterbeten der stets gleichen Litanei ist das einzige, was kommt: Wer Kernkraft in Erwägung zieht, hat keine Vernunft, ist zynisch, moralisch verkommen, technikgläubig, kurzsichtig, schaut nicht über den Tellerrand etc.

    Aber zum Glück gibt es ja Menschen wie Dich, die auch ohne Durchdringung einer komplexen Materie stets genau wissen, was richtig und falsch ist.

    @Werner: Du schreibst “Da Sonne/Wind Strom liefern, wann Sie Lust dazu haben, müssen von diesen 60% min. 2/3 abgesichert werden”

    Hast Du dafür eine Quelle? Ich fürchte, das ist noch schlimmer und geht gegen 100%. Denn ein weiterer Zubau heißt nicht, dass sich da was ausmittelt, lediglich die Spitzen werden noch größer.

    Bei Flaute und Nacht kommt einfach nichts, egal wie hoch die installierte Leistung ist. Man kann natürlich aus dem ausländischen Verbundnetz importieren, aber ich bezweifle, dass dafür die Leitungskapazitäten groß genug sind (Vermutung, müsste erst nachforschen).

    Noch was zu Speichern. Es ist kein Wunder, dass die Entwicklung da im Schneckentempo voran geht, bei chemischer Speicherung (Akkus) dürfte man sich bereits im Grenzbereich des physikalisch machbaren bewegen, bei Power to Gas hat man systembedingt durch die endlosen Um- und Rückwandlungen am Schluss noch ca. 20% des ursprünglich erzeugten Stroms, was ökomomisch völlig indiskutabel ist.

  48. 48 Beobachter 1. Januar 2015 um 15:39

    @ Amardeo Sarma:

    Wegen meines von Ihnen als “Strohmann”-Argument bezeichneten Einwandes:

    Sie nennen Atomkraftgegener quasi im gleichen Atemzug mit Windkraftgegnern (im Kommentar), schreiben “von einer zunehmend ideologisierten grünen Bewegung” (im Ausgangsbeitrag) und stimmen zu, wenn jedweden Kritikern unterstellt wird, sie trügen “rosarote Brillen” (im Kommentar; denn bevor man welche ablegen kann, muss man sie getragen haben).

    “Würden Sie bitte mit ja oder nein antworten, ob diese Aussage stimmt?”

    Ich lasse mir ungern die Pistole auf die Brust setzen und vorschreiben, wie ich zu antworten habe.

    Zumal es heutzutage kaum mehr komplexe Fragestellungen gibt, die sich mit ja oder nein beantworten lassen; es gibt kein schwarz oder weiß mehr, nur jede Menge grau.

    Man muss tatsächlich immer genau abwägen – was bei der täglichen Informationsflut nicht einfach und auch anstrengend ist.
    Verstehen Sie mich nicht falsch – ich nehme das Thema genauso ernst wie Sie.

    Was das Abwägen betrifft:

    Man kann m. E. ein Klimaziel nicht um jeden Preis erreichen wollen – koste es, was es wolle – hier: zu hohe, unbeherrschbare Risiken eingehen; unabsehbare, weitreichende Folgeschäden bei Mensch und Umwelt als “Kollateralschäden” in Kauf nehmen;

    weiterhin für unbegrenztes, ausuferndes Wachstum sein, dessen Voraussetzung ein zunehmend steigender Energieverbrauch ist (Stichwort: Energieeinsparung; ein Thema für sich).

    Der Mensch sitzt sozusagen in der Patsche:

    Klimaziele (mit Kernkraft) inkl. wirtschaftlichem Wachstum zwar erreicht, aber mit möglicherweise vielen Tschernobyls/Fukushimas/sicherlich mit weiterhin unzähligen schweren Störfällen als “Kollateralschäden” und riesigen Mengen an herumliegendem/in den Meeren versenktem Atommüll-Operation erfolgreich, Patient (und dessen Nachkommen) aber leider tot (oder schwerwiegend erkrankt, geschädigt).

    Das kann`s doch nicht sein, oder ?!

  49. 49 Beobachter 1. Januar 2015 um 16:03

    @ PeterD:

    Lies bitte richtig:
    Ich hatte geschrieben: Greenpeace und BUND als zusätzliche Info-Quelle!
    Eine unter vielen.
    Was dagegen?

    Auch bei mir Ende der Diskussion; ich bin es leid, mich in die Ideologie-Ecke stellen zu lassen, nur weil ich nicht “Skeptiker-linientreu” bin.
    Schade um die Zeit und die Mühe …

    “Aber zum Glück gibt es ja Menschen wie Dich, die auch ohne Durchdringung einer komplexen Materie stets genau wissen, was richtig und falsch ist.”
    Genau das trifft auf mich NICHT zu – siehe mein letzter Kommentar @ Amardeo Sarma

  50. 50 Amardeo Sarma 1. Januar 2015 um 16:04

    @Beobachter:

    Die Frage haben Sie beantwortet: “Man kann m. E. ein Klimaziel nicht um jeden Preis erreichen wollen”. Damit sagen Sie, dass mehr CO2 vertetbar ist, um aus der Kernenergie auszusteigen.

    Dann bitte ich Sie, mir peer-reviewed wissenschaftliche Quellen (nicht Greenpeace, BUND oder auch Wikipedia) zu nennen, die die von Ihnen behaupteten zukünftigen Folgen durch die Kernkraft belegen bzw. auf diese hindeuten. Oder anerkannte wissenschaftliche Organisationen nennen, die für ein Aus für die Kernenergie plädieren.

  51. 51 Pierre Castell 1. Januar 2015 um 16:19

    @ beobachter
    “Ihr persönlicher Eindruck ist falsch.”

    Das kann ich aus IHRER Sicht verstehen.
    Aus MEINER Sicht bestätigt sich mein Eindruck allerdings immer mehr.

    Gerade Ihre letzten Kommentare gehen immer mehr in diese Richtung.

    Mittlerweile empfinde ich Ihre Argumentation denen von Verschwörungstheoretikern sehr ähnlich. Auch die sind nicht in der Lage, Fragen sachlich zu beantworten. Fehlen Argumente, kommen Aussagen, die sich denen von Ihnen sehr ähneln wie z. B. “So, und nun habe ich am Silvestertag weder die Zeit noch die geringste Lust mehr, mich mit unkritischen, zynischen Kernkraft-Befürwortern herumzuschlagen!”

  52. 52 Pierre Castell 1. Januar 2015 um 16:25

    @ Beobachter:
    “Auch bei mir Ende der Diskussion; ich bin es leid, mich in die Ideologie-Ecke stellen zu lassen, nur weil ich nicht “Skeptiker-linientreu” bin. Schade um die Zeit und die Mühe!”

    Sehen Sie, das meine ich.
    Auch Ihr letzter Kommentar bestätigt meine Sicht erneut.

    Mit diesen Aussagen tun Sie sich und Ihrer Glaubwürdigkeit keinen Gefallen!

  53. 53 Beobachter 1. Januar 2015 um 18:26

    Nachtrag:

    @ PeterD:
    Du outest Dich selbst als völlig dogmatisch und undifferenziert, wenn Du Greenpeace/BUND als Atomkraftgegner gleichsetzt mit solch perfiden, unsäglichen Leuten wie Tolzin als u. a. Impfgegner, GNM-Vertreter usw.

    @ Pierre Castell:
    Ich habe lediglich meiner Verärgerung Ausdruck verliehen.
    Sind Sie doch froh, dass Sie mich endlich los sind.
    Dann seid Ihr hier wieder unter Euch …
    Wenn Sie ausgerechnet mich als Verschwörungstheoretiker sehen oder nahe dran, haben Sie nichts von meinen Beweggründen und Intentionen verstanden – und all meine Posts hier, gerade auch zu Esoterik und Paramedizin, waren für die Katz`.
    Zumindest bei Ihnen.

    @ Amardeo Sarma:
    Herr Sarma, ich bin kein Wissenschaftler, sondern besitze “nur” gesunden Menschenverstand und “nur” eine gute (Aus)Bildung – und erlaube mir trotzdem eine argumentativ begründete Meinung.
    Man kann nicht in allen Bereichen zum Fachmann werden.
    Um fachspezifische wissenschaftliche Quellen, die von Ihnen vielleicht akzeptiert werden würden, zusammenzusuchen/aufzulisten, müsste ich aber einer sein. Ich kann also Ihrer Bitte leider nicht nachkommen.
    Vielleicht sollte man sich mal überlegen, welche “Zielgruppen”/Leser/Kommentatoren dieser Blog bzw. dieses Forum haben/ansprechen soll.

  54. 54 Pierre Castell 1. Januar 2015 um 20:35

    @ Beobachter
    “Man kann nicht in allen Bereichen zum Fachmann werden.”

    Dann tun Sie in Kommentaren bitte nicht so, als wären Sie einer.

    Ihre Sicht als die einzig Richtige darstellen, und Andersdenkende zu beleidigen, spricht nicht für kluge “Beweggründe und Intentionen”.

  55. 55 Pierre Castell 1. Januar 2015 um 21:13

    @ Beobachter

    Ganz ehrlich:
    Ich lese Ihre Kommentare in der Regel gerne und würde mich freuen, auch weiterhin von Ihnen hier zu lesen zu dürfen. Ich finde beachtlich, welche Mühe Sie sich machen, diese zu schreiben.

    Hier in diesem speziellen Fall sind Sie mir allerdings mit Ihrer persönlichen Überzeugung ein wenig über´s Ziel hinausgeschossen.

    Eine persönliche Überzeugung stimmt nicht immer mit den Voraussetzungen einer realistischen Problemlösung überein!

  56. 56 Werner 2. Januar 2015 um 11:27

    @Beobachter
    Noch ein paar Fragen an Sie hätte ich doch noch:

    1. Welche Maßnahmen würden Sie empfehlen, um nach 2022 die Grundversorgung zu gewährleisten und gleichzeitig die unzuverlässige Stromproduktion durch Sonne/Wind abzusichern? Bitte beachten Sie dabei die Umsetzbarkeit.

    2. Erwarten Sie, dass durch die Energiewende in der derzeitigen Form die CO2-Emmision sinkt?

    2a. Falls ja, könnten Sie das begründen?

    2b. Falls nein, welchen Sinn sehen Sie dann in der Energiewende?

    3. Wären Sie mit Atomkraftwerken einverstanden, deren Sicherheit gegen unendlich tendieren würde?

  57. 57 Ralf 12. Januar 2015 um 21:48

    Zitat Beobachter

    ” … diese werden durch technische oder humane Ressourcen aufgefangen.”
    Du meine Güte: HUMANE RESSOURCEN ?!
    Heißt das, weil unser Planet eh überbevölkert ist, sei eine Dezimierung der Bevölkerung durch die Folgen von GAUs hinzunehmen ?!

    Nein, unter “humane Ressourcen” verstehe ich Ingenieure, die die Technik kontrollieren und notfalls eingreifen können…

    Das wir auf den “Kosten” unserer Nachfahren leben, das kann kaum verhindert werden…wir wollen Wachstum um jeden Preis…manche Folgen sind im Moment noch nicht vorhersehbar, aber unsere “kontraproduktive” Handlungen gegenüber der Natur, werden wir nur mit größter Mühe “auffangen” können…ja, es kann selbst sein, daß es zu einer Dezimierung der Bevölkerung kommen kann, weil unser Handeln zu wenig war…gerade deshalb muß man den Klimawandel ernst nehmen.

  58. 58 Pierre Castell 12. Januar 2015 um 23:32

    @ Werner
    Schade, dass Beobachter vergessen hat, Ihre Fragen zu beantworten. Vielleicht wird Beobachter das noch nachholen.

  59. 59 Beobachter 16. Februar 2015 um 09:58

    Last not least:

    Wissenschaft per se, sozusagen “losgelöst von der Erde”, gibt`s nicht.
    Im Namen des Fortschritts, des Wachstums, der technischen Machbarkeit ist nicht alles, was machbar und möglich ist, auch wünschenswert und nützlich für die Menschheit.
    Schon gar nicht Kernenergie als vielgepriesene sog. “saubere Energie” – mit all ihren (schon erprobten !) Missbrauchsmöglichkeiten und ungelösten, schwerwiegenden, nachhaltigen Problemen.

    Albert Einstein, Physiker, Deutscher, Jude, vor den Nazis geflohen ins amerikanische Exil, beteiligt am “Manhattan Project” der US-Regierung zur Entwicklung der Atombombe, hat diese Verantwortung gesehen – und SEINE Konsequenzen gezogen; vielleicht gibt es auch andere … :

    ” …
    “Nicht lange nach Hiroshima”, so erinnert sich Leo Szilard, “besuchte ich Einstein. Als ich sein Arbeitszimmer betrat, schaute er mich traurig an und sagte: “Da haben Sie es nun. Die alten Chinesen haben schon recht gehabt: Am besten ist es, überhaupt nicht zu handeln …”
    Und Einstein zog auch die Konsequenzen aus dem ihn tief enttäuschenden Mißbrauch einer nur für den Notfall gedachten Verteidigungsmöglichkeit durch die Regierung der USA.
    “Zum Schluß seines Lebens”, so berichtet später sein Neffe, Dr. Josef Spier, “war er der unglücklichste Mensch. Und ich verrate Ihnen jetzt ein Geheimnis, das er mir damals, 1954, offenbarte. Er verpflichtete mich, es nie zu sagen, bevor er das Zeitliche gesegnet habe … An diesem Tage, an dem ich ihn zum letztenmal lebend sah, sagte er zu mir, “Weißt du, mein Sohn, ich habe noch etwas gefunden, auf dem Grenzgebiet der Mathematik und der Astronomie. Das habe ich jüngstens kaputtgemacht. Einmal ein Verbrecher an der Menschheit geworden zu sein, genügt mir …”
    … ”

    Auszug aus:
    Quelle:
    “Einig gegen Recht und Freiheit”, Deutsches Anti-Geschichtsbuch 2. Teil; Bernt Engelmann; Fischer TB Verlag 1978; S. 270/271

  60. 60 Bernd Harder 16. Februar 2015 um 10:22

    @Beobachter:

    In diesem Thread wird Kernenergie aber nicht “im Namen des Wachstums” diskutiert, sondern als “nützliches” Mittel gegen die Erderwärmung.

  61. 61 Beobachter 16. Februar 2015 um 10:49

    @ Bernd Harder:

    Das ändert nichts an den Missbrauchsmöglichkeiten und den ungelösten Problemen bei der Kernenergie.

  62. 62 Bernd Harder 16. Februar 2015 um 10:51

    @Beobachter:

    Es ändert aber sehr wohl etwas daran, ob die Debatte darüber rational oder ideologisch geführt wird, denn die “Probleme” sind ja prinzipiell nicht unlösbar bzw. gibt es längst Lösungen, die aber politisch nicht angepackt werden.

  63. 63 Beobachter 16. Februar 2015 um 11:18

    @ Bernd Harder:

    Eben:
    Solange diese “Lösungen politisch nicht angepackt werden” – und zwar im Ergebnis für ALLE (im Sinne von: nicht nur für die großen Energiekonzerne bzw. KKW-Betreiber) zufriedenstellend, nachhaltig und nützlich – sollte man die Finger davon lassen.
    Solange keine praktikablen Problemlösungen und gesetzliche Missbrauchskontrolle – solange keine KKWs.

  64. 64 Bernd Harder 16. Februar 2015 um 11:23

    @Beobachter:

    Da beißt sich die Katze in den Schwanz:

    Politiker fassen diese Probleme so lange nicht an, wie eine rationale, ergebnisoffene Diskussion darüber nicht möglich ist und Ideologen und Vorurteile die Debatte bestimmen.

    Wie stellen Sie sich das genau vor:

    “Die Finger davon lassen” und “anpacken” schließt sich gegenseitig aus, beides zugleich geht nicht.

  65. 65 Beobachter 16. Februar 2015 um 13:58

    @ Bernd Harder:

    Man sollte die Finger davon lassen (vom Bau von neuen KKWs; Weiterbetrieb von alten, unfallträchtigen KKWs) – bevor man nicht z. B. das BEKANNTE Problem der Atommüll-Endlagerung angepackt und gelöst hat.
    Man kann/sollte nicht den zweiten Schritt vor dem ersten machen: also nicht erst handeln/hier: bauen bzw. weiterbetreiben und sich erst dann überlegen, wie man mit den unvermeidbaren, BEKANNTEN Folgen umgeht (hier: z. B. mit dem Atommüll).
    Das hat nichts mit irgendeiner “Ideologie” zu tun, sondern mit vernünftigem, verantwortungsbewusstem Denken/Vorgehen.

    Es wird z. B. kein Maurer eine Wand (weiter) hochziehen, von der er von vornherein und von Anfang an weiß, dass sie gravierende, funktionale Mängel hat – außer, es sind ihm die schwerwiegenden Folgen der bekannten Mängel völlig egal und er ist nur auf`s schnelle Geld aus.
    So ist das bei KKWs auch – in großem Stil …
    Von atomarer Aufrüstung (unkontrollierbares “Gleichgewicht des Schreckens” mit dem erklärten Ziel der Vernichtung) ganz zu schweigen … !

    Ich hoffe, ich konnte meine Meinung verständlich machen und betrachte die Debatte (für mich) als beendet.

  66. 66 Bernd Harder 16. Februar 2015 um 14:09

    @Beobachter:

    Wir reden aneinander vorbei.

    < < bevor man nicht z. B. das BEKANNTE Problem der Atommüll-Endlagerung angepackt und gelöst hat. << Es gibt längst Lösungen für diese bekannten Probleme, z.B. http://scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2011/06/20/den-atommull-einfach-wegstrahlen-sciencebusters-uber-spallation/

    und diese werden deswegen nicht angepackt, weil eine offene Diskussion darüber gar nicht möglich ist bzw. kaum ein Politiker sich noch zu sagen traut, dass er sich auch nur Gedanken über Kernkraft macht.

    Denn solche Lösungen kosten Geld und brauchen breite Akzeptanz.

    Das heißt, wir haben eine ideologisch verbrannte Diskussion, die rationale Erwägungen über Problemlösungen gar nicht mehr zulässt.

    << Von atomarer Aufrüstung (unkontrollierbares “Gleichgewicht des Schreckens” mit dem erklärten Ziel der Vernichtung) ganz zu schweigen << Sie kommen völlig zwanglos von der Endlager-Problematik zu atomarer Aufrüstung und dem (von wem?) "erklärten Ziel der Vernichtung". Beides hat nichts miteinander zu tun und ist ein Kennzeichen für die un-sachliche, sofort abdriftende Art und Weise der öffentlichen Diskussion, die ich meine.

  67. 67 Beobachter 16. Februar 2015 um 15:21

    @ Bernd Harder:

    Ein letztes Mal:

    Beides hat mit Kernenergie und deren Nutzung zu tun.
    Die atomare Aufrüstung hatte ich mit Absicht außen vor gelassen – denn sie betrifft “nur” den Missbrauch der Kernenergie.
    Aber eine Facette, die man nicht ganz unter den Tisch fallen lassen sollte.
    (Atom)Waffen sollen vernichten (den “Gegner”) und vernichtet werden (um wieder neue produzieren und verkaufen zu können) – was sonst?
    Erklärtes Ziel von denen, die sie bestellen und denen, die sie herstellen; wobei die Hersteller umso froher sind, je schneller/häufiger ihre Produkte “verbraucht” werden (in Kriegen oder in “Krisenherden”).

    Tja, und wenn das Problem der Endlagerung schon lange gelöst ist, warum hat man es dann noch nicht technisch in die Praxis umgesetzt?
    Für den schon bestehenden Atommüllberg, der immer noch in undichten Salzstöcken in leckenden Fässern gelagert wird oder in den Meeren “entsorgt” wird?
    Die profitorientierten Energiekonzerne als Erzeuger/Produzent von Strom und Abfall verkaufen zwar ihren Strom, aber verscharren/verklappen ihren gefährlichen Abfall – und das legal oder illegal und ungeahndet.
    Glauben Sie im Ernst, dass diese Unternehmen in die weitere technische Optimierung ihrer eigenen, ungefährlichen Abfallentsorgung investieren – wenn`s auch so geht ?!
    Selbst für den Rückbau bestehender stillgelegter Atommeiler-Ruinen soll der Steuerzahler aufkommen – die wenigen Großkonzerne haben sich zwar über Jahrzehnte dumm und dämlich verdient, wollen aber mit ihrem eigenen Schrott/Müll nichts zu tun haben.

    Das stinkt doch alles zum Himmel – und da wundern Sie sich, dass es keine “breite Akzeptanz” der Kernenergie gibt ?

  68. 68 Bernd Harder 16. Februar 2015 um 16:14

    @ Beobachter:

    << Beides hat mit Kernenergie und deren Nutzung zu tun. << Nein. Ich halte es für nicht statthaft, die potenziellen Missbrauchsmöglichkeiten einer Technologie zur Entscheidungsgrundlage über deren "Gebrauch" zu machen. << (Atom)Waffen sollen vernichten (den “Gegner”) und vernichtet werden (um wieder neue produzieren und verkaufen zu können) – was sonst? << Sie führen eine "Das Atom ist böse"-Diskussion, die nichts mehr mit dem Thema Erderwärmung und Alternativen dazu zu tun hat. << Tja, und wenn das Problem der Endlagerung schon lange gelöst ist, warum hat man es dann noch nicht technisch in die Praxis umgesetzt? << Das habe ich mehrfach versucht zu erklären: Eine "Lösung" muss erst einmal umgesetzt werden. Das kostet Geld und braucht Akzeptanz, weil Politiker Konzerne zu solchen Lösungen zwingen müssen. Das können sie nicht, wenn sie Angst haben, deshalb die nächste Wahl zu verlieren. Solange ein Politiker sich nicht mal traut, das Wort "Atomkraft" auch nur in den Mund zu nehmen (weil dann sofort, siehe oben, eine abseitige Diskussion über Massenvernichtungswaffen losbricht, anstatt rational das eigentliche Thema zu diskutieren), wird keine vorhandene Lösung je in die Praxis umgesetzt werden können. << Glauben Sie im Ernst, dass diese Unternehmen in die weitere technische Optimierung ihrer eigenen, ungefährlichen Abfallentsorgung investieren << Natürlich - wenn sie dazu gezwungen werden. Dazu braucht es die Politik, und die fasst das Thema nicht mehr an, weil - siehe oben - eine rationale Diskussion darüber in Deutschland nicht möglich ist. << Das stinkt doch alles zum Himmel – und da wundern Sie sich, dass es keine “breite Akzeptanz” der Kernenergie gibt ? << Und Sie wundern sich, dass Lösungsansätze auf der Stelle treten und nicht mal andiskutiert werden, bei so einer öffentlichen Furor schon gegen jedweden Diskussionsansatz? Und bitte differenzieren: Ich habe nichts von einer "breiten Akzeptanz der Kernenergie" geschrieben, sondern von einer zunächst notwendigen "breiten Akzeptanz" für eine bestimmte Lösung des Endlager-Problems.

  69. 69 Bernd Harder 24. Februar 2015 um 14:45

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