Levitation, indische Seiltricks und die Wirkung von Illusionen auf Para-Gläubige

In Indien muss “Levitation” hier und da noch als Beweis für echte paranormale Fähigkeiten herhalten – der Skeptiker und “Anti-Guru” Premanand zeigte in dieser BBC-Dokumentation, wie’s wirklich geht:

Hier im Westen haben Straßenkünstler diese Illusion für sich entdeckt.

In dem Blog io9 gibt es einen ausführlichen Artikel darüber, der im Wesentlichen auf einen Beitrag der James Randi Educational Foundation zurückgeht.

Auch der Wissenschaftsphilosophie-Blog hat schon mal darüber geschrieben.

Ähnliches gilt übrigens für den weltberühmten “indischen Seiltrick”:

Dieser angebliche Zaubertrick, der Berichten zufolge von Tausenden von Menschen beobachtet wurde, läuft so ab:

Ein indischer Fakir wirft ein Seil gen Himmel, aber das Seil fällt nicht zurück auf den Boden. Stattdessen bleibt es in der Luft stehen und das obere Ende verschwindet in Dunst, trübem Dämmerlicht oder Nebel.

Ein Junge klettert an dem Seil hoch, der Magier folgt ihm mit einem Messer zwischen den Zähnen und wenig später fallen Körperteile des Jungen herunter, in einen Korb, der am Fuß des Seils steht.

Der Fakir gleitet das Seil hinab, wirft ein Tuch über den Korb und lässt den Jungen auf wundersame Weise und völlig wohlauf wieder auferstehen.

Zur Erklärung dieses erstaunlichen Tricks wurden in den vergangenen Jahrzehnten verschiedene – unbefriedigende – Theorien bemüht, wie etwa Massenhypnose oder ein echtes übernatürliches Phänomen oder ein Illusionisten-Meisterstück mit einem unsichtbaren, von oben herabhängenden Seil, in das sich das geworfene Seil einhakt, und mit rasierten Affengliedmaßen statt menschlichen Körperteilen etc.

Unnötig, denn beim Indischen Seiltrick handelt es sich bloß um eine Legende.

Der Psychologe und ehemalige Präsident des Magischen Zirkels von Edinburgh, Peter Lamont, suchte zusammen mit dem Skeptiker Richard Wiseman mehrere Jahre lang nach dem Ursprung und einer Erklärung der Illusion – und fand am Ende nicht mehr als eine amerikanische Zeitung, die ihre Auflagen erhöhen wollte.

Die Chicago Tribune veröffentlichte 1890 den frei erfundenen Bericht eines frei erfundenen Augenzeugen namens Fred. S. Ellmore über das oben beschriebene „Wunder“. Als das Blatt die Fälschung vier Monate später zugab, war es schon zu spät.

Der berühmte „Indische Seiltrick“ ward geboren und kursierte von Zeitung zu Zeitung, wobei die Beschreibungen mit der Zeit immer grausamer und spektakulärer wurden.

Warum sollte uns Skeptiker das interessieren?

Der Psychologe Prof. Andreas Hergovich von der Universität Wien hat in einer Studie die Wirkung von Zaubertricks auf Gläubige und Skeptiker untersucht.

Sein Fazit:

Es scheint tatsächlich so zu sein, dass Personen, die an die Existenz paranormaler Phänomene glauben, simple Zauberkunststücke verstärkt so wahrnehmen, als hätten sie ein übernatürliches, paranormales Phänomen gesehen.

Lassen sich diese Resultate verallgemeinern, wäre zu vermuten, dass nach jeder gelungenen Zaubervorführung die Para-Gläubigkeit derjenigen, die bereits an paranormale Phänomene glauben, ein wenig zunimmt.

Scharlatane wie Hanussen oder Uri Geller hätten auf dieser Basis natürlich leichtes Spiel.”

Zum Weiterlesen:

8 Kommentare zu “Levitation, indische Seiltricks und die Wirkung von Illusionen auf Para-Gläubige”


  1. 1 diabetiker 5. September 2014 um 19:21

    auf ähnliche art entstehen “grundlagen” die selbst noch nach jahrzehnten böse auswirkungen haben.

    beisp. die im spinat ist eisen geschichte, es war ein einfacher kommafehler (der die menge verzehntfach hat) der wurde nach vier woche berichtigt, aber da wurden schon kinder mit dem zeug gestopft, denn ! die mochten gar keinen spinat. dann kam die erfindung komischen typen der das zeug aus dosen schluckt und , dann “groß und stark” wird, ich bin überzeugt daß auch heute noch eltern ihre kinder mit spinat (der sich eigentlich nur durch hohen nitrat/nitritgehalt auszeichmet) quälen.

    beisp. ein nobelpreisträger “meinte” mit hohen dosen vitamin c grippale infekte heilen und verhindern zu können, obwoht vielfach als sinnlos erkannt, gibt es heute noch sogenannte grippemittel mit vitamin c. –die menschheit will betrogen werden?
    mfg.d

  2. 2 Positron 6. September 2014 um 07:22

    @diabetiker:

    Zitat: ” –die menschheit will betrogen werden?”

    Ich habe eher den Eindruck, dass man sich eher drüber aufregen möchte, das man betrogen worden ist, als etwas gegen den Betrug zu tun….

  3. 3 bernd 6. September 2014 um 08:24

    Na ja, ich kenne viele Menschen die in der Regel keine Erkältung haben und wenn doch mal was im Anzug ist sich mit Vitamin C dopen … erfolgreich

    Zum eigentlichen Thema: Wow, das es einfach ein Höhe War. Was einmal in der Welt ist, ist wohl nie gänzlich aausrottbar.

    Egal wie viele Gegendarstellungen es gibt

  4. 4 Abe 6. September 2014 um 13:24

    Jetzt muss man nur noch Kraft Vernunftbegabung erklären, warum die Menscheit betrogen werden will – ohne sich dabei in schale Antropologie zu flüchten.

  5. 5 Ralf 6. September 2014 um 13:56

    @Abe
    Vielleicht weil der “Selbstbetrug” zum Wesen des Menschen gehört…
    Unser “Bewußssein” und unser “Selbstbildnis” sind auf “Selbstbetrug” aufgebaut und das in vielerlei Hinsicht…von “hirnorganischen Faktoren”, bis hin zu einfacher “Psychologie”… ;-)

  6. 6 Pierre Castell 6. September 2014 um 14:54

    “Es scheint tatsächlich so zu sein, dass Personen, die an die Existenz paranormaler Phänomene glauben, simple Zauberkunststücke verstärkt so wahrnehmen, als hätten sie ein übernatürliches, paranormales Phänomen gesehen.”

    Ein ganz entscheidender Punkt ist aus meiner Sicht, welche Persönlichkeit solche Zauberkunststücke vorführt.

    Wenn Uri Geller “simple Tricks” vorführt, dann kann ich der Aussage des Psychologen Prof. Andreas Hergovich zustimmen.

    Wenn aber nur gelegentlich auftretende Hobbyzauberer wie Otto Schmitz oder Lieschen Müller (frei erfundene Namen) simple Tricks vorführen, bin ich mir nicht so sicher, ob sie bei entsprechenden Zuschauern als “echt” aufgenommen werden.

    In diesem Zusammenhang erinnere ich mich an ein Erlebnis, das ich nie vergessen werde:

    1975 sah ich einen der größten Illusionisten seiner Zeit, “Richiardi jr.”!

    Dieser fantastische Showman führte unter anderen “Die schwebende Jungfrau” vor. Auch vor rund 40 Jahren keine einmalige Weltsensation, da dieser Effekt auch zu dieser Zeit schon von anderen Kollegen gezeigt worden ist.

    Wenn man allerdings die anderen Kollegen mit dieser “Levitation” sah, neigte man zu dem Ausspruch “ganz nett, clevere Technik”.

    BEEINDRUCKT haben aber die meisten Kollegen nicht.

    Erlebte man aber Richiardi jr. mit dieser Schwebenummer, so kam man aus dem Staunen nicht mehr heraus. Dieser Mann hatte eine so starke Ausstrahlung, und die Art, WIE er diesen Effekt vorführte, war sehr, sehr beeindruckend (auch für Kollegen, die diesen Trick kannten). Man war einfach fasziniert.

    Da ich diesen weltberühmten Illusionisten mit seiner Show ca. 500 bis 600 Mal erleben durfte, bekam ich die Reaktionen des Publikums hautnah mit.

    Diese (nicht gestellten) Reaktionen des Publikums waren für mich täglich der neue Beweis, dass ich mit Richiardi einen oder wahrscheinlich sogar DEN besten Illusionisten der damaligen Zeit erleben durfte.

    Bis zum heutigen Tag sah ich nie mehr einen Illusionisten, der sich auch nur annähernd mit Richiardi messen kann.

    Seine Art, wie er die Schwebenummer darbot, überzeugte die Zuschauer so sehr, dass sie nicht an einen “Technik-Trick” glaubten, sondern eine wunderschöne mystische Schwebeillusion erlebten.

    Warum ich das alles so ausführlich beschrieben habe?

    Weil ich mehrmals sah, dass viele Zuschauer nach seiner Show am Artisteneingang standen und ihn darum baten, ihre Beschwerden wie z. B. Kopfschmerzen “weg zu hypnotisieren”.

    Diese Zuschauer glaubten in der Tat, dass er seine Assistentin nicht aufgrund eines Tricks hochschweben ließ, sondern mit Hilfe von Hypnose oder übersinnlichen Kräften.

    Es kommt also immer darauf an, von welcher Persönlichkeit man ein Zauberkunststück sieht.

    Was bei einem mittelmäßigen Vorführer langweilig und nur wie ein simpler Trick rüberkommt, kann bei einem Meister der Präsentation wie ein echtes Wunder wirken.

    Und nur bei den guten Vorführern findet die Aussage von Prof. Hergovich aus meiner Sicht wahre Bedeutung.

  7. 7 Ralf 6. September 2014 um 15:18

    Ja, so verhält es ich auch mit dem “Placebo-Effekt”, dem größten “Wunder” der Menschheit….
    die “Autorität” dessen (der das “Wunder” darbietend) ist auschlaggebend…

  8. 8 Pierre Castell 16. September 2014 um 17:40

    @ Ralf
    Toll, wie Sie das in einem Satz ausgedrückt haben.

    Ja, ich weiß, Ralf, bei mir dauert es immer etwas länger, bis ich auf den Punkt komme, leider;-)

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