Traunstein: „Arschtritt“ für die Homöopathie gefordert

Auch das Magazin Cicero nimmt sich die geplante “Hochschule für Homöopathie” in Traunstein vor.

In einer aktuellen “Schelmenkolumne” heißt es unter anderem:

Und spätestens wenn auch in der Mensa homöopathische Dosen verabreicht werden, wünscht sich der Normalempiriker einen zünftigen Aufstand kritischer Nachwuchswissenschaftler, die mit ordentlich Ratio und Weber unterm Arm, ganz nüchtern und unaufgeregt, der Pseudowissenschaft einen kräftigen Arschtritt verpassen. Überdosiert, versteht sich.”

Parallel dazu fasst Peter Biebl in einem Gastbeitrag für den Nutzhirn-Blog die Vorgänge um Traunstein noch einmal zusammen und appelliert an Lokalpolitiker und Bürger, “diese Para-Hochschule” nicht zu unterstützen.

Derweil hat Dr. Norbert Aust von Beweisaufnahme in Sachen Homöopathie einen Offenen Brief an den Berliner Senat publiziert:

Überprüfen Sie die Freigabe des Homöo-Studiengangs!”

Ein Auszug daraus:

Offensichtlich haben die Hochschulgesetze der Länder den Fall nicht vorgesehen, dass ein auf wirtschaftlichen Erfolg orientiertes Unternehmen abstruse unwissenschaftliche Studiengänge anbieten will und dafür eine staatlich Anerkennung anstrebt. Das bedeutet aber nicht, dass das Ausnützen dieser Gesetzeslücke zugelassen werden darf, vielmehr muss es Ansporn sein, eine solche Fehlentwicklung zu erkennen und durch geeignete Maßnahmen gegenzusteuern!

Ich bitte Sie, die Genehmigung des Studienganges der SHB in diesem Sinne einer intensiven Prüfung zu unterziehen, deren Ergebnis aus meiner Sicht nur darauf hinauslaufen kann, dass die Genehmigung zurückgezogen wird.”

Bereits vor vier Tagen hatte Aust die “Fehlentscheidung” des Berliner Senats ausführlich thematisiert.

Zum Weiterlesen:

  • Homöopathie als Studiengang, Cicero am 3. März 2014
  • Homöo-Akademie Traunstein, Nutzhirn am 3. März 2014
  • An den Senat: Überprüfen Sie die Freigabe des Homöo-Studiengangs! Beweisaufnahme in Sachen Homöopathie am 4. März 2014
  • Fehlentscheidung: Berliner Senat genehmigte Homöopathie-Studiengang, Beweisaufnahme in Sachen Homöopathie am 1. März 2014
  • Jetzt online zeichnen: Petition gegen die geplante Homöo-Akademie in Traunstein, GWUP-Blog am 1. März 2014
  • Kein Kommentar: Das Schweigen der Homöopathen zur Homöo-Akademie, GWUP-Blog am 26. Februar 2014
  • Neuer Studiengang für Homöopathie, SWR 2 am 24. Februar 2014
  • Chiemgauer Zuckerkugel: Nur echt mit Zertifikat, GWUP-Blog am 18. Februar 2014
  • GWUP kritisiert die geplante Homöo-Akademie, GWUP-Blog am 22. Januar 2014
  • Neue Infos aus Traunstein zu Lehrkörper und Studium, Beweisaufnahme in Sachen Homöopathie am 10. Februar 2014
  • GWUP: Ortstermin, Nutzhirn am 22. Februar 2014
  • Umstrittenes Homöopathie-Studium, Spiegel-Online am 17. Februar 2014
  • Hogwarts an der Spree: Steinbeis-Hochschule Berlin, Feuerwächter am 15. Dezember 2013

9 Kommentare zu “Traunstein: „Arschtritt“ für die Homöopathie gefordert”


  1. 1 Andreas Gradert 4. März 2014 um 15:12

    Ich habe Peters Artikel aus http://chiemgaugemseneier.wordpress.com/2014/03/03/homoo-akademie-traunstein-medienecho-bayerischer-rundfunk-und-hintergrundinformationen/ auch bei mir veröffentlicht, weil unser Publikum voneinander abweicht – die Ehre gebührt allein ihm :-)

    LG
    Andreas

  2. 2 Norbert Aust 4. März 2014 um 15:55

    Ja, ist ein klasse Artikel geworden. Ich hätte ihn auch bei mir verlinkt, hat jetzt nur nicht so richtig gepasst.

    Norbert

  3. 3 Norbert Aust 4. März 2014 um 16:13

    @ Trixi,

    ich denke, da dürfen wir uns ganz gelassen zurücklehnen. Diese Ausbildung zielt darauf, eine Berufszulassung als Arzt in Deutschland zu erhalten. Dafür fühlt sich der Medizinische Fakultätentag zuständig. Man wird von dort sicher ganz andere Geschütze auffahren, als wir das nur je könnten.

    Es ist allerdings auch zu sehen, dass man da ja nicht irgendwelche Scharlatanerie und Hexerei anbieten will, sondern eine Medizinerausbildung nach österreichischem Vorbild. Ob die generell besser oder schlechter ist als die in Deutschland, kann man sicher nicht so einfach sagen. Mit unserer Homöopathie-Fakultät ist das nur sehr bedingt vergleichbar.

    Die Studiengebühren von in Summe fast € 70.000,- sind ja auch nicht von schlechten Eltern.

  4. 4 Pierre Castell 4. März 2014 um 18:40

    @ Norbert Aust
    “Die Studiengebühren von in Summe fast € 70.000,- sind ja auch nicht von schlechten Eltern.”

    Ich kann Trixis Gedanken durchaus nachvollziehen. Es ist im vorliegenden Fall sicher anders.

    Aber eine hohe Studiengebühr sagt grundsätzlich nicht immer etwas über das Studium aus. Es gibt Zauberkurse (Zauberei im Sinne von Unterhaltungskunst) für 100.- Euro und Kurse für 10.000 Euro. Auch nach dem “10.000.- Euro-Studium” ist man nicht zum professionellen Bühnenkünstler geworden (auch wenn die Anbieter solcher “Studienkurse” das gerne versprechen).

    Solche (staatlich nicht kontrollierten) Schulen kann wirklich jeder eröffnen und irgendeinen Unfug anbieten.

  5. 5 Norbert Aust 4. März 2014 um 20:40

    Nein, Nein, Pierre, so war das nicht gemeint.

    Den hohen Preis wollte ich nicht als ein Merkmal für Qualität anführen sondern als etwas, was dem wirtschaftlichen Erfolg vielleicht im Wege steht. Etwas, das die Leute möglicherweise davon abhält diesen Schritt zu gehen.

    >> Schulen kann wirklich jeder eröffnen

    Warum haben WIR eigentlich nicht so eine Geschäftsidee, das als ein Studium anzubieten?

  6. 6 skeptikus 4. März 2014 um 21:29

    Die Statistik zur Petition gegen die Zauberuni in Traunstein ist spannend, schaut mal https://www.openpetition.de/petition/statistik/gegen-die-akkreditierung-des-bsc-msc-homoeopathie-studiengangs-der-homoeo-akademie-traunstein

    und schaut mal hier http://www.sti-akademie.de

    Akademie für komplementäre Medizin und Medizinpädagogik der Steinbeis-Hochschule Berlin!

    Es gibt längst den Bachelor in Homöopathie,unglaublich. Walach mischt auch mit. Bringt die Pseudowissenschaft an die Hochschulen, irgendwann gibt es mal einen Bachelor hier und ein Master dort in Homöopathie. Die Steinbeis-Hochschule Berlin scheint sich als also längst über Traunstein hinaus für den Ausverkauf der Wissenschaft (ihrer Methoden) einzusetzen. Nur Ideologen wie Walach sehen das positiv. Ja wir benötigen mehr Zuwendung im Gesundheitssystem, mehr Vertrauen auf die Selbstheilungskräfte usw. aber wir benötigen keine Irrlehre aus dem 18./19. Jahrhundert.

  7. 7 Pierre Castell 5. März 2014 um 11:47

    @ Norbert Aust
    “Warum haben WIR eigentlich nicht so eine Geschäftsidee, das als ein Studium anzubieten?”

    Was konkret meinen Sie?

  8. 8 Norbert Aust 6. März 2014 um 18:48

    @skeptikus,

    das ist wohl schon vor einiger Zeit ganz leise und heimlich entstanden. Dieser Studiengang hat aber – wie einige andere auch, die die Steinbeis-Hochschule anbietet, keine Akkreditierung. Der BSc ist nach meinem dafürhalten illegal.

    Vom Ausgang bezüglich Traunstein wird abhängen, ob und wie man hier vorgehen kann.

    @ Pierre

    ich meine irgendetwas, wie man mit wenig Arbeit, Risiko und Ärger an das Geld anderer Leute kommt. Mir fällt sowas nie ein.

  9. 9 Pierre Castell 9. März 2014 um 11:22

    @ Norbert Aust
    Da gibt es sicher so einiges.
    Aber wie sagt man so schön:
    “Schuster, bleib bei deinen Leisten!”
    Und wir wollen ja anständig bleiben, gelle?

    Herr Aust, wünsche Ihnen einen sonnenreichen Sonntag.

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