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„Red Lights“: Spärliche Erleuchtung für Para-Gläubige

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It’s a funny thing that one of the most influential figures in skepticism has never had his life properly documented in a film. That is about to change.“

So beginnt ein Interview im Skeptical Inquirer mit den Machern der James-Randi-Dokumentation „An Honest Liar“, Justin Weinstein und Tyler Measom.

Stimmt, denn filmreif ist das Leben des legendären Entzauberers allemal.

In Spielfilmen dagegen tauchen „Skeptiker“ in aller Regel bloß auf, um ein übernatürliches Geschehen am Ende fassungslos zu beglaubigen.

So geriet zum Beispiel auch „The Reaping“ zu einem „konfusen Horrorfilm nach gängigen Vorbildern“ (film-dienst), obwohl der CSI-Falluntersucher Dr. Joe Nickell als Berater hinzugezogen worden war:

Seit Donnerstag läuft nun „Red Lights“ in den deutschen Kinos:

In dem Mystery-Thriller mit Promi-Besetzung spielt Sigourney Weaver die Psychologin und Universitäts-Dozentin Dr. Margaret Matheson, die die simplen Tricks jugendlicher „Poltergeister“ ebenso schnell durchschaut wie die High-Tech-Betrügereien von „Wunderheilern“ und „Hellsehern“.

Zwischendurch erteilt Matheson den naiv-gläubigen Parapsychologen ihrer Lehranstalt ein paar Lektionen in Sachen Selbsttäuschung und Doppelblindexperimente.

Ihr zur Seite steht Cillian Murphy (die „Scarecrow“ in den „Dark Knight“-Filmen) als hochbegabter Nachwuchs-Physiker Tom Buckley.

Beide betrachten die Eso-Szene mit ihren uneinlösbaren Heilsversprechungen als eine Art von „organisiertem Verbrechen“ und reisen daher durch ganz Nordamerika, um Scharlatane auffliegen zu lassen.

Unverkennbar haben in dem Duo Matheson/Buckley bekannte Skeptiker wie Susan Blackmore, James Randi, Massimo Polidoro oder Chris French filmische Gestalt angenommen.

Und tatsächlich ließ The Guardian den renommierten Psychologen French ausführlich zu der Frage Stellung nehmen:

How true to life are the psychics and psychologists in Red Lights?“

In dem Artikel schreibt French unter anderem:

Did I enjoy the film? Any film that mentions Occam’s razor can’t be all bad!“

Das ist zunächst einmal richtig.

Weaver alias Matheson erklärt „Ockhams Rasiermesser“ einem Polizisten kurz vor der Festnahme eines betrügerischen „Heilers“ recht anschaulich:

Wenn ich ein Wiehern höre, denke ich nicht zuerst an ein Einhorn – sondern an ein Pferd.“

Und so gibt es in „Red Lights“ zahlreiche Anspielungen auf reale Geschäftemacher wie etwa Ted Serios, Peter Popoff, Eusapia Palladino, Uri Geller und deren Entlarvung.

Bis dahin fühlt sich man sich als GWUP-Mitglied ganz wohl im Kinosaal.

Aber natürlich fließt alsbald auch die Riege der Esoterik-Superstars und deren betörende Faszination in einer Kunstfigur zusammen: Der einst gefeierte blinde Hellseher und Massenverführer Simon Silver (Robert De Niro) kündigt ein großes Comeback an – und will sich sogar wissenschaftlichen Tests unterziehen.

Als Margaret Matheson überraschend die Konfrontation mit Silver scheut, avanciert ihr Assistent Tom Buckley zum Protagonisten ….

… dessen Skeptizismus ans Fanatische grenzt – weshalb man sich bald fragt, worin denn seine eigene Beziehung zum Übersinnlichen bestehen mag“,

schreibt fr-online.

Und genau hier – man ahnt es schon – liegt die Crux von „Red Lights“.

Ja, Simon Silver wird in letzter Minute als Schwindler entlarvt (allerdings nicht von den übereifrigen Parapsychologen eines „Scientific Paranormal Research Centers”, sondern von einem jungen Computer-Nerd und einer Psychologiestudentin).

Aber auch der streng rationale Physiker Buckley ist nicht der, der er zu sein glaubt.

Dies offenbart sich in einem „übergeschnappten Nonsens-Finale“ (Der Spiegel), das an die Stephen-King-Verfilmung „Carrie“ erinnert.

So gesehen, ist „die bloße Erfindung des Übernatürlichen“ (Süddeutsche) vordergründig zwar vielleicht das Hauptthema von „Red Lights“. Aber letztendlich ist das Ende des Films nicht einmal offen, sondern eindeutig Pro-Paranormal.

Red Lights: The sceptics are heroes in paranormal movie thriller!“

ist zwar eine nette Schlagzeile.

Das gibt es aber, in Ansätzen, weiterhin wohl nur bei youtube:

Zum Weiterlesen:

  • „Red Lights“ bei kino-zeit
  • Die wahren X-Akten des CSI-Falluntersuchers Joe Nickell in einer Vice-Video-Doku, GWUP-Blog am 5. Dezember 2015

4 Kommentare

  1. ja, ich kann leider nur zustimmen, aber andererseits, wer skeptiker wie mich näher kennenlernt, wird auch ganz schnell davon abstand nehmen, solche leute als protagonisten von blockbustern vorzusehen…..

  2. Ich habe mir gerade den Film im Kino angeschaut, gute Unterhaltung bietet er auf jeden Fall. Auch das (weder logische noch skeptische) Ende ist mir nicht wirklich sauer aufgestoßen. Vielleicht liegt das aber daran, dass ich schon vor Jahren bei Mulder & Scully gelernt habe, mich mit einer Sendung zu arragieren, die immer wieder offen Partei für das Paranormale ergriffen hat. Akte X habe ich immer gerne gesehen, weil es einfach gut gemacht und spannend war und starke Charaktere hatte.

    Das trifft auch auf Red Lights zu, und es ist eine besondere Freude, einige der vielen Anspielungen auf bekannte Charaktere zu entdecken. Der etwas vertrottelte und leichtgläubige Professor hat es mir dabei besonders angetan – und ja, Fox Mulder war auch dabei!

    Trotzdem bleibt der Eindruck, dass man den Spannungsbogen auch hätte anders auflösen können. Zumindest wenn man auf dem Weg zum Finale nicht ganz so dick aufgetragen hätte. Am Ende haben die Macher es sich leicht gemacht und eine Auflösung gewählt, der ohne weiteres Nachdenken einfach alles erklärt. Die Möglichkeit einer glaubwürdigen und rein naturalistischen Auflösung haben sie sich vorher versperrt.

    Ganz interesseant wäre es zu erfahren, ob der Regisseur bewusst eine Lanze für das Übersinnliche brechen wollte, oder ob er schlicht eine für das Genre angemessene, überraschende und spektakuläre Story-Wendung haben wollte.

  3. Kann mir mal einer das Ende erklären bitte? Ich kapier das überhaupt nicht! Was meint er mit ich bin es gewesen etc?

  4. @Marv: Die ganzen unheimlichen/paranormalen Vorfälle wurden von dem Assistenten Tom Buckley selbst unbewusst verursacht, so ähnlich wie in „Carry“.

    Der „Gag“ des Films war also: Er glaubt(e) nicht an das Paranormale, hat aber selbst paranormale Fähigkeiten, die sich die ganze Zeit über unbewusst bemerkbar gemacht haben, zum Beispiel in der Nacht mit seiner Freundin in seiner Wohnung oder am Ende die Zerstörungen beim Auftritt des Hellsehers.

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