Skepkon 2013: Die Akupunktur kritisch betrachtet

Zugegeben, die Skepkon 2013 war mit 120 € Konferenzgebühr kein Schnäppchen.

Hat sich aber gelohnt – und das gleich in mehrfacher Hinsicht.

Falls der eine oder andere Teilnehmer sich mit dem Gedanken getragen haben sollte, Akupunkteur zu werden und dafür das B-Zertifikat (350 Stunden Vollausbildung für einige Tausend Euro) zu erwerben, ist er/sie mit einer interessanten Abkürzung vertraut gemacht worden.

Fünf Tipps für eine effektive Akupunktur”

gab Dr. Benedikt Matenaer exklusiv bei seinem Referat “Vorsicht, Bestechung!”

Und er muss es eigentlich wissen, denn Matenaer ist Anästhesist, Palliativmediziner und Schmerztherapeut mit eigener Praxis – und besitzt das B-Diplom für Akupunktur, verliehen von der Ärztekammer Westfalen-Lippe.

SkepKon2013 (125 von 157)-XL

Wie wird man nun zum nachgerade begnadeten Nadler?

  1. Als Klienten sollte man Frauen (nicht alleinstehend) bevorzugen, die bereits gute Erfahrungen mit “Alternativmedizin” gemacht haben. Vor der Behandlung sollte man mindestens 30 Minuten lang mit ihr sprechen.
  2. In diesen 30 Minuten sollte man nach ungewöhnlichen Details ihrer Beschwerden/Befindlichkeiten fragen, für die sich bislang kein Arzt interessiert hat.
  3. Von eher unattraktiven Akupunkturpunkten – etwa “Ex-KH 10″ (Zunge) oder “Ren 1″ (Damm) – sollte man Abstand nehmen und insgesamt nicht mehr als 10 bis 15 Nadeln setzen.
  4. Das Behandlungszimmer sollte warm, heimelig und harmonisch eingerichtet sein (Duftkerzen etc.) und bei der exakten Lokalisation der Punkte sollte der Akupunkteur sich Zeit lassen.
  5. Nach 20 Minuten sollte man die Nadeln ziehen und der Patientin eine Mobilnummer geben, “für den Fall, dass unerwünschte Wirkungen auftreten sollten”.

That’s all.

Und der ganze Rest?

Spezifische Akupunkturpunkte? Meridiane? Chi?

Alles Pseudo, erklärte Matenaer, der einige Zeit nach seiner Zusatzausbildung das völlig unplausible System der Nadelstichelei zu hinterfragen begann.

Es sei extrem unwahrscheinlich, dass die “eindeutig feststellbaren positiven Effekte” der Akupunktur durch diesen mystischen Überbau zustande kommen.

 Hauptsache, es sticht”,

schreibt auch die Süddeutsche Zeitung.

Wohin, ist egal.

Das Einstechen von Nadeln kann Schmerzen lindern, weil der Körper unspezifisch darauf reagiert”,

sagte Matenaer und veranschaulichte das körpereigene schmerzhemmende System.

Bei der Akupunktur spielten Placebo-Effekte durch Zuwendung und/oder Suggestion ebenso eine Rolle wie die lokale Durchblutungssteigerung sowie die Ausschüttung verschiedener Endorphine und Neurotransmitter wie Serotonin und Noradrenalin.

Erklärungsversuche mit einer geheimnisvollen “Lebensenergie” namens Chi und Meridianen als Energiebahnen seien dagegen rein spekulativ – was Anbieter indes nicht davon abhalte, immer neue und absurdere Varianten der Nadelung zu erfinden, beispielsweise die Augenakupunktur nach Boel, die Schädelakupunktur nach Yamamoto, die Augmentierte Akupunktur nach Covic oder die Implantatakupunktur.

Sogar vor Heilungsversprechen bei Krebs schrecken manche Akupunkteure nicht zurück.

Ekelhaft”,

nennt Matenaer das.

Und wenn’s nix hilft, ist natürlich keineswegs die Methode zu verwerfen.

Sondern der Behandler war schlecht. Oder das “Setting” hat nicht gestimmt.

Oder der Patient ist mindestens zu einem Teil selbst schuld (hier trifft sich die Akupunktur mit den “Seelenpfuschern”, über die Heike Dierbach bei der Skepkon referierte).

Sogar die Deutsche Ärztegesellschaft für Akupunktur (DÄGfA) stellt auf ihrer Webseite “mögliche patientenbezogene Gründe” für ein Therapieversagen anheim, wie zum Beispiel:

Waren zusätzliche Belastungen, z.B. aus den Lebensumständen, vorhanden, die möglicherweise nicht genügend berücksichtigt wurden? Hätten Sie hier Unterstützung oder Beratung benötigt?

Haben Sie mit Ihrem Akupunkturarzt geklärt, ob eine Änderung von Lebens- und Ernährungsgewohnheiten zusätzlich zur Akupunkturbehandlung den Therapieerfolg unterstützen kann?

Haben Sie sich insgesamt wohl gefühlt bei der Behandlung?”

Eine kassenfinanzierte ärztliche Leistung ist Akupunktur in Deutschland nur im Rahmen einer rein symptomatischen Schmerzbehandlung bei

  • chronischen Schmerzen in der Lendenwirbelsäule und
  • chronischen Schmerzen in den Knien (Gonarthrose).

Für alle anderen von Akupunkteuren genannten Indikationen – wie Kreuzschmerz, Kopfschmerz, Schmerzen nach Operationen etc. – gibt es keine Empfehlung.

Auch die vielzitierten GERAC-Studien erbrachten keinen Wirksamkeitsnachweis der Akupunktur über Placebo/Scheinakupunktur.

Nichtsdestotrotz steht die Lobby-Arbeit der Akupunkteure den Homöopathen kaum nach, berichtete Matenaer:

Die Akupunktur ist als offizielle Zusatzweiterbildung in die Weiterbildungsordnungen aller Landesärztekammern aufgenommen worden, daher wird nach einer Prüfung die ärztliche Zusatzbezeichnung Akupunktur vergeben, die darf auch aufs Praxisschild.”

Workshops für Medizinstudenten und bei Medizinerkongressen täten ihr Übriges zur Popularisierung der Methode.

Für Matenaer, der in Bocholt eine Praxis mit dem Schwerpunkt Tumorschmerztherapie und ambulanter Palliativversorgung betreibt, ist die Verankerung der Akupunktur im Gesundheitswesen nicht nachvollziehbar:

Die gesetzliche Krankenversicherung übernimmt keine Kosten – zirka 180 Euro – für einen Therapieversuch mit Cannabis bei einem Tumor-/Palliativpatienten, würde aber bei demselben Patienten 361 Euro für Akupunktur erstatten, wenn dieser auch noch Rückenschmerzen hätte.”

Für den Bereich der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe schätzt der Anästhesist, Palliativmediziner und Schmerztherapeut die jährlichen Kosten für Akupunktur auf zirka 45 Millionen Euro – während für die Palliativmedizin rund 16 Millionen Euro im Jahr zur Verfügung stünden.

Ein mehr als krasses Missverhältnis zugunsten eines Verfahrens, dessen wissenschaftlichen und intellektuellen Grundlagen “erbärmlich doof” seien.

Zum Weiterlesen:

  • WSC-Video: Dr. Benedikt Matenaer über Akupunktur, GWUP-Blog am 4. September 2012
  • Are acupuncturists frauds? edzardernst.com am 13. August 2013
  • No sound evidence-base for acupuncture as a treatment of fibromyalgia, edzardernst.com am 23. August 2013
  • Acupuncture: if it looks like a placebo, feels like a placebo, behaves like a placebo, perhaps it is a placebo?? Edzard-Ernst-Blog am 22. Mai 2013
  • Akupunktur für alle? Deutsches Ärzteblatt 2006; 103(4): A-185 / B-158 / C-157
  • GWUP-Infos: Die GERAC-Akupunkturstudien
  • Akupunktur bei Psiram
  • Akupunkur in der SZ: Real sind nur die Risiken, GWUP-Blog am 8. September 2012
  • Mythen der Traditionellen Chinesischen Medizin, GWUP-Blog am 20. Juni 2012
  • Das Oktoberfest ist lustig – die Akupunktur auch, GWUP-Blog am 25. November 2012
  • Sticheleien gegen den “Vater der Akupunktur”, GWUP-Blog am 30. Juli 2010
  • Skepkon 2013: Fakt und Fiktion in der Sexualität, GWUP-Blog am 20. Mai 2013
  • Skepkon: Nazis über uns? Der Mythos Neuschwabenland, GWUP-Blog am 19. Mai 2013
  • Skepkon: Parawissenschaften als gesellschaftlich akzeptierte Parallelwissenschaften, GWUP-Blog am 19. Mai 2013
  • Skepkon: Globuli und Pharmazie – eine Liebesgeschichte? GWUP-Blog am 19. Mai 2013
  • Die Homöopathie-Lüge oder Wie wirksam ist ein Buch? GWUP-Blog am 18. Mai 2013
  • GWUP-Konferenz-Rückblick: Vorsicht Seelenpfuscher! GWUP-Blog am 18. Mai 2013
  • GWUP-Konferenz-Rückblick: Pseudomedizin bei Autismus, GWUP-Blog am 18. Mai 2013
  • GWUP-Konferenz-Rückblick: Der Publikumstag 2013, GWUP-Blog am 13. Mai 2013
  • Wir Mediziner – weshalb viele von uns lieber nichts von Skeptikern wissen wollen, skeptiker.ch am 3. April 2013
  • Acupuncture Is Theatrical Placebo, Anesthesia & Analgesia (Juni 2013)
  • Are All Placebo Effects Equal? Placebo Pills, Sham Acupuncture, Cue Conditioning and Their Association, PLOS am 31. Juli 2013

17 Kommentare zu “Skepkon 2013: Die Akupunktur kritisch betrachtet”


  1. 1 Pierre Castell 21. Mai 2013 um 18:34

    “Zugegeben, die Skepkon 2013 war mit 120 € Konferenzgebühr kein Schnäppchen.”

    Ach, wirklich nicht?
    Nun, wenn ich überlege, was heutzutage ein 3-Gänge-Menü mit gutem Wein in einem angesagten Restaurant kostet, empfinde ich das Preis-/Leistungsverhältnis von 120.- im Vergleich durchaus als Schnäppchen.

    Ein gutes Restaurant kann man täglich und überall finden. Aber Veranstaltungen dieses Kalibers findet man doch eher selten, oder?

    Wie bitte? Ich vergleiche Äpfel mit Birnen?

    Dann ein anderes Beispiel: Wenn ich die Konferenzgebühr mit den Gebühren für “Zauber-Kongresse” vergleiche, ist sie sogar lächerlich gering.

  2. 2 Hanno 21. Mai 2013 um 20:13

    Ich hatte mich schon in der Diskussionsrunde gemeldet. Ich fand es etwas irritierend, dass der Referent mehrfach den Eindruck erweckt hat, Akkupunktur sei zwar von mystischem Hokuspokus umgeben, sei aber in vielen Fällen unzweifelhaft Wirksam (“eindeutig feststellbaren positiven Effekte”).

    Vielleicht müsste man den Referenten nochmal fragen was er damit genau meinte (Placeboeffekte sind ja auch “eindeutig feststellbar”).

    Jedenfalls: Ich bin selbst kein Fachmann, aber bspw. Edzard Ernst ist inzwischen ziemlich skeptisch ob Akupunktur irgendeinen Effekt jenseits von Placebo hat. Siehe etwa hier:
    http://edzardernst.com/2012/10/acupuncture-for-chronic-pain-almost-certainly-not/
    http://edzardernst.com/2013/02/acupuncture-placebo/

    Auch David Gorski (von sciencebasedmedicine.org) schätzt es ähnlich ein:
    http://scienceblogs.com/insolence/2012/09/12/can-we-finally-just-say-that-acupuncture-is-nothing-more-than-an-elaborate-placebo-can-we-2012-edition/

    Das Problem bei Akupunktur ist ja, dass es relativ schwierig ist aussagekräftige Studien zu machen. Aus einem naheliegenden Grund: Eine Placebo-Kontrolle ist nicht ganz trivial – denn wenn man Nadeln in den Körper sticht merkt man das. Deswegen gibt es zwar sehr viele Studien zum Thema, aber wenige bei denen man davon ausgehen kann, dass sie einen Placeboeffekt plausibel ausschließen.

    Von Edzard Ernst stammt die Idee, auf Teleskopnadeln als Placebo zu setzen, die nicht wirklich in die Haut eindringen, sondern sich zusammenschieben. Aber auch das ist natürlich nicht problemfrei, denn der behandelnde Arzt weiß vermutlich immer noch, ob gerade “echte” Behandlung oder Placebo dran ist (der Versuch wär also “verblindet”, aber nicht “doppelverblindet”).

  3. 3 Ponder 21. Mai 2013 um 21:43

    Zu Akupunktur bei Kreuzschmerz siehe Versorgungsleitlinie Kreuzschmerz S. 66:

    http://www.versorgungsleitlinien.de/themen/kreuzschmerz/pdf/nvl_kreuzschmerz_lang.pdf

    …H 5.1.1 Akupunktur bei akuten nichtspezifischem Kreuzschmerz Zusammenfassung der Evidenz

    In einem Cochrane-Review waren drei Studien, die Akupunktur als Behandlung akuten Kreuzschmerzes untersuchten, eingeschlossen. Die schlechte methodische Qualität der Studien sowie die kleinen Stichproben erlauben keine Schlus sfolgerung über die Wirksamkeit von Akupunktur bei dieser Patientengruppe. Es gibt keine Studien, die Akupunktur im Vergleich mit keiner Behandlung untersucht haben [135; 136]. Insgesamt schätzen auch Akupunkturfachleute die Evidenzlage für den Nachweis der Wirksamkeit von Akupunktur bei akutem Kreuzschmerz als unzureichend ein [137].

    Empfehlungen/Statements Empfehlungsgrad 5-1

    Akupunktur soll zur Behandlung des akuten nichtspezifischen Kreuzschmerzes nicht angewendet werden.

    Kommentar:
    Ziel des Managements des akuten nichtspezifischen Kreuzschmerzes ist es, eine Medikalisierung zu vermeiden und sich auf die Kernempfehlungen (Beratung, Schmerzmittel, Bewegung) zu konzentrieren. Akupunktur ist keine aktivierende Maßnahme. Die übliche
    Akupunkturbehandlung besteht aus mehreren Sitzungen (meist sechs bis zehn). Das ist bei einer akuten Erkrankung mit rascher Besserungstendenz ein Hindernis bzw. oft nicht praktikabel. Im Sinne
    eines zweckmäßigen Umgangs mit begrenzt zur Verfügung stehenden Ressourcen ist Akupunktur bei einem meist selbstlimitierenden Krankheitsbild nicht sinnvoll. Die Ressourcen werden besser für
    chronische Schmerzpatienten eingesetzt.

    Akupunktur kann bei chronischem nichtspezifischem Kreuzschmerz nur sehr eingeschränkt angewendet werden.

    Kommentar:
    Diese Form der Therapie ist für die Betroffenen aufwändig und eine Überleitung in selbständig durchgeführte Aktivitäten ist nicht möglich. Sie sind abhängig von Therapeutinnen/Therapeuten, wobei es nicht nur verschiedene Schulen der Akupunktur, sondern auch noch weit auseinander fallende qualititativ e Standards der Ausübung dieser Intervention gibt.
    Darüber hinaus ist zum heutigen Zeitpunkt unklar, über welche Wirkmechanismen der Therapieeffekt der Akupunktur vermittelt wird: Ort der Nadelung oder eher andere Faktoren wie die Reizparameter
    der Nadelung oder die Arzt -Patienten-Interaktion.

  4. 4 p0etwarri0r 21. Mai 2013 um 22:07

    @Pierre: Sie waren also auf der SkepKon, sozusagen als lokal ansässiger Augenzeuge für deren Qualität im Preis-Leistungs-Verhältnis?

  5. 5 Volker Dittmar 22. Mai 2013 um 08:27

    Ich denke, dass Akupunktur in erster Linie auf dem Placebo-Effekt beruht und letztlich nichts weiter als eine Form der Hypnose ist. Ich bin, übrigens, Diplom-Psychologe und ausgebildeter Hypnosetherapeut. Akupunktur hat überall da einen begrenzten Effekt, wo Hypnose ebenfalls wirksam ist. Beispielsweise bei chronischen Schmerzen: Man kann durch Hypnose diese beseitigen, ebenso wie durch Akupunktur. Beides beruht auf Suggestion.

    Wir haben – bedingt durch religiöse Vorstellungen – gelernt, dass es eine Trennung gibt zwischen “Geist” und “Körper”. Diese Vorstellung spiegelt sich sogar in unseren Institutionen wieder: Ärzte für den Körper, Psychologen für den Geist. Die moderne Neurologie zeigt, dass diese künstliche Trennung nicht haltbar ist. Viele Körperfunktionen werden vom Gehirn gesteuert, und natürlich gibt es auch einen umgekehrten Effekt, dass körperliche Vorgänge Auswirkungen auf unser Denken haben. Da unser Gehirn hochvernetzt ist, wäre es ein Wunder, wenn man durch Änderungen des Denkens nicht auch körperliche Wirkungen erzielen könnte.

    Dass Akupunktur auf Suggestion beruht, könnte man relativ leicht zeigen: Man bilde zwei Gruppen von Akupunkteuren aus, denen man völlig gegensätzliche Dinge erzählt. Beide Gruppen dürften in etwa dieselbe Wirkung erzielen. Tatsächlich gibt es verschiedene Schulen, in denen unterschiedliche Dinge erzählt werden, ohne dass dies irgendwelche Unterschiede macht. Es kommt also nicht darauf an, dass ein Akupunkteur eine Nadel an die richtige Stelle piekst, sondern darauf, dass er davon überzeugt ist, es an der richtigen Stelle zu tun. Diese Überzeugung überträgt sich auf den Patienten. Und das, wiederum, ruft den Placebo-Effekt hervor.

    Hypnose ist im Grunde genommen die Kunst, den Placebo-Effekt gezielt zu nutzen. Ich bezweifle, dass da sehr viel mehr dahintersteckt. Das ist OK, solange man sich seiner Grenzen bewusst ist, und nicht etwa behauptet, man könne Krebs heilen. Dann wird es gefährlich, weil die Hoffnung die Leute dazu verleiten kann, auf Schulmedizin zu verzichten – dann kostet die “alternative Medizin” effektiv Menschenleben. Verantwortlich hieße, dass man allenfalls die Leute begleitet, die von der Schulmedizin behandelt werden und damit Defizite der Schulmediziner ausgleicht, die oft nicht wissen, dass sie auch mit Suggestionen arbeiten, oder die nicht genug Zeit haben, sich auch um seelische Belange zu kümmern.

    Ich würde z. B. nie eine Schmerzbehandlung durchführen, ohne dass ein Arzt sein OK dazu gegeben hat. Weil das unverantwortlich wäre, Schmerz ist ein Warnsignal, es abzuschalten kann große Gefahren mit sich bringen. Es kann aber auch eine Therapie wirksam unterstützen.

    Ich wäre aber auch vorsichtig damit, etwas “nur als Placebo-Effekt” abzutun. Denn die Wirksamkeit des Placebo-Effekts ist in fast jeder medizinischen Studie wieder und wieder bewiesen worden. Man kann also auch diesen Effekt nutzen, man sollte ihn nicht vermeiden, sondern fördern. Die Forschung dazu hat gerade erst begonnen! Die Frage ist, was fördert den Placebo-Effekt (oder das Gegenteil, den Nocebo-Effekt), und wie kann man das mit der Medizin kombinieren?

    Die alternative Medizin lebt vom Placebo-Effekt. Sie lebt nicht schlecht davon. Es spricht nichts dagegen, auch den Schulmedizinern beizubringen, wie man das zusätzlich ausnutzt. Damit würde man der alternativen Medizin das Wasser abgraben. Sie verkauft Hoffnung, warum sollten die Schulmedizin das nicht auch tun – zusätzlich?

    Ich weiß, hierzulande gilt Hypnose ebenfalls bei vielen als “Esoterik”. Aber die Wirksamkeit in bestimmten Fällen wurde wissenschaftlich bewiesen, beispielsweise bei Schmerzbehandlung, obwohl hier Doppelblindstudien problematisch sind. Natürlich, auch hier wird viel Schindluder getrieben, wie z. B. Reinkarnation und ähnlicher Schwachsinn. Auch hier gilt nicht so sehr “wer heilt, hat recht”, sondern “wer wissenschaftlich beweisen kann, dass ein Heilverfahren wirkt, der hat recht”.

  6. 6 Pierre Castell 22. Mai 2013 um 11:59

    @ p0etwarri0r
    “Sie waren also auf der SkepKon, sozusagen als lokal ansässiger Augenzeuge für deren Qualität im Preis-Leistungs-Verhältnis?”

    Haben Sie mich nicht gesehen?

  7. 7 Rita Klowersa 22. Mai 2013 um 15:35

    Zur Placeboakupunktur hat Prof. G. Litscher von der Uni Graz wissenschaftliche Untersuchungen durchgeführt, die 1. belegen, dass die Akupunktur – und auch die Laserakupunktur z. B. die Gefäße im zu behandelnden Gebiet beeinflusst, so dass sich der Druck und die Zirkulation im behandeltet Areal ändern und 2. nachgwiesen, dass es eben nicht egal ist, ob man die Punkte trifft oder nicht, sondern nur bei korrekter Punktbehandlung dieser Effekt eintritt.
    Seine Publikationen etc. unter http://forschung.medunigraz.at/fodok/suchen.person_uebersicht?sprache_in=de&menue_id_in=101&id_in=90698420

    Die kritischen Einwände und der Hang den Bezug der Akupunktur zu Mystik und Placebo publikumswirksam darzustellen, resultieren meist aus der Unkenntnis neuerer Forschungen wie die genannten.
    Ich hoffe zur Aufhellung beigetragen zu haben.

  8. 8 Thorsten 23. Mai 2013 um 09:23

    Nebenbei bemerkt: Bei einer Studie zur Akupunktur von “kleinen Stichproben” zu reden (siehe Beitrag von Ponder), hat etwas ungewollt Humoristisches… :-)

  9. 9 diabetiker 24. Mai 2013 um 08:53

    gerd litscher, was bitte ist der mensch eigentlich?

    ist er arzt ? anscheinend nicht, denn das fehlt in seiner vita.

    ansonsten hat er einen wust an titeln von dubiosen universitäten und belobigungen von ebensolchen vereinen.
    wo und was hat er denn erforscht ? mit der akupunktur ? was heißt wissenschaftlich bei ihm ?

    daß die sog. akupunkturpunkte reinster märchenglaube ist sollte inzwischen bekannt sein.

  10. 10 Clemens M. 24. Mai 2013 um 11:26

    Volkmar Dittmar schreibt. ” Akupunktur hat überall da einen begrenzten Effekt, wo Hypnose ebenfalls wirksam ist. Beispielsweise bei chronischen Schmerzen: Man kann durch Hypnose diese beseitigen, ebenso wie durch Akupunktur. Beides beruht auf Suggestion.”

    Das könnte man vergleichen einerseits mit der auch suggestiven Wirkung der Darreichungsform vom Medikamenten (Spritze mehr als kleine weiße Pille) und andererseits kann die Placebowirkung ja anscheinend gerade im Bereich Schmerzen besonders hoch sein.

    Und wie man den Kräutertee vielleicht für kleinere Erkrankungen einsetzen kann, KÖNNTE es auch Akupunktur oder in Gottes Namen auch Homöopathie sein, vorausgesetzt, dass eben die Grenzen bekannt sind.

    Der ganze Streit um Homöopathie dreht sich letztlich darum, dass eine ‘Methode’ sich eben übermäßig viel mehr anmaßt, als sie leisten kann und eine Allgemeingültigkeit beansprucht, damit sie die Placebowirkung überhaupt hervorbringen kann.

    Da dreht sich dann doch alles im Kreis würden sich solche Vorgehensweise selber nicht so wichtig nehmen, würden sie auch kaum Placeboeffekte erzielen. Aber durch das Wichtignehmen ‘täuschen’ (bewusst oder unbewusst) sie die Patienten über die reale Wirksamkeit und verführen dazu, nicht nach dem effektivsten Weg zu suchen, sondern sich Unbewiesenem anzuvertrauen.

    Dies bedeutet, dass sich sinnvolle Placeboeffekte entweder nur an nachweislich wirksame Verfahren ankoppeln lassen (die große bunte Pille) oder in begrenzenden Bereichen wie der Schmerzbehandlung, die nachweislich besonders suggestiv beeinflussbar sind. Das aber immer nur aufgrund ein sicheren Forschungslage.

  11. 11 Pierre Castell 24. Mai 2013 um 11:57

    Ich habe die Akupunktur nicht nur kritisch betrachtet, sondern auch kritisch über mich ergehen lassen.

    Vor vielen Jahren – als die Akupunktur noch nicht von den Kassen übernommen wurde – kam meine Ärztin auf mich zu und empfahl mir, an einer “Test-Studie” für die AOK mitzumachen. Da ich schon alles Erdenkliche gegen meine Rückenschmerzen unternommen hatte, überlegte ich.

    Die Ärztin meinte, die Akupunktur sei DIE Gelegenheit. Sie sagte, “nur wenige auserwählte Ärzt wären bundesweit von der AOK auerwählt, die Teilnahme ihren Patienten kostenlos ohne Zuzahlung anbieten zu können”.

    Als ich sie fragte, wer denn die Nadeln an mir sticht, meinte sie: “Ich selbst. Habe extra dafür an drei Wochenenden an einem Seminar teilnehmen müssen.”

    Ich ahnte Schlimmes!

    Um es abzukürzen:

    Sie machte ihre Arbeit und ich fragte mich, auf welchen dummen Blödsinn ich mich eingelassen hatte. Als die Prozedur dann irgendwann vorbei war, spürte ich … NICHTS. Sie sagte, die Wirkung würde noch kommen…ich müsste mehrere Behandlungen machen.

    Ergebnis: Bei mir hat Akupunktur nichts gebracht – außer Zeitverlust.

    Nun frage ich mich, wieso sie sich so durchgesetzt hat? Auch im entfernteren Bekanntenkreis hörte ich öfter mal “meine Rückenschmerzen sind weg”.

    Meine Schmerzen gingen nicht weg und ich glaube nur, was ich sehe, spüre und das, was bewiesen ist. PUNKT.

  12. 12 diabetiker 24. Mai 2013 um 14:40

    dieses ständige rumtrampeln auf dem placeboeffekt ist sowieso langsam lächerlich, jeder der guten glaubens eine 500mg ass runterwürgt hat den placeboeffekt automatisch mit dabei.

    so wie mein sohn damals als er die recht große pembricin forte schlucken sollte –> “mensch ist die riesig , die muß ja helfen”

    und ? ja hat geholfen, hätte auch als minipille geholfen.

    genauso sinnlos ist der vergleich von kräutertee (der ja immerhin kräutertee ist) mit homöopatikum (das 100% “nichts” ist)

  13. 13 Pierre Castell 24. Mai 2013 um 14:58

    @ diabetiker
    “…der ja immerhin kräutertee ist…

    WENN er denn wirklich einer ist (was die Inhaltsstoffe angeht).
    Zu viele Tee´s bestehen nämlich aus künstlichen Geschmacks- und Aromastoffen.

    Selbstverständlich verstehe ich, was Sie aussagen wollten. Und da geb ich Ihnen “natürlich” (ganz ohne Chemie) recht;-)

  14. 14 Clemens M. 24. Mai 2013 um 15:38

    @Diabetiker
    Was haben Sie gegen den Placeboeffekt – ist doch ein interessantes Phänomen, der allerdings auch die Nebenwirkung hat, Homöpathie und Co eine gewisse Grundlage zu schaffen. Aber gerade deswegen sollte man ihn nicht aus den Augen verlieren.

  15. 15 diabetiker 25. Mai 2013 um 08:42

    ich habe gar nichts gegen den placeboeffekt, nur das problem daß er immer als grundsätzlich einkalkulierter effekt betrachtet wird.

    “aber” was immer dabei vergessen wird “niemand” kann vorhersehen “ob”

    er überhaupt eintritt. denn die schätzungen liegen da sehr weit auseinander. und wenn jemend starke schmerzen hat ist es sehr belastend den erstmal einige stunden mit nutzlosen sachen zu quälen.

    nur um festzustellen obs den geht oder nicht.

  16. 16 trixi 1. April 2014 um 18:05
  1. 1 Serie: Wie esoterisch ist mein Gesundheitsministerium? Teil 15: Niedersachsen | Ruhrbarone Pingback am 17. Juli 2014 um 19:00

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