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Corona: „Die Politik kopflos, die Gefahr überschätzt, vieles eine Lüge“ – war es wirklich so?

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Als wir unseren Blogpost

Proteste: Von der Corona-Krise zum Wut-Winter – Aluhut-Träger und die Mitte der Gesellschaft

vom 4. September in der Facebook-Gruppe Wissenschaft und Pseudogedöns teilten, verbunden mit der Frage nach den Lehren aus der Corona-Krise, kam ebenso prompt wie vorhersehbar die Antwort

Dass viele Teilnehmer der Proteste recht hatten?

Dieses immer häufiger zu lesende und zu hörende Narrativ analysieren Jakob Simmank und Johannes Schneider bei Zeit am Wochenende.

Sie konstatieren:

Diejenigen, die die Maßnahmen explizit verteidigt oder begründet haben, sind oftmals fertig, können nicht mehr. Zwei Jahre mediales Trommelfeuer, Kampagnen-Journalismus, Morddrohungen und Hetze in sozialen Netzwerken haben viele der Stimmen verstummen lassen, die zu Beginn der Pandemie und über weite Teile der vergangenen zwei Jahre präsent, laut, diskursprägend waren.

Stattdessen gewinnen diejenigen an Einfluss, die davon ausgehen, dass das Ereignis „immer schon überschätzt“ worden sei, die Politik erst panisch agiert hätte und dann zu Lasten der Bevölkerung um Gesichtswahrung bemüht gewesen sei.

Wahlweise habe sie die Warnung vor dem Virus mindestens ab einem gewissen Punkt auch dafür eingesetzt, die Menschen „an Gängelung und Bevormundung, an einen autoritäreren Staat zu gewöhnen“.

Kurz gesagt: Wir sind betrogen worden, vielleicht sogar böswillig. Von einem System, das es deshalb grundsätzlich in Zweifel zu ziehen gilt.

Wie haltbar ist diese Lesart der Pandemie?

Zunächst umreißen Simmank/Schneider das Problem:

Sie [Querdenker, Oppositionspolitiker, notorische Gegen-den-Strom-Publizisten, Libertäre amerikanischen Vorbilds und andere „aktive Umdeuter“] kritisieren frühere Regeln nicht nur, die aus heutiger Sicht unsinnig erscheinen, sie behaupten auch, man habe sie wider besseres Wissen oder aus Ignoranz desselben durchgedrückt.

Ihre lose Allianz greift jeden mutmaßlichen Konsens von jeder erdenklichen Seite an: Mal sind Masken ein unverhältnismäßiger Eingriff in die persönliche Freiheit, der nie in einem ordentlichen Verhältnis zum schützenden Effekt stand. Mal sind sie superwirksamer Schutz für Risikogruppen, der alle weiteren Maßnahmen für alle anderen obsolet macht.

Mal sind umfassende Datenerhebungen Teil eines Orwellschen Überwachungsapparats, dann heißt es wieder und in letzter Zeit immer häufiger: Hätten Wissenschaft und Politik die Pandemiebekämpfung nur mit mehr Forschung, Erhebung und Statistik begleitet, wären uns die meisten Einschränkungen erspart geblieben.

Und so weiter, und so fort.

Klar: Immer gibt es ein Land, das es in der Rückschau mutmaßlich besser gemacht hat. Irgendwer war immer schlauer, woraus dann zwangsläufig folgen soll, dass wir alle für dumm verkauft wurden.

Die beiden Zeit-Autoren nehmen die Maßnahmen denn auch keineswegs uneingeschränkt in Schutz, sie halten ausdrücklich fest, dass „die Politik dem Virus zweieinhalb Jahre lang hinterherlief und verdrängte, statt zu lernen. Mal um Mal schlitterte sie ohne Plan in eine neue Welle, kam an den Punkt, an dem etwas getan werden musste, und beschloss dann hastig – immer wieder wenig nachvollziehbare – neue Regeln“.

Die entscheidende Frage sei nur: Mit welcher Intention tat die Politik das?

Simmank und Schneider vertreten die Überzeugung, dass die Entscheidungen „Ausdruck immer wieder auch selbst verschuldeter Hilflosigkeit waren“, die Absicht dahinter aber „wohl meist eine gute“ gewesen sei.

Es gelte nun,

… die gesunde Skepsis vom radikalisierten Skeptizismus [oft auch nur „halbinformiert oder unsäglich eitel“ – siehe #allesdichtmachen] zu unterscheiden, die berechtigte Kritik und den Wunsch nach Aufarbeitung von Fehlern vom Versuch, aus ihnen Kapital zu schlagen.

Umso wichtiger sei es, das Feld der Historisierung der Pandemie nicht zu räumen. Noch seien die Erinnerungen an Corona, wie es bis hierhin wirklich war, frisch genug, um auf sie zurückzugreifen.

Aber wie?

Das könnte in der Tat eine weitere Lernerfahrung aus den vergangenen zwei Jahren sein.

Differenzierung – darum geht es heute auch (durchaus überraschend für Springer-Verhältnisse) in der Titelstory der Welt am Sonntag:

Kein dämliches Verschwörungsgeraune, sondern im Fokus der Geschichte steht die Frage, ob „Regierungen den Pharmaherstellern die Patente für ihre Impfstoffe abnehmen [müssen], damit Firmen in Afrika oder Asien sie schnell nachproduzieren können?“

In der Corona-Krise wurden dazu zwei gegensätzliche Ansätze diskutiert:

Der erste besagt, dass Wissenschaftler einen Impfstoff entwickeln und dafür sorgen, dass möglichst viele Hersteller ihn günstig produzieren können. Dafür macht sich unter anderen die Organisation Ärzte ohne Grenzen stark.

Der zweite Vorschlag ist, dass Pharmafirmen wie bisher die Rechte behalten und Impfstoffe entwickeln. Sie sollen sich verpflichten, sie zu fairen Preisen an Entwicklungsländer abzugeben.

Die Gates Foundation und ihre Partner Cepi und Gavi vertreten den zweiten Ansatz – und unternahmen nach den Welt-Recherchen enorme Lobbyaktivitäten, um diesen durchzusetzen.

Aber warum?

Die Autoren lasssen keinen Zweifel daran, dass die Gates-Stiftung „den Gesundheitszustand von Milliarden Menschen verbessern“ will und Leerstellen von „krankgesparten“ Behörden wie der WHO beziehungsweise „einer versagenden Weltgemeinschaft“ füllt.

Dabei verfolgt Gates den Ansatz des effektiven Altruismus:

Gates war von dem Gedanken getrieben, dass sich Krankheiten am besten ausrotten lassen, wenn eine Allianz aus Staaten, Philanthropen und Forschern sie bekämpft. Und zwar nach den Gesetzen der Marktwirtschaft. Die Welt ein bisschen besser machen und damit Geld verdienen: Es ist einer der zentralen Glaubenssätze des Bill Gates […]

Gates glaubte, so könnte man die Pharmabranche dazu bringen, etwas für das Gemeinwohl zu tun. Die Unternehmen hätten einen finanziellen Anreiz, nach Kräften Impfstoffe und Medikamente herzustellen, und das schnell.

Und mit Patenten könnten sie sich für ihre neu entwickelten Medikamente und Impfstoffe lukrative Gewinne sichern.

Darüber kann man streiten, und Gates‘ Kritiker werden in dem Beitrag auch ausführlich zitiert:

Mal trete sie [die Gates Foundation] auf wie eine gemeinnützige NGO, mal wie eine gefühlskalte Investmentbank … Eine Handvoll Philanthropen entscheide über Wohl und Wehe der Welt.

Twitter-Unsinn wie „Mehr muss man gar wissen. VTs werden wahr.“ trägt dagegen absolut nichts zu einer sinnvollen Debatte bei.

Zum Weiterlesen:

  • Corona-Maßnahmen: War alles anders? Zeit+ am 17. September 2022
  • Proteste: Von der Corona-Krise zum Wut-Winter – Aluhut-Träger und die Mitte der Gesellschaft, GWUP-Blog am 4. September 2022
  • Von der „Corona-Diktatur“ in die „Gas-Diktatur“? GWUP-Blog am 16. September 2022
  • USA: Nein, Robert Kennedy Jr. hat keinen Prozess zu Covid-19-Impfstoffen vor dem Obersten Gerichtshof gewonnen, correctiv am 13. September 2022
  • „Gib Gates keine Chance“: Der Tech-Milliardär als Schnittpunkt für Verschwörungsmythen, GWUP-Blog am 12. Juni 2020
  • Die Machtmaschine des Bill Gates, Welt+ am 17. September 2022

56 Kommentare

  1. Jetzt schwurbelt auch Prof. Dr. Grönemayer drauflos:

    https://twitter.com/DGroenemeyer/status/1570811193916530688

    Niemand hat jemals behauptet, daß man trotz Impfung nicht krank werden kann…

  2. @Bern Harder

    Ja, ich weiß… mit „jetzt“ meinte ich auch, daß er genau jetzt auch in die Kerbe schlägt.

    Natürlich kommentieren dann wieder die üblichen Pappenheimer unter dem Video.

  3. Er berichtet sehr sachlich über seine persönliche Erfahrung, das ist kein Schwurbeln. Zu den statistischen Daten: das Gesundheitsamt Wuppertal erhebt in den Meldebögen der PCR-Tests, die Ärzte durchführen, bis heute den Impfstarus nicht. Ja, es mögen anekdotiache Einzelfälle sein, doch es sind berechtigte Einwände und kein Schwurbeln.
    Professor Grönemeyer ist Arzt und weiß vermutlich mehr darüber als Physiker, Juristen oder Köche.

  4. Professor Lauterbach empfiehlt Paxlivid in Anfangsstadium einer Coronainfektion bei Risikopatienten, Ärzte sollen es nach telefonischer (!) Schilderung der Symptome per Boten an die Patient schicken. Das erscheint in halbbseitigen Anzeigen in kostenlosen Werbeblättchen mit großer Leserschaft. Abgesehen davon, dass kaum eine Arztpraxis über reitende Boten verfügt: Ein Medikament zu verabreichen, ohne den Patienten untersucht, ja auch nur gesehen zu haben, ist mit ärztlicher Ethik nicht z vereinbaren. Bei einem Mittel wie Paxlivid, mit einem Riesenkatalog von Neben- und Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten sowie zahlreichen Kontraindikationen, ist es gerade bei besonders gefährdeten Patienten ein Vabanquespiel, auf das sich kein verantwortlicher Arzt einlassen sollte. Lauterbach verhält sich hier nicht wie ein Gesundheitsminister, sondern wie ein windiger Pharmavertreter oder Quacksalber.

    Seine sonstigen widersprüchlichen Aussagen will ich hier weder recyclen, noch Schwurbeln nennen, ich bemühe mich um Sachlichkeit, auch wenn es mir schwer fällt.

    https://www.bfarm.de › paxlo…PDF
    Paxlovid, INN-PF-07321332 + ritonavir – BfArM

  5. @Thomas Roth:

    Und konkret welchen Stellenwert hat anekdotische Evidenz in der Medizin?

    Ist einem „Professor“/Arzt das nicht bekannt?

  6. Professor Grönemeyer ist Arzt und versteht sicher mehr davon als Physiker, Juristen oder Philosophen. Er berichtet sachlich von seiner persönlichen Erfahrung, das als Schwurbeln zu bezeichnen ist irreführend.
    Zu den (nicht) erhobenen Daten: das Gesundheitsamt Wuppertal erfasst bis heute den Impfstarus der Personen, die in Arztpraxen einen PCR-Test machen, weil sie Coronaverdächtige Symptome haben.
    Das mag anekdotiache sein, doch nach diversen Skandalen um Coronazahlen (etwa der Zuschlag von Krankenhauspatienten mit ungeklärtem Impfstatus zu den Ungeimpften) sind Fragen legitim.

    Wer in der GWUP würde eine Homöopathiestudie akzeptieren, die nach drei Monaten entbindet wurde – ich spreche von den Zulassungsstudien für die mRNA Impfstoffe ?

  7. @Bernd Harder: Warum schreiben Sie Professor in Anführungszeichen? Finden Sie nicht, dass wir hier alle versuchen sollten, sachlich zu bleiben? Grönemeyer steht der Titel zu. Radiologie ist in der Medizin kein Orchideenfach und Harvard hat einen ausgezeichneten Ruf. Ich zitiere die Wikipedia.

    Seine Habilitation folgte 1990 an der Universität Witten/Herdecke. Dort war Grönemeyer von 1996 bis zu seiner Emeritierung 2012 Inhaber des Lehrstuhls für Radiologie und des weltweit einzigen Lehrstuhls für Mikrotherapie. Darüber hinaus hatte er Gastprofessuren an der Harvard Medical School in Boston und der Georgetown University in Washington inne.[3] Seit 1997 leitet er das Grönemeyer Institut für Mikrotherapie in Bochum.[4]

  8. @Thomas Roth:

    doch nach diversen Skandalen um Coronazahlen (etwa der Zuschlag von Krankenhauspatienten mit ungeklärtem Impfstatus zu den Ungeimpften)

    In dem Artikel, unter dem Sie kommentieren, geht es vor allem um „Differenzierung“.

    Das gilt auch hier:

    Man mag es als „Skandal“ sehen, dass wir eine in vielerlei Hinsicht mangelhafte Datenbasis in Sachen Corona haben.

    Dass in der Praxis eine Klinik bei unklarem Impfstatus eines Patienten diesen vorsichtshalber als ungeimpft behandelt, ist doch völlig einleuchtend und kein „Skandal“.

    Ich spreche von den Zulassungsstudien für die mRNA Impfstoffe ?

    Diesen Satz verstehe ich nicht. Konkret welche Studie wurde nach drei Monaten „entbindet“ und was genau soll das bedeuten?

  9. entblindet

  10. Dass in der Praxis eine Klinik bei unklarem Impfstatus eines Patienten diesen vorsichtshalber als ungeimpft behandelt, ist doch völlig einleuchtend und kein „Skandal“.

    behandelt – ja. in die Statistik eingehen lassen, aufgrund der die Wirksamkeit der Impfung geschätzt wird – nein.

  11. @Thomas Roth:

    Warum schreiben Sie Professor in Anführungszeichen?

    Das ist offenkundig eine Hervorhebung.

    Gerade von einem Medizin-„Professor“ sollte man erwarten, dass er differenzierter argumentieren kann, als mit anekdotischer Evidenz.

  12. @Thomas Roth:

    Davon abgesehen, würde ich Ihnen zu einem Blick in Psiram raten und nicht nur in die Wikipedia:

    Ungewöhnlich ist, wie Grönemeyer an seinen Professorentitel gelangte. Eine Habilitationsschrift von Grönemeyer ist unbekannt.

  13. @Thomas Roth:

    entblindet

    Welche Studie zu welchem Impfstoff in welcher Zulassungsphase?

  14. @Thomas Roth:

    behandelt – ja. in die Statistik eingehen lassen, aufgrund der die Wirksamkeit der Impfung geschätzt wird – nein.

    Und das soll ein „Skandal“ sein?

    Wir haben uns entschieden, die Fälle ohne Angaben zum Impfstatus zunächst zu den Ungeimpften zu zählen. Denn es hat sich herausgestellt, dass diese – nach später vorliegenden Daten – in der weit überwiegenden Anzahl der Fälle ungeimpft waren. Ein bloßes Weglassen der fehlenden Werte hätte zu völlig falschen Inzidenzverhältnissen geführt.

    https://www.merkur.de/bayern/bayern-corona-markus-soeder-inzidenz-lgl-ungeimpft-geimpft-zahlen-impfen-appell-91158104.html

    Die Auswirkungen auf die Berechnung der Impfeffektivität waren aber geringer, als suggeriert wird.

    https://correctiv.org/faktencheck/2021/11/19/das-rki-stufte-menschen-mit-unbekanntem-impfstatus-als-ungeimpft-ein-das-hat-schaetzung-zur-impfeffektivitaet-leicht-beeinflusst/

  15. @Bernd Harder

    Ich denke, es geht um die „Studie“ von Peter Doshi „Serious adverse events of special interest following mRNA COVID-19 vaccination in randomized trials in adults“, die in der Zeitschrift „Vaccine“ veröffentlicht wurde, und für einige Aufregung in einschlägigen Querdenker- und Impfgegnerkreisen gesorgt hat.

    Aber nur dort. Diese „Studie“ wurde in Deutschland vom emeritierten Epidemiologen Ulrich Keil aufgegriffen und kommentiert.

    https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC9428332/

    Der Hauptautor dieser Studie ist dafür bekannt, gerade die Studiendesigns von Pharmakonzernen zu durchleuchten und mehr Daten für die Allgemeinheit zu fordern. Das ist auch hier der Anlass: In erster Linie wird kritisiert, dass die Pharmakonzerne nicht alle Daten der Impfstoff-Zulassungsstudien zur Verfügung stellen- und zwar nicht bis hinunter zum individuellen Studienteilnehmer.

    Außerdem kritisieren sie, dass nach der Notzulassung der mRNA-Impfstoffe innerhalb von zwei Monaten die Entblindung stattgefunden hat, das heißt der Placebogruppe wurde gesagt, dass sie nur ein Placebo erhalten hatten und ihnen wurde die Impfung angeboten. Insofern gibt es keine echten längeren Vergleiche zwischen Placebogruppen und geimpften Teilnehmern, was schwere Nebenwirkungen angeht.

    https://www.swr.de/wissen/studie-nebenwirkungen-corona-mrna-impfung-100.html

    https://www.berliner-zeitung.de/gesundheit-oekologie/corona-pandemie-risiko-bewertung-mrna-impfstoffe-biontech-pfizer-impfnebenwirkungen-rki-sieht-keinen-anlass-fuer-aenderung-der-stiko-empfehlung-li.266940

    Das Thema wurde vor wenigen Wochen auch auf Joseph Kuhn Blogs angerissen, ab #71.

    https://scienceblogs.de/gesundheits-check/2022/08/12/die-4-impfung-evidenzbasierte-und-einheitliche-risikokommunikation/#comment-122049

    Ich zitiere mich selber:

    Peter Doshi ist “nicht zufällig [ein] bekannter und von Antivaxxern ständig zitierter Impfgegner.”
    Joseph Fraiman ist ein Notfallarzt, der auf seinem Twitter-Account gegen die US-Regierung, die FDA und gegen Coronaimpfungen agitiert.
    Robert M. Kaplan hat an einer von Peter Doshi organisierten “Expertenkonferenz” über Impfschäden von Corina-Vakzinen teilgenommen. Das komplette Video wurde von YT wegen Verbreitung von Falschinformationen gelöscht.

  16. Dass Sie einen offensichtlichen Tippfehler benutzen, um den gesamten Beitrag zu diskreditieren, ist keine faire Argumentationsweise.

    also, nochmal: entblindet

    und als Quelle, Professor Dr. Karl Lauterbach dessen Berechtigung, diese Titel zu tragen ich allerdings weder auf Wikipedia, noch auf Psiram überprüft habe, bitte sehen Sie mir das nach.

    https://twitter.com/karl_lauterbach/status/1322204905239678977

  17. Paxlovid. Leider hat die Autokorrektur aus ein i gemacht. Der Inhalt der Aussage sollte davon unberührt sein.

  18. @Thomas Roth:

    Ich habe, nachdem Sie Ihren Tippfehler korrigiert haben und ich damit verstehen konnte, was genau Sie meinen, eine weitere Rückfrage gestellt, nämlich:

    Welche Studie zu welchem Impfstoff in welcher Zulassungsphase?

    Das ist für Sie eine „Diskreditierung“ Ihres Beitrags? Ernsthaft?

    Wie auch immer: @RPGNo1 hat zwischenzeitlich wohl das Wesentliche zu dieser „Studie“ (in Anführungszeichen) ausgeführt.

  19. Einen Punkt zur Qualifikation von Prof. Groenemeyer:

    Nur weil er Arzt ist, macht ihn das eben nicht zu einem besseren Gewährsmann: Was hat er denn mit Infektionsepidemiologie, Infektiologie oder auch Pharmakologie zu tun?

    Er ist Radiologe, meinetwegen auch ein außergewöhnlich tüchtiger, darüber will ich gar nicht streiten, aber kein Fachmann für die o.g. Bereiche, auf die es gerade ankommt.

    Ich würde mich ja auch nicht hinstellen, nur weil ich Arzt bin, und behaupten, daß ich eine tiefergehende Ahnung hätte.

    Im übrigen (und das glaube ich dann allerdings doch beurteilen zu können) hat das Video von Prof. Groenemeyer keine wesentliche Substanz.

  20. Auch wenn man – auf den Tweet bezogen – nicht ganz von „schwurbeln“ sprechen kann, erhält er aber doch sehr viel Zuspruch von den – meist rechtspopulistischen – Schwurblern.

    Wenn ich Arzt wäre, dann wäre ich sehr vorsichtig, solche Tweets abzusetzen. Und was soll die „Krankheitspose“ – man kann auch erkrankt sich richtig vor einer Kamera setzen und nicht so ein wirklich seltsames Video posten.

  21. Wahrscheinlich ist es schlicht und einfach genau das: Er ist halt entnervt, weil er trotz mehrfacher Impfung mit Fieber und Rüsselseuche daniederliegt. Kann ich sogar gut verstehen. Habe trotzdem kein solches Video gemacht.

  22. @borstel

    Nur weil er Arzt ist, macht ihn das eben nicht zu einem besseren Gewährsmann

    Siehe Sönnichsen, Bhakdi, Wodarg, um nur mal ein paar bekanntere leerdenkende Mediziner aufzuzählen

  23. @borstel

    Ja, aber es war doch von Anfang an bekannt, daß die Impfung nicht vor Infektion und Erkrankung zu 100% schützt und erst recht nicht, seit man weiß, daß das Virus schnell mutiert (schneller als man von Corona-Viren dachte).

    Das sollte doch ein Arzt wissen… wenn ein Laie „sauer“ auf die Impfung wäre, dann hätte ich mehr Verständnis dafür…

  24. Ein Gesundheitsminister der Ärzten allen Ernstes nahelegt, Paxlovid an Patienten auszugeben, ohne sie gesehen zu haben, ist eine Fehlbesetzung. Wie kann ich seinen sonstigen Empfehlungen vertrauen? So etwas hat nicht einmal sein Vorgänger gebracht, obwohl der kein Arzt, sondern Bankkaufmann war.

    Wenn es um Impfungen geht, vertraue ich der Stiko und dem PEI und nicht dem Selbstdarsteller Professor Lauterbach.

  25. @Thomas Roth:

    Das ist ja auch durchaus ein diskutabler Punkt.

  26. In Österreich schickt man nach einem positiven PCR-Test einer Person aus einer Risikogruppe ohne viel Aufhebens (nach einem telefonischen Gespräch mit einem Arzt) Paxlovid bzw. Lagevrio.

    Und das war für meinen Schwiegervater gut so. Denn ihn hat es vor gut drei Wochen erwischt und er konnte sich anfangs nicht einmal im Bett aufsetzen. Ein Gang zum Arzt unmöglich. Alternative wäre nur ein Rettungsdienst mit potentiell stundenlangem Warten im KH gewesen.

    So kam das Medikament (Lagevrio) am selben Tag per Boten und nach zwei Tagen ging es ihm schon deutlich besser. Inzwischen ist er wieder vollständig genesen.

  27. @Rainer O.
    Ich freue mich ehrlich für Ihren Schwiegervater.
    Die statistischen Daten sagen etwas anderes.

    Die Anzeige des deutschen Bundesgesundheitsministers legt nahe, Paxlovid im Anfangsstadium einer Coronainfektion zu verschreiben, zu einem Zeitpunkt, wo ein schwerer Verlauf nur aufgrund des sonstigen Gesundheitszustandes und Alters geahnt werden kann. Gerade für solche Patienten ist eine sorgfältige Prüfung unumgänglich, s. Link zur Fachinformation am Ende.

    Gegenanzeigen
    Überempfindlichkeit gegen die Wirkstoffe oder einen der in Abschnitt 6.1 genannten sonstigen
    Bestandteile.
    Arzneimittel mit stark CYP3A-abhängiger Clearance, bei denen eine erhöhte Plasmakonzentration mit
    schwerwiegenden und/ oder lebensbedrohlichen Reaktionen einhergeht.
    Arzneimittel, die starke CYP3A-Induktoren sind, bei denen signifikant reduzierte PF-
    07321332/ Ritonavir-Konzentrationen im Plasma mit einem potenziellen Verlust des virologischen
    Ansprechens und einer möglichen Resistenzbildung einhergehen können.
    Die Behandlung mit Paxlovid darf nicht unmittelbar nach dem Absetzen eines der folgenden
    Arzneimittel begonnen werden, da die Wirkung des kürzlich abgesetzten CYP3A‑Induktors verzögert
    nachlässt (siehe Abschnitt 4.5).
    Die unten aufgeführten Arzneimittel stellen eine Orientierungshilfe dar. Es handelt sich nicht um eine
    vollständige Liste aller Arzneimittel, die mit Paxlovid kontraindiziert sind.
     α1-Adrenorezeptor-Antagonist: Alfuzosin
     Analgetika: Pethidin, Propoxyphen
     Antianginöse Arzneimittel: Ranolazin
     Arzneimittel gegen Krebserkrankungen: Neratinib, Venetoclax
     Antiarrhythmika: Amiodaron, Bepridil, Dronedaron, Encainid, Flecainid, Propafenon,
    Chinidin
     Antibiotika: Fusidinsäure, Rifampicin
     Antikonvulsiva: Carbamazepin, Phenobarbital, Phenytoin
     Arzneimittel gegen Gicht: Colchicin
     Antihistaminika: Astemizol, Terfenadin
     Antipsychotika/ Neuroleptika: Lurasidon, Pimozid, Clozapin, Quetiapin
     Ergotaminderivate: Dihydroergotamin, Ergometrin, Ergotamin, Methylergometrin
     GI-motilitätsmodifizierende Arzneimittel: Cisaprid
     Pflanzliche Arzneimittel: Johanniskraut (Hypericum perforatum)
     Lipidsenker:
    o HMG-CoA-Reduktase-Inhibitoren: Lovastatin, Simvastatin
    o Inhibitoren des Mikrosomalen Triglycerid-Transferproteins (MTTP): Lomitapid
     PDE-5-Inhibitoren: Avanafil, Sildenafil, Vardenafil
     Sedativa/ Hypnotika: Clorazepat, Diazepam, Estazolam, Flurazepam, oral angewendetes Midazolam und Triazolam.

    4.4 Besondere Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen für die Anwendung
    Risiko schwerwiegender Nebenwirkungen aufgrund von Wechselwirkungen mit anderen
    Arzneimitteln
    Die Einleitung einer Behandlung mit dem CYP3A-Inhibitor Paxlovid bei Patienten, die über CYP3A
    metabolisierte Arzneimittel erhalten, oder der Beginn einer Anwendung von über CYP3A
    metabolisierten Arzneimitteln bei Patienten, die bereits Paxlovid einnehmen, kann die
    Plasmakonzentrationen von über CYP3A metabolisierten Arzneimitteln erhöhen.
    Die Einleitung einer Behandlung mit CYP3A inhibierenden oder induzierenden Arzneimitteln kann
    die Plasmakonzentration von Paxlovid erhöhen bzw. verringern.
    Mögliche Folgen solcher Wechselwirkungen sind:
     klinisch signifikante Nebenwirkungen, die potenziell zu schwerwiegenden,
    lebensbedrohlichen oder tödlichen Ereignissen durch die höhere Exposition gleichzeitig
    angewendeter Arzneimittel führen können,
     klinisch signifikante Nebenwirkungen aufgrund einer höheren Paxlovid-Exposition,
     Verlust der therapeutischen Wirkung von Paxlovid und mögliche Entwicklung einer viralen
    Resistenz.
    In Tabelle 1 sind Arzneimittel aufgeführt, die für die gleichzeitige Anwendung mit PF-07321332/
    Ritonavir kontraindiziert sind sowie potenziell signifikante Wechselwirkungen mit anderen
    Arzneimitteln (siehe Abschnitt 4.5). Vor und während der Paxlovid-Behandlung sollten mögliche
    Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln in Betracht gezogen werden. Die gleichzeitige
    Anwendung anderer Arzneimittel sollte während der Paxlovid-Behandlung regelmäßig geprüft und
    Patienten sollten auf mögliche Nebenwirkungen von gleichzeitig angewendeten Arzneimitteln
    überwacht werden.
    Schwere Nierenfunktionsstörung
    Für Patienten mit schwerer Nierenfunktionsstörung (einschließlich Patienten mit ESRD) liegen keine
    klinischen Daten vor. Basierend auf pharmakokinetischen Daten (siehe Abschnitt 5.2) könnte die
    Anwendung von Paxlovid bei Patienten mit schwerer Nierenfunktionsstörung zu einer Überexposition
    mit potenzieller Toxizität führen. Zum jetzigen Zeitpunkt kann keine Empfehlung in Bezug auf eine
    Dosisanpassung gegeben werden, da eine entsprechende Untersuchung noch aussteht. Daher sollte
    Paxlovid nicht bei Patienten mit schwerer Nierenfunktionsstörung (eGFR < 30 mL/min, einschließlich
    Patienten mit ESRD unter Hämodialyse) angewendet werden.
    Schwere Leberfunktionsstörung
    Es liegen keine pharmakokinetischen und klinischen Daten zur Anwendung von Paxlovid bei
    Patienten mit schwerer Leberfunktionsstörung vor. Daher sollte Paxlovid bei Patienten mit schwerer
    Leberfunktionsstörung nicht angewendet werden.
    Hepatotoxizität
    Bei Patienten, die mit Ritonavir behandelt wurden, sind eine Erhöhung hepatischer Transaminasen
    sowie eine klinisch manifeste Hepatitis und Ikterus aufgetreten. Paxlovid sollte deshalb bei Patienten
    mit vorbestehenden Lebererkrankungen, Leberenzymveränderungen oder Hepatitis mit Vorsicht
    angewendet werden.
    Risiko der Entwicklung einer HIV-1-Resistenz

    Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten – eine 14-seituge Tabelle.

    https://www.bfarm.de/SharedDocs/Downloads/DE/Arzneimittel/Zulassung/paxlovid-fachinformation-fachkreise.pdf

  28. @Raiber O.

    „Ein Gang zum Arzt unmöglich. Alternative wäre nur ein Rettungsdienst mit potentiell stundenlangem Warten im KH gewesen.“

    Machen Ärzte in Österreich keine Hausbesuche? Die Hausärztin meines Vertrauens hätte den Patienten in einem Fall, wie Sie ihn schildern, zu Hause untersucht. Ich weiß, das machen wenige Hausärzte.

  29. Jetzt gibt es einen zugelassenen anti-viralen Wirkstoff und immer noch wird von bestimmten Gruppen ein Massensterben herbeigesehnt?

    Die Impfung hat uns nicht umgebracht, so wird es auch Paxlovid nicht tun. Man sollte einfach mal die Realitäten akzeptieren: Die Impfung wirkt. Tut sie es mal nicht, dann haben wir Paxlovid und monoklonale Antikörper und…. Ich finde das sehr gut.

  30. Thomas Roth:

    „Professor Grönemeyer ist Arzt und versteht sicher mehr davon als Physiker, Juristen oder Philosophen. Er berichtet sachlich von seiner persönlichen Erfahrung, das als Schwurbeln zu bezeichnen ist irreführend.“

    und

    „Ich freue mich ehrlich für Ihren Schwiegervater. Die statistischen Daten sagen etwas anderes.“

    Verstehe, bei Prof. Grönemeyer haben Anekdoten selbstverständlich ein viel größeres Gewicht als Statistiken. Sobald Statistiken aber die eigene Sichtweise unterstützen, sind sie wieder das Maß aller Dinge.

    Sorry für diese kleine Polemik, aber das musste jetzt mal ‚raus.

    PS: Und dass der Mann den „weltweit einzigen“ Lehrstuhl für Mikrotherapie inne hat, macht Sie kein bisschen stutzig?

  31. @Thomas Roth

    „Die Anzeige des deutschen Bundesgesundheitsministers legt nahe, Paxlovid im Anfangsstadium einer Coronainfektion zu verschreiben, zu einem Zeitpunkt, wo ein schwerer Verlauf nur aufgrund des sonstigen Gesundheitszustandes und Alters geahnt werden kann. Gerade für solche Patienten ist eine sorgfältige Prüfung unumgänglich, s. Link zur Fachinformation am Ende.“

    Ich zitiere folgende Liste von Nebenwirkungen:

    Verstärkung der Wirkung bis hin zu erhöhtem Nebenwirkungsrisiko:
    – Antikoagulanzien/Thrombolytika (z. B. Warfarin, Heparin): X kann das Blutungsrisiko erhöhen, wenn es vor einer Thrombolyse-Therapie eingenommen wurde. Daher muss bei Patienten, bei denen eine Thrombolyse-Behandlung durchgeführt werden soll, auf Zeichen äußerer oder innerer Blutungen (z.B. blaue Flecken) aufmerksam geachtet werden.
    – Thrombozytenaggregationshemmern (Mittel, die das Zusammenhaften und Verklumpen von Blutplättchen hemmen), z. B. Ticlopidin, Clopidogrel und selektive Serotonin- Wiederaufnahme-Hemmer (Arzneimittel zur Behandlung depressiver Verstimmungen, z. B. Sertralin und Paroxetin). Diese Mittel erhöhen das Risiko für Blutungen, und der Bildung von Geschwüren im Magen-Darmtrakt,
    – Systemische Glukokortikoiden (Arzneimittel, die Kortison oder kortisonähnliche Substanzen enthalten, mit Ausnahme von Hydrocortison als Ersatztherapie bei Morbus Addison), anderen nicht-steroidalen Antiphlogistika/Analgetika (entzündungs- und schmerzhemmende Mittel) oder Alkohol. Diese Mittel erhöhen das Risiko für Magen- Darm-Geschwüre und –Blutungen,
    – Digoxin (Mittel zur Stärkung der Herzkraft) oder Barbituraten sowie Lithium, erhöhen die Plasmakonzentration,
    – Antidiabetika (blutzuckersenkende Arzneimittel): Der Blutzuckerspiegel kann sinken,
    – Methotrexat (Mittel zur Behandlung von Krebserkrankungen bzw. von bestimmten rheumatischen Erkrankungen),
    – die Wirkung von bestimmten Antibiotika (Sulfonamide und Sulfonamid-Kombinationen (z.B. Sulfamethoxazol/Trimethoprim)
    – die Wirkung von Triiodthyronin, einem Arzneimittel gegen Schilddrüsenunterfunktion.
    – Valproinsäure (Mittel zur Behandlung von Krampfanfällen).
    – Metamizol (Mittel zur Senkung von Fieber und Schmerzen) kann bei gleichzeitiger Einnahme die Wirkung von X auf die Thrombozytenaggregation (Zusammenkleben der Blutzellen und Bildung eines Blutgerinnsels) verringern. Daher sollte diese Kombination bei Patienten, die X zur Kardioprotektion einnehmen, mit Vorsicht angewendet werden.

    Abschwächung der Wirkung:
    – spezielle Arzneimittel, die eine vermehrte Harnausscheidung bewirken (Diuretika: sogenannte Aldosteronantagonisten wie z. B. Spironolacton und Canrenoat;
    Schleifendiuretika, z. B. Furosemid).
    – bestimmte blutdrucksenkende Arzneimittel (insbesondere ACE-Hemmer, Angiotensin-II- Antagonisten, Kalziumkanalblocker).
    – Harnsäure ausscheidende Arzneimittel gegen Gicht (z. B. Probenecid, Benzbromaron).

    Kennen Sie dieses hochgefährliche Medikament?

    Nein?

    Ich verrate es Ihnen. Es handelt sich um Acetylsalicylsäure, auch bekannt als ASS oder Aspirin.

    Was wollen Sie also mit der Verlinkung der Nebenwirkungen von Paxlovid andeuten, beweisen, etc?

  32. Paxlovid ist nicht ohne Grund verschreibungsplichtig. ASS nicht. und wenn Sie mich auf die Niederungen der Polemik herunterziehen, auch Sauerstoffdihydrid ist gefährlich. Ertrunkene haben es in der Lunge, es kann Kristalle und glatte Flächen bilden, die zahlreiche Verzehrunfälle verursachen, ist für enorme Schäden am Eigentum verantwortlich, besonders in engen Tälern…

    Paxlovid gehört nicht ohne Untersuchung verabreicht. Schließlich sind ist es ein hochwirksames Medikament und keine Zuckerkügelchen.

    Man kann der Wissenschaft nicht selektiv folgen, Regeln sind nicht ohne Grund da, ob es sich um das Gesundheitssystem, Sicherheitsvorschriften in Kerntechnischen Anlagen oder den Straßenverkehr geht.

  33. Die Nebenwirkungen:

    Häufig: kann bis zu 1 von 10 Behandelten betreffen
    – Veränderter Geschmackssinn
    – Durchfall (Diarrhö)
    – Erbrechen
    – Kopfschmerzen

    Schwere Nebenwirkungen entstehen bei Vorerkrankungen und Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten.
    Darauf kann man vorab reagieren.

    Eine gute Hilfe ist da die Packungsbeilage:

    https://www.bfarm.de/SharedDocs/Downloads/DE/Arzneimittel/Zulassung/paxlovid-gebrauchsinformation-patienten.html?nn=471278

  34. @ Thomas Roth:

    Metamizol war bis Ende der 80er-Jahre nicht verschreibungspflichtig. Tilidintropfen unterstehen erst seit wenigen Jahren der Betäubungsmittelverschreibungsverordnung, zuvor wurden sie auf normales Rezept abgegeben.

    Umgekehrt ist Diclofenac in niedrigerer Dosis seit geraumer Zeit nicht mehr verschreibungspflichtig – die Magengeschwüre davon kann man dann mit nicht verschreibungspflichtigem Pantoprazol behandeln. Den Nieren- und Herzschaden allerdings nicht. Paracetamol in großer Packung ist seit Jahren verschreibungspflichtig, um Suizide zu verhindern. Was die Leute davon abhalten soll, sich stattdessen mehrere kleine Packungen davon zu kaufen, weiß ich nicht.

    Mithin: Welches Medikament verschreibungspflichtig ist, hat nicht immer mit seinem Risiko-Nutzen-Profil zu tun.

    Und wahrscheinlich würden eine Menge Medikamente, die schon lange auf dem Markt sind, aufgrund ihrer vielen Nebenwirkungen heutzutage wahrscheinlich keine Zulassung mehr erhalten. ASS bei Schmerzen ist dafür ein sehr gutes Beispiel.

    Das nur einmal so.

    Würde ich die Beipackzettel der Medikamente, die ich selber einnehme oder derjenigen, die ich häufig anordne, verlinken, dann würden hier wahrscheinlich vielen die Haare zu Berge stehen.

    Was nun Paxlovid angeht:

    Als Problem bei der Abgabe durch die Ärzte wurde in Fachkreisen bis dato nicht die Verordnungspraxis via Telefon gesehen, sondern, daß die Abgabe nicht mehr ausschließlich über Apotheken erfolgt. Also ein klassisches berufspolitisches Thema.

    Ich erspare uns allen die Links und Diskussionen hierzu und verweise auf https://de.wikipedia.org/wiki/Doktor_und_Apotheker – eine uralte Geschichte.

    Hingegen vermag ich an einer Abgabe des Medikaments nach telefonischer Beratung nichts böses zu sehen: Im Gegensatz zu einem Hausbesuch, der eine deutliche Verzögerung der Abgabe bedeuten kann (so dass sich das therapeutische Fenster schon geschlossen hat), kann hierdurch die Verordnung sehr schnell stattfinden.

    Ein Hausarzt, der seinen Patienten lange betreut hat und gut kennt, wird auch bei einer telefonischen Beratung einschätzen können, ob relevante Kontraindikationen für Paxlovid vorliegen. Und je weniger Kontakt zur Umwelt ein infizierter und infektiöser Patient hat, desto besser.

  35. @ Thomas Roth:
    Man kann der Wissenschaft nicht selektiv folgen, Regeln sind nicht ohne Grund da, ob es sich um das Gesundheitssystem, Sicherheitsvorschriften in Kerntechnischen Anlagen oder den Straßenverkehr geht.

    Doch, das kann man. Besonders wenn eine Situation schnelles handeln nötig macht.

  36. @ Thomas Roth

    (Allgemein-)Ärzte, die (noch dazu am Wochenende, wie in den Fall) in Wien Hausbesuche machen, sind eine extreme Ausnahme. Die Hotline 1450 ist immer besetzt und vermittelt dann im Bedarfsfall ein Arztgespräch.

    Es wird bei der Anwendung von Paxlovid/Lagevrio stets betont, wie wichtig der rasche Beginn der Behandlung für einen guten Erfolg der Therapie ist.

    Jede Verzögerung durch das Warten auf einen Arzt, oder die Einlieferung in ein Krankenhaus verschlechtert diese Chance.

  37. Ein Medikament wird auf Verdacht verschrieben, zu einem Zeitpunkt, wo die schwere eines Verlaufs nicht absehbar ist.. wie validiert man dann die Wirkung?

    ich kann es nicht nachvollziehen. Aber ich bin kein Arzt. Wer heilt, hat Recht.

    Eine Analogie: Alle, die sich den Fuß vertreten,bekommen ohne Röntgen einen Hartschalenverband, ehemals Gips. Das verhindert ein falsches Zusammenwachsen. In der Tat, signifikant weniger Patienten haben nach sechs Wochen einen schlecht verteilten Bruch, als be denen die nicht nur anamnästisch, sondern auch durch bildgebende Verfahren diagnostiziert wurden. Q. E. D. Einige reiben sich die Haut unter dem harten Verban auf, bekommen Druckstellen oder Infektionen… Das Risiko dafür ist bei Vorerkrankten natürlich höher.

  38. Ein Medikament wird auf Verdacht verschrieben, zu einem Zeitpunkt, wo die schwere eines Verlaufs nicht absehbar ist.. wie validiert man dann die Wirkung?

    Es gibt zu dem Medikament eine Studie:

    Die Zulassung von Nirmatrelvir/Ritonavir basiert auf der doppelblinden, randomisierten, placebokontrollierten Phase-II/III-Studie EPIC-HR. Die Studienteilnehmer erhielten über fünf Tage alle zwölf Stunden jeweils 300 mg Nirmatrelvir und 100 mg Ritonavir (1120 Patien ten) oder entsprechende Placebopräparate (1126 Patienten). … Primärer Endpunkt der Studie war der Anteil der Patienten, die innerhalb von 28 Tagen aufgrund von COVID-19 stationär behandelt wurden oder – gleich welcher Ursache – verstarben. Insgesamt ereigneten sich 12 Todesfälle, keiner davon unter Nirmatrelvir/Ritonavir.

    https://www.akdae.de/fileadmin/user_upload/akdae/Arzneimitteltherapie/NA/Archiv/2022-05-Nirmatrelvir-Ritonavir.pdf

    Das ist noch nicht der Abschluss, aber schon ein Hinweis auf die Wirksamkeit.

    Zudem wird es als gut verträglich eingestuft und ist trotz der zu erwartenden Übelkeit das kleinere Übel.

  39. Vielleicht noch ergänzend:

    Die beschriebenen häufigen Nebenwirkungen könnten auch Folge der Infektion sein (im Herbst 2021 hatten meine Kollegen eine Reihe von Patienten behandelt, deren Magen-Darm-Grippe sich als Covid-Infektion herausstellte, und der Verlust des Geruchssins ist ja ein ganz typisches Symptom).

    Damit will ich die Nebenwirkungen des Medikaments nicht relativieren, aber feststellen, daß eine Kausalität nicht immer einfach feststellbar sein dürfte.

    Eher unerfreulich sind die massiven Wechselwirkungen, die durch den Abbau und Umbau dieses und anderer Medikamente über das Cytochrom-p-450-System (unter anderem CYP3A4) in den Leberzellen entstehen.

    Aber auch hier kann ich nicht sehen, daß eine persönliche Beratung des Patienten einer telefonischen überlegen ist, insbesondere, wenn beim Hausarzt die Information vorliegt, welche Medikamente der Patient einnimmt.

  40. @Bernd Harder:

    Wer heilt hat Recht.

    Sie erkennen hier keine Ironie, obwohl der Konfekt klar gewesen sein sollte:

    ich bezog mich auf Paxlovid von den ich mit gutem Grund annehme, dass der Schaden großer ist als der Nutzen.

  41. @ Thomas Roth:

    Auch wenn ich nicht der Angesprochene bin. Zunächst: Meinten Sie „Kontext“ anstatt „Konfekt“? (Autokorrekturen können ziemlich danebengreifen.)

    Zur Sache: Als Ironie habe ich diesen Satz auch nicht erkannt.

    Unabhängig davon: Sie „nehmen an“ – zur Kenntnis genommen.

    „Mit gutem Grund“ – das haben Sie bislang nicht wirklich belegen können.

    Das Gegenteil davon scheint der Fall zu sein, wie zum Beispiel die Verlinkung von Hendrik Endres auf die AkdÄ klar macht.

  42. @ borstel

    Vielleicht lässt uns Thomas Roth an seinem „guten Grund“ teilhaben, damit wir das in unsere Bewertung einfließen lassen können.

  43. @ RainerO

    Wir bleiben gespannt ^^

  44. @Thomas Roth

    ich bezog mich auf Paxlovid von den ich mit gutem Grund annehme, dass der Schaden großer ist als der Nutzen.

    Wenn ich fragen darf: Welches Studium/Ausbildung/Beruf haben Sie denn, um Paxlovid beurteilen zu können? Pharmazie? Medizin? Oder arbeiten Sie in einer entsprechenden Branche?

  45. Ich habe den Link zum BfArM vergessen.

    https://www.bfarm.de/DE/Arzneimittel/Arzneimittelinformationen/covid-19-arzneimittel.html

    Dort wird sehr gut über die Medikamente Paxlovid (Nirmatrelvir (PF-07321332) + Ritonavir) und Lagevrio (Molnupiravir) informiert.

    Lagevrio hat keine Zulassung, kann aber trotzdem verschrieben werden.

  46. Danke für die Verlinkung!

  47. @borstel, Rainer o, rpg

    Die Seiten des RKI sind wohl unverdächtig.

    NNT ( Numbers Needed to Treat ) zwischen 15 und 33, recht gut. Doch gerade bei Risikopatienten i.d.R. kontraindiziert, wegen anderer Medikation.

    https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/COVRIIN_Dok/Antivirale_Therapie_Fruehphase.pdf

    Keine allgemeine Empfehlung, das RKI fordert zu erhöhter Vorsicht auf, prüfen von Komorbidität und Komedikation.

    Leider ist das Sterberisiko bei Corona mit dem Alter und sonstigen Vorerkrankungen (damit ist sehr oft Medikation verbunden, die Paxloviv kontraindiziert) stark korreliert.

    Was bleibt ist, Paxlovid &Co auf Verdacht Menschen zu geben, wo keine erhöhten Risiken sind und die es i.d.R. nicht brauchen.

    Ich finde es unseriös, das der Bundesgesundheitsminister in Großanzeigen in Printmedien so tut, als schlucke man ein Hustenbonbon und damit Erwartungen weckt, die unmöglich erfüllt werden können.
    Paxlovid ist von der EMA bedingt für die Behandlung von Covid29 im Frühstadium zugelassen, doch Lauterbach tut so, als ob es diese Bedingungen nicht gäbe.

    „Lagevrio hat keine Zulassung, kann aber trotzdem verschrieben werden.“

    Das ist Off-Label. Wenn es Probleme gibt und der Patient oder seine Hinterbliebenen den Arzt verklagen, haftet er allein.

  48. @ Thomas Roth

    Keine allgemeine Empfehlung, das RKI fordert zu erhöhter Vorsicht auf, prüfen von Komorbidität und Komedikation.

    Genau dafür gibt es das Arztgespräch vor der Verschreibung.

    War das jetzt der „gute Grund“?

  49. Auch der Rest ergibt keinen Grund anzunehmen, dass der Schaden größer als der Nutzen wäre.

    Was bleibt ist, Paxlovid &Co auf Verdacht Menschen zu geben, wo keine erhöhten Risiken sind und die es i.d.R. nicht brauchen.

    Das ist falsch. Es gibt zum ersten auch noch zwei Alternativen. Remdesivir und Molnupiravir (Lagevrio). Wobei bei Molnupiravir, die zur Zeit, mageren Informationen das Medikament zur letzten Wahl machen.

    Zum zweiten sind die aufgeführten Vorerkrankungen und Wechselwirkungen nicht unbedingt ein Ausschlussgrund. Je nach Grad der Vorerkrankungen kann die Dosierung nötigenfalls angepasst werden. Dies gilt auch bei den Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten.

    Dafür ist das Vorgespräch mit dem Arzt so wichtig, bei dem dann auch rezeptfreie Medikamente und Nahrungsergänzungsmittel genannt werden sollten.

    Zur Haftung von Molnupiravir (Lagevrio):

    Die Bundesregierung hat das Arzneimittel Molnupiravir der Firma Merck Sharp & Dohme rechtmäßig in Verkehr gebracht und übernimmt die Produkthaftung. Es ist in der Europäischen Union noch nicht zugelassen.

    von hier: https://www.kbv.de/html/themen_55219.php

  50. @Hendrik Enders

    „Zum zweiten sind die aufgeführten Vorerkrankungen und Wechselwirkungen nicht unbedingt ein Ausschlussgrund. Je nach Grad der Vorerkrankungen kann die Dosierung nötigenfalls angepasst werden. Dies gilt auch bei den Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten.

    Dafür ist das Vorgespräch mit dem Arzt so wichtig, bei dem dann auch rezeptfreie Medikamente und Nahrungsergänzungsmittel genannt werden sollten.“

    Aufgrund welcher Daten soll ein Hausarzt Dosierungsanpassungen durchführen? Wie soll er (telefonisch!) Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten erkennen?

  51. @ Thomas Roth

    Wie soll er (telefonisch!) Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten erkennen?

    Ist das eine ernst gemeinte Frage?

    Wie wäre es damit: Er fragt den Patienten, welche Medikamente dieser in welcher Dosierung einnimmt.

    Wie soll das bei einem direkten Arztbesuch anders ablaufen? Der Patient nimmt vor dem Arzt das zu verschreibende Medikament ein und dann wird in der Praxis darauf gewartet, was passiert? Viele Wechselwirkungen sind ja bekannt und dann wird entsprechend angepasst, oder gar nicht verschrieben.

    Und wenn eine Wechselwirkung nicht bekannt ist, kann man ohnehin nicht vorsorglich handeln.

  52. Auf den hier schon genannten Seiten

    https://www.bfarm.de/DE/Arzneimittel/Arzneimittelinformationen/covid-19-arzneimittel.html

    https://www.kbv.de/html/themen_55219.php

    gibt es auch Informationen zur Dosierungsanpassung.

    Für gewöhnlich sind Leute mit deutlichen Vorerkrankung der Niere oder Leber, und das sind die kritischen Erkrankungen, in ärztlicher Behandlung.

    Es wäre dann eine gute Idee, sich an diese Ärztin, oder diesen Arzt, zu wenden wenn es um die Verordnung von Paxlovid, Remdesivir oder Molnupiravir geht.

    Das geht auch per Telefon.

  53. Der Hausarzt hat auch auch oft einen vollständigen aktuellen Medikationsplan des Patienten vorliegen. Und diese Medikation etwas anzupassen, ist jetzt nicht so schwierig, wie es klingt.

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