gwup | die skeptiker

… denken kritisch seit 1987.

Reichsbürger war jahrelang als Gerichtsgutachter für die „kriminelle Gangsterjustiz“ tätig

| 11 Kommentare

Über ein „Stück aus dem Tollhaus“ berichtet diese Woche Der Spiegel (33/2022).

Demzufolge ist ein „Vordenker“ und „kleiner Star“ der Reichsbürger-Szene in den vergangenen Jahren in Hunderten Fällen für Gerichte der Bundesrepublik Deutschland als Gutachter tätig gewesen.

Dabei hätte ein Blick ins Internet gereicht – „und die Richterinnen und Richter wären auf ein Panoptikum aus Reichsbürger-Ideologie und wilden Verschwörungsfantasien gestoßen“, erklären die Autoren Sven Becker, Sven Röbel und Wolf Wiedmann-Schmidt.

Der Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie Dr. Klaus Maurer hat unter anderem das Buch „Die BRD-GmbH“ geschrieben und wird in einem öffentlich zugänglichen Lagebild des Verfassungsschutzes namentlich erwähnt. Auch seine Videovorträge und andere Auftritte sind mühelos zu finden.

Trotzdem sei Maurers Rolle als führende Figur der Reichsbürger-Szene niemandem aufgefallen:

Erst jetzt haben die Sicherheitsbehörden mitbekommen, wen die Gerichte hier als Sachverständigen zurate gezogen haben, und schlagen bundesweit Alarm […]

Besonders bizarr erscheint, was Maurer über die Gerichte der Bundesrepublik schreibt. Er spricht von einem „Lumpenregime mit einer auf allen Ebenen kriminellen Gangsterjustiz“. Und für diese angeblich verbrecherische Justiz arbeitete Maurer als Gutachter.

Allein in Hamburg soll Maurer als psychiatrischer Sachverständiger Honorare in Höhe von 100.000 Euro kassiert haben. Das ganze Ausmaß der Affäre sei noch nicht abzusehen, schreibt der Spiegel.

Auch die Landesärztekammer Hessen (die in diesem Fall für Erteilung und Entzug der ärztlichen Approbation zuständig ist) wolle sich den Fall nun anschauen.

Und wir wundern uns, dass Gestalten wie Peter Fitzek mit ihrem dreisten Gehabe immer wieder durchkommen.

Zum Weiterlesen:

11 Kommentare

  1. Wundert mich nicht. Das Problem wäre früher erkannt worden, wenn entsprechende Infos an die Gerichte gefaxt worden wäre. Aber das ominöse Internet und seine Nutzung scheint für viele Gerichte doch irgendwie noch deutlich außerhalb der Kompetenzzone zu liegen. Reichsdeppen sind oft Feinde der Demokratie .

  2. Fax? So eine moderne Technik? Gibt es denn die berittenen Boten nicht mehr? :D

  3. Ich frage mich ja, wie wenig neugierig viele Richterinnen, Rechtspfleger, Protokollantinnen, gesetzliche Betreuer, Angehörige… zu sein scheinen – Namen in die Suchmaschine tippen und, zack, kommt man auf mehr ominöse Seiten als einem lieb ist.

    Oder bin nur ich seltsam, weil ich „Leute google“, mit denen ich beruflich zu tun habe (verdachtslos, einfach so)?

    Mal abgesehen davon, dass es schon fein wäre, wenn der Erste, dem da was auffällt, seine Kolleg:innen im Gerichtswesen informiert. Heidwitzka…

  4. @Magda

    „… Oder bin nur ich seltsam, weil ich „Leute google“, mit denen ich beruflich zu tun habe (verdachtslos, einfach so)? …“

    Das Missbehagen darüber, was sich wohl politisch/weltanschaulich hinter der Stirn alltäglicher Bekannter abspielt, erscheint heute plausibler als noch vor einigen Jahren…

  5. Ist nicht das erste Mal, daß einer Autoritätsperson vertraut wird, der Hintergrund trotz Hinweise o. Vorfällen nicht beleuchtet wird, gab ja auch mal einen Postboten meine ich mich zu erinnern, der jahrelang ungehindert als Arzt praktizierte.

  6. @Wednesday:

    Ja, gibt’s sogar eine Hoaxilla-Folge dazu.

    https://hoaxilla.com/hoaxilla-197-gert-postel/

  7. @Wednesday

    Der Postboste heißt Gert Postel und wurde in Flensburg ausgerechnet vom Leerdenker Wolfgang Wodarg als stellvertretender Amtsarzt eingestellt.

    https://de.wikipedia.org/wiki/Gert_Postel

  8. @Peter Friedrich

    Das stimmt. Nichtsdestotrotz wundert es mich. Der Mann hat ja nicht heimlich Pamphlete verteilt, sondern das Ganze frei zugänglich beworben, da kann man auch drüber stolpern, wenn man aus ganz anderen Gründen mal eben den Namen googelt.

  9. „Wes‘ Brot ich eß‘, des Lied ich sing‘ – nicht mehr.“

    Wahrscheinlich wird dieser reichsbürgerliche Psychiater seine Heuchelei, gegen den Staat zu hetzen und gleichzeitg Geld von ihm zu nehmen, auch noch als subversive Aktion zum Schaden des verhaßten Gemeinwesens verkaufen können.

  10. „Reichsbürger-Lokal in Köln!
    Eilverfahren: Gericht hat über „Königreich Deutschland“-Restaurant entschieden

    https://www.express.de/koeln/restaurants-koeln/stadt-koeln-macht-koenigreich-deutschland-lokal-dicht-106575

  11. Der Herr Postel hat sich gestern sogar mal zu Wodarg geäußert:

    https://twitter.com/PostelGert/status/1566080755817668608

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.