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„Stark bleiben, sich nicht impfen lassen“: Am toxischen Zweifel der Impfgegner ändert auch Novavax nichts

| 21 Kommentare

Wir waren skeptisch.

Und zu Recht. Heute meldet Spiegel-Online:

In deutschen Praxen herrscht Novavax-Flaute. Das Interesse ist gering, eine Steigerung der Impfquote unwahrscheinlich.

Wo also sind all die Impf-„Skeptiker“, die seit Monaten wortreich verkünden, auf einen „Totimpfstoff“ zu warten, dessen Wirkprinzip schon länger erforscht und eingesetzt wird?

Das fragt sich auch Sarah Bosetti:

Liebe Impfskeptiker*innen: Seid ihr jetzt zufrieden? Wollt ihr überhaupt zufrieden sein? Was wollt ihr wirklich – also außer stänkern?

Zeit-Reporter haben bei einer Demo in Hamburg versucht, das herauszufinden – weitgehend erfolglos:

Sind das Mitbürger, die in einer Sachfrage anderer Ansicht sind?

Oder entsteht hier eine Fundamentalopposition, die es sich in ihrer Gegenwirklichkeit eingerichtet hat und von dort aus die Mehrheit bedroht: durch Verbreitung von Coronaviren und Falschinformation, durch Einschüchterung von Mandatsträgern, eine wachsende Zahl ideologisch motivierter Gewalttaten – und irgendwann womöglich durch Exzesse, wie sie aus den USA bekannt sind?

Bisherige Erfahrungen und Studien („Impfgegner wollen sich nicht überzeugen lassen“) legen Letzteres nahe.

Auch die Zeit-Journalisten beschlich der Eindruck:

Man sieht es ihren Flugblättern und Transparenten nicht an, aber diese Bewegung trägt auch Züge einer Selbsthilfegruppe. Stark bleiben, dem Druck nicht nachgeben, sich nicht impfen lassen – das ist ihr Mantra.

Und daran ändert auch ein „Totimpfstoff“ nichts, der Impfgegnern längst „nicht tot genug“ ist.

Dieses Grundmisstrauen gegenüber Pharmaceuticals und Pharmaindustrie hindert sie allerdings nicht daran, auf „alternative“ Gesundheitsprodukte zu verlinken – von Anbietern, „die eigene kommerzielle Interessen in der Impfdebatte“ verfolgen, wie die FAZ eine aktuelle Studie dazu kommentiert.

Die dänischen Forscher werteten mehrere Millionen Twitter-Tweets aus (allerdings vor der Corona-Pandemie, von 2013 bis 2016) und stellten fest, dass gerade „strongly anti-vaccine users“ häufig Inhalte von Akteuren teilen, die ein starkes geschäftliches Motiv dafür haben, medizinische Fehlinformationen in die Welt zu setzen.

Von einem gesunden Zweifel sind Impfgegner offenbar weit entfernt.

Oder kurz zusammengefasst:

Zum Weiterlesen:

  • Novavax: Nachfrage bei Impfstart geringer als erwartet, FAZ am 26. Februar 2022
  • Sorgt Novavax-Impfstoff für Impfboom? Hausärzte skeptisch, rnd am 2. März 2022
  • In deutschen Praxen herrscht Novavax-Flaute, spiegel.de am 2. März 2022
  • Novavax – der Impfstoff für Skeptiker? tagesschau.de am 10. Dezember 2021
  • Der Impfstoff für Impfskeptiker? Janos Hegedüs über Novavax, GWUP-Blog am 1. Februar 2022
  • Alternativmedizin: Der blinde Fleck der Impfgegner, FAZ am 26. Februar 2022
  • Characterizing polarization in online vaccine discourse: A large-scale study, plos one am 9. Februar 2022
  • Toxischer vs. gesunder Zweifel, GWUP-Blog am 29. April 2019
  • Die Geschichte der Impfgegner, mdr am 31. Januar 2022
  • Corona-Gegner: Was wollen die? Zeit-Online am 27. Februar 2022
  • Impfgegner legen offenbar Brand vor Neuseelands Parlament, spiegel.de am 2. März 2022

21 Kommentare

  1. Für das Novavax-Bullshitbingo gibt es von mir ein Sternchen. :)

    Aber eine Anmerkung habe ich noch: durch Verbreitung von Coronaviren und Falschinformation, durch Einschüchterung von Mandatsträgern, eine wachsende Zahl ideologisch motivierter Gewalttaten – und irgendwann womöglich durch Exzesse, wie sie aus den USA bekannt sind?

    Der Link bei „Exzesse“ verweist auf das von den eigenen Leute angezündete Impfgegner-Camp vor dem neuseeländischen Parlamentsgebäude und die massive Gegenwehr bei der Räumung. Der nachfolgende Verweis auf die USA wirkt da verwirrend.

  2. Ich benötige die Unterstützung des Blogs. Was ist von dem verlinkten Artikel zu halten?

    Mehrere Monate recherchierte stern-Reporter Bernhard Albrecht über mögliche Gefahren der Covid-Impfungen. Sein Fazit: Sie sollten klarer benannt werden

    https://www.stern.de/gesundheit/corona–warum-wir-offen-ueber-impfnebenwirkungen-reden-sollten-31672128.html

    Ich hatte beim Lesen den Eindruck, dass er sich zu sehr um Verständnis der Impfgegner bemüht, weil ja an den Nebenwirkungen etwas dran ein könnte. Die Variante „Impfen wirkt, aber ….“

    Lese ich in seinen Text etwas rein, was da gar nicht drin steht? Unterligt Albrecht einer „false balance“? Oder drückt sich der Autor einfach unglücklich aus? Ich bin ratlos.

  3. @RPGNo1

    Der Stern ist doch bekannt für seinen investigativen Journalismus (z.B. Hitler-Tagebücher), oder nicht? So glaube ich, dass Sie den Text von der falschen Seite betrachten.

    Bernhard Albrecht hat die Aufgabe, einen Artikel zu schreiben, der Klicks generiert oder sich in der Print-Ausgabe gut verkauft. Und genau das macht der Autor. Er setzt die Titel-Story fort und schreibt eine Geschichte, für diejenigen, die den Stern für ein investigatives Journal halten.

    Nehmen wir die Bedenken ernst und lassen Sie uns darüber diskutieren, kaufen Sie den Stern!

    Die rhetorischen Mittel, die der Autor verwendet, gehören, so vermute ich mal, zum Handwerkszeug eines jeden Journalisten (m/w/d). Der Text selbst bringt nicht wirklich Neues.

    Es kommt zu Nebenwirkungen, die in einem zeitlichen Zusammenhang zur Impfung stehen. Bei manchen ist es unklar, ob sie mit der Impfung kausal zusammenhängen. Diese sind zum Teil oder unter Umständen systematisch unzureichend erfasst (z.B. weil die Geimpften es nicht ans PEI melden oder die behandelnden Ärzte (m/w/d) keinen kausalen Zusammenhang zur Impfung sehen).

    Sämtliche Nebenwirkungen treten selten auf, Lebensbedrohliche äußerst selten. Sie verschwinden aber auch wieder. Die Impfung wirkt.

  4. @Carsten Ramsel

    Ok, so kann man es auch sehen. ;)

    BTW, ich habe mich bereits letztes Jahr Oktober geärgert, als im gedruckten stern eine große Titelstory erschien:

    “Ich bin nicht geimpft” – Nicht jeder Ungeimpfte ist ein Querdenker. Was Menschen bewegt, die immer noch zögern

    Drinnen standen die Erklärungen von neun Personen (teils aus dem medizinisch-pflegerischen Bereich), zentral in Szene gesetzt mit Ganzkörperfoto.

    Alle Interviewten beklagten sich auf die eine oder andere Weise, dass ihre Entscheidung gegen eine Impfung nicht gehört würde, dass sie nicht genügend respektiert würden bzw. dass Druck ausgeübt würde, dass “kritische” Stimmen in den “klassischen” Medien nicht zugelassen seien. Aber nein, sie seien natürlich keine Querdenker oder vertreten Querdenker-Argumente.

    Der eigentliche Artikel, der sich die Argumente der “Skeptiker” durchaus kritisch vornimmt, ging angesichts dieser geballten Masse an Gefühlsduselei und persönlichen Meinungen natürlich unter.

  5. @Martina Rheken

    Ach nee, wer hätte das gedacht!

    Wenn in Kürze Valnevas „echter“ Totimpfstoff zur Verfügung steht, werden wir das gleiche Spiel erleben. Das Teil wird ein Ladenhüter wie Novavax. Die Coronaleugner und Impfgegner werden genügend Pseudoargumente gesammelt haben, auch dieses Vakzin abzulehnen.

  6. @ RPGNo1

    Pseudoargumente [um] auch dieses Vakzin abzulehnen

    Bei VLA2001 wird das auch ganz einfach sein: ALUMINIUM!!!AUTIMSUS!!!!1elf!!

  7. @RainerO

    Machst du einen auf Bert Ehgartner? ;)

  8. @RPGNo1 am 4. März 2022 um 14:47

    Which proves my point.

  9. @ RainerO, RPGNo1 u. Carsten Ramsel:

    Doch nicht nur Aluminium – viel schlimmer:
    https://www.br.de/nachrichten/wissen/neuartiger-corona-impfstoff-so-wirkt-das-vakzin-von-valneva,Sz1LOrr – es ist „CpG 1018 (…), ein kleiner Schnipsel synthetisch hergestellter DNA.“ War zwar schon in der Hepatitis-B-Impung enthalten, aber hey, ES IST DNA!!! (Dramatische Musik wieder aus.)

    Wobei ich gerade im beruflichen Umfeld (Krankenhaus) die skurrilsten Erfahrungen gemacht habe:

    – Ein Ehepaar wartete tatsächlich auf die Nuvaxoid-Zulassung – beide etwa einen Monat vor Auslieferung der Vakzine infiziert, zwar nicht mit schwerem Verlauf, aber einer der beiden mußte stationär behandelt werden.

    – Offenbar dank der Impfpflicht haben sich einige Kollegen noch mit mit Comirnaty immunisieren lassen, der zuständige Impfarzt muß nächste Woche aber noch einmal ran – um an zwei Klinikstandorten weniger als zwei Dutzend Menschen mit Nuvaxoid zu impfen! Dafür ist er natürlich von seiner eigentlichen Tätigkeit abgezogen.

    Grandiose Arbeitsbeschaffungsmaßnahme, obwohl es mich eigentlich freuen sollte, dass wir damit einige Zauderer noch einfangen konnten.

    Völlig unverständlich:

    – In einer Abteliung meines Hauses wird auf personelle Verstärkung gewartet. Der infrage kommende Kandidat kann derzeit aber die Arbeit nicht antreten: Ungeimpft, will sich überhaupt nicht impfen lassen. Hoffnung des Abteilungschefs: Die Impfpflicht wird ja noch gekippt werden, dann kann der Stellenanwärter doch noch dort einsteigen (sic!!)!!!

    Kann man auch noch als „fachspezifische Spezialität“ auf der Bullshit-Bingo-Karte ergänzen. Was für ein unglaublicher Mist, so etwas auch nur in Erwägung zu ziehen!

  10. @borstel

    Korrigiere mich, wenn ich falsch liege. Aber die einrichtungsbezogene Impfpflicht für Pflegekräfte kommt am 15.3, da beißt die Maus keinen Faden ab. Ich habe auch nichts davon gelesen, dass es irgenswelche Klagen dagegen gibt, die dann auch noch Aussicht auf Erfolg haben könnten.

    https://www.br.de/nachrichten/wirtschaft/ueberproportional-viele-pflegekraefte-auf-arbeitsplatzsuche,Syv2SWJ

    https://www.pflegen-online.de/duerfen-ungeimpfte-nach-dem-15-maerz-weiterarbeiten

  11. Nun ja, da läuft schon noch etwas:
    https://www.bundesverfassungsgericht.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/DE/2022/bvg22-012.html

    „Die abschließende Prüfung der Verfassungsmäßigkeit bleibt jedoch dem Hauptsacheverfahren vorbehalten.“ Also ist die Kuh letztlich doch nicht ganz vom Eis, aber es stimmt: Erst einmal kommt die Impfpflicht.

    Somit ist es einfach nur blöde, auf eine von der Eilentscheidung abweichende Hauptsacheentscheidung des BVerfG, wann immer sie kommen möge, zu setzen. Von verantwortungslos gegenüber Kollegen und Patienten mal ganz abgesehen.

  12. @borstel

    Danke schön für den Hinweis.

    Somit ist es einfach nur blöde, auf eine von der Eilentscheidung abweichende Hauptsacheentscheidung des BVerfG, wann immer sie kommen möge, zu setzen. Von verantwortungslos gegenüber Kollegen und Patienten mal ganz abgesehen.

    *signed*

  13. Spiegel+: Große US-Studie. Impfnebenwirkungen meist harmlos und schnell vorüber von Katherine Rydlink

    Viele Menschen hatten oder haben Angst vor Impfnebenwirkungen. Eine große US-Studie stellt nun klar: Die meisten Reaktionen sind unbedenklich. Nur in wenigen Einzelfällen kam es zu schweren Nebenwirkungen oder Todesfällen.

    https://www.spiegel.de/gesundheit/coronavirus-impfnebenwirkungen-meist-harmlos-und-schnell-vorueber-a-380d62f4-f97a-4a14-8b10-596d5af537ce

  14. Und nochmal die Bestätigung.

    Seit einer Woche wird in Deutschland der neue Novavax-Impfstoff verimpft. Er sollte neuen Schwung in die Impfkampagne bringen. Doch erste Berichte aus Impfzentren und Arztpraxen sind ernüchternd. Nur wenige lassen sich nun mit Nuvaxoxid impfen.

    https://www.focus.de/gesundheit/news/die-nuvaxoxid-ernuechterung-novavax-galt-als-hoffnungstraeger-jetzt-will-es-kaum-einer-haben_id_63720667.html

  15. Kommt diese Impf-Kampagne der Bundesregierung nicht etwas spät?

    https://www.bundesregierung.de/breg-de/aktuelles/7-gute-gruende-corona-impfung-2001630

  16. FAZ: Neuer Impfstoff : Warum Impfgegner auch Novavax nicht überzeugt

    Impfverweigerern ist Novavax egal: Es geht ihnen ums Prinzip und nicht um den Impfstoff. Wer jetzt noch eine höhere Impfquote sehen will, muss die Impfpflicht beschließen.

    https://www.faz.net/aktuell/rhein-main/frankfurt/warum-impfgegner-der-corona-impfstoff-von-novavax-nicht-ueberzeugt-17859444.html

  17. »Das Auftreten von Herzmuskel- und Herzbeutelentzündungen nach Nicht-Coronaimpfungen könnte bedeuten, dass diese Nebenwirkungen der Entzündungsprozesse sind, die von jeder Impfung angestoßen werden«, sagt Infektiologe Jyoti Somani, Co-Autor der Studie. »Das unterstreicht, dass die Risiken solcher seltenen unerwünschten Ereignisse durch die Vorteile der Impfung aufgewogen werden sollten, zu denen ein geringeres Risiko für Infektion, Klinikeinweisung, schwere Erkrankung und Tod durch Covid-19 gehört.«

    Wie in anderen Studien zuvor, rechnet auch das Team um Kollengode Ramanathan vor, dass das Risiko von Herzmuskelentzündungen im Falle einer Coronainfektion deutlich größer als ist nach einer Impfung.

    Alle medizinischen Experten, die über Herzmuskelentzündungen nach Coronaimpfungen berichtet haben, hätten betont, dass in der Pandemie der Nutzen der Impfung weiterhin deutlich größer ist als das Risiko, schreibt Margaret Ryan. Dennoch dürfe die Forschung nicht stehen bleiben: Andere Impfstoffe, andere Dosierungen, andere Zeitabstände zwischen Impfungen könnten dazu beitragen, das Risiko dieser seltenen Nebenwirkung weiter zu senken, und sollten erforscht werden.

    https://www.spiegel.de/gesundheit/herzmuskelentzuendung-studie-vergleicht-seltene-nebenwirkung-nach-unterschiedlichen-impfungen-a-3cf3900e-de29-442e-ba3f-2b5f67ab32f2

  18. Manche Mutationen schützen wohl vor Covid-19
    Selbst enger Kontakt mit Infizierten bedeutet nicht, dass man sich automatisch mit Covid-19 ansteckt. Dabei spielen neben anderen Faktoren auch Genvarianten eine Rolle.

    https://www.spektrum.de/news/manche-mutationen-schuetzen-wohl-vor-covid-19/2008834

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