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Schon mehr als 1000 Geimpfte mit Stöckers selbst entwickelter Vakzine ohne Zulassung?

| 22 Kommentare

Welt+ gibt heute ein Update zu Winfried Stöcker und seinem selbstgebastelten Corona-Impfstoff.

Die Zusammenfassung:

  • Nach Stöckers Angaben seien bereits mehr als 1000 Personen mit dem Self-Made-Vakzin ohne Zulassung geimpft worden.
  • Eine solche illegale Impfaktion soll vor kurzem im Landkreis Görlitz stattgefunden haben. Die Staatsanwaltschaft Görlitz lässt deswegen gegen Unbekannt ermitteln.

Der MDR will aus Behördenkreisen erfahren haben:

Die Arbeit sei nicht einfach. Rings um den Professor sei eine Mauer des Schweigens entstanden, hieß es.

  • Die sächsische Landesärztekammer sieht dagegen keinen Grund zum Handeln:

Ihr Präsident Erik Bodendieck […] stellt klar: „Sollten uns Namen von beteiligten Ärzten bekannt werden, würden wir sofort eine berufsrechtliche Prüfung vornehmen.“

  • Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Lübeck (wo Stöcker seinen Wohnsitz hat) dauern noch an.

Grundlage sind zwei inhaltsgleiche Anzeigen gegen Stöcker vom Landesamt für Soziale Dienste Schleswig-Holstein und vom Paul-Ehrlich-Institut wegen „unerlaubter Verabreichung eines nicht zugelassenen Impfstoffes“. Anwaltlich vertreten wird der 74-jährige Labormediziner von FDP-Vize Wolfgang Kubicki

Dahinter verbirgt sich ein medizinischer Online-Vertrieb in Salzburg, der gegenüber der Welt jede Auskunft zu den Geschäftsbeziehungen mit Stöcker verweigerte.

  • Ob und wie wirksam das Vakzin tatsächlich ist, bleibt weiterhin unklar – „datenbasierte Evidenz fehlt“, schreibt der Autor Jan Klauth.
  • Stöcker selbst beruft sich wie gehabt auf einen Paragrafen über „individuelle Heilversuche“ im Arzneimittelgesetz. Seine Aussage:

Bei der Behandlung seiner Patienten darf dem Arzt niemand reinreden. Das ist geltendes Recht.

Allerdings ist fraglich, ob eine Impfung als „Heilversuch“ betrachtet werden kann, schließt der Artikel:

Derlei Punkte müsste die zuständige Landesärztekammer beantworten. Sie weicht aber auf Nachfrage aus.

Zum Weiterlesen:

  • Seit Monaten impft dieser Arzt – mit einem Vakzin ohne Zulassung, Welt+ am 26. Juli 2021
  • Kripo Görlitz ermittelt wegen illegaler Impfaktion in Schönau-Berzdorf, mdr am 23. Juli 2021
  • Impfstoff-Streit: Ist Professor Stöcker ein Oberlausitzer Wohl- oder Straftäter? mdr am 22. Juli 2021
  • So lief Stöckers heimliche Impfaktion ab, Sächsische Zeitung am 25. Juli 2021
  • Winfried Stöcker und sein Corona-Impfstoff im Marmeladenglas, GWUP-Blog am 6. März 2021
  • Der selbstgebastelte „Impfstoff“ aus Lübeck, Relativer Quantenquark am 6. März 2021
  • Kein Held im Kampf gegen Covid-19: Winfried Stöcker und das Antigen, swr am 11. März 2021
  • Impfzwang oder Freiwilligkeit? So will das RKI die Impfkampagne voranbringen, stern.de am 26. Juli 2021
  • Debatte über Impfpflicht: Was ist rechtlich erlaubt? tagesschau.de am 26. Juli 2021
  • Krank trotz Corona-Impfung: Woher kommen „Impfdurchbrüche“? ndr am 26. Juli 2021
  • Polit-Debatte: Keiner will die Impfpflicht – aber was dann? zdf.de am 26. Juli 2021
  • Wer sich für eine Impfpflicht ausspricht – und wer nicht, Süddeutsche am 26. Juli 2021
  • Wie manche Impfskeptiker ihre Kinder mit Chlorbleiche gefährden, BR 24 am 23. Juli 2021

22 Kommentare

  1. Dem Mann sollte unbedingt das Handwerk gelegt werden. Als ich zuerst über diesen Fall gehört hatte, hatte ich noch gedacht, dass wenn er recht hat, man ihn gewähren lassen sollte.

    Aber gibt es irgendwelche Nachweise, dass sein Vakzin wirksam ist? Gibt es irgendwelchen Nachweise, dass sein Vakzin nicht schadet?

    Wenn er sich an die Regeln gehalten hätte, hätte sein Impfstoff längst zugelassen sein können und er finanziell ausgesorgt haben. Warum hat er das nicht getan?

    Das lässt mich vermuten, dass er substanzielle Gründe dafür hatte, und die nicht in der Wirksamkeit seiner Methode liegen!

    Wenn man eine Arznei auf den Markt bringt, muss man sich an die Regeln halten. Die gibt es, weil man aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt hat und jeder der dagegen verstößt, sollte zur Rechenschaft gezogen werden.

  2. Was ist eigentlich von Stöckers Aussage

    Bei der Behandlung seiner Patienten darf dem Arzt niemand reinreden. Das ist geltendes Recht

    zu halten?

    Die Leute, denen er sein „Antigen“ verabreicht, sind nicht krank, und deswegen behandelt er sie auch nicht. Sondern er missbraucht sie als Versuchskaninchen für ein ungetestetes, nicht zugelassenes Vakzin.

    Bewegt sich Stöckers Handeln tatsächlich im Rahmen der Therapiefreiheit (so nennt man das doch), ist es eine Grauzone oder doch nur schlicht eine Selbstrechtfertigung?

  3. @RPGNo1:

    Seine zweite Ausrede hat ähnlichen Gehalt:

    Im Übrigen brauche ein Arzt keine Erlaubnis, sofern er ein Arzneimittel zum Zweck „der persönlichen Anwendung bei einem bestimmten Patienten“ herstellt.

    Bei Massenimpfungen?

  4. Ich hoffe nur das die Versuchspersonen nicht später Bereuen dort mitgemacht zu haben. :-(

  5. der Stöcker erinnert mich stark an den alten Sauerbruch, die in der ddr haben drei Kreuze geschlagen als sie ihn endlich loswurden, anschlißend hat er in west-B die Leute auf dem „Küchentisch“ -operiert- bis ihm das Messer aus der Hand genommen wurde. Die typische Selbstüberschätzung von alternden docs siehe bakhdi ua.

    Und die Versuchskaninchen haben so ein dickes Brett vorm Kopf wenn bei denen NW auftreten suchen die überall nur nicht beim Stöcker.

    „Wenn man die hp`s , homöos und anderes Geschwurbel und jetzt noch den Stöcker sieht (und keiner steckt den in die Klapse) – zweifle ich stark an der oft beschworenen Qualität der Gesundheitsversorgung in Deutschland!“

  6. Das, was mir in diesem Fall so besonders ungut aufstößt, dass von so manchem Kritiker der derzeit in der EU zugelassenen Impfstoffen – weil zu wenig getestet, geprüft, zu schnell zugelassen usw. – der nicht zugelassene Impfstoff des Herrn Stöcker wiederum bejubelt wird.

    Wie geht das zusammen?

    Weil es sich hier um einen ausgewiesenen „Anti-Mainstream Impfstoff“ handelt? Macht das den Reiz aus?

    Offensichtlich kann man unter dem Label „Anti-Mainstream“ manchen Menschen den größten Blödsinn andrehen.

    Himmel!!!

  7. Dieser Durchgeknallte glaubt tatsächlich an eine faktisch wie rechtlich völlig entgrenzte Therapiefreiheit.

    Die erste Hürde, die er nicht zu nehmen vermag, sind dabei mal gleich die Ethikgrundsätze des Weltärztebundes. Ich weiß gar nicht – ist er überhaupt Arzt mit Approbation … ?

    Dann wäre eh jede weitere Debatte hinfällig.

    Sein Irrtum: Ärzte sind nun mal keine Heilpraktiker, denen de facto alles erlaubt ist, was nicht verboten ist (siehe Krefelder Prozess, in dem nicht die Verwendung eines Mittels geahndet wurde, das jeden Arzt seine Zulassung gekostet hätte, sondern die fahrlässige Verwendung einer ungeeigneten Waage)

    – nein, der Arzt ist von allerlei faktischen wie auch rechtlichen Einhegungen umgeben, was ihm sein Anwalt wohl bislang noch gar nicht richtig erklärt hat (wenn er das kann und will). Die Spitzfindigkeiten mit der experimentellen Behandlung und der Therapiefreiheit sind blanker Unsinn – Anwaltsgeschwätz.

    Völlig belanglos im vorliegenden Kontext einer zulassungspflichtigen Schutzimpfung.

    Die Staatsanwaltschaften sollten mal die Füße heben und den Anfangsverdachten intensiv nachgehen – Hausdurchsuchungen bei Stöcker in Lübeck und evtl. verdächtigen Arztpraxen wären das Mindeste. In Letzteren müssten ja Impfungen dokumentiert sein, jedenfalls aber Patientenkontakte – denen man wiederum nachgehen könnte.

    Was da wohl im Impfausweis steht … „StöckerDIY Ch.-B. OO 0000“?

  8. @Udo Endruscheit

    Was da wohl im Impfausweis steht … „StöckerDIY Ch.-B. OO 0000“?

    Guter Hinweis. Daran hat anscheinend sonst niemand dran gedacht.

    Andererseits wäre ich nicht erstaunt, wenn der Impfausweis während des Impfens nach Vorbild Gifhorn gefälscht worden ist. Es sollen sich nach den Nachrichten ja auch Ärzte gefunden haben, die die illegale Aktion ohne jegliche Skrupel unterstützt haben, indem sie das „Antigen“ verabreichten.

    https://www.zeit.de/news/2021-07/22/falsche-corona-impfausweise-polizei-durchsucht-praxis

  9. Wer kennt eine Ärztin/Arzt die mir impfstoff von Prof Dr Winfried Stöcker verabreichen kann ?

  10. @Krijger:

    Ich würde es mal bei Dr. Frankenstein oder Dr. Mabuse versuchen.

    P.S.: Es nützt auch nix, wenn Sie die Anfrage via Facebook wiederholen.

  11. Nun, wenn ich so jemanden kennen würde, hätte ich das schon längst gemeldet.

    Was für eine seltsame Anfrage. Glaubt Krijger ernsthaft, dass es ausgerechnet hier jemanden gibt, der ihm einen Namen nennen könnte/würde. Da wäre er in den einschlägigen Wahnwichtel-Telegram-Gruppen wesentlich „besser“ augehoben.

  12. Ein „individueller Heilversuch“ kann nach meinem Verständnis nicht sein, was Herr Stöcker da gemacht hat. Es geht ja nicht um Krankheitsfälle ohne alternative Behandlungsmöglichkeit, sondern um Experimente mit gesunden Menschen.

    Aber ich bin kein Jurist, wer weiß, was es da für Seitenwege gibt. Die Marmelade von Stöcker hat übrigens einen guten Ruf, da wird er mit den Inhaltsstoffen vermutlich nicht so juristisch leichtfertig umgehen.

  13. @ Joseph Kuhn

    Stöcker ist mir sehr unangenehm und bedenklich, weil er aufgrund seines erheblichen (positiven) Engangements für die schlesische Oberlausitz derart viel Einfluß in allem möglichen anderen Bereichen hat gewinnen können.

    Unabhängig davon (ebenfalls als Nichtjurist): Ein Heilversuch kann wohl auch der Verhütung einer Krankheit dienen. Aber die (berufsrechtlich relevante) Deklaration von Helsinki formuliert klar, daß ein solcher Versuch nur dann zulässig ist, wenn etablierte therapeutische Verfahren nicht zur Verfügung stehen.

    Das trifft angesichts mehrerer zugelassener Impfstoffe aber nicht zu. Und Stöcker scheint ja noch nicht einmal den Versuch gemacht zu haben, den „ordentlichen“ Weg über AMG und behördliches Zulassungsverfahren zu gehen.

    Und wenn Stöcker auch nur einen Menschen mit seiner Vakzine behandelt und es geht etwas schief, dann ist er haftungsrechtlich in der Verantwortung. Aber er behandelt ja tatsächlich viel mehr Menschen, dann ist es nicht mehr viel her mit dem „individuellen“ Versuch.

    Verdient er eigentlich viel daran? Oder ist er halt nur mediengeil?

    Da er zu allem Überfluß nicht ein bereits vorhandenes Medikament off label einsetzt, sondern einen Wirkstoff selbst herstellt und verabreicht, dürfte er überdies gegen § 13 AMG (Herstellungserlaubnis) verstoßen.

    Das Verhalten der SLÄK ist ein wenig eigenartig, erklärt sich aber womöglich auch daraus, daß (laut WP) Stöcker in der Nähe Lübecks wohnt. Wenn Stöcker als Arzt nicht in Sachsen einer beruflichen ärztlichen Tätigkeit nachgeht, und er im Kammerbereich Schleswig-Holstein seine Meldeadresse hat, dann liegt der Ball im Spielfeld der ÄKSH, wenn es um berufsrechtliche Sanktionen geht.

    Kiel, bitte aufmerken.

  14. @borstel:

    Verdient er eigentlich viel daran? Oder ist er halt nur mediengeil?

    Da er bereits Multimillionär sein soll, ordne ich ihn in diesselbe Kategorie wie Bhakdi ein: narzisstischer alter Mann, der nicht verwinden kann, dass die größte Gesundheitskrise in Deutschland an ihm vorbeiläuft.

  15. @ borstel:

    Ich finde ich Netz keine Quelle, dass ein individueller Heilversuch der Verhütung einer Erkrankung dienen kann. Das würde nach meinem Empfinden auch nicht zur Logik dieser „Notfallbehandlung“ passen und ich wäre für einen Link sehr dankbar.

    Was mir auch nicht klar ist: Im Blogbeitrag oben steht, Herr Stöcker würde sich auf einen Paragrafen über individuelle Heilversuche im Arzneimittelgesetz berufen. Ist bekannt, welchen Paragrafen er meint? Individuelle Heilversuche sind meines Wissens im AMG nicht geregelt, sondern fallen unter die ärztliche Therapiefreiheit.

  16. Joseph Kuhn:

    Die Formulierung in dem Artikel lautet:

    Juristisch sieht sich Stöcker durch den Paragrafen über „individuelle Heilversuche“ im Arzneimittelgesetz abgesichert.

    Allerdings scheint es in der Tat einen solchen Wortlaut-Paragraphen nicht zu geben, sondern lediglich die bekannten „Härtefall-Programme“, „Notstandsregelungen“ sowie der Paragraph 34 StGB:

    https://www.vfa.de/de/patienten/artikel-patienten/behandlung-mit-medikamenten-die-noch-nicht-zugelassen-sind.html

    https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/daz-az/2016/daz-15-2016/jenseits-der-zulassung

  17. @borstel, Bernd Harder

    „Stöckers Vermögen wurde im Jahr 2019 auf 300 Millionen Euro geschätzt.“ Quelle Wikipedia

    Einen Punkt möchte ich noch zur Herstellerlaubnis ergänzen. Diese besagt, dass eine Firma Medikamente herstellen darf. Laut der Homepage besitzt Stöckers „Klinisch-immunologisches Labor“ in Lübeck eine Akkreditierung der DAkkS. Eine Herstellerlaubnis nach § 13 AMG finde ich nicht.

    Was noch wichtiger ist: Das Labor besitzt anscheinend auch kein GMP-Zertifikat. Es exisitert kein Beweis, dass die Produktion des Antigens einem ordentlich dokumentierten Qualitätssystem unterliegt und somit einer kontrollierten Produktion und Qualitätskontrolle.

    Meine Vermutung ist ja, dass sich Stöcker damit herausredet, dass ihm als Arzt bei der Behandlung seiner Patienten nicht reingeredet werden darf, selbst wenn er wenn die Produktion des Antigens in quasi-industriellem Maßstab erfolgt und nichts mit individuellen Heilversuchen zu tun hat.

  18. @ Joseph Kuhn:

    Da habe ich in den Punkt 37 der Deklaration von Helsinki

    https://www.bundesaerztekammer.de/fileadmin/user_upload/downloads/pdf-Ordner/International/Deklaration_von_Helsinki_2013_20190905.pdf

    tatsächlich zunächst etwas hineingelesen, was nicht stimmt. Der Abschnitt läßt sich nicht einmal mit viel Gewalt auf präventive Maßnahmen beim Gesunden anwenden. Entschuldigung dafür!

    Ein Verstoß gegen die Berufsordnung (jenseits einer anderweitigen rechtlichen Relevanz) bleibt es umso mehr.

    @ RPGNo1 und Bernd Harder:

    Danke für die vertiefende Recherche! Die eklatante Mißachtung des informed consent und der Indikationsstellung könnten wirklich darauf hindeuten, daß Stöcker nur ein alternder Narzißt mit einem gewaltigen Anteil Größenwahn ist, und es ihm nicht ums Geld geht. Oder mußten seine Versuchskaninchen etwa auch noch bezahlen?

  19. @ borstel:

    „Oder mußten seine Versuchskaninchen etwa auch noch bezahlen?“

    Vielleicht war’s ein Bonusangebot für langjährige Marmeladekunden? ;-)

  20. Zumindest ist bis heute kein Impfdurchbruch bei Störckers Impfstoff bekannt!

  21. @Wappel:

    Tolles Argument, gratuliere.

    Es ist gar nichts zu „Stöckers Impfstoff“ und den angeblich oder tatsächlich Geimpften bekannt.

    Wie wollen Sie bei einer anonymen Impfaktion im Nachhinein Nebenwirkungen ermitteln? Das können Sie uns doch sicher sagen, wo Sie sich so viele Gedanken dazu gemacht haben.

  22. @Wappel

    Wie viele Leute wurden mit der Stöcker-Pampe geimpft? ca. 1000.

    Wie viele mit zugelassenen Vakzinen in Deutschland? 42 Millionen. Wie viele Impfdurchbrüche gab es? 7.229 (Datenstand: 25.07.2021).

    Jetzt müssen Sie nur noch das Köpfchen anstrengen, und ein wenig Mathe anwenden, und Sie haben Ihre Antwort.

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