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Gespenstersehen: die isolierte Schlafparalyse

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Das Phänomen des „Gespenstersehens“ (was auch Hexen, riesenhafte Katzen, Dschinns, Aliens und andere Schreckensvisionen einschließt) ist Thema im aktuellen Spiegel (Nr. 29/21):

Die Wissenschaftsredakteurin Julia Koch stellt die Forschungen des Neurowissenschaftlers Baland Jalal und des klinischen Psychologen Brian Sharpless zur isolierten Schlafparalyse (ISP) vor.

Demnach …

  • erleben knapp zehn Prozent aller Menschen mindestens einmal im Leben jenen Zustand, den Jalal als „Kollision von Traumwelt und Wachzustand“ beschreibt.
  • Die ISP geht nicht mit einer neurologischen Erkrankung einher,
  • tritt bei Frauen etwas häufiger auf als bei Männern
  • und ist bei psychiatrisch Vorerkrankten verbreiteter als bei anderen Menschen.

Dabei geraten bestimmte Abläufe des Schlafes aus dem Takt:

Der schlafende Körper und der wache Geist liefern sich dann einen bizarren Wettstreit um die Vorherrschaft über den Menschen […] Dann fährt, so die gängige Theorie, das Hirn manche Areale bereits hoch in den Wachzustand, während andere Zentren noch an den Körper die Botschaft „nicht bewegen“ senden.

In zwei Studien

trugen Sharpless und seine tschechische Kollegin Monika Kliková häufig auftretende Halluzinationen und Missempfindungen zusammen, die mit der Lähmung einhergehen:

Fast 60 Prozent der Befragten hatten das Gefühl, dass sich im Verlauf der Episode jemand – oder etwas – im Raum befand. Rund ein Viertel konnte diesen Eindringling auch beschreiben. Genannt wurden: Schattenwesen, Dämonen, Geister, Vampire, Tiere, Aliens. Manche halluzinierten Bekannte oder Verwandte herbei.

Auch der eigene Körper fühlt sich während einer Schlaflähmung eigentümlich an. Viele der Geplagten frieren und verspüren einen Druck auf der Brust, andere empfinden ein Kribbeln, Schmerz oder Taubheit in manchen Körperteilen. Auch von dem Gefühl, zu schweben, zu fallen, sich im Kreis zu drehen oder den eigenen Körper zu verlassen, wird oft berichtet.

Aber warum löst eine Schlafparalyse solche Trugwahrnehmungen aus?

Baland Jajal glaubt, dass zum einen der Botenstoff Serotonin eine Rolle spielt, der das Aufwachen bewirkt:

Kommt der Aufwachprozess ins Stocken, könnte das Gehirn von der Substanz überflutet werden. Zu viel Serotonin, das ist bekannt, kann Halluzinationen auslösen.

Zum anderen verwirre der neuronale Widerstreit zwischen Lähmungssignalen und Bewegungsimpulsen die Schaltkreise im Schläfenlappen des Großhirns.

Dagegen hilft – wenig. Im Grunde nur, sich klarzumachen, dass keine reale Gefahr droht.

Zum Youtube-Kanal von Baland Jalal geht es hier.

Zum Weiterlesen:

  • Spuk im „Spiegel“, GWUP-News am 17. Juli 2021
  • Schlafstörungen: Die Dämonen der Dunkelheit, Spiegel+ am 16. Juli 2021
  • „The Nightmare“: Geister, Aliens und Schlafparalyse, GWUP-Blog am 1. Juni 2015
  • Abduction by Aliens or Sleep Paralysis? Skeptical Inquirer Vol. 22.3, May/June 1998
  • Zwischen Traum und Realität – Entführt von Außerirdischen, Astrodicticum Simplex am 27. August 2009
  • Entführt von Außerirdischen? Hoaxilla-Podcast Nr. 72 vom 15. Januar 2012
  • Stell dir vor, du wachst auf und bist gelähmt – Betroffene erzählen, Vice am 7. August 2016
  • Dämonen in deinem Bett – Willkommen im lebendigsten aller Albträume, der Schlafparalyse, watson am 16. Februar 2017
  • Schlafend wach – das nächtliche Horrorerlebnis einer Schlafparalyse, ze.tt am 7. Mai 2017
  • Video: Dämonen, Aliens und der schwarze Mann: Eine kurze Geschichte der isolierten Schlaflähmung, Skeptics in the Pub Wien am 21. April 2021

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