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Die „WTC 7 wurde gesprengt“- Studie ist da – taugt aber nichts

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Endlich hat Daniele Ganser die – ohnehin reichlich schief sitzende – Maske des „Ich stelle doch nur Fragen“-Pseudoaufklärers fallen gelassen und sich belegbar festgelegt:

Da steht es also. Schwarz auf weiß:

WTC 7 wurde gesprengt.

Das könnte zum einen darauf schließen lassen, dass der selbst ernannte Friedensforscher ziemlich verzweifelt sein muss und sein Gebaren sich immer weiter radikalisiert, um die erwartungsfrohe Fanbase noch bei Laune zu halten.

Zum anderen bestätigt Ganser damit den typischen Habitus von Verschwörungstheoretikern, die alles und jeden unter Generalverdacht stellen – aber die Behauptungen von Truthern und Alternativmedien bereitwillig und ungeprüft übernehmen.

https://blog.gwup.net/2018/08/11/video-hat-leroy-hulsey-die-offizielle-version-von-9-11-widerlegt/

Ganser feiert hart die „WTC 7 Reevaluation-Study“ von Leroy Hulsey, die seit Jahren fragmentarisch durchs Netz geistert – und zu der es bereits einige kritische Anmerkungen gab.

Zum 18. Jahrestag der Anschläge vom 11. September hat Hulsey (finanziert von der Truther-Organisation Architects & Engineers for 9/11 Truth) jetzt seine ganzen 126 Seiten endlich vorgelegt.

„Einige Probleme damit“ hat sogleich der amerikanische Debunker Mick West von Metabunk aufgezeigt:

Im deutschsprachigen Raum hat sich Dr. Holm Hümmler das Ganze angesehen. Seine ausführliche Analyse ist auf seinem Blog Quantenquark erschienen:

Warnung: Der Artikel ist kein übliches Blogformat, weil es eher eine umfassende Abrechnung mit [dem] Machwerk sein soll, das man auch mal irgendwo verlinken kann, wo es nötig ist. Anders gesagt: Das wird lang.

Ganz überraschender Spoiler: Sie [Hulseys Studie] taugt nichts.

Zum Weiterlesen:

  • Alle paar Jahre grüßt das 11.September-Murmeltier, Relativer Quantenquark am 19. September 2019
  • Sept 3, 2019 release of Hulsey’s WTC7 draft report: Analysis, metabunk am 3. September 2019
  • TFTRH #21 Donald Friedman – After 9-11: An Engineer’s Work at the World Trade Center, metabunk am 9. September 2019
  • Neues Buch von Metabunk- Betreiber Mick West: „How to Debunk Conspiracy Theories“, GWUP-Blog am 26. März 2019
  • Holm Hümmler: Verschwörungsmythen. Wie wir mit verdrehten Fakten für dumm verkauft werden. Hirzel 2019, 224 Seiten, 19,80 €
  • Video: Hat Leroy Hulsey die offizielle Version von 9/11 widerlegt? GWUP-Blog am 11. August 2018
  • Verschwörungstheorien: Professor Michael Butter über „Die Methode Ganser“, GWUP-Blog am 14. April 2019
  • 9/11 und Social Media: Mit zwölf Schritten in die Verschwörungsgalaxie, Spiegel-Online am 11. September 2019

10 Kommentare

  1. Kurzfassung bei Facebook:

    „Wenn Hulsey in seiner Modellierung voraussetzt, dass sechs Sekunden, bevor sich alle Säulen vom 8. bis 16. Stock in Luft auflösen, schon drei Säulen im 45. Stock aufgelöst haben, muss es dafür ja irgendeine Erklärung geben. Feuer gab es so weit oben im Gebäude untstreitig nicht.

    Das ist eben genau Hulseys Masche: Er stellt implizite Behauptungen auf, spricht sie aber nicht aus und weigert sich auch, darüber zu diskutieren, damit nicht offensichtlich wird, wie unsinnig die eigentlich sind.“

    https://www.facebook.com/groups/wissenschaft.und.pseudogedoens/permalink/1300039626786600/?comment_id=1300785550045341

  2. Donnerwetter, es gibt tatsächlich Leute, die dieses Monstrum von Studie ganz durchgelesen und vielleicht sogar nachgerechnet haben? Respekt. Wo haben die nur so viel Zeit her? Allen, die sich diese Mühe machen, gilt mein ganz herzlicher Dank!

  3. Der Schweizer Daniele Ganser bedient in einem Münchener Theater das alternative Milieu mit allerlei 9/11-Geraune. Der Applaus ist ihm gewiss.

    https://taz.de/Verschwoerungsguru-Ganser-in-Muenchen/!5627768/

  4. Ich habe mir die Mühe gemacht und alle Seiten von Pro und Contra zu lesen. Jedem etwas Statik Interessierten, man muss dafür kein Statik Fachmann sein, ( etwas Materialkunde reicht ) verschlägt es die Sprache das ein Stahlskelettbau durch ein Brand im freiem Fall ziemlich senkrecht einzürzen kann. Das geht nicht ! Das hat es weder vorher noch nachher gegeben und das bei sehr viel heftigeren Bränden. Es kann einfach nicht funktionieren ! Stahl löst sich nicht in Luft auf, sondern wird weich und bildet ein Hindernis, sorgt also für Verzögerung. Alle andere ist völlig aus der Luft gegriffen.

  5. @der Freak:

    Das Problem ist, dass nichts von diesen Behauptungen, auf die es „keine Antwort“ gibt oder die „gar nicht sein können“, stimmt.

    – Es gab keinen „freien“, ungebremsten Fall.

    – Der Stahl hat sich nicht „in Luft aufgelöst“.

    – Ein Wolkenkratzer dieser extremen Höhe kann ab einem gewissen Neigungswinkel gar nicht anders als senkrecht einstürzen.

    – „Das hat es weder vorher noch nachher gegeben und das bei sehr viel heftigeren Bränden.“

    Falsch: https://www.nbcnews.com/news/world/tehran-s-iconic-plasco-building-collapses-after-fire-iran-state-n708721

  6. @ Bernd Harder, ja, genau so stürzen Gebäude ein. Ich finde sehr wenig Hintergrundinfos zum Gebäude aber das Video zeigt sehr deutlich wie sich Material verhält. Bei WTC 7 sieht das aber ganz anders aus. Der Freie Fall wird bei Wikipedia angegeben https://de.wikipedia.org/wiki/World_Trade_Center_7 , Hat Du schonmal Jenga gespielt oder Sprengungen hoher Türme die Schief gelaufen sind gesehen ? Kannst Du mir bitte Infos geben wie Du zu dieser Aussage kommst ? – „Ein Wolkenkratzer dieser extremen Höhe kann ab einem gewissen Neigungswinkel gar nicht anders als senkrecht einstürzen.“

  7. @der Freak:

    Der Freie Fall wird bei Wikipedia angegeben.

    Nein, bitte genau lesen:

    Der Einsturz der Nordfassade beschleunigte sich für 2,25 Sekunden Dauer auf ein Tempo des freien Falls und verlangsamte sich wieder.

    Die „Nordfassade“, die kaum mehr als eine leere Hülle war, ist für etwa zwei Sekunden im freien Fall zusammengestürzt – nicht aber das Gebäude selbst, hier nachzulesen.

    „Kannst Du mir bitte Infos geben wie Du zu dieser Aussage kommst?“

    Ich suche es raus.

  8. Ein Jengaturm ist eben ein völlig ungeeignetes Modell, weil er anders als ein Hochhaus viel zu wenig Hohlräume enthält, um in sich zusammenstürzen zu können. Ein schon etwas geeigneters Modell wäre eine Fassade aus Bauklötzen um einen hinreichend größen Innenhof.

  9. Bernd Harder, schau Dir mal die veröffentlichten Videos an. Einige zeigen das WTC 7 von zwei Seiten. Ein freier Fall ist nur möglich wenn es keinen Wiederstand gibt. Das passt von vorne bis hinten nicht mit dem NIST und der einen Säule. Ich weiss nicht wie man ein Videobeweis wegdiskutieren kann? Ich hoffe das Deine Augen funktionieren, meine das im Ernst und nicht böse. Das erst der Kern langsam einstürzt und dann im freien Fall die Fassade ist so wahrscheinlich wie das ich jedesmal 6 richtige habe wenn ich Lotto spiele. Ich glaube nicht an einen Einsturz durch Feuer. Ich bin mir sicher das durch ein Brand kein Gebäude so einstürzen kann. Ich arbeite übrigens in der Baubranche und bin ein Freak was Baustoffe angeht.

  10. @Der Freak:

    Nochmal: Es gab keinen „freien Fall“ – der „Augenschein“ reicht dafür nicht aus, um so einen komplexen Vorgang nachzuvollziehen:

    Die Einsturzvorgänge von Gebäudeinnerem und Nordfassade waren miteinander gekoppelt, liefen aber nicht simultan ab und müssen daher gesondert betrachtet werden.

    Die von Videokameras für kurze Zeit beobachtete Freifallbeschleunigung nur der Außenfassade lässt keine Rückschlüsse über die Fallbeschleunigung des Gesamtgebäudes zu.

    Der obere Teil der Nordfassade war zu Beginn ihres Einsturzes kaum mehr als eine leere Hülle.

    Die NIST-Erklärung dazu ist völlig plausibel:

    https://www.metabunk.org/debunked-nists-lack-of-explanation-for-wtc7-freefall-they-have-one-column-buckling.t9524/

    https://www.nist.gov/pba/questions-and-answers-about-nist-wtc-7-investigation

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