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Der alberne Versuch der Homöopathen-Lobby, Globuli als wirksam zu „deklarieren“

| 21 Kommentare

Preisfrage: Wie belegen Homöopathie-Lobbyisten die Wirksamkeit ihres Zauberzuckers?

Mit einer wissenschaftlich soliden Studie? Oder besser noch mit einer überzeugenden Meta-Studie?

Natürlich nicht!

Sie deklarieren einfach die Homöopathie als wirksame Medizin.

Ernsthaft!

So geschehen vergangene Woche – und sogar die Ärzte Zeitung online berichtete über das kindische „Pluralismus“-Gefasel der Homöopathen, wobei der Redaktion eine der fettesten Wirrwarr-Headlines ever gelang:

Dass man „medizinische Evidenz“ nicht herbei „deklarieren“ kann und dass ein solch alberner Versuch, totale Beliebigkeit zum Goldstandard zu erheben, keineswegs zur „Deeskalation“ beiträgt (ganz im Gegenteil) – das erklären den Unterzeichern der „Globuli-Deklaration“ Joseph Kuhn bei Gesundheits-Check und das INH.

In einer freiheitlichen Gesellschaft mag die Homöopathie als skurriles Element der individuellen Lebensführung auch künftig durchgehen, wie der Glaube an die flache Erde, aber der Binnenkonsens hat keine Berechtigung mehr, falls er denn je eine hatte.

Das Argument des Wissenschaftspluralismus ist in diesem Zusammenhang junk epistemology.

Nein, es kann nicht angehen, den international anerkannten Wissenschaftsbegriff, beruhend auf der kritisch-rationalen Methode, mit der Einführung eines „Wissenschaftspluralismus“ für Beliebigkeiten zu öffnen.

Welchen Nutzen das Gesundheitssystem daraus ziehen soll, dass unwirksame Therapien integriert werden, das bleibt wohl das Geheimnis der Autoren dieses Papiers, das wohl deshalb „Deklaration“ heißt, um über den dürftigen Inhalt hinwegzutäuschen.

Zum Weiterlesen:

  • „Homöopathie-Deklaration 2019“ – Das INH nimmt Stellung, INH am 12. Februar 2019
  • Jura in Kürze – Wissenschaftsfreiheit und Homöopathie: „Methodisch evident Unvertretbares, Gesundheits-Check am 10. Februar 2019
  • Wissenschaft – zwischen Dogma und Toleranz? Die Erde ist keine Scheibe am 8. Februar 2019
  • Homeopathy in Germany: desperate battles for survival generate desperate lies, edzardernst am 6. Februar 2019
  • Video: Streitgespräch zwischen Jutta Hübner und Jens Behnke über Homöopathie, GWUP-Blog am 7. Februar 2019

21 Kommentare

  1. Oder man versucht’s halt mit Verschwörungstheorien, wie der Herr Behnke:

    „Dr. Jens Behnke, einer der Wortführer der homöopathischen Fraktion, macht derzeit mit Tweets auf sich aufmerksam, die an Absurdität dem gleichkommen, was normalerweise handfeste Verschwörungstheoretiker in Richtung der Homöopathiekritiker loslassen.“

    https://www.facebook.com/keineahnungvongarnix/photos/a.1704880563151399/1999450203694432/?type=3&theater

  2. Ok, dann deklariere ich umgehend, dass es möglich ist, Blei in Gold umzuwandeln. Sollen mir doch die evidenzgläubigen Chemiker das Gegenteil beweisen.

    *zweimal mit dem Fuß aufstampfen*

    Im Ernst, der Artikel auf dem DZVhÄ-Portal ist an Lächerlichkeit nicht mehr zu überbieten.

    Und auf die Frage „Wer hat eigentlich Angst vor der immer stärker gewünschten Integrativen Medizin und Homöopathie in Deutschland?“ stelle ich die Gegenfrage „Wer hat eigentlich Angst davor, dass Homoöpathie den gleichen Belegen zur Wirksamkeit zu unterliegen hat wie die evidenzbasierte Medizin?“

    Keine Sorge, die Antwort liefere gleich mit: Ärzte, Heilpraktiker, Lobbyverbände, „Big Pharma“ u.v.a.m., die um ihre Reputation, ihre Daseinsberechtigung und zuletzt ihr Geldsäckel fürchten.

  3. Klar, wenn man ganz sicher weiß, dass man recht hat, müssen die anderen unrecht haben, und dann muss man eben die Welt so hinbiegen, dass das zusammenpasst.

  4. Man würde sich allerdings wünschen, dass solchen epistemologischen Verirrungen auch von Seiten der großen Wissenschaftsverbände widersprochen würde und der Widerspruch nicht wieder nur an den „Pharma-Söldnern“ ™ hängenbliebe.

    Warum? Käme diese Präsentation einer „Evidenz by declaration“ und eines „reformierten Wissenschaftsbegriffs“ an die internationale Öffentlichkeit, könnte der Wissenschaftsstandort Deutschland durchaus zur Lachnummer werden…

  5. Das mit dem Deklarieren haben die sich bei Donald Trump abgeguckt, der macht ja auch ständig irgendwelche Dekrete, die am Ende kaum das Papier wert sind, auf das er seinen Namen gekritzelt hat. Ich fürchte sogar, die Homöos hoffen, auf dieser Basis einen „Deal“ herausschlagen zu können.

    7’000 Homöo-Ärzte gibt es in Deutschland – wieviele Überseecontainer braucht man dafür wohl in etwa, und was kostet deren Transport in die USA? (Natürlich nur one-way.) Wäre doch ’ne Win-Win-Situation: wir haben hier unsere Ruhe und die Homöos können mit Donnie einen guten Deal aushandeln.

  6. Im großen Rundumschlag fordert man natürlich auch TCM und Anthroposophische „Medizin“ der evidenzbasierten Medizin gleichzustellen. Alles voll beweisbar, mit Studien natürlich, und wissenschaftlich belegt!!1elf!! Komischerweise muss ich bei „Pluralismus“ in letzter Zeit verstärkt an „Ethnopluralismus“ denken. Ein sinnentleerter Kampfbegriff für eine völlig falsche Sache.

    Wo kann man die Schwätzer wegen Falschaussage belangen…? :-)

    Immerhin: Die Homöos fühlen sich zurecht in die Ecke gedrängt. „Bewusste Stimmungsmache!“ – Ja klar, was denn sonst?

    Ich deklariere mich übrigens pro forma schon mal zum „Universitären Herrscher des gesamten Weltalls“. Kniet nieder, ihr Ungläubigen.

  7. Ich finde, die Homöopathen haben mit ihrer „Deklaration“ die für Homöopathika adäquate Version einer „Erklärung“ der Wirksamkeit gefunden. Eine Erklärung im Sinne des Hempel-Oppenheim-Schemas scheidet schließlich aus.

  8. Ist eigentlich irgendjemandem aufgefallen, wie viele der Unterzeichner der Deklaration mehr oder weniger eng mit der Antroposophie verbandelt sind?

    9 der Unterzeichner sind oder waren Dozenten in Witten-Herdecke, ein weiterer hat das Buch „Eurythmietherapie im zweiten Jahrsiebt“ geschrieben und noch einer ist Mitglied in der Gesellschaft Anthroposophischer Ärzte in Deutschland (GAÄD).

    Mein Eindruck ist, dass dieser Schulterschluss mit dem Einstieg in die politische Diskussion um den Binnenkonsens zusammenhängt. Von dem profitieren ja auch die Antroposphen.

  9. Die Homöos sollten sich mal das Soz.-Med. Team der BVG ausleihen…
    (aber lasst euch nicht in Globuli bezahlen und wenn dann im vorraus in bar ;-) )
    https://www.thebestsocial.media/de/weil-wir-dich-lieben-die-15-besten-bvg-social-media-momente-2017/

  10. @Ute Parsch: Ist mir aufgefallen!

    Anthroposophische „Medizin“ und Homöopathie gehen natürlich seit dem Binnenkonsens Hand in Hand – teils vermischen sie sich ja auch zu homöopathisch-anthroposophischen Präparaten wie Meditionsin. (https://susannchen.info/?p=2286). Da wächst zusammen, was abgeschafft gehört.

    Off Topic, aber mich ärgert auch, dass Homöopathen in ihren Wundermitteln tropische Hölzer verarbeiten dürfen, die laut CITES streng genehmigungspflichtig sind (Tonsipret mit tropischem Pockholz-Baum). Meine Terrasse darf ich damit nicht zudübeln, aber verdünnt darf ich es gegen Halsweh nehmen? Wtf…

  11. Vielleicht sollte man es ja den Politikern mal an einem anschaulicheren Beispiel erklären:

    Jemand behauptet, ein Holzwürfel würde nach Anwendung eines bestimmten Verfahrens nicht mehr der Schwerkraft gehorchen, sondern wenn losgelassen steil nach oben fliegen.

    Auch da muss man für den Nachweis gar nicht das genaue Verfahren kennen und diskutieren, sondern kann durch einfache Experimente sofort den Wahrheitsgehalt der Behauptung überprüfen.

    Natürlich müssten auch hier Störgrössen ausgeschlossen werden, wie z.B. grosse Industriesauger oberhalb der Versuchsstätte oder zufällig vorbeifliegende Schwarze Löcher. Diese Störgrössen würden sich aber auch auf unbehandelte Holzwürfel gleichermassen auswirken, was man messen könnte.

    Somit hätten wir auch den Placeboeffekt erklärt.

    Und wenn dann der Beweis der Wirksamkeit des Verfahrens endgültig gescheitert ist, deklariert man – ganz im Sinne des Wissenschaftspluralismus – dass der Holzwürfel eben doch nach oben gefallen ist.

    Vielleicht kann man auf diese Weise Politikern (und auch HP-Jüngern) mal die Absurdität der Deklaration veranschaulichen, einfach mit etwas, was jeder sehen und beGREIFen kann…

  12. @ Ute Parsch:

    Es dürfte eine Art Wagenburgphänomen sein – Esoteriker, die miteinander nicht vereinbare Weltbilder vertreten, stellen ihre Differenzen in den Hintergrund und rücken zusammen gegen die „wissenschaftsdogmatischen“ Skeptiker.

    Wenn die skeptische Weltsicht in der Politik Überhand nimmt, schwimmen nämlich die esoterischen Felle davon, und das wollen sie alle miteinander verhindern.

    Jetzt wieder – sie müssen das Gespenst der Evidenzbasiertheit unbedingt wieder für eine Runde bannen, egal wie.

  13. Also ich finde ja, dass der Pluralismus und sein Derivat „Binnenkonsens“ dann auch für die anderen angewandten Wissenschaften gelten muss: Ingenieurspluralismus. Alternative Hochhäuser, Brücken, Flugzeuge usw. Alternative Medizintechnik nicht zu vergessen.

    Und im sich-irgendwas-aus-den-Fingern-saugen-und-zusammenreimen bin ich eh besser als die:

    Die Architekten sollten sich den Binnenkonsens einverleim
    und einfach nur behaupten, dass die Häuser alle stehenbleim.

    Auch Luftfahrtingenieure sind beim Binnenkonsens besser dran:
    Sie vereinbaren ganz einfach, dass so’n Flugzeug sicher fliegen kann!

    Gedichtet mit einer Verbeugung vor dem großen F.W. Bernstein.

  14. Wenn doch die Wissenschaftspluralisten ihre Bemühungen auch mal auf andere Bereiche der Realität übertragen würden… am besten die Schwerkraft pluralisieren und von der nächsten Flußbrücke springen…

  15. Ich frage mich, wem die ganze Homöopathie Verunglimpfung nutzt und komme immer auf die Pharmaindustrie. Es scheinen doch erhebliche Einbußen durch die Globuli Anhänger entstanden zu sein, zu denen auch ich gehöre und bei denen solche Artikel ablaufen wie Wasser von einem Lotus Blatt. So „lutsche“ ich weiter meine nutzlosen Globuli, profitiere von der Vielfalt der Möglichkeiten und beobachte, welche Sau wohl morgen wieder durchs Dorf getrieben wird. Getreu dem Motto: Wer heilt, hat Recht.

  16. @Daniela Pulz:

    Bullshit-Bingo am frühen Morgen?

    „Ich frage mich, wem die ganze Homöopathie Verunglimpfung nutzt und komme immer auf die Pharmaindustrie.“

    Das ist bezeichnend, dass Homöopathie-Anhänger sich keinen anderen Grund als Geld vorstellen können. Das sagt viel über sie aus.

    Mit solchen Verschwörungstheorien blamieren sich indes regelmäßig auch die bekannten Homöopathie-Lobbyisten (die tatsächlich Geld dafür bekommen, Homöopathie zu verteidigen und Kritiker zu verleumden).

    Hier finden Sie unsere Antwort darauf:

    https://twitter.com/drluebbers/status/1095307546116665344

    Die Tatsachen:

    – Homöopathie IST die Pharmaindustrie. Es sind große Konzerne, die Globuli herstellen, die erhebliche Einbußen hinnehmen müssten, wenn die gesetzlichen Sonderreglungen für die Homöopathie fallen würden:

    https://www.netzwerk-homoeopathie.eu/kurz-erklaert/187-argument-die-maechtige-pharmaindustrie-unterdrueckt-die-homoeopathie

    https://twitter.com/drluebbers/status/1095307561987919872

    „Ich frage mich, wem die ganze Homöopathie Verunglimpfung nutzt und komme immer auf die Pharmaindustrie.“

    Das Ziel dessen, was Sie „Homöopathie-Verunglimpfung“ nennen, in einem Satz:

    Ziel ist NICHT, Marktanteile der Homöopathie zu reduzieren. Ehrliche Aufklärung bedeutet, zu informieren, dass Homöopathie nicht mit wirksamer Naturheilkunde verwechselt werden darf und bestenfalls wie ein Placebo wirkt. NUR dann ist Patientenautonomie möglich.

    https://twitter.com/drluebbers/status/1092832829698908166

    „zu denen auch ich gehöre und bei denen solche Artikel ablaufen wie Wasser von einem Lotus Blatt.“

    Das bleibt Ihnen unbenommen – Sie sollten nur wissen, was Sie tun (und Ihr Kommentar zeigt, dass Sie die Fakten nicht kennen):

    Der Aufklärung ist es egal, wieviel Geld Menschen für Homöopathie ausgeben. Solange sie wissen, dass Homöopathie ① keine wirksame Naturheilkunde ist, ② bestenfalls so wirkt wie ein Placebo und ③ nicht heilt. Jeder hat das Recht, sein Geld aus dem Fenster zu werfen:

    https://twitter.com/drluebbers/status/1092841915547086849

    „So „lutsche“ ich weiter meine nutzlosen Globuli, profitiere von der Vielfalt der Möglichkeiten“

    Sie merken schon selbst, dass „nutzlos“ und „profitieren“ nicht zusammenpasst, oder?

    Es gibt KEINE Krankheiten oder Beschwerden, bei denen #Homöopathie belegtermaßen besser hilft als ein Scheinmedikament (#Placebo). Hier ist die Studienlage zur Homöopathie in einfachen Worten zusammengefasst:

    https://twitter.com/drluebbers/status/1092374832883421184

    „Getreu dem Motto: Wer heilt, hat Recht.“

    Homöopathie heilt nicht, infolgedessen haben Homöopathen auch nicht „recht“:

    Globuli sind überflüssig oder gefährlich, Begründung:

    https://twitter.com/drluebbers/status/1009406837169541120

    Danke für Ihre Fragen – wir freuen uns immer, wenn wir mit Aufklärung helfen können.

  17. @Daniela Pulz

    Ein „Copy-Paste“ der „Argumente“ der Homöopathielobby? Nicht mal ein kleines bisschen Originalität oder selbstständige Denkleistung?

    Das ist ein sehr schwaches Niveau. Peinlich, peinlich.

  18. @ Daniela Pulz:

    „Ich frage mich, wem die ganze Homöopathie Verunglimpfung nutzt und komme immer auf die Pharmaindustrie.“

    Den Patienten. Die werden seit 200 Jahren von der Homöopathie (die auch Big Pharma ist!) betrogen.

  19. Verunglimpfung, die : Herabsetzung, Verächtlichmachung von jemandem oder etwas

    Inwieweit ist das Feststellen der Unmöglichkeit der spezifischen Wirksamkeit von Homöopathie und das Aufzeigen der zahlreichen inneren Widersprüche derselben Verunglimpfung?

    Herabsetzung ist es nur insofern, dass die Homöopathie von dem Sockel heruntergeholt wird, auf den sie sich selber unberechtigterweise durch massive Lobbyarbeit setzen hat lassen.

    Und auch von mir: Homöopathie ist Big Pharma! Hunderte Millionen Euro Jahresumsatz in Deutschland lassen sich schlecht mit durch aufopferungsvolle Kräuterweiblein handgerollten Globoli erzielen.

    Dieses Image ist alleine dem Marketing geschuldet und hat nichts mit der Realität zu tun.

  20. Und wie DB gerade demonstriert hat:

    Jeder ausreichend fortgeschrittene Homöopathieprediger ist praktisch nicht mehr von einem Troll zu unterscheiden…

  21. @ RainerO:

    Eben. Wenn man einen Betrug entarnt und öffentlich macht, ist das das genaue Gegenteil von Verunglimpfung. Verunglimpfung ist das, was die Homöo-Lobbyisten so gerne machen.

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