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Zeugen Jehovas ärgern – mit den Wortmarken „Wachtturm“ und „Erwachet!“

| 19 Kommentare

Bei Ebay kann man derzeit die Wortmarken „Wachtturm“ und „Erwachet!“ erwerben.

Wie es dazu kam, steht diese Woche zum Beispiel im Spiegel.

Der Passauer Unternehmer Thomas Resch hatte sich über die ständigen Hausbesuche der „Zeugen Jehovas“ geärgert und bei einer Online-Recherche festgestellt, dass keine Markeneinträge für die Namen ihrer Magazine existierten.

Beim Deutschen Patent- und Markenamt in München sicherte sich Resch daraufhin die Markenrechte als deutsche Wortmarke an den Worten „Wachtturm“ und „Erwachet“.

Er könnte damit vor ein Gericht ziehen und den Zeugen Jehovas ihre Magazine verbieten, dachte er. Vielleicht wären sie dann nicht mehr so unverschämt zu ihm.

Die „Zeugen Jehovas“ reagierten zunächst empört und wehrten sich dann ebenfalls mit Mitteln des Markenrechts. Unter anderem beantragten sie beim Patent- und Markenamt eine Löschung der von Thomas Resch angemeldeten Wortmarken.

Resch selbst hat es sich zwischenzeitlich aber anders überlegt, schreibt der Spiegel:

Er dachte über Rache nach und ihren Preis. Es kann befreiend sein, jemandem etwas heimzuzahlen. Aber es kann einen auch blind machen und ins Unglück führen. Er sah sich die Urkunden an. Er lächelte. Jetzt bietet Thomas Resch die geschützten Namen „Erwachet!“ und „Wachtturm“ auf Ebay-Kleinanzeigen an. Preis: Verhandlungssache.

Ob es sich lohnt, mitzubieten, ist indes fraglich.

Eine Fachanwaltskanzlei weist darauf hin, dass die jetzt eingetragenen Marken „Wachtturm“ und „Erwachet“ …

… zumindest gegenüber den Zeugen Jehovas nicht durchsetzungsfähig sein [dürften] auf Grund älterer – nicht eingetragener – Rechte.

Es ist eine schöne Idee, sich hier die Marken schützen zu lassen, aber in Bezug auf die Zeugen Jehovas und ihre seit über 100 Jahren in Deutschland vertriebenen Publikationen dürfte es sich um den sog. „Sturm im Wasserglas“ handeln. Es bleibt daher abzuwarten, wie sich die Sache entwickeln wird. Die besseren rechtlichen Möglichkeiten dürften auf Seiten der Zeugen Jehovas liegen.

Zum Weiterlesen:

  • Endzeit: Wie sich ein katholischer Geschäftsmann an den Zeugen Jehovas rächte, Der Spiegel Nr. 42/2018
  • Wachtturm als Wortmarke geschützt – geht das so einfach? legal-patent am 30. August 2018
  • Die Zeugen Jehovas gingen ihm auf die Nerven – jetzt hat sich ein Unternehmer mit einem genialen Trick gerächt, Der Westen am 29. August 2018
  • Unternehmer sichert sich Marken der Jehovas, W&V am 28. August 2018
  • Goodbye, Jehova: Wie Misha Anouk von der „bekanntesten Sekte der Welt“ loskam, GWUP-Blog am 7. November 2014
  • Entlassungswelle bei den Zeugen Jehovas – ist das Ende nah? GWUP-Blog am 10. Oktober 2015

19 Kommentare

  1. So einfallsreich die Idee des „katholischer Geschäftsmanns“ erscheinen mag: Ich persönlich halte ihn für geldgierig. Inzwischen bemerkte er, dass er damit vor Gericht (zu Recht) nicht durchkommt, weshalb er die Wortmarke wieder verkaufen möchte.

    Das hatten wir doch alles schon in ähnlicher Form schon einmal…(worüber auch hier ausführlich berichtet worden ist).

    Ich symphatisiere sicher nicht mit den „Zeugen Jehovas“. Allerdings halte ich den vorgeschobenen Grund des aus meiner Sicht gierigen „Geschäftsmannes“ für erfunden. Ich hoffe, dass ihm niemand die Wortmarke abkauft.

    Dann denkt ER vielleicht an den altbekannten Spruch „Wer anderen eine Grube ….

  2. So wenig ich für die Zeugen bzw. deren Ideologie übrig habe, wenn es heißt:

    „Vielleicht wären sie dann nicht mehr so unverschämt zu ihm.“

    … wundere ich mich schon ein bisschen.

    Als unverschämt habe ich sie bisher nie erlebt. Nervig, ja. Aber höflich.

  3. @Pierre C.:

    „Das hatten wir doch alles schon in ähnlicher Form schon einmal…(worüber auch hier ausführlich berichtet worden ist).“

    In der Tat. Das hatte auch schon mal jemand mit uns versucht:

    https://blog.gwup.net/2013/01/12/weltuntergangspartys-was-gibts-neues/

  4. @ Bernd Harder

    Genau das meinte ich!

    Mann, war der Typ dreist…

  5. Die Zeugen…., die stellen wohl gerade ihre marketing Strategie um…, hier waren neulich zwei die auf „Blues-brothers“ gemacht haben, aber so genial, dass man mit ihnen ungeschminkt den Film hätte nachdrehen können!

    Deswegen habe ich dann doch die Tür geöffnet und ihnen das gesagt. Allerdings konnten sie mit dem Kompliment leider nicht viel anfangen und wann noch traurig, dass ich die Einladung zu Jehovas Fest nicht angenommen habe, da hätten dann die richtigen BB wohl cooler reagiert…

  6. Ich hatte vor langer Zeit einmal eine Freundin, ihre Eltern waren Zeugen Jehovas.
    Wir waren etwa 4 Monate zusammen.
    Danach habe ich den Fallschirm gezogen.

    Am Anfang ging es noch.
    Ich wurde bald zu treffen eingeladen, nette Leute.
    Auch war die Familie meiner Freundin nett und recht „freizügig“.

    Irgendwann merkte ich dann: „Zieh deine Kurve und verschwinde“.
    Das habe ich dann auch getan.

    Ihr macht euch lustig über die Zeugen Jehovas, was ich verstehen kann, diese Sekte ist wirklich ein Witz.

    Aber für Betroffene, die vielleicht als Kind darin aufwachsen oder für Menschen, die aus Gründen dort reingeraten sind, ist es alles andere als lustig.

    Diese Sekte ist für Betroffene eine wirklich ernste Gefahr.
    Ich habe einen kleinen Teil davon gesehen, und das reicht mir schon aus, um zu sagen:
    Sekte, Gehirnwäsche, Persönlichkeitsverlust, Aufgabe des Selbst inklusive des Hab und Guts.

    Die sind kein Stück besser als Scientology.

    Zeugen Jehovas sind nicht lustig. Sie zerstören Leben, und das nicht zu knapp. Macht euch ruhig weiter drüber lustig, aber behaltet im Hinterkopf mal, dass es eine ernst zu nehmende Sekte ist, die ihren Opfern massiv schadet.

    Danke!

  7. @Carsten:

    „Ihr macht euch lustig über die Zeugen Jehovas“

    Wo und inwiefern?

  8. @ Bernd Harder/Carsten

    Ich bin auch der Meinung, dass wir uns über die Zeugen Jehovas bisher in keinster Weise „lustig“ machten!

  9. @Pierre C:

    In der Tat läge mir nichts ferner – ich habe regelmäßigen Kontakt zu Aussteigern.

  10. @Bernd, Pierre

    Ich denke, dass Carsten das mit dem lustig machen anders meint, was er dann auch so erklärt: Man darf die Zeugen Jehovas nicht auf die leichte Schulter nehmen, sondern sollte sie mit Scientology vergleichen.

    Wir hatten bei uns in der Firma einige von denen, da ist Hardcore angesagt. Am meisten hassen die die Katholiken. Wenn man ein bisschen ironisch wird, Armageddon und dergleichen, gibts gleich ein Bekehrungsgespräch, allerdings, das muss ich sagen, im ruhigen Ton.

    Am schlimmsten finde ich die brutale Indoktrination der eigenen Kinder. Die werden schon sehr früh mit auf die Gass genommen und bekommen Intensivschulungen, man kann es auch Gehirnwäsche nennen.

    Auch da hatten wir einige Azubis, die waren wirklich nett, aber nach der Lehre wurden die mit Gleichgesinnten verheiratet und sind dann gegangen, sehr oft nach Südamerike, da gibt es anscheinend so ein Art Colonia dignidad.

    Die jungen Leute taten mir echt leid, die waren wirklich nett, man spürte aber immer, dass sie Abstand zu den „Nichtgläubigen“ hielten, waren bei keiner Feier dabei, sowieso nicht bei Geburtstagen und christlichen Festen.

    Man muss die leider ernst nehmen.

  11. @ Werner

    „Man muss die leider ernst nehmen.“

    Soweit es mich betrifft mach ich das.

    Ich bin überzeugt davon, dass auch Bernd Harder sie mehr als ernst nimmt.

    Werner, wir haben das auch mit Sicherheit richtig verstanden, gerade deshalb fragte ja Herr Harder konkret nach. Leider hat Carsten bis heute nicht geantwortet…

    Danke für Ihre interessanten Schilderungen/eigenen Erfahrungen!

  12. @Werner
    Ja, man muß die Menschen dort ernst nehmen, aber nicht ihre Sekte.

    Die Idee, daß Jemand sich die Namen als Marken schützen läßt, finde ich zuerst interessant, aber ich glaube der Herr wollte wirklich nur ein Geschäft damit machen; als er merkte, daß die Markenrechte nicht einklagbar sind bei den Zeugen, hat er sich entschieden die Geschichte so öffentlich wie möglich zu machen und die Markenrechte bei Ebay zu verhökern…das ist billig.

    Er sagt auch, daß er sich so belästigt fühlte, das kann ich nicht behaupten, wenn man ihnen sagt, daß man nichts damit zu tun haben möchte, verschwinden die meist sehr schnell.

    Ich kann der Aktion nur eines Gutes abgewinnen, daß wieder mal über die Zeugen gesprochen wird.

    P.S.
    Das Missionieren ist eigentlich Christen-Pflicht, wir können nur froh sein, daß das nur die Zeugen so richtig ernst nehmen ;-)

  13. Ich habe einige Familien der Zeugen Jehova als Nachbarn.

    Es stimmt sie sind freundlich und höfflich, aber hinter dieser Fassade steckt ein nicht zu unterschätzendee religiöser Fanatismus. Letztendlich ist der Auftritt eine Maske hinter der sich, was ich nach verschiedenen Gesprächen feststellen konnte eine Haltung die man als Mensch der Vernunft nur als Irrsinn bezeichnen kann, versteckt.

    Ich habe es nicht gezählt wie oft ich besonders an Samstag Nachmittagen von diesen Leuten aus meiner Nachmittagssiesta heraus geklingelt wurde. Höfliche Bitten es doch bitte zu unterlassen mich zu missionieren und mich zu stören haben nicht gefruchtet. Erst als ich so getan habe das ich gewalttätig werde, hat die beiden Herren dazu veranlaßt fluchtartig die 5 Stockwerke über die Nottreppe hinter sich zu lassen und nie wieder an meiner Tür zu klingeln.

    Auch wenn die Zeugen Jehovas freundlich und freidlich auftreten, sind sie Feinde einer aufgeklärten Gesellschaft, so wie alle Religionen. Das zu verstehen ist für viele Menschen garnicht so einfach, weil die Methode der Missionierung es vielen Menschen nicht möglich macht, zu erkennen auf was für einen Schwindel-Wahnsinn sie sich da einlassen.

  14. @ Stefan Räbiger
    „Erst als ich so getan habe das ich gewalttätig werde, hat die beiden Herren dazu veranlaßt fluchtartig die 5 Stockwerke über die Nottreppe hinter sich zu lassen und nie wieder an meiner Tür zu klingeln.“

    Würden Sie mir das bitte kurz erläutern?
    Ich würde auch einmal gern so tun als wäre ich gewalttätig, aber ohne es zu sein….

  15. @ Alexander W:

    Vorschlag zur Alternative (erprobte Methode):

    wenn die Zeugen in der Nähe sind, schnell was Schwarzes überziehen, ein paar mystische Symbole (Drudenfuss, Runen) als Schmuck anlegen und – falls die Vorwarnzeit lang genug ist – den Äuglein ein wenig Kajal schwarzen Lidschatten gönnen, die Haare ordentlich verwuscheln und im Flur ein paar Kerzen anzünden.

    Dann die Tür mit einem irren Grinsen öffnen und auf die Standardintro „Wir möchten gerne mit Ihnen über Gott sprechen“ antworten: „Guuuut! Meiner hat gerade Fütterungszeit.“

    Wenn man dann nach hinten ruft „Schatz, lass das Huhn, ich hab‘ hier ein viel besseres Opfer!“ und die eigene Partnerin dann noch mit einem blutigen (Ketchup!) Küchenbeil und den Worten „Und was für Prachtexemplare!“ herangetrabt kommt, kannst Du mit 100%iger Sicherheit erleben, wie zwei Zeugen problemlos Lichtgeschwindigkeit erreichen.

    Haben meine Frau und ich vor gut 15 Jahren selbst durchgezogen (wir hatten allerdings schon ein paar Requisiten parat gelegt, nachdem die Zeugen wiederholt bei uns im Block unterwegs waren, und hatten, da wir im obersten Stock wohnten, ausreichend Vorbereitungszeit), wir haben noch wochenlang darüber gelacht.

    Nur unser schwarzer Kater (welcher tatsächlich auf den Namen „Luzifer“ hörte) konnte partout nicht verstehen, warum die Leute, denen er gerade um die Beine gestrichen war, so schnell wieder weg waren…

  16. @ noch’n Flo

    Haha…

    Na hoffentlich haben die Zeugen dann keine Zeugen, die das Ganze mitbekommen, die Polizei rufen und diese mich dann in die Geschlossene einweisen lassen!!!

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