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Krankenhausmedizin heute: Flussgeister und Schwingungen

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Man weiß mittlerweile nicht mehr, was man komischer finden soll.

Dass das Krankenhaus Nord des Wiener Krankenanstaltenverbunds (KAV) einem Esoteriker 95 000 Euro bezahlt hat, damit der einen „Energie-Schutzring“ um das Spital legt?

Oder dass der Mann mit Nachnamen „Fasching“ heißt?

Oder dass „die Branche der Energetiker ist außer sich [ist] und sich ins Eck der Scharlatane gestellt fühlt“?

Denn:

Wahre Energetiker harmonisieren Schwingungen. Man kann gar nicht Schutzringe zu deren Ausgrenzung machen.“

Oder diesen Tweet der Erzdiözese Wien:

Oder das hier:

Die Esoterik-Posse könnte von „weiter oben“ abgesegnet gewesen sei, dafür sprechen mehrere Indizien. So bestätigte der Direktor der Wiener Spitäler, Herwig Wetzlinger, dass an seinem früheren Arbeitsplatz im Klinikum Klagenfurt eine „Beschwörung der Flussgeister“ der Glan im Jahr 2004 stattgefunden habe […]

Im Jahr 2000 [seien] im Otto-Wagner-Spital, in der KAV-Generaldirektion und in anderen Einrichtungen Metallwellen zur „Stärkung der körpereigenen Energie, zur Steigerung der Raumqualität und zur Harmonisierung von geopathischen Störzonen“ montiert worden.“

Oh Mann – und wir dachten schon, Homöopathie sei das größte Problem im Gesundheitswesen. Mal gespannt, wann der erste Patient zwei Kellerasseln und einen Feuerstein gegen seine Erkrankung empfohlen kriegt.

Zum Weiterlesen:

  • KAV zahlte Esoteriker 95.000 Euro, orf am 15. März 2018
  • Staatsgurus – mit der Lizenz zum Pendeln, futurezone am 20. März 2018
  • Negative Schwingungen rund um Krankenanstaltenverbund in Österreich, SocioKommunikativ am 15. März 2018
  • Das Krankenhaus und der „falsche“ Energetiker – eine Wiener Melange aus aktuellem Anlass, Wahrsagerchecks-Blog am 20. März 2018
  • Kein wahrer Energetiker? Psiram am 21. März 2018
  • „Energetische Reinigung“ für Krankenhaus Nord: Projektleiterin abgezogen, diepresse am 15. März 2018
  • „Schutzring“ für KH Nord: Energetiker in heller Aufregung, diepresse am 20. März 2018
  • Statdrätin Frauenberger zu Energetiker-Auftrag: „Ein Regress wird überprüft“, derStandard am 19. März 2018
  • Wer gar nichts kann, wird „Energetiker“. Die Energetiker finden das nicht lustig. Wir schon, GWUP-Blog am 3. Oktober 2015
  • Leitfaden für Quacksalber, GWUP-News am 4. März 2018

16 Kommentare

  1. Beim Tweet der Erzdiözese musste ich Schmunzeln; sie beweist feinen Humor. Der Kommentar der Energet(h)iker ist wegen seiner Hirnrissigkeit nur noch zum Lachen.

    Auf SB wurde übringens dasselbe Thema angesprochen.
    http://scienceblogs.de/sociokommunikativ/2018/03/15/negative-schwingungen-rund-um-krankenanstaltenverbund-in-oesterreich/

  2. Das ist beste Realsatire, vielen Dank für ein paar erfrischende Lacher am Morgen.

  3. Der erfrischende Lacher bleibt mir ziemlich im Halse stecken, da hier mein Steuergeld gleich zweifach verschwendet wurde: Einmal für den veranstalteten Unfug und ein zweites Mal für die Gehälter der Schwachmaten, die das zu verantworten haben.

    An andere Stelle habe ich bereits vorgeschlagen, dass die Verantwortlichen 3 Jahre auf das Existenzminimum gepfändet werden sollten, um das zurückzuzahlen. Würde das aus eigener Tasche beglichen, wäre es ja erst recht wieder nur mein Steuergeld, das dafür herhalten müsste.

  4. Die Wirtschaftskammer Österreichs beheimatet Energetiker ? *lol Gibt es da auch eine Däumchendreher Branche ? Däumchendreher mit magischen und heilenden Däumchen versteht sich.

  5. Aber sich einen Schutzring aus 95 000€ um sein Konto zu legen ist schon eine geschäftstüchtige Idee *gg

  6. Ich finde die 95.000€ äußerst günstig für den Gegenwert, der geboten wird: „Sämtliche festgestellten Energieflüsse werden wiederhergestellt und gereinigt“
    Habt Ihr schon mal überlegt, was eine Kläranlage kostet, die ähnliches leistet. Da sind wir gleich bei ein paar Millionen.
    Die Frage ist natürlich, was kostet die Entsorgung des bei der Reinigung entstehenden Sondermülls. Wird der etwa bei Neapel günstig verklappt? Sollte man noch recherchieren.

  7. Kann es sein, dass der Vorgang nur ganz gewöhnliche Korruption ist, und das Esoterikgedöns nur das Feigenblatt?

  8. @ Severin D.
    Natürlich besteht auch die Möglichkeit des Versuchs einer Veruntreuung.

    In diesem Fall wäre das aber selten dämlich durchgeführt worden. Wenn man bei einem derartigen Monsterprojekt ein paar Euros in die eigene Tasche abzweigen will, gibt es viel diskretere Möglichkeiten, als einen Esoteriker vorzuschieben, der das Ganze auch noch verteidigt.

    Egal, was zutrifft: Letztendlich sind die Verantwortlichen so oder so der Lächerlichkeit preisgegeben, weil sie auf jeden Fall eindrucksvoll ihre Dummheit belegt haben.

  9. Ach so, ganz gewöhnliche Korruption. Na dann ist ja alles gut. :D

  10. Pingback: De linke weekendbijlage (12-2018)

  11. Auf dem Foto sehe ich, dass eine Eisenbahnstrecke direkt am Krankenhaus vorbei läuft. Wie kann man die wirklich vorhandene recht starke elektromagnetische Strahlung der Oberleitung eigentlich neutralisieren?

  12. @Dirk A.
    Die Oberleitung erzeugt ein elektrisches Feld, das kann man abschirmen. Elektromagnetische Strahlung wird bei nur 16 Hz wohl eher nicht emittiert.

  13. Jetzt mit Psiram-Eintrag, der Herr Fasching:

    https://www.psiram.com/de/index.php/Christoph_Fasching

  14. An der Uni für Bodenkultur in Wien werden auch esoterische Inhalte vermittelt. Kritiker halten das für einen „Skandal“.

    https://kurier.at/chronik/auf-der-boku-ist-was-im-hollerbusch/400014742

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