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„Fakt“-Video: Krebsbehandlung mit Homöopathie an einer Schweizer Klinik

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Eben bei Fakt:

Im Fall einer 33-jährigen Frau hatte der Mediziner Dr. Jens Wurster in der Clinica Dr. Spinedi behandelt – mit einer homöopathischen Therapie. Er habe nur den Willen der Patientin respektiert, erklärt er auf Anfrage von FAKT.

Dass Homöopathie gegen Krebs helfen könne, bewiesen auch Studien, erklärt Wurster und verweist auf eine Studie der Universität Freiburg. Diese habe gezeigt, „dass in Bezug speziell auf die Lebensqualität gerade bei fortgeschrittenen Tumorleiden es einen großen Vorteil mit der Homöopathie gegeben hat“, so Wurster.

Einer der Autoren der Studie, in der es um den Effekt von homöopathischen Begleitbehandlungen bei Krebs ging, Prof. Dr. Hans-Helge Bartsch, weist diese Aussage zurück. Man habe gemeinsam mit mehreren Wissenschaftlern, darunter auch mit der Klinik Santa Croce (so der frühere Name der Clinica Dr. Spinedi) und Dr. Wurster, eine Studie durchgeführt, sagte er FAKT.

„Die Behauptung, dass es hier signifikante Unterschiede bezüglich der Lebensqualität gibt, ist in der Form unredlich“, macht er deutlich.“

Hier geht’s zum Video (zirka 6:20)

Dazu passt dieser aktuelle Beitrag aus dem Cosmos-Magazin:

A journal paper claiming to show the success of a homeopathic treatment for cancer has been withdrawn by the publishers following a series of awkward discoveries – including the arrest of its two lead authors.“

Einen Kommentar dazu hat Udo Endruscheit bei Keine Ahnung von Garnix veröffentlicht:

Was erlaube Homöopathen?“

Zum Weiterlesen:

  • ARD-Mittagsmagazin: „Mit Homöopathie gegen Krebs?“ GWUP-Blog am 22. März 2017
  • Video: „Fakt“-Recherche in der homöopathischen Krebsklinik Santa Croce, GWUP-Blog am 25. Juli 2017
  • Noch einmal: Jens Wurster, die homöopathische Krebsbehandlung und instrumentalisierte Patiententestimonials, Gesundheits-Check am 5. Dezember 2015
  • Jens Wurster, die Homöopathie und die unerträgliche Leichtigkeit der Lüge, Gesundheits-Check am 30. Oktober 2015
  • Es geht um den Wurster, dieausrufer am 20. Mai 2017
  • Jens Wurster bei Psiram
  • Clinica Santa Croce bei Psiram
  • Globuli werden als “falsche Heilsversprechen” oder gar “Voodoo” umschrieben, und trotzdem behandelt eine Tessiner Klinik damit Krebs, NZZ am 19. Mai 2017
  • Homeopathy, Cancer and Dr. Dietmar Payrhuber: how TV endangers cancer patients, edzardernst am 12. März 2018
  • „Münsteraner Memorandum Homöopathie“: Ärztliche Zusatzbezeichnung streichen! GWUP-Blog am 9. März 2018
  • Homeopathy cancer paper withdrawn after arrest of lead authors, Cosmos-Magazine am 14. März 2018

29 Kommentare

  1. Bei Twitter:

    ARD-Sendung #Fakt über #Homöopathie. Krasse Aussage der #Homöopathen: „Onkologen würden selber keine Chemo machen“ HALLO?!?! Da wird man zornig Ich war „nur“ einige Monate auf der Onkostation einer Uniklinik und muss echt sagen, dass solche Aussagen „bewusster Mord“ sind.

    https://twitter.com/DoktorWeigl/status/973669518278119424

  2. @crazyfrog:

    Ja, gibt noch mehr, zum Beispiel:

    „Auch der @DZVhAe stellt die für Patienten gefährliche #Krebsklinik wohlwollend auf seiner Internetseite vor – und macht sich mitschuldig, wenn Patienten im Glauben an die #Globuli auf eine wirksame #Krebstherapie verzichten und deshalb sterben.“

    https://twitter.com/sduwe/status/973663256605839362

  3. Mehr Infos zu der zurückgezogenen Studie gibt es hier: https://keineahnungvongarnix.de/?p=6438

  4. „Onkologen würden selber keine Chemo machen“ – das ist auf demselben Niveau, wie die Behauptung, Ärzte würden ihre Kinder nicht impfen. Woher kommen solche Behauptungen nur immer?

  5. Ich erinnere mich noch gut, als mein Vater seiner Zeit an Blasenkrebs erkrankte.

    Kaum wurde dies bekannt, ploppten aus allen möglichen Ecken und Winkel Menschen auf, die ihn zu den obskursten Therapien verleiten wollten. Beginnend bei Homöopathie über irgendwelche Vitamin-Behandlungen bis hin zur Germanischen neuen Medizin.

    Glücklicherweise stand er allzeit fest auf dem Boden der evidenzbasierten Medizin. Und auch wenn die Chemotherapie kein Spaß war hat mein Vater hierdurch noch einige Jahre bekommen.

    Diese Erlebnisse von damals waren auch die Auslöser, dass ich mich heute im INH und ganz allgemein gegen Quacksalberei engagiere.

  6. Es gibt doch klare Grenzen für Behauptungen in der Medizin.

    Wurster kann sich wahrscheinlich damit retten, dass sein Vortrag für Fachkreise gedacht ist.

    Der DZVhÄ zieht aber noch nicht mal diese Grenze und erzählt zum Beispiel in der Rubrik „Selbstbehandlung“, die offensichtlich an den Patienten gerichtet ist: „Unter der Geburt kann die werdende Mutter mithilfe der Homöopathie unterstützt werden. Sie kann beispielsweise Wehen fördern und Schmerzen lindern.“

    https://www.homoeopathie-online.info/homoeopathie-in-der-schwangerschaft-und-geburtshilfe/

    Wie kann es sein, dass diese Behauptungen so da stehen dürfen, wenn eine approbierte Ärztin für den Inhalt der Webseite verantwortlich ist?

  7. Überlege gerade, wer arroganter, selbstherrlicher und unsympathischer ist: Frass bei ServusTV oder Wurster?

    Oder sagen wir einfach: Beide.

  8. Frass bringt mich in einen Zustand zwischen Verzweiflung und Gelächter, Wurster („Sie können faken soviel sie wollen“) bringt mich zur Weißglut bis zur Verdampfungsgrenze.

    Im Zusammenhang mit W. sei nochmal an den Homöopathie-Kongress 2016 in Bremen erinnert, wo der DVZhÄ Wurster als Stargast präsentierte.

    Artikel von Silvio Duwe:

    https://motherboard.vice.com/de/article/d7ynwa/der-groesste-deutsche-homopathie-kongress-zeigt-die-gefahr-der-alternativmedizin

    Zu Dr. Spinelli, dem derzeitigen Namensgeber der ehemaligen Santa-Croce-Klinik, wenig bekannt, aber in die gleiche Sortierung gehörend, hätte ich auch was anzubieten. Spinelli ist Jünger (Schüler mag ich nicht sagen) des in den homöopathischen Kreisen sehr bekannten Künzli von Fimmelsberg (der hieß wirklich so). 1992 verstorben.

    Spinelli hielt eine Laudatio auf diesen, und zwar beim Zentralverein homöopathischer Ärzte, also auch da eine klare Connection. Wer sich mal gruseln will, wozu verblendete Menschen sich versteigen können (gegenüber eigenen Angehörigen), der lese hier mal, worauf Spinelli „stolz“ ist:

    http://www.kuenzlipunkt.de/ueber-kuenzli/laudatio.html

  9. Vermutlich wird die Gemeinde der Wurster-Gläubigen jetzt wieder bekunden, wie sehr er ihnen geholfen hat. Die Toten dagegen können nur schweigen.

  10. Spitze, DZVHÄ:

    Genau, wenn Kritik kommt (,Krebspatienten sterben wegen #Homöopathie‘), dann einfach , wegzappen und ablenken. Homöopathen, Ihr macht Euch immer lächerlicher! Und gefährdet dadurch Menschen

    https://twitter.com/nataliegrams1/status/973938837230641152

  11. Uralter Hut: Studie zu Rotck – längst kritisch beweteT: http://www.homöopedia.eu/index.php/Artikel:Oft_geh%C3%B6rte_Argumente_-_Verweise_auf_konkrete_Studien_und_Experimente#Krebsstudie_von_Matthias_Rostock
    und natürlich der unglaublich gute Langbeitrag: http://www.beweisaufnahme-homoeopathie.de/?p=461

    Aber mal ganz grandios ist ja, wenn Wurster die Verantwortung von sich weist, indem er sich zum bloßen Ausführer eines Patientenwillen erklärt:

    Erstens kann jeder Arzt (und das weiß ich aus eigener Erfahrung) mit der nötigen Subtilität schon recht gut den Patienten in die „gewünschte“ Richtung lenken (was zum Eindruck der Gehirnwäsche paßt, den die Eltern der verstorbenen jungen Frau hatten). Wessen Willen wird da jetzt berücksichtigt – der des Patienten oder die der des Arztes?

    Zweitens (und das ist auch aus rechtlichen Gründen interessant): Wenn ich keine Indikation zur Behandlung sehe, dann bin ich auch nicht verpflichtet eine Behandlung durchzuführen!

    Kein Patient kann Herrn Wurster dazu zwingen, irgendeine Behandlung durchzuführen! Sicherlich mag es Grenzfälle geben, in denen eine Therapie erfolgt, obwohl der Nutzen vom Behandler als eher zweifelhaft eingeschätzt wird, weil der Patient die Therapie unbedingt möchte, aber Wurster zieht sich auf eine solch unsägliche Art aus der Affäre, daß einem nur noch die Zornesröte ins Gesicht steigt.

  12. Hurra! Meine Beratung hat Wirkung gezeigt.

    Bei einem meiner Patienten (jetzt 71) wurde im vorletzten November ein Prostatakarzinom festgestellt, welches auch operiert wurde (weil es eine sehr aggressive Variante war (für die Kollegen: pT2b M0 N1 Gleason 4+5!)). Vor der anschliessenden Chemo und Radiatio empfahl ihm seine Schwägerin ‚alternativ‘ HP und vor allem die „Mistel-Therapie“ – und er hat (nach Rücksprache mit mir) abgelehnt!

    Inwzischen ist der Patient rezidivfrei und erfreut sich bester Gesundheit. Seine letzte Kontrolluntersuchung im akademischen Lehrkrankenhaus hat vor ein paar Wochen kein Rezidiv ergeben, ebenso keine Fernmetastasen. Und er hat sich heute im Rahmen eines Routine-Checks sehr für meinen seinerzeitigen Rat bedankt.

    Strike!

    (Das sind die Momente, die mich dafür belohnen, meinen Patienten auf Augenhöhe zu begegnen und ihnen die notwendigen Informationen an die Hand zu geben, um SELBER eine kompetente Entscheidung zu treffen (für den Infotext zur „Mistel-Therapie“ an dieser Stelle ein grosser Dank an „Psiram“! ). Auch wenn ich mit dieser Vorgehensweise auch schon den einen oder die andere PatientIn an andere Hausärzte (die nicht so kritisch sind) verloren habe – ich werde nicht weichen.)

  13. Da freue ich mich glatt mit Dir und dem Patienten!

  14. @noch’n Flo
    Ein schöner Erfolg: Ich gratuliere.

  15. Ich wache jeden Morgen auf und bete zu meinem Gott, um Dr.james für seine guten Werke, die er auf der ganzen Welt macht, zu stärken. Ich habe meinen Liebhaber vor ein paar Monaten verloren, aber danke an Dr.james, dass er mir geholfen hat, ihn innerhalb von 48 Stunden zurück zu bekommen.

  16. @lisa:

    „aber danke an Dr.james, dass er mir geholfen hat, ihn innerhalb von 48 Stunden zurück zu bekommen.“

    Ich bin sehr sicher, dass Sie diese Entscheidung noch verfluchen werden.

    Gott zum Gruße, Lisa …

  17. @Bernd Harder
    Diese „Dr. James-hat-mir-bei-meiner Liebe-geholfen“-Story scheint ein Dauerbrenner zu sein. Die taucht ständig in irgendwelchen Blogs auf.

  18. Wer iss’n dieser Dr. James? Stellt er ein Potenzmittel, damit der Liebhaber flugs wieder kommt? Ist das so ein Knilch wie der fiktive Dr. Fritz, auf den sich besonders in Brasilien die Geistheiler berufen?

  19. @ noch’n Flo
    „„Onkologen würden selber keine Chemo machen“ – das ist auf demselben Niveau, wie die Behauptung, Ärzte würden ihre Kinder nicht impfen. Woher kommen solche Behauptungen nur immer?“

    Hier ist ein Blogger fündig geworden:
    https://anaximperator.wordpress.com/2010/05/06/do-75-of-doctors-refuse-chemotherapy-on-themselves/
    Er zeigt, wie manipulativ die Fragestellung war, aber das geht bei denen unter, die diese Behauptung noch heute weiter verbreiten.

  20. Pingback: De linke weekendbijlage (11-2018)

  21. From 3 April 2018, the Royal London Hospital for Integrated Medicine (RLHIM) will no longer be providing NHS-funded homeopathic remedies for any patients as part of their routine care.

    http://www.bbc.com/news/health-43373817

  22. Die Ärzte der Tessiner Klinik Santa Croce sind überzeugt, selbst tödliche Krankheiten wie Krebs mit Globuli heilen zu können. Mittlerweile haben auch die Tessiner Behörden die Klinik auf dem Radar.

    https://www.blick.ch/news/schweiz/tessin/schwere-vorwuerfe-gegen-schweizer-homoeopathie-klinik-alina-b-33-setzte-im-kampf-gegen-krebs-auf-chuegeli-id8184360.html

  23. Nicht in der Schweiz, aber auch eine Klinik mit „alternativer“ Krebsbehandlung, und hier deren Gästebuch:
    https://www.3e-zentrum.de/krebstherapie/gaestebuch/

    Mir ist sehr unwohl bei den begeisterten Einträgen, denn ich glaube, die Realität der Krankheit wird sie leider wieder einholen. Dafür verdient die Klinik ihr Geld mit einer Scheingenesung.

  24. Ja, https://www.psiram.com/de/index.php/3E-Programm_nach_Hirneise, ein „schönes“ Beispiel für einen Wahnsinn ganz besonderer Art.

    Die Künzlipunkt-Website (Dank an Udo Endruscheit) lohnt sich übrigens sehr, nicht nur beim angegebenen Link, um den ausgemachten Blödsinn von Herrn Spinedi und der anderen Schüler von Künzli mal in voller Dosis zu sich zu nehmen – was studierte Menschen halt so produzieren können.

  25. @borstel:

    Hirnmeise?

    Sorry, aber wenn ich’s nicht mache, kommen 20 andere mit dem Gag an …

  26. Nee, ist sehr gut!

    Um ehrlich zu sein, dachte ich an ein vereistes Hirn, welches aus verständlichen Gründen dann nicht mehr zur Denkleistung fähig ist, oder an ein Hirn-Eisen, auch bekannt als Brecheisen, weil’s einen so brachial zum Erbrechen bringt.

    Ist die Hirnmeise (bzw. Morbus Lothar) bereits in Brehms Tierleben gewürdigt worden?

  27. Oh, 3E ist bei Psiram schon bekannt!

    Das ist gut, denn diese hoffnungsvollen glücklichen Kommentare gingen mir unter die Haut. Über den Tisch gezogen und dann fallen gelassen. Das ist grausam gegenüber den Erkrankten.

  28. „Hirneise“ – ist das nicht der Vulgärbegriff für BSE?

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