Das Goldene Brett 2017: And the winner is … Peter Fitzek

Der selbsternannte “König von Deutschand” wurde am Abend in Wien und Hamburg mit dem traditionellen Negativpreis für den größten Blödsinn des Jahres bedacht.

Die Laudatio hielt die ORF-Journalistin Ulla Kramar-Schmid:

Peter Fitzek gibt einigen wenigen die Welt von gestern zurück.”

Als Preisredner kam der GkD-Präsident Prof. Ulrich Berger auf die Bühne.

In der Begründung der Jury heißt es:

Bekannt wurde Fitzek als Führungspersönlichkeit der sogenannten „Reichsbürgerbewegung“, von der die Existenz der Bundesrepublik Deutschland geleugnet wird. Auch in Österreich hat sich inzwischen eine derartige Gruppe gebildet.

Die Reichsbürger behaupten, Deutschland sei kein legitimer souveräner Staat, daher müsse man sich auch nicht an seine Regeln und Gesetze halten. Häufig wird Deutschland als „Firma“ oder „GmbH“ bezeichnet, deren Forderungen keine legale Bedeutung hätten.

Fitzek rief das „Königreich Deutschland“ aus und ließ sich selbst zum „König von Deutschland“ beziehungsweise zum „Imperator Fiduziar“ krönen. Er gründete eine „Königliche Reichsbank“, in die seine Anhänger Geld einzahlten, und erfand sogar eine eigene Währung – das sogenannte „Engelgeld“.

Als Fitzek beim übertreten einer Geschwindigkeitsbegrenzung erwischt wurde, zeigte er einen selbst ausgestellten „Führerschein des Königreichs Deutschland“ vor. Wegen Veruntreuung der in die Bank eingelegten Gelder und unerlaubter Bankgeschäfte wurde Fitzek schließlich zu einer Haftstrafe verurteilt.

Einen offensichtlich existierenden und weltweit anerkannten Staat abzulehnen, ist zwar keine Leugnung naturwissenschaftlicher Fakten, wie das sonst im Bereich der Esoterik oft üblich ist, doch ein „Goldenes Brett vorm Kopf“ hat man sich damit allemal verdient.

Ein Staat ist losgelöst von einem gesellschaftlichen Konsens nicht denkbar – ihn zu leugnen und einen eigenen auszurufen, ist ähnlich widersinnig wie die Forderung, die deutsche Sprache ab sofort durch Klingonisch zu ersetzen oder das Tragen von Hosen bei Strafe zu verbieten, um der Toga zu einem modischen Comeback zu verhelfen: Es demonstriert ein beeindruckendes Maß an Unverständnis darüber, wie menschliches Zusammenleben funktioniert.

Außerdem zeigt Peter Fitzek, wie eng scheinbar unterschiedliche Bereiche der Esoterik miteinander verwoben sind: Klassische Esoterik (von Feinstofflichkeit bis zu fernöstlich geprägtem New-Age-Denken) verschwimmt hier mit braun-germanischem Gedankengut von Ryke Geerd Hamer (er gewann 2016 das Goldene Brett vorm Kopf) und obskuren politischen Verschwörungstheorien.

Menschen, die in dieses Gedankengeflecht geraten, können sich so in einem gefährlichen Netz aus irrigen Vorstellungen verfangen.”

Der Preis fürs Lebenswerk ging an Cornelia Bajic, stellvertretend für den Deutschen Zentralverein homöopathischer Ärzte (DZVhÄ):

Dieser Homöopathie-Lobbyverein ist maßgeblich dafür mitverantwortlich, dass die Homöopathie im deutschen Sprachraum nach wie vor eine Verbreitung und ein Ansehen genießt, das sie aus wissenschaftlicher Sicht nicht verdient hat.

Zum einen konnte die Wirkung der Homöopathie trotz vieler Versuche bis heute nicht wissenschaftlich nachgewiesen werden, zum anderen widersprechen ihre Grundgedanken ganz fundamental den Naturgesetzen, die in der Wissenschaft längst bestens bestätigt und allgemein anerkannt sind.”

Laudator Prof. Edzard Ernst fokussierte vor allem auf die unwissenschaftlichen Lobby-Aktivitäten des vorgeblichen “Berufsverbands” DZVhÄ und dessen Anstrengungen, “Verräter” wie Natalie Grams und Ernst zu bekämpfen.

Für das “Goldene Brett” nominiert waren außerdem “der Sponsor der Masern-Epidemien” Andrew Wakefield (Laudatorin: Elisabeth Oberzaucher) und “der Hormonpapst mit Drang zu Engeln und Quantenmystik” Johannes Huber (Laudator: Alwin Schönberger).

Die beiden Letztgenannten wurden am Vormittag der Verleihung auf peinlichste Weise von dem österreichischen Gynäkologen Christian Fiala verteidigt, welcher der GWUP eine “Hetzkampagne” vorwarf und eine heimliche Verbandelung mit der Pharma-Industrie unterstellte.

Ein Psiram-Eintrag weist Fiala als der HIV-AIDS-Denialist-Szene nahestehend aus.

Als Sideacts klärten die Science Busters Martin Puntigam und Florian Freistetter über Asteroiden und den angeblich bevorstehenden Weltuntergang durch den mysteriösen Planeten Nibiru auf.

Die Kabarettistin und Poetry-Slammerin Lisa Eckhart präsentierte eine maliziös-mephistophelische Tour de Force durch ihr Bühnenprogramm.

Durch die Veranstaltung führte der TV-Moderator Martin Thür, der mit Martin Moder “Glyphosat-Globuli” herstellte.

Das Video ist auf der Facebook-Seite vom Goldenen Brett online.

Zum Weiterlesen:

13 Kommentare zu “Das Goldene Brett 2017: And the winner is … Peter Fitzek”


  1. 1 crazyfrog 23. November 2017 um 23:41
  2. 2 Udo 24. November 2017 um 07:57

    “Goldenes Reichsbrett”. :-)

  3. 3 noch'n Flo 24. November 2017 um 08:51

    Fitzek als Sieger hat mich am Ende doch etwas überrascht, die Begründung ist aber gut. Auf die Reichsheinis wird das jedoch (wie schon bei Naidoo 2014) kaum Eindruck machen.

    Und Gold steht Martin Puntigam wesentlich besser als dieses unsägliche Pink.

    Aber was war denn mit Edzard Ernst los? Ich habe ihn rhetorisch wesentlich besser in Erinnerung. Wirkte irgendwie konfus gestern Abend.

  4. 4 crazyfrog 24. November 2017 um 10:26
  5. 5 borstel 24. November 2017 um 11:37

    Die Veröffentlichung auf APA OTS würde ich aber nicht überbewerten, da kann sich gegen Gebühr jeder breitmachen, der will, und im Vorfeld wurde auch zweimal über die Verleihung des Goldenen Brettes berichtet. Lustig ist aber, daß der Herr Fiala ein engagierter Atreibungsbefürworter ist. Eine ungewöhnliche Konstellation, wie ich finde.

    Es zeigt wieder einmal, daß auch ein Doppeldoktorat (nämlich einmal ein Berufsdoktorat, wie in Österreich bei Medizinern üblich, und Dr. phil.) und eine (je nach weltanschaulicher Position) rationale und progressive Position zu einem Thema nicht davor schützen, in anderen Dingen vollkommen daneben zu liegen.

    Was mich allerdings interessieren täte: Wo ist der Link zwischen Fiala und Huber (und ja, das Wortspiel mit “Engelmacher” drängt sich da schon auf)?

    Denn daß Fiala Wakefield verteidigt, ist für mich schon eher nachvollziehbar. Aber wahrscheinlich wird es (Feid meines Feindes ist mein Freund) nur ums Schlechtmachen der GWUP gehen.

    Denn das hat Fiala mit seinen unsachlichen Spekulationen um ein Sponsoring bewiesen. Soll er…

  6. 6 RainerO 24. November 2017 um 11:46

    Heuer konnte ich in Wien dabei sein.

    Insgesamt hat mir die Veranstaltung recht gut gefallen. Einzig der Auftritt von Lisa Eckhart war mir etwas zu lang. Das hätte man zu Gunsten der Science Busters umverteilen können. Aber das ist eine rein persönliche Einschätzung.

    Fitzek als Sieger hat mich auch überrascht, ich bin fix von Wakefield ausgegangen. Vielleicht ist dieser 2018 ein Kandidat für das Lebenswerk.

  7. 7 Pierre Castell 24. November 2017 um 16:32

    Aus meiner Sicht hätte man den gar nicht nominieren sollen!

    Ich kann diese Fratze nicht mehr sehen.

    Alle haben hier seinen Namen richtig geschrieben und er ist im Gespräch. Der wird sich keinesfalls darüber ärgern sondern eher freuen, dass er der Gewinner ist.

    Nun wird das schmutzige widerliche Grinsen in seiner Fratze noch breiter!

  8. 8 Bernd Harder 24. November 2017 um 18:39

    @borstel:

    “Wo ist der Link zwischen Fiala und Huber?”

    Weiß ich auf Anhieb auch nicht. Ich würde auch eher von einer natürlichen Gegnerschaft (Theologe vs. Abtreibungsaktivist) ausgehen.

  9. 9 RainerO 24. November 2017 um 18:45

    @ Pierre Castell

    Der wird sich keinesfalls darüber ärgern sondern eher freuen, dass er der Gewinner ist.

    Nun, dasselbe hätte man auch bei Wakefield schreiben können.

    Ziel des Preises ist ja nicht, dass der Gewürdigte gramgebeugt seinen Verfehlungen abschwört, sondern dass man auf sie aufmerksam macht. Totschweigen hat noch nie sehr viel genützt.

  10. 10 Bernd Harder 24. November 2017 um 18:49

    @RainerO:

    “Ziel des Preises …”

    Das ist richtig, ich persönlich hätte mir dann aber trotzdem weniger Infos über einen Typen, der eh noch lange im Knast sitzen wird, gewünscht, und statt dessen einen Blick auf die aktive Szene, für die er steht.

  11. 11 nouse 28. November 2017 um 20:55

    Fürs nächste Jahr nominiere ich: Barbara Hendricks für ihre faktenresistente Ablehnung von Glyphosat.

  1. 1 Psiram » Psirama – Der Psiram-Wochenrückblick (KW47, 2017) Pingback am 26. November 2017 um 20:00
  2. 2 Peter Fitzek gewinnt das Goldene Brett 2017 – stohl.de Pingback am 29. November 2017 um 05:57

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