Operation Zwerchfell: Die Homöopathen posten mal wieder eine Gaga-Studie

Das Studienverständnis von Homöopathen ist ein nie versiegender Born der Heiterkeit.

Lieferte die Österreichische Gesellschaft für homöopathische Medizin mit ihrem “Studien”-Gewedel vor drei Wochen einen veritablen Aprilscherz ab, versucht sich der Deutsche Zentralverein homöopathischer Ärzte (DZVhÄ) jetzt an einer Steigerung und postet gleich eine komplette Comedy:

DZV

Für das Informationsnetzwerk Homöopathie hat Dr. Norbert Aust sich die “Studie” mal näher angesehen.

Für nüchtern Eilige das Fazit first:

Der DZVhÄ behauptet, ein Dr. Torok habe in USA unter Einsatz von homöopathischem Arnica ganz erhebliche Verbesserungen bei Knieoperationen erzielt. Unabhängig davon, dass dieser Dr. Torok ein recht umtriebiger Mensch zu sein scheint, der über eine erstaunliche Menge von Spezialkenntnissen verfügt, hat sich dieser angebliche Erfolg anscheinend in keiner auffindbaren Veröffentlichung niedergeschlagen. Das, was wir vom DZVhÄ darüber erfahren, lässt die Vermutung aufkommen, dass es sich um ein Zufallsergebnis handelt und überhaupt nichts mit dem Einsatz homöopathischer Arnica zu tun hatte.”

dzvh

Für alle, die gerne lachen – hier der Volltext.

Zum Weiterlesen:

  • Was hinter einer “positiven Studie” von Homöopathen steckt – ein Beispiel, Informationsnetzwerk Homöopathie am 24. April 2016
  • Der “Mir-hat-die Homöopathie-aber-geholfen”-Fehlschluss, Informationsnetzwerk Homöopathie am 23. April 2016
  • Homöopathie: Fauler Zauber mit den Kassen, DocCheck am 22. April 2016
  • „Studien-Daten“ und die Realitätsverweigerung der Homöopathen vom DZVhÄ, GWUP-Blog am 18. Oktober 2015
  • Homöopathische Aprilscherze oder meinen die das ernst? GWUP-Blog am 1. April 2016
  • Homeopathy for cancer? Not again! No, no no!!! Edzard-Ernst-Blog am 22. April 2016

12 Kommentare zu “Operation Zwerchfell: Die Homöopathen posten mal wieder eine Gaga-Studie”


  1. 1 excanwahn 25. April 2016 um 09:10

    Man darf ja annehmen, dass die inhaltliche Bestückung der diversen DZVHÄ-Auftritte Aufgabe der Presseabteilung des Berufsverbandes ist. Wenn dem so ist, dann hätte der neulich inthronisierte Pressewart Bendig mit dieser Klamotte seinen ersten richtigen Bock im Amt geschossen.

    Aber, wegen der ohnehin dürftigen Anzahl von Erfolgsmeldungen jenseits von „80 % der Behandelten fühlten sich richtig gut“, wundert es nicht, dass die Presseabteilung selbst solche Null-Nummern als echte Knaller durchs homöopathische Dorf peitscht.

    Dr. Aust hat ja schon alles Wichtige zu der Klamotte geschrieben. Dass er die Studie selbst nicht auftreiben konnte, hat einen ganz simplen Grund: Irene Sebastian M.D., ehemals Chefin des American Institut of Homeopathy (AIH), erwähnt in einem Artikel zur widersprüchlichen Faktenlage bezüglich Arnika, Toroks Arbeit aus 1997 als „unpublished research“.

    Keine Chance also, die Story in irgendeiner Art und Weise zu überprüfen. Aber um Überprüfbarkeit geht´s den Marketingabteilungen sämtlicher Glaubensgemeinschaften ja ohnehin nicht.

    Wichtig ist halt die frohe Botschaft.

  2. 2 crazyfrog 25. April 2016 um 09:42
  3. 3 Bernd Harder 25. April 2016 um 10:42

    @Excanwahn:

    << Björn Bendig (36) ist seit dem 1. Januar Pressesprecher beim Deutschen Zentralverein homöopathischer Ärzte (DZVhÄ) mit Sitz in Berlin. Er folgt auf Christoph Trapp, der die Leitung der Abteilung Kommunikation und Marketing bei dem Verband übernommen hat. Bendig ist seit 2010 beim DZVhÄ und war bislang als Redakteur tätig. Er berichtet künftig an die Erste Vorsitzende Cornelia Bajic. << Wow, ein "Pressesprecher" (der ausschließlich "an die Erste Vorsitzende berichtet") und noch zusätzlich ein "Leiter Kommunikation und Marketing" - herrlich, wie ein kleines Lobby-Grüppchen versucht, einen auf "wichtig" und Großkonzern zu machen. Genug Geld für die Versorgung und selbstaufwertende Betitelung von verdienten Vereins-Aktivisten scheint ja da zu sein bei der ach so "alternativen" homöopathischen Pharmaindustrie.

  4. 4 excanwahn 25. April 2016 um 11:25

    Hallo Bernd,

    als ich den Satz “Er berichtet künftig an die Erste Vorsitzende Cornelia Bajic.”, so vor mich hin gelesen habe, habe ich auch ein wenig über diese großkotzige Management-Floskel geschmunzelt – und prompt ein wenig Kopfkino betrieben:

    Conny:”Und?”
    Björn:”Ja,nix!
    Conny:”Nix?
    Björn:”Tja…”
    Conny:”Wirklich?”
    Björn:”Naja, wie immer!”
    Conny:”Also nix. Wofür brauchen wir dann eigentlich ´nen Pressewart?
    Björn:”Okay, okay, okay! Ich lass mir was einfallen, Chefin!
    Conny: “Na also! Geht doch!”

  5. 5 RPGNo1 25. April 2016 um 16:32

    *Auf den Kalender schauen*
    Der 1. April ist doch schon seit 3 Wochen vorbei. Lieber DZVhÄ, mit dem Mitarbeiter der diesen Scherz online gestellt hat, würde ich doch mal ein ernstes Wörtchen reden. Ansonsten habe ich zwar nicht gelacht, aber doch herzlich geschmunzelt. :)

  6. 6 Ich 25. April 2016 um 17:07

    Einleitend heißt es bei dem erwähnten Eintrag:

    “What if…? This is quite a story….”

    Ich habe mich schon beim ersten Lesen gefragt, was dieser Satz bedeuten soll. Ich habe dessen Sinn noch immer nicht verstanden.

    Wenn es nur eine “Was wäre, wenn… ” Geschichte ist, wozu ist sie gut?

    Wenn die Geschichte ernst gemeint ist, warum dieser einleitende Satz?

    Ich denke Norbert Aust hat es richtig gemacht. Die Geschichte als ernst gemeint annehmen, so behandeln und beurteilen.

  7. 7 Werner 25. April 2016 um 21:03

    Mich würde es nicht wundern, wenn demnächst eine Fallstudie rauskommt, die besagt, dass Arnica, das Schweizer Taschenmesser der Homöopathie, der Originalfamilienbenutzer der Zuckerkugelindustrie, große Erfolge bei der Erweckung von Toten hat. Allerdings wird verschwiegen, dass der Patient dazu die Kügelchen vom Handrücken aufschlecken muss.

  8. 8 schrauber2 25. April 2016 um 22:52

    “homöopathische Medizin”
    Danke, nun kenn’ ich ein neues Oxymoron.

  9. 9 Catweazle 26. April 2016 um 09:53

    Es ist wieder nur so ein Fall, wo sich die Homöopathen ein wenig Seriosität vorgaukeln. Wie immer beschleicht mich dabei das Gefühl, das diese Leute noch naiver als die eigene Kundschaft sind.

    Es gibt ja viele Menschen die vom verschollenen Onkel aus Amerika träumen, der ihnen seine Milliarden vererbt. Hier ist es nur so eine Studie die wohl nie gemacht wurde.

    Ein Märchen aus dem Land der unbegrenzten Dämlichkeiten.

  10. 10 noch'n Flo 26. April 2016 um 11:26

    @ Catweazle:

    “Es gibt ja viele Menschen die vom verschollenen Onkel aus Amerika träumen, der ihnen seine Milliarden vererbt.”

    Es gibt halt jee Menge Leichtgläubige. Was glaubst Du wohl, warum bis heute jeden Tag Menschen auf die Geschichte vom nigerianischen Ölprinzen, der seine Millionen vor der pöhsen Steuer ausser Landes bringen muss, dabei unbedingt DEINE Hilfe braucht und bereit ist, Dir dafür 40% abzugeben, hereinfallen? Oder auf die vielen anderen Spielarten des “419-Fraud”?

    Besonders schlimm wird es, wenn Gefühle ins Spiel kommen – da wendet sich der Verstand schnell mit Grausen ab. Ich habe als Scambaiter im Laufe der Zeit jede Menge Menschen (vorwiegend Frauen) betreut, die ihren Betrügern schon tausende, wenn nicht zehntausende Euronen in den Rachen geworfen hatten, zum Teil sogar genau wussten, dass sie da einem Betrüger aufgesessen waren, aber trotzdem nicht aufhören und den Kontakt abbrechen konnten. Und die – obwohl inzwischen für die nächsten 600 Jahre überschuldet – von hirn- und gewissen losen Bankern immer noch einen weiteren Kredit bekamen, den sie von ihrem Mini-Job oder ihrer EU-Rente nie würden abstottern können.

    Wenn man sich erst einmal in diesem Metier eine Zeitlang aufgehalten hat, wundert es einen überhaupt nicht mehr, wie leicht Menschen den Betrügern und Scharlatanen in der Medizin auf den Leim gehen – obgleich die Schäden hier sogar noch viel schlimmer sein können.

  11. 11 2xhinschauen 26. April 2016 um 11:32

    Und ich bin zum wiederholten Male öffentlich beeindruckt von der kognitiven Dissonanz gerade auch beim homöopathischen Führungspersonal, einerseits den Naturwissenschaften die Erklärungskraft für die nur von ihnen selbst wahrgenommenen Phänomene pauschal abzusprechen (“zu individuell, Studien sind generell ungeeignet”) und andererseits nach jedem Strohhalm zu greifen, der eine (schein-)wissenschaftliche Fundierung ihres Fachs zu liefern den Anschein erwecken könnte:

    Ein paar positive Studien gibt es angeblich doch, verallgemeinerte Quantentheorie, Wassergedächtnis, wasnichtnoch.

    Man möchte sie fragen: Wattenu? Lieber unwissenschaftlich oder lieber scheinwissenschaftlich?

    p.s. Ich kann auch kurze Sätze. Bin aber gerade etwas überzuckert…

  12. 12 Dr. Hans-Werner Bertelsen 27. April 2016 um 14:34

    Noch 32 Tage bis zum Homöopathie-Kongress in Bremen.

    Scheinmedizin, von der Politik unterstützt.

    Schon auf der Petition eingetragen?

    http://ich-glaube-der-hamster-bohnert.de/

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