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Schamanen, Voodoo und Magie an der TU München? Überhaupt kein Problem!

| 23 Kommentare

Heißer Tipp für alle Einhornmediziner, Ashtar-Sheran-Jünger, Virenleugner und sonstige Obskuranten, die Räumlichkeiten für Veranstaltungen suchen:

An der Technischen Universität (TU) München sind sie willkommen.

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Auf eine GWUP-Anfrage bezüglich des „Weltkongresses der Ganzheitsmedizin“, der heute beginnt, antwortet der Director Corporate Communications (Orthografie originalgetreu):

Die Technische Universität hat Räume für einen Kongreß an Dritte vermietet, so wie sie es oft und seit Jahren unternimmt. Wir sind angehalten, bei freien Kapazitäten unsere Räume gegen ein staatlich festgesetztes Entgelt zu vermieten.

Auf den Inhalt der Veranstaltungen, soweit nicht außerhalb der Gesetze, hat und nimmt die TUM keinen Einfluss. Als öffentliche Einrichtung unterliegen wir dem Neutralitätsgebot.

Sollte unsere gesetzliche geschützte Marke missbräulich und widerrechtlich verwendet werden, werden wir selbstverständlich dagegen vorgehen, wie wir es in der Vergangenheit wiederholt getan haben.“

Frei übersetzt heißt das wohl: Geld transzendiert nicht und wir wollen die Kohle, egal von wem.

Den weiteren Mailwechsel hat die TU nicht zur Veröffentlichung freigegeben.

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Unsere zwei Hauptfragen an die „Weltelite“-Uni bleiben damit unbeantwortet:

1. Wie vereinbart die TU München internationale Spitzenforschung und höchstes wissenschaftliches Renommee mit „Schamanen“ und „Voodoopriestern“, die behaupten, einen „Röntgenblick“ zu besitzen und die über „Magie, Hexerei und böser Blick“ referieren?

2. Würde die TU München ihre Räumlichkeiten also bedenkenlos auch an Impfgegner, Ufologen und Feenkundler vermieten, ohne auch nur auf die Idee zu kommen, vom Hausrecht Gebrauch zu machen?

Es ist nämlich so, verehrter Herr Director Corporate Communications, dass Medien und Öffentlichkeit nicht groß unterscheiden, ob die Hochschule „nur“ Räume vermietet hat oder aber in irgendeiner Weise involviert ist beziehungsweise mit der Beherbergung der Plastikschamanen ein gewisses Wohlwollen oder gar „Miteinander“ zum Ausdruck bringen will.

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Und natürlich schmückt sich der „Weltkongress der Ganzheitsmedizin“ nur zu gerne mit dem Foto und dem Signum der TU München, wie man auf der Homepage sehen kann.

Das assoziiert automatisch Seriosität, womit die TU unserer Überzeugung nach zur Adelung von unfassbarem Mumpitz beiträgt.
Das TU-Präsidium und die Abteilung Corporate Communications werden sicher noch schlafen, wenn morgen Früh um 6 Uhr das „Ritual zur Reinung des Ortes und der Atmosphäre“ durchgeführt wird.
Aber vielleicht wacht man ja irgendwann mal auf an dieser „deutschen Exzellenzuniversität und einer der führenden Universitäten Europas“.
Zum Weiterlesen:
  • „Haarsträubender Unfug“ an zwei deutschen Elite-Unis, GWUP-Blog am 1. Oktober 2015
  • “Schreckliche Nachrichten” für Psycho-Esoteriker und Plastikschamanen an der TU München, GWUP-Blog am 2. September 2015
  • Keine Schamanentänze mehr an der LMU München, GWUP-Blog am 6. Oktober 2014
  • Bekommt die Technische Universität München nun endlich ein Bewusstsein? Ratgeber-News-Blog am 5. Oktober 2014
  • „Spirits“ spuken durch die TU München, GWUP-Blog am 1. Juli 2015

23 Kommentare

  1. An: praesident@tum.de

    Geehrter Herr Präsident!

    Es sollte eigentlich nicht soweit kommen, trotz Drittmitteleinwerbung, dass esoterische Scharlatane an einer Uni Räumlichkeiten erhalten können.

    Ich als Akademiker ersuche Sie DRINGENST, diese blödsinnige und antiwissenschaftliche Veranstaltung abzusagen! Soweit ich weiss ist die TUM des Öfteren der Host solcher Scharlatane!

    https://blog.gwup.net/2015/10/09/schamanen-voodoo-und-magie-an-der-tu-munchen-uberhaupt-kein-problem

    MfG,

    Dr. Michael Jachan

  2. @Michael Jachan:

    Nach unseren Informationen hätte die Medizinische Fakultät der TU diese Veranstaltung in ihren Räumlichkeiten nicht geduldet, ähnlich wie der Dekan der Medizinischen Fakultät der LMU im vergangenen Jahr – trotz Einnahmeverluste und „Neutralitätsgebot“.

    In der Tat ist daher wohl der TU-Präsident höchstselbst in die Pficht für diesen Nonsens zu nehmen.

    Wie schon das Laborjournal schreibt:

    „Mein Gott, Sie sind doch Naturwissenschaftler, Herr Hermann! Tun Sie was gegen den Schmarrn!”

  3. Die Zusage zu dieser Veranstaltung erfolgte vermutlich auch im Trance-Zustimmung.

  4. „Wir sind angehalten“ heißt nicht „wir sind verpflichtet“, Herr persönlicher Präsidentenreferent!

    Raumgesuche kann man auch ablehnen.

    Und zwei Fehler in einem kleinen Textchen ist auch schwach für einen Kommunikationsdirektor.

  5. Huch, aus dem Programm von 2016:

    „Willkommen in München
    Ich möchte Sie in der Landeshauptstadt München ganz herzlich zum Weltkongress der Ethnotherapien und Ganzheitsmedizin begrüßen. Ich freue mich sehr, dass der Kongress zum wiederholten Male in München stattfindet. An den Begrifflichkeiten ist schon erkennbar, dass es in der Schulmedizin vorwiegend um die Behandlung von Krankheit geht, um das Diagnostizieren und Therapieren von Krankheiten. In den letzten Jahren wird in der Gesundheitspolitik der Gedanke der Prävention wieder stärker gefordert, auch die Ganzheitlichkeit und die alternativen Heilmethoden halten Einzug in das Gesundheitssystem, allerdings noch in homöopathischen Dosen. Ich hoffe sehr, dass dieser Kongress dazu beiträgt, die Verbindungen von traditionellen Heilmethoden und der modernen Medizin zu fördern. Es ist in unser aller Interesse, wenn wir die technisierte Medizin, die den Menschen nur bedingt gesund machen kann, erweitern um die Therapien aus der Ethnomedizin.
    Lydia Dietrich, Stadträtin“

    Ob die Frau Stadträtin Dietrich wohl nen ganzheitlichen Shitstorm für ihr Engagement gebrauchen kann?

  6. @Catweazle:

    Wenn sie nicht so unbedeutend wäre, müsste man sie fürs Goldene Brett nominieren.

    Aber da würde sie starke Konkurrenz von ihrer Parteifreundin Babsi Steffens bekommen.

  7. @ Catweazle:

    Huch, wo um Himmels Willen steht denn das?

  8. Wie soll ich noch in Diskussionen argumentieren, wenn solche Sachen von Hochschulen nicht nur geduldet, sondern aktiv gefördert werden?

    Ja, nichts anderes ist das hier, auch wenn der Director Corporate Communications (komischer Name…) das Ganze auf ein pragmatisches Niveau herunterzudrücken versucht.

    So blöd kann man doch eigentlich gar nicht sein, hier als Universität so zu agieren.

    Ist das technokratisch-bürokratische Blindheit (glaubt der DCC wirklich an seine angebliche Verpflichtung nach seiner Satzung) oder muss ich schon Sympathie zur Schamanenszene unterstellen?

  9. Sehr geehrte Verantwortliche der TU München,

    durch Disput mit Prof Dr. Reiser von der LMU München ich es mir als Arzt (Radiologe) sehr rasch gelungen, ihn davon zu überzeugen, dass die LMU München diese „Ethnomediziner?“ nicht mehr in ihren Räumen duldet.

    Sie können gerne beim Justitiar der LMU München nachfragen, wie es juristisch korrekt zu bewerkstelligen ist, dass sie sich nicht mehr von diesen Spinnern vor den Karren spannen lassen müssen.

    Man kann sich durchaus einen Ehrenkodex geben, der die Abteilungsleiter verpflichtet, Räume nur dann zu vergeben, wenn hier ein wissenschaftliches Programm durchgeführt wird, und die Abteilungsleiter in die Pflicht nehmen.

    Gerade die TU München läßt so etwas Absurdes zu. Wissen Sie denn nicht, dass die TU München in der Fakultät Elektrotechnik Spezialgebiete wie Bioengineering und Life sience sowie Bildgebende Diagnostik im Masterstudiengang anbietet?

    Zudem ist auf dem Campus Garching ein Forschungszentrum für bildgebende Diagnostik der Fa. General electrics angeliedert.

    Sie als verantwortliche erlauben in ihren Räumen Fortbildung in „Schamanistischem Röntgen“. Diagnosestellung durch Handauflegen!

    Ist der Plan der TU München, die Abteilungen für Radiologie und Nuklearmedizin aufzulösen und gegen das Medium Maria-Elisabeth auszutauschen? Ergebnisoffene Forschung, ihrem Leitbild ensprechend!

    Zumindest besteht ein sehr hohes Kosteneinsparpotential. Die Chrirugen um Prof. Dr. Friess lernen jetzt von Philippinischen Geisterchirurgen, eine Appendizitis zu behandeln. Ebenfalls sehr hohes Kosteneinsparpotential.

    Meine Herren von der TU München. Entschuldigen sie meinen Zynismus. Die alten Skythen haben Zynikern die Augen ausgestochen, weil sie die Welt sahen, wie sie ist, und nicht so, wie sie sein sollte.

    Sie erweisen leider dem wissenschaftlichen Denken in Deutschland einen Bärendienst. Beenden Sie diese peinliche Absurdität!

    Und wenn Sie nicht wissen sollten, wie man zurückrudert, wenn man die falsche Richtung eingeschlagen hat, dann empfehle ich ihnen, sich nebenan in Oberschleißheim auf der Ruderregatteastrecke umzusehen.

    Wenn der Wille da ist, kann es jeder!

  10. Wolf Dieter Storl, der Frühritualist, wurde erst vor wenigen Tagen auch im esoterikaffinen SWR hofiert, wo er in der Landesschau vor einer hingerissenen Moderatorin von der bis in die Mammutsteppe zurückreichende Heilkunst unserer Altvorderen berichten durfte:

    http://swrmediathek.de/player.htm?show=08aadcd0-6d1e-11e5-8b69-0026b975f2e6

  11. Am meisten beeindruckt mich der Programmpunkt „Reinigung mit dem Ei“.

    Sozusagen eine ganzheitliche Ultraschalluntersuchung, gleitet das Ei über den zu untersuchenden Körper. Mir fällt da spontan der Begriff „EiPad“ ein.

    Sehr schön, einer technischen Universität würdig.

    Vor allem sehr umweltfreundlich, kein Stromverbrauch, ohne CO2-Emissionen, was will man mehr.

  12. Psiram-Kommentar:

    „Die TU München gefällt sich gerade darin, als Narhalla eines wunderlichen Pseudomedizinkongresses herzuhalten.“

    https://blog.psiram.com/2015/10/landeshauptstadt-muenchen-gesundheit-in-guten-haenden/

  13. Storls Buch, Borrelliose natürlich zu heilen, ist ein Bullshit-Referenzwerk. Homöopathika immunisieren dagegen! Impfung ist böse, Rudolph Steiner, Sheldrake, Pestizide, alles drin.

  14. @Roman:

    Da der Herr Dr. Marsch ja mit dem Grundgesetz wedelt, um diesen Narrenfasching an der TU zu rechtfertigen (in einer privaten Mail an mich), müsste man fast überlegen, ob man nicht mit denselben juristischen Verrenkungen das nächste Impfgegner-Opfer der TU München „anhängen“ kann, die es zulässt, dass solche Leute an der TU München ihren Schwachsinn propagieren.

  15. Ja, schön doppeldeutig formuliert:
    < < Organisiert von INFOMED Institut für Ganzheitsmedizin e.V. in der Technischen Universität München < <

    Das ist ja auch ein Schmankerl:
    < < Heilung einzuleiten im Sinne von der Krankheit als Weg. Dr. med. Ulrike Aldag, Fachärztin für Chirurgie, Naturheilverfahren & Homöopathie, Institut für Neuraltherapie, Berlin < <

    Hätte so eine Veranstaltung früher™ auch so aufgefasst, daß da wohl doch was dran sei, wenn sogar die TU … bzw daß das so "wirkmächtig" wäre, daß nicht mal die TU darüber hinwegsehen kann.

  16. Freie Gesellschaft nervt schon, oder? ;)

    Für strafbare Handlungen zu überprüfen und zu verfolgen ist nicht die Uni da, sondern die entsprechenden Behörden.

    Sofern die Behörden nicht an die Uni herantreten mit irgendwelchen Hinweisen sehe ich da wenig Handhabe.

    Außer Diktatur der Wissenschaft und Ihr entscheidet wer wann wo reden darf und worüber ;)

  17. @bernd:

    „Freie Gesellschaft nervt schon, oder?“

    Überhaupt nicht. Zur „freien Gesellschaft“ gehört eben auch, dass es nicht nur eine juristische Ebene und „strafbare Handlungen“ gibt, und dass eine „Elite“-Uni sich den Vorwurf gefallen lassen muss, antiwissenschaftlichen Unsinn zu fördern.

    Und was genau hat eine „freie Gesellschaft“ mit dem Hausrecht einer Universität zu tun, Räume zu vergeben oder es auch bleiben zu lassen?

    „Sofern die Behörden nicht an die Uni herantreten mit irgendwelchen Hinweisen sehe ich da wenig Handhabe.“

    Ach so? Die LMU hatte mühelos genügend „Handhabe“, um diese Typen letztes Jahr vor die Tür zu setzen.

    „Außer Diktatur der Wissenschaft“

    Erklären Sie uns bitte, was genau dieser Narrenfasching mit „Wissenschaft“ zu tun hat?

    „Ihr entscheidet wer wann wo reden darf und worüber“

    Sie haben das Anliegen nicht wirklich verstanden, oder? Skeptiker-Bashing ist ja völlig in Ordnung, darf aber gerne fundiert sein und sich an den tatsächlichen Forderungen orientieren – nicht an imaginären.

  18. Es ist schon erstaunlich: Die moderne Medizin ist zu vielen „Wundern“ fähig und es gibt Menschen, die nach einer Alternative suchen.
    Vielleicht liegt es daran, daß die Medizin (zum großen Teil) ihre „Wunder“ erklären kann und auch um ihre Grenzen weiß.

    Die Alternativmedizin hat noch Raum für „echte“ Wunder und vor allem sie gibt der Welt, in der wir leben, einen (Un-)Sinn…nach dem Motto: „Für jede Krankheit, ist ein Kraut gewachsen“, als würde „Mutter Natur“ für uns sorgen, und da sind wir wieder am Urgrund für den Glauben angelangt: ein Geborgensein, das wir – wenn alles gut läuft – aus unserer Kindheit kennen.

    Ich weiß, es ist schon „grausam“ zu erkennen, daß die Welt keinen Sinn hat, sondern nur der, den wir ihr geben; auch daß die Welt nicht gerecht ist und auch Menschen mit schlimmen Krankheiten „gestraft“ werden, die nichts böses getan haben und deshalb seien wir dankbar, daß es die „Schulmedizin“ gibt, die wirklich Hoffnung auf Heilung geben kann.

  19. Das nächste sind dann von Esoterikern gesponserte Professuren. Ach nee, das gibt es ja auch schon.

    Wenn für Geld alles zu haben ist, dann werden die Universitäten bald zu einem Tollhaus, wo sich alle nur noch toll finden und keine Wissenschaft mehr betrieben werden muss.

    Es wird dann eben nur noch Schmarrn gelehrt.

  20. Ich muss gerade an den tollen Postillon-Artikel über Steinzeitmedizin denken.

    „Neuer Trend Paleo-Medizin: Heilmethoden der Steinzeit immer beliebter“

    http://www.der-postillon.com/2015/09/neuer-trend-paleo-medizin-heilmethoden.html

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