„Ebola-Mission“ von Homöopathen in Liberia gescheitert

Alles andere als eine klare Verurteilung wäre ein Skandal”,

schrieb Dr. Christian Weymayr (“Die Homöopathie-Lüge”) Anfang November auf seiner Facebook-Seite an die Adresse des Deutschen Zentralvereins homöopathischer Ärzte (DZVhÄ).

Weymayr hatte den DZVhÄ um eine Stellungnahme zu Verlautbarungen verschiedener Globuli-Aktivisten ersucht, die mit ihren wirkungslosen Zuckerkügelchen Ebola heilen wollen.

Dem Blogger merdeister (dieausrufer) schwante zu diesem Zeitpunkt bereits Übles:

Ich denke, bisher halten sich die deutschsprachigen Homöopathen zurück, weil alles andere der PR-GAU wäre. Nicht jedoch, weil sie eine prinzipielle Behandlungsmöglichkeit anzweifeln würden.”

Und so scheint es tatsächlich zu sein.

Die deutschen Homöopathie-Lobbyisten sehen im Herumdilettieren an viruskranken Menschen keineswegs einen Skandal, sondern schwärmen vielmehr von einem “Einsatz homöopathischer Ärzte in Liberia”:

Unsere Erfahrung aus der Behandlung anderer Epidemien in der Geschichte der Medizin lässt den Schluss zu, dass eine homöopathische Behandlung die Sterblichkeitsrate der Ebola-Patienten signifikant verringern könnte.”

So steht es heute auf der Homepage des DZVhÄ zu lesen.

Der trotzige Jubel-Artikel soll indes primär eine veritable Schlappe für die Homöopathen camouflieren:

Die Behörden in Liberia haben ein Team homöopathischer Ärzte daran gehindert, Ebola-Patienten zu behandeln”,

meldet Spiegel-Online.

Demnach wurde der Afrika-Trip einer Delegation der “Liga Medicorum Homoeopathica Internationalis” (LMHI) “maßgeblich von deutschen Homöopathen organisiert und finanziert”.

Als Teamleiterin fungierte die deutsche Ärztin und Impfgegnerin Ortrud Lindemann, die in Barcelona praktiziert und sich eines entlarvenden Vokabulars befleißigt, welches Homöopathie unzweideutig als Religion konstituiert:

Wir sind gesegnet mit 110 Mitteln in drei bis vierfacher Potenz”, schrieb Ortrud Lindemann, eine der entsandten Ärztinnen, in einer E-Mail am 19. Oktober aus Liberias Hauptstadt Monrovia […] Wir sind dazu bestimmt, dem Volk Liberias zu helfen im Kampf gegen Ebola mit homöopathischen Mitteln.”

Das muss man nicht weiter kommentieren.

Oder allenfalls mit dem Quackometer fragen:

Have Homeopaths Reached Peak Stupid?”

Die Daily Mail hatte schon vor fünf Tagen ausführlich über den homöopathischen Griff ins Klobuli berichtet und neben Ortrud Lindemann auch die indische Ärztin und Homöopathin Medha Durge interviewt:

She confirmed that they had used homeopathic treatments on patients, despite the instructions from health officials in the capital Monrovia not to do so.”

Dazu kann man eigentlich nur nochmal Dr. Florian Aigner vom GWUP-Vorstand zitieren:

Wenn Sie unbedingt das Wirkprinzip der Homöopathie in Krisengebieten testen wollen, dann können Sie ja vorerst mal selbst versuchen, homöopathisch verdünntes Meerwasser gegen die Auswirkung von Tsunamis zu verwenden, homöopathisch verdünnte Erde, um sich vor Muren zu schützen, und hochpotenziertes Blei gegen Gewehrkugeln von Plünderern – das hätte alles genau dieselbe Logik wie die Präparate, die tatsächlich verkauft werden.

Aber bitte: Belästigen Sie damit keine notleidenden Menschen, die tatsächlich Hilfe brauchen.”

Zum Weiterlesen:

  • “Ebola-Mission von Homöopathen 2014” bei Psiram
  • The invasion of well-meaning quacks into West Africa continues apace, Respectful Insolence am 20. November 2014
  • “Homeopathy CAN cure Ebola”: Doctors attack ‘armchair intellectuals’ at World Health Organisation who refuse to let them treat deadly virus with snake venom remedy, Daily Mail am 19. November 2014
  • The Daily Mail is wrong: Homeopathy can’t cure Ebola, The Spectator am 20. November 2014
  • Homöopathie: Liberia verhindert Tests an Ebola-Patienten, Spiegel-Online am 24. November 2014
  • Genfer Homöopath von Liberia abgewiesen, NZZ am 23. November 2014
  • Homöopathen wollen mit Kügelchen Ebola stoppen, stern.de am 31. Oktober 2014
  • Einfach logisch: Homöopathie und Ebola, dieausrufer am 2. November 2014
  • Gefährlich: Führt der Ebola-Ausbruch zu mehr Wissenschaft und Vernunft? GWUP-Blog am 20. Oktober 2014
  • Ebola und die Quacksalber, dieausrufer am 19. Oktober 2014
  • Ebola in Afrika – gibt’s da nicht was vom Homöopathen? GWUP-Blog am 9. August 2014
  • Homöopathie: Über Miasmen, Größenwahn und Unvermögen, die HoG und Ebola, Bullshit! am 26. September 2014
  • Ebola? Da haben wir etwas für Sie …, Psiram am 9. August 2014
  • Der grenzenlose Irrglaube der “Homöopathen ohne Grenzen”, GWUP-Blog am 4. Dezember 2013
  • Homöopathie ist Religion, GWUP-Blog am 25. April 2011
  • Have Homeopaths Reached Peak Stupid? Quackometer am 21. November 2014
  • Leben Krebspatienten mit homöopathischer Zusatzbehandlung länger? Beweisaufnahme in Sachen Homöopathie am 24. November 2014

12 Kommentare zu “„Ebola-Mission“ von Homöopathen in Liberia gescheitert”


  1. 1 Ralf 24. November 2014 um 23:04

    Da auch Menschen Ebola überleben können (auch durch bessere medizinische Betreuung), müßten diese Überlebende für einen “Beweis der Wirksamkeit” der Homöopathie herhalten.
    Auf jeden Fall ist es absurd anzunehmen, daß ein Homöopathikum gegen eine Infektionskrankheit helfen kann und vor allem, welche Homöopathika sollten das sein? – stark verdünnter Ebola-Virus, oder was?
    Ich kann nur allen Homöopathen den Selbstversuch empfehlen…einfach an sich selbst testen…

  2. 2 Catweazle 25. November 2014 um 07:59

    Wird nur mir schlecht wenn ich so etwas Menschenverachtendes lese? Übrigens, die Chinesen sind auch gerade dabei ihren traditionellen Hokuspokus noch fester zu verankern.
    http://german.china.org.cn/china/2014-11/25/content_34145163.htm
    Das dürfte dann DIE Steilvorlage für unsere hiesigen Hexenmeister sein.

  3. 3 excanwahn 25. November 2014 um 08:03

    Jetzt, nachdem deutlich wird, dass der akute Stamm der Ebola-Viren nicht jeden seiner Träger um die Ecke bringt, jetzt sammeln sie sich weltweit, die ächten Heilkünstler mit ihrem wohlinformierten Zucker: „Aus dem Weg, lasst uns durch, ihr Allopathen, nur wir können in Afrika wirklich helfen!“

    Und wenn man sie lassen würde, bekäme jeder Ebola-Erkrankte ein paar Globuli unter die Zunge geschoben, und der Teil der Patienten, der die Infektion überlebt (und ganz sicher auch ohne Globuli überlebt hätte), würde anschließend als Beleg für die heilsame Wirkung der geistartigen Kraft der Klapperschlange gezählt.

    So einfach geht der Betrug von Mütterchen Mü, die dann, mit Verweis auf die epidemiologischen Erfolge der Homöopathen, beschließt, ihren Nachwuchs nicht mehr impfen zu lassen.

    Gefährliche Infektionskrankheit? Pah, ein paar Zückerli, schon ist´s wieder gut.

    Frau Bajic, oberste ächte Heilkünstlerin des DZVHÄ, der Standesorganisation der knapp 2 % Vollpfosten unter Deutschlands praktizieren Ärzten, formuliert schon einmal die zukünftige Standardlüge:

    „Unsere Erfahrung aus der Behandlung anderer Epidemien in der Geschichte der Medizin lässt den Schluss zu, dass eine homöopathische Behandlung die Sterblichkeitsrate der Ebola-Patienten signifikant verringern könnte.“

    Der derzeit noch enthalten Konjunktiv wird verschwinden.

    Ich gestehe,
    ich entwickle Gewaltphantasien.

  4. 4 klauszwingenberger 25. November 2014 um 08:48

    @ Ralf:

    Sie unterschätzen die Konsequenz des Wahnsinns. Homöopathen schauen strikt auf das Symptom (deshalb ist HP ja auch so ganzheitlich) und schlagen dann in einem dicken alten Buch nach, was so etwas ähnliches hervorruft. Da kommt man dann auf das eine oder andere Schlangengift, das schon bei Malaria nichts nutzt, und am Ende landet man bei Lachesis C-irgendwas. Mrs. Calabrese weiß, wo’s langgeht:

    „The symptoms of Ebola and other hemorrhagic fevers resemble those of malaria, dengue fever, yellow fever and viral hepatitis. In homeopathy, remedies are often chosen based on the symptom picture, so the remedies most often used for Ebola will be the same as for these other diseases.”

    http://joettecalabrese.com/blog/bioterrorism-epidemics-knowing-homeopathy-can-help-make-world-less-scary-place/

  5. 5 ich, ebenselst 25. November 2014 um 11:48

    Diskutieren hilft bei deren Anhängern gar nichts, im gegenteil, es bestärkt sie in ihrem Glauben.

    Igbnorieren bringt auch nciht viel, also , so what ?

    Bildungsinitiative ?
    GEGEN den widerstand der Politik ?
    Ergebnis siehe Hannover ( der “schüler-gentechnik-kurs” ) ….

    Hilfe könnte in einem radikalem Machtwechsel in allen Bereichen bestehen, aber damit kenne ich mich nicht aus, also spekuliere ich auch nciht darüber.

    Freundliche Grüße

    Dingo

  6. 6 Werner 25. November 2014 um 14:47

    mein Vorschlag, lasst diese Vollpfosten in die Ebola-Gebiete reisen, allerdings unter folgender Bedingung:

    Sie müssen sich vorher einer homöopathischen Immunisierung gegen Ebola unterziehen.

    Da dadurch keine weiteren Schutzmaßnahmen (Kleidung, Hygiene etc.) notwendig wären, könnten sie sich dort unten frei zwischen den Kranken bewegen.

    Das hätte den großen Vorteil, dass die meisten nach ein paar Wochen ihre Kügelchen an sich selbst ausprobieren müssten, mit dem überaus positiven Effekt, dass …

    Man wird ja wohl noch träumen dürfen;-)
    Aber im Ernst: Es gibt ja genügend Politiker (vor allem Grüne und von der CSU), die absolute Befürworter der Homöopathie sind.
    Jetzt, wo es ernst wird, ziehen sie den Schwanz (oder sonst was) ein. Die müssten doch jetzt voller Begeisterung den Plan der Homöos unterstützen.
    Oder kann es sein, dass sie der beworbenen ganzheitlichen, nebenwirkungsfreien, sanften, moralisch höherwertigen und sonstwas-“Medizin” doch nicht so trauen.

  7. 7 diabetiker 25. November 2014 um 16:04

    –“Wir sind gesegnet mit 110 Mitteln in drei bis vierfacher Potenz”, schrieb Ortrud Lindemann–

    irgendwie müßte denen mal jemand mit ihren eigenen aussagen die zähne ziehen.

    wir und die wissen ja inzwischen daß ebola(auch etliche ähnliche virusinfektionen) infektionen mit höchster mortolitätswahrscheinlichkeit sind.

    “und da fahren die mit d3 d4 potenzen hin” !!

    wo doch nach ihren guru die “richtig starke” wirksamkeit erst bei höheren potenzen einsetzt. die wollen also mit den sogenannten, unwirksamen niedrigpotenzen die armen dort noch nicht mal richtig nach hanemufti umbringen.

    also bitte wenn schon umbringen dann auch mit der “klassischen hömöodingsda” glaubensleere.
    mfg.

  8. 8 Ralf 25. November 2014 um 20:33

    Vor einiger Zeit schrieb ich folgenden Kommentar:
    https://blog.gwup.net/2014/04/04/traunstein-homoo-akademie-geht-vorerst-nicht-an-den-start/comment-page-1/#comment-31715

    Damals hätte ich nicht gedacht, daß das Realität wird; aber ich sehe, in der Esoterik werden auch die kühnsten “Träume” wahr.

    Der aktuelle Fall, sollte aber “an die große Glocke” gehängt werden, da ich denke, daß auch hier Menschen, die ab und zu Globuli einwerfen, den Kopf schütteln werden und zwar in dem Maße, daß vielleicht der Irrsinn hochpotenziert wird und sich in Luft auflöst. ;-)

    Statt Homöopathika, halte ich das für “vielversprechender”:

    http://www.huffingtonpost.de/2014/10/20/cannabis-mittel-gegen-ebola_n_6014726.html

    …obwohl ich mir nicht vorstellen kann, daß hier Cannabis wirklich helfen kann.

  9. 9 Michel 26. November 2014 um 19:39

    Ob die wirklich so verrückt gewesen wären, da hin zu gehen. Aber wahrscheinlich hätten die Afrikaner die Mittelchen verabreichen müssen und jeder Überlebende (10-50%?) wäre als Homöopathie-Wirkung erklärt und von dummen Wohlstandsbürgern auch geglaubt worden.

  10. 10 Clemens Maier 29. November 2014 um 15:40

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