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Homöopathen ohne Grenzen: Cola light für Hungergebiete

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Mit den „Homöopathen ohne Grenzen“ haben wir uns erstmals 2009 beschäftigt, als dieser seltsame Verein allen Ernstes für den Deutschen Engagementpreis nominiert war.

Gewonnen haben sie damals nicht, sondern die von der GWUP und anderen Bloggern unterstützen „Sozialhelden“.

Anke Engelke würdigte die grenzenlos Naiven mit einem entlarvenden Sketch:

Im vergangenen Jahr schockierten die „Homöopathen ohne Grenzen“ die Blogosphäre mit dem Vortragsvideo eines Spinners namens Jeremy Sherr:

Jeremy Sherr ist vor Jahren mit seiner Frau Camilla und den drei gemeinsamen Kindern nach Tansania gezogen, um dort die Menschen mit HIV/Aids zu behandeln. Auf Grund seiner langjährigen Erfahrung mit dieser Erkrankung kommt er zu dem Schluss, dass die AIDS-Erkrankung ein eigenständiges Miasma darstellt.

Entsprechend Hahnemanns Vorgehensweise bei der Entwicklung des miasmatischen Konzeptes stellt  er Symptomenreihen zusammen und sucht die geeigneten homöopatischen Arzneien.“

Dieser Bullshit findet sich heute noch auf der deutschen Homepage der Homöopathen ohne (Scham-) Grenzen.

Nun ist mit der Frankfurter Allgemeinen auch eine große Pulikumszeitung auf die Umtriebe dieser Organisation aufmerksam geworden.

Den Anlass gab ein kritischer Kommentar im British Medical Journal:

Homeopaths Without Borders practice exploitation not humanitarianism“

Prompt wurden dessen Autor das Ziel von unverdünnten homöopathischen Hasstiraden.

Davon ungerührt deutet auch die FAZ an, dass die „Homöopathen ohne Grenzen“ möglicherweise als eine Art Stoßtrupp fungieren könnten, um der Quacksalberei „globale Märkte“ zu erschließen.

Dass auch die Weltgesundheitsorganisation WHO vor den Gefahren warnt, die von dieser „unsinnigen Heilmethode“ gerade in Entwicklungsländern ausgeht, scheint die HOG nicht weiter zu stören.

Falls hinter den Aktivitäten der „Homöopathen ohne Grenzen“ wirklich echte Überzeugung stecken sollte, dann ist sie von blindem Fanatismus nicht zu unterscheiden.

Und falls es um Propaganda und Geschäftsmacherei gehen sollte, dann ist es schlicht menschenverachtend.

Zu dem unheilvollen Treiben der HOG meint auf der Facebook-Seite der GWUP ein Kommentator:

Wurde auf der Skeptikerkonferenz QED mal sehr treffend als Schiffsladungen mit Cola light in Hungergebiete exportieren beschrieben.“

Zum Weiterlesen:

24 Kommentare

  1. Und hier der link zum Artikel von D Shaw im BMJ

    http://www.bmj.com/content/347/bmj.f5448

  2. Und auch hier hat die Kommentatorin auf der Facebook-Seite – wie schon Ralf Neugebauer im Skeptiker 2/2013 – vergessen dazu zu schreiben wofür QED steht: „Question – Explore – Discover“. Ein Physiker, der die Abkürzung QED liest, wird zuerst an Quantenelektrodynamik denken, ein Mathematiker an den Abschluss einer Beweisführung, ein Urgestein der Informatik an einen legendären Texteditor… Und alle wundern sich: Was hat das mit Homöopathie zu tun?

  3. Oh, man, ich glaub‘ es nicht, die „Homöopathen Ohne Grenzen“ kannte ich noch nicht…

    aber eines ist gut, wenn diese „Homöopathen“ ihre Grenzen, der meist gesunden Wohlstandsgesellschaft verlassen und sehen, daß die Globuli keine Wirkung bei wirklich ersthaften Erkrankungen haben, dann könnte das vielleicht heilsam sein.

    Es zeigt aber auch, wie realitätsfern diese Leute sind, die glauben mit „Zuckerkügelchen“ die Welt retten zu können…(falls sich nicht um einen (schlechten) „Marketing-Gag“ handelt)

  4. Die Ärztekammer in Berlin wollte mal Fortbildungspunkte für eine Veranstaltung mit Sherr vergeben, besann sich jedoch eines Besseren:

    http://dieausrufer.wordpress.com/2012/11/18/potenzierte-ignoranz-der-arztekammer-berlin/

    und ein paar vertiefende Gedanken:

    http://dieausrufer.wordpress.com/2012/12/01/aids-und-saccharose/

  5. Wenn die grenzenlosen Homöos HIV pos Personen von der antiviralen Therapie abhalten, sich sie direkt für das Fortschreiten der Infektion in Richtung AIDS verantwortlich. Ein Verbrechen

  6. @wolfganM
    …ich denke man wird das dort „komplementär“ einsetzen und eine Rekursion des Virus als ein Erfolg des „Homöopathikum“ verbuchen…

  7. meinte eigentlich „Reduktion“…aber „Rekursion“ ist auch nicht schlecht… :-)

  8. Ha ha, Stupidedia :-)
    http://www.stupidedia.org/stupi/Rekursion
    Nun ja, für einen Programmierer ist eine rekursive Funktion wirklich etwas Schönes, da man nur wenig Code schreiben muß und die Funktion wirklich wahre Wunder vollbringt.
    Ein Beispiel für das „Wunder“ der Rekursion, sind die allseits beliebten Fraktale, die nur durch die rekursive Reproduktion einer einzigen Gleichung der komplexen Zahlenebene erzeugt werden.

  9. Vielleicht schaffen die HOGs das, was die Vernunft bisher noch keiner vermochte, die Homöopathie im Sumpf der Scharlatanerie endgültig zu versenken.

  10. Wer Interesse hat, kann sich bei mir melden; ich habe vor die Vereinigung: SOG zu gründen – SOG steht für Soziopathen Ohne Grenzen…

  11. Kürzlich war ich in der Apotheke und wollte mir ein Mittel gegen Magenschmerzen holen. Ich habe das so einmal im Quartal und nehme immer das gleiche Mittel, was auch gut hilft.

    Diesmal wollte mir die gute Frau in der Apotheke (mit Doppelnamen und lila Turban) aber meine Tabletten nicht ohne Gegenwehr verkaufen. Ich wurde vollgeblubbert mit den „Segnungen“ der Homöopathie und wieviel verträglicher und besser doch die Nux Vomica-Globuli 200k, also einer C200-Potenzierung nach Korsakoff.

    Ich konnte mein Maaloxan erst kaufen, nachdem ich mich an eine andere Verkäuferin gewandt hatte und selbst da salbaderte mich der lila Turban noch voll, bis mir dann der Kragen platzte und ich der guten Frau ein paar Takte zu Hahnemann und zur Homöopathie gesagt habe.

    Missionierungen nerven mich einfach. Wir dürfen uns aber nicht wundern, wenn die Homöopathie weiter ihre Abnehmer findet, so lange in der „seriösen Institution“ Apotheke derart massiv geworben wird.

  12. Ich hatte meinen Apotheker mal gefragt, was er von Homöopathie hält. Da hatte er nur gegrinst und gesagt: „Was für ein Quatsch.“ Aber er verkauft das Zeug trotzdem, weil die Kunden es wollen.

  13. @ Michael
    In welcher Stadt befindet sich die Apotheke mit der Turban-Tante?

  14. @Michael S.
    Vielleicht hatte die Turbantante „Die Akte Alu“ gesehen, und will nicht, dass Du Alzheimer bekommst? Außerdem hat sie bestimmt selbst total gute Erfahrungen mit Homöopathie gemacht und will Dir nur was Gutes tun, damit Du nicht immer wieder in die Apotheke musst ;)
    Falls das nochmal passiert würde ich an Deiner Stelle nach dem Apotheker/der Apothekerin fragen – der/die soll Dir dann erklären, warum Du lieber Glaubuli nehmen sollst – es heißt ja schließlich immer „Fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker“, nicht „Fragen sie die nach Räucherstäbchen duftende PTA“ (und falls er/sie tatsächlich dazu rät würde ich die Apotheke wechseln).

  15. Selbst in Frankreich scheinen immer mehr Apotheken dieses Zeugs zu verkaufen.

  16. @Pierre Castell: Das war in München kurz vor dem Hauptbahnhof. Ich hab ja ehrlich gedacht, ich bin irgendwo bei der versteckten Kamera oder bei „Lebende Klischees unter uns“, denn Doppelname und lila Turban, das war schon ein bißchen viel.

    @Vicky: Bei meiner „Heimatapotheke“ bin ich glücklicherweise mit dem Apotheker befreundet und kennt meine Einstellung zur Homöopathie, von daher ist es immer recht entspannt. Ich glaube jedenfalls, dass die gute Frau unter dem Turban sicherlich einen Aluhut getragen hat.

    Wobei ich ja gestehen muss, dass ich ja auch mal ein homöopathisches Mittel genommen hatte. Es waren Heuschnupfentropfen, die mir damals ein Schulfreund wärmstens empfohlen hatte. Kurz und gut, ich nahm es zwei Sommer lang und konnte keinerlei, aber auch wirklich keinerlei Besserung bzw. noch nicht einmal den Hauch einer Wirkung in irgendeiner Art und Weise feststellen konnte. Gut, ich weiß, dass das anekdotisch ist, aber dadurch habe ich mich mehr mit Homöopathie beschäftigt. Hatte also auch etwas gutes ;-)

  17. @ Michael S.
    „Ich hab ja ehrlich gedacht, ich bin irgendwo bei der versteckten Kamera…!“

    Ja, so kommt einem das nach Ihren Schilderungen auch vor.

    Wenn das im Kölner Raum geschehen wäre, hätte ich mir diese Turban-Tante mal angeschaut und sie herausgefordert.

    Vielleicht sollte im Münchner Raum mal jemand die Apotheke aufsuchen und die darausfolgende Begegnung mit der kuriosen Dame per Video mit tatsächlich versteckter Kamera festhalten und uns hier allen per Videoclip erfreuen (Gesicht der Turban-Tante kann man ja im Video unkenntlich machen – Hauptsache man erkennt den tollen Turban).

  18. Ich weis gar nicht, was ihr gegen Globuli habt – schließlich helfen die nicht nur bei Verstopfungen, sondern auch bei Heizungslecks:
    http://www.der-postillon.com/2013/10/erster-homoopathischer-klempnerbetrieb.html#more

  19. WER HEILT HAT RECHT!

  20. @Joachim Köhne:

    Kann man so nicht sagen:

    https://blog.gwup.net/2013/08/02/wer-heilt-hat-nicht-recht/

    Das Video, das Sie verlinkt haben, ist übrigens auch in den Beitrag selbst integriert:

    http://www.youtube.com/watch?v=Bh6NagYGFLg

  21. @ Pierre Castell:

    Ich weiss gar nicht, was Sie haben, die neue Cola könnte damit ein Wundermittel gegen so manche (Zivilisations-)Krankheiten sein:
    – Diabetes
    – Bluthochdruck
    – Arteriosklerose und koronare Herzkrankheit
    – Glaukom (grüner Star, wobei ich persönlich Hemmungen hätte, mir Cola ins Auge zu träufeln!)
    – arterielle Verschlusskrankheit und Raynaud-Syndrom
    – Magengeschwür

    Ausserdem könnte man sie zur Geburtseinleitung einsetzen.

    (alles nachgewiesene Wirkungen von Stevia bzw. seinen chemischen Verwandten!)

    Allerdings müssten die Patienten jeden Tag mehrere Liter von dem Gesöff trinken…

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