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Homöopathen und ihre Quanten

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Unbemerkt auch von der Fachöffentlichkeit ging im April ein „Kongress für quantenlogische Medizin“ in Frankfurt über die Bühne.

Diese seltsame Veranstaltung zeichnete sich unter anderem dadurch aus, dass drei der vier Vorträge des ersten Tages vom selben Referenten bestritten wurden, nämlich von Prof. Walter Köster, der sich selbst als „Entdecker und Entwickler der Quantum Logic Medicine“ preist.

Anno 2003 durfte Köster sogar im Deutschen Ärzteblatt verkünden, dass …

… die Homöopathie bald nicht mehr abseits stehen und mit dem Stempel der Unwissenschaftlichkeit versehen sein wird.“

Denn:

Köster sieht die Homöopathie nicht als Erfahrungsheilkunde, sondern als physikalisches Verfahren, als quantenlogisch erklärbare Naturwissenschaft. Sie sollte künftig auch an den Universitäten etabliert werden.“

„Quantenlogisch erklärbare Naturwissenschaft“ – cool.

Also einfallsreich sind sie ja, unsere Astralheiler.

Überflüssig zu erwähnen, dass „quantenlogische Medizin“

… genau so wenig mit der Quantenmechanik zu tun [hat] wie der allgemeinere pseudomedizinische Begriff Quantenmedizin„,

merkt Psiram an.

Jaja, die Homöopathie und die Quantenphysik.

Bei Skeptikern erntet man mit dieser Kombination bloß auf ein mildes Lächeln – warum, wird zum Beispiel aus Beiträgen bei den Wissenschaftsblogs Quantenwelt und Astrodicticum simplex deutlich.

Konkret auf „Die quantenlogische Medizin des Walter Köster“ geht der Physiker Prof. Martin Lambeck in einem Skeptiker-Artikel ein, der auch hier bei VIKAS e.V. zu finden ist.

Immerhin: Kurz vor Kösters Ärzeblatt-Fantasy 2003 hatten Harald Atmanspacher, Hartmann Römer und Harald Walach in dem Fachjournal Foundations of Physics eine sinnfälligere Arbeit veröffentlicht, in der sie die Möglichkeiten von Verschränkungen auch außerhalb der engen Grenzen des quantenmechanischen Mikrokosmos betrachteten.

In ihrem Artikel beschrieben sie zuerst den theoretischen Überbau, eine Verallgemeinerung der Quantenmechanik, und deuteten anschließend mögliche Anwendungen an, darunter auch die Homöopathie.

Damals wurde der Begriff der „schwachen“ Quantentheorie eingeführt, heute ist dafür die Bezeichnung „Verallgemeinerte Quantentheorie“ gebräuchlich.

Mit dieser „schwachen Quantentheorie“ beschäftigte sich der Physiker Dr. Philippe Leick schon 2006 im Skeptiker.

Jetzt hat Leick einen Gastbeitrag bei Kritisch gedacht publiziert, der auf zwei Beiträge zur Quantentheorie in der aktuellen Ausgabe von Homeopathy Bezug nimmt.

Dabei geht es unter anderem um die Frage, ob das Versagen der Homöopathie in RCTs gar kein Indiz für die fehlende spezifische Wirksamkeit des Verfahrens ist, sondern vielmehr …

… ein Beleg für die Richtigkeit der auf verallgemeinerter Verschränkung basierenden Erklärungsansätze“.

Das ist auch insofern interessant, da wir gerade darüber diskutieren, ob randomisierte kontrollierte Studien (RCT) überhaupt ein sinnvoller Ansatz sind, um Homöopathie zu testen.

Dazu gibt es ein ausführliches aktuelles Interview von GWUP-Mitglied Sebastian Bartoschek mit „Homöopathie-Lüge“-Mitautor Dr. Christian Weymayr zu dessen Konzept der „Scientabilität“:

Herr Dr. Weymayr: Scientabilität – tut das weh?“

Und da es gerade um Homöopathieforschung geht:

Im Blog Beweisaufnahme in Sachen Homöopathie finden wir ein Update zum berühmten Wasserlinsen-Experiment zum Nachweis homöopathischer Wirkungen.

Zum Weiterlesen:

  • Homöopathie: Studiendesign via Verallgemeinerter Quantentheorie? Kritisch gedacht am 25. Juli 2013
  • Herr Dr. Weymayr: Scientabilität – tut das weh? ruhrbarone am 25. Juli 2013
  • Nachtrag: Wasserlinsen zum Nachweis homöopathischer Wirkungen, Beweisaufnahme in Sachen Homöopathie am 19. Juli 2013
  • Quantenmystik und Wissenschaft, naklar.at am 23. August 2012
  • Quantenphysik: Wankt das „skeptische Dogma“? GWUP-Blog am 11. Oktober 2011
  • Sind Homöopathie-Studien irrelevant oder Was bedeutet Scientabilität? GWUP-Blog am 19. Juni 2013
  • „Homöopathie ist ein reiner Placeboeffekt“, süddeutsche.de am 7. März 2012
  • Quantenphysiker widerspricht Esoterikern, GWUP-News am 9. Dezember 2012

12 Kommentare

  1. Köster sieht die Homöopathie nicht als Erfahrungsheilkunde, sondern als physikalisches Verfahren, als quantenlogisch erklärbare Naturwissenschaft. Sie sollte künftig auch an den Universitäten etabliert werden.”

    Hää?

    Was mich dabei echt stört, ist das, daß man versucht das Pferd von hinten aufzuzäumen…

    Also, so weit ich weiß wird erst Grundlagenforschung betrieben und dann wird eine neue Entwicklung (oder Medikament) daraus; hier wird versucht eine Methode, die rein unwissenschaftlich „entdeckt“ wurde, durch neuste Grundlagenforschung zu rechtfertigen.
    Das erzeugt bei mir kein „müdes Lächeln“, sondern …

  2. Nach Hahnemann ($128 Organon) sind Arzneimittelbilder mit C30 Präparaten festzustellen. C30 entspricht D60. Alkohol ist gemäß Arzneibuch auf dem Niveau von D4 verunreinigt. Mit einem auf D4 verunreinigten Alkohol kann man kein D60 Präparat herstellen. Also sind alle Bücher (materia medica und Repertorienbücher) falsch. Dagegen hilft auch keine Quantenphysik, weder die starke noch schwache.

  3. @Ralf

    tja ralf… Homöopathen arbeiten eben ganz nach dem Vorbild der Natur.

    stell dir vor, dir wächst noch ein Arm und dann überlegt sich die Natur „oh… misst… noch so ein Arm… welche Funktionalität werde ich ihm wohl geben ?“

    *tztztz :D

  4. Bei Homöopathie und Quanten fällt mir als Physiker jedenfalls auch immer eine Bezeichnung ein, die auf „-schränkt“ endet…

  5. @Martin

    ja klar, aber bring das mal einem HP-Herausgeforderten bei, hihihihi

  6. Toll da wird mal wider ein spannendes wissenschaftliches Thema misbraucht. Intressanterweiße gibt es tatsächlich die Möglichkeit durch Quantenlogik einen Quantenzustand von einem Ion (Al+) auf ein zweites (Be+) zu Übertragen und durch Spektroskopie dessen dann Rückschlüsse auf den Zustand des ersten Atoms zu ziehen.

    http://isites.harvard.edu/fs/docs/icb.topic825711.files/Quantum%20non-demolition%20readout%20of%20qubits/Readout_Schmidt.pdf

    Diese Technik wird momentan dazu verwendet optische Atomuhren zu entwickeln. Ich frag mich nur wie lange es dauert bis dann noch irgendein Homöopath auf die Idee kommt sowas als „Beweiß“ für Informationsübertragung ans Wasser herzunehmen.

  7. @physicus
    Dafür bedarf es aber eines komplexen technischen Verfahrens und nicht das einfache Schütteln…

  8. @ Ralf

    vorallem braucht man in dem Fall komplette Kontrolle über sämtliche Freihatsgrade der Ionen, Kühlung der Teilchen bis in den (Bewegungs!) Grundzustand der Ionenfalle und isolierung von sämtlichen störenden Hintergrundprozessen. Sprich man brauch ein isoliertes, kontroliertes System weit entfernd von den normalen thermischen Bedingungen.

    Leider werden die Effekte der Quantenmechanik aber für solche Argumentationen immer hergenommen, ohne dabei die Randbedingung und
    den Geltungsbereich zu beachten.

  9. @physicus
    Genau, das ist das Stichwort: störungsfreies System…und das können die „Homöopathische Lösungen“ niemals erfüllen – sie werden immer „verunreinigt“, also „gestört“ sein…wer jetzt noch behauptet, Homöopathie sollte an Unis gelehrt werden, der sollte dort sofort das Studienfach „Physik“ abschaffen ;-)

  10. Ich weiß jetzt, dass die Homöopathie einen gar nicht zu unterschätzenden Beitrag zur Verallgemeinerung der Quantentheorie geliefert hat (insbesondere des Phänomens der Verschränkung).

    Das erklärt selbstverständlich, warum ihre Wirksamkeit wissenschaftlich (RCT)nicht nachweisbar ist. Und gleichzeitig verleiht sie ihr den Status einer avancierten Wissenschaft. Sie sollte also sowohl in der Physik wie in der Medizin gelehrt werden!

    Ich ärgere mich nur, dass ich mir den Zugang zur Quantenphysik so schwer gemacht habe. Jedenfalls bedaure ich heute meine anfängliche Skepsis gegenüber der Homöopathie. Vermutlich hatte Einstein auch nicht den richtigen Zugang zur Quantentheorie!

  11. @Dieter Weichert
    Ist Ihr Beitrag ironisch gemeint?

    Ja, Einstein war gegenüber der Quantenmechanik etwas skeptisch, obwohl er einen großen Beitrag dazu geleistet hat, für den er auch den Nobelpreis erhielt (nicht für die Relativitätstheorie, für der er spätestes jetzt auch den Nobelpreis erhalten hätte), den Photoelektrischen Effekt

    Eine quantenmechanische Verschränkung funktioniert nur unter „Laborbedingungen“, weil sie sehr störanfällig ist…Quantensysteme mögen es nicht, wenn sie gemessen werden, was einer Störung gleichkommt.
    siehe: Schrödingergleichung
    Viel Spaß dabei, aber der Zugang wird bei Wikipedia so leicht wie möglich gemacht ;-)

    Eine homöopathische Tinktur kann nicht „verschränkt“ sein, weil sie „unendliche Male“ gestört wird.

  12. @ D. Weichert:

    „Ich ärgere mich nur, dass ich mir den Zugang zur Quantenphysik so schwer gemacht habe.“

    Diese Art von Aussage kommt erfahrungsgemäss immer von Leuten, die die Quantentheorie tatsächlich nicht einmal ansatzweise verstanden haben, dies aber für sich in Anspruch nehmen und sich dann fortgesetzt lächerlich machen, indem sie in Wissenschafts-Foren und -Blogs mit Buzzwords um sich schmeissen. Dunning-Kruger in Reinkultur. Aber das absolute Sahnehäubchen im vorliegenden Fall ist der völlig grössenwahnsinnige Einstein-Vergleich am Schluss.

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