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Die Woche der Homöopathie – ein skeptischer Nachklapp 2

| 26 Kommentare

Fortsetzung von Teil 1

  • Apropos Homöopathen und Wissenschaft: Via Twitter fühlte sich eine Huschi-Fuschi-Anhängerin bemüßigt, uns mal wieder auf eine fromme Legende ihrer Zunft aufmerksam zu machen:

Bei Homöo wirkt die #Häufigkeit(1-x mal!)d.GabenNICHTdie Menge!

Ah ja.

Anscheinend haben die Schüttelreimer ihren Hahnemann gar nicht gelesen, denn im „Organon der Heilkunst“ (§ 275) heißt es:

Die Angemessenheit einer Arznei für einen gegebenen Krankheitsfall beruht nicht allein auf ihrer treffenden homöopathischen Wahl, sondern eben so wohl auf der erforderlichen, richtigen Größe oder vielmehr Kleinheit ihrer Gabe.

Giebt man eine allzu starke Gabe von einer, auch für den gegenwärtigen Krankheitszustand völlig homöopathisch gewählten Arznei, so muß sie, ungeachtet der Wohlthätigkeit ihrer Natur an sich, dennoch schon durch ihre Größe und den hier unnöthigen, überstarken Eindruck schaden, welchen sie auf die Lebenskraft und durch diese gerade auf die empfindlichsten und von der natürlichen Krankheit schon am meisten angegriffenen Theile im Organism, vermöge ihrer homöopathischen Aehnlichkeits-Wirkung macht.”

Abgesehen davon findet jeder Homöopath eine andere Ausrede, warum „10:23“ angeblich gar nicht funktionieren kann – das haben wir alles schon hier und hier ausgeführt.

Dennoch haben wir uns mal im Blog der besagten Dame umgetan und uns von ihr über den „Hintergrund der homöopathischen Therapie“ belehren lassen.

Offenkundig kultivieren Homöopathen ihren ganz eigenen Fantasy-Trip – oder wie flauschig muss man sein, um solchen Nonsens zu glauben:

[Ein homöopathisches Medikament] besteht aus einer Information/einem Ratschlag, der ihrer Person helfen kann wieder die Balance zu finden. Je stärker die Verdünnung (d.h. je weniger Ausgangssubstanz vorhanden ist), umso stärker wirkt sie, da feinstofflich tiefere Schichten der Persönlichkeit angesprochen werden.“

So so.

Dummerweise benötigt eine wie auch immer geartete “Information” stets einen Sender und einen Empfänger.

Einen “Sender” gibt es in der Homöopathie nicht, weil Wasser keine Informationen speichern kann.

Auf der “Empfänger”-Seite sieht es nicht viel besser aus:

Wie nimmt unser Körper die gespeicherten, nicht-materiellen Informationen auf? Mit welchem Wahrnehmungsorgan, mit welchem Rezeptor? Über welches Hormon? Blutbahn oder Lymphe?

Egal, denn alles, was unsere Heilerin, auffährt, wird in dem Artikel „Homöopathie ist Irrtum“ von Dr. med. Wolfgang Vahle ohnehin zerpflückt.

Und die wenigen konkreten Passagen ihres Aufsatzes verbrämen mit Bubblegum-Geschwurbel lediglich das, was Dr. Rainer Wolf und Prof. Jürgen Windeler auf der GWUP-Homepage so zusammenfassen:

Kranke homöopathisch zu behandeln, scheint also in jeder Hinsicht der klugen wissenschaftsmedizinischen Strategie zu entsprechen, nichts zu tun, abzuwarten, bis sich der Organismus selbst hilft, und dabei den Placebo-Effekt optimal einzusetzen. „Die Kunst der Medizin besteht darin, den Patienten zu unterhalten, während die Natur seine Krankheit heilt“, sagte Voltaire.

Weiter zu Teil 3

Zum Weiterlesen:

  • Homöopathie ist Irrtum, Psiram am 7. April 2013
  • Rainer Wolf/Jürgen Windeler: Erfolge der Homöopathie – nur ein Placebo-Effekt? GWUP-Infos
  • „Potenzierung“ bei Psiram
  • „Feinstofflichkeit“ bei Psiram
  • Es funktioniert doch: Belebtes Informationswasser im Test, naklar.at am 12. Juni 2012
  • Gefährliche Pseudomedizin, Spektrum.de am 3. Juni 2011
  • Die Homöopathie-CD hat einen Sprung, GWUP-Blog am 19. Juli 2011

 

 

 

26 Kommentare

  1. Information benötigt stets einen Sender und einen Empfänger?
    Dann enthält unser Erbgut also keine Information?
    Es kommt wohl auf die Definition von “Information” an.

  2. @kereng: Ich würde Ihre Frage gerne verstehen.

  3. @kereng: Vermutlich geht es um folgendes:

    Bei der Homöopathie liegt Information nicht „einfach so rum“, sondern wird angewendet, um bestimmte Wirkungen zu erzielen. ( deshalb = Sender und Empfänger).

  4. „Dummerweise benötigt eine wie auch immer geartete “Information” stets einen Sender und einen Empfänger.“

    Ja – wenn sie etwas BEWIRKEN soll!

  5. @ trixi
    „Gerne werden da immer Vergleiche herangezogen: wenn man eine unbespielte und eine bespielte Videokassette wiege, dann erhalte man das gleiche Ergebnis, aber dennoch sei auf der einen eine Information (ein Film) und auf der anderen nicht.“

    Sehr geehrte Trixi,
    vielen Dank für dieses zitierte Beispiel.
    Ich musste lauthals lachen.
    Sachen gibt´s;-)

  6. Viel interessanter wäre es, endlich die Frage beantwortet zu bekommen, welche Information nun eigentlich übermittelt wird?

    „Hey Alte(r), nun werd` mal wieder gesund!“, kann es doch wohl nicht sein, oder?

    Also welche?

    Die über die physikalischen Eigenschaften des Stoffes, die verantwortlich für dessen krankmachende Wirkung sind?

    Kann auch nicht sein, wie sollte dann ein Gift plötzlich gegenteilige, also heilsame Wirkung entfalten?

    Die über die Intention des Heilers, wie es der durchgeknallte Wichmann (Bergische Homöopathieschule) mal formuliert hat: „Wir müssen den geistigen Sprung wagen und die Wirkungen mit dem Hauptprinzip der Magie erklären: Intention ist (fast) alles! Ein Mittel wird zu dem, was der oder die Herstellende will und sich vorstellt.“

    Scheint auch unwahrscheinlich, sonst würden ja die einfach so, also ohne besondere Anamnese über den Apothekentresen gehandelten Homöopathika wohl kaum „funktionieren“? Tun sie aber. Angeblich.

    Davon abgesehen: Was ist denn mit der Intention sicher nicht ganz weniger Apotheker? Wird da nicht der eine oder andere wohl insgeheim denken: Bleib schön mal lange krank, fällt wegen Erstverschlimmerung ohnehin nicht auf, und kauf´ Dir weiterhin die Kügelches, wir haben noch mehr davon, Dummkopf! Das ist doch auch ´ne Intention. Wirkt die nicht?

    Fragen über Fragen. Wie üblich keine Antwort.

  7. also eines wirft man Homöopathen fälschlicherweise vor. Wasser könne keine Informationen speichern.

    Das ist definitiv falsch: Wasser kann Informationen speichern – das wurde auch in Nature hochrangig publiziert.

    Die Dauer der Speicherung der Information beträgt allerdings nur 50 femtosek. also 10 hoch minus 15 sek.
    Eindeutig zu kurz; kaum geschüttelt ist die Info schon wieder weg.

    Quelle hier

    http://www.nature.com/nature/journal/v434/n7030/abs/nature03383.html

  8. Was da wirkt? Ganz einfach. Die Zuwendung. Zuwendung alleine lässt sich schlecht verkaufen. Also nimmt man einen Umweg und gibt Zucker. Es könnte auch Sand sein, der in der Hosentasche wirkt. Oder eine Bananenschale, die man sich auf das Haupt legt. Bei Vollmond. Es muss nur eingewickelt sein in eine Portion Zuwendung. That´s it.

  9. @ Wolfgang
    „Wasser kann Informationen speichern – das wurde auch in Nature hochrangig publiziert.“

    Aha!

  10. @Pierre/Wolfgang:

    Im Prinzip ist das schon richtig, allerdings handelt es sich bestenfalls um ein Ultra-Kurzzeitgedächtnis. In der Praxis (insbesondere für die Behauptungen der Homöopathen) sind diese Speichermöglichkeiten des Wassers nicht von Relevanz.

    http://pseudowissenschaft.marcus-haas.de/medizin/wasser.html

  11. Auch wenn Wasser grundsätzlich über ein wenn auch äußerst kurzes Erinnerungsvermögen verfügt, so ist nicht einmal ansatzweise erklärbar, wie das doch sehr primitive Wassermolekül die Information wesentlicher komplexerer Moleküle speichern könnte, von den riesigen Informationmengen ganz abgesehen, wie sie beispielsweise bei einer zermanschten Apis mellifera anfallen.

  12. @ Bernd Harder
    Mein „Aha“ zu Wolfgangs Schilderungen war natürlich ironisch gemeint!

  13. @Verwundert: Das ist richtig – nichtsdestotrotz gehen die Homöopathen unverdrossen von einer hochspezifischen Wirkung ihres Zauberzuckers aus:

    < < "Die mit heute beginnende Internationale Woche der Homöopathie möchte ich dazu nutzen, über die* Wirkung und den Nachweis der Wirksamkeit* der Homöopathie zu berichten. Weil leider immer wieder von Seiten mancher Skeptiker, insbesondere der GWUP, Dinge berichtet werden, die schlichtweg falsch sind, oder sogar bewusst verdreht werden. << Heißt: "Ganz gleich, was Skeptiker sagen, die Homöopathie ist wirksam und ihre Wirksamkeit hat nichts mit dem Placebo-Effekt zu tun. Sie ist Teil einer ganzheitlichen Behandlungsweise, denn sie wirkt auf der feinstofflichen Ebene." Etc.pp. Bla bla. (Nach: http://neuespiritualitaet.wordpress.com/2013/04/10/internationale-woche-der-homoopathie-2013-vom-10-4-bis-16-4-2013/

  14. @ Bernd Harder
    „Heißt: „Ganz gleich, was Skeptiker sagen, die Homöopathie ist wirksam und ihre Wirksamkeit hat nichts mit dem Placebo-Effekt zu tun. Sie ist Teil einer ganzheitlichen Behandlungsweise, denn sie wirkt auf der feinstofflichen Ebene.“ Etc.pp. Bla bla.“

    Solche Aussagen sind leider alte Sprüche, die ich nicht mehr hören kann. Wie wurde es hier im Blog schon oft genug von anderen kommentiert: „Man kann sich noch so viel Mühe machen, das den Anhängern/Homöopathen zu erklären und die Fakten gleich mitzuliefern, die Leute glauben sowieso nur das was sie glauben wollen!“

  15. „Das ist definitiv falsch: Wasser kann Informationen speichern – das wurde auch in Nature hochrangig publiziert.

    Die Dauer der Speicherung der Information beträgt allerdings nur 50 femtosek. also 10 hoch minus 15 sek.“

    Ein Experiment, das die obige Aussage widerlegt:

    Wasser wird eine Information dergestalt aufgeprägt, dass die Temperatur die Information trägt.

    20 – 29 °C -> 00
    30 – 39 °C -> 01
    40 – 49 °C -> 10
    50 – 59 °C -> 11

    Wird das Wasser auf eine dieser Temperaturen erwärmt, so bleibt die Information über etliche Sekunden erhalten.

  16. @Herr Selter: Sie sind auch sicher bereit, uns die Quelle für dieses „Experiment“ mitzuteilen.

  17. Auf diese (Wasser-) Quelle bin ich nun mal sehr gespannt!

  18. Experiment kann man zu Hause probieren – mit Seltersflasche.

    Bis 59 °C geht’s ein paar Sekunden gut – Status 11elf!!!!!

    Ab 60 °C schlägt’s 13 – rums haut’s die Info raus, naßgemacht.

    Wassergedächtnis kann ganz gemein werden, wenn man’s reizt.

    Schließlich weiß die Flasche doch, dass sie Selters ist, oder?

  19. „@Herr Selter: Sie sind auch sicher bereit, uns die Quelle für dieses “Experiment” mitzuteilen.“

    Das Experiment habe ich mir ausgedacht. Mir ging es darum aufzuzeigen, wie man Wasser eine Information aufprägt, die über einen Zeitraum von mehreren Sekunden erhalten bleibt.

    Der Sender und der Empfänger verabreden dazu die obige Zuordnung zwischen Temperatur (°C [Dezimalzahlen]) und Information (Bit [Binärzahlen]).

    Der Sender, der das Wasser auf eine bestimmte Temperatur erwärmt, kann so die Information an den Empfänger weitergeben, der durch das Messen dieser Temperatur die Information zurückgewinnt.

  20. @Herr Selter:

    << wie man Wasser eine Information aufprägt, die über einen Zeitraum von mehreren Sekunden erhalten bleibt. << OK - und welchen praktischen Nutzen hat das jetzt für die Homöopathie?

  21. @ Herr Selter
    „Das Experiment habe ich mir ausgedacht.“

    Herr Selter, haben Sie kurze Beine?

  22. „OK – und welchen praktischen Nutzen hat das jetzt für die Homöopathie?“

    Herr Harder – lesen Sie meine Beiträge in diesem Thread durch. An keiner Stelle beziehe ich mich auf die Homöopathie.

    Es ging mir darum zu zeigen, dass man Wasser eine Information aufprägen kann, die über mehrere Sekunden erhalten bleibt – mehr nicht.

  23. @Herr Selter: Es würde mich trotzdem interessieren, wofür das gut sein soll?

    Denn selbst wenn Sie sich *an keiner Stelle auf die Homöopathie* beziehen, ging es doch um das Thema Homöopathie und um die diesbezügliche Behauptung eines „Wassergedächtnis“.

  24. Dass es in diesem Thread um Homöopathie geht, kann man zumindest an einigen Beiträgen nicht sehen.

    Worum es mir ging führte ich bereits aus. Wozu es gut ist? Vielleicht regt es zum Denken an.

  25. @Markus Selter
    Sie haben schon recht und ich hatte es auch so ungefähr verstanden…aber…um Ihr „Wassergedächtnis“ zu implementieren, bedarf es einer hohen Energiemenge, die nicht durch einfaches schütteln (homöopathisches Potenzieren) erreicht werden kann. Mich jedenfalls hat wirklich ihr Beispiel zum Denken angeregt…Man könnte damit einen Speicher generieren, der sich nach einer Zeit selbst löscht und auch keinerlei Spuren hinterläßt.

  26. Noch eine Frage: Herr Selters, sind sie Informatiker bzw. Programmierer? – Ich, für meinen Teil, wäre so verrückt ein „Wassergedächtnis“ in ein Programm zu implementieren…eigentlich absurd… ;-)

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