GWUP-Konferenz: Erdbebenmaschinen

Für diesen Vortrag ist nun sogar “Spiegel-TV” angerückt.

Kein Wunder, denn es geht um ein aktuelles Top-Verschwörungsthema, nämlich “Erdbebenmaschinen”.

Genauer gesagt: Um das HAARP-Experiment und dessen bizarren Deutungen.

Es referiert: der Physiker und Meteorologe Dr. Holm Hümmler.

Damit sind wir zugleich wieder beim “Goldenen Brett” beziehungsweise bei den Phantastereien einer Claudia von Werlhof, die von maschinell erzeugten Erdbeben daherredet.

Zunächst zitiert Hümmler aus einer heutigen Mail eben jener Frau von Werlhof an den Referenzen, nach der sie keinesfalls gesagt habe, die Amerikaner hätten das Erdbeben in Haiti ausgelöst – sondern nur, dass sie dies könnten.

Aha.

Aber gut, die Frauenforscherin der Uni Innsbruck ist schließlich bei weitem nicht die Einzige, die von HAARP halluziniert.

Das gesamte Internet ist voll von diesem Quatsch.

Also erklärt Hümmler erst einmal, was HAARP eigentlich genau ist: nämlich eine Forschungsanlage in Alaska, mit der Wissenschaftler mithilfe von 180 Antennenmasten einen Blick in höhere Atmosphärenschichten (Ionosphäre) werfen können.

Ähnliche Anlagen gibt es zum Beispiel in Skandinavien und Puerto Rico.

HAARP messe eine Vielzahl von Parametern, unter anderem mit hoher Genauigkeit das Erdmagnetfeld.

Die Anlage habe eine Sendeleistung von 3600 Kilowatt, was in etwa der Kapazität des Bayerischen Rundfunks entspricht – und nicht 3,6 Millionen Kilowatt, wie Konspirologen behaupten. Um eine solche Leistung zu produzieren, wären mehrere AKW vonnöten.

Nach einigen Worten zur Erdbebenforschung (“konzentrieren sich an tektonischen Bruchzonen”) kommt Hümmler zu verschiedenen Argumenten der Verschwörungstheoretiker.

Zum Beispiel geht es um Schemazeichnungen von technischen Mechanismen des Projekts aus den Anfangszeiten von HAARP – die laut Hümmler indes keine Energieübertragung zeigten, sondern nur Informationsübertragung.

Dann geht Hümmler auf ein UN-Protokoll ein, in dem angeblich zu lesen sei, dass HAARP Explosionen hervorrufen könne wie eine Atombombe.

In Wahrheit steht diese Passage gar nicht in einem UN-Protokoll, sondern stammt aus einer Petition an die UNO, eingebracht von einer revolutionären Splittergruppe in einem südamerikanischen Bürgerkriegsland, der anscheinend Angst und Anti-Amerikanismus die Sinne vernebelte.

Apropos UNO: Auch “Goldenes Brett”-Finalistin Frau von Werlhof ließ bekanntlich in einer dürren Grußbotschaft wissen, die ENMOD-Konvention (Enviromental Modification) der Vereinten Nationen stelle einen Beleg für ihre Thesen dar.

Nun ja, im Rundfunkstaatsvertrag gibt es auch eine Passage, die den Einsatz von “subliminaler Werbung” untersagt – obwohl es das gar nicht gibt, jedenfalls nicht in anwendbarer Form.

Hümmler erklärt, dass die Völkergemeinschaft sich durchaus Gedanken über die missbräuchliche Anwendung von Umweltmodifikationen mache – etwa Angriffe auf die Trinkwasserversorgung einzelner Länder durch die Sperrung von lebenswichtigen Zuflüssen. Oder der Einsatz von Silberjodid.

Von künstlichen Erdbeben sei in der besagten Konvention keine Rede.

Von den vielen weiteren konspirologischen Irrtümern nur noch einer: Das Induktionsmagnetometer des HAARP-Projekts sei auf Hochtoueren gelaufen, kurz bevor das Haiti-Beben losbrach.

Auch das ein Missverständis, sagt Hümmler. Denn ein Induktionsmagnetometer sei lediglich ein passives Messgerät, das mit den HAARP-Sendeanlagen gar nichts zu tun habe.

Wie kommen die Leute eigentlich auf den HAARP-Schwachfug?

Am Geld allein kann es nicht liegen”,

schlussfolgert Hümmler, denn außer in Buchform kann man HAARP kaum melken.

Bleiben am Ende nur die “klassischen” Bedürfnisse und Motive von Verschwörungstheoretikern: Letztendlich ist der Verschwörungsglaube ein “Sinnproduktionsmittel”, um kognitiven Dissonanzen zu begegnen.

Hümmlers Fazit:

Bei HAARP ist nicht nur der Verschwörungsglaube abstrus, sondern auch die Verschwörungslegende “,

also die behaupteten Mechanismen, wie die “Erdbebenmaschine” eigentlich funktionieren soll.

Die Argumente der Konspirologen schätzt Hümmler als “naiv und uninteressant” ein. Sie offenbarten lediglich einen eklatanten Mangel an einfachsten naturwissenschaftlichen Grundkenntnissen.

Das Schlusswort des Referenten:

Schnell vergessen, das Ganze.”

Mein Schlusswort:

Klar gibt es von Menschen verursachte Erdbeben – als Saarländer kann ich davon ein Lied singen.

5 Kommentare zu “GWUP-Konferenz: Erdbebenmaschinen”


  1. 1 Fibonaccie 5. Juni 2011 um 01:57

    Gott sei dank, schreibt hier mal jemand über das Thema… Die Internetgemeinde starrt ja mittlerweile in den Himmel und sieht überall Haarp-Wellen-Wolken… Bitte mehr von der Kritik…

  2. 2 Holm Hümmler 5. Juni 2011 um 23:08

    Ja, Bernd, die Erdbeben durch Bergwerkseinstürze im Ruhrgebiet und an der Saar hatte ich ja auch erwähnt.

    Kleine Korrektur: Die Geschichte mit den atombombenähnlichen Explosionen steht tatsächlich in einem UNO-Protokoll, darin sind nämlich diverse Petitionen wiedergegeben, unter anderem die besagten Hirngespinste der Frente Patriotico Arecibeño. Und die stammt nicht aus einem Bürgerkriegsland, sondern aus dem US-Außengebiet Puerto Rico, das sie, wie eine kleine Minderheit der dortigen Wähler, von den USA ablösen wollen.

    Und Meteorologie habe ich zwar fast bis zum Ende studiert, die Diplomarbeit dann aber doch lieber in der Physik gemacht, somit kann ich mich nicht Meteorologe nennen.

  3. 3 Bernd Harder 5. Juni 2011 um 23:32

    @Holm:

    Nun ja, Live-Bloggen ist ein gewisses Wagnis, das war mir schon klar. Das ist so ähnlich wie die Moderation bei einer Fußballübertragung.

    In meinem Wiener Hotel lag allerdings eine Kolping-Schrift mit dem schönen Satz aus: “Chaotisches Handeln ist geordnetem Nicht-Handeln vorzuziehen.”

  4. 4 Dr-Bob 6. Juni 2011 um 08:53

    Na eine Erdebebenmaschine ist doch kein Problem:
    Eine prima Geothermiebohrung durch Grundwasser führende Schichten in einen Gips-Keuper. Landau etc.
    Den Stuttgartern steht da im Rahmen von Stgt.21 noch lustiges bevor, da die ähnliche Bodenschichten haben.

  5. 5 emporda 5. Juli 2011 um 10:53

    Es geht doch viel einfacher

    Der iranische Iman Hojatoleslam Kazem Sedighi beschuldigt alle Frauen, die nicht nach Bekleidungsvorschriften des Islam verhüllt sind, die Gesellschaft zu zerstören und durch Erdbeben, von nackten zur Schau gestellten Busen ausgelöst, unter Trümmern zu begraben.

    Da laufen wieder halbnackts Frauen am Strand rum und wir haben die Katastrophe

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