Homöopathen in der Phrasenstarre

Eigentlich ist der Neologismus “Phrasenstarre” von Welt-Online geprägt worden, um den Auftritt von Guido Westerwelle bei “Beckmann” zu charakterisieren. Passt aber prima auch auf unsere Freunde von der Homöopathie-Fraktion.

In einem Heilpraktiker-Forum zum Beispiel ertönt derzeit der Schreckensruf:

Skeptiker planen neue Aktionen.”

Gemeint ist die “10:23”-Kampagne im Februar. Und erwartungsgemäß schalten darob Heilpraktiker&Homöopathen argumentativ auf Autopilot:

Skeptiker sind (auch wenn sie das selbst natürlich nicht so sehen) Gläubige. Sie GLAUBEN an nichts, was nach derzeitigen Stand der anerkannten Wissenschaft nicht belegt ist”,

deklamiert da zum Beispiel der “Themenstarter” namens “Rudolf”, der auch mal originell sein möchte, aber phrasenbewusst im inhaltlichen und grammatikalischen Nirvana landet.

Gewiss, im Osten sind die Busse höher als vorne und über den Berg ist es weiter als zu Fuß. Und weil das so ist, muss Rudolf unbedingt noch ein wortmächtiges Zitat beiziehen, um Geist zu beweisen:

Wissenschaft ist das Gegenteil von Aberglauben, aber da, wo sich Wissenschaft neuen Erkenntnissen verweigert, wird sie selbst zum Aberglauben.”

Jetzt wird’s vollends wirr, aber bemühen wir uns nichtsdestotrotz um Sachlichkeit und fragen, was das denn für “neue Erkenntnisse” sein sollen, die für die Homöopathie sprechen könnten? Doch nicht etwa das, was unsere Potenz-Protze neuerdings als “kleine Sensation in der Homöopathie-Forschung” ausgeben:

Eine wissenschaftliche Arbeit indischer Forscher verblüfft die Fachwelt. In einer Untersuchung am renommierten Indian Institute of Technology (IIT) stellten sie unerwartet fest, dass homöopathische Hochpotenzen noch Atome bzw. Moleküle der Ausgangssubstanz enthielten. [Sie] analysierten sechs metallische homöopathische Arzneien in den Potenzstufen C6, C30 und C200.

Mithilfe der Messverfahren Transmissionselektronenmikroskopie (TEM), Feinbereichsbeugung (SAED) und Atomemissionsspektroskopie (ICP-AES) konnten die indischen Forscher belegen, dass sich oberhalb der Potenzstufe C6 Nanopartikel mit einer relativ stabilen Konzentration von 80 bis 4000 Pikogramm je Milliliter in den Arzneimitteln befanden – es somit zu keiner weiteren Verdünnung mehr kam.

Die Studie muss zwar noch unabhängig repliziert werden und lässt wichtige Fragen unbeantwortet. Es ist jedoch schon jetzt absehbar, dass sie zu einer bedeutenden Neuausrichtung der Homöopathie-Forschung führen kann.”

Ach wirklich? Huschi-Fuschi-Fans müssen anscheinend qua Selbstverständnis zu ebenso grenzen- wie grundlosem Enthusiasmus fähig sein. Wie schreibt Eckart von Hirschhausen aktuell bei Plazeboalarm:

Was Dieter Bohlen für die Unterhaltungsindustrie, sind die Globuli für den Gesundheitsmarkt.”

Stimmt wohl, denn die “kleine Sensation in der Homöopathie-Forschung” offenbart bei Licht besehen nicht mehr, als dass manche Homöopathika-Hersteller beim Verdünnen ein bisschen Dreck mitschleppen und daher in XY C200 auch ein paar Pikogramm XY drin sind. Und wenn die Resultate stimmen, ist auch schon im Lösungsmittel mitunter XY drin (z.B. für XY = Kupfer).

Immer deutlicher wird indessen, was gegen die Homöopathie spricht, und deshalb hat der kanadische TV-Sender CBC das Bluff-Verfahren unlängst gründlich “deconstructed”, während der Ratio-Blog und NZZ-Online auf die Risiken von “komplementärmedizinischen” Therapien hinwiesen.

Mag Heilpraktiker-Rudolf das noch so oft “Aberglauben” nennen – wir nennen es “Patientenaufklärung” und “Verbraucherschutz”.

Das ist um so notwendiger, da selbst vorgebliche “Qualitätsmedien” dazu anscheinend nicht mehr willens oder in der Lage sind. Jüngstes Beispiel: der trillium report, nach eigenen Angaben “Vorreiter bei Zukunftsthemen aus Medizin- und Informationstechnologie, Life Sciences und Diagnostik”.

Die Autoren der aktuellen Titelgeschichte “Heilkunst oder Hokuspokus?” vergaloppieren sich dabei allerdings gewaltig. So heißt es schon im Vorspann:

Die Alternativmedizin boomt: Über 70 Prozent der Deutschen wollen sie, über 40000 Ärzte und Heilpraktiker bieten sie an. Alles Humbug sagen die Kritiker; die Wirkung beruhe nur auf Placeboeffekten. Doch diese Kritik greift zu kurz: Placebos haben nachweisliche Wirkungen, die man nicht wegrechnen, sondern nützen sollte.”

Ah ja. Rollt eine Kugel um die Ecke und kippt um.

Oder anders gesagt: Diese Zeilen toppen selbst das Rudolfsche Granteln mühelos – und verursachen fast noch mehr Hirnsausen als die hundert besten Anti-Witze.

Klar haben Placebos nachweisliche Wirkungen. Natürlich sollte man den Placebo-Effekt nutzen.

Und? Wer bestreitet das? Und was hat das mit Alternativmedizin zu tun?

Gespannt wartet der Leser nun auf die Beantwortung dieser Fragen. Stattdessen bringt trillium das journalistische Kunststück fertig, als Fazit des Artikels einfach nochmal den Vorspann zu wiederholen:

Fazit: Alternative Medizin ist eine wirksame Form der Heilkunst. Sie basiert zu einem Großteil auf ernst zu nehmenden Placeboeffekten, die man nicht als Hokuspokus zur Seite schieben darf.”

Da fällt einem eigentlich nur noch die Schlussformel vom “Literarischen Quartett” ein: “… und alle Fragen offen.”

Zum Beispiel:

  • Wieso sollten Placeboeffekte nicht “ernst zu nehmen” sein?
  • Wer schiebt Placeboeffekte als “Hokuspokus” zur Seite?
  • Wieso hat die Bundesärztekammer eine 150-Seiten-Stellungnahme zum “Placebo-Effekt in der Medizin” herausgegeben, wenn dieses Thema angeblich “zur Seite geschoben” wird?
  • Und was genau heißt: “zum Großteil”? Besitzt alternative Medizin nun eine spezifische Wirksamkeit? Oder basiert die Wirkung auf Placeboeffekten?
  • Falls Letzteres der Fall ist (was Stand der Forschung ist, aber den trillium-Autoren irgendwie nicht ausreichend dünkt): Was folgt daraus?
  • Wie kann man etwa den Placeboeffekt nutzen, ohne dabei die Patienten mit einer pseudowissenschaftlichen Schamanen-Behandlung à la Homöopathie zu verdummen?
  • Wie gehen die Verantwortlichen im Gesundheitswesen mit der Tatsache um, dass “Alternativheiler” ihr Metier keineswegs als Placebo-Medizin betrachten und ausüben, sondern sogar promovierte Ärzte und Notfall-Mediziner von der Homöopathie als geheimnisvoller und unerklärlicher “Informationsmedizin” schwadronieren?
  • Und welche Gefahren für die Patienten sind eben genau damit verbunden – was beispielsweise die Unterlassung von wirksamen Maßnahmen im verhängnisvollen Vertrauen auf Bullshit angeht?

All dies wäre mehr als genug Material für einen gehaltvollen Artikel in einem “innovativen” Fachmagazin gewesen. Leider scheint auch der trillium report in der Phrasenstarre gefangen zu sein.

Könnten wir Skeptiker uns das doch bloß auch mal so einfach machen, anstatt immer zu argumentieren, zu belegen, zu begründen … Dann würden wir Homöopathie-Fans entweder nur noch ironisch antworten:

Your brain is 80% water, you remember stuff. Therefore water has a memory. Therefore homeopathy works.”

Oder:

Ist doch klar, warum Argumente für Homöopathie so dünn sind: Dadurch wirken sie stärker!”

Oder:

Wenn Homöopathie-Fans sagen, wir sollen mal offen für etwas Neues sein, wissen sie dann, dass sie über eine 200 Jahre alte Idee sprechen?”

Oder eben mit der Phrasendreschmaschine:

Homöopathie ist, wenn der Bauer auf seinem Feld einen Furz lässt und sagt: So, jetzt ist gedüngt!”

Zum Weiterlesen:

  • Verbraucher in Deutschland und Österreich inszenieren homöopathische “Überdosis”, GWUP-News am 18. Januar 2011
  • 10:23 – homöopathische “Überdosis” in Wien, Kritisch gedacht am 19. Januar 2011
  • “Sei doch ein bisschen offen!” Astrodicticum simplex am 13. Januar 2011
  • Placeboeffekt – was ist das? Ratgeber-News-Blog am 13. Juli 2010

12 Kommentare zu “Homöopathen in der Phrasenstarre”


  1. 1 rka001 23. Januar 2011 um 15:27

    Noch Folgendes zum Paper:
    Im Volltext heißt es:
    “Further, we have shown that despite large differences in the degree of dilution from 6c to 200c (1012 to 10400), there were no major differences in the nature of the particles (shape and size) of the starting material and their absolute concentrations (in pg/ml).”

    Die Autoren finden halt irgendwelche Partikel, aber in gleicher Menge und gleicher Form in allen Potenzen. Ihr Statement dazu: “How this translates into change in biological activity with increasing potency needs further study.” Super Paper.

  2. 2 Jean Blondeau 24. Januar 2011 um 17:18

    Sehr geehrter Herr Harder,
    so sehr Ihre Argumente logisch sind (Homöopathie), werden Sie meiner Meinung nach kein Überzeugungserfolg erreichen, wenn der Ton Ihrer Botschaft derart abschätzig oder beleidigend für die Homöopathie-Anhänger klingt.
    Die Statuten der GWUP sind da wesentlich angenehmer zu lesen als der Artikel.
    In der Tat ist es so, dass Homöopathie sogar in seriöse Kliniken von Ärtzten eingesetzt wird, die offensichtlich an eine nicht-nur Placebo-Wirkung glauben.
    Meine Frage:
    Ist es “immoral” den Glauben der Patienten zu nutzen, um deren Körper die Zeit zu lassen, ohne echte Wirkstoffen, mit manche Situationen selbst fertig zu werden? Ich persönlich sehe da einen wirklichen Nutzen der Homöopathie. Selbstverständlich sollte sie aber nicht anstelle von notwendigen anderen Behandlungen eingesetzt werden.
    Die “Wartefunktion” der Homöopathie kann allerdings nur funktionieren, wenn die Patienten an eine mögliche Wirkung glauben.
    m.f.G.
    Jean Blondeau

  3. 3 Bernd Harder 24. Januar 2011 um 17:37

    @Herrn Blondeau:

    <<so sehr Ihre Argumente logisch sind (Homöopathie), werden Sie meiner Meinung nach kein Überzeugungserfolg erreichen, wenn der Ton Ihrer Botschaft derart abschätzig oder beleidigend für die Homöopathie-Anhänger klingt.<<

    Nun, das mag schon sein – allerdings ist dies ja nicht der erste Artikel zum Thema Homöopathie an dieser Stelle, sondern der – gefühlt – hunderste. Immer im selben Tonfall und in derselben Sachlichkeit zu bleiben, ist dann natürlich nicht ganz leicht, weil eben alles schon x-mal (in jedweder Sachlichkeit und mit jedweder sachlichen Argumentation) gesagt worden ist – und dennoch immer wieder aufs Neue die immerselben sinnfreien und ermüdenden Medienberichte, Pseudo-Gegen-"Argumente" etc. kommen.

    <<In der Tat ist es so, dass Homöopathie sogar in seriöse Kliniken von Ärtzten eingesetzt wird, die offensichtlich an eine nicht-nur Placebo-Wirkung glauben.
    Meine Frage:
    Ist es "immoral" den Glauben der Patienten zu nutzen, um deren Körper die Zeit zu lassen, ohne echte Wirkstoffen, mit manche Situationen selbst fertig zu werden?<<

    Ich denke, Sie skizzieren die Problematik bereits selbst: Nein, Letzteres ist nicht "immoralisch", sondern bei den meisten Erkrankungen (sofern nicht chronisch und nicht potenziell tödlich) sinnvoll.

    Problematisch wird das Ganze aber da, wo – wie Sie selbst schreiben – sogar promovierte Ärzte anscheinend vergessen haben, was sie im Physikunterricht 7. Klasse gelernt haben, und an eine spezifische Wirksamkeit einer "geheimnisvollen Informationsmedizin" glauben.

    Und dieser Glaube der Ärzte an die Homöopathie ist potenziell gefährlich, weil – wie im Artikel steht – er zu einer Überschätzung der Möglichkeiten (oder anders: zur Unterschätzung der Grenzen) von Homöopathie führt. Und zudem – wie im Artikel steht – die Patienten schlicht pseudowissenschaftlich verdummt werden, indem ihnen ein per se magisches Verfahren aus vor-wissenschaftlicher Zeit als "moderne" und spezifisch wirksame Medizin verkauft wird.

    Es sind also mehrere Ebenen, an denen unsere Kritik ansetzt – medizinisch, wissenschaftlich, “moralisch”, psychohygienisch etc. Und je nachdem, um welche Ebene es gerade geht, variiert auch der Tonfall.

  4. 4 Martina Rheken 24. Januar 2011 um 17:51

    @Jean: Ich kann verstehen, dass ein “Erst-Leser” (?) das so empfinden mag. Aber in der Tat ist das Thema Homöopathie von den Skeptikern nun schon auf jedwede erdenkliche Weise behandelt worden. Wer *heute* immer noch dran glaubt, dem ist vermutlich eh nicht mehr zu helfen und nur noch mit strenger Süffisanz beizukommen (“Beleidigungen” im eigentlichen Sinne sehe ich hier eigentlich weniger).

  5. 5 Kurt Barlow 24. Januar 2011 um 17:58

    @Jean:

    << Die “Wartefunktion” der Homöopathie kann allerdings nur funktionieren, wenn die Patienten an eine mögliche Wirkung glauben.<<

    Das ist so nicht ganz richtig. Placebo-Effekte wirken auch – und mitunter sogar besser! -, wenn der Patient *nicht* daran glaubt. Auch das ist hier und anderswo schon breit diskutiert worden, z.B.:

    http://wap.focus.de/op/focus/de/ct/-X/artikel/gesundheit-placebos-584050/1493991/48985/?cat=0

  6. 6 Elke 24. Januar 2011 um 20:11

    @Jean

    Herr Harder und alle anderen haben vollkommen recht, wie will man denn über das Thema heute anders schreiben, wenn es schon tausendfach kritisch analysiert wurde.

    Nicht nur die Erklärung zur Wirksamkeit der Homöopathie ist purer Schwachsinn, sondern auch die Tatsache, dass Hahnemann und somit alle HÖs vertreten, dass die Homöopathie bei ALLEN Krankheiten wirksam eingesetzt werden könne.

    Hahnemann hat die “Schulmedizin” verflucht und er war auch derjenige, der diesen Begriff erschuf um seine Abfälligkeit deutlich zum Ausdruck zu bringen. Für ihn war jeder ein “Ketzer”, der andere Mittel zur Heilung einsetzte, als die HÖ und eine Mischung aus HÖ und anderen medizinischen Maßnahmen, ging schon gar nicht.

    Wer heute anders vorgeht, handelt nicht nach Hahnemann, sondern denkt an seinen Geldbeutel. Die Komplementärmedizin ist ein reines Geschäft, bei dem Kompromisse nach allen Seiten eingegangen werden, um sich selbst zu bereichern.

  7. 7 Jean Blondeau 26. Januar 2011 um 11:40

    Bernd, Martina, Kurt, Elke,
    danke für Eure sachliche Antworten,
    Obwohl eine wahre Aufklärung für mich selber ein der höchten Güter ist, suche ich innerhalb der Gesellschaft eher nach Wege die einen Konsens erlauben. Es sind nicht immer die logischste aller Wege. Meines Erachtens werden wir es nicht schaffen die homöopatische oder andere Aberglauben durch Recht haben oder Recht kriegen zu beseitigen. Der Übel liegt m.E. eher daran, daß viele Menschen jeden Vertrauen in Wissenschaft, Politik, Staat und anderen offiziellen Körper verloren haben. Genau so ergeht es bei viele Gruppierung der Meinung über Demokratie. Traurigerweise führt dies viele Menschen in den Armen von Rattenfänger oder “Erleuchteten”. Klar leisten Gruppen wie die GWUP aufklärerischen Diensten und das ist heute bitter nötig. Wie aber wird es möglich, die enttäuschten dieser Welt wieder auf dem Weg eines positiv-kritischen Denkens zu bringen? Ich vermute, dass es besser durch viel mit den Anhängern pseudo Wissenschaften funktioniert als über sie zu reden.
    In Gegensatz zu Elke habe ich den Eindruck,daß viele Verbreiter komplementärer und sonst wie genannten Methoden einem Glauben nachgehen mehr als nur der Gier. Anders ist es bei den industriellen Produzenten solcher Produkten. Sie freuen sich vermutlich über die menschliche Gutgläubigkeit.
    Spezieller Dank an Kurt: ich wußte nicht, daß Placebo besser bei ungläubiger geht als bei den anderen.
    Entschuldigt bitte meine schlechte Deutsche Sprache.
    Jean

  8. 8 Elke 26. Januar 2011 um 16:34

    Hallo Jean,

    mir geht es darum, dass die Homöopathie nach Hahnemann ein ganz striktes System darstellt, das in sich geschlossen und damit unveränderbar ist.

    Es gibt deswegen auch eine Lagerteilung und Kämpfe unter den Homöopathen.

    Wer Hahnemann ernst nimmt weiß, dass die HÖ und die konventionelle Medizin unvereinbare Gegensätze mit sich bringen. Schon sogenannte homöopathische Komplexmittel, die die Apotheken verkaufen, haben nichts mehr mit Homöopathie zu tun. Der komplementäre Ansatz scheitert zudem daran, dass Hahnemann extrem viele Regeln, bzw. Verbote aufgestellt hat, die bei der Einnahme von HÖs beachtet werden müssen, damit das Konstitutionsmittel nicht “rausgeschmissen” wird und damit unwirksam ist.

    Schau dir mal die Liste an: http://blog.esowatch.com/?p=265

    Allein dieser Schwachsinn müsste jeden davon überzeugen, dass die HÖ ein Hirngespinst ist. Wer nun aber daran glaubt und sich nicht an die Vorgaben Hahnemanns hält, der kann es nur deswegen tun, weil es gefragt ist und ein Zubrot bringt.

  9. 9 Hans-Georg Huber 26. Januar 2011 um 22:07

    Zum Thema Homöopathie.

    Als ehemaliger Chemiker habe ich folgendes sachliche Problem: Es gibt eine Naturkonstante mit dem Namen: Loschmidt´sche Zahl. Diese sagt uns, dass jedes Mol, egal welcher Substanz, aus rund 10 hoch 23 Molekülen besteht. Wenn nun die HÖ hergeht und unter Beschwörungsformeln eine Verdünnungsreihe (Potenz genannt) der Qualität D 24 oder höher für Geld an die Patienten bringt, dann ist das nur noch böser Unfug. Ab einer Verdünnung ab D24 ist das einzig noch vorhandene Molekül nur noch in dem linken oder in dem rechten Reagenzglas. Gesehen habe ich aber schon solche Heilmittel mit der Aufschrift D30 !!! Wenn einer seinen Verstand in Klammern setzt, muss eben für teures Wasser bezahlen.

    Mit freundlichen Grüßen
    H.G.Huber

  10. 10 Bernd Harder 26. Januar 2011 um 22:19

    @Hans-Georg Huber:

    Genau hier setzt auch die “10:23”-Aktion der Skeptiker am übernächsten WE an.

  11. 11 Elke 27. Januar 2011 um 11:20

    @Hans-Georg Huber

    Das Argument der HÖs dazu lautet ja immer, dass Wasser ein Gedächtnis besitze und Informationen speichern könne. Dabei bezieht man sich auf den Pseudowissenschaftler Masaru Emoto. Erklärt wird das dann oft mit der Analogie einer CD; eine chemische Untersuchung könne den Siliciumgehalt, etc. der Scheibe bestimmen, also eine Materialanalyse anfertigen, aber nicht herausfinden welche Musik darauf gespeichert ist.

    Desweiteren sind die klassischen HÖs, die ausschließlich mit Konstitutionsmitteln arbeiten, was Hahnemann entspricht, davon überzeugt, dass je höher die Verdünnung, desto wirksamer auf der geistigen Ebene. In der Regel kommen bei ihnen erst Potenzen ab C 200 zum Einsatz.

    Der größte Witz an der Geschichte ist ja aber, dass dann auch Verunreinigungen, die nicht zu vermeiden sind, mitpotenziert werden müssten. Unser Trinkwasser wäre damit so verunreinigt, dass die Menschheit längst ausgestorben sein müsste, Flora und Fauna natürlich auch :-D

  12. 12 AKLu 14. Februar 2011 um 15:53

    Auch wenn das der gefühlt 100ste Homeöpathie-Artikel ist, soo leicht läßt sich der Placebo-Effekt nicht verschulmedizinern.

    Die evidenzbasierte Medizin hat ein ganz reelles Problem mit der “Vermarktung” von Placebos – könnte ich mir vorstellen. Denn schließlich: Placebos wirken besser, je mehr daran geglaubt wird, wenn ich die wissenschaftliche Erkenntnislage richtig verstanden habe. Die Farbe, die Verpackung, Äußeres und Gebahren des Darreichenden haben alle direkten Einfluss auf den “Behandlungserfolg”.

    Wie verkaufe ich ein Präparat als wirksam, dessen Wirksamkeit vom Glauben des Patienten abhängt? “Nehmen Sie bitte die blaue Pille, ist zwar nur Zucker, aber es gibt da den sogenannten Placebo-Effekt…”

    Oder sage ich ihm: “Gehn’s hoam und flaggen’s si ins Bett, des wird schoa wiada von alloa!” -? – dann übergibt sich der Patient vielleicht meiner emotionalen Grausamkeit wegen der Eso-Konkurrenz. Die Leute von heute halten einfach nichts mehr aus.

    Alternativ könnte ich dem Arzt natürlich das Lügen erlauben, aber soweit ich weiß steht das in Widerspruch zu geltendem Patientenrecht.

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