Der Wald der Pseudogefühle: Ein Gastbeitrag zum Bestseller „Das geheime Leben der Bäume”

Der Deutschlandfunk bescheinigt dem Autor “animistisches Denken”, Zeit-Online schreibt von einem “konsequenten Anthropomorphismus” im Märchenduktus und zwei Forstwissenschaftler kritisieren das “völlig verzerrtes Bild von Bäumen, Waldökologie und Forstwirtschaft”.

Die Rede ist von dem Bestseller “Das geheime Leben der Bäume” des Forstwirts Peter Wohlleben.

Der Biologe Torben Halbe (ETH Zürich) hat jetzt ein …

… entschieden formuliertes Veto gegenüber dem bestsellertauglichen Versuch, das komplexe Lebewesen Baum zu einem märchenhaft anmutenden Geschöpf zu verklären”

geschrieben.

Zu seinem Buch “Das wahre Leben der Bäume” hat Halbe uns einen Gastbeitrag angeboten, den wir im Folgenden gerne zur Diskussion stellen:

Kontext

Liebes GWUPlikum,

lassen Sie uns mit einer Frage beginnen: Handelt es sich bei einem der erfolgreichsten deutschen Sachbücher der letzten Jahre um Pseudowissenschaft? Wäre dem so, müssten Wissenschaftler und Skeptiker entschlossen gegensteuern.

Peter Wohllebens Buch „Das geheime Leben der Bäume“, Untertitel „Was sie fühlen, wie sie kommunizieren – die Entdeckung einer verborgenen Welt“, ist ein Dauerbestseller, mittlerweile unglaubliche 111 Wochen in den Bestsellerlisten.

Dem Klappentext zufolge berücksichtigt es „die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse“, doch sowohl das „fühlen“ im Untertitel als auch die Behauptung des Klappentexts, Bäume hätten „Empfindungen, Gefühle, ein Gedächtnis“, lassen den skeptischen Leser instinktiv die Stirn runzeln.

Da man die Bezeichnung „Pseudowissenschaft“ aber nicht leichtfertig vergeben sollte, schon gar nicht an populärwissenschaftliche Bücher, die ja zurecht größere künstlerische Freiheit genießen als wissenschaftliche Publikationen, habe ich mich als studierter Biologe in einem eigenen populärwissenschaftlichen Sachbuch ausführlich mit dieser Frage auseinandergesetzt.

Kurze Analyse von Wohllebens Werk

Mein Buch heißt „Das wahre Leben der Bäume“, Untertitel „Ein Buch gegen eingebildeten Umweltschutz“. Wie der Untertitel impliziert, bin ich zu dem Schluss gelangt, dass Wohlleben dem Leser zwar auf unterhaltsame Art einige interessante Fakten aus Waldökosystemen vermittelt, dies aber nicht darüber hinwegtäuschen kann, dass weite Passagen seines Buches als pseudowissenschaftlich zu bewerten sind.

Als verbindendes Element dieser Passagen ist dabei der Bestätigungsfehler (confirmation bias) zu sehen.

Wohlleben scheint mit der vorgefertigten Meinung ins Buch zu gehen, Bäume seien nicht nur menschenähnlich, sondern gar Wesen, die mit Absicht ethisch „gut“ handeln. Daraus folgt seine umweltpolitische Agenda, in Deutschland weniger Holz zu schlagen und mehr „Urwälder“ entstehen zu lassen. Forschungsergebnisse, die nicht zu dieser Meinung und Agenda passen, werden entweder ignoriert oder passend gemacht.

Im Folgenden ein kurzer Überblick über die von Wohlleben verwendeten pseudowissenschaftlichen Methoden:

  • Unbelegte Aussagen

Obwohl ein populärwissenschaftliches Buch nicht jede Kleinigkeit belegen muss, sollten überraschende neue „Erkenntnisse“ mit Quellen untermauert werden, um glaubhaft zu sein. Wohlleben unterlässt das an vielen Stellen.

Ein Beispiel: Auf Seite 88 kritisiert er die Nutzung von Brennholz, indem er schreibt:

Für jeden Scheit, den Sie im heimischen Ofen verbrennen, wird draußen aus den Waldböden noch einmal die gleiche Menge CO2 freigesetzt.”

Ein Beleg wird nicht angeführt. Finden Sie das nicht auch seltsam präzise für eine völlig aus der Luft gegriffene Aussage? Tatsächlich kann ich mir kein Experiment vorstellen, mit dem man diese Hypothese überprüfen könnte. In welchem Umkreis des auf welche Art entnommenen Scheits welchen Holzes in welcher Lage will er denn den CO2-Ausstoß messen, und wie, und für wie lange?

Frei nach Wolfgang Pauli: Diese Aussage ist nicht nur nicht richtig, sie ist nicht einmal falsch.

An anderen Stellen arbeitet Wohlleben zwar mit brauchbaren Beobachtungen und Daten, schließt aber deutlich mehr daraus, als verantwortbar ist. Beispielsweise nennt er im Kapitel „Baumschule“ (S.45-49) zahlreiche Beobachtungen, dass Bäume auf äußere Einflüsse reagieren, sich also an ihre Umgebung anpassen.

Für Biologen ist das nicht weiter überraschend, da alle Lebewesen sich an ihre Umgebung anpassen. Wohlleben allerdings nennt es „Lernfähigkeit“ und baut, entweder in Unkenntnis oder unter Leugnung umfangreicher Erkenntnisse aus den Bereichen Genregulation und Epigenetik, darauf das Argument auf, es müsste so etwas wie ein Gehirn vorhanden sein.

Später, auf Seite 77/78, äußert er die Vermutung, dieses „Gehirn“ sei wohl in der Wurzel zu verorten. Als Basis dieser Vermutung nennt er drei Punkte, a) die Dauerhaftigkeit der Wurzel, b) die Beobachtung, es flössen in Wurzeln schwache elektrische Ströme und c) wachsende Wurzeln würden Steinen, Wasser und Giftstoffen ausweichen.

Alle drei Beobachtungen sind zwar belegt, sind aber weit von hinreichenden Kriterien zur Postulierung eines Gehirns entfernt, es gibt schlicht keinen Zusammenhang. Zum Abschluss wird hier dann auch noch impliziert, Pflanzen könnten aufgrund dieses „Gehirns“ denken und wären intelligent.

Hier wird ein weiteres non sequitur auf das vorhergehende gestapelt, denn „Denken“ und „Intelligenz“ werden im Allgemeinen zur Bezeichnung menschlicher oder zumindest menschenähnlicher Leistungen verwendet, etwas, von dem die meisten Tiere trotz Gehirn weit entfernt sind. Aus einem Gehirn folgt also kein Denken.

  • Schwammige Verwendung von Begriffen, sprachliche Tricks

Das „Gehirn“ und das „Denken“ ist kein Einzelfall. Wohlleben will an zahlreichen Stellen vermitteln, es gäbe wissenschaftliche Belege, Bäumen menschenähnliche Eigenschaften in Sachen Wahrnehmung, Bewusstsein und Gefühle zuzuschreiben. Derartige Belege gibt es nicht.

Selbst für den Menschen ist fraglich, ob und wie mit naturwissenschaftlichen Methoden jemals eine direkte kausale Verbindung zwischen beobachtbaren Strukturen, wie dem Nervensystem, und Dingen wie Bewusstsein und Qualia hergestellt werden kann, die sich direkten Messungen entziehen. Zu implizieren, es gäbe sie für Bäume, ist deshalb hanebüchen.

Wohlleben führt den Laien in die Irre, indem er tatsächlich von Studien gemeldete Phänomene umbenennt. So ist die Reaktion auf akustische Signale plötzlich „Hören“ (S.19/20) und chemische Kommunikation, unter Verkennung sämtlicher linguistischer Kriterien, „Sprache“ (S. 14-20). Der unkritische Leser wird durch diese freigiebige Verwendung von Alltagssprache förmlich eingeladen, sich auf Bäume zu projizieren.

Die oben beschriebenen Beispiele enthalten bereits Aspekte hiervon, besonders drastisch wird es aber beim Thema Klima.

Im Kapitel „Der CO2-Staubsauger“ (S.87-91) möchte Wohlleben Urwälder als beste Verbündete des Menschen bei der Bekämpfung des Klimawandels darstellen. Dies steht im direkten Widerspruch zu zahlreichen Publikationen bis hin zum vierten Sachstandsbericht des Weltklimarats, die nachhaltigen Wirtschaftswäldern größere Kohlenstoffbindungsfähigkeiten bescheinigen.

Um dem Leser dennoch seine Version nahezulegen, beschreibt er nur die Fähigkeit von Bäumen zur Kohlenstoffbindung, verschweigt an dieser Stelle aber, dass Wälder Kohlenstoff auch wieder freisetzen, und überhaupt, dass sich der Kohlenstoff der Welt in einem komplexen Kreislauf befindet.

Er impliziert Einbahnstraßen statt dynamischer Gleichgewichte. Kurz gesagt lässt er den überwältigenden Teil des komplexen Kreislaufs weg, indem sich Wälder befinden. (Er erwähnt die Mechanismen der Freisetzung übrigens schon, allerdings erst viele Seiten später, wo sie sein unhaltbares Argument nicht mehr gefährdet.)

  • Diskreditierung Andersdenkender

Pseudowissenschaft arbeitet mit der Diskreditierung der Etablierten. Wohlleben impliziert an mehreren Stellen, diejenigen Wissenschaftler oder Förster, deren Befunde und Handlungen nicht seinem Weltbild entsprechen, seien fehlgeleitet, fachlich oder gar ethisch.

Ein Beispiel: Auf Seite 78/79 behauptet Peter Wohlleben, die Unterscheidung zwischen Pflanzen und Tieren sei „willkürlich gewählt“. Er postuliert, die Unterscheidung sei an nur zwei Dingen festgemacht: Der Nahrungsbeschaffung und der Geschwindigkeit, mit der Informationen verarbeitet werden.

Dies ist zunächst einmal absurdes cherry picking. Die Unterscheidung zwischen Pflanzen und Tieren basiert auf einer Vielzahl von Kriterien, von genetischen über biochemischen bis hin zur Rolle in Ökosystemen. Doch es kommt noch härter: Er impliziert, Gegner seiner willkürlichen Abschaffung einer etablierten biologischen Unterscheidung hielten „langsame Wesen“ womöglich für „minderwertiger als schnelle“.

Wir haben es hier mit einem persönlichen Angriff auf Forscher zu tun, die ihr Leben der Erforschung von Pflanzen widmen, ihnen also offensichtlich hohen Wert zugestehen. Eine ziemliche Frechheit, doch dieser Unterton schwingt leider häufiger mit.

Damit möchte ich die „Beweisaufnahme“ im Rahmen dieses Beitrags schließen.

Fazit/Appell

Ich hoffe, ich konnte Ihr Interesse wecken, sich weiter zu informieren.

Für eine ausführlichere Widerlegung von Wohllebens Aussagen sowohl zur „Menschenähnlichkeit“ von Bäumen als auch zum Klimaschutz möchte ich, wer hätte das gedacht, auf mein Buch verweisen. Ich möchte dies aber nicht als unentbehrlich darstellen. Ein kritisches Durchlesen von Wohllebens Buch, eventuell mit ein wenig eigener Recherche, sollte ebenfalls ausreichen.

Denn obwohl ich mich natürlich freuen würde, wenn Sie mein Buch läsen, möchte ich Sie primär ganz uneigennützig bitten, sich selbst mit der Materie auseinanderzusetzen und, sofern Sie zu ähnlichen Schlüssen kommen wie ich, Peter Wohlleben Widerspruch entgegenzustellen.

Der anhaltende Erfolg seiner Bücher zwingt uns dazu, da er die Glaubwürdigkeit der Wissenschaft gefährdet. Zusätzlich gefährdet er die Umwelt: Denn im schlimmsten Fall wird es seinen Anhängern gelingen, in Deutschland eine Umweltpolitik durchzusetzen, die auf einer moralisierenden Polarisierung anstatt auf wissenschaftlichen Erkenntnissen aufbaut, einen Blindflug also, der zahlreiche komplexe Zusammenhänge, sowohl natürliche als auch wirtschaftliche, schlicht ignoriert.

Wir müssen uns diesem eingebildeten Umweltschutz mit Daten und Studien aus der realen Umwelt entgegenstellen, wenn wir sie schützen möchten. Vielen Dank!

Zum Weiterlesen:

  • Das geheime Leben der Bäume”: Die Not am Stamm lindern, Zeit-Online am 18. Januar 2016
  • Sachbuch-Bestseller des Jahres macht Bäume zu Menschen, HNA am 3. Dezember 2015
  • Peter Wohlleben spürt den Wald: Bäume schreien, wenn sie Durst haben, Deutschlandfunk Kultur am 2. Juli 2015
  • Rezension “Das wahre Leben der Bäume” im Baumpflege-Portal
  • Rezension “Das wahre Leben der Bäume”bei waldwissen.net
  • Torben Halbe: Das wahre Leben der Bäume. Woll-Verlag, Schmallenberg 2017, 176 Seiten, 19,90 €

16 Kommentare zu “Der Wald der Pseudogefühle: Ein Gastbeitrag zum Bestseller „Das geheime Leben der Bäume””


  1. 1 Mathan 8. August 2017 um 08:20

    Vielleicht schreibt Peter Wohlleben ja gar nicht über Bäume, sondern über Ents!?

    https://de.wikipedia.org/wiki/Figuren_in_Tolkiens_Welt#Ents

  2. 2 libertador 8. August 2017 um 10:38

    “Im Kapitel „Der CO2-Staubsauger“ (S.87-91) möchte Wohlleben Urwälder als beste Verbündete des Menschen bei der Bekämpfung des Klimawandels darstellen. Dies steht im direkten Widerspruch zu zahlreichen Publikationen bis hin zum vierten Sachstandsbericht des Weltklimarats, die nachhaltigen Wirtschaftswäldern größere Kohlenstoffbindungsfähigkeiten bescheinigen.”

    Könnten Sie diese Aussage anhand des AR4 genauer belegen. Ich finde da keine entsprechende Passage, die das aus Gründen der Kohlenstoffbindefähigkeit folgert. Ich bin einfach am Klimawandel interessiert und ich wüsste gerne worauf Sie sich beziehen.

    Ich verstehe Passagen im AR4 eher so, dass aus sozialen-öokologischen Gründen ein gemanagter Wald besser sein kann. Durch die Nutzbarkeit kann mehr andere Waldfläche aufrecht erhalten werden.
    Daneben können Waldprodukte natürlich Biomasse für Energie bereitstellen.

    Ich habe lediglich folgenden Satz gefunden in welchem Kontext angelegt Wälder darüber hinaus besser sind:
    “It is likely that adaptation practices will be easier to implement
    in forest plantations than in natural forests.” (IPCC AR4, WG3, S. 564). Dies wird für solche Wälder relevant, die veränderten Klimabedingungen ausgesetzt sein werden. Daneben noch Eingriffe zum Verhindern von Waldbränden und große Insekten oder Krankheit. “Although natural dynamics are part of the forest
    ecosystem, suppression of forest fires and prevention of insect
    and pest disease are important for mitigation. “(vgl, s.o. S. 576).

    Ansonsten wird im Bericht aber doch die Wichtigkeit der Aufrechterhaltung natürlicher Wälder betont. Dieser könnte aber ebend auch durch das Management von (anderen) Wäldern gelingen. “Agro-forestry can also help to decrease pressure on natural
    forests and promote soil conservation, and provide ecological
    services to livestock.” (s.o., S. 566)

    Ich lese das so, dass das Management von Wäldern eine wichtige Rolle spielt, um sie zu Nutzen und um natürliche Wälder daneben aufrecht erhalten zu können, um Kohlenstoff gebunden zu halten. Aber diese bessere Kohlenstoffbindefähigkeit habe ich nicht gefunden.

  3. 3 Ich 8. August 2017 um 11:14

    Vielen Dank für den Beitrag.

    Ich habe das Buch von Peter Wohlleben nur am Rande registriert, mich aber darüber gewundert, dass Bäume fühlen sollen usw.

    Schön, das Torben Halbe sich des Themas angenommen hat.

  4. 4 noch'n Flo 8. August 2017 um 11:19

    Der hat ja echt nicht mehr alle Nadeln an der Tanne.

  5. 5 Torben Halbe 8. August 2017 um 12:48

    @libertador

    Vielen Dank für Ihre ausführliche Frage. Die Behandlung des Themas im AR4 dreht sich um die folgende Passage:

    “In the long term, a sustainable forest management strategy
    aimed at maintaining or increasing forest carbon stocks, while
    producing an annual sustained yield of timber, fibre or energy
    from the forest, will generate the largest sustained mitigation
    benefit.”

    Diese Passage kommt im Kapitel 9 der Working Group 3 Wort für Wort zweimal vor. Erstmals im Executive Summary (S. 543 des Reports bzw. S. 3 der verlinkten pdf), was wohl die Wichtigkeit hervorhebt, die die Autoren dieser Aussage beimessen.

    Was Sie aber eher interessieren könnte, ist die Behandlung im Kontext. Da werden Sie im Kapitel 9.4 “Assessment of mitigation options” fündig, konkret steht die Passage auf Seite 549 (bzw. Seite 9 der verlinkten pdf).

    http://www.ipcc.ch/pdf/assessment-report/ar4/wg3/ar4-wg3-chapter9.pdf

    Freundliche Grüße
    Torben Halbe

  6. 6 libertador 8. August 2017 um 14:19

    Sehr geehrter Herr Halbe,

    vielen Dank für Ihre Antwort. Ich denke, dass dieses Fazit im wesentlichen auf der Zielsetzung beruht, dass auch menschliche Bedürfnisse durch den Wald zu erfüllen sind, d.h. es soll Holz entnommen werden und in diesem Fall ist ebend nachhaltiges Management am besten.
    Alleine um Kohlenstoff zu binden, könnte auch natürlicher Wald dienen.
    Das wäre aber wirtschaftlich und auch gesamt-ökologisch nicht nachhaltig.

    Dies wird deutlich in folgender Passage: “For example, stopping all forest harvest would increase forest carbon stocks, but would reduce the amount of timber and fibre available to meet societal needs. Other energy-intensive materials, such as concrete, aluminium, steel, and plastics, would be required to replace wood products, resulting in higher GHG emissions ” (auf der von Ihnen angegebenen Seite 543)

    Das lässt offen, dass verwaltete Wälder nicht mehr Kohlenstoff binden, gibt Ihnen aber in der ökologischen Gesamtbetrachtung Recht, dass Wald nachhaltig verwaltet werden sollte, um dessen Nutzung mit Bindung von Kohlenstoff zu verbinden.

    Meine Anmerkungen sind deswegen auch etwas kleinlich, aber in der Kritik von Pseudowissenschaft sollte man genau sein. Ich habe aber eine Arbeit gefunden die darauf hindeutet, dass alte wälder weiterhin Kohlenstoff aufnehmen.

    Bestehender alter Wald ist netto also ein Kohlenstoff-Senke:
    http://www.nature.com/nature/journal/v455/n7210/abs/nature07276.html

    Beste Grüße

  7. 7 RPGNo1 8. August 2017 um 15:55

    Mein Vater kauft und liest gerne populärwissenschaftliche Bücher, die sich mit Biologie, Evolution und/oder sozial lebenden Tieren bzw. Hominidae beschäftigen. Sein Kommentar zu Wohllebens Baumbuch war: “Das ist richtig schlecht. Keine Leseempfehlung.”

  8. 8 Torben Halbe 8. August 2017 um 17:05

    Sehr geehrter Libertador,

    Meiner Ansicht nach streben Wälder einer Gleichgewichtslage zwischen Aufnahme und Abgabe zu. Wenn die Bäume durch Höhenwachstum am jeweiligen Standort nichts mehr erreichen können, schwächt sich die Netto-Kohlenstoffaufnahme zumindest stark ab.

    Logische, etwas saloppe Erklärung: Holz (nötig für Höhenwachstum) speichert Kohlenstoff langfristig, Blätter und Früchte, also das, worein ein alter Baum hauptsächlich investiert, werden dagegen in viel größerem Umfang zersetzt. Gut, ob die Netto-Aufnahme letztendlich ganz zum Erliegen kommt, ist umstritten, da haben Sie recht.

    Aber dass nachhaltig bewirtschaftete Wälder mehr aufnehmen, streitet auch das von Ihnen angeführte Paper nicht ab. Die folgende Studie stellt das eindrucksvoll dar:

    http://www.nature.com/ngeo/journal/v8/n11/full/ngeo2553.html

    Beste Grüße

  9. 9 W 9. August 2017 um 06:56

    Herzlichen Dank, Herr Halbe, für Ihren Einsatz!

    Ich bin selbst Ökologe und hatte das Buch angefangen zu lesen. Die Ungereimtheiten waren aber schon auf den ersten Seiten so offenkundig, dass ich es gleich wieder weglegte.

    Gut, dass die Fachwelt so einen Bestseller nicht unkommentiert hinnimmt!

  10. 10 Martin 9. August 2017 um 10:39

    “Zur Menschenähnlichkeit von Bäumen…”
    Oder Bäumenähnlichkeit von Menschen…

    Man sollte sich mal von Forstwirten den Wild-Biotop URWALD erklären lassen: Nur die Bäume die am schnellsten wachsen,kommen ans (Sonnen)Licht bzw. haben den größten Raum zur Entfaltung, zum Leben.Es herrscht also ein verdammt harter Konkurrenzkampf und bestätigt nur die Evolution:Auslese.

    Der Urwald im Amazonasbecken funktioniert auch nach diesem Prinzip.

    Dass die Menschen nun diese besten Verbündeten gegen den Klimawandel,also diese Urwälder ausrotten, zeigt auch eine Art Konkurenzkampf der Menschen untereinander:

    Den um den höchsten Profit,selbst auf die Gefahr der Selbstvernichtung…

    Bäume vernichten sich allerdings nicht selbst.

  11. 11 Maggi 9. August 2017 um 16:12

    Ich kenne ein richtig tolles Waldbuch: “Das verborgene Leben des Waldes” von David G. Haskell.

  12. 12 nota.bene 9. August 2017 um 16:47

    Ich habe Peter Wohlleben in mehreren Fernsehbeiträgen gesehen.

    Er ist dabei so sympathisch und überzeugend rübergekommen, dass es dem durchschnittlichen Zuschauer wirklich schwer fällt, ihm nicht zu glauben. Ich nehme an, dass er sein Publikum auch in seinen Vorträgen und Lesungen in seinen Bann zieht.

    Sich so einem “Sympathieträger” entgegenzustellen, ist schon lobenswert und mutig.

    Ich freue mich sehr, dass Torben Halbe sich dieser Aufgabe gestellt hat und wünsche ihm einen vergleichbaren Erfolg – auch wenn wir alle aus leidvoller Erfahrung wissen, dass die Präsentation einer eher nüchternen Realität nur wenige vom Hocker reisst.

    Ich hoffe, dass dies bei Torsten Halbes Buch anders ist.

    P.S.: Ist es geplant, auch ein e-Book herauszubringen?

  13. 13 Bernd Harder 9. August 2017 um 17:29

    @Maggi:

    I know what you did last evening.

  14. 14 Maggi 10. August 2017 um 12:12

    Jan-Willem!?

  15. 15 Bernd Harder 10. August 2017 um 15:51

    Der auch.

  16. 16 borstel 10. August 2017 um 18:21

    Bin kein Biologe, daher herzlichen Dank für diese Erklärungen! Was mich an dem Buch gestört hat, war der schon erwähnte Anthropomorphismus und die ziemlich unsachlich-schnoddrige Sprache – für mich schon ein grund, vorsichtig mit den Aussagen umzugehen.

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