Krebsforscher: Finger weg von „komplementären“ Verfahren

Bereits vor vier Jahren haben wir hier über die Gefahren von “komplementären” Verfahren zusätzlich zu einer wissenschaftsbasierten Krebsbehandlung berichtet.

Heute macht der Amphibol-Blog auf einen Artikel im Guardian aufmerksam, der zum selben Ergebnis kommt.

Aktuelle Daten der Clinical Oncology Society of Australia (Cosa) zeigen, dass Nahrungsergänzungsmittel und vermeintliche “Wunderwaffen” wie Fischöl, Q10, Grüner Tee, Mariendistel, Ingwer, Laktobaterien etc. mit Krebsmedikamenten interagieren und deren Effektivität deutlich herabsetzen und/oder unerwünschte Wirkungen verstärken können.

Cosa-Präsident Prof. Sandro Porceddu macht zudem auf die Kosten solcher Verfahren aufmerksam und warnt Angehörige davor, Patienten mit “ergänzenden” Therapieempfehlungen moralisch und finanziell unter Druck zu setzen.

Der überaus begrenzte Nutzen unkonventioneller Krebsbehandlungen stehe in keinem Verhältnis zu deren potenziell negativen Folgen, etwa einer verringerten Lebensqualität und sogar einem höheren Sterberisiko.

Zum Weiterlesen:

  • Alternative therapies risk effectiveness of cancer treatment, researchers find, The Guardian am 3. Dezember 2014
  • New data shows popular alternative medicines can pose a risk to cancer patient, Cosa am 3. Dezember 2014
  • Alternative Behandlungsmethoden haben einen negativen Einfluss auf Krebstherapien, Amphibol am 7. Januar 2015
  • Unkonventionelle Krebstherapien bei Psiram
  • Mythos sanfte Krebstherapien, GWUP-Infos am 7. Juni 2006
  • US-Forscher halten Krebserkrankungen für Pech, Stern-Online am 3. Januar 2015
  • Negative seelische Zustände führen nicht zu Krebs, Ratgeber-News-Blog am 1. Februar 2014
  • Über den Einfluss von Esoterik und Religion auf die Stigmatisierung psychischer Erkrankungen, Cloudpharming am 26. August 2014
  • Homöopathie, Krebs und Psychoonkologie, GWUP-Blog am 21. Februar 2014
  • Homöopathie gegen Krebs? GWUP-Blog am 15. Juni 2013
  • Leben Krebspatienten mit homöopathischer Zusatzbehandlung länger? Beweisaufnahme in Sachen Homöopathie am 24. November 2014
  • WAZ’n Quatsch: Meditation gegen Tumore, GWUP-Blog am 31. Januar 2011
  • Der Begriff “Schulmedizin”, Wirklich skeptisch am 5. Januar 2015
  • Snake Oil Supplements? Scientific evidence for popular health supplements, Information is Beautyful Februar 2014
  • Was ist Krebs? Abschluss und Ausblick, BlooDNAcid am 7. Januar 2015
  • Mistel und Ginkgo in der Krebstherapie? GWUP-Blog am 13. Mai 2011

5 Kommentare zu “Krebsforscher: Finger weg von „komplementären“ Verfahren”


  1. 1 Positron 8. Januar 2015 um 23:14

    Ich würde gerne eine Frage zum Thema Krebstherapie los werden. ISt auch nicht OT, also zumindest nicht wirklich :-)

    Aus diversen Quellen höre ich immer wieder, dass es nach erfolgreicher Behandlung fast immer zu “Rückfällen” kommt. Sprich der Krebs scheint überwunden, kehrt dann aber Jahre später zurück und dass dann meist noch stärker als zuvor. Die “Rückfallquote” scheint sehr hoch zu sein.

    Stimmt das? Und was kann man dagegen tun?

  2. 2 gnaddrig 9. Januar 2015 um 09:20

    @ Positron: Musste an das hier denken: Lanes.

    Was man dagegen tun kann? Wahrscheinlich forschen, forschen, forschen.

  3. 3 Ralf 9. Januar 2015 um 17:23

    Hier sollte man auch noch auf das “Johanniskraut” hinweisen, das die Metabolisierung von Medikamenten in der Leber verändern kann.
    http://de.wikipedia.org/wiki/Enzyminduktion

  4. 4 Cornelius 13. Januar 2015 um 09:35

    @Positron: ja, der Rückfall, der sog. Rezidiv ist leider bei Krebserkrankungen ein großes Problem. Medizinisch liegt Rückfällen eine nicht vollständige Eradizierung des zuerst aufgetretenen Tumors zugrunde.

    Man versucht, wenn möglich, den Tumor zunächst chirurgisch weiträumig zu entfernen.

    Um verbliebene, für das Auge nicht sichtbare Tumorzellen zu zerstören, gibt es dann zusätzlich eine Chemo- und/oder Bestrahlungstherapie. Wenn man Glück hat, erwischt man so wirklich alle Tumorzellen und der Patient ist geheilt.

    Wenn man Pech hat, gibt es bereits resistente Zellen, vielleicht nur ganz wenige, die die Prozedur überstehen und die dann die Gründerzellen eines neuen und im schlimmsten Fall auch noch gegen die eingesetzten Medikamente immun gewordenen Tumors sein können.

    So ein neues Heranwachsen kann durchaus lange, auch Jahre dauern. Deswegen spricht man immer vom 5-Jahres-Überleben, da nach dieser Zeit die Wahrscheinlichkeit, daß noch ein Rezidiv auftritt, deutlich sinkt.

    Daraus folgt leider, daß ein Krebspatient, auch z.B. 3 Jahre nach seiner ersten Behandlung und auch, wenn er völlig beschwerdefrei ist und sich gesund fühlt, nicht sicher sein kann, daß er wirklich geheilt ist. Eine ständige Aufmerksamkeit und engmaschige Kontrollen sind daher in diesem Zeitfenster sehr ratsam.

    Mehr Hintergründe in meiner Krebsserie: http://scienceblogs.de/bloodnacid/tag/krebsserie/

  5. 5 Abe 7. Mai 2015 um 14:09

    Liebe Alternativmedizin-Fans, bitte Karte 1, 2 & 4 lesen:

    Cancer Survivor Creates Empathy Cards For People With Serious Illnesses

    http://www.boredpanda.com/empathy-cards-cancer-postcards-serious-illness-emily-mcdowell/

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