Warum “Entschlacken” Unsinn ist

Gut:

Im zweiten Jahr in Folge bringt die Süddeutsche Zeitung einen kritischen Beitrag über den “Mythos Entgiften”:

Was haben wir in den vergangenen Wochen alles gegessen. Wieviel Alkohol ist geflossen. Tagelang haben wir träge in der Wohnung gesessen. Da kommt die Idee ganz recht, der Körper müsse nun schleunigst von seinen Altlasten befreit, entgiftet, entschlackt und generalsaniert werden.

Tatsächlich versprechen einige Methoden Reinigung von all den überflüssigen Belastungen – vor allem, indem sie den Verdauungstrakt von oben und unten einer Art Grundreinigung unterziehen. Leider ist die Idee, den Körper durch Fasten und massenhafte Flüssigkeitszufuhr entschlacken zu müssen, blanker Unsinn. Hier sind die Gründe.”

Schlecht:

Einstein hatte recht: „Zwei Dinge sind unendlich, das Universum und die menschliche Dummheit, aber bei dem Universum bin ich mir noch nicht ganz sicher.“

Zwei Beispiele aus den Leser-Kommentaren:

Wie wäre die Menschheit wohl heute dran, wenn all die spirituellen Meister, ob Jesus, Johannes, Buddha, Usui oder wer auch immer von der sogenannten Wissenschaft aufgeklärt worden wären, das Fasten Unsinn ist? Nicht auszudenken, wenn die dieses ‘Wissen’ schon gehabt hätten … Ich werde dann wohl bei meinem Fasten auch eine Zeitungs- und Internet- Auszeit nehmen.”

Oder:

Was für ein einfältiger Beitrag. Sponsort by “Schulmedizin und Pharmakartell”??  Die Autorin kann offensichtlich nur schwarz oder weiss unterscheiden. Das ist leider zu wenig fürs richtige Leben.”

Trotzdem bleiben wir der Aufklärung verpflichtet und verweisen wir auf weitere Beiträge zum Thema:

  • Skeptisches Entschlacken, GWUP-Blog am 23. Januar 2010
  • “Schlacken” gibt es nicht, GWUP-Blog am 26. April 2011

5 Kommentare zu “Warum “Entschlacken” Unsinn ist”


  1. 1 jemseneier 2. Januar 2012 um 23:53

    …also bei uns wird seit mindestens 2500 Jahren entschlackt;-)
    http://chiemgaugemseneier.wordpress.com/2011/09/14/entschlacken-im-chiemgau/

  2. 2 Uwe 4. Januar 2012 um 09:57

    Persönlich liebe ich so kritische, wissenschaftlich begründete Artikel sehr.

    Nach meinem Verständnis und meiner Erfahrung sind diese kritischen Artikel jedoch komplett sinnlos, wenn es darum geht, “Andersgläubige” zu überzeugen; jemand der eine Meinung hat, wird sich nur noch fester in seine Meinung verbeißen, wenn ihm ein aus seiner Sicht “Besserwisser” versucht eine andere Ansicht nahe zu bringen. Um etwas zu ändern/machen muss man es wirklich selbst wollen, nur dann macht/ändert man es auch.

    Fazit für mich: Nutzlos aber spannend.

  3. 3 Dalek 9. Januar 2012 um 11:49

    @ Uwe: da bin ich anderer Meinung. Solche Artikel werden keine Huschiwuschi-Fanboys bekehren, das ist wahr. Aber: die meisten Menschen, die sich diesen Schwachsinn aufschwatzen lassen, haben keine Ahnung davon, dass es reine Beutelschneiderei ist und im besten Fall nicht funktioniert. Das sind keine Fanatiker, das sind Ahnungslose. Diesen die Wahrheit vors Auge zu führen kann sehr wohl helfen.

    Erstaunlich viele, ansonsten intelligente Menschen glauben an die ganzen Glaubuli und andere Quacksalbereien. Das geht oft nach dem Motto “schließlich hat es jemand zugelassen, kann also nicht falsch sein”. Gerade in solchen Fällen kann Information, naja, Wunder ;) schaffen.

    Anekdote on: ich habe einen aus der Verwandschaft: Ökonom, gesuchter Spezialist in seinem Fach, IQ vermutlich um die 160. Der hat sich für sich selbst und seine Familie viel, viel Geld von einem Homöopathen ziehen lassen – jahrelang! Ich wusste davon nichts, bis wir irgendwann im Gespräch drauf kamen. Der Gute war anfangs noch mit Hamlet und Galileo zugange, dann habe ich ihm ein paar rationale Quellen gegeben, die sich sine ira et studio mit dem Thema befassen (leider nicht GWUP, sein Deutsch ist nicht so gut). Daraufhin hat er sich bei mir bedankt und den Homöo-Quatsch zurück ins Märchenland geschickt, wo es hingehört. Sofern ich weiß, geht es ihm und seiner Familie gut.

  4. 4 klauszwingenberger 5. Juni 2015 um 10:35

    Ich halte Psychoanalyse zwar für Mumpitz, aber in ansonsten harzigen Debatten kann man DetoxianerInnen ganz gut mit dem Statement frisch machen, dass dieser Reinigungszwang dem klassischen Fall einer analen Gemütsverfassung entspreche.

  1. 1 Ja gut, aber … » Katharsis Pingback am 9. Januar 2012 um 15:13

Kommentieren




NEU: Skeptiker 2/2017

SKEPTIKER 4/2016

GWUP im Social Web

Aktuelle Kommentare