gwup | die skeptiker

… denken kritisch seit 1987.

Needle spiking: Reale Gefahr oder eine neue Urban Legend?

| 19 Kommentare

Vor fünf Jahren berichteten wir über eine Urban Legend, die tatsächlich wahr wurde: das „Rib removal“.

Erleben wir gerade wieder das Gleiche – annähernd jedenfalls?

Jahrzehntelang geisterten „der Verrückte mit der Aids-Spritze“ beziehungsweise HIV-verseuchte Nadeln in Kinositzen durch die Welt der Großstadtsagen. Und regelmäßig gaben Polizei und Faktenchecker Entwarnung.

Aber was ist damit:

Im Herbst 2021 tauchten in ganz Großbritannien schockierende Berichte über eine neue Gefahr für junge Frauen auf: Nadelstiche.

Das Opfer ist mit Freunden unterwegs, als die junge Frau sich plötzlich benommen fühlt, obwohl sie nur wenig Alkohol getrunken hat. Sie verliert das Bewusstsein und wird von Freunden nach Hause oder in ein Krankenhaus gebracht.

Am nächsten Tag kann sich die Betroffene an das Geschehene kaum erinnern. Als sie ihren Körper untersucht, entdeckt sie an sich eine kleine Wunde, die aussieht wie eine Einstichstelle.

So fasste Psychology Today im Februar die zahlreichen Berichte über „The British Needle-Spiking Panic“ zusammen. Mittlerweile hat die britische Polizei mehr als 1000 Fälle von „Needle Spiking“ registriert, also Angriffe mit Spritzen in Nachtclubs, bei denen den Opfern absichtlich Rauschmittel injiziert werden.

Es gab einige Festnahmen von Verdächtigen, aber „no-one has been charged“.

In Berlin machte Ende Mai die Künstlerin Alison Lewis alias Zoe Zaninas einen „needle spiking incident“ im Berghain publik:

Der Berliner Zeitung sagte die 32-Jährige:

Es ging alles ganz schnell, aber ich war zum Glück nicht allein. Das meiste haben mir meine Freunde später erzählt. Ich bin wohl zusammengebrochen und ein Freund ging sofort Wasser holen. Ein anderer, den ich gar nicht kannte, rief die Security und das hat mir wohl das Leben gerettet.

Der Redakteur fragt nach, wie sie denn auf die Spritze gekommen sei?

Ich hatte schon Nachrichten darüber aus London gehört. Dass es dort passiert sei. Und letztlich brachte das Berghain uns auf die Idee: Sie sagten mir, ich solle meinen Körper nach Nadelstichen absuchen. Und direkt am Dienstagabend fand ich einen, an meiner linken Schulter, wie bei einer Impfung. Ich habe den Stich von einem Arzt untersuchen lassen und der sagte auch, es sei sicher ein Nadelstich.

Ähnlich schildert die 19-jährige Studentin Sarah Buckle ihr Widerfahrnis am 28. September 2021 in einem Club in Nottingham:

Offenbar verfestigte erst ein Gespräch mit den Krankenschwestern in der Klinik ihre Überzeugung, dass sie sich „in line with those people who have been spiked“ befindet.

Fakt ist:

Alison Lewis und Sarah Buckle beschreiben absolut glaubhaft Erlebnisse und Symptome, die an Erfahrungen von Opfern des sogenannten „Drink Spiking“ erinnern. Dabei geht es um berauschende Substanzen,

… die die Täter in die Getränke ihrer Opfer mischen, Ketamin oder GBH etwa, besser bekannt als K.-o.-Tropfen, um sie auszurauben oder zu vergewaltigen,

schreibt der Spiegel (25/2022).

Fraglich ist hingegen, ob es „K.-o.-Tropfen als Spritze“ (Esquire) wirklich gibt, also „Needle spiking“.

Zwar verortet Wikipedia das Phänomen mittlerweile in ganz Europa – was allerdings fehlt, sind bestätigte, nachweisbare Fälle.

T-Online berichtete diese Woche von einer „Needle-Spiking-Attacke im Club Ost“ in Berlin:

Aber hat es den Angriff wirklich gegeben? Viele Fragen sind offen […]

Andrea Piest vom Projekt Sonar für ein sicheres Berliner Nachtleben sagte dem rbb Mitte Juni, dass darüber hinaus keine Fälle gemeldet worden seien. Der Berliner Polizei scheint das Phänomen gänzlich unbekannt zu sein. In den vergangenen Jahren habe es keine einzige Anzeige in diese Richtung gegeben, sagte ein Sprecher am Anfang der Woche.

„Nach wie vor [ist] kein Fall zur Anzeige gebracht worden“, unterstreicht Andrea Piest in dem besagten rbb-Interview.

Typisch ist eine Schlagzeile der NL Times vom 21. Juni:

Praktisch parallel dazu schrieb aber DutchNews, dass beim DenHaag Outdoor-Festival ein Mann festgenommen wurde, der eine Spritze bei sich trug. Unklar sei jedoch, ob der 31-Jährige versucht habe, damit eine Festivalbesucherin zu stechen:

Some say he did it, but we don’t know,

sagte eine Polizeisprecherin. Der Mann soll noch vierzehn Tage in Untersuchungshaft bleiben.

Psychology Today gibt zu bedenken, dass es sich beim „Needle spiking“ um einen „urban myth“ handeln könnte.

Was spricht für eine Wandersage?

Zum einen die große Zahl an anekdotischen Berichten ohne Belege, wie etwa Nachweise von illegalen Drogen im Blut oder Urin. Und was die „Einstichstellen“ angeht: Die allermeisten Menschen dürften Läsionen unbekannter Herkunft mit sich herumtragen (zum Beispiel durch Insektenstiche), die erst bei einer intensiven Inaugenscheinnahme des Körpers auffallen.

Zum anderen die zeitversetzte europaweite Verbreitung der Story vom Herbst 2021 in Großbritannien bis zur „K.O.-Spritze im Club Kraftwerk“ in Soest Anfang Juni 2022.

Und nicht zuletzt auch die fragwürdige Plausibilität.

Der Spiegel zitiert einen Suchtmediziner, der es für „problemlos“ möglich hält, einen Stoff auch durch ein Kleidungsstück hindurchzuspritzen. Dem widersprechen allerdings andere Experten, zum Beispiel in dem Beitrag

Needle Spiking  – Panikmache oder berechtigte Sorge?

des SWR-Youtube-Kanals „Brust raus“:

Der Drogenkonsum-Forscher Prof. Harry Sumnall von der Liverpool John Moores University sagt zum Beispiel, dass die Injektion einer Substanz per Spritze in einem dunklen, vollen Raum unbemerkt gar nicht so einfach durchzuführen ist. Man würde 20 bis 30 Sekunden für die notwendige Dosis brauchen.

Prof. Adam Winstock von der Global Drugs Survey sagt dazu, dass Nadeln mit einer gewissen Sorgfalt eingeführt werden müssten – vor allem in nackte Haut. Dass da was zufällig durch die Kleidung injiziert werden würde, hält er für sehr unrealistisch und einfach nicht möglich. Weil man auch mehrere Milliliter spritzen müsste und das wehtun würde. Man würde es also merken.

Andere wiederum schätzen, dass das durchaus möglich sei, dafür müsste die sehr dünne Nadel aber mehrere Sekunden im Körper sein. Laut Ärzt:innen würde niemand im Dunklen eine Ader treffen, es müsste also intramuskulär gespritzt werden, wie bei einer Impfung in den Oberarm zum Beispiel.

Für den amerikanischen Medizinsoziologen Robert Bartholomew trägt die Nadelstich-Epidemie alle Merkmale einer „social panic“, die aktuelle Ängste widerspiegele. Der Spiegel zitiert die Psychologin Christina Vale Pires von dem europäischen Projekt „Sexism Free Night“:

Ich finde es bemerkenswert, dass Needle Spiking auftauchte, als das Nachtleben nach Covid wieder öffnete. Dieses Gefühl, dass wir uns nie sicher fühlen können, dass es einen versteckten Feind gibt, kennen wir aus der Pandemie.

Die wirkliche Gefahr dieser „Massenhysterie“ (Spiegel) lässt sich mit dem vergleichen, was die US-Erzählforscherin Diane Goldstein vor zwanzig Jahren in ihrem Buch „Once Upon a Virus: AIDS Legends and Vernacular Risk Perception“ beklagte. Nämlich dass haltlose Geschichten um „Verrückte mit Aids-Spritzen“ die seriösen HIV-Aufklärungskampagnen konterkarieren, und zwar dergestalt:

Was brauche ich ein Kondom beim Sex, wenn die „wahre Gefahr“ ganz woanders lauert?

Genauso können die anschwellenden Gerüchte um Phantomangreifer mit K.o.-Nadeln das Bewusstsein für echte drogenunterstützte sexuelle Übergriffe trüben. Und dabei handelt es sich „nur selten um klassische Fremdtäter“, erklärt sowohl Rüdiger Schmolke von Sonar (Safer Nightlife Berlin) als auch die Londoner Kriminologin Giulia Zampini:

The stranger-danger archetype is very rare.

Zudem ist nach wie vor Alkohol die häufigste Droge im Zusammenhang mit Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung.

Man mag der mutmaßlichen Urban Legend vom mysteriösen Nadelstecher – wie den meisten modernen Großstadtmythen – eine Warnfunktion zubilligen. Aber nur, wenn sie den Blick auf reale Gefahren lenkt und in riskanten Situationen sinnvolles Verhalten unterstützt.

Das heißt konkret:

Man sollte sich generell mit Spiking auseinandersetzen. Das beinhaltet ja auch das Beifügen von Substanzen in Getränken. Auch im privaten Umfeld gibt es Fälle, dass jemand unwissentlich Substanzen verabreicht bekommt. Ich denke da an das Glas Bowle, von der nicht bekannt war, dass sie MDMA enthielt. Ziel muss ein achtsamer Umgang miteinander sein,

sagt Andrea Piest von Sonar.

Die Drogenexpertin rät,

… bei Anzeichen von plötzlichem Unwohlsein sofort das Clubpersonal zu informieren oder einen begleitenden Freund oder Freundin um Hilfe zu bitten – „gegebenenfalls auch Rettungswagen oder Rettungsstelle, auf keinen Fall die Sache verschweigen“.

Zum Weiterlesen:

  • Die Angst vor der Spritze im Nachtclub, Spiegel+ am 17. Juni 2022
  • So far no evidence of needle spiking in Netherlands, nltimes am 21. Juni 2022
  • There is no spiking epidemic, unherd am 9. November 2021
  • The British Needle-Spiking Panic, psychology today am 20. Februar 2022
  • Nach der Spritzen-Attacke im Berghain: „Ich dachte wirklich, ich sterbe jetzt“, Berliner Zeitung am 29. Mai 2022
  • Großstadtmythen: Der Verrückte mit der Aids-Spritze, focus-online am 19. November 2013
  • Diese Großstadtlegenden sind unglaublich. Oder? Welt-Online am 14. Oktober 2015
  • HIV infizierte Spritzen mit Aufschrift „Willkommen im Club“ in Diskotheken? mimikama am 26. April 2019
  • Falschmeldung: HIV-Infektion im Kino/in der Disco und anderswo, mimikama am 28. November 2012
  • Der Quarantänebrecher im Supermarkt und andere sagenhafte Corona-Geschichten, GWUP-Blog am 6. Februar 2022

19 Kommentare

  1. darf ich mal die Textwand auf ein paar ja/nein Fragen runterbrechen.
    1. würde eine Menge von 0,3ml reichen? j/n
    2. würde eine subcutane Injektion reichen? j/n
    -wenn- beide Fragen mit ja beantwortet werden ist es möglich egal was irgendein Experte sagt.
    Abertausende von Diabetikern spritzen subcutan Insulin teils eben auch durch die Kleidung und es wirkt genau wie immer ab ca 15min nach Inj.
    (sowas tut man im Lokal wenn man nix freimachen kann(Bauch Os) Beisp. Frauen mit Kleid )
    Der Einstich u Spritzen ist praktisch nicht merkbar, wobei ich beim Impfen auch nichts merke.
    Das alles wird mit einem Pen gemacht der so groß ist wie ein Kugelschreiber, auch die Fertigspritzen gegen Grippe sind nur so groß wie ein halber Finger.

  2. Schöne Zusammenfassung! Ich hatte mich auch schon gewundert, dass das von vielen Medien als Fakt verkauft wird.

    Es ist halt anekdotisch – die Umstände und Bedingungen solcher „Ereignisse“ sind unklar, so wie das „Ereignis“ selbst gar nicht genau definiert ist. Gute Voraussetzungen für eine urbane Legende.

    Man sollte dem natürlich erst mal nachgehen, aber wenn Fachleute sagen, dass so etwas eher unwahrscheinlich bis unmöglich ist, sollte man auch klar sagen, dass es sich (höchstwahrscheinlich) um einen Mythos handelt.

    Ich erinnere mich noch an die Geschichte mit dem Narkosegas im Wohnwagen, mit dem dunkelhaarige Menschen heimlich nachts die Reisekisten überfallen haben sollen. Mit der Panikgeschichte werden weiterhin überflüssige Gaswarner verkauft. Narkoseärzte können da nur den Kopf schütteln.

    Was macht eigentlich der Panther, ist doch bald wieder Sommerlochzeit..?

  3. @diabetiker:

    1. würde eine Menge von 0,3ml reichen? j/n
    2. würde eine subcutane Injektion reichen? j/n

    Eine Menge bzw. subcutane Injektion wovon? Von welcher Substanz reden wir?

    Weder Ketamin noch GHB lassen sich per Spritze unbemerkt verabreichen, dazu ist die wirksame Stoffmenge zu groß. Die einzigen „K.O.-Tropfen“ im unteren Milligrammbereich sind Benzodiazepine, aber die haben eine hohe Halbwertszeit, sind also mehrere Tage nachweisbar.

    https://twitter.com/horridtuna/status/1540727565215707136

    wobei ich beim Impfen auch nichts merke

    Also ich schon, genauso wie ich eine Spritze beim Zahnarzt oder Orthopäden sehr deutlich merke. Das ist weit mehr als nur ein kurzer Stich.

  4. „Also ich schon, genauso wie ich eine Spritze beim Zahnarzt oder Orthopäden sehr deutlich merke.“ Weichei! ;o)

    Gut, da kommen zwei Dinge zusammen:
    1. Schmerz-/Empfindungsschwelle ist sehr individuell.
    2. Diabetiker spritzen sich regelmäßig, das senkt 1. u.U. weiter.

    Wenn man annimmt, dass die Verabreichung mit einem Pen erfolgt, dann kommt noch dazu, dass Pennadeln im Vergleich zu Spritzenkanülen kurz sind. Die kürzesten gängigen Spritzenkanülen sind ca. 12,5mm lang, Pennadeln dagegen selten mehr als 8mm (kann mich nicht erinnern, ob ich schon mal längere abgegeben hab und ob es solche überhaupt gibt, meist sind es 5 – 8 mm).

    Das heißt mit einem Insulinpen ist eine heimliche Verabreichung eher möglich.

    Reichen 0,3 mL aus? Nein, eine typische Dosis wäre etwa 2,5g – 5g GHB + Wasser als Lösungsmittel. Das wäre (mindestens) eine komplette Penfüllung. Sowas kann man kaum heimlich verabreichen – wenn man denn GHB nehmen will.

    Ein kurzwirksames Insulin kann ebenfalls zu Bewusstseinsverlust durch Unterzuckerung führen und davon werden kleinere Dosen benötigt, die man eher im Vorbeigehen verabreichen kann.

    Oder man nimmt Coffea C1000, 1 Globulus in Wasser gelöst – das ist so hochpotenzierter Kaffee, dass man aufpassen muss, dass man nicht einschläft, wenn man das nur anguckt. ;o)

  5. @B.Harder, genau das war ja meine Frage, gib es sowas das in geringer Menge ,sc, so schnell wirkt und nach kurzer Zeit nicht nachweisbar ist. (über Insulin schreibe ich hier nicht da wird schon in muckibuden genug unsinn mit getrieben.

    gibt es das nicht ist die Frage mit nein beantwortet, und entschieden.

    -Orthopäde steht mir noch bevor, aber Impfen ist wie anderes Spritzen vom Ausführnden und von der Erwartung des Nehmers, spürbar(nicht alle können es gut)

  6. @ all:
    Zunächst einmal: Ja, Midazolam (ein kurzwirksames Benzodiazepin) läßt sich hervorragend subkutan injizieren. Eine gut wirksame Dosis von 2,5 mg ist hier in einem Volumen von 0,5 mg gelöst. Verwende ich häufig bei meinen Palliativpatienten gegen Angstzustände in der Sterbephase.

    Eine intramuskuläre Injektion erscheint mir in der Tat (selbst wenn es „nur“ der Deltamuskel des Oberarms sein solte) als Applikationsart doch recht kompliziert. Ein schneller Piekser ins Unterhautgewebe ist hingegen ziemlich rasch gemacht, und die Injektion des Volumes wird deutlich weniger als 30 Sekunden dauern.

    Allerdings wird das ziemlich zwiebeln und nur selten unbemerkt bleiben.

    Was Ketamin angeht, muß ich hier Bernd Harder ausnahmsweise widersprechen: Wenn man sich den Beipackzettel ansieht (https://www.pfizer.de/sites/default/files/FI-1435.pdf), dann wird klar, dass eine deutlich psychotrop wirksame Dosis Esketamin bereits in 0,5 bis 1 ml enthalten ist. Die subkutane Injektion ist zwar nicht zugelassen, aber ohne Gewebeschaden gut möglich. Würde also theoretisch gehen. (Nebenbei: Mehr als 1 ml würde ich ohne sehr guten Grund auf einmal nicht injizieren, da das Volumen sich subkutan nur langsam verteilt, sprich: die Injektion recht unangenehm sein wird.)

    Bezüglich GHB: Hier wird im Waschzettel (https://www.koehler-chemie.de/wp-content/uploads/2018/03/FI_Somsanit_12_2016.pdf) daruf hingewiesen, daß die Lösung hyperosmolar und alkalisch ist. Unabhängig vom relativ hohen Injektionsvolumen ungünstig wegen möglicherweise auftretender (und damit später nachweisbarer) Gewebeirritationen bei Subkutaninjektion.

    Aber:

    Als ich vor einiger Zeit etwas über das Needle-Spiking gelesen habe (leider weiß ich nicht mehr, wo), da kam als zentrales Argument, weshalb es trotz fehlender forensischer Nachweise real sei: Ja, die Schilderungen der vorgeblichen Betroffenen seien so glaubwürdig und eindrücklich, es müsse daher einfach stimmen. – Da schaltete sich bei mir eine Warnleuchte ein.

    Mithin: Technisch und mit bestimmten Substanzen ist es theoretisch machbar, aber ich glaube nicht, daß es tatsächlich geschieht. Außerdem ist eine „klassische“ Beimengung von K.o.-Tropfen ins Getränk für den Täter ja viel unkomplizierter und risikoärmer durchzuführen.

  7. Ergänzung:

    Laut

    https://praxis-suchtmedizin.ch/praxis-suchtmedizin/index.php/de/designerdrogen/allgemeine-infos/nachweisbarkeit-designerdrogen

    ist ein Ketaminkonsum immerhin für mindestens zwei Tage nachweisbar. D.h., es wäre deutlich einfacher als bei GHB, hier einen positiven Nachweis zu führen. Ist bislang aber nicht geschehen in Zusammenhang mit Needle-Spiking.

    Unabhängig davon kann man mit einem Nachweis des Konsums ja nicht die Applikationsform feststellen.

  8. @borstel:

    Vielen Dank für die Erläuterungen.

    Nur eine Frage dazu:

    Bezieht sich diese Angabe in dem Beipackzettel von 0,5 bis 1 ml nicht auf „kg KG“ (also pro Kilogramm Körpergewicht)?

  9. Ja, richtig, aber es geht um Milligramm, nicht um Milliliter.

    Rechnen wir der Einfachheit halber 0,5 mg auf eine 50 kg schwere Person, dann sind wird bei einem Injektionsvolumen von 1 ml mit einer Dosis von 25 mg. In https://drugscouts.de/de/lexikon/ketamin wird eine Dosis von mindestens 15 mg angegeben für einen Effekt.

    Was noch zu bedenken wäre: Ketamin ist ein Racemat aus einem wirksamen und unwirksamen Bestandteil (https://de.wikipedia.org/wiki/Ketamin). Ketanest hingegen ist das reine und wirksame Esketamin.

    Es ist ungefähr doppelt so stark wirksam, wie das Racemat. Entsprechend würden wahrscheinlich schon 12,5 mg = 0,5 ml wirken.

    Und bevor mich jemand falsch versteht:

    Ja, ich könnte ziemlich unkompliziert Ketamin von unserer ITS mopsen (es ist nicht BtM-pflichtig und damit auch nicht gesondert aufbewahrt). Nein, ich habe es noch nie getan. Und ich empfehle auch ganz und gar nicht den Konsum. Habe es selbst auch noch nie probiert und habe das auch nicht vor…

  10. @borstel

    Bei meinen Impfungen gegen Covid19 wurden meines Wissens nur jeweils 0,3 ml verabreicht. Trotzdem hatte ich das Gefühl, dass nicht nur der Einstich, sondern auch die Injektion des Impfstoffs schmerzhaft bzw. deutlich spürbar sind.

    Wenn wir aber nun von 0,5 ml Mindestvolumen ausgehen, die deutlich schneller injiziert werden müssten als eine Impfung, z.B. weil sich das Opfer spontan bewegen könnte und natürlich auch wegen der Entdeckungsgefahr durch Umstehende, gehe ich davon aus, dass ein Täter erst eine Vielzahl von Versuchen bräuchte, bis er endlich ein (vermutlich stark alkoholisiertes) Opfer gefunden hätte, welches nichts vom Angriff mitbekäme.

    Ich gehe dabei von der Annahme aus, dass es deutlich schmerzhafter ist, nur 0,3 ml in ca. 10 Sekunden als 0,5 ml in ca. 2-3 Sekunden verabreicht zu bekommen. Mal ganz abgesehen vom Einstichschmerz.

    Auch dürfte es eine Rolle spielen, ob die Substanz in Wasser oder in isotonischer Kochsalzlösung gelöst bzw. verdünnt wurde und ob die Substanz selbst Irritationen hervorruft.

    Bitte korrigiere mich, falls ich da irgendwo falsch liegen sollte.

    Und außerdem gibt es da noch das Problem, wie man eine aufgezogene Spritze überhaupt unbemerkt transportieren soll, ohne aus Versehen den Spritzenstempel durchzudrücken!

    Eine auf 0,5 ml aufgezogene 1ml-Spritze lässt sich nämlich, selbst mit aufgesetzter Schutzkappe, nicht einfach so in der Hosentasche verstauen. Diesbezüglich käme also vermutlich wirklich nur sowas wie die von @diabetiker bereits erwähnte Injektionshilfe für Diabetiker in Frage,

    Deswegen mein Fazit:

    Ein etwaiger Täter müsste schon völlig bescheuert sein, um sowas bei irgendeinem fremden Zufallsopfer in einem Club, einem Open Air etc. durchzuziehen, weil er damit rechnen müsste, dass in den weitaus meisten Fällen der Pieks und/oder die Injektion vom Opfer oder den Umstehenden bemerkt werden würde.

    Denkbar wäre so ein Vorgehen höchstens bei stark betrunkenen oder anderweitig bereits unter Drogeneinfluss stehenden Opfern.

    Aber davon ist in den Berichten über Needle Spiking ja nicht die Rede.

  11. @TaqMan

    Alles richtig! Eine normale Injektionsspritze hat keinen Sicherungsmechanismus für den Stempel. Und sicherlich wäre der Einstich samt der Injektion schmerzhaft. Ob ein Opfer sich aber an ihn erinnern würde, wäre die Frage, da (von Opioiden abgesehen) alle diskutierten Substanzen eine Amnesie erzeugen können.

    Es stellt sich allerdings auch die Frage, ob man in einen (handlicheren) PEN so einfach anstelle von Insulin eine andere Lösung einfüllen kann. Und das wäre kaum möglich, da sich dieses Injektionssystem nicht einfach beliebig befüllen läßt.

    Wie man es dreht und wendet, es bleibt dabei, daß die ganze Story nicht überzeugend ist.

  12. @TM dein Beitrag läßt mich vermuten daß du an einen geraten bst der das nicht richtig kann, denn ich habe weder bei Grippe noch vier covid was gemerkt, Meine Frau wurde parallel geimpft auch ohne Schmerz. (ja ich bin spritzen gewohnt, lasse im KH mir auch die Spritzen geben und spritze selbst)
    Aber sc wird nur ins Unterhautfettgewebe gespritzt und da sind kaum Nerven die was melden. und die inj von 0,3-o,4 ml dauert nen Knopfdruck.

  13. Mir ist die ganze Diskussion hier schon viel zu medizinisch…

    Als medizinischer Laie muss ich mich auf andere, „banalere“ Fragestellungen konzentrieren.

    Zunächst scheint es ja weit über 1000 Fälle zu geben und bei keinem einzigen ist eine überzeugende Beweisführung möglich? Seltsam.

    Außerdem: es müssten ja auf die ganzen „vollendeten“ Spikings auch eine Vielzahl gescheiterter Fälle kommen.
    Warum gibt es keine Berichte darüber?

    Hat wirklich niemand gesehen, dass da ein Typ mit einer Spritze rummacht?
    Hat wirklich keine der Betroffenen (bzw. deren Begleitung) den Piks wahrgenommen und die Injektion verhindert? Ohne Injektion keine Amnesie; damit wäre das Erinnerungsvermögen nicht beeinträchtigt.

    Keine Anleitungen im Netz entdeckt?
    Keine Personen mit Spritzen und entsprechendem Inhalt aufgegriffen?
    Seltsam.

    Die Erzählungen der Betroffenen glaube ich sofort, aber die Schlussfolgerungen würde ich so nicht ziehen.

    Bin zu skeptisch um die Geschichte zu glauben…

  14. auch ich zweifle an der ganzen Geschichte, daher meine Fragen zur Machbarkeit.

    Aber vor ü 40J kam mein Sohn aus der Schule und hatte mehrere Einstiche im Gesäß.

    Am gleichen Tag war die Mode beendet, und auf meine Frage -weshalb- , einfach so, aus Spaß usw. eigentlich nur zum Ärgern.
    und daran hatte ich mich erinnert.

    -und wer meint eine Spritze zu erkennen soll sich mal den aero ansehn.

    -und wer meint man müßte was merken gehe mal in eine Profishow, und stellt anschließend fest daß geldbörse, Uhr und Brieftasche weg sind „obwohl° man der festen Meinung ist alles extra festgehalten zu haben.

    -und ne Disco mit überlauter Musik, dichtgedrängt, entspr. Lichteffekten, etwas alkoholisiert, da ist nicht viel zu bemerken/zu sehen.

  15. Sehr gute Punkte von Diabetiker.

    Pierre Castell würde da sicherlich zustimmen, dass da sehr viel möglich ist mit entsprechender Übung.

  16. Diabetiker

    „hatte mehrere Einstiche im Gesäß … Am gleichen Tag war die Mode beendet“

    Wie ist das zu verstehen? Wie, wieso, wodurch „mehrere Einstiche im Gesäß“, welche „Mode“?

    „in eine Profishow, und stellt anschließend fest“

    Wieviele (annähernd gut trainierte) „Profis“ wird es wohl geben, die sich solchem kriminellen Risiko aussetzen recht leicht erwischt zu werden, wenn sie dann auch noch wohl Karriere als Profi anstreben? Wenn es -wenn schon- einfachere und risikoärmere Methoden gibt, zB Ko-Tropfen ins Getränk?

  17. @A.. mit dem Versuch verstehend zu lesen, würdest du nich so absurde Fragen stellen.

  18. Gerade eben in Brisant, wurde berichtet, daß mehre Fälle von „Needle Spiking“ in Spanien aufgetreten sind.

    Auch im Spiegel:

    https://www.spiegel.de/panorama/needle-spiking-nadelattacken-in-spanien-gemeldet-a-1cea2c2a-984a-436c-ab63-8fb7e9d41025

    Edit:
    Sorry, jetzt habe ich erst den Kommentar über mir gelesen :-)))

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.