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Gwyneth Paltrow und ihre „Smells Like My Vagina“-Kerze jetzt auch bei Netflix

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Immerhin:

Der eine oder andere Netflix-Abonnent kündigt seinen Vertrag, weil das Streaming-Portal ab dem 24. Januar die Doku-Serie „Goop Lab“ über das Wellness- und Medien-Imperium „Goop“ der Schauspielerin Gwyneth Paltrow ins Programm nimmt.

Vor wenigen Tagen erschien der Trailer zur Serie und er verspricht viel Sendezeit für eben jene Inhalte, für die Paltrow und ihre Marke schon oft kritisiert wurden.

Da ist von Heilbehandlungen mit bewusstseinsverändernden Drogen die Rede, von Exorzismen, von Medien mit übersinnlichen Fähigkeiten und von Orgasmuskursen. Während der Erfolg von Goop suggeriert, dass sich für diese Show viele Zuschauer finden werden (das Unternehmen wurde im Jahr 2018 auf einen Wert von 250 Millionen US-Dollar geschätzt), macht sich Netflix bei einigen Abonnenten damit sehr unbeliebt.

Sie kritisieren, dass der Sender den fragwürdigen bis sogar gefährlichen Gesundheitsratschlägen und unbewiesenen Behauptungen über die Wirkungen esoterischer Quatsch-Behandlungen, die Goop in ihren Augen verbreitet, eine Plattform gibt.

Auch bei Twitter trenden Hashtags wie #SayNoToGoop oder #cancelnetflix. Die Computer-Bild meint sogar, Fans liefen „Sturm“ gegen den medialen Humbug und schreibt von einem „Eigentor“ für Netflix.

Bei anderen Medien herrscht eher ein gewisses Amüsement vor, insbesondere über „das neueste Hype-Produkt ihrer fragwürdigen Firma“: eine Kerze, „die nach ihrer [Paltrows] Vagina riechen soll“:

Sie kostet theoretisch 75 US-Dollar, aber seit darüber berichtet wird, ist sie natürlich restlos ausverkauft. Weil sehr viele Menschen wissen wollen, wie… aber lassen wir das.

Kein Wunder, dass hier und dort darüber spekuliert wird, ob das „Goop“-Unternehmen von Gwyneth Paltrow entweder Verarsche oder aber ein einziger großer Betrug ist:

It’s not clear whether Paltrow intends to scam people with her business or not.

Aber sie mache definitiv jede Menge Geld damit, hochpreisige Placebo-Produkte zu verkaufen. Viele Social-Media-Nutzer würden sie deshalb als „Betrügerin“ und „Schlangenölverkäuferin“ bezeichnen.

No word from Gwyneth!

… hat bislang der kanadische Gesundheitswissenschaftler Timothy Caulfield gehört, der schon 2015 das Buch

Is Gwyneth Paltrow Wrong About Everything? When Celebrity Culture and Science Clash

veröffentlichte (wir berichteten hier). Außer einer allgemeinen Breitseite voller „Ad-hominem-Attacken und kahlköpfiger Heuchelei“ gegen ihre Kritiker hält die schauspielende Unternehmerin sich öffentlich zurück, seit sie 145 000 Dollar wegen falscher Heilsversprechen zahlen musste.

Dem Skeptical Inquirer sagte Caulfield vor zwei Jahren:

Ich würde mich gerne hinsetzen und mit Gwyneth über kritisches Denken sprechen, vielleicht bei einem Kräutertee. Glaubt sie das wirklich? Natürlich dreht sich das meiste nur um den Aufbau ihrer Marke und leider funktioniert es. Goop hat jetzt einen Wert von 250 Millionen US-Dollar.

Vermutlich kein schlechter Ansatz, denn in den USA wird gerade darüber diskutiert, ob nicht auch die massive Kritik an „Goop Lab“ letztendlich Werbung für Paltrows haarsträubenden Unsinn wie „Vaginaleier“ aus Jade und Quarzstein oder Elixiere wie „Psychic Vampire Repellent“ ist. Und wie man am besten dagegen argumentiert.

Im Prinzip ist Caulfield zuversichtlich:

There’s a growing recognition about the harm misinformation can do.

Schließlich sei auch seine eigene aufklärerische TV-Serie „A User’s Guide to Cheating Death“ beliebt und erfolgreich.

Unter anderem bei Netflix.

Zum Weiterlesen:

  • Gwyneth Paltrow kommt zu Netflix – und die Nutzer kündigen, Welt+ am 14. Januar 2020
  • Gwyneth Paltrow verkauft eine Kerze, die nach ihrer Vagina riechen soll, jetzt am 12. Januar 2020
  • Vor Start der Netflix-Serie „The Goop Lab“: Paltrows Vaginal-Kommerz unter der Lupe, derStandard am 14. Januar 2020
  • GOOP, Netflix and Motion Sickness, Skeptical Inquirer am 24. Juli 2018
  • Is Gwyneth Paltrow’s Entire Business One Giant Scam? CheatSheet am 14. Januar 2020
  • Goop enters Netflix Deal: Has Pseudoscience found a new Platform? forbes am 9. Februar 2019
  • Here’s why so many Viewers are outraged about Gwyneth Paltrows New Netflix Series, „The Goop Lab“, CheatSheet am 8. Januar 2020
  • Promi-Kultur à la Gwyneth Paltrow: Hort der Pseudowissenschaft, GWUP-Blog am 1. April 2015
  • Der Promi-Gesundheitskult: Timothy Caulfield im Interview, GWUP-Blog am 21. Juni 2015
  • „Information antibodies“ zu Gwyneth Paltrow und Co.: die „Science Moms“ bei Youtube, GWUP-Blog am 2. August 2018
  • Anne Hathaway prankt Show- Publikum: „Nicht alles machen, was Promis euch sagen“, GWUP-Blog am 25. Januar 2019
  • Glaube, Paltrow, Hoffnung, Spiegel-Online am 16. September 2018

12 Kommentare

  1. Igitt…muß das sein…ekelhaft!
    Zum Glück, versuche ich schon seit Jahren meinen Sexualtrieb – mehr oder weniger erfolgreich – zu negieren, da ich mich schon in jungen Jahren zu einem Verzicht auch Nachkommen entschied.

  2. „… There’s a growing recognition about the harm misinformation can do …“

    Tatsächlich? Wie belegt das der Behauptende? Selbst wenn er irgendwelche „Befragungsdatenerhebungen“ für die Behauptung anbringen könnte:

    wie bringt er die immerfort steigenden Zugriffs- und Follower- und Werbegeld-Zahlen für zigzehntausende von „Influencern“, „Celeb“-Seiten und allgemeinen Vollschrott aller Art mit seiner Behauptung in Einklang?

    *Darunter* eben zum Beispiel auch der Ausverkauf der oben angegebenen Produktserie, kaum dass eine „Celeb“ einen „Tweet“ dazu absetzte???

    Nicht das ich da mißverstanden werde: würde ich irgendeinen der Käufer solcher Schrottprodukte persönlich befragen, wäre ich mir vollkommen sicher, dass ausschließlich „rationale“ Gründe für den Kauf vorgebracht würden. Aber konsumiert wird das Zeug (und unendlich viel anderer Müll) aber eben dann doch auf Teufel komm raus.

  3. Ohrenkerzen waren vorgestern, die Gesäßkerze gestern. Das hier ist nochmals eine raffinierte Steigerung: die Kerzen für Ohren und Hintern waren Scharlatanerieprodukte; Gwynnie’s Dingsbums tut sogar nur so, als sei sie eines. Da muss man erst mal drauf kommen.

  4. War auch bei „Susannchen“ bereits Thema. Interessant ist das Video-Statement von Krista Federspiel
    im österreichischen „Prisma“ dazu:

    https://susannchen.info/?p=597

  5. Ich habe es schonmal erzählt und wiederhole mich jetzt: Chris Martin kann sich glücklich schätzen, von dieser Esotante und Schlangenölverkäuferin geschieden zu sein.

  6. @ RPGNo1:

    Ich gehe noch weiter und behaupte, dass sich sehr viele Männer auf diesem Planeten glücklich schätzen können, nie mit Frau Paltrow verheiratet gewesen zu sein.

  7. Offensichtlich steigt vielen der Sternchen, wie im Fußball, das zu leicht und schnell verdiente Geld gehörig zu Kopf. Ich danke dabei auch gern an den Oberscientologen Tom Cruise, Operierender Megatethan einer mäandernden Milchstrassenfrömmigkeit , die unter dem Gott Xenu schon viele Hirnrinden verbrannt hat. In Hollywood und im Fußball kommen häufig zwei Dinge zusammen: Viel Geld und wenig graue Substanz.

  8. @Christof Sperl: Die für mich entlarvenste Umstand für den Irrsinn der Scientology-Leere (pun intended) ist, dass in einer Southpark-Folge über Scientology (S09E12) die Szenen, in denen die Grundaussagen dargestellt werden, mit einem Untertitel belegt sind, der darauf hinweist, dass es sich um echte Aussagen von Scientology handelt.

    Das muss man sich wirklich auf der Zunge zergehen lassen: Die sind so Irre, dass sogar Southpark extra darauf hinweisen muss, dass es sich nicht um Satire handelt.

  9. @Ralf i.V.
    Es soll (nichtesoterische) Verhütungsmittel geben.
    Hab ich mal gehört.

    Über die Sendung gab es auch einen schönen Artikel (samt Kommentaren) bei Ars Technica:
    https://arstechnica.com/gaming/2020/01/goops-netflix-trailer-paltrow-sinks-into-a-vagina-spews-pseudoscience/

  10. @Ich, wer sonst:

    Gut gesagt!

  11. Da könnte doch Chuck Norris ein Konkurrenzprodukt dagegen setzen:
    Bourbon mit einem Hauch Spermien-Aroma.
    OK, ich mein ja nur;-)

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