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Exzellent, Uni Kiel: Esel totschlagen und häuten für TCM-Spinnereien

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Es gibt gar nicht so viele Bäume auf der Welt, wie man abholzen müsste, um genügend „Goldene Bretter“ auch nur für den gröbsten esoterischen und pseudomedizinischen Unsinn zu zimmern.

Gerade erst hat die MedUni Wien die Homöopathie vor die Tür gesetzt – da bietet die Christian-Albrechts-Universität zu Kiel diese Veranstaltung an:

„Feasting on Donkey Skin“?

Ja – es geht um irgendwelche abartigen TCM-Rituale mit Eselshaut.

Und die haben es in sich, schreibt Cornelius Courts im Science-Blog BlooDNAcid:

Esel werden totgeschlagen und ihnen wird die Haut abgezogen, um daraus eine Art Gelatine, genannt “Eijao“, zuzubereiten, die mit viel Eifer und Gleichgültigkeit gegenüber den Eseln, dafür aber, wie gewohnt, ohne jede Evidenz für ihre Wirksamkeit in der TCM und für diverse andere Produkte verwendet wird.

Ob das zur vielgepriesenen „Exzellenzstrategie“ der Uni Kiel gehört?

Die Vortragende hat übrigens keinerlei medizinische Vorbildung, sondern hat so etwas wie Regionalwissenschaften Ostasien studiert und ihr Hauptinteresse liegt bei der “Geschichte der (Körper)Flüssigkeiten in China”. Nuff said.

Wer jetzt vom vielen Kopfschütteln Schmerzen bekommt, ist herzlich zur persönlichen Psychohygiene bei den Skeptikern Nord eingeladen:

Am Montag (3. Dezember) ist Stammtisch im Restaurant Gutenberg in Kiel.

Zum Weiterlesen:

  • Esoterik an der Kieler Universität – Schreckliche Eseleien! BlooDNAcid am 27. November 2018
  • Die WHO erkennt TCM an – Ein gefährlicher Widerspruch, BlooDNAcid am 12. Oktober 2018
  • Geht der Medizin-Nobelpreis 2015 an die Traditionelle Chinesische Medizin? GWUP-Blog am 20. Oktober 2015
  • Vortragsvideo: Traditionelle Chinesische Medizin, GWUP-Blog am 1. März 2014
  • Tradition, Tradition … heute: Traditionelle Chinesische Medizin, Psiram am 11. November 2014
  • Psiram: Hochschulen mit pseudowissenschaftlichen Lehr- und Forschungsinhalten
  • Pseudowissenschaft an deutschen Universitäten – Ein Doktor in Elfenkunde!?, Ratgeber-News-Blog am 22. Januar 2014
  • Chinesische Medizin: Millionen Esel müssen für Naturmedizin sterben, Berliner Zeitung am 31. Dezember 2017
  • China Power and Influence, edzardernst am 9. Mai 2018
  • Lindsey Fitzharris: Der Horror der frühen Medizin. Suhrkamp 2018, 276 Seiten, 14,95 €

13 Kommentare

  1. „Eine stetig wachsende Zahl aktueller und angehender Absolventen der CAU machen sich Sorgen um den Ruf ihrer Alma Mater und das wissenschaftliche Ansehen ihres Abschlusses und wollen das nicht länger hinnehmen.

    Unkritischen Veranstaltungen zu Homöopathie und anderen Pseudowissenschaften darf an der CAU kein Raum geboten werden.

    Kontroverse Diskussionen gehören fraglos zum wissenschaftlichen Diskurs. Nicht aber Werbeveranstaltungen zu Themen, die sich den Prinzipien der wissenschaftlichen Methode widersetzen.“

    http://www.der-albrecht.net/denkverbote-statt-diskurs-an-der-cau/

  2. @Martina:

    Also ich kann der Ankündigung nichts Kritisches entnehmen:

    Frau Dr. Köhle hat in London und Harvard studiert und wird mit Jahresbeginn 2019 als Research Assistant Professor, am History Department, Hong Kong Baptist University (HK) fungieren.

    In ihrem Vortrag behandelt sie ein gegenwärtig höchst aktuelles Thema der Medizin in China, die neue Lust auf alte Haut:

    Aus der Haut eines Esels kann Gelatine oder auch Eselshautleim (ejiao 阿膠) gewonnen werden, welches bereits seit über 1500 Jahren ein wichtiger Bestandteil der chinesischen Apotheke ist und als Stärkungsmittel für Blut und andere Körpersäfte gilt. Es kann krankheitsschwachen Patienten als Stärkung der Lebenskraft verschrieben, aber auch von Gesunden als ein vorbeugendes Mittel eingenommen werden.

  3. Ach entspannt Euch doch, das ist lediglich die Fortsetzung der guten alten mittelalterlichen Dreckapotheke in Europa (mit Segen der WHO, die die TCM in die neue ICD-11 übernehmen möchte).

    Außerdem, wo bleibt das Fleisch der Esel? Wenn es genauso gut wie Pferd schmeckt, dann sehe ich hier eine Win-win-Situation: Hogwarts a.d. Förde kriegt die Gelantine und ich die Bouletten.

  4. @ borstel:

    Eben. Esels-Entrecote ist was ganz Feines.

  5. Ich gestehe, die Profiteur*innen der div. Aberglauben gehen mir nur etwas mehr auf die Nerven als Menschen, die automatisch Fleischverzehrwitze machen. Die armen Tiere, ganz ohne Ironie und Sarkasmus. Die haben nicht die Möglichkeit der Aufklärung und der Flucht.

  6. @ Bernd Harder:

    Wenn Gelatine oder auch Eselshautleim nicht gerade für so einen Blödsinn verwendet würden, wäre dagegen gar nichts einzuwenden.

    Wenn wir lange genug recherchieren, finden wir für solche Erzeugnisse mit Sicherheit eine vernünftige Verwendung. Von Schlachttieren wird ja generell auch noch der allerletzte Rest in irgend welche Produktionskanäle geschleust (Gummibärchen sind nur die vorletzten…), die allemal sinnvoller sind als solche strange brews.

  7. @ Wednesday:

    „Die armen Tiere, ganz ohne Ironie und Sarkasmus. Die haben nicht die Möglichkeit der Aufklärung und der Flucht.“

    Und bis zur Schlachtung werden sie gehegt und gepflegt, haben immer genug zu fressen, sind perfekt durchgeimpft, und wenn der Tod kommt, kommt er zumindest in den meisten Betrieben in Mitteleuropa schnell und gnädig daher.

    Wildlife-Romantik ist da durchaus nicht angebracht.

  8. https://hpd.de/artikel/abgeschnittenen-vorhaeuten-gegen-alternde-gesichtshaut-16248

    Das Simili-Prinzip schlägt aber hier nicht zu..

    Nein das nicht aber das „von-für-Dumm-verkaufen-Prinzip, weil es wahrscheinlich nicht genug Vorhäute gibt und da kann man ja was ähnliches -Similutionsmaterial. verwenden.

    Frage an die Experten kann man Globuli zu einer Säuglingsvorhaut umwandeln? Grins

    2Fliegen mit einer Klappe!

  9. @noch’n Flo. Was soll das, mir Wildlife-Romantik vorzuwerfen? In dem oben genannten Beispiel, s. verlinkter Artikel BlooDNAcid, wird das Vorgehen gegen die Esel im hohen Mass unappetitlich und anscheinend sehr sadistisch. Da kann man sich natürlich auch so Gedanken über den Empathiezustand dieser TCM-Anhänger*innen machen.

    Kann es sein, daß man als seltener Gast schnell in eine Ecke gestellt wird?

  10. @ Wednesday:

    „Kann es sein, daß man als seltener Gast schnell in eine Ecke gestellt wird?“

    Nur, wenn man sich nicht vernünftig selber positioniert.

  11. Ach du liebe Güte! Da will ich ja fast hoffen, daß der Artikel erfunden ist – aber dem wird (leider??) nicht so sein.

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