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Horror-Kettenbriefe: Virale „Geister“ drohen mit Tod und Verstümmelung

| 8 Kommentare

Youtube-Kanäle wie CreepyPastaPunch oder MythenAkte haben einen neuen Star:

Momo, der virale Geist.

Dahinter verbirgt sich ein WhatsApp-Kettenbrief, in dem eine angeblich vor drei Jahren verstorbene Gruselgestalt namens „Momo“ mit Tod und Verstümmelungen droht, wenn ihre Nachricht nicht an „15 Kontakte“ weitergeleitet wird.

Klar: Das ist zunächst einmal nichts weiter als der übliche Kettenbrief-Käse aus unserer Kindheit, wie zum Beispiel die „Glückskette“:

Damals musste man für diesen Nonsens vom mühsam angesparten Taschengeld 20 Briefmarken kaufen. Heute läuft das Ganze über die sozialen Medien.

Aber das ist nicht der einzige Unterschied.

Früher ging es maximal darum, dass man im Falle der Nichterfüllung „krank“ werden oder „den Job verlieren“ sollte. Mittlerweile kommen die Verwünschungen deutlich horribler daher:

So auch unsere „Momo“:

Mimikama zufolge stellen diese Gruselgeschichten mit Todesdrohungen vor allem für Kinder durchaus ein Problem dar,

… weil sie fürchten, dass die Drohungen wahr werden könnten. Sie können die einschüchternden Inhalte schlecht beurteilen, leiten diese vorsorglich an ihre WhatsApp-Kontakte weiter und tragen so zur großen Reichweite der Kettenbriefe bei. Vor allem Kinder im Volksschulalter werden zunehmend von Kettenbriefen überhäuft.“

Zudem gebe es einzelne Berichte über eine angebliche Kontaktaufnahme durch „Momo“, zum Beispiel aus dem spanischsprachigen Raum, berichtet die Berliner Morgenpost:

Auf Kontaktaufnahmen von mimikama.at habe aber keiner der angeblichen „Momo“-Kontakte reagiert. Dass sich das Thema aktuell so verbreitet, liege wohl eher an Trittbrettfahrern. Auch einzelne Youtuber gehen mit teils reißerischen Videos zu dem Thema auf Klickfang.“

Letzteres ist zwar richtig. Aber sogar bei den Creepypasta- und Mystery-Kanälen wird das Thema durchaus nicht völlig unkritisch behandelt.

Die MythenAkte etwa inszeniert zunächst einen atemlosen „Momo“-Kontakt – um dann (ab Minute 4:15) ganz nüchtern zu erklären:

Natürlich werden jetzt einige sagen, das ist gefakt. Voll schlecht geschauspielert und so. Und ja, ihr habt natürlich recht, das ist gefakt! Und alle diese Videos, die gerade auf Youtube erscheinen, sind gefakt. Man kann das ganz leicht und schnell machen, wie ich euch das in diesem Video beweisen konnte.“

Und auch CreepyPastaPunch appelliert an die User, jede „Momo“-Nummer direkt zu blockieren,

… die euch anschreibt. Ihre Waffe ist die Angst von euch. Wenn ihr keine Angst vor ihnen habt, seid ihr auf der sicheren Seite. Ihr helft dann dabei, diesen dämlichen Trend im Keim zu ersticken.“

Möglicherweise stecken auch Cyberkriminelle hinter den Trittbrettfahrer-Accounts, die den Hype auszunutzen versuchen.

Aber woher kommt das WhatsApp-Profilbild von „Momo“ überhaupt – jene …

… Fratze mit weit aufgerissenen Augen und einem Lächeln, bei dem der Joker neidisch werden würde“?

Von einer Statue in der Vanilla Gallery in Tokio, die einen „Yokai“ verkörpert. Das sind Figuren des japanischen Volksglaubens mit teils tierischen und teils menschlichen Zügen.

Am Umgang mit solchen Kettenbriefen hat sich indes nichts geändert. Auch heute gilt nach wie vor:

Das Portal klicksafe rät grundsätzlich dazu, solche und andere Kettenbriefe via Whatsapp einfach zu löschen. Mit Kindern sollte außerdem kurz der Inhalt besprochen werden – und auch, was eine unbedachte Weiterleitung bei Freunden an Ängsten auslösen könnte.

Die Ängste ihrer Kinder sollte Eltern dabei zwar ernst nehmen, ihnen aber auch erklären, dass nichts Schlimmes passiert, wenn man einen Kettenbrief oder eine Ketten-Whatsapp-Nachricht nicht weiterschickt.“

Auch Mimikama hält „Tipps zum kompetenten Umgang mit Kettenbriefen“ bereit.

Zum Weiterlesen:

  • Bedrohliche Kettenbriefe in WhatsApp – der Angstmacher unter Kindern, mimikama am 18. Juli 2017
  • Kettenbriefe in WhatsApp: Lieb, betrügerisch oder doch bedrohlich? mimikama am 25. Oktober 2016
  • Todesdrohung auf WhatsApp schüchtert nicht nur Kinder ein, mimikama am 13. April 2018
  • Achtung: Todesdrohungen über Whatsapp-Kettenbrief, mimikama am 14. Juni 2017
  • „Kettenbriefe in WhatsApp“ bei Klicksafe
  • „Tipps zum Umgang mit Kettenbriefen in WhatsApp“ bei Klicksafe
  • Was steckt hinter dem Grusel-Account „Momo“ bei Whatsapp? stern.de am 25. Juli 2018
  • Polizei warnt vor „Momo“-Kettenbrief, Welt-Online am 4. August 2018
  • Whatsapp-Kettenbrief „Momo“: Lesen, lachen, löschen, morgenpost am 1. August 2018
  • Horror-Anrufe von Momo: Polizei warnt vor WhatsApp-Kettenbrief, giga am 2. August 2018

8 Kommentare

  1. Wirklich gruselig ist vor allem die Rechtschreibung. :-D

  2. Gar nicht auszudenken, wie sehr schwache, leichtgläubige und ängstliche Menschen (vermutlich nicht nur Kinder) unter diesen Horrortexten leiden.

    Die Urheber der Horror-Kettenbriefe sollte man mal … – nein, ich schreibe es besser nicht öffentlich!

    Was gibt es doch für grausame perverse Hirne auf dieser Welt! Einfach nur widerlich.

  3. Der (vernünftige) YouTuber LeFloid stellt einiges klar zu dieser Momo-Geschichte in diesem aktuellen Video (ab Minute 1:45) :
    https://www.youtube.com/watch?v=v97hWnIHETk

  4. @Udo Endruscheit:

    Danke, ich schaue es mir gerne mal an.

    Aber „vernünftig“? Zur „Blue Whale Challenge“ zum Beispiel hat LeFloid totalen Bullshit erzählt.

  5. @ulf_der_freak
    Die eigenartige Orthografie ist denn aber eher Stil als Unvermögen.

    Vor allem Trolle benutzen sie, um den Eindruck eines ungebildeten, naiven Menschen in Kommentaren zu hinterlassen. Manchmal wird man den Eindruck nicht los, dass die Mehrzahl der Kommentare auf z.B. rechtsoffenen Wutbürgerseiten und -profilen von Leuten stammen, die sich einen Spaß daraus machen, deren naiven Unverstand zu parodieren und trotz teils drastischer Karikatur ernste Antworten zu bekommen.

    Aber auch abseits davon praktizieren Leute Standardverletzungen als Distinktionsmittel, vielleicht ähnlich dem aus den 90gern bekannten -ah statt -er oder xx statt chs aus der linken Punkecke.

    A.K.

  6. Der Grusel-Account „Momo“ erschreckte diesen Sommer viele WhatsApp-Nutzer. Jetzt wird im Namen des falschen Geistes ein verhängnisvoller Kettenbrief verbreitet, der in Frankreich wohl das erste Todesopfer forderte. Was Eltern beachten sollten, um ihre Kinder vor der perfiden Psychomasche zu schützen.

    https://www.focus.de/digital/handy/kettenbrief-bei-whatsapp-momo-challenge-wie-eltern-ihre-kinder-vor-dem-grausamen-spiel-schuetzen-koennen_id_9894694.html

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