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Die „Hellseherin“ Maria Duval und eine der größten Betrugsmaschen der Geschichte

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Vor neun Jahren entdeckte ich zum ersten Mal bewusst eine Anzeige von ihr – ausgerechnet in einer Orthopädie-Zeitschrift.

Von Maria Duval, der „größten Hellseherin der Welt“.

Eigentlich unvorstellbar, dass man mit solchem Humbug Geld machen kann. Und zwar viel Geld. Richtig viel.

CNN spricht sogar von einer der langlebigsten und erfolgreichsten Betrugsmaschen aller Zeiten. Über zwei Jahrzehnte habe Duval in mehr als einem Dutzend Länder Kohle eingesammelt. Allein in den USA und Kanada seien mehr als 200 Millionen Dollar zusammengekommen.

Laut Psiram funktionierte das so:

Unter dem Namen Maria Duval (“Clairvoyant of Paris”) und mit einem seit Jahrzehnten ähnlichen Konterfei versehen werden in verschiedenen Ländern in offenbar betrügerischer Absicht Rundsendungen verschickt. Vorgeblich persönliche Anschreiben benachrichtigen die Empfänger über angeblich hellseherisch erkannte, bevorstehende Ereignisse (zum Beispiel Lotteriegewinne).

Wer auf die Briefe reagiert, erhält Rechnungen oder Nachnahmesendungen, die bei Empfang bezahlt werden müssen. Auch werden Gutscheine versandt, die mit Angaben zur eigenen Person ausgefüllt zurückgesandt werden sollen. Rücksender erhalten anschließend viel Werbung für Produkte des Esoterikmarkts (v.a. astrologische Angebote).

Die auf diese unlautere Weise gewonnenen Adressdaten werden weiterverkauft. Wer Anschreiben beantwortet, muss mit noch mehr Post von Versicherungen, Lotterien, Esoterikshops oder Hellsehern rechnen.“

In den USA haben mittlerweile die Justizbehörden Maria Duval den Versand von Briefen und Mails mit dubiosen Heilsversprechen (z.B. bei psychischen Problemen) untersagt. Seit 2016 hat sich auch ein CNN-Team an die Fersen der „Hellseherin“ geheftet.

Vor zwei Jahren konnten die Reporter Maria Duval in der französischen Gemeinde Callas ausfindig machen – sie kamen allerdings nicht über die Türschwelle des großzügigen Anwesens.

Die CNN-Leute blieben dran. Und über Duvals Sohn Antoine Palfroy kam kürzlich doch noch ein Treffen zustande.

Die ganze Geschichte gibt’s in dem Buch

A Deal with the Devil: The Dark and Twisted True Story of One of the Biggest Cons in History“

zu lesen, das diese Woche in den USA erscheint.

Die Key Facts kann man indes einem großen Vorab-Artikel bei CNN entnehmen:

Maria Duval (eigentlich Carolina Maria Gambia) ist heute 81 Jahre alt und offenbar demenzkrank. Sie mit den Aussagen und Schicksalen ihrer zahllosen Opfer zu konfrontieren – vorwiegend ältere, einsame Frauen – war den Journalisten daher nicht möglich.

Duval hatte als ortsansässige Hellseherin mit der üblichen Eigenwerbung („Zusammenarbeit mit der Polizei“ etc.) begonnen und später als internationale Tournee-Wahrsagerin einige Bekanntheit erlangt.

Duval beziehungsweise ihr Sohn behaupten, sie habe vor Jahren die Rechte an ihrem Namen der Firma „Astroforce“ verkauft, die zunächst im Astro-Business tätig war, dann jedoch den Massenversand von Briefen im Namen Maria Duvals als Geschäftsmodell etabliert habe.

Mit der kriminellen Abzocke des Unternehmens will Duval nichts zu tun gehabt haben. Antoine Palfroy behauptet, seine Mutter habe lediglich „die Kontrolle über ihren Namen verloren“.

Von den Abermillionen, die im Namen Maria Duvals ergaunert wurden, will sie selbst „nicht einmal ein Prozent“ bekommen haben. Allerdings wäre auch das bereits eine erkleckliche Summe.

Die CNN-Reporter gehen davon aus, dass Duval tatsächlich nicht die Leitung des verflochtenen Firmenkonglomerats mit Rädelsführern in Thailand, Monaco und der Schweiz innehatte – schreiben aber von konkreten Beweisen, dass sie durchaus aktiv in den Betrug involviert war:

Her wealth and fame had not been enough for her. She’d wanted more. And that’s what the scam was built upon: a desperate desire for more, and a willingness to believe in promises too good to be true.“

Das Ende dieser Story ist höchst unbefriedigend – für den Leser wie auch für die Journalisten selbst, die nach dem Interview …

… verzweifelt nach irgendwelchen letzten Hinweisen“

suchen.

Aber es gibt keine. Und sehr wahrscheinlich auch keine Gerechtigkeit, keine Wiedergutmachung.

Zum Weiterlesen:

  • Maria Duval: The Scam, the Psychic and the Sin of Wanting More, cnn am 26. Juli 2018
  • Maria Duval: Dollarzeichen in den Augen, GWUP-Blog am 12. Oktober 2009
  • Finger weg von Hellseherin Maria Duval, volksstimme am 3. Dezember 2011
  • Maria Duval, Hellseherin – Finger weg von Blendern und Abzockern, Aufklärungsgruppe Krokodil
  • Sind Hellseher sympathisch? GWUP-Blog am 30. September 2012
  • Sind Hellseher seriös? GWUP-Blog am 1. Oktober 2012
  • Sind Hellseher anerkannt? GWUP-Blog am 2. Oktober 2012
  • Sind Hellseher Schwindler? GWUP-Blog am 2. Dezember 2012

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