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Mit den „Spinnern“ Geld verdienen: Sonnenglobuli und Erzengel-Produkte

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Was sind das eigentlich für Leute, die „energetische Sonnenglobuli“ zur „Chemtrail-Entgiftung“ anbieten? Und wieso dürfen die das überhaupt?

Der Branchendienst Apotheke adhoc hat den Mann hinter dem Anbieter „Sonnenherz“ („Feinstoffliche Globuli, Essenzen & Öle – Universelle Lebensenergie für die ganze Familie“) in Lüdenscheid besucht. Und dabei ebenso Erstaunliches wie Deprimierendes zutage gefördert:

Registrieren muss [Thomas] Müller seine Produkte nicht, denn juristisch sind sie keine Homöopathika – geschweige denn Arzneimittel –, sondern Lebensmittel. „Chemisch gesehen sind das ja nur Zuckerkügelchen“, räumt er ein. Die versprochene Wirkung komme erst durch ebenjene Frequenzen: Die Globuli-Rohlinge bestellt er bei Amazon, nimmt einen Träger der Frequenz – meist Steine oder Flüssigkeiten – und überträgt die Schwingungen mittels Meditation auf die Globuli.

14,95 Euro kostet das dann beispielsweise für 5 Gramm „Amethyst-Globuli“ oder 24,95 Euro für das „600 in 1 Multi-Energie-Globuli Maximum Flow“. Mit den wissenschaftlichen Standards der Schulmedizin hat das nichts zu tun – dessen ist er sich vollkommen bewusst […] Seine Globuli würden nicht chemisch oder physikalisch wirken, sondern rein emotional.“

So gesehen, können wir uns nur wünschen, dass möglichst viele Chemtrail-Gläubige den Artikel lesen, denn:

Zu den Spinnern zählt er [Müller] auch die Anhänger der Chemtrail-Theorie, eine der bekanntesten Verschwörungstheorien unserer Zeit. „Ich halte das für dummes Zeug“, stellt Müller klar. Dennoch: Geld kann man damit verdienen. 14,95 Euro kosten 5 Gramm.“

Fazit: Nirgendwo steht geschrieben, dass man sein Geld mit harter, ehrlicher Arbeit verdienen muss.

Zum Weiterlesen:

  • Sonnenherz: Glaube statt Pharmakologie, apotheke adhoc am 12. Juni 2018
  • Gewerbsmäßiger Betrug? Im Wunderland der Globuli, die kolumnisten am 25. Februar 2016
  • Ex-Homöopathin: „Globuli sind Betrug am Patienten“, Berliner Kurier am 24. Juli 2015
  • So finden Homöopathen ein neues Mittel: Game of Thrones und vergewaltigte Engel, GWUP-Blog am 12. Juni 2016
  • Einhorn-Essenzen und Werwolf-Diäten, GWUP-Blog am 9. Februar 2014

12 Kommentare

  1. Damit komme ich klar. Das ist zumindest ein ehrlicher Mensch.

  2. Der Mann ist ehrlich, dass muss man ihm lassen. Kein Geschwurbel, offene Aussagen („chemisch gesehen … Zuckerkügelchen, “ [mit] wissenschaftlichen Standards … hat das nichts zu tun“, „dummes Zeug“).
    Wer jedoch immer noch auf irgendeine Wirkung hofft und für den Zucker soviel Geld ausgeben möchte, dem ist nicht mehr zu helfen.

  3. Hmmmm… also die ganzen Esokram-Hersteller dürfen ja per Gesetz keine spezifische Wirksamkeit versprechen, so sie nicht in Studien erwiesen wurde. Das kennt die geneigte Kundin ja schon von anderen Produkten, von denen sie ebenfalls sicher weiß, dass sie trotzdem wirken. Der Mann benutzt ja auch all dieselben Buzzwords. Das passt schon.

    Dazu kommt, dass lt. Studien doch auch „Placebo mit klarer Ansage“ statistisch noch etwas besser abschneiden als „keine Behandlung“.

    Oder das Ganze ist in Wirklichkeit ein sozialwissenschaftliches Experiment. Oder der Mann arbeitet an einem Enthüllungs- oder Veräppelungsbuch. Oder er hat eine „damit kommst Du NIEMALS durch!1!!“ – Wette am laufen.

    Oder es ist einfach so, wie es da steht, ohne irgendeinen Twist. Das wäre aber irgendwie schade.

  4. Das nenne ich mal Chuzpe. Ich hätte damit zwei Probleme. Erstens meine Integrität, zweitens meine Frau, die mir die Hölle heiß machen würde. Aber trotzdem, die Geschäftsidee hat was.

  5. @ RPGNo1
    „Der Mann ist ehrlich, dass muss man ihm lassen“

    Das muss man Ihnen lassen, Ihr moralischer & ethischer Standard ist nicht zu unterbieten.

    Der Mann nutzt ahnungslose/schlichte Menschen schamlos aus und nur weil er wirkungslose Produkte an den Mann, die Frau bringt, dies zugibt, gilt er Leuten Ihres Schlages als ehrlich.

    D. h. die, die mit dem Enkeltrick wehrlose Alte übertölpeln und ausrauben, können sich Ihnen gegenüber bereits ehrlich machen, indem sie einfach zugeben Strolche zu sein, die ältere Menschen um ihre Ersparnisse bringen.

    Sie sind nicht mehr zu unterbieten.

  6. Irgendwie finde ich es schlimmer, dass der Mann kein Eso mit Sendungsbewusstsein ist, sondern ein Geschäftemacher, der die (Leicht)Gläubigkeit anderer ausnutzt.
    Andererseits macht er das schon sehr geschickt. Er weist darauf hin, dass er keine Heilung versprechen DARF, was bei der entsprechenden Klientel natürlich wie gewünscht ankommt.

    Entgiftung von Chemtrail-Toxinen ist natürlich großartig. Ist eine Art Heilversprechen – aber da es die Grunderkrankung nicht gibt, dürfte er auf der sicheren Seite sein.

  7. @Michael/RPGNo1:

    „„Der Mann ist ehrlich, dass muss man ihm lassen“

    Nun ja, ich gehe sehr stark davon aus, dass das eher sarkastisch gemeint war.

  8. Interessant. Wir können wohl davon ausgehen, dass er sich den ganzen „Übertragungsprozess“ spart und die Kügelchen lediglich neu verpackt. Produktionskosten = 0, also maximal möglicher Gewinn.

  9. @Michael

    Was ist dein Problem?

    Der Mann ist ein Schlangenölverkäufer. Er gibt im Interview offen zu, dass er Schlangenöl verkauft. Er bewirbt das Schlangenöl im Internet. Die Leute sind trotzdem dazu bereit, ihm das Geld in den Rachen zu werfen. In diesem Sinn ist er ehrlich. Punkt.

    Und falls dir der Unterschied zwischen „ehrlich“ und „ehrbar“ nicht bekannt ist, da habe ich für dich ein paar passende Links.

    „ehrlich“: ohne Verstellung; aufrichtig, offen
    https://www.duden.de/rechtschreibung/ehrlich

    „ehrbar“: (bürgerlich) ehrenhaft, achtbar; der Sitte gemäß [lebend] und achtenswert
    https://www.duden.de/rechtschreibung/ehrbar

    Also ehrlich, ja. Ehrbar, nein.

  10. @ Rene Goeckel:

    „Ich hätte damit zwei Probleme. Erstens meine Integrität, zweitens meine Frau, die mir die Hölle heiß machen würde.“

    Willkommen im Club! Manchmal verfluche ich den Tag, als ich im Internet zum ersten Mal auf eine Skeptiker-Seite stiess. Vorher war ich solchem Schnüss gegenüber durchaus aufgeschlossen.

    Ich hätte so schön so leicht so viel Geld verdienen können.

  11. Ja, persönliche Integrität ist schon sch****. Man könnte ohne sie auf sehr viel besseren finanziellen Polstern sitzen bzw. es in der Politik zu etwas bringen.

    *Das war Sarkasmus.*

  12. @ RPGNo1:

    „*Das war Sarkasmus.*“

    Nö, traurige Realität.

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