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Wer hätte das gedacht: Homöopathie-Artikel bei Focus-Online sind bezahlt

| 23 Kommentare

Natürlich glaubten wir keine Sekunde, dass der Schmarrn, den Focus-Online sich gestern über „Tierhomöopathie“ zusammengeschmiert hat, ein seriös recherchierter redaktioneller Beitrag war – dazu braucht man nur kurz die Autorin zu googeln.

Die Dame schreibt zusammen mit einem Arzt Homöopathie-Bücher. Und „interviewt“ dann ihren Koautor zum Thema Homöopathie. Für Focus-Online.

Trotzdem schön, dass Stefan Niggemeier heute das Ganze bei Über Medien aufgreift.

Kurz die Fakten:

Der gestrige Schrieb „Alternative Tiermedizin“ gehört zu einem vorgeblichen „Special Naturheilkunde“, hinter dem sich indes ein sogenanntes „Editorial Branded Hub“ verbirgt, das Focus-Online „in Kooperation“ mit der DHU gestartet habe. Ein „Editorial Branded Hub“ sei ein eigenes Ressort, das ein Werbekunde bekommt und präsentiert:

Ein solches „Hub“ kostet laut Unternehmensbroschüre von Burda Forward mindestens 95.000 Euro netto ab drei Monaten. Dafür gibt es standardmäßig sechs gesponserte Artikel plus mindestens neun redaktionelle Artikel.“

Um den vollständigen Bericht von Niggemeier zu lesen, kann man ein Abo/Probeabo bei Über Medien abschließen.

In einer Woche ist der Beitrag frei verfügbar.

Zum Weiterlesen:

  • „Focus Online“ hilft beim Einstieg in die Homöopathie, Über Medien am 16. Mai 2018
  • Werbung – aufgepasst: Versteckte Homöopathie, GWUP-Blog am 4. Januar 2018
  • Homöopathie-Berichterstattung: „Aus meiner Sicht ist das Pharmawerbung“, Spiegel-Online am 6. Dezember 2016

23 Kommentare

  1. Zum kongenialen Partner der Autorin von „Alternative Tiermedizin“ in „Focus online“, dem von Ihnen erwähnten Arzt, gibt es noch viel Größeres zu berichten:

    Schauen Sie mal rein in
    http://www.bildderfrau.de/gesundheit/heilmittel/article209723673/Homoeopathie-und-ihre-Mittel-Die-sanfte-Heilkunde.html

    Dort behauptet er:

    „…was die Schulmedizin erst so langsam für sich in Anspruch nehmen kann, ist seit jeher eines der Grundprinzipien der Homöopathie: Sie berücksichtigt bei jeder Behandlung, dass Arzneien von jedem Patienten ganz individuell verstoffwechselt werden und demnach auch unterschiedlich wirken“.

    Das ist die Erklärung für den Mechanismus der Homöopathie und für ihre Überlegenheit! Jeder Patient hat seinen eigenen Stoffwechsel !

  2. Wiesenauer wird damit auch noch unter den „seriösen Homöpathen“ (Oxymoron, jaja, hier aber nur illustrativ verwendet) unmöglich werden. Sachen wie „Entschlacken mit Homöopathie“ entbehren ja nun wirklich der Sachkenntnis (oder der Redlichkeit) sowohl auf homöopathischer als auch auf ärztlicher Seite…

    Dass er jetzt die bunte Scheinblütensammlung der „Thesen“ zur Wirkung der Homöopathie mit dem Comic verstärkt, die individuelle Ausrichtung der Homöopathie sei Folge der „individuellen Verstoffwechselung“ der Mittel, haut mich allerdings nochmal gesondert fast vom Stuhl. Also doch materielle Wirkung – und was ist mit Hochpotenzen? Oder mutiert Wiesenauer grad zum Vorsitzenden der „Gesellschaft für C4-Homöopathie“? (Die gibt es tatsächlich.)

    Nunja, Wiesenauer ist immer für einen Gag gut. Er ist ja auch meines Wissens der einzige „homöopathische Forscher“, der zu seinen eigenen Arbeiten ein eigenes Review geschrieben hat. Nur schade, dass in den anderen großen Reviews seine Arbeiten wegen methodischer Mängel keine Berücksichtigung fanden.

    Fazit: Wiesenauer ist einer, den ich als Polypragmatiker bezeichnen würde. Egal was, egal wie, Hauptsache – Homöopathie. Und bringt Kohle. Und den nimmt die DHU in ihre Dienste…

    Bei der Homöopathiefraktion scheint es zuzugehen wie im alten Rom: Panik et circensis…

  3. „Bei der Homöopathiefraktion scheint es zuzugehen wie im alten Rom: Panik et circensis…“

    Wie meinte noch Imperator Vespasian? „Pecunia non olet“
    Hr. Wiesenauer, Fr. Knapp und die DHU halten sich nur fest an diesen alten Grundsatz.

  4. Und die Person, die entscheidet, welche Kommentare zur Homöopathie-Werbung erscheinen dürfen, wird offenbar auch vom Globulisten bezahlt. Und ist wohl angesichts meines bissigen Kommentars bunt angelaufen, und weg war er…

  5. Im „Bild der Frau“-Artikel (S. Beitrag Dr. Hartmut Berger) steht auch:

    „Die Studienlage spricht auch hier eindeutig für die Homöopathie. Denn würden ihre Therapieerfolge lediglich auf einer „eingebildeten“ Scheinwirkung beruhen, dürften homöopathische Arzneimittel schließlich nicht in der Apotheke verkauft werden.“
    Das ist m. M .n. grobe Irreführung, hier wird die Apothekenpflicht als Wirkungsnachweis missbraucht,
    also Homöopathika raus aus den Apotheken.

  6. Das ist andersrum: Homöopathika müssen IN die Apotheke, um die Leute vor sich selbst zu schützen vermittels Beratung, Aufzeigen von Grenzen der Selbstmedikation. :P

    Da ist in manchen Fällen was dran (ich z.B. rate den Leuten gerne von Homöopathika ab), aber eine Kollegin von mir ist das genaue Gegenteil; die rät gerne auch zu Homöopathika, im Zweifelsfalle auch begleitend zu echter Medizin.

    Daher ja, Homöopathika raus aus der Apoheke. Wird aber nicht geschehen. Im schlechtesten Fall gibt es dann Pharmaziepraktiker, die sich auf den Verkauf und die Beratung zu Homöopathika spezialisieren.

  7. Nochmal zu dem von mir oben angegebenen Artikel „Bild der Frau“: Hat denn niemand die Sprengkraft der dortigen Aussage zum Stoffwechsel erkannt?

    So wie es 2 Medizinen gibt – Schulmedizin und Homöopathie – mit 2 Wirkungsträgern – Molekülen und Information – so gibt es 2 Stoffwechselarten: Schulbiochemie und Homöopathobiochemie mit Verstoffwechselung von Molekülen bzw. Information. Seit Hahnemann die größte Neuentdeckung in der Homöopathie: Verstoffwechselung von Information !

    Und damit die bedeutsame Entdeckung, wie integrative Medizin am besten zu haben ist: Anwendung von mittleren Potenzen, wo gleichzeitig noch Moleküle und Information verstoffwechselt werden.

    Hochpotenzen ade.

  8. @ Dr. Hartmut Berger:

    Dafür sollte es ganz dringend den diesjährigen Medizin-Nobelpreis geben.

  9. @Dr. Hartmut Berger:
    Ich habe die Brisanz wahrgenommen, aber nicht wirklich erkannt. Das ganze Gebilde der Homöopathie ist so voller Irrsinn, da fällt einer mehr nicht so richtig auf.

  10. Homoeopathie-Forschung in Vollendung. Ressourcen-sparend und das Hirn wird auch geschont. Ausser man möchte die Homoeopathie verstehen. In Quantenphysik bin ich nämlich schwach.

  11. WTF???

    „Nachtrag, 18. Mai. „Focus Online“-Mitarbeiterin Sabine Knapp, Co-Autorin der Bücher „Homöopathie für Schwangerschaft und Babyzeit“ und „Entschlacken mit Homöopathie: Selbstheilung aktivieren, Beschwerden heilen“, legt Wert auf die Feststellung, dass die Behauptung, sie glaube an Homöopathie, nur meine Annahme sei.“

    https://twitter.com/niggi/status/997400534855438336

  12. @Bernd Harder
    Wieso WTF?
    Sabine Knapp ist lediglich ehrlich und gibt offen zu, dass es ihr in ihrem Geschäft darum geht, naive Menschen zu betuppen und besch**ßen und ihnen die Kohle aus der Tasche zu leiern und um gleichzeitig den eigenen Bekanntheitsgrad zu steigern. ;)

  13. Also jetzt mal ehrlich, habt ihr von einem Burda-Blatt tatsächlich was anderes erwartet? Warum sollte es bei Focus anders laufen als bei Bunte, Lisa oder Freundin? In so einem Fall sprach Harry Rowohlt immer davon, dass „das typische Burda-Blech“ abgelassen wurde.

  14. @Onkel Michael:

    Na ja, „Burda-Blech“ a la Bunte oder Lisa (ich nehme an, im Sinne von schlechten, seichten, sinnfreien etc. Artikeln gemeint?) ist immer noch etwas anderes als gekaufte Redaktion, die nicht als solche kenntlich gemacht wird.

  15. Wo bleibt eigentlich der journalistische Anspruch dieser Mietschreiberlinge? Das grenzt ja schon an Prostitution.

  16. @noch’n Flo:

    Warum sollte die Autorin eines Homöopathie-Buchs, die ihren Koautor interviewt, einen journalistischen Anspruch haben?

    Die ist ja nicht mal bei Focus-Online angestellt.

  17. @ Udo Endurscheit: Danke für den Hinweis mit der C4-Gesellschaft: https://www.c4-gesellschaft.de/newpage1#C4Homoeopathie – ich möchte unbedingt auch das haben, was die da rauchen!

  18. @ borstel: Ja, kann ich verstehen. „Verreibungsresonanzphänomene“ müssen was Tolles sein…

  19. Ein Skandal (aber leider schon seit Jahren gängige Praxis). Ich würde so etwas Betrug am Leser nennen.

    Eine Schande für den wahren Journalismus.

  20. @Pierre Castell:

    Man könnte mittlerweile den Verdacht haben, dass überall vorgebliche Homöopathie-Artikel in Wahrheit bezahlte Werbung sind, z.B.:

    http://www.thueringer-allgemeine.de/startseite/detail/-/specific/Zeulenrodaer-Stadtapotheke-Kleine-Kuegelchen-sind-mehr-als-ein-Placebo-1126660089

    So schlecht kann man eigentlich gar nicht arbeiten, nicht mal als Praktikant.

  21. @ Bernd Harder:

    Gilt das eigentlich schon als „Lügenpresse“ oder ist das noch einfacher Auftragsjournalismus? ;-)

  22. Jetzt auch in der „Eltern“.
    Als Verlags-Sonderveröffentlichung sind hier fünf Seiten von Sabine Lotz veröffentlicht. Über die anderen Tätigkeiten der Autorin steht da natürlich nichts.

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