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„What’s in – find out!“: INH und GWUP starten hochdotierte Homöopathie-Challenge

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Der Startschuss fällt heute in einer Woche bei unserem „Skeptical“ in Köln:

Nichts drin, nichts dran? Homöopathen können jetzt das Gegenteil beweisen – und sich damit zugleich 50.000 Euro sichern. Dieses Preisgeld zahlt die Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften (GWUP) demjenigen aus, der als Erster es schafft, den hochverdünnten homöopathischen Wirkstoff in unbeschrifteten Globuli-Fläschchen korrekt zu benennen. Die Ausschreibung endet am 30. April 2020.

Der Hintergrund

Homöopathie-Kritiker verweisen darauf, dass homöopathische Arzneimittel keinerlei physiologische Wirkung haben können, weil ab einem bestimmten Verdünnungsschritt nicht ein einziges Molekül des Ausgangsstoffes mehr darin enthalten ist. Homöopathen vertreten dagegen die Überzeugung, dass eine wie auch immer geartete „Information“ der Grundsubstanz auf das Lösungsmittel übergeht. Für diese Behauptung, die allen Erkenntnissen der Wissenschaft widerspricht, fordert die GWUP zusammen mit dem Informationsnetzwerk Homöopathie (INH) einen Beleg.

Der Ablauf

Ausbezahlt wird der Preis, wenn es einem Bewerber gelingt, drei Homöopathika in Hochpotenz (ab D24/C12) seiner Wahl zu bestimmen, die nach dem Zufallsprinzip auf insgesamt zwölf unbeschriftete Fläschchen verteilt werden. Die Methode ist dabei frei wählbar. „Die Kandidaten können modernste Analysegeräte benutzen, aber auch Verfahren wie Pendeln oder Kinesiologie anwenden“, erklärt GWUP-Vorsitzender Amardeo Sarma. Um die 50.000 Euro zu erhalten, müssen in zwei Durchgängen elf von zwölf Flascheninhalten identifiziert werden.

Spezifische Eigenschaften?

„Schafft ein Bewerber das, wäre dies von weitreichender Bedeutung“, unterstreicht Sarma: „Der heutige Kenntnisstand der Naturwissenschaften müsste dann als falsch oder zumindest grob unvollständig betrachtet werden. Gelingt es jedoch niemandem, die angeblich aufgeprägte Information der Urtinktur in den Globuli nachzuweisen, ist das ein starkes Indiz dafür, dass die spezifischen Eigenschaften homöopathischer Arzneimittel nicht existieren – und damit ein konkreter therapeutischer Nutzen nicht gegeben ist.“

Die vollständige Ausschreibung der Globuli-Challenge kann beim INH angefordert werden.

Zum Weiterlesen:

  • Das Skeptical 2018 in Köln: „Busting the Bullshit“, GWUP-Blog am 9. April 2018
  • SkepKon 2018: Die Konferenz für Wissenschaft und kritisches Denken, GWUP-News am 3. Mai 2018
  • 50.000 Euro für einen Nachweis homöopathischer Wirkprinzipien, GWUP-News am 3. Mai 2018

25 Kommentare

  1. Pingback: Challenge (not) accepted? Nachweis-Wettbewerbe von Parawissenschaften - Ein Glas Rotwein

  2. Das mit den unbeschrifteten Fläschchen ist natürlich ein Problem. Da geht ein wichtiger Teil der „Informationsmedizin“ verloren. Wären sie ordnungsgemäß gekennzeichnet, wie in der Apotheke, würde ich mir das zutrauen ;-)

  3. 11 von 12, und das zweimal hintereinander. Seid ihr gemein, das läßt dem Zufall ja gar keine Chance! ;-)

  4. @ pederm:

    Man könnte einen Wettbewerb vorschalten.

    Der Homöopath, der die Wahrscheinlichkeit, die Challenge durch Raten zu lösen, richtig ausrechnet, darf es in einem dritten Durchgang (nicht verknüpft mit den beiden anderen) noch mal versuchen.

    Die Homöopathin, die richtig ausrechnet, wie sich dadurch ihre Chancen verändern, bekommt noch einen. Wer nicht erklären kann, warum der zweite Durchgang die Chancen verringert, der dritte sie erhöht, fliegt gleich raus.

    Skeptiker, die bei der Challenge zuschauen wollen und das auch nicht erklären können, zahlen ein Jahr doppelten Beitrag ;-)

  5. Sehr schönes Experiment. Ich wage ein paar Vorhersagen:

    -Es wird angezweifelt werden, dass man den Gewinn tatsächlich erhielte, schaffte man den Test.

    -Der Test wird irgendwie verschwörungstheoretisch beurteilt (Farmermafia, wasweißichwasdenenalleseinfällt).

    -Sollte jemand tatsächlich am Test teilnehmen, dann wird er/sie scheitern.

    -Das Scheitern wird dann aber den Umständen angelastet, nicht der prinzipiellen Unmöglchheit des Erfolges.

    Das einzige, was ich nicht vorhersagen mag: Werden sich Teilnehmer finden? Dafür spricht die große Selbstüberschätzung, die bei den Homöopathen vorherrscht. Dagegen die Tatsachen, die vielleicht auch in deren Liga irgendwie verinnerlicht sind.

    Ich hoffe jedenfalls, das dieser Test eine sehr große Bekanntheit erreicht, ich finde, es lohnt sich.

  6. Falls es jemand versucht, wovon ich nicht ausgehe, wird er scheitern und sich damit herausreden, in den Fläschchen wären nur Zuckerkügelchen enthalten.

  7. >> Das mit den unbeschrifteten Fläschchen ist natürlich ein Problem. Da geht ein wichtiger Teil der „Informationsmedizin“ verloren <<

    Die Anmerkung ist schlauer, als Sie dachten, Herr Kuhn! Eine neue Theorie über einen möglichen materiellen Wirkmechanismus homöopathischer Arzneien geht davon aus, dass die ominöse "Information" nicht in den Globuli, sondern tatsächlich im Etikett steckt und über die visuelle Wahrnehmung und das vorhandene Vorwissen (DESHALB die gründliche Anamnese!!) auf psychosomatischem Wege genau so und genau dort im Körper wirksam wird, wie behauptet und intendiert.

    Da können die Kügelchen ruhig alle chemisch identisch sein: Macht nix.

    Ich nehme stark an, dass die versammelte typographische, psychologische, neurologische, physiologische und biochemische Kompetenz in der GWUP ausreicht, um aus dieser Idee ein schickes Paper mit fettem Fußnotenkorpus zu zaubern und irgendwo publiziert zu kriegen.

    Nur dass es dann wahrscheinlich einen Haufen Dösbaddel gibt, die das ernstnehmen werden und losjubeln, siehe Verallgemeinerte Quantentheorie.

    Der Sokal-Hoax konnte ja wieder eingefangen werden, der Wakefield-Hoax leider bis heute nicht.

  8. @ 2xhinschauen:

    Eine neue Theorie über einen möglichen materiellen Wirkmechanismus homöopathischer Arzneien geht davon aus, dass die ominöse „Information“ nicht in den Globuli, sondern tatsächlich im Etikett steckt und über die visuelle Wahrnehmung und das vorhandene Vorwissen (DESHALB die gründliche Anamnese!!) auf psychosomatischem Wege genau so und genau dort im Körper wirksam wird, wie behauptet und intendiert.

    Das würde auch erklären, weshalb man Symptome auch durch Aufmalen von (homöopathisch inspirierten?) Symbolen wirksam behandeln kann. Oder weshalb das Tragen eines Stücks Papier mit der Aufschrift „Arnica C30“ oder so dieselbe Wirkung haben kann wie das tatsächliche Verabreichen der betreffenden Globuli.

    Oder, letztlich, wieso Homöopathie auch über den Fernseher funktioniert.

    Hat es ja alles gegeben, und jetzt wissen wir (zwar nicht dass, aber) wie es funktioniert. Dafür gibt es sicher einen Nobelpreis, wenn nicht für Medizin, dann doch für Esoterik ;)

  9. Eine Frage, steht das Geld tatsächlich zur Verfügung? Es ist ja sehr unwahrscheinlich, dass jemand den Test besteht, aber eben nicht unmöglich.

  10. Prima. Dann weiß ich ja, wo mein GWUP-Beitrag gelandet ist :-)

  11. Wie wird eigentlich über die Treffer und Fehlschläge informiert? Schrittweise nach jedem Fläschchen oder am Ende auf einmal? Falls schrittweise, kann das zu interessanten Strategien im Umgang mit den letzten Fläschchen führen.

  12. @gnaddrig

    Danke fürs Weiterdenken! Dank Dir wird mir gerade erst klar, wieso die (beim Kügelchenumsatz alles überwiegende) Selbstmedikation so brandgefährlich ist, etwa wenn man sein Repertorium nicht auswendig parat hat: Die Information steckt ja im Etikett und wird nicht im Kopf erst noch in das umgewandelt, was man jetzt gerne hätte oder bräuchte.

    Die Theorie macht klare Vorhersagen, da kommt kein unkontrollierbarer, willkürlicher Informationswandlungsprozess drin vor. Und dann nimmt man versehentlich ein Mittel gegen Haarausfall, hat aber gar keinen, statt gegen den Schnupfen, den man hat. Und ZACK! – löst das Simileprinzip Haarausfall aus, während die Nase erstverschlimmert munter weitertrieft.

    Oder so. Neue Theorie. Noch nicht 100% konsistent. Womöglich fallen ja nur die Nasenhaare aus. Weiterer Forschungsbedarf! Das ganze Zeug, das bei Gesunden die Symptome überhaupt erst auslöst, gehört sowieso auf der Stelle verboten.

    Natürlich nur, wenn die Homöopathie recht hätte.

  13. @Olaf Ramge:

    Nö, extrabudgetär …

  14. Ist doch völlig simpel. Ich sach nur – Kaulquappen ohne Gliedmaßen + Stoppuhr -> Zeit messen, bis die hüpfen und schon hat man die Potenz. Wurde doch schon alles erforscht.

  15. @Bernd Harder
    Verstehe. Der schwarze Koffer von der Pharmaindustrie :-)

  16. @Bernd (nicht Harder)
    Hätte die Person damit nicht automatisch gewonnen? Es wurde dann ja richtig benannt, was in den Fläschchen ist.

    @Bernd Harder
    Wird das ganze dann notariell begleitet werden? Sonst kann natürlich auch die Ausrede kommen, dass gemauschelt wurde und das eigentlich richtige Ergebnis nur nicht anerkannt wurde. Analytisch kann man ja hinterher schlecht nachweisen, was in welcher Flasche war.

  17. @Christian Becker:

    Ich zitiere mal die Ausschreibung:

    „Die Codierung erfolgt durch einen vereidigten Notar, der durch ein Zufallsverfahren ausgewählt wird.“

  18. Tschuldigung. Habe nur den Artikel hier gelesen, nicht die volle Ausschreibung. Asche D12 auf mein Haupt! :D

  19. Wo bleiben denn nun die Horden der sich selbst überschätzenden Homöopathen, die sich freudig auf diesen – für sie doch eigentlich superleichten – Test melden?

    Wenn niemand kommt, geben doch damit ALLE zu, dass ihre Mittelchen ununterscheidbar und damit leer sind. Wenn sich ein paar trauen und versagen (ich gehe mal davon aus, dass sie versagen), ist die Beweislage genauso desaströs.

    Dürfen die als „Test“ die Mittel auch nehmen und die darauf erfolgenden Symptome als Quelle der Bestimmung nutzen? Oder sie entsprechenden Kranken geben und bei einer erwarteten „Erstverschlimmerung“ das Mittel bestimmen? Wie lange würdet Ihr auf die Ergebnissse warten?

    Ich finde diese Challenge super. Wenn ich genügend Geld hätte, würde ich den Preis noch aufstocken.

  20. @Christian Becker:

    Die vollständige Ausschreibung gibt’s auch nur auf Anforderung.

  21. @ Alle:

    Die Bedingungen dieser Ausschreibung / Herausforderung werde ich auf dem Publikumstag der SkepKon in Köln am 10. Mai vorstellen. Dann wird auch die Webseite freigeschaltet, auf der die Informationen ersichtlich sind. Ebenso das laufende Berichtswesen zu den einzelnen VErsuchen.

    Bis dahin: Bitte Geduld!

  22. Pingback: Psiram » Psirama – Der Psiram-Wochenrückblick (KW18, 2018)

  23. Challenge (not) accepted? Nachweis-Wettbewerbe von Parawissenschaften:

    https://einglasrotwein.de/challenge-not-accepted-nachweis-wettbewerbe-von-parawissenschaften/

  24. Die Homöopathen werden das schon schaffen. Sie werden sich diese bahnbrechenden Erkenntnisse erchanneln und erpendeln ;)

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