Heilpraktiker-Debatte im Südwestrundfunk: „Scharlatane oder Alternativ-Mediziner?“

Sachen gibt’s …

Zum Beispiel einen harmoniebedürftigen SWR-Moderator, der vor einer Live-Debatte zwischen einem der Hauptautoren des Münsteraner Memorandums und einem Heilpraktiker-Funktionär ernsthaft geglaubt hatte, seine Sendung werde mit der allseitigen Übereinkunft enden, dass die “Alternativmedizin” eine sinnvolle Ergänzung zur “Schulmedizin” sei …

Hier geht’s zum Podcast (zirka 45 Minuten).

Ein ausführliches Interview mit Dr. Christian Weymayr gibt es auch im neuen Skeptiker (3/2017), der nächste Woche erscheint.

Zum Weiterlesen:

  • Liebe Heilpraktiker, „überzeugt uns, dass Ihr gebraucht werdet. Oder lasst es“, GWUP-Blog am 4. September 2017
  • Faule Rosinen aus der Heilpraktiker-Debatte, Gesundheits-Check am 1. September 2017
  • „Ekelhafte Lobbyistenaktivität“: Münsteraner Kreis zu den Heilpraktiker-Vorwürfen, GWUP-Blog am 22. August 2017

44 Kommentare zu “Heilpraktiker-Debatte im Südwestrundfunk: „Scharlatane oder Alternativ-Mediziner?“”


  1. 1 RPGNo1 13. September 2017 um 14:50

    “Ralf Caspary ist aufgewachsen in der Nähe von Düsseldorf und dann Frankfurt am Main. Nach dem Abitur Studium der Germanistik, Philosophie und Kunstgeschichte in Mainz, 1989 Volontariat beim damaligen SWF.” (Quelle: https://www.swr.de/swr2/programm/swr2-moderatoren-ralf-caspary/-/id=661104/did=2004682/nid=661104/1dhghzp/index.html)

    Ah ja, das Studium sagt alles.

  2. 2 Martina Rheken 13. September 2017 um 16:13

    Der Heilpraktiker bekommt Schnappatmung und ist anscheinend aufrichtig fassungslos gegenüber den Forderungen des Münster-Memorandums.

    Der SWR-Wissenschaftsredakteur kann sich nicht entscheiden zwischen wissenschaftlicher Redlichkeit (“Homöopathie ist Unsinn”) und Hörer-Anbiederung (“Das Memorandum ist unglaublich arrogant”).

    Herr Weymary ist eigentlich gut, ruhig, freundlich. Mitunter hätte es etwas kürzer und prägnanter sein dürfen.

  3. 3 Bernd Harder 13. September 2017 um 16:16

    @Martina:

    Tja, wenn die Heilpraktiker sich mal auf Wadenwickel und sonstigen Erkältungsbeistand beschränken würden, wie Wilms am Schluss weismachen wollte.

    Darauf hätte man in der Tat vehementer kontern können.

  4. 4 Martina Rheken 13. September 2017 um 16:22
  5. 5 noch'n Flo 13. September 2017 um 17:27

    @ Martina Rheken:

    Leider versteckt sich auch dieser Artikel mal wieder hinter einer Bezahlschranke.

  6. 6 skeptikus 13. September 2017 um 21:46

    Der Heilpraktikerlobbyist geschenkt, unreflektiert und peinlich. Aber dass der SWR Wissenschaftsredakteur sich gleich so parteiisch positioniert, ohne das gut zu begründen.

    Das Herr Weymayr so ruhig geblieben ist. RESPEKT.

  7. 7 Frank Wittig 14. September 2017 um 09:17

    Ihr macht es Euch etwas zu einfach, finde ich. Hier eine Kopie meines Pots bei Natalie: Frank Wittig Hi Natalie, ich habe dieselbe Position vertreten, die ich auch bei unserem ersten Treffen vertrat: Es gibt viele “Störungen” des Wohlbefindens, die sich nicht mit Pharmazie oder dem Skalpell behandeln lassen. Psychosomatisch. Und dann gibt es viele Menschen, die sich von Heil-Konzepten überzeugen lassen, die nicht naturwissenschaftlichen Standards entsprechen. Und innerhalb dieser Konzepte Hilfe finden. Du hast es doch selbst erlebt. Als erfolgreiche Homöopathin. Dass Du nach Deinen Recherchen sagst: “Ich kann das nicht mehr machen, weil ich nicht mehr daran glaube und das Gefühl hätte, ich belüge meine Patienten” ist sehr ehrenhaft. Dass Du aber diese erfolgreiche Heilpraxis ablehnst und bekämpfst, ist für mich nicht nachvollziehbar. Ihr macht aus “Wissenschaftlichkeit” einen Fetisch. Vielleicht werft Ihr mal einen Blick auf die “Dialektik der Aufklärung”
    Horkheimer und Adorno haben zusammen diese Essay-Sammlung herausgegeben: Bei Wikipedia (Du liebst das ja, Natalie „smile“-Emoticon:-) ) heißt es dazu in einer ersten Annäherung:
    “Angesichts des Triumphs von Faschismus und Monopolkapitalismus als neuen Herrschaftsformen, denen die Gesellschaft keinen nennenswerten Widerstand entgegensetzt, unterziehen die Autoren den Vernunftbegriff der Aufklärung einer radikalen Kritik. […] . Aufgrund dieses „Herrschaftscharakters“ der Vernunft sei die Aufklärung, obwohl sie eigentlich die mythische Weltsicht überwinden wollte, in der modernen Gesellschaft in eine neue Mythologie zurückgeschlagen. Diese „Verschlingung von Mythos und Aufklärung“ (Habermas)[1] habe nicht einen Befreiungs-, sondern einen universellen Selbstzerstörungsprozess der Aufklärung in Gang gesetzt. Diesem Prozess durch „Selbstbesinnung“ und Selbstkritik der Aufklärung Einhalt zu gebieten, ist ein zentrales Motiv der Autoren.”
    Da hat man mal was, zum drüber nachdenken … liebe Grüße –

  8. 8 Bernd Harder 14. September 2017 um 11:24

    @Frank Wittig:

    Horkheimer und Adorno zu zitieren, macht Geschwurbel nicht unbedingt sachbezogener.

    Dr. Weymayr hat Ihnen noch während der Sendung erklärt, worum genau es geht:

    Wenn Leute meinen, sie müssten jenseits von jeder Rationalität und Begründbarkeit zu einem “Heiler” gehen (Sie nannten das in der Sendung “Schamanismus”) – dann sollen sie das halt tun.

    Nur darf Mumpitz nicht mit Prädikaten wie “geprüft”, “staatlich anerkannt” etc. geadelt werden. Aus dem simplen Grund nämlich, damit Menschen, die eben nicht wissen, womit und mit wem sie es zu tun haben (und das sind meiner Erfahrung nach viele), nicht fälschlicherweise glauben, in einer völlig seriösen Praxis zu sein, die nach geprüften, belegten und anerkannten Kriterien arbeitet.

    Das Ziel ist also Patientenschutz bzw. eine Verbrauchertäuschung im Gesundheitsbereich zu beenden.

    Jeder hat das Recht auf seine persönliche Irrationalität. Und jeder kann sein Geld ausgeben, wofür er will.

    Er/sie sollte nur *wissen*, worauf er/sie sich einlässt.

    Und das ist derzeit nicht gegeben. Selbst Homöopathie-Fans wissen nicht, was Homöopathie überhaupt ist, und selbst jahrelange Heilpraxen-Besucher haben oft keine Ahnung, in wessen Hände sie sich da begeben.

    “Da hat man mal was, zum drüber nachdenken.”

    Aber Sie nennen uns “arrogant”?

    Denken Sie ernsthaft, dass das völlig neu für uns ist und wir uns darüber noch nie Gedanken gemacht haben?

  9. 9 Natalie Grams 14. September 2017 um 11:41

    Dann poste ich hier meine Antwort – Rest findet sich auf meiner Chronik (allerdings nicht öffentlich).

    Lieber Frank. Zunächst danke, dass du dich gemeldet hast. Deine Vorwürfe wundern mich dennoch.

    Denn was bedeutet denn “Wissenschaftlichkeit”? Doch nichts anderes, als dass man mit einer dem Forschungsgegenstand (“Mensch”) angemessenen Methode überprüft, ob das was man über ihn aussagt, stimmt, oder über seine Funktionen.

    So haben wir also gute Gründe, Wirksamkeit von Therapien oder Medikamenten mit klinischen Studien zu überprüfen.

    Oder wir haben Naturgesetze, die uns wissen lassen, ob etwas theoretisch möglich ist oder nicht. Viele Methoden von HPs widersprechen solchen Naturgesetzen, das heisst, sie KÖNNEN nicht wirksam sein – über psychologische, wie Du sagst schamanische, Prinzipien hinaus.

    Studien gibt es meist überhaupt nicht. Wie also können wir hier davon ausgehen, dass HPs etwas Gutes tun? Es gibt doch – außer Anekdoten – gar keine Belege dafür.

    Dass Vodoo und Wertschätzung Menschen gut tun, ist doch aber auch gar kein Frage und ja, das habe ich auch erlebt und gelebt. Aber ist das Medizin? Heute würde ich ganz klar sagen: Nein. Das ist jedermanns Privatsache. Wie Glauben eben auch.

    (Anmerkung: Frank Wittig schrieb, dass HPS dazu raten zur Schulmedizin zu gehen, wenn Gefahr im Verzug ist) Und tun sie das auch? Sorry, aber ich habe mit vielen, vielen HPS zusammen in Fortbildungen gesessen und weiß sehr gut, wie die gegenüber “der Schulmedizin” eingestellt sind.

    Bis auf wenige Ausnahmen – und die haben nichts gegen eine Reform des HP-Wesens! – hassen und verdammen die alles was mit “Schulmedizin” zu tun hat – oder haben keinerlei Ahnung davon.

    Ich fürchte, da machst Du Wölfe zu Schafen.

  10. 10 Martina Rheken 14. September 2017 um 11:50

    Hallo Herr Wittig,

    ich nehme an, Sie sind der SWR-Wissenschaftsredakteur aus der Sendung?

    “Und dann gibt es viele Menschen, die sich von Heil-Konzepten überzeugen lassen, die nicht naturwissenschaftlichen Standards entsprechen.”

    Sind Sie denn der Überzeugung, dass jedes Bedürfnis von irgend jemandem auch unbedingt befriedigt werden muss?

    Was ist mit Gurtpflicht, Schulpflicht etc.?

    Soll man das auch freistellen, weil viele Menschen sich vom Sicherheitsgurt eingeengt fühlen und viele Eltern ihre Kinder lieber zu Hause unterrichten würden?

    Bis wohin, wie weit wollen Sie die Absenkung von “naturwissenschaftlichen Standards” treiben?

    Zurück in die Vor-Aufklärung?

    Und was genau heißt “überzeugen lassen”? Sie formulieren im Passiv. Heißt das, Ihnen ist völlig klar, dass das Bedürfnis nach Schamanismus erst von den Schamanen selbst geweckt wird?

    Und Ihre Antwort darauf ist nicht eine Stärkung der “guten” Medizin, in der Patientenbedürfnisse ersnt genommen und erfüllt werden können sondern die Förderung der Schamanen?

  11. 11 Udo Endruscheit 14. September 2017 um 12:49

    Auch hier zeigt sich einmal mehr: Jede, aber auch jede Gegenrede gegen das Münsteraner Memorandum wird verdorben durch Whataboutism, durch den unterschwelligen Vorwurf, man wolle etwas “verbieten” (nein, man will nur unberechtigte Schonbezirke beseitigen), einerseits sei der Patient doch ach so mündig, andererseits auch wieder nicht…

    Und über das, was Heilpraktiker wirklich tun, kann man so lange trefflich streiten, wie man es überhaupt nicht wirklich belegen kann. Opfert man ein, zwei Stunden und wandert man durch etliche HP-Seiten, zeigt sich allerdings der Beweis des Anscheins, dass weit überwiegend nicht evidente Verfahren und Mittel bis weit in den Bereich der Esoterik hinein angeboten werden.

    Zudem setze ich einmal meine ganr persönliche Erfahrung (ja, ich weiß, kein allgemeingültiger Maßstab)gegen die Ansicht, man wolle wirklich ein Nebeneinander mit der wissenschaftlichen Medizin und man sei in der Lage, rechtzeitig zur Schulmedizin zu überweisen (was ja bestenfalls ein Anzeichen dafür wäre, dass der HP eine Einsicht darin hätte, dass seine Methoden nur Trittbrettfahrer der Selbstheilungskräfte sind).

    Ich erlebe in Diskussionen und Kommentarzuschriften vielfach eine völlige Ablehnung, ja Verteufelung der “Schulmedizin”. Da ist eine Front, nicht mal ein Waffenstillstand.

    Ich ziehe einmal einen Vergleich heran, der vielleicht ganz gut illustriert, worum es geht. Die Rechtsberatung ist bei Strafe allen untersagt, die nicht als Rechtsanwälte zugelassen sind. Selbst Menschen, die z.B. Wirtschaftsjura studiert und abgeschlossen haben, ist jegliche Rechtsberatung untersagt.

    Die Begründung hierfür ist, dass staatlicherseits ein Schutz des Bürgers vor Vermögens- und sonstige Schäden durch nicht fachgerechte Rechtsberatung gewährleistet werden müsse. Bitte dies mal gegen die Situation Ärzte ./. Heilpraktiker abwägen.

    Schäden aus einer möglichen falschen Rechtsberatung, auch von Leuten, die durchaus eine Qualifikation in die Waagschale werfen könnten, sieht der Staat als gesetzlich schutzwürdig an. Schäden an Gesundheit, Leib und Leben nicht?

  12. 12 Norbert Aust 14. September 2017 um 13:29

    Wie ich auch schon auf der FB-Seite von Natalie Grams geschrieben habe:

    Wenn Ihre Position zur Homöopathie auch bei den Homöopathen vertreten würde, hätte wohl niemand ein Problem damit.

    Aber: die Homöopathie wird aktiv beworben – leider auch von Ärzten – als wäre sie eine wirksame Therapieform:

    “Homöopathie hilft bei allen Krankheiten, die keiner chirurgischen oder intensivmedizinischen Behandlung bedürfen. Ein sorgfältig ausgewähltes Arzneimittel heilt schnell, sanft, sicher, nebenwirkungsfrei und dauerhaft auch schwere, akute und chronische Erkrankungen … für die sonst nur Linderung, aber keine Heilung möglich ist. Dies gilt auch für akute Krankheiten bakterieller und viraler Natur.”

    Das stand lange auf der Webseite von Cornelia Bajic, Chefin des DZVhÄ. Dass das keine Einzelmeinung ist, kann man an vielen Stellen nachlesen. Wenn Homöopathen ohne Grenzen und Hemmungen auch Ebola mit Homöopathie behandeln wollen.

    Und warum muss ein Homöopathikum so aussehen wie ein richtiges Arzneimittel, wenn es nur darum geht, Menschen von dem “Konzept zu überzeugen”?

  13. 13 Martin 14. September 2017 um 13:59

    Vielleicht sollten Sie sich,Herr Wittig, einmal mit diesen Menschen,die diese “Heilkonzepte” anbieten befassen.

    In diesem Land kann jeder Scharlatan der sich dazu berufen fühlt oder dringend Geld benötigt Schamane werden.Damit hat er einen Freibrief um an der Psyche anderer Menschen herumzupfuschen und seine eigene psychische Klatsche dort auszukurieren.(Psychisch Kranke können sozusagen psychisch Kranke behandeln).

    Psychologen müssen Jahre studieren,bevor sie Menschen behandeln dürfen.

    Diese PlastikSchamanen haben Narrenfreiheit weil diese einfältige Gesellschaft diese Zunft kritiklos aufwertet und voller Ehrfurcht vor diesen Märchenerzählern erstarrt.

    Kommen sie in die Realität zurück und sehen sie, dass mit dem Schamanentum für Scharlatane eine riesige unkontrollierbare Marktlücke geschaffen wurde,wo jeder weltfremde Spinner Psychotherapie nach seinem Ermessen betreiben kann und darf.Ich selbst habe im übrigen vor dem historischen Schamanismus Respekt.

    Aber heute ist ja der Schamanismus ein einträchtiges Geschäftsmodell…

  14. 14 Michael Fischer 14. September 2017 um 14:32

    Hallo Herr Wittig,

    da hat man mal was zum drüber nachdenken…nur leider haben es Historiker weniger mit den Thesen der Dialektik der Aufklärung.

    “Roy Porter, Fachmann für Sozialgeschichte des 18.Jahrhunderts, hat die Horkheimer-Adorno These schlicht “historischen Unsinn” genannt.”(aus: Der Spiegel – Geschichte, Ausgabe 2/2017).

  15. 15 Bettina Frank 14. September 2017 um 14:40

    Kopiere ebenfalls mein Posting von Natalie Grams Seite mal hierher:

    Frank Wittig, es wurde hier schon vieles gesagt, was man nicht wiederholen und bekräftigen muss.

    Dieses Gespräch empfand ich als eine einzige Katastrophe und einen Schlag ins Gesicht für jeden aufgeklärten Menschen. Es war im Grunde eine reine Eso-Veranstaltung, die wirklich nur peinlich ablief. Dem Einzigen, der wirklich vernünftig und im Sinne unserer heutigen modernen Zeit argumentierte, Christian Weymayr, pflichtete niemand bei.

    Erst dachte ich tatsächlich an eine einfach nur missglückte Sendung, aber wenn ich Sie nun hier argumentieren sehe, ist mir klar, dass Sie voll hinter dem stehen, was Sie auch gesagt haben.

    Ihnen scheint vieles aus der Eso-Szene nicht gewahr zu sein, sonst würden Sie als Medizinjournalist nicht so eine, sorry, absurde Haltung einnehmen. Es ist bekannt, dass Heilpraktiker-Anwärter fast ausnahmslos die moderne Medizin ablehnen, sich gegen das Impfen aussprechen und bei ihren “Patienten” diffuse Ängste schüren oder bereits vorhandene aktiv bestätigen.

    Es gibt in Heilpraktikerschulen auch praktische Anleitungen, wie man sich am besten verstellt, um durch die Prüfung zu kommen und nicht gleich als Gefahr für Patienten erkannt zu werden.

    Wenn so eine Haltung von einem Arzt/Medizinjournalisten kommt, ist sie ungleich schwerwiegender und enttäuschender. Da könnte einem manchmal fast der Mut verlassen, ob all diese Aufklärungsarbeit denn überhaupt Sinn macht.

  16. 16 klauszwingenberger 14. September 2017 um 15:19

    @ U. Endruscheit:

    “Die Rechtsberatung ist bei Strafe allen untersagt, die nicht als Rechtsanwälte zugelassen sind. Selbst Menschen, die z.B. Wirtschaftsjura studiert und abgeschlossen haben, ist jegliche Rechtsberatung untersagt.”

    Ja, und das Thema kann man sogar noch etwas verschärfen. Wer einen Autobus steuern will, benötigt eine Fahrerlaubnis der Klasse BCE und eine Personenbeförderungslizenz.

    Diese bekommt man nur nach Prüfungen mit einem theoretischen Teil und, was den gewerblichen Personenbeförderer vom Heilpraktiker unterscheidet, einem praktischen Teil, basierend auf praktischen Übungen im echten Straßenverkehr.

    Fürs blauäugige Herumheilen reicht ein Ankreuztest. Einen echten Kranken, geschweige denn einen Notfall, bekommt ein Praktikus bis zum Erwerb seines Freifahrtscheins nie zu sehen. Stattdessen trichtern dem Kandidaten die einschlägigen “Akademien” das überholte Zeug vergangener Jahrhunderte ein.

    Würde sich jemand in einen Reisebus setzen, der von einem Fahrer gesteuert wird, der seine Lektionen aus Büchern über Esels- und Ochsenkarren zog, vermischt mit Geschichten über fliegende Teppiche?

    Ach, ehe ich’s vergesse: der erweiterte Erste-Hilfe-Kurs für Berufskraftfahrer mit Personenbeförderungserlaubnis ist dagegen wenigstens etwas Handfestes, wenn mal Not am Mann ist.

  17. 17 crazyfrog 14. September 2017 um 16:30

    Wer es sich hier “zu einfach” macht, ist eindeutig Wittig.

    Oder kommt noch etwas auch nur halbwegs richtiges oder disktables?

  18. 18 Gast 14. September 2017 um 16:43

    Ich kann er gar nicht glauben, was ein angeblicher „Medizinjournalist“ ah sorry, „Wissenschaftsjounalist“ wie Herr Frank Wittig uns in der Sendung so erzählt! Mich wundert in Deutschland nichts mehr, wirklich!

    Hohe Glaubwürdigkeit genießt der, der mir sagt, was ich ohnehin hören will, gell Herr Wittig.
    http://www.krebs-kompass.org/showthread.php?t=34726

  19. 19 noch'n Flo 14. September 2017 um 17:02

    @ klauszwingenberger:

    Ich treibe es noch ein wenig mehr auf die Spitze: wer würde in ein Flugzeug einsteigen, an dessen Steuerknüppel ein ehemaliger Vogelstimmenimitator mit Meise unterm Pony sitzt, der sich über einen Zeitraum von 10 Wochen ganz intensiv Fotos von Flugzeugen von Anfang des 20. Jahrhunderts angeschaut hat (um den Geist der Luftfahrt zu spüren), in der Schule leidlich gut Papierflieger falten konnte und dessen Cousin jemanden kennt, der mal mit jemandem zusammengewohnt hat, dessen Grossmutter die Hebamme von jemandem war, dessen Sohn mal an einem Flughafen vorbeigefahren ist?

    (Okay, ich fürchte, wenn der Flug schön billig und genügen Bier an Bord ist, fänden sich da tatsächlich so einige…)

  20. 20 WolfgangM 14. September 2017 um 17:57

    Es geht ja nicht nur um Heilpraktiker, es geht ja auch um Heilungsansprüche von Homöopathen.
    Hier ein Beispiel des Impfgegners und Homöopathen, der behauptet Ebola gäbe es nicht, heute kopiert von seiner (geschlossenen) Ordination, was die HP alles kann.

    Ist wirklich abenteuerlich.

    Zitat: Homöopathie

    Was alles ist Homöopathie?

    Homöopathie – ist eine Arzneitherapie.

    Das Wort kommt aus dem Griechischen und bedeutet: Ähnliches mit Ähnlichem heilen. zB. beim Schneiden von Zwiebeln beginnen die Augen zu brennen und die Nase zu fließen. Ein solcher Schnupfen wird durch Allium cepa, die Küchenzwiebel geheilt.

    Die Heilung erfolgt sanft, Arzneien, die nach der Ähnlichkeitsregel verwendet werden, wirken schonend. – Sie sind bereits in geringster Dosis wirksam.

    Die Heilung tritt gewiß ein. Solange noch eine Spur von Kraft im Körper vorhanden ist, kommt mit Hilfe des homöopathischen Heilmittels die Heilung in Gang.

    Die Heilung erfolgt prompt. Bei akuten, erst seit kurzer Zeit bestehenden Störungen der Gesundheit ist die Besserung sehr bald zu erwarten. Besteht die Krankheit schon über lange Zeit, etwa mehrere Jahre, setzt die Besserung erst allmählich ein.

    Die Heilung ist ganz. Sowohl örtliche Übel, aber auch das Allgemeinbefinden und die Gemütsverfassung werden gebessert. Die Arznei wirkt auf den ganzen Menschen.

    Die Heilung verläuft ohne Schaden für den Patienten. Die milde Dosis reicht, die Heilprozesse des Körpers anzuregen.

    Wer kann homöopathisch behandeln?
    Jeder, der sich mit der Methode und dem Menschen ernstlich beschäftigt. Schwere Krankheiten soll nur der erfahrene Arzt behandeln.

    Bei welchen Krankheiten wirkt die Homöopathie?
    Bei allen akuten und chronischen Leiden.Zitat Ende

    also Diabetes mellitus- prompt heilbar? Mit Globuli?
    Akute lymphatische Leukämie. Heilbar mit Globuli?
    Skorbut (Vit C Mangel) heilbar mit Globuli?
    Mamma-Ca. Heilbar mit Globuli?

    Irgendwie bin ich der Meinung, dass man Patienten nicht anlügen soll.

  21. 21 RPGNo1 14. September 2017 um 18:42

    Ein Frage in Runde:

    Hat jemand Daten zur Hand, wie sich die Anzahl Heilpraktiker in den letzten Jahren/Jahrzehnten verändert hat?

    Und das ganze als i-Tüpfelchen im Vergleich zu der Zahl der niedergelasssenen Ärzte oder anderer Heilberufe?

  22. 22 Natalie Grams 14. September 2017 um 18:55

    Wir haben versucht, diese Zahl für das Münsteraner Memorandum herauszufinden und haben gemerkt, dass das nicht leicht ist. Was wir gefunden haben, steht im Memorandum. Aber das ist sicherlich nicht das ganze Ausmaß des Problems.

    Ärzte gibt es wohl ca. 350.000 in Deutschland.

  23. 23 skeptikus 14. September 2017 um 22:01

    Ich glaube es fehlen uns noch Belege, die wir den Heilpraktiker also Medizin-Laien aufs Butterbrot schmieren können.

    Sie können sich immer schön rauswinden. Das wäre ja nur ein Einzelfall. Die meisten Heilpraktiker wären gut, sonst würden sie ja keine Patienten haben usw. Ärzte machen auch Fehler.

    Fakt ist, dass die Heilpraktiker methodisch nicht so ausgebildet werden, dass sie in der Lage werden zwischen Humbug und wirksamer Therapie unterscheiden können und das nicht aufgrund von Erfahrungen, sondern Fakten bzw. Evidenz.
    Naja, das Schadpotenzial sehe ich in der unzureichenden Ausbildung oder ungeregelten Ausbildung, in dem Dunning-Kruger-Effect, der Selbstüberschätzung, viele halten sich für die besseren Mediziner, Demut und Bescheidenheit? Fehlanzeige. uvm.

    Am Schlimmsten finde ich, dass sie jeden Humbug aus der Esoterik unreflektiert anwenden.

    Hier mal nur ein paar Beispiele:

    Wie unseriöse Heilpraktiker Menschenleben gefährden

    http://www.stern.de/gesundheit/heilpraktiker-in-deutschland–so-gefaehrlich-sind-sie—der-grosse-stern-report-7434370.html?

    “Das Hantieren mit dem Antennenstab ist nicht das einzige Verfahren, mit dem sich Heilpraktiker an die Diagnose schwerer Krankheiten wagen. Weit verbreitet ist auch die „Dunkelfeldmikroskopie des Blutes nach Enderlein“, mit der man angeblich Krebs im Frühstadium erkennen kann. Die Gynäkologen Karsten Münstedt und Samer El-Safadi überprüften die Methode an 110 Probanden in der Uniklinik Gießen, zwölf von ihnen litten an fortgeschrittenen Krebserkrankungen. Ein Heilpraktiker mit besten Referenzen entdeckte gerade mal drei davon, darüber hinaus stellte er bei 15 gesunden Probanden die Diagnose Krebs. “Das entspricht in etwa der Ratewahrscheinlichkeit”, resümiert El-Safadi.

    Auch in der Iris, der Regenbogenhaut des Auges, sollen sich schwere Krankheiten als Streifen, Ringe oder Pigmentflecken niederschlagen. Die beiden Ärzte luden einen versierten Irisdiagnostiker ein, seine Fähigkeiten an den 110 Versuchspersonen zu beweisen. Obwohl der Heilpraktiker behauptete, Krebs durch einen Blick in die Augen feststellen zu können, lag er meist daneben.”

    oder

    http://www.sueddeutsche.de/gesundheit/alternativmedizin-weissbrot-gegen-krebs-1.2349722

    “Die Kanüle ist 20 Zentimeter lang. Eine junge Frau liegt auf einer Untersuchungsliege, sie hat den Unterbauch frei gemacht. Neben ihr sitzt ein Heilpraktiker. Er setzt die Kanüle auf der Bauchdecke der Patientin an und sticht Stück für Stück durch Haut- und Muskelschichten hindurch, bis er im sogenannten Douglas-Raum, einer Aussackung zwischen Uterus und Rektum, angelangt ist. Dort injiziert er ein Lokalanästhetikum. Die Patientin krallt sich während dieser Prozedur an der Liege fest und jammert kläglich. Aber sie nimmt diese Behandlung auf sich, schließlich erhofft sie sich davon Linderung ihrer Menstruationsbeschwerden.

    Um die Untersuchungsliege stehen zehn Menschen unterschiedlichen Alters herum. Es sind Heilpraktiker-Anwärter, denen an diesem Tag eine Technik der Neuraltherapie demonstriert wird. Bei diesem wissenschaftlich nicht anerkannten Verfahren wird ein Lokalanästhetikum zur Beseitigung eines vermeintlichen Störfeldes gespritzt. Diese Szene spielte sich 2010 an einer Berliner Heilpraktikerschule ab. Sie war ein illegaler Akt.”

  24. 24 Bernd Harder 14. September 2017 um 22:10

    @skeptikus:

    Jetzt aber – der Oberheilpraktikerpräses Wilms hat doch gesagt, dass seine Kollegen nur Wadenwickel machen und Patienten bei Erkältungen beistehen.

    Auch von Dr. Wittig habe ich dazu keinen Widerspruch vernommen.

  25. 25 Udo Endruscheit 14. September 2017 um 22:54

    Eine Zufallsauswahl aus fünf Heilpraktiker-Webseiten aus meiner Stadt, vorgeschlagen von einem Branchenportal:

    “Auf der mentalen Ebene: Ausbildung zur Diplom-Pädagogin. Auf der emotionalen Ebene: Ausbildung zur Gestalttherapeutin. Auf der körperlichen Ebene: Ausbildung zur Heilpraktikerin. Auf der spirituellen Ebene: Ausbildung zur energetisch spirituelle Heilerin.”

    “Mein Angebot:
    Kinesiologie
    Ernährung/Beratung bei Nahrungsmittelunverträglichkeiten-/Allergien
    NLP/Neuro-Linguistisches-Programmieren”

    „alles leben manifestiert sich in energie oder bewegung. (magoun)“

    „Die naturheilkundliche Schmerztherapie setzt dort an, wo die Schulmedizin nicht oder kaum noch weiter weiß, außer schmerzunterdrückende Medikamente zu empfehlen.“ Seine Methoden: Ohrakupunktur und Schröpfen.

    “Bei uns stehen Sie im Mittelpunkt. Wir behandeln komplementär, aber sie erleben bei uns nicht die Konkurrenz zweier Fachrichtungen.” Schwerpunkt Schmerztherapie. Tag, Herr Kollege…

    Eine Seite ist derart mit einem nahezu kompletten Porpourri von Pseudokram und Esoterik voll, dass man ganz kein angemessenes Zitat isolieren kann.

    Eine Seite hat ein Popup vorgeschaltet, das versucht, persönliche Daten zu erlangen, bevor man überhaupt auf die Webseite kommt.

    Acht von zehn hängen die „Naturheilpraxis“ weit raus, noch deutlich vor dem Heilpraktiker. Soweit erkennbar, erschöpft sich aber die gesamte „Naturheilkunde“ in gelegentlicher Ernährungsberatung.

    Nicht repräsentativ, selbstverständlich. Aber interessant.

  26. 26 Joseph Kuhn 15. September 2017 um 00:32

    @ RPGNo1

    “Hat jemand Daten zur Hand, wie sich die Anzahl Heilpraktiker in den letzten Jahren/Jahrzehnten verändert hat?”

    Es gibt keine guten Daten. Beim Mikrozensus, der oft zitiert wird, kommt es wohl zu einer Unterschätzung, z.B. wenn ein anderer Hauptberuf ausgeübt wird oder die Tätigkeit ruht, über die Gesundheitsämer werden dagegen eher zu viele erfasst (ein paar Überlegungen dazu mit allerdings nicht mehr ganz aktuellen Zahlen siehe hier).

    Was man sicher sagen kann: Die Zahl der Heilpraktiker nimmt seit den 1980er Jahren stark zu.

  27. 27 Micha 15. September 2017 um 00:39

    Meine – natürlich ganz und gar nicht representative – Umfrage unter Heilpraktikern denen ich zufällig begegnet bin, bisher:
    Ich stelle immer zwei Fragen:
    1. Frage: Würden Sie jemanden zu einem (“schulmedizinischen”) Arzt schicken wenn sie nicht mehr weiter wüssten?
    Antwort: 19 von 22: Ja!
    2. Frage: Haben Sie das schon gemacht?
    Antwort: 21 von 22: Nein, das brauchte ich noch nicht!!!!!

  28. 28 Natalie Grams 15. September 2017 um 08:02

    Nicht, dass es nicht auch impfkritische Ärzte gäbe, aber das finde ich den schlimmsten (unter vielen schlimmen) Punkten: dass so viele HPs vom Impfen abraten, gar kein Verständnis vom Sinn und Prinzip der Impfungen haben und Medikamente oftmals als “Gift” und “pure Chemie” verurteilen, was unweigerlich ein Misstrauen gegenüber der normalen Medizin auslöst, das dann auch in der Verzögerung einer tatsächlich hilfreichen Behandlung gipfeln kann.

    Die Aussage, HPs würden ja nur bei Bagatellen mit Wadenwickeln und Thymian-Tee beistehen, ist so absurd, dass man schon fast an eine dreiste Lüge denken muss.

    Im Gegenteil fühlen sich HPS der Medizin oft überlegen, glauben “die wahre Ursache” zu behandeln und erfinden Diagnosen, die sie dann auch gleich “behandeln” (Amalgam-Ausleitung (neulich übrigens – besonders pikant – einer Bekannten von mir vorgeschlagen worden, obwohl sie nie Amalgam-Füllungen hatte), Weizenunverträglichkeit -> MMS-Spülung, Krebs durch Konflikt -> wirre GNM).

    Und das weiß Herr Wilms alles nicht? Und uns wirft er vor, wir hätten keine Ahnung? Und Frank Wittig scheint das alles auch nicht zu wissen und nennt uns arrogant? Strange.

    Dennoch gibt es einige HPs, die verstanden haben, was Evidenz bedeutet, was der Unterschied zwischen Medizin und Wellness ist und die sich nun aktiv und konstruktiv melden, um an einer Reform des HP-Wesens mitzuarbeiten. Das gibt doch Hoffnung.

  29. 29 RPGNo1 15. September 2017 um 08:45

    @Natalie Grams
    Danke, aber mich würde auch interessieren, wie sich die Anzahl der Heilpraktiker in den letzten Jahren oder sogar Jahrzehnten verändert hat.

    Mein Verdacht ist, dass sie sich im Rahmen des Aufschwungs von Esoterik und pseudomedizinischen Behandlungsmethoden sowie entsprechender gesundheitspolitischer Gleichgültigkeit stark vermehrt haben. Aber dieser Verdacht ist ohne eine Statistik, Grafik oder Tabelle natürlich nicht viel wert. Aber ich verstehe schon, dass keine festen Werte für ganz Deutschland gibt (leider).

    Wenigstens für Bayern gibt es Zahlen (Münsteraner Memorandum Heilpraktiker, S. 5):

    “Herangezogen werden kann aber die vom Bayrischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit geführte Statistik, nach welcher sich die Zahl der Heilpraktiker allein in Bayern zwischen 2003 und 2015 von 11.035 auf 23.103 mehr als verdoppelt hat.”

  30. 30 RPGNo1 15. September 2017 um 08:48

    @Joseph Kuhn
    Danke für Link. Ich werde mir den Artikel Ruhe durchlesen.

  31. 31 Klaus Trophobie 15. September 2017 um 10:18

    Am schlimmsten im Laufe des Podcast finde ich ja das die Aussage von Herrn Wittig “Medizin tötet” unerwidert stehen bleiben musste.

    Und natürlich das furchtbare durcheinander bei Minute 41, wodurch die Argumentation von Herr Weymayr praktisch komplett zerschossen wird und beim Zuhörer nix mehr ankommt.

  32. 32 Universallaie 15. September 2017 um 14:40

    Off Topic, sorry

    @Udo Endruscheid

    Seit dem 1.1.2008 ist das Rechtsdienstleisungsgesetz (RDG) in Kraft, das weniger restriktiv ist, als das Rechtsberatungsgesetz (RBerG) von 1935.

    Der von ihnen genannte wirtschaftsjurist darf derzeit z.B. in Insolvenzverfahren durchaus beratend tätig werden, was nach der Regelung vor 2008 einem Volljuristen vorbehalten war.

  33. 33 borstel 15. September 2017 um 18:02

    Ach du liebes bißchen, ich habe mir die Dreiviertelstunde angetan – verlorene Lebenszeit! Zu den kümmerlichen Argumenten der Heilpraktikerapologeten ist ja bereits alles gesagt worden.

    Die Peinlichkeit, am Ende ein wenig Gruppenkuscheln und “Seid-nett-zueinander” erzielen zu wollen, und das auch noch offen zuzugeben, sagt einiges über den Moderator aus (übrigens würde ich ihm nicht aufgrund seines Studiums die Qualifikation absprechen). Und daß Herr Wittig versucht, seine Interviewpartner ausgerechnet im wahrhaftig nicht alternativ angehauchten Krebskompass-Forum zu akquirieren, anstatt sich in die Alternativforen zu begeben, wo genügend seltsame User unterwegs sind, sagt auch einiges über seine Nichtfähigkeiten aus.

    Eine kurze Bemerkung zu Herrn Weymeyr habe ich dann doch noch: Er hat ein Problem mit der Spititualität der Patienten – und stöhnt dann in der Sendung auf: “Mein Gott!” – Sehr witzig und unfreiwillig treffend.

    Und leider der einzige wirkliche Schwachpunkt, an dem die anderen ihn hätten treffen können, aber es nicht getan haben, wahrscheinlich aus intellektueller Unfähigkeit heraus: Wir mögen unterschiedlich stark säkular oder atheisitsch unterwegs sein, aber die spirituelle Ebene läßt sich schlecht außen vorhalten, wenn ein Patient in ihr lebt. Die Herausforderung ist, sie im Umgang mit dem Patienten zuu respektieren und integrieren – auf der Basis einer wissenschaftlichen evidenzbasierten und zugleich individualisierten Medizin ohne irgendwelchen esoterischen Konstrukte.

    Dieses natürlich nur, wenn der Patient es wünscht. Aber ein Ignorieren oder gar Bekämpfen dieses Bedürfnisses wäre ebenso falsch. Und wem das nicht behagt: Seine Patienten kann man sich halt nicht immer aussuchen!

  34. 34 noch'n Flo 15. September 2017 um 18:30

    @ RPGNo1:

    “Herangezogen werden kann aber die vom Bayrischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit geführte Statistik, nach welcher sich die Zahl der Heilpraktiker allein in Bayern zwischen 2003 und 2015 von 11.035 auf 23.103 mehr als verdoppelt hat.”

    Und eine davon ist eine ehemalige Schulfreundin von mir, die ihren Job in der Wirtschaft satt hatte, und nun HP-Psychoschmonsens verbreitet, ohne eine Ahnung davon zu haben, was sie da macht.

  35. 35 Joseph Kuhn 15. September 2017 um 20:42

    @ RPGNo1:

    Aus der Gesundheitspersonalrechnung des Bundes:
    Jahr 2000: 13.000
    Jahr 2015: 47.000

    Aber wie gesagt, die Daten sind weich.

  36. 36 awmrkl 15. September 2017 um 23:42

    “Dennoch gibt es einige HPs, die verstanden haben, was Evidenz bedeutet, was der Unterschied zwischen Medizin und Wellness ist und die sich nun aktiv und konstruktiv melden”

    Ähem, davon hab ich bislang noch nicht mal *ein einziges* Beispiel gelesen. Und ich hab wirklich viel dazu gelesen. Aber kann ja sein, daß ich dennoch die mutmachenden Beispiele übersehen hab.
    Hat jemand evtl ein oder gar einige Beispiele (Link)?

  37. 37 skeptikus 16. September 2017 um 10:02

    Im Prinzip ducken sich die Heilpraktiker-Lobbyisten unter dem Tarnschild der Intransparenz weg. Sie übernehmen keine Verantwortung für die mangelhafte Ausbildung und fehlende Abgrenzung zur Esoterik und Co. In dem Interview blitzt es ja kurz auf. Wenn der Patient sich doch wohl fühlt oder es ihm nützt.

    Mit dieser skandalösen Haltung können wir Studien in der Medizin doch abschaffen. War müssen Medikamente so aufwändig geprüft werden. Lasst doch ein paar Leute Erfahrungen sammeln und dann schauen wir mal.

    Ein Armutszeugnis, methodische Inkompetenz oder knallhartes Kalkül. Von einem Medizinjournalisten hätte ich jedenfalls nicht so eine fachlich unfundierte Parteinahme erwartet. Das ist schon Dunning-Kruger-Effect at its best.

    Hier noch was nettes bereits aus 2007:
    https://www.rbb-online.de/kontraste/ueber_den_tag_hinaus/gesundheit/gefaehrliche_heilpraktiker.html

    Zitat: “Gefährliche Heilpraktiker – Keine Kontrolle, keine Sanktionen
    Wenn Heilpraktiker pfuschen, ist der Patient zumeist machtlos: Wort steht gegen Wort, denn der Heilpraktiker muss nichts dokumentieren. Und so haben auch die Gesundheitsämter kaum eine Möglichkeit, den gefährlichen Heilpraktikern die Zulassung zu entziehen. Ein Gesetz aus dem Jahr 1939 erlaubt fast jedem als Heilpraktiker zu arbeiten, eine Berufsordnung oder ein Standesrecht gibt es nicht. Heilpraktiker, die Patienten gefährden, müssen also kaum etwas befürchten. Caroline Walter berichtet über die Untätigkeit des Staates.

    Zum Heilpraktiker zu gehen, das ist für viele Menschen nichts Besonderes. Vielleicht helfen ja Akupressur oder Globoli-Kügelchen bei dem einen oder anderen. Viele setzen jedenfalls ihre Hoffnung auf Heilpraktiker. Und die Hoffnung ist groß in Deutschland: Rund 20.000 sind gemeldet. Sie haben mehr Freiheiten als jeder Arzt, aber ihre Methoden hinterfragt keiner. Von Patientenschutz kann keine Rede sein. Behandlungsfehler gelangen kaum an die Öffentlichkeit. Caroline Walter und Alexander Kobylinski haben das deutsche Heilpraktikerwesen genauer unter die Lupe genommen.”

    oder weiter unten:

    “Wilhelm Schmidt
    „Die Heilpraktikerin hat gesagt, es gibt nur dann einen Heilungserfolg, wenn ich die schulmedizinischen Medikamente absetze und ihre Alternativmedizin, Globulis, anwende.“
    KONTRASTE
    „Hat sie verlangt, dass Sie die Medikamente absetzen?“
    Wilhelm Schmidt
    „Ja, das hat sie in einer ziemlich ultimativen Form von mir verlangt.“”

    Das sind sicherlich alles nur Einzefälle, sicher. Heilpraktiker kümmern sich nur um Erkältungen und bisschen EIEI.

    Ähnlich wie vor 15 Jahren die Homöopathie, fehlen treffende Analysen und mehr Zahlen, Daten und Fakten.
    SChützt uns Patienten vor den Pfuschern.

  38. 38 RPGNo1 16. September 2017 um 14:03

    “Aus der Gesundheitspersonalrechnung des Bundes:
    Jahr 2000: 13.000
    Jahr 2015: 47.000

    Aber wie gesagt, die Daten sind weich.”

    In 15 Jahren hat sich die Anzahl der Heilpraktiker grob verdreieinhalbfacht? Das ist schlimmerer Wildwuchs, als ich es mir vorgestellt habe. Es muss ja wirklich eine Goldgräberstimmung in dieser Branche herrschen.

  39. 39 Habra 16. September 2017 um 19:52

    @RPGNo1; @Joseph Kuhn:
    Wenn ich in einen Spaziergang in meiner Heimatstadt (ca. 30000 Einwohner)am Bodensee mache, finde ich innerhalb von maximal einer Stunde “Praxis”schilder mehrerer Heilpraktiker und -innen, knapp 10 Stück alleine in der Altstadt, da wo es eigentlich die recht teuren Gewerbeimmobilien zur Miete gibt. Und ich gehe davon aus, dass es in den Teilorten ebenfalls “Praxen” diverser Heilpraktiker gibt.
    Das Geschäft muss sich also lohnen, entweder als Hinzuverdienst des Ehegatten bzw. der Ehegattin oder gar als Hauptverdienst.

    Und betrachte ich das Hinterland des Bodensees, so scheint die Heilpraktikerdichte die der Ärzte zu übertreffen.

    Und ein Großteil der Bevölkerung hat immer noch nicht verstanden, dass die “Qualifizierung” zum Heilpraktiker nur wenig aufwändiger ist als das Erlangen des Sportfischerscheins.

  40. 40 noch'n Flo 17. September 2017 um 10:17

    Hier in der Schweiz hat es alleine in dem Dorf, in dem meine Praxis liegt (knapp 2’000 Einwohner) nicht weniger als 7 Heilpraktiker (wovon 4 in einer Gemeinschaftspraxis arbeiten). In den umliegenden 5 Dörfern (mit insg. rund 4’000 Einwohnern) kommen nochmal 6 dazu.

  41. 41 RPGNo1 17. September 2017 um 14:31

    @Habra, noch’n Flo

    Ich wohne in Oberschwaben. Ich muss zugeben, dass mir Praxen der Heilpraktiker in der Stadt bisher nicht aufgefallen sind, was aber auch daher kommt, dass ich mich noch nie für eine entsprechende Behandlung interessiert habe. Über Ärzte oder Apotheken kann man jedoch an jeder Ecke in der Innenstadt stolpern. :)

    Ich könnte mir vorstellen, dass die hohe Zahl der Heilpraktiker am Bodensee, in Bayern oder auch der Schweiz auch ein Zeichen des Wohlstands dieser Gegenden ist, da sich die Leute Zusatzversicherungen oder Privatrechnungen leisten können.

    Wäre also interessant zu wissen, ob es in ärmeren Gegenden Deutschlands (MeckPom oder NRW) weniger Heilpraktiker gibt.

  42. 42 awmrkl 17. September 2017 um 15:46

    @noch’n Flo

    Also ~13 auf etwa ~6000 Einwohner.
    Und wieviele Ärzte gibt es dort jeweils?

  43. 43 noch'n Flo 17. September 2017 um 20:26

    @awmrkl:

    Drei. Meine Frau (die aber nur 30% arbeitet) und mich, sowie einen weiteren Kollegen kurz vorm Ruhestand, der aber mit der HP-Gemeinschaftspraxis schon seit Langem eng zusammenarbeitet.

  44. 44 crazyfrog 17. September 2017 um 22:33

    Von 2007. Nichts hat sich geändert:

    Gefährliche Heilpraktiker – Keine Kontrolle, keine Sanktionen

    https://www.rbb-online.de/kontraste/ueber_den_tag_hinaus/gesundheit/gefaehrliche_heilpraktiker.html

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