Krebs: „Alternativmedizin tötet“

Passt irgendwie zusammen:

Der Heilpraktiker Klaus R., gegen den der Vorwurf der fahrlässigen Tötung in drei Fällen und fahrlässigen Körperverletzung in zwei Fällen erhoben wird, kann anscheinend munter weiter praktizieren:

Derweil zeigt eine amerikanische Studie im Journal of the National Cancer Institute, dass Krebspatienten, die auf “alternative” Verfahren setzen, ein weitaus höheres Sterberisiko aufweisen als Patienten, die sich einer wissenschaftsbasierten Behandlung unterziehen.

Forscher der Yale University analysierten die Daten von 280 “AM”-Patienten (Alternativmedizin) und 560 “CCT”-Patienten (“conventional cancer treatment” = Chemo-, Strahlen-, Hormon-Therapie etc.).

Im Ergebnis betrug die 5-Jahres-Überlebensrate bei den “AM”-Patienten 54,7 Prozent, bei den “CCT”-Patienten 78,3 Prozent.

Dabei ergaben sich große Unterschiede zwischen den einzelnen Krebsarten. “AM”-Patienten mit Lungenkrebs zum Beispiel haben ein zweimal höheres Sterberisiko als “CCT”-Patienten. Brustkrebs-Patientinnen, die sich auf “Alternativmedizin” verlassen, tragen ein fünffach höheres Sterberisiko als CCT-Patientinnen.

Ausführlich diskutiert wird die Studie bei Science-Based Medicine und IFLScience. Trotz ihrer Aussagegrenzen ist das Fazit eindeutig:

Angesichts des unfassbaren Behörden-Theaters um Klaus R. kann man dem Science-Blog Gesundheits-Check nur zustimmen:

Die Politik ist gefragt, hier einen Rahmen zu setzen, der die Patienten schützt. Unterlassene Hilfeleistung ist keine gute Politik. Sprechen Sie im Restwahlkampf die Politiker an ihren Straßenständen einmal darauf an, vielleicht wird der eine oder andere doch nachdenklich.”

Zum Weiterlesen:

  • Heilpraktiker darf trotz Todesfällen von Krebspatienten weiter behandeln, stern.de am 14. August 2017
  • Die Hyaluron-Party ist vorbei: Drei tote Patienten einer alternativen Krebsklinik in NRW, GWUP-Blog am 5. August 2016
  • Alternative medicine kills cancer patients, Science-Based Medicine am 14. August 2017
  • Cancer Patients Who Turn To Alternative Medicine Are 2.5 Times More Likely To Die, IFLScience am 14. August 2017
  • Politische Korrosionsschäden der evidenzbasierten Medizin, Gesundheits-Check am 15. August 2017
  • Krebsforscher: Finger weg von “komplementären” Verfahren, GWUP-Blog am 7. Januar 2015
  • Mistel und Ginko in der Krebstherapie? GWUP-Blog am 13. Mai 2011
  • Australische Wissenschaftler warnen vor ,,Alternativmedizin” bei Krebserkrankungen, GWUP-News am 8. März 2013

10 Kommentare zu “Krebs: „Alternativmedizin tötet“”


  1. 1 Joseph Kuhn 15. August 2017 um 09:58

    Die JNCI-Studie zeigt, wie nicht anders zu erwarten, dass der Überlebensvorteil einer medizinischen Behandlung bei den Tumoren besonders groß ist, die überhaupt mit gutem Erfolg behandelt werden können. Anders formuliert: Wer hier auf eine medizinische Behandlung verzichtet, verzichtet in vielen Fällen auf sein Leben.

  2. 2 sinister 15. August 2017 um 12:35

    Ich wollte schon nachfragen, ob da nicht untergegangen ist, dass Menschen mit schlechten Überlebenschancen sich häufiger an diese Strohhalme krallen und deswegen die Sterberate verzerrt wird.

    Aber es wurde gut dargestellt, wie die Patienten gruppiert wurden (Krebsarten, Stadium bei Diagnose), um diesen Effekt eben nicht zu erzeugen. Das wäre nur ein unnötiger Aufhänger für die Quacksalberfraktion gewesen.

    Sowas kann man gar nicht weit genug verteilen, damit die Leute das lesen. Da geht’s auch weniger um die Hardcore-Alternativen – denen ist eh nicht mehr beizukommen. Eher um die, die sich unschlüssig sind.. je mehr Zweifel man an diesen pseudomedizinischen und -wissenschaftlichen Eso-Krempel sät, desto besser.

    Machen die ja genauso.. in diesem Sinne: fight fire with fire.

  3. 3 crazyfrog 15. August 2017 um 12:41

    Top-Kommentar:

    “Sie möchten den perfekten Mord ausüben? Werden Sie Heilpraktiker.”

    https://twitter.com/PoisonGurrl/status/897119135389425665

  4. 4 Pierre Castell 15. August 2017 um 18:08

    Prima, dass auch Sender wie RTL dieses Thema behandeln und so den “einfachen” Menschen näherbringt (wie vor einer Minute in der Sendung “RTL WEST”).

  5. 5 crazyfrog 15. August 2017 um 18:36

    Neues zum Thema “Es gibt keinen Fortschritt in der Krebsmedizin, deshalb nehmen wir MMS und Mistelblätter und ein paar geriebene Kellerasseln”:

    http://www.stern.de/gesundheit/gentherapie-gegen-krebs-vor-der-zulassung—ein-sehr-potenter-mechanismus–7578582.html

  6. 6 langsamdenker 16. August 2017 um 08:53

    Heilpraktiker Klaus R. ist nun im Nachbarkreis mit einer “mobilen Hausbesuchspraxis” unterwegs und das dortige Gesundheitsamt sieht keine Notwendigkeit, ihm dies zu untersagen.

    http://www1.wdr.de/nachrichten/rheinland/heilpraktiker-brueggen-kreis-wesel-100.html

  7. 7 Martina Rheken 19. August 2017 um 11:26
  8. 8 crazyfrog 19. Oktober 2017 um 12:07
  9. 9 crazyfrog 31. Oktober 2017 um 01:22
  10. 10 noch'n Flo 31. Oktober 2017 um 08:23

    @ crazyfrog:

    Ach komm, DIE stecken doch mit IHNEN unter einer Decke. Also SIE. Oder nicht doch WIR? Ja, WER denn nun?

    (Ich geb’s auf…)

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