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Xavier „Ich repräsentiere die Liebe“ Naidoo und seine Freunde

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Satire

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… vs. Wirklichkeit.

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Es wächst zusammen, was zusammengehört:

Xavier Naidoo hat es im Juni auf das Cover von Jürgen Elsässers Compact-Magazin geschafft. Herzlichen Glückwunsch!“

gratuliert GenFM:

Naidoo wurde beim rechten Verschwörungsmagazin Compact schon mehrfach als enger Vertrauter Elsässers und Widerstandskämpfer gegen „Volksverräter“ inszeniert.

Auf dem Cover der aktuellen Ausgabe prangt nicht nur der reichsideologische Popstar („die Marionetten schlagen zurück“), sondern wir erfahren, dass es weder einen Skandal noch eine Terrorzelle bei der Bundeswehr gäbe.

Macron wird als „Rothschilds Präsident“ und „Hoffnungsträger der Hochfinanz“ bezeichnet („no antisemitism intended“), biodeutsche Diesel-PKW können keine Dreckschleudern sein und ein Auswanderer erzählt von seiner Flucht aus der BRD GmbH nach Mallorca.“

Wobei es in einem entsprechenden Naidoo-Huldiger-Artikel in Compact nicht bloß um „Volksverräter“ geht, sondern um „die regierenden Verbrecher und ihre Hofschranzen“.

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Nichtsdestotrotz darf Naidoo heute Abend in Schloss Salem auftreten:

Seit 2005 ist der barocke Salemer Schlossgarten Garant für gut organisierte Konzerte, für Open Airs, die so ziemlich jeden Musikgeschmack bedienen. Meist unterhaltend, manchmal mit Botschaft, doch noch nie stand oben einer vor 4000 Zuhörern wie Xavier Naidoo, von dem die Amadeu Antonio Stiftung behaupten darf, „dass bestimmte Textstellen von ihm als antisemitisch interpretiert werden können“.

Der sich dem Vorwurf der Schwulen- und Lesbenfeindlichkeit ausgesetzt sieht und der als Anhänger diverser Verschwörungstheorien und der Reichsbürgerbewegung nahestehend für Schlagzeilen sorgt“,

kommentiert der Südkurier. Und lässt dazu auch Jan Rathje von der Amadeu Antonio Stiftung zu Wort kommen:

Er [Naidoo] gibt durch seine Songs verschwörungsideologischen Weltbildern Aufwind“, sagt Rathje, „von dort aus ist es aber immer noch ein weiterer Schritt, um in dieses Milieu hinein zu kommen.“ Und: „In seinen Songs finden sich Textstellen, die als antisemitische Propaganda von einer Weltverschwörung gegen die Deutschen interpretiert werden können.“

Rathje sieht schon, dass der Sänger bei seinen Auftritten jungen Leuten ein solches Weltbild nahelege und sagt: „Dem sollte auch entgegengewirkt werden.“

Letzte Woche hat sich der designierte Chef der nordrhein-westfälischen SPD, Michael Groschek, öffentlich geäußert. Er wirft Naidoo vor, sich nicht ausreichend von den „Reichsbürgern“ abzugrenzen:

Ich verstehe den Naidoo nicht. Die Distanzierung fehlt.“

Auch die Distanzierung von einem rechtspopulistischen Blatt wie Compact und seinem dortigen Interviewpartner Oliver Janich – für den der Anschlag von Manchester übrigens ein „satanisches Ritual um Ariana, Prinzessin der Illuminaten“ gewesen ist (natürlich mit den üblichen zwei Alibi-Fragezeichen dahinter).

Schöne Freunde hat er, der Xavier.

Zum Weiterlesen:

  • Xavier Naidoo in Schloss Salem: (K)ein Konzert wie jedes andere, Südkurier am 15. Juni 2017
  • Video: Naidoos fortwährende antidemokratische und antisemitische Missverständnisse, GWUP-Blog am 11. Mai 2017
  • „Du bist kein Künstler, Xavier. Du bist ein wirrer Verschwörungstheoretiker“, GWUP-Blog am 5. Mai 2017
  • Xavier Naidoo: Wenn’s im Unterbewusstsein dreimal klingelt, Zeit-Online am 9. Mai 2017
  • Nachrichten aus dem Paralleluniversum: Wie sich Verschwörungstheoretiker auf Facebook vernetzen, Ruhrbarone am 8. Juni 2017

16 Kommentare

  1. „…noch eine Terrorzelle bei der Bundeswehr gäbe!“

    Nur so am Rande:
    Ein Bekannter von mir wohnt in einem Haus (selbst bei der Bundeswehr gewesen), dessen Wohnungen nur an Männer bzw. deren Familien vermietet sind, die beruflich bei der Bundeswehr tätig sind.

    Wenn ich gelegentlich auf seinem Balkon sitze, würde ich am liebsten Augen und Ohren schließen – so schrecklich sind die Dinge, die mir dort zu Augen und Ohren kommen.

    Disziplin? Manieren? Menschlichkeit?
    Fehlanzeige.

    Zufall oder Einzelfälle, nur in diesem Haus?
    Für mich nicht. Auch die Berufssoldaten in den benachbarten Häusern haben ein Benehmen an sich, bei dem anständige Menschen einen roten Kopf bekommen.

  2. hier so ruhig bei Facebook geht zum Blogbeitrag die Post ab ;-)
    https://www.facebook.com/gwup.org/posts/10155389147183784

    Interessant zum Compact Magazin:

    https://www.psiram.com/de/index.php/Compact_Magazin

    Zeit-Recherche über die Finanzen beim Verschwörer-Magazin Compact
    http://meedia.de/2016/06/09/zeit-recherche-ueber-die-finanzen-beim-verschwoerer-magazin-compact/

    Jürgen Elsässer und sein „Compact“-Magazin
    Ein Netzwerk für Putin und Pegida
    http://www.tagesspiegel.de/medien/juergen-elsaesser-und-sein-compact-magazin-ein-netzwerk-fuer-putin-und-pegida/12194382.html

  3. Perfekt:

    Die „Sorgenkinder Mannheims“-Tour ist ein finanielles Desaster:

    http://www.augsburger-allgemeine.de/neu-ulm/Sorgenkinder-Mannheims-im-Klosterhof-id42391621-amp.html

  4. @crazyfrog
    Sehr erfreulich. Die heftige Kritk an Naidoo und die Söhne Manneheims aufgrund des Songs „Marionetten“ hat ausnahmsweise nicht zu einem Push geführt, wie es sonst sehr oft üblich ist.

  5. Spätestens jetzt wird er Nachdenken – falls er noch dazu in der Lage ist.

  6. @ P. Castell:

    Nö, der wird sich weiterhin als Opfer einer Verschwörung gegen ihn sehen.

  7. Ein unerträglicher Kerl!

    Die Amadeu-Antonio-Stiftung bzw. deren Mitarbeiter saugen sich das ja nicht aus den Fingern. Und außerdem, wenn Naidoo solche Ansichten hat, dann soll er zu ihnen klar stehen und nicht so tun, als ob das nicht stimmt.

    Solange er sich der Volksverhetzung nicht strafbar macht, kann er sich auch in der von ihm so viel geschmähten Bundesrepublik als Antisemit gerieren. Dann wissen wenigstens alle, woran sie bei ihm sind, und können später nicht behaupten, sie hätten davon nichts mitbekommen.

  8. Antisemitismus und christlicher Glaube besitzen eine lange gemeinsame Geschichte, sowohl bei den Katholiken als auch bei den Protestanten. Der tiefgläubige Christ Xavier Naidoo befindet sich also in „guter“ Gesellschaft.

  9. Xavier Naidoo wird neuer Juror bei DSDS.

    http://www.spiegel.de/kultur/tv/xavier-naidoo-neues-dsds-jurymitglied-a-1232518.html

    Nach „Sing meinen Song“ und „Voice of Germany“, die durchaus ihre Qualitäten haben, kann ich das nur als Abstieg sehen, wenn er jetzt mit Bohlen gemeinsame Sache machen will.

    Das will wohl jemand seine schwindende Karriere aufpolieren. Oder das Geldsäckel ist nicht mehr so prall gefüllt wie ehedem.

  10. RPGNo1

    „…kann ich das nur als Abstieg sehen, wenn er jetzt mit Bohlen gemeinsame Sache machen will!“

    Naja, das finde ich nicht.

    Was mir persönlich nicht daran gefällt, ist, dass dieser aus meiner Sicht „kuriose“ Typ sich vor einem Millionenpublikum und einer wohl neuen neuen Publikumsschicht bekanntmachen kann.

    RTL sollte mehr Verantwortung zeigen!

  11. Tja, Deutschland rückt halt derzeit nach rechts – RTL bildet somit also nur die gesellschaftlichen Gegebenheiten ab.

  12. Zitat aus Spiegel Online nach Anfrage:
    „Die gegen Xavier Naidoo gerichteten Vorwürfe entbehren jeder Grundlage und sind von ihm mehrfach öffentlich und begründet zurückgewiesen worden.“

    Das sagt doch alles über die DSDS-Verantwortlichen von RTL.

  13. Ein passender Kommentar vom Rolling Stone: „Xavier Naidoo ganz unten: Der Aluhut wird Juror bei „DSDS““
    https://www.rollingstone.de/xavier-naidoo-ganz-unten-der-aluhut-wird-juror-bei-dsds-1570874/

  14. @ crazyfrog

    Grund drei ist aus meiner Sicht besonders widerwärtig. Das Xavier Naidoo schlimme Äußerungen machte, war mir klar. Aber die Worte unter Grund drei sind derart schlimm (deshalb schäme ich mich, sie hier zu zitieren) dass sich jeder Fernsehsender und Veranstalter von Naidoo distanzieren müsste.

    https://noisey.vice.com/de/article/yw9e8w/xavier-naidoo-nicht-im-fernsehen-rtl-deutschland-sucht-den-superstar-lombardi-dieter-bohlen

    Leider bekomme ich immer mehr den Eindruck, dass sich im Promifeld gewisse Kollegen und allgemein in der Showbranche Verantwortliche viele nicht trauen, ihre ehrliche Meinung zu sagen. Zu groß ist wohl die Klüngelei und Angst, aus der Erfolgswelle ihres Jobs rauszufallen…

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