„Ohrale“ Globuli-Gabe amüsiert das Netz – ist aber nicht unbedingt zum Lachen

Bei Wissenschaft & Skeptizismus wird die Story schon seit zwei Tagen diskutiert:

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Nicht wenigen Kommentatoren fiel es allerdings schwer, das zu glauben.

Jetzt hat INH-Unterstützer Dr. Christian Lübbers bestätigt: Das Ganze hat sich tatsächlich so zugetragen.

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Und dankenswerterweise berichten anno 2017 auch die Publikumsmedien über solche alternativmedizinischen “Unfälle”:

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In diesem konkreten Fall war die “ohrale” Globuligabe wohl einem Missverständnis zwischen dem Heilpraktiker und den Eltern des Mädchens (mit Migrationshintergrund) geschuldet.

Nichtsdestotrotz weist Lübbers auf ein grundsätzliches Problem hin:

Der Fall zeigt für ihn aber, dass Heilpraktiker manchmal nicht mit ihrer eigentlich Stärke punkten könnten – der psychosozialen Komponente: Zeit für den Patienten.

“Wenn sich hier vielleicht genug Zeit genommen worden wäre, hätten die Eltern die Globuli doch zumindest nicht ins Ohr gesteckt.”

Problematisch könne auch sein, dass Menschen nach einem Besuch beim Homöopathen zunehmende Schmerzen und Komplikationen nicht ernst nehmen: “Es wird bei der Behandlung auf eine sogenannte typische Erstverschlimmerung hingewiesen.”

Und so (vorhersehbar) reagiert eine Impfgegnergruppe auf den Tweet (via Der goldene Aluhut):

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Zum Weiterlesen:

  • Globuli im Ohr: Arzt bleibt nach Untersuchung von Kind sprachlos zurück, web.de am 10. Januar 2017
  • Homöopathieverträgliche Zahnpasta – warum das? Informationsnetzwerk Homöopathie am 7. Januar 2916
  • Homöopathie ist “bad” und bizarr – und das INH setzt seine erfolgreiche Aufklärung fort, GWUP-Blog am 1. Januar 2017
  • Arzt holt zehn Globuli-Kügelchen aus Ohr von Vierjähriger, Berliner Morgenpost am 10. Januar 2017
  • Eitrige Mittelohrentzündung: Eltern geben Kind Globuli ins Ohr – Arzt fassungslos, Mitteldeutsche Zeitung am 10. Januar 2017

17 Kommentare zu “„Ohrale“ Globuli-Gabe amüsiert das Netz – ist aber nicht unbedingt zum Lachen”


  1. 1 MX 11. Januar 2017 um 17:28

    R-Ohrzucker.

  2. 2 Ralf im Vollrausch 11. Januar 2017 um 19:25

    und wann werden Die Globuli geschnupft? … bei einem Schnupfen?

  3. 3 gnaddrig 11. Januar 2017 um 19:38

    wenn Globulis im Gehörgang gewesen wären, hätten sie sich aufgelöst, durch die Körperwärme…

    Absolut richtig. Wenn man Zucker im Topf erhitzt (etwa wenn man Karamell macht), wird er flüssig wegen der Wärme! Mit Globuli habe ich das noch nicht ausprobiert, aber da die aus Zucker sind, dürfte das ähnlich wie mit Haushaltszucker funktionieren. Da können im Ohr gar keine Globuli mehr gewesen sein.

    Und der flüssige Zucker zieht dann entweder in die Haut ein oder läuft aus dem Ohr heraus. Das nennt der Schulmediziner einfach Eiter und nimmt es zum Vorwand, schnell ein bisschen Gift zu verschreiben. So läuft das nämlich, jahaha, durchschaut!!einself!

  4. 4 crazyfrog 11. Januar 2017 um 21:28
  5. 5 frater mosses zu lobdenberg 12. Januar 2017 um 00:01

    Plausible Theorie, gnaddrig. In entzündeten, direktglobulisierten Gehörgängen von Kindern herrscht demnach, dem Schmelzpunkt von Milchzucker entsprechend, ein Fieber von mindestens 202 °C. Da soll noch mal einer sagen, dass das mit der Erstverschlechterung Unfug sei!

  6. 6 diabetiker 12. Januar 2017 um 07:58

    wohin die glaubis gesteckt werden ist völlig egal, denn nutzen tun sie sowieso nicht.
    für mich ist dies wieder mal ein beispiel für die idiotische selbstüberschätzung der hp`s, wirkliche erkrankungen zu behandeln.
    daher sollte man statt auf das mißverständnis der eltern(die vermutlich garnicht gemerkt haben daß sie beim scharlatan sind)
    auf die sinnlosigkeit der kügelchen zeigen.
    zusätzlich auf die nutzlosigkeit “und” gefahr einen hp aufzusuchen.

  7. 7 Bernd Harder 12. Januar 2017 um 13:44
  8. 8 crazyfrog 12. Januar 2017 um 14:04
  9. 9 Catweazle 12. Januar 2017 um 14:45

    War halt Glück für’s Kind, es hätte auch was am Auge sein können.
    Oder gibts da was Alternatives wie Akkupunktur?

  10. 10 diabetiker 12. Januar 2017 um 16:10

    das einzige glück das das kind hatte war, daß die eltern “endlich” doch zu einem “arzt” gegangen sind, die zwei verlorenen tage waren garantiert die hölle für das kind. ich hatte das vor über 60 jahren , und es war wahnsinnig schmerzhaft.

    natürlich bieten irre (auch ärzte) für ohren und augenbeschwerden den größten qutsch an- von akupunktur(ohr und augen) bis brennende “ohrkerzen” ins ohr. es sind nicht nur alle hp`s die scharlatanerie betreiben, sind auch einige “ärzte” mit im verdienstboot des schwurbelns.
    (kenne einen der schaut immer weg wenn ich ihn treffe)

  11. 11 Christian Becker 13. Januar 2017 um 06:25

    @Frater Mosses
    Es ist ein weit verbreiteter Irrtum, dass Globuli aus Milchzucker bestehen.
    Globuli bestehen aus Saccharose (= Rohrzucker, oder R-Ohrzucker in dem Fall, wie MX schrieb).
    Saccharose hat aber nur einen Schmelzpunkt von ca. 186 °C. Das ist viel weniger als 202 und damit ist die Geschichte mit den im Ohr geschmolzenen Globuli sehr wohl plausibel!!11elfoderso. :P

    Wenn man feuchte Hände hat, lösen sich Globuli aber in der Tat in der Hand auf, was wiederum mit der Wärme nicht viel zu tun hat. Und auch im Eiter, der ja durchaus wässrige Anteile hat, lösen sich Globuli sicherlich irgendwann auf – da wäre also was dran.
    Nun sind aber 10 Globuli in einem Kindergehörgang schon recht viel, ob da der Eiter als Lösungsmittel reicht (offenbar ja nicht), darf stark angezweifelt werden.

    Das wird die Homöofraktion aber nicht weiter irritieren. So, wie für die Wirkung oder auch deren Ausbleiben (falsches Mittel) Beliebiges herbeiphantasiert wird, so wird eben auch irgendwas dahergeschwurbelt um die Geschichte als Lüge darzustellen (oder Fakenews, wie das ja heute heißt).

  12. 12 diabetiker 13. Januar 2017 um 11:38

    nur zur info – eine mittelohrentzündung/vereiterung findet wie der name schon sagt “nicht” im äußeren gehörgang also ab trommelfell nach außen sondern ab trommelfell nach innen statt.
    wenn eiter ausfließt ist er schon durch das trommelfell durchgebrochen
    der vorgang ist sauschmerzhaft.

  13. 13 Peter H. 14. Januar 2017 um 16:00

    So schön die Geschichte auch ist, dass Mittel falsch eingenommen werden, kommt auch so immer wieder vor.

    Siehe das Blog von Pharmama

    https://pharmama.ch/?s=falsche+anwendung

    Ein Beispiel daraus:

    “Als die Scopolamin Pflaster vor ein paar Jahren ausser Handel gingen war da ein Patient, der fragte, was er sonst benutzen kann auf seiner Kreuzfahrt. Die Apothekerin empfahl ihm Kapseln mit Doxylamin. Als sie den Patienten nach den Ferien wieder sieht und ihn fragt, wie es gegangen ist, sagt der: „Schrecklich. Die Kapseln haben nicht gewirkt.“

    Stellt sich heraus, dass er sie hinter das Ohr geklebt hat – wie vorher die Pflaster.”

  14. 14 diabetiker 16. Januar 2017 um 15:33

    gegen dummheit ist kein kraut gewachsen(stand mal irgendwo)
    und wer sich kapseln hinters ohr klebt, sollte beim essen auch kein messer benutzen, da selbst und fremdverletzung droht.
    bei glaubis kann es keine falscheinnahme geben, völlig egal wie, wo, oder auch ob, der nutzen ist null.

  15. 15 p0etwarri0r 16. Januar 2017 um 19:07

    Wie verabreicht man Globuli gegen Hämorrhoiden?
    (Ich frage für einen Freund.)

  16. 16 RainerO 17. Januar 2017 um 11:23

    @p0etwarri0r
    Das weiß doch jeder: Globulis sind für’n A …

  17. 17 noch'n Flo 17. Januar 2017 um 12:36

    @ p0etwarri0r:

    “Ich frage für einen Freund.”

    Ja nee, is klar. Glauben wir Dir sofort.

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