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Hummeln können fliegen – und Wissenschaft ist nicht bloß eine grobe Empfehlung

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Geht nicht gibt’s nicht. Wer sagt, „Ich kann nicht“, setzt sich nur selbst Grenzen. Denke an die Hummel […] Nach den bekannten Gesetzen der Aerodynamik ist es unmöglich, bei diesen Verhältnissen zu fliegen. Die Hummel weiß das nicht. Sie fliegt einfach.“

Nettes Sprüchlein – aber völliger Mumpitz.

Dass es sich bei dem „Hummel-Paradoxon“ um einen Scherz handelt, sollte sich mittlerweile herumgesprochen haben, auch wenn es immer wieder dramaturgisch eingesetzt wird:

Auch GWUP-Vorstand Dr. Florian Aigner nutzt die Hummel-Legende als Aufhänger für seine aktuelle Kolumne Wissenschaft & Blödsinn, um zu verdeutlichen, wie Wissenschaft funktioniert:

Die Flügel einer Hummel sind nicht starr wie die Tragflächen eines Flugzeugs, die Hummel erzeugt unter ihren Flügeln kleine Wirbel, die für Auftrieb sorgen. Das ist wissenschaftlich durchaus interessant, natürlich hat man das schon längst untersucht und verstanden.

Nur die Motivationstrainer wissen das nicht, und daher reden sie noch immer Unfug.

Interessant daran ist aber, dass es tatsächlich noch immer Leute gibt, die Wissenschaft bloß für eine grobe Empfehlung halten, der man sich einfach mal widersetzen kann, wenn man darauf Lust hat […]

hu

Wahr ist natürlich, dass man in der Wissenschaft vorsichtig sein muss, wenn man etwas für unmöglich erklärt. Was man auf den ersten Blick für ein strenges Verbotsgesetzt halten könnte, ist manchmal vielleicht gar keines.

Ein schönes Beispiel dafür ist die moderne Lichtmikroskopie. Lange Zeit hieß es, mit Licht könne man niemals Strukturen abbilden, die wesentlich kleiner sind als die halbe Lichtwellenlänge.

Die Physiker Ernst Abbe und Baron Rayleigh hatten das mit sauberen mathematischen Formeln ausgerechnet. Intuitiv ist das auch irgendwie naheliegend – schließlich kann ich mit zentimetergroßen Mosaiksteinen auch keine millimeterfeinen Details darstellen. Heute gibt es trotzdem verschiedene Mikroskopie-Techniken, die diese Regel aushebeln.

Für solche Methoden wurde 2014 sogar der Nobelpreis für Chemie vergeben. Wurden hier Naturgesetze gebrochen? Nein, natürlich nicht. Man hat sich nur etwas fundamental Neues ausgedacht.

Und das ist genau der Unterschied zwischen der dummen Geschichte über die Hummel und der echten Wissenschaft. Der Erfolg ergibt sich nicht aus dem Ignorieren von Unmöglichkeiten.“

Zum Weiterlesen:

  • Halten Sie sich gefälligst an die Naturgesetze! futurezone am 22. September 2015
  • Sind Hummeln wirklich zu dick zum Fliegen? Spektrum am 20. März 2015
  • Und sie fliegt doch! Zeit-Online am 4. Februar 2014
  • Ein Lob der Hummel: „Und sie fliegt doch“, Astrodicticum simplex am 13. August 2014
  • Die friedliche Koexistenz von Wissenschaft und Humbug, Gesundheits-Check am 3. Oktober 2015

4 Kommentare

  1. Was die Hummler ja gerne ignorieren (oder für die Unterschiede zu denkverweigernd sind):

    Hummeln konnten (im Gegensatz zu z.b. Esoholikern) ihre Fähigkeiten demonstrieren, da gab es keine „Man sieht Hummeln nur fliegen, wenn man dafür offen ist“-Ausreden.

  2. Die Hummler haben übrigens noch eins übersehen: die Natur ist nicht skalensymmetrisch. Wäre eine Hummel so groß wie ein Hubschrauber, könnte sie nicht nur nicht fliegen, sie würde unter ihrer eigenen Masse zusammenbrechen.

    Den Hummel-Hoax auf den Kopf gestellt müsste man sich auch wundern, weshalb Menschen nicht zehn Meter weit aus dem Stand springen können. Skalensymmetrisch runtergerechnet können Flöhe das nämlich durchaus…

  3. „Aerodynamisch gesehen dürfen Hummeln gar nicht abheben, lästerten Forscher lange – die Insekten schienen viel zu dick. Jetzt kamen Physiker dem Kunststück auf die Spur.“

    „Forscher??“ „Lange“?? „Jetzt??“

    Oh Journalisten …

    http://www.sueddeutsche.de/wissen/schon-gewusst-warum-hummeln-fliegen-koennen-1.2820033

  4. @hummeldumm
    „Forscher haben angeblich herausgefunden, das der IQ der Journalisten von sogenannten Qualitätsmedien überhaupt nicht ausreicht, um qualitativ hochwertige Artikel zu schreiben.“

    Für die Aufmerksamkeitsökonomie ist es leider völlig irrelevant ob die zahlende Kundschaft nun veräppelt wird oder nicht. Der Platz zwischen den Werbeanzeigen muss so marktschreierisch wie möglich gefüllt werden.

    Mit langweiligen Tatsachen riskiert man lediglich den Bankrott des Mediums.

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