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Was erlaube Grams? Die Homöopathie-Kritikerin, die der Homöopathie schadet

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Dr. Natalie Grams jetzt auch in der Frauenpresse:

Die Homöopathie-Kritikerin“

titelt das österreichische Woman-Magazin.

Die Ärztin Natalie Grams hat mit Homöopathie vielen Menschen geholfen. Jetzt hat sie sich von der Methode abgewendet und verschreibt keine Globuli mehr.“

Kritik und Unverständnis hagelt es dagegen von ihren Ex-Kolleginnen und -Kollegen.

In ihrem Blog Homöopathie neu gedacht schreibt Grams:

Immer wieder bekomme ich nun Zuschriften von Homöopathen, die mir nahelegen, meine Kritik an der Homöopathie doch für mich zu behalten.

Es sei ja schön und gut, dass ich für mich privat die Entscheidung gefällt hätte, meine homöopathische Praxis zu schließen, aber warum ich das jetzt gleich so an die große Glocke hängen müsste, das könnten sie nicht verstehen. Oder gar gutheißen.

Nur, weil ich nicht erfolgreich gewesen, oder überhaupt eine richtige Homöopathin sei, weil ich nichts verstanden hätte, weil ich die falsche Schule oder falsche Ausbildung (etc.) hätte, müsse ich der Homöopathie doch nicht so zusetzen.

Einer schrieb sogar: Frau Grams, Sie schaden der Homöopathie!

Da frage ich mich, wenn ich nun stattdessen herausgefunden hätte, dass und wie die Homöopathie funktioniert, hätte ich dies dann folgerichtig auch nur privat für mich behalten sollen?“

Einen neuen Beitrag gibt es auch von Dr. Norbert Aust bei Beweisaufnahme in Sachen Homöopathie:

Homöopathie hat als Wahlfach in der Ausbildung der Mediziner nichts zu suchen. Das ist eine Fehlentwicklung – wie Apothekenpflicht und Binnenkonsens auch –, die dringend eine Korrektur erfordert.“

Zum Weiterlesen:

13 Kommentare

  1. „Frau Grams, Sie schaden der Homöopathie!“

    Sollte dieser Satz so gefallen sein, ist er verabscheuungswürdig. Ein Arzt hat darauf zu achten, seinen Patienten nicht zu schaden, nicht aber den Milchzucker der linientreuen Denkungsart zu promoten.

  2. Wer möchte, kann sogar noch tiefer in die Frauenzeitschrifts-Kiste greifen. Von Frau zu Frau hat es auch gewagt… (Ausgabe Sept 15)

  3. Ich bin ja kein Medizinhistoriker, aber früher war der Aderlass ein probates und anerkanntes Vorgehen.
    Dann kam heraus, dass eher das Gegenteil der Fall ist. Und der Aderlass wurde verlassen.

    Da gabs sicher auch einige die gesagt haben: Herr Kollege (damals gabs noch keine Ärztinnen) sie schaden ja dem Aderlass.

    Und die zwei australischen Kollegen die Campylobakter beim Magenulcus fanden und die diversen Therapieformen durch eine Antibiotika Kur ersetzten haben die auch geschadet?

    Aber es stellt sich die Frage wer unverändert einer 200 Jahr alten Guru-Therapieform anhängt- ja der schadet den Patienten, egal ob Aderlass oder Homöopathie.

  4. Ist doch schön, dass es endlich mal einen Erfolg auf der Kritikerseite zu verzeichnen gibt. Dass der Homöopathie dabei geschadet wird, macht nichts. Die ist kein lebendes Wesen und ja eigentlich längst überfällig.

    Ich erwarte gespannt die weitere Entwicklung… wobei ich mir vorstellen kann, dass die Homöolobby bestimmt bald ein Gegenbuch rausbringt, geschrieben von einem Schulmediziner, der homöopathisch erleuchtet wurde.

  5. „aber warum ich das jetzt gleich so an die große Glocke hängen müsste, das könnten sie nicht verstehen.“

    Unfassbar, wie man sich selbst derartig demaskieren kann!

    @Christian Becker:
    „Die ist kein lebendes Wesen und ja eigentlich längst überfällig.“

    Mal wieder die typische Schulmediziner-Denke. Man muss die Homöopathie ganzheitlich bertachten, die Menge an Lebewesen, die von dieser Schädigung betroffen sind, all die Leute, denen zukünftig noch geholfen werden könnte Rhabarbarrhabarberwaggawaggawu … ;-)

  6. Leider gibt es zu viele eitle Professoren, die sehr gerne Vorlesungen über sanfte, uralte, vergessene (warum sind die aber plötzlich wieder da?) Therapien abhalten würden.

    Meine Befürchtung.

  7. Einer schrieb sogar: Frau Grams, Sie schaden der Homöopathie!

    So „komisch“ der Beitrag auch ist, umso richtiger ist er…Aufklärung schadet einem „Placebo-Effekt“…
    Ich bin zwar für einem „aufgeklärten Placebo-Effekt“, ob dieser überhaupt möglich ist, ist eine andere Frage…
    Vielleicht könnte man einen „aufgeklärten Placebo-Effekt“ über „Rituale“ etablieren.
    Vielleicht braucht der Kulturmensch einige Rituale, die nicht hinterfragt werden (das soll nicht heißen, daß diese nicht reflektiert sind).
    Rituale sind eine Triebfeder des Placebo-Effekts (hier das Schütteln der Tinktur und die Zuwendung, die in der Anamnese liegt)

  8. Die Frage ist, ob Beschwerden, die sich durch einen Placeboeffekt heilen lassen, nicht auch ganz ohne Zuckerkügelchen (oder auch echte Medikamente, die ja auch einen Placeboeffekt haben) verschwinden und gar keiner Behandlung bedürfen.

    In der Hinsicht ist die „Erstverschlimmerung“ ein geniales Konzept. Die verabreichte nichtexistente Medizin wirkt nicht, die Beschwerden nehmen zu, was man als Zeichen dafür, dass die Nichtmedizin wirkt, deutet. Dann nimmt die Erkältung oder was auch immer ihren Lauf und voilà, die Globuli (Tropfen, was auch immer) haben gewirkt.

    Aber vielleicht ist es tatsächlich so, dass viele moderne Menschen Rituale brauchen. Da die Kirche mittlerweile nicht mehr spiritueller Mittelpunkt so vieler Leute ist, sucht man Zuflucht bei Esos und Alternativmedizin (die zwar kein Seelenheil, dafür aber Körperheil verspricht, was viel greifbarer und somit erstrebenswerter ist).

    Nur eine Vermutung, Belege habe ich nicht.

  9. @Christian Becker:

    Natürlich verspricht die Alternativmedizin Seelenheil, entweder indirekt verschwurbelt mit dem Gefasel von der Ganzheitlichkeit oder ganz direkt.

    Bachblüten – meines Wissens ein Homöopathie-Ableger – sollen einem doch dabei helfen, Gemütszustände wieder einzurenken.

  10. Zitat Christian Becker:

    In der Hinsicht ist die “Erstverschlimmerung” ein geniales Konzept. Die verabreichte nichtexistente Medizin wirkt nicht, die Beschwerden nehmen zu, was man als Zeichen dafür, dass die Nichtmedizin wirkt, deutet. Dann nimmt die Erkältung oder was auch immer ihren Lauf und voilà, die Globuli (Tropfen, was auch immer) haben gewirkt.

    So sehe ich das auch…

    Aber vielleicht ist es tatsächlich so, dass viele moderne Menschen Rituale brauchen. Da die Kirche mittlerweile nicht mehr spiritueller Mittelpunkt so vieler Leute ist, sucht man Zuflucht bei Esos und Alternativmedizin (die zwar kein Seelenheil, dafür aber Körperheil verspricht, was viel greifbarer und somit erstrebenswerter ist).

    Warum einige Menschen ‚Rituale‘ brauche, ist auch mir unverständlich, da ich denke, daß ich mit wenigen Ritualen auskommen, das kann aber auch ein Trugschluß sein…
    Mein Tagesablauf ist – soweit es möglich ist – sehr unstrukturiert…eigentlich ist ‚Routine‘ für mich ein ‚Horror’…ich weiß nicht, ob bei mir ‚Placebos‘ deshalb weniger anschlagen – wäre fast einen Versuch wert ;-)

  11. Zuflucht zu esoterischen Vorstellungen hilft, Komplexität zu reduzieren, gibt Sicherheit, weil die Erklärungsmuster erschaubar sind, und es wird von einer „guten“ Natur ausgegangen, in die der Mensch eingebetet ist und die für alles eine Lösung/Heilmittel bereithält.

    Es ist sozusagen ein homozentristisches Weltbild, alles ist auf den Menschen ausgerichtet, die Natur ist nicht zufällig so wie sie ist, sondern sinnhaft. Widersprüche und Zweifel werden weniger, mehr Sicherheit, weniger Nachdenken, weniger Nichtauflsbares. Ich habe übelegt, ob Esoterikanhänger höhere Angstwerte haben, sicher ein höheres Harmoniebedürfnis.

    Statt an der Wirklichkeit zu wachsen ( ist doch eine beliebte Phrase) lieber einlullen.

  12. @Clemens Maier
    Super Kommentar…
    besonders gefiel mir: „Komplexität zu reduzieren“…das entspricht auch meiner Ansicht:
    Der (Ur-)Mensch hatte früher keine großen Probleme seine Umwelt zu „durchschauen“…er kannte alle in seiner Sippe/Stamm (das beweist unser hervorragendes Gesichtererkennen).
    Unsere moderne Welt ist nicht mehr so einfach und unser (archaisches) Gehirn schafft es nicht mehr die Welt (sinnhaft) zu erfassen…Die erste Kompression dessen war die „Religion“, die die Sinnhaftigkeit einem „Gottesdienst“ zuschrieb, der zuerst ein sorgenfreies Leben und (historisch) später sogar ein „Ewiges Leben“ versprach; sieht man sich das Alte Testament an, dann ist von einem „Ewigen Leben“ keine Rede, sondern von einem guten Leben auf Erden, wenn man die Gebote Gottes befolgt…aber da war auch noch Hiob…ja, selbst wenn man Gott gehorcht, dann hat man es im Leben doch nicht gut…das „schreit“ nach einem „Ewigen Leben“, in dem Gott für Gerechtigkeit sorgt…
    …ich persönlich fände es schön, wenn es so was gäbe, aber glauben daran kann ich nicht mehr…manche sagen vielleicht: „schade“, aber ich bin jeder Erkenntnis dankbar, auch wenn sie „schmerzhaft“ ist, und ich wäre froh, wenn viele Gläubigen so denken würden.

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