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Vertrauen sie niemandem – schon gar nicht Xavier Naidoo

| 35 Kommentare

Alles nur ein Missverständnis?

Oder gar eine Neidkampagne gegen einen beliebten und erfolgreichen Künstler?

Hat Xavier Naidoo wirklich das „Goldene Brett vorm Kopf“ verdient?

Er hat.

Telepolis macht sich die Mühe, die Texte des „Reichsbürger“-Sympathisanten einer Analyse zu unterziehen und findet darin zahlreiche konspirologische, antisemitische, neonazistische und fundamentalreligiöse Bezüge:

Die permanente Bedrohung durch eine geheime Macht im Hintergrund, die in Naidoos Texten und seinen politischen Auftritten mitschwingt, ist geeignet, um leichtgläubige Menschen zu radikalisieren.

Denn gegen eine derart übermächtige Gefahr erscheint jedes Mittel der Gegenwehr gerechtfertigt zu sein.“

Bislang gibt es fast 400 Kommentare zu dem Artikel, der beste davon:

Die Kommentare bestätigen alle im Artikel genannten Vorwürfe.“

Auch die Frankfurter Allgemeine Zeitung befasst sich mit der wachsenden „Gruppe von Menschen, die überall Lügen sehen“:

Diese Deutschen, die da sprechen, hassen Presse und Politik, Amerika und Israel, den Kapitalismus machen sie für alles verantwortlich und sind im Grunde einfach nur gegen die Demokratie.

Dafür lieben sie Russland.

Nicht, weil sie Gogol so gut, Bulgakow so klug und Tolstoi so brillant finden, sondern weil westliche Ideale für sie eine Bedrohung darstellen.

Ihr Lebensentwurf ist ein sehr russischer Lebensentwurf, denn sie sehnen sich nach den alten Werten, die „dekadente“ westliche Gesellschaft fürchten sie.

Und deshalb spiegeln sich in ihren Argumentationen gegen Kapitalismus, Amerika, Freiheit oder Homosexualität auch die Argumentationen des Kremls, der Russen wieder.“

Welt-Online und Tagesspiegel schreiben über den Verschwörungsglauben im Allgemeinen:

Warum sind dieselben Menschen gleichzeitig gegenüber Medienberichten so misstrauisch und in so starkem Ausmaß bereit, auch Widersprüchliches für wahr zu halten, wenn es nur der offiziellen Lesart des Geschehens entgegensteht?

„Die menschliche Erkenntnistätigkeit hat sich evolutionär in kleinen, überschaubaren, eng kooperierenden Gruppen aus persönlich bekannten Mitgliedern entwickelt, die sich gegenüber anderen Gruppen – oft aggressiv – behaupten und abgrenzen mussten“, gibt der Biopsychologe Peter Walschburger von der Freien Universität Berlin zu bedenken.

Mit vielen komplexen Fragestellungen in unserer globalisierten Welt sei sie schlicht überfordert.“

Tatsächlich scheint das alte „Akte X“-Motto „Trust no one“ für eine zahlenmäßig nicht geringe Anzahl von Menschen das Leitmotiv des 21. Jahrhunderts zu sein.

Zum Weiterlesen:

  • Rothschild-Verschwörung bei Xavier Naidoo, Telepolis am 11. Dezember 2014
  • Ist halt so, ist die Wahrheit! FAZ am 9. Dezember 2014
  • Überall Verschwörer, Tagesspiegel am 7. Dezember 2014
  • Geheime Mächte steuern die Welt. Echt? Wahnsinn! Welt-Online am 5. Dezember 2014
  • Die Eso-Oscars 2014: And the Winner is …, GWUP-Blog am 26. November 2014
  • Medienkritik, Paranoia und „Alternativ“-Journalismus, GWUP-Blog am 2. November 2014
  • Faktencheck Ebola und die Verschwörung der „Systempresse“, GWUP-Blog am 12. November 2014
  • Meine Haltung zu Elsässer, Jebsen und Co., Niederrheiners Blog am 11. Dezember 2014
  • GWUP-Thema: Verschwörungstheorien
  • Neue Info-Broschüre über „Reichsbürger“ und Verschwörungsphantasten, GWUP-Blog am 13. Dezember 2014

35 Kommentare

  1. Ohne hier Verschwörungstheoretiker oder Reichsbürger verteidigen zu wollen, aber dieser Artikel und die verwendeten Zitate werfen Fragen auf.

    Besonders bei dem zitierten Absatz aus der FAZ stellt sich die Frage nach Belegen für die Russlandliebe „dieser hassenden Deutschen die überall nur Lügen sehen“
    Wobei der Hass in diesem Fall doch eher aus dem Artikel tropft.

    Auch die Artikel aus Welt Online bzw. Tagesspiegel sind Wissenschaftsgeschwurbel wie man es auch in „wissenschaftlichen Homöopathietexten“ findet.

    Oder ist Skepsis gegen dem was „in der Zeitung steht“ schon verdächtig und prinzipiell weniger angebracht als gegenüber Impfgegenern?

  2. @Nouse:

    Guter Satz:

    << Hohe Glaubwürdigkeit genießt der, der mir sagt, was ich ohnehin hören will. <<

  3. Ich kanns ehrlich bis heute nicht verstehen warum die Leute, die Gegen die Westlichen werte sind (die ja leider nicht immer hochgehalten werden) den Putin zu so einer Galeonsfigur zilesieren. Warum möchten man unter so einem Typen leben?

  4. @darkfiete:

    Zitat aus dem verlinkten Artikel:

    < < Mit Russlands Präsident Putin haben die reaktionären Kräfte ein neues Idol bzw. eine Person gefunden, die Orientierung spendiert und die sie nun auch noch mit professioneller Propaganda in deutscher Sprache versorgt. Russland will diese Klientel übrigens keineswegs vom russischen “Way of life” überzeugen, sondern es geht um eine gemeinsame Anti-Haltung. Gegen den Westen, gegen die Rechte von Minderheiten, gegen eine ausdifferenzierte und demokratisierte Gesellschaft. << http://www.publikative.org/2014/12/11/pegida-wenn-untertanen-aufmuepfig-werden/

  5. Das Merkwürdige ist ja, wie die „Aufgeklärten“ sich von der westlichen Mainstream-Presse distanzieren, aber blind „Russia Today“ vertrauen.
    Einem de facto Staatsorgan.
    Muss man nicht verstehen, oder?

  6. Wer unseren Medien gegenüber skeptisch ist, wird in dieser Runde automatisch beleidigt mit den Attributen Reichsbürger, jemand der starken Person nachläuft (jetzt halt Putin statt Hitler) und besonders beleidigend als rechtsradikal und ausländerfeindlich.

    Besonders lieb find ich den Anwurf, westliche Werte würden nicht geschätzt. Wenn wir schon bei solchen Allgemeinplätzen sind, welche westlichen Werte?
    Folter? Wegsperren Verdächtiger ohne Gerichtsverfahren auf Guantanamo und anderswo? Bespitzeln der eigenen Bürger? Untertützung von Faschisten in der Ukraine? Unterstützung von islamistischen Staaten wie Saudi Arabien?

    Oder Bomben werfen auf Zivilisten im Irak weil dort Massenvernichtungswaffen lagern? Ich war zur Zeit des Kriegsbeginns gegenüber dem Irak in den USA. Die Medien dort berichteten im gleichen Stil und Duktus über den Irak wie heute unsere Medien über die Ukraine.
    Damals konnte man eine differenziertere Bild noch aus den deutschen Medien beziehen.

    Ist diese Art der Diskussion eines Skeptikers würdig?

  7. @NoSpam:

    < < Die Medien dort berichteten im gleichen Stil und Duktus über den Irak wie heute unsere Medien über die Ukraine. << Was genau ist denn der Stil und Duktus "unserer Medien"? An anderer Stelle ist bereits festgestellt worden, dass "die Medien" keineswegs eine monolithisch einhellige Auffassung zur Ukraine-Krise vertreten. Auch der viel gescholtene "Spiegel" hat seine einseitige Anti-Putin-Titelgeschichte mittlerweile korrigiert, mit einer recht differenzierten Betrachtung, in der Putin und Merkel gleichermaßen "gewürdigt" werden. Können Sie mir irgendeinen "Reichsbürger" oder Verschwörungsphantasten nennen, der dies auch nur zur Kenntnis genommen hat? << Wer unseren Medien gegenüber skeptisch ist, wird in dieser Runde automatisch beleidigt mit den Attributen Reichsbürger. << Auch diese Diskussion hatten wir doch schon an derselben Stelle (Link unten). Vom "Medienkritiker" zum "Reichsbürger" ist es schon noch ein gewaltiger Schritt, ich wüsste nicht, dass irgendjemand hier ernsthaft eine solche Gleichstellung vertritt, oder wo genau sehen Sie das? "Den Medien" gegenüber skeptisch zu sein, ist integraler Bestandteil der Arbeit in den Medien selbst. "Mainstream"-Journalisten reflektieren ihre "Rolle" und ihre Fehler in der Berichterstattung weitaus selbstkritischer und konstruktiver, als "Reichsbürger" und Verschwörungsphantasten mit ihren ewig öden und immerselben Unterstellungen (Link 3). Können Sie mir irgendeinen "Reichsbürger" oder Verschwörungsphantasten nennen, der diese medieninterne Debatte etwa zur Ukraine-Krise auch nur zur Kenntnis genommen hat? Wenn schon, dann eher umgekehrt: Die Sebststilisierung von "Reichsbürgern" zu "Medien- und Systemkritikern" ist Unsinn, da es ihnen nicht um kritische Fragen geht, sondern um fertige (und phantasierte) "Antworten" auf komplexe und schwierige Zusammenhänge. Oder können Sie mir irgendeinen "Reichsbürger" oder Verschwörungsphantasten nennen, der, nachdem seine "Fragen" vom "Mainstream" aufgegriffen worden sind, sich mit guten Argumenten und überzeugenden Antworten zufriedengibt bzw. zugibt, dass seine "kritischen" Fragen längst alle beantwortet sind? Und das ist nur einer von zahlreichen Unterschieden zwischen einem Kritiker und einem Verschwörungsphantasten und/oder "Reichsbürger". https://blog.gwup.net/2014/11/02/medienkritik-paranoia-und-alternativjournalismus/

    https://magazin.spiegel.de/digital/?utm_source=spon&utm_campaign=centerpage#SP/2014/48

    http://www.mediummagazin.de/inhalt/medium-magazin-112014/

  8. @ NoSpam: Besonders lieb find ich den Anwurf, westliche Werte würden nicht geschätzt. Wenn wir schon bei solchen Allgemeinplätzen sind, welche westlichen Werte?
    Folter? Wegsperren Verdächtiger ohne Gerichtsverfahren auf Guantanamo und anderswo? Bespitzeln der eigenen Bürger? Untertützung von Faschisten in der Ukraine? Unterstützung von islamistischen Staaten wie Saudi Arabien?

    Das sind ja nun gerade nicht westliche Werte.

    Dass die von wichtigen Vertretern der westlichen Welt, allen voran den USA, seit langem in bestimmten Bereichen und Zusammenhängen systematisch verletzt und mit den Füßen getreten werden; dass so manches westliche Land der dritten Welt Wasser predigt und selbst Wein säuft usw., wird auch außerhalb der Reichsbürger-, Aufgewachten- und Verschwörungstheoretikerszenen bemerkt, diskutiert und oft scharf kritisiert.

    Auch, übrigens, in der „Systempresse“, in den Mainstream-Medien.

    Und zwar ohne, dass dahinter ein machtpolitisches Eigeninteresse wie bei russischen Propagandaschleudern stecken würde.

  9. @Bernd Harder: <> Möglicher Weise das Thema das auch von den Unterzeichnern der Erklärung „Wieder Krieg in Europa? Nicht in unserem Namen!“ kritisiert wurde? Ausser der Zeit war dieser Appell imo in keinem namhaften Medium eine zumindest kritischer Auseinandersetzung wert.

    Spon hat seine Sprache zum Thema Ukraine wieder etwas normalisiert, hat sich aber von den eigenen Hetzparolen nicht distanziert.

    <>
    Will heissen es gibt noch verbohrtere Menschen als Journalisten? Klasse.

    <>

    Die Kommentare und Links hier nicht gesehen?

    Ansonsten und an diejenigen die es überlesen haben, ich halte Reichsbürger zumindest für Spinner. Oder gefährlich.

    @Trixi, meinen Kommentar gelesen? Wo hab ich geschrieben die Nachricht wurde unterdrückt? Es war eine Replik auf die von @darkfiet geforderten westlichen Werte.

  10. @Bernd Harder: in Wahrheit muss man die Verschwörung um Xavier Naidoo in einem größeren Umfeld betrachten ;)
    https://www.youtube.com/watch?v=sELX0XTz7ak

  11. Schade, die als Kommentarzeichen von mir verwendeten Pfeile haben in meinem vorigen Post wohl die Zitate gelöscht.

    Interessant an Ihren Links ist das Datum der Artikel. An wenig prominenter Stelle (nur online nicht im TV) fast mit einer Woche Verspätung die Tagesschau. Wohl mehr ein Feigenblatt als eine Nachricht.

    Veröffentlichung Nie wieder Krieg: 5.12.
    nnz-online: 12.12
    Tagesschau.de 11.12.
    mdr .de 12.12
    welt.de 8.12.
    Der Artikel in der FAZ vom 10.12. ist wohl mehr Hetze als Bericht.
    Der Focus – Link führt bei mir nur zu einem kurzen Leser-Kommentar

  12. @NoSpam:
    “ jemand der starken Person nachläuft (jetzt halt Putin statt Hitler) und besonders beleidigend als rechtsradikal und ausländerfeindlich.“

    Ähem, man tut Putin sicher nicht unrecht, ihn als Rechts einzuordnen.

    Eine parlamentarische Opposition gibt es in Russland faktisch nicht, oppositionelle Presse wird völlig unterdrückt. Das ist zumindest autokratisch, mAn in Teilen faschistoid.

    Es gibt keine wirklich freie Presse in Russland, trotzdem bedienen sich die ach so unfreien „Reichsdeutschen“ gerne aus dieser. Natürlich nur, wenn es ihnen in den Kram passt.

  13. Wenn wir schon mal bei Rechtsextremismus und Reaktionären Tendenzen sind, könnte das hier: http://www.youtube.com/watch?v=g315Ss85ELI vieleicht eine nette Informationsquelle sein.
    Was am deutschen Volk und an der weißen Rasse so toll und schützenswert sein soll habe ich nie wirklich verstanden.

  14. Anscheinend haben die russischen PR-Agenturen es tatsächlich geschafft, ein verzerrtes Bild der deutschen Meinungslandschaft zu erzeugen.

    Es besteht der dringende Verdacht, dass ein Großteil der in Foren und auf Kommentarseiten wuchernden Russland-Liebe von organisierten Schreibern verbreitet wird.

    Eine Zusammenfassung gibt der Bericht bei Heise (der eine Rekord-Kommentarflut von über 3000 Postings erreichte):

    http://www.heise.de/newsticker/meldung/Putins-Trolle-schwemmen-die-Online-Foren-2221297.html

  15. Kann es sein, dass dieses ständige Berufen auf vermeintlich dunkle Mächte, die im Hintergrund agieren, eine Art Immunisierungsstrategie ist?

    Niemand kann die Existenz „derer“ und „deren Wirken“ bestätigen, noch kann man es/sie widerlegen.

    Im Grunde argumentieren die Verschwörungstheoretiker mit Strohmännern. Nicht falsifizierbare Hypothesen dienen als Bestätigung.
    So ist für den Verschwörungstheoretiker eine Behauptung, die nicht widerlegt wird (oder nicht widerlegt werden kann) automatisch eine Bestätigung.

    Wenn man sich, wie vernünftige Menschen das tun, auf Fakten beruft, muss man eben mit Gegenargumenten rechnen:

    So bietet z.B. die Außenpolitik der USA genügend Grund zur Kritik. Aber auch Zustimmung. Und das, was in der „Mainstreampresse“ bereits

    berichtet wurde, reicht für die meisten Leute aus, um sich eine Meinung zu bilden. Die Akteure sind bekannt. Wozu dann noch die „geheimen Kräfte“ im Hintergrund?

    Die „geheimen Kräfte“ widersprechen nicht. Sie sind per definitionem „böse“, d.h. sie liegen grundsätzlich Falsch.

    Es ist ein Ausdruck von Bequemlichkeit,nur gegen Strohmänner zu argumentieren, als mit Fakten und Sachargumenten.

    Der Strohmann kann sich nicht wehren, der Amerikafreundliche Politiker beispielsweise schon.

    Oder ist es Ohnmacht, dass man über Dinge bescheid zu wissen glaubt, aber nichts tun kann? Da mag es für den einen wenigstens eine kleine Genugtuung sein, dass er wenigstens gegen den „Bösen Rothschild“ demonstriert hat.

    Wenn man schon nichts ausrichten kann, hat man wenigstens einen Strohmann umgenietet.

  16. Zunächst möchte ich vorausschicken, dass ich als wissenschaftlich orientierter mensch i.a. und mathematiker im besonderen, präzises bewerten und analysieren von fakten als unabdingbar erachte um ein modell der realität (sofern diese überhaupt sinnvoll im singular zu benennen ist) zu erstellen. konsequenterweise kann ich mich auch immer wieder nur über die abstrusen vorstellungen von homöopathen, impfgegnern, licht-kriegern, granderwasser-konsumenten und was sonst noch so alles im eso-unviersum sein unwesen treibt, kopfschüttelnd wundern und bekomme u.a. über die mailing-liste der gkd (= gwup-at fraktion) auch genügend gelegenheit dazu.
    was das in diesem thread diskutierte thema betrifft möchte ich jedoch gerne ein paar kritische anmerkungen machen, da ich finde dass andere kandidaten als naidoo das goldene brett 2014 eher verdient hätten (insb. die zweit und dritt gereihten impfgegner, barbara steffens, aber auch die österr. ärztekammer f. deren homöopathie-verständnis). ich muss zugeben dass xavier naidoo bis vor einigen wochen auf meinem wahrnehmungs-radar überhaupt nicht existent war, da ich den proponenten/produkten der unterhaltungs(=verblödungs)-industrie
    generell kaum beachtung schenke. daher habe ich mich erst jetzt überhaupt ganz grob über seine ansichten informiert. mein erster eindruck ist, dass da wohl einiges abstrus klingt (reichsbürger etc.), aber die tatsache dass er (möglicherweise nicht hinreichend fundierte) kritik an den politischen vorgängen (speziell usa/finanzkrise/nato/ukraine) und deren bewertung der mainstream-medien übt, bewerte ich grundsätzlich positiv. vielleicht wird ja jetzt der terminus „putin-versteher“ als killer-argument in stellung gebracht, aber ich selbst habe in den vergangenen monaten die erfahrung gemacht, dass die bösen propaganda-medien wie russia-today (und neuerdings rt-deutsch) für mich einen nützlichen beitrag leisten um mir, komplementär zu den westlich orientierten quellen, ein kompletteres und gemitteltes gesamtbild der vorgänge zu bilden. natürlich gewichtet rt die west-kritischen ereignisse höher, aber so manches was nicht ins pro-westliche narrativ passt wird dafür anderswo nicht berichtet, oder wird gar satire per einstweiliger verfügung zu unterdrücken versucht
    (https://www.youtube.com/watch?v=5_c2-Yg5spU – zdf: die anstalt april 2014). da läuft also beiderseits das propaganda-modell
    (http://de.wikipedia.org/wiki/Propagandamodell – noam chomsky) auf vollen touren. dadurch ist die persönliche „realitätskonstruktion“ (s.o.) im endeffekt wesentlich schwieriger geworden als einfach nur ein, zwei als seriös gelabelte quellen zu konsumieren und zu denken man sei hinreichend informiert (wie es bei mir selbst noch vor einigen jahren der fall war). skeptisches denken zeichnet sich m.e. nach dadurch aus, dass es keine tabuzonen akzeptiert und nicht alles was als verschwörungstheorie bezeichnet wird/wurde war nicht mehr als blss das (siehe z.b. brutkastenlüge, massenvernichtungswaffen von saddam hussein, gladio etc.)

  17. @Josh „Es besteht der dringende Verdacht, dass ein Großteil der in Foren und auf Kommentarseiten wuchernden Russland-Liebe von organisierten Schreibern verbreitet wird.“

    Genau, lauter gekaufter Forenten. Aber an Verschwörungstheorien glauben andere.

    Wer Kritik an deutschen Medien übt läuft automatisch Putin nach. Ist schon sehr einfache Schwarz-Weiß-Denke.

  18. Naidoo und seine Gesinnungsgenossen wären doch selbst gerne Teil der Rothschildfamilie, vermutlich sind die allé bloss neidisch auf all den Reichtum dieser Familie.

  19. NoSpam schrieb:

    „Wer Kritik an deutschen Medien übt läuft automatisch Putin nach. Ist schon sehr einfache Schwarz-Weiß-Denke.“

    Genau dieser Fehlschluss ist in den Kommentaren bei Heise immer wieder zu lesen. Noch so ein Strohmann.

    Niemand hat behauptet, dass ALLE Kritiker organisiert sind. Aber es gibt nun mal handfeste Hinweise auf von russischer Seite veranlasste konzertierte Schreibe. Siehe SZ-Artikel. Oder Novaja Gazeta. Oder Guardian.

    Bei „tagesschau.de“ z.B. beschränkt sich die Masse der ‚Medienkritik‘ stets auf Artikel, die mit der Ukraine oder mit Russland zu tun haben.
    Und das mit der „Masse“ ist wörtlich zu nehmen – man vergleiche einmal die Zahl der Kommentare zu den entsprechenden Themen mit denen zu anderen Meldungen.

  20. @ Bernd Harder
    Super, danke für den Link!

  21. ich las seit langer Zeit regelmäßig FAZ, SZ, ZEIT, Tagesspiegel und manchmal auch SPON.
    Dann berichteten diese „Qualitäts“medien über die Ukraine. Oi oio oi. Als hunderte von Protestkommentaren unter all diesen verlogenen Hetzartikeln standen, wurden diese empörten Leser von den gleichen Medien pauschal als „Putinversteher“ und bezahlte Agenten bezeichnet. Ich hab‘ irgendwann aufgehört, diese Medien zu lesen (und fernzusehen). Und ich freue mich klammheimlich über das „Sterben“ dieser verlogenen Zunft.
    Übrigens bin ich da seit über hundert Jahren nicht alleine. Nicht nur Karl Kraus hat da einiges geklärt, auch der Volksmund: „die lügen wie gedruckt“.
    Dieser oben genannte Schlagersänger mit dem seltsamen Namen geht mir völlig am Allerwertesten vorbei. Ich bin erwachsen und höre andere Musik, von der Renaissance bis Mahler. Und Van Morrison :-)
    .
    Schon bei fefe und den Nachdenkseiten erfährt man mehr als bei SZ, Welt, FAZ, ZEIT & Co.

  22. @kdm:

    Was genau war/ist denn falsch/unkorrekt an den „verlogenen Hetzartikeln“?

    Dass Putin tatsächlich „bezahlte Agenten“ einsetzt, um „Proteskommentare“ zu steuern, haben Sie schon mitbekommen, oder?

    Oder halten Sie das auch alles für eine Lüge?

    Eine Reihe von Links und Meinungen dazu finden Sie bei diesem Beitrag:

    https://blog.gwup.net/2014/11/02/medienkritik-paranoia-und-alternativjournalismus/

    http://www.zeit.de/politik/ausland/2015-03/ukraine-berichterstattung-russland-kritik-wahrheit

  23. @trixi

    aber ganz sicher hat der Spiegel und alle anderen das gaaanz falsch und bewusst unwahr übersetzt

    Das könnte sogar sein, wenn man dieser Argumentation folgt:

    Putin benutzt das Wort Присоединение (Prisoyedineniye), das man auf vielerlei Art übersetzen kann. Beitritt läge wohl am nächsten, Anschluss, Angliederung, Aufnahme, Hinzufügung oder sogar Einverleibung – alles denkbar, all diese deutschen Vokabeln wären vom Sinn des Originals gedeckt.

    http://www.politplatschquatsch.com/2015/03/politisches-worterbuch-wenn-putin-sagt.html

  24. @theskeptator:

    Ich kann leider kein Russisch, würde jetzt aber nachfragen wollen, ob der Herr Putin das hätte mit einem eindeutigen Wort ausdrücken *können*, wenn er es *gewollt* hätte?

  25. @Bernd Harder:

    Ja, würde mich auch interessieren. Vielleicht liest ja jemand mit guten Russischkenntnissen mit und kann dazu etwas sagen.

    Möglich wäre auch, dass verschiedene Übersetzer zu verschiedenen Ergebnissen kamen, die Zeitungen sich dann aber das am sensationellsten klingende Wort herausgesucht haben.

  26. Vielleicht sollte die Krim ja auch nur ‚von der Seite der ukraninischen Geschichte verschwinden‘ (frei nach Achmadinedjad). Ja, ja, die Putinversteher und ihre Enttäuschung in die ‚Qualitätsmedien‘.

    Vermutlich noch nie eine Fackel gelesen, aber den armen Karl Kraus für sich beanspruchen. Das sind dann auch solcherlei Lumpenbürger, die in Erhebungen über Pegidademobeteiligung, Konsum von Esoquatsch und Verschwörungstheoretikern unter ‚gebildete Mittelschicht‘ subsumiert werden und das ganze Feuilleton sich wundert, wie das nur sein könne, dass diese Aufgeklärten der Gegenaufklärung in die Arme fallen.

    Man käme dem Ganzen ein wenig auf die Schliche, wenn man sich mal einen Begriff von (Halb-)Bildung machen würde.

  27. Danke für den Hinweis, trixi. Ich habe mir mal das Interview, welches unter der Rezension verlinkt ist, angeguckt. Dort wird genau das auch gesagt, als es um die Beschreibung des durchschnittlichen Pegdida-Demonstranten ging: “ … gut gebildet … “

    Es hat natürlich etwas von Gesinnung, diejenigen, die die eigene Auffassung nicht teilen, per Definition dumm zu schelten („wer an Homöopathie glaubt, kann nur dumm sein“, „Wer Nazi ist, hat keine Bildung genossen“), aber es hat schon etwas Verdächtiges, dass diese ganzen reaktionären Phänomene, die gerade in den letzten Jahren geballt auftauchen (seien es Reichsbürger, Montagsfriedensdemos, Pegida, Frühsexualisierungsgegner, nicht zuletzt der klassische S21-Wutbürger usw. usf.) immer nur isoliert betrachtet werden.

    So kann man ja nur dabei landen, sie als ‚gut gebildet‘ zu bezeichnen, wie sich vermutlich auch NoSpam, kdm & Co in dieser Kommentarspalte sich für ‚gebildet‘ halten, anstatt zu konstatieren, dass ihnen das gerade abgeht, obschon sie alle formalen Ausweise für Bildung besitzen: Abitur, Studium usw. D.h. das berührt den Bildungsbegriff selbst.

    So ist es auch kein Rätsel mehr, warum so viele ‚Gebildete‘ und auch gerade Ärzte der Esoterik anheim fallen – in einer so arbeitsteilig organisierten Gesellschaft, die diese Arbeitsteilung und das damit einhergehende, bornierte Spezialwissen forciert, nimmt es doch kein Wunder. Der Eso-Arzt hat da noch eine besondere Rolle inne:

    Zehrt noch von seinem Ruf des Universalgelehrten, der im 19. Jhdt. entstand, wird gesellschaftlich mit genau diesem Selbstbewusstsein ausgestattet, ist es aber schon lange nicht mehr.

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