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Pressespiegel: „Zuckermagier“ und „Vollidioten“ versuchen, Ebola zu heilen

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Auch andere Medien als unser Skeptiker-Blog gehen hart mit den „Zuckermagiern und Globulisten“ ins Gericht, welche die von Ebola betroffenen Gebiete in Westafrika fürs Eigenmarketing zu okkupieren versuchen.

Von „ein paar Vollidioten“ schreibt die Online-Ausgabe des Vice-Magazins:

Es kommt einem schon ein bisschen die Kotze hoch, wenn man bedenkt, dass vier erfahrene Ärzte die Ressourcen eines von bitterer Armut geplagten Landes strapazieren, während dieses gerade gegen eine gefährliche Epidemie kämpft. Die Ärzte hätten schließlich genau so gut richtige Hilfe leisten können […]

Die Vorstellung von einer Gruppe Ärzte, die mit Koffern voll verdünntem Schlangengift durch Westafrika tingelt, hat schon gewisse humoristische Qualitäten; eine Epidemie heimlich als Homöopathie-Werbeaktion zu missbrauchen, indem man vorgaukelt medizinische Hilfe zu schicken, ist hingegen einfach nur daneben.“

Die FAZ zitiert unter anderem den amerikanischen Onkologen David Gorski von Science-Based Medicine:

Warum sollte die Medizin beim Kampf gegen eine echte Krankheit, die durch ein echtes Virus hervorgerufen wird, an vitalistischem Zauber interessiert sein?“, fragt der Professor der Wayne State University in Detroit (Michigan).

„Die echte Medizin schafft es, vielleicht jeden zweiten Patienten zu retten. Wie wir wissen, führt eine unbehandelte Ebola-Erkrankung bei neun von zehn Infizierten zum Tod. Jeder Ebola-Patient, der auf Homöopathie hereinfällt, erhöht seine Chance, zu sterben, also von 50 auf 90 Prozent. Das ist ein gewaltiger Unterschied“, sagt Gorski.

Die Nachricht, dass die liberianischen Behörden einem Team von Homöopathen, unter ihnen auch der Kalifornier Richard Hiltner und die Deutsche Ortrud Lindemann, untersagten, Infizierte mit Arsen und Schlangengift zu behandeln, dürfte den Mediziner freuen.

Wie ein Sprecher des Gesundheitsamts in Monrovia der Daily Mail sagte, war erst nach Ankunft der Ärzte im Ganta Hospital aufgefallen, dass sie Patienten mit Globuli behandeln wollten.“

Der Blogger merdeister beschäftigt sich insbesondere mit der nicht vorhandenen Qualifikation der Ebola-Quacks:

Vier Magier fahren, ihre Zauberkästen im Gepäck, nach Liberia und wundern sich, dass die örtlichen Behörden keine Lust haben, sich von diesen Vertretern ideologischer Medizin verarschen zu lassen. Wieso nr will man sich dort nicht helfen lassen, von vier Menschen, die ihr Berufsleben damit verbracht haben, sich zu disqualifizieren?

Prof. Edzard Ernst dokumentiert in seinem Blog schlicht die Original-Aussagen der deutschen Oberhomöopathin Cornelia Bajic zur „Ebola-Mission“ ihrer Kolleginnen und Kollegen:

As most of it is fairly self-explanatory, I abstain from any comments of my own.“

Recht hat er.

Zum Weiterlesen:

  • „Ebola-Mission“ von Homöopathen in Liberia vorerst gescheitert, GWUP-Blog am 24. November 2014
  • Ein paar Vollidioten sind nach Libera geflogen, um Ebola-Patienten mit Homöopathie zu heilen, Vice am 28. November 2014
  • Homöopathen gegen Ebola: „Je tödlicher die Krankheit, desto mehr Quacksalberei“, FAZ am 28. November 2014
  • Homöopathische Hybris und Ebola, dieausrufer am 28. November 2014
  • Homeopathy for Ebola: an update directly from the „horse’s mouth“, Edzard-Ernst-Blog am 28. November 2014
  • Homöopathie taugt nicht mal als Ausrede, blooDNAcid am 25. November 2014

15 Kommentare

  1. Der Schuß geht nach hinten los…
    Die Aktion bringt eher die Homöopathie in „Verruf“, denn nur wenige Menschen sind überhaupt in der Lage, so blöd zu sein, zu denken, Homöopathie könne Ebola heilen (oder eine bessere Quote, als die Schulmedizin bringen).
    Ich denke, die meisten, die Homöopathika einwerfen, würden bei einer „richtigen“ Krankheit, doch zu einem „Schulmediziner“ gehen.
    Das ist wohl das Problem, daß der „Otto-Normal-Patient“, nicht wirklich weiß, welchen „Anspruch“ die Homöopathie erhebt.
    So gibt es schon lange die „wilde These“, daß Homöopathika, die Antibiotika der Zukunft sein können – ich glaube, daß würde auch kein „gesunder“ Mensch behaupten.
    Da verwundert nicht die Hybris, welche die Homöopathen, bei der Ebola-Epidemie an den Tag legen.

  2. Aus dem Artikel, den trixi verlinkte:

    „…weshalb wenig dagegen spricht, dass Menschen, die daran glauben, diese Alternative zum Gesundbeten bei Menstruationsbeschwerden oder anderen kleineren Wehwehchen einsetzen.“

    Das sehe ich völlig anders.
    So etwas sollte aus meiner Sicht schon im Keim erstickt werden!

  3. @ Pierre Castell
    „…im Keim erstickt werden!“
    Danke,das sehe ich ganz genau so.

  4. „Vollidioten“ ist schon eine harte Umschreibung, dennoch scheint sie in dem Fall ziemlich treffend ausgefallen sein. Das sind gerade solche Bezeichnungen die ich eher vermeiden möchte auch wenn es mich des öfteren juckt sie auch zu nutzen.

  5. @ nihil jie

    Dann sind die Bezeichnungen Vollpfosten oder Trottel wohl nicht verkehrt, oder?

  6. @Pierre Castell:

    Sicherlich, sind diese nicht verkehrt, obwohl sie schon sehr wohlwollend ausfallen im Vergleich zu Vollidioten. Aber das Wort Vollidiot nutze ich eher nur dann wenn es dafür keine Zeugen gibt *g

  7. Ich würde diesen Leuten nicht schmeicheln mit Bezeichnungen wie Vollidioten, Vollpfosten oder Trottel. Hier geht es schlicht um Geldgier.

    Diese Menschen sind einfach nur moralisch völlig verfault. Wer als studierter Mediziner so eine Show abzieht, verdient in meinen Augen ein weltweites Berufsverbot.

  8. @Catweazle

    „Hier geht es schlicht um Geldgier.“

    also sind sie ganz schön durchtrieben *gg si si… denke ich auch, es sind „Schlimme Finger“ ;)

  9. Wenigsten kann man sich per Download heilen lassen oder auch nur mal so vorbeugen:
    http://www.emergencydr.org/

    „Further instructions
    Do not use eRemedies in absence of other supportive measures. Most importantly, if there are symptoms, see a doctor or health care worker! It is important to get enough fluids orally, but intravenous fluids are also necessary. Bedrest is necessary. Hygiene must be maintained regarding vomiting and diarrhea.
    eRemedies are not treatment to be used as a substitute for full supportive care! It is merely one of several natural supportive things that can be done to enhance the bodys healing powers.“

    Das Wichtigste fehlt:
    Vor dem Download bitte Hirn wegschmeißen!

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